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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

fir. 48.

Leramwonli» für den »üauionellen Teil' Dr. I. Kramer, z für bk Änzelgen: I. Parze! ler-Fuida. s Rmcttionsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei fn Fulda- Semipiedier Nr. »- 7eleqr.-Abreife: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 28. Februar 1922.

Bezugspreis: Vioaatlich 8,00 Alk. zugestellt frei ins Haus. - Abgeholl in der Gejchäftssiclle 7.50 Alk. u Anzeigen: Kleinzeile noch Lo'onel 1 Alk.: auswärts 1.50Mk. Reklamezetle (lenbretfe) nach Colone maß 4 Wart.

49. Zahrg.

Die Zusammenkunft in Doulogne.

Das Ergebnis.

Samstag nachmittag trafen sich in der Unter- präfektur zu Voulogne Lloyd George und Poincare, um ihre Meinungen auszutauschen, lieber den Inhalt der Unterredung wurden amtliche Mit­teilungen verbreitet. Der „Temps" schreibt, die Begegnung in Boulogne sei kurzund gut ge­wesen. Sie befriedige in gleicher Weise die Franzosen wie die Engländer. Sie eröffne eine Periode der Zusammenarbeit und kaffe noch mehr hoffen, als bis jetzt realisiert worden sei.

Die von französischer Seite ausgegebene amtliche Mitteilung besagt:

Lloyd George und Poincare hatten in Boulogne-sur- Mer eine Unterredung von mehr a!s drei Stunden Dauer, in deren Verlaus sie mit größter Herzlichkeit eine gewisse Anzahl augenblicklich zwischen den Alliierten schwe- benter Probleme besprachen. Die beiden Premierminister ^rbsn sich besonders mit der Konferenz von Genua beschäftigt und sind vollkommen dahin ütereingekommen, daß politische Garantien geschaffen werden müß­ten, damit weder den Prärogativen dssDölkerbundes noch den m Frankreich nach dem Frieden unterzeichneten Verträgen noch den Rechten der Miierten auf Re- parationen Abbruch getan werbe. Die Sachver­ständigen werden sich in kürzester Zeit in London zusammenfmdsn, um die wirtschaftlichen und technischen Fragen zu prüfen. Die italienische Regierung wird er­sucht, die Konserenz von ®aw

, auf den 10. Apri!

zusamrnenzubc rufen.

Lloyd George und Paine rare haben sich in sehr freund­schaftlicher Weise über die Fragen verständigt, die behan­delt wurden, und die Gewißheit erhalten, daß dos Ein­verständnis zwischen (Sngtob und Frankreich in allen internationalen Fragen bald fruchtbare Er­gebnisse zeitigen werde. Sie hoben insbesondere die Ueberzougung gewonnen, daß keine Schwierigkeit poli­tischer Art die beiden Eierten Rationen daran verhindern wird, in vollem gegenseitigen Vertrauen an der wirt- schaftlichen Wiederherstellung Europas und an der Konsolidierung des Friedens zu arbeiten.

Die Tragweite der hi Voulogne getroffenen Ab­machungen läßt sich, zumal die von englischer Seite gemachten Angaben in mancher Beziehung zu den französischen Angaben schlecht im Ein­klänge stehen, im Augenblick noch nicht abschätzen.

In Frankreich ist man jedenfalls befriedigt. In der Presse wird ausgeführt, Herr Poincare habe seinen prinzipiellen Widerstand gegen die Konferenz aufgegeben und eingewilligt, daß die von England gewünschten Vorberatungen der Sachverständigen bereits in den allernächsten- Tagen beginnen. Er habe von Lloyd George als Gegengabe dafür die Zusicherung empfangen, daß von dem Konferenz. Programm alle politischen Fragen a b g e s e tz t werden. Der englische Premierminister habe inson­derheit die drei in der französischen Note vom 5. Februar als conditiones sine quibus non gestellten Forderungen anerkannt: keine Diskuffion der Friedensverträge, keine Aufrollung des Reparationsproblems und keine Schmä­lerung der Kompetenzen des Völkerbundes.

Der für Frankreich wichtigste Punkt fei die Aus­schaltung der Reparationsfrage.

In E n g l a n d spricht man gleichfalls von einem „vollen Erfolg der Politik Lloyd

Grotzkaufmann Selffermann.

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,^Laß nur, Mutter," wehrte ihr der Sohn. „Das wird alles wieder gut und recht werden. Wenn man jung ist und wenn man den rechten Mut hat und nicht aurläßt und arbeitet!

Sehen Sie, nur arbeiten muß man! Das hilft aus allem heraus, denk 'ch mir! Ich bin nie fröhlicher' als bei der Arbeit . . . sogar," setzte er entschuldigend bei, »wenn ich so was zu arbeiten habe!"

Er deutete auf den Sarg und warf seinen Schurz darüber.

Der hinkende Gesell hatte inzwischen eine Bank, die am Hause stand, von dort mitten in den Garten ge­tragen und für die Mädchen hingestellt. Er brummte einen Gruß und ging dann wieder an seine Arbeit.

„3d; möchte Ihnen herzlich danken," sagte Lore und reichte dem Meister die Hand, „für gestern und heute! 2ch schäme mich fast vor einem Mann wie vor Ihnen, daß ich f0 schwach geworden bin."

„Hm,- fagtc er und behielt einen Augenblick ihre Sjanb in bet seinen. „Das war halt doch ein bißl gar mcl für so einen feinen, kleinen Singvogel. Da hab' ich mir gedacht: „Bringst ihn heim in fein Rest, dort roirb er iich schon wieder erholen." Und Gott sei Dank, es geht ia wieder ... das freut mich recht."

Er schaute sie mit hellen sonnigen Blicken an. Dann brach er mit einer fröhlichen Armbewegung zwei von den schönsten Jepftfn aus den überhängenden Zwei- gen und reichte sie den Mädchen: „Eigenbau! Das emsige, was 'ch Ihnen bieten kann."

„Sie haben uns und insbesondere mir selbst," sagte Lore, „schon in reichstem Maße das Beste geboten, was ein Mensch dem andern überhaupt geben kann — ein mitfühlendes Herz, -tie JJBelt ist doch gerade daran so arm. Wenn ich nur wüßte, wie ich es Ihnen ein ganz klein wenig vergelten könnte."

„Fräulein Müller! Fräulein Müller! Sagen Ste has nicht noch einmal — sonst nehme ich Sie beim Worte!"

„Ich wüßte nichts, was mich mehr freuen würde Herr Hofmann. Womit könnte ich mich denn auch nur jm Geringsten erkenntlich zeigen?" |

Georges". Er habe die Abhaltung der Konferenz von Genua durchgesetzt. Poincare habe die be­kannte Resolution von Cannes in vollem Um­fang akzeptiert. Damit schienen die Pariser Ver­suche beendet, die schwebenden Fragen, insbesondere die der A b r ü st u n g, dem Völkerbund zuzuschie­ben, in dem Frankreich, wie Oberschlesien bewies, den vorherrschenden Einfluß hat. London wider­strebte diesen Versuchen schon wegen der Stellung der Vereinigten Staaten zum Völkerbund; auch waren die Arbeiten der Abrüstungskommiffion des Völkerbundes bisher ergebnislos, und überdies sind sie soeben bis Juli vertagt worden. Die Zu­stimmung Poincares zur Entschließung von Cannes sei um so bemerkenswerter, als die englische Politik für Genua, in dem Vorschlag eines z e h n j ä h - rigen europäischen Burgfriedens ^ur Abkühlung und zur Rekonstruktion Europas gipfelt.

Es wird sich bald zeigen, was die Zufriedenheit in England und dis Zufriedenheit in Frankreich für unangenehme Folgen für D e u t f ch l a n d ha­ben wird.

Lin Kabinett Mia in Italien.

Nach einer drei Wochen langen Krise ist nun endlich wieder eine Regierungsbildung in Italien zustande gekommen. Fakta, ein Anhänger des alten Staatsmannes Giolitti, hat daS Kabinett gebildet. Er gilt als besonnener Mann, dem die Fähigkeit zugetraut wird, Italien auf der Genueser Konferenz würdig zu vertreten.

Das von Fakta gebildete Kabinett beruht in erster Linie auf den Demokraten, insbeson­dere der Giolilti-Gruppe, mit sechs Mitgliedern; daneben stehen drei Popolari (katholische Volkspartei) zwei Rechtsparteiler und ein Reformist. Minister des Auswärtigen soll Schanzer werden. Nach,der italienischen Presse befinden sich in dem Kabinett keine überragenden Politiker. Deshalb wird es be- Sfißt, daß Tittoni zum Führer der italienischen

ordnung und gleichzeitig zum Präsidenten der Konferenz von Genua ernannt worden ist.

MUMM SlStSM.

Deutschlands jährliche Ausfuhr nach 6ami Ausland beträgt zurzeit nur noch 4 Milliarden Goldmark, gegen­über 10 Milliarden Go Dmark vor dem Kriege. Da also tmfere Ausfuhr stark zurückgegangen ist, anderseits bei uns aber fleißig produziert wirst, jo stoß eine Ar­beitslosigkeit zurzeit unbekannt ist, fragt das Ausland: wo bleiben denn diese so erzeugten Waren? Wer­den sie nicht im Inland aufgestapeL, und werden so nicht wieder neue innere Reichtümer geschaffen?

Demgegenüber hat in Cannes Dr. W. Rathenau den Obersten Rot darauf verwiesen, daß Via durch die Bestimmungen von Versailles herbeiasführtcn Steränbe« rimgen seiner wirtschaftlichen Grundlage heute Deutsch­land zwingen, vier Millionen Menschen mir an der Hervorbringung von Gütern arbeiten zu lassen, die uns früher als Kapital mck Ersparnis ohne diesen Arbeits­aufwand zuströmten. Das zeigte Rathenau im einzel­nen an nachfolgenden 5 Punkten:

1. Die Einkünfte aus Kapktalanlagen im A u s l a n d e wursten früher bezahlt in Waren, die so­mit eÜNn fortlaufenden Tribut an (Sutern bedeuten, der in breitem ötrcntt uns zufloß. Schon um diese Güter, vor allem Rohstoffe, zu erhalten, die wir früher als laufenden Ertrag erhielten, müssen wir jetzt arbellen und Arbeitsstunden auswenden. Dieser Arbeitsstunden, aufwand läßt sich auf -3,75 Milliarden jährlich schätzen.

„Damit, daß Sie mir, daß Sie uns allen, wie wir hier beisammen sind, wenn Sie wieder einmal so wett kommen, ein kleines Lied singen. Ihre liebe Stimme wäre der schönste Lohn, den ich mir denken könnte."

„So weit," antwortete sie versonnen. „Ich meine, so weit, um einem guten Menschen eine bescheidene Freude zu machen, müßte man immer sein. Ich bin nicht so egoistisch in meinem Schmerz, daß ich glauben möchte, die ganze Welt müßte nun mit mir und, so lange es mir gefällt, Trübsal blasen. So ein wunder­barer Morgen, wie der heute, ist ja zum Singen und zum Liede wie geschaffen, und mein seliger 33ater hat an solchen Tagen auch schon immer in aller Frühe mich gebeten: „Geh, Lore, sing' was, damit der Tag gut an- geht!" . . .

Sie neigte den Kopf zurück und legte ihn über die untergebreiteten Arme auf die Banklehne.

So in das grüne Blätterdach und den durchscheinen­den Himmel hinaufblickend, fang sie ganz leise ein weh­mütiges Lied, das sich wie der verträumte Morgengesang eines der Wipfelbewohner da oben anhörte.

Der Meister lehnte, die Arme verschlungen, an dem Sarge. Seine Mutter stand neben ihm und der Hund hatte sich zu ihm gesetzt und schaute mit klugen Augen still und artig zu der Sängerin auf, als ob auch er etwas davon verstünde.

Heiner, der Gesell, hatte Leimtopf und Pinsel bei­seite gelegt und sich ins Gras gesetzt.

So horchte alles mit Andacht der stillen, wohlklingen­den Weise und die freie Natur leuchtete dazu von dem Glanz der höher und höher steigenden Sonne.

Das Lied klang in weichen, sanften Tönen aus und die Keine Menschengruppe, die ihm gelauscht, blieb stumm im Nachgenuß des Gehörten.

Dann aber erhob sich Lore und sagte mit schimmern­den Äugen, in denen die Begeisterung für ihre Kunst ein froheres Feuer entfacht hatte: „Jetzt möchte ich etwas anderes singen — von Wagner etwas. Elsa sol­len Sie hören."

Sie lehnte sich gegen den Saum, breitete die Arme aus, atmete tief auf und setzte an.

Doch was war das?

Nur ein kreischender, mißtönender, heiserer Laut löste sich aus ihrer Kehle.

2. Aus dem Verlust an Gebieten ergibt sich ein Verlust an Ersparnissen, der sich in einem Mehr, aufwand von einer Milliarde Arbeitsstunden ausdrückt.

3. Man schätzt auf Grünst ter Tatsache, daß für die R o h st o f fe, die wir einst in unseren Grenzen hatten und die wir jetzt mit der Ausfuhr oder Arbeit b^ahlen müssen, derr dadurch herbeigeführten AnfwarL von Ar- beitsstLmden auf 0,83 Milliarden.

4. Aus der ungünstiyrn landwirtschaft- lichen Flächengestaitung mrd der Verschlech­terung des Düngemittelbezugs ergibt sich ein weiterer Mehraufwand von 1,82 Milliarden Arbeits­stunden.

5. Dor Gegenwert Der verlorenen Dienst­leistungen (Schiffahrt, Außenhandel und Aus- landbankverkchr) dürfte 1,66 Milliarden Arbeiisstun- ten betragen.

Weil aus den vorgenannten Hilfsquellen der Er­trag uns heute reicht mehr zufließt, müssen, so folgert« Ratbcnau, fast ein Fünftel der gesamten arbeitsfähigen Bvvölkenmg Deutschlands, m e h r als 4 M i l l i o n'e n Menschen, Arbeit leisten, die früher nicht notwen­dig war. „Wenn also", so Maß dann Rathenau wei­ter, „bei anderen Nationen eine Arbeitslosigkeit er­scheint, die bei uns nicht sichtbar ist, so möchte ich im Gegensatz dazu von einer unsichtbaronArbetts- losigkeit sprechen, die darin bestcht, daß 4 Mill. Menschen Arbeit leisten müssen, die früher nicht nötig war, und die das Ärbestsngvbms gegen früher nicht verbessert. Und zwar dies vor irgendeiner Zchlung von Wiederherstellungen. Von einer Ausspeicherung von Reichtümern kann mithin nicht die Rede fein."

Wenn aber so zu seiner eigenen Lebmsfriskm-g das stsuislte Volk weit mehr arbeiten muß, als früher, so muß die Wiedergutmachung für das Auslmch cs um so härter treffen. Auch daraus ergibt sich bfe ganze Schwere der Last, die uns durch das Diktat von Versailles unter Verkennung der Gebote der wirtschaftlichen Bem nnst aufgebürdet worden ist.

Scheidemann spricht in Kopenhagen,

Wie die Berliner „Mrmtagspost" aus Kopenhrwen berichtet, hielt am Sonntag in der Fasthalle tes Rat­hauses Philipp Scheidemann vor mehrrwm Tausenden Menschen einen Dortrag. Er sagte, daß es unge- recht sei, Deutsch la nd allein die Schuld am Weltkrieg zu geben. Wer ter Weltkrieg hätte ohne Zweifel verhindert werden können, wenn Demsch- land schon 1914 eine dem Dolkswillen entsprechende Regierung gehabt lchtte.

lieber ten Krieg äußerte sich Scheidernann nur kurz und betonte, daß die deutsche ScylaDemokratis vom ersten Tage an bereit gewesen wäre, Frieden zu schlie- ßen. Ein großer Teil des Vortrages war dem V e r - failler Frieden svertrag gewidmet, den Scheitemann mit außerordentlicher Schärft zerpflückte, Md dessen Ungerechtigkeit er so eindringlich barfegte, daß er oftmals von Deffallsku-nbgebunMn unterbrochen wurde.

Als Scheidemann für das dänische Liebeswerk für die deutschen Kinder dankte und zuletzt die Hoffnung aas einen wahren DMerbund aussprach, erntete er to­senden Beifall.____________ ____________

Hus dem besetzten Gebiet.

• Immer neue verdate. Die interalliierte Nheinlnnd- kvmmission hat den Vertrieb des Buches „Der blaue Schrecken" ton Wilhelm von der Saar, herauSgegcben vom Verlag Kurt Winkler, Stuttgart, verboten. Ferner hat sie einen Antrag des Kapitäns v. Müller (des bekannten Kommandanten des Kreuzers Emdens ihm die Abhaltung von Vorträgen im besetzten Gebiete zu gestatten, abgelehnt, mit der Begründung, daß dieie Vorträge geeignet seien, unter der Bevölkerung einen

Sie erbleichte jäh und wankte.

Hofmann sprang rasch hinzu, um sie zu halten. ,chatt' ich nur nichts gesagt," rief er, „es war noch zu früh. Sie sind noch zu schwach!"

Aber sie hatte sich schon wieder selbst soweit gefaßt, daß sie seiner Hilfe nicht mehr bedurfte.

„Rein, Rein," . . , murmelte sie mit zum Tod er­schrockenen Augen.

„Rein, nein" . . .

Sie griff sich nach der Kehle und schaute eins um das andere wie hilfeflehend an. „Das kann ja nicht fein" . . .

Die hellen Tränen stürzten ihr aus den Augen.

„Ich habe meine Stimme verloren!" stöhnte sie dann.

„Aber nein," meinte Gretchen, „es ist ja nur Schwäche."

„Sie müssen sich nichts einbilden. Das ist nur für den Augenblick."

So suchten sie ihre Freundin und der Meister zu trösten und seine alte Mutter streichelte ihr liebkosend und beruhigend den Scheitel.

Aber der hinkende Gesell humpelte herbei und brummte. „Das gibts schon. Es ist besser gleich die 'gange Wahrheit wie das Milleid, das doch umsonst ist auf der Welt. Zuerst den Beter verloren und dann die Stimme. Das gibts schon. Manchen haßts und es ist oft am besten so. Wer nichts mehr hat, bangt um nichts mehr und kann leichter fröhlich sein, weils um nichts geht."

Er brummte ein paar Takte und tarn bann noch einmal. Wie bei mir. Zuerst stiehlt mir einer das Mädl und dann schlägt er mir noch das Bein krumm auf Lebenszeit. Alles gibts."

Lore hatte den Stopf auf die Hände gestützt und weinte leise vor sich hin. Die andern schwiegen und ehrten ihr Leid.

Der Meister war ins Haus gegangen, um seine Geige zu holen.

Jetzt kam er damit zurück und fegte bas geliebte In- ftrument an die Wange.

Langsam und leise strich fein Pogen über die Saiten und entlockte ihnen linde, weiche Töne, die wie sanfter Trost in bas Gemüt der Leidenden drangen. Immer

Geist wachzurufen, der die Sicherheit der 23e»' satzungstruppen zu gefährden geeignet fei.

preußischer Landtag.

Der Finanzminister meldet sich.

Am Samstag mutte zemächst der Abschnitt „Höhere Schulen" zu Ente geführt; den Abschnitt „Volksschulerr usw." will man erst am 7. März beraten.

Zunächst bittet Flnanzminrstsr Dr. o. Richter, daß bei ter Deschltchsassmrg über die einzelnen HamshÄtspläne die Anträge, von den zweifelhaft ist, ob sie finanziell durchgcfiihrt werden können, in Zukunft zunächst ausgc schaltet werten imb zur Prüfung ihrer Durchführbarkeit noch einmal an den Hauptausschutz zurückgehen. Nachdem Kultusminister Dr. Boelitz darauf auf einige Beschwerten seines Amtsvorgängers Haenisch (Soz.) und des Stern« mwiisten Schalem gemckoovtet hat, enlspimrt sich eine län­gere Einz eltetet te.

Nach ihrer BeemLigung berät man m erster Lesung den Entwurf über die Gewährung von

Wirtschastsbeihilfen an Beamte.

Hiermit werten noch einige ähnliche Anträge verbun- teit. Das Gesetz wird in erster Lesung ar genommen. Man tritt Seich in die zweite Lesung ein, in der namens ter Regierungsparteien der Demokrat Vacleld erklärt, datz sie ohne Rücksicht auf ihre grundsätzliche Stellung zu dem Gedanken ter Wirtschaftshilfe mit Rücksicht auf die Not­tage ter B-swmten die Vorlage annehmen.

Darauf wird der Entwurf in 2. und 3. Lesung ange­nommen, ebenso ein Teil der damit nerbimtenen Anträge, die übrigen Anträge gehen an einen Ausschuß.

Man erledigt dann noch eine Anzahl kleinerer Dor- tagen, darunter endgültig tem Entwurf über das Lan­desschiedsgericht, und vertagt sich schließlich auf Mon­tag dm 6. März.

Deutsches Reich.

* Berlin, 27. Febr. Der Reichspräsident empfing am Samstag den apostolischen Nuntius Pacelli zur Uebetreidjung eines päpstl ichen H an b- schreibens, in dem Papst Pius XL von seiner Wahl und seinem Amtsantritt dem Reichspräsidenten amtlich Kenntnis gibt. — Der Preußische Staatsrar bat einen Antrag an die Regierung gerichtet, die Stelle des Staatskommissars für Volks» ernähruna vom nächsten Jahre ab auszuhebcn und feine Obliegenheiten den früher zuständig ge­wesenen Ministerien zu übertragen.

* Nene Leitung bet Landtagsfrakiion der Deut­schen Bolkspartei.' Die preußische Landtagsfraktion der Deutschen Volksparter vollzog am Donnerstag ihre diesjährige Vorstandswahl. Der bisherige Vor­sitzende Dr. von Krause hatte wegen seines Alters­eine Wiederwahl abgelehnt. An seiner Stelle wurde Dr. von Campe zum Vorsitzenden gewählt. AIS stellvertretender Borsitzendec wurde Dr. K a l l o ge­wählt.

* 3m sozialistischen Freistaat Sachsen. Inftveffante Singe werden aus dem sozimistischen Freistaat Sach­sen gemeldet. Zwischen den f o z i a l i st i s ch en Par­teien aller Richtungen scheinen sich seit län­gerer Zest schon engere Fäden gesponnen zu haben. So oerlaulet jetzt, daß bereits greifbare Verhandlungen unter ten sozialistischen Regierungsparteien ftattgefun« den haben, um einen Eintritt der Kommunisten in die sächsische Regierung zu ermöglichen.' Es heißt, daß die Besprechungen barscher unter beit Beteiligten schon verhältnismäßig weit fortgefchrsttcn sind. Es scheint mich, daß dieses Liebeswerben von den Kommunisten erwidert wird. Denn die Rachrich-. ten gehen dahin, daß die Kommunisten sich bereit er« klärt haben sollen, sogar einen Minister zu stellen. Eine Berliner Zestung weiß zu melden, daß die einzige Schwierigkeit zu einer solchen Koalition nur. darin liege, daß zwischen den Unabhängigen und Mehr-

tiefer- und eindringlicher redeten sie der Betrübten in die Seele.

Sic erzählen von ter Einsamkeit der Heide, die draußen grünte und blühte und ihr herbsüiches Leid dem Menschenherzen predigte, um bas Schicksal bet Sterblichen mit dem ewigen Vergehen und Werben bet Natur zu vergleichen. Das Scheidelieb der wieder nach dem Süden rüstenden Vögel fangen sie und der Bäume rauschenden Märchentraum, der Quellen oerriefelnbes Leben, der Waldtiere scheues Sein und Sterben, der fernen Berge geheimnisvollen Zauber, des Himmels im- rnerwechselntes Blauen und Wolkenspiel, des Herbst- regens Dämmerweben, der Nebel gespenstiges Treiben und das Niedergleiten der alles begrabenden Flocken, aus denen wieder neues Keimen und Wachsen empor* stieg.

All das schilderte das melancholische Lied der Geige.

So allmählich ging sie in ihren Melodien zu neu er« wachender Lebenskraft über, zu einem Verstehen der ge­heimen Zusammenhänge zwischen dem Leid und der Freude, dir aus der Entsagung wunderbar aufblüht und das gequälte Menschenherz zurücksührt zu dem Genießen der einfachen und doch so gewaltigen Herrlichkeit der freien Natur. In ihr und in der Arbeit liegen bis starken heilenden Kräfte gewurzelt, die jeden Schmerz, die jede Sorge zu lindern vermögen. Wer sie zu er» kennen, zu verstehen und in sich auszunehmen weiß, bet wird nie des Trostes entbehren, was auch über ihn kom­men mag.

All das wußte das Lied des in feiner Schlichtheit kunstfertigen und gemütoollen Geigers zu singen und zu sagen, der da draußen am Rande der Stadt sein ruhiges Leben führte in Tätigkeit und Gesundheit.

Und langsam wirkten feine Töne auch auf bas zer­rissene, vom Leid geschüttelte Gemüt des Stadtkindes, das bis jetzt mitten zwischen den Mauern ausgewachsen war in fröhlicher, unberührter Jugend, in der frohen Hoffnung auf ein reiches, der Kunst geweihtes Leben. Es war ihr, als kenne der, der da in Tönen zu ihr redete, ihr geheimstes Leid und wisse die Sprache, die zu ihrem von den bitteren Erfahrungen der letzten Tage und Stunden kranken Herzen bringen konnte.

Sottietzuna folgt.)