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JS 47.

Sonntag. 26. Kodrnm 1922.

Uuwaer Zeitung

Druck der fttfbart Aetieadrrrckerei in F«ld«

Molto, Molt Her WloMM!

Ein Appell des Apostolischen Nuntius

2üif die Mitteilung von der geplanten Hilfsaktien zugunsten des hungernden Rußland hin hat Se. Exz. der Hochwürdigste Herr Nuntius Pacelli an einen per Herausgeber der „Katholischen Korrespondenz" fol­gendes Schreiben gerichtet:

München, den 13. Febr. 1922. Euer Hochwohlgeboren (ehr geschätztes Schreiben vom 2. ds. nebst „Aufruf an die Katholiken Deutschlands" zugunsten des hungernden Rußland habe ich erhalten.

Gern und in voller Erkenntnis der schrecklichen Lage jes russischen Volkes schließe ich mich den Hochwürdig­ten Herren Kardinalen Bertram und Schulte an end bitte und beschwöre meinerseits die deutschen Katholiken, von der eigenen Rot den Blick über die nahe Ostgrenze zu lenken auf das dortige viel größere Elend, das ein Millionenvolk zu vernichten droht. Wer irgend kann, möge das ©einige beisteuern in der Liebe Christi für die dem Tode und der Derzweislung nahen Mitmenschen im ungMichen Rußland. Der verewigte Heilige Vater Papst Benedikt XV. hat mitleidvollen Herzens den Notschrei vom Osten her vernommen und die allzeit mildtätige Hand weit ausgetan, um den Hun­gernden beizustehen Ich zweifle nicht daran, daß auch das deutsche Volk, vorab die deutschen Katho- l i k e n, diesem erhabenen Beispiel nach Kräften folgen wird. Gesegnet sei jede Gabe für die Aermstm!

Ich gebe der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß die Aktion zur Hilfe in höchster Not in den breiten Mas­sen des katholischen Voftes eine günstige Aufnahme finden wird. Ich halte sie zudem für geeignet, den Ge­danken der katholischen Caritas und den Geist der wahren Dölkerversöhnung in reelle Erscheinung treten zu lassen.

Als kleinen Beitrag zu obigem Zweck erlaubt sich die Nuntiatur 1OOOO Mk. zu übersenden.

Der gottwohlgefälligen Anregung besten Erfolg wün. schend und alle, welche sie im Geiste der christlichen Nächstenliebe ausnehmen, von Herzen segnend, zeichnet mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochschätzung Euer Hochwohlgeboren ergebenster f Eugen Pacelli, Erz­bischof von Sardes, Apostolischer Nuntius.

Wie die „K. K." weiter mitteilt, haben die Hoch- würdigsten Herren Kardinale von Breslau und Köln ebenfalls namhafte Summen der Rußlandspende zuge- wiesen. Das Echo, das der Aufruf im kacholischen Volke gefunden hat, ist hocherfreulich. In allen Teilen Deutschlands macht sich ein reger Eifer bemerkbar, zu der Spende, die als Totenopfer zum Gedächtnis des verewigten Heiligen Vaters Benedikt XV. seinem Nach, folger Pius XI. überreicht werden soll, noch Kräften beizusteuern. Insbesondere sind es die Jugendlichen, die in Schulen und Vereinen dieses Werk der internationa- len kacholischen Caritas mit wahrer Begeisterung unter­stützen. In der sächsischen Diaspora kamen als erster Beitrag auf den Aufruf hin tausend Mark von einem Dienstmädchen.

Die „Fuldaer Zeitung" hat für die Hungern- den in Rußland laut Ausweis bereits über 7000 Mark gesammelt.

Wir machen darauf aufmerksam, daß die Geschästs- stelle unserer Zeitung gern weitere Gaben zur Weiter­leitung entgegennimmt. Auch die kleinste Gabe ist will- kommen!

Wohin treiben wir in Preußen in der höheren MSöchenbil-ung?

Mcm schreibt uns:

Immer dev'i.cher erlernt mcr. de Lim», auf b;r sich neuerdings die Entwicklung der höheren Mödchrnbiloung bewegt Den Aukbou der unteren Klaffen der Lyze-n, die plötzlich als Vorschule behandelt wurden, konnte man noch als ein Zugeständnis an die Verfassung ansehen, di? orn.' für alle gemeinsame Grundschule verlangt. Aber bald kamen die Vertreter der Einheitsschule an die höhe­ren Schrien selbst heran und verlangten Herabsetzuno der Schulzeit der höheren Schulen um ein Jahr. Außerdem sollte der Mittelbau der höheren Schulte jenem der Mittel- schule gleich gestaltet werden.

Da kam im Herbst des vergangenen Jahres der Mi- nisterialerloß für die Lyzeen: „Ich beobnchtiae Dftern usw " Er verlangt Entfernung des Französischen aus der 7. und 6. Klaffe. Natürlich ist niemand so naiv zu glau­ben, daß es sich hier nur um eine Reform des Franzö­sischen im Lyzeum handelt oder um eine Enllastung der Schüler innen. Bekanntlich muß man mit dem Erlernen der Fremdsprachen so früh einsetzen, daß das mechanisch arbeitende Gedächtnis ausgenutzi wird, in einer Zeit, wo

Großkaufmann Selftermann.

Von Wilhelm Herbert, München.

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„Was hab' ich gesagt?" lächelte Dr. Stöcker und reichte Gretchen die Hand. „Sie hats weggefchlafen. Ein wenig zerschlagen natürlich noch! Aber weiter fehlt nichts!"

Lore sah blafler aus wie sonst, hatte blaue Ringe unter den sprechenden Augen und war stiller und ge­messener in ihren Bewegungen.

„Ich hab' heut' Nacht sieträumt," sagte sie zu Gret­chen, als Johann den Arzt hinausgeleitete, „von mei­nem Vater. Er war bei mir, wie im Leben — und doch wußte ich, daß er tot war. Ich habe mich aber nicht im geringsten vor ihm gefürchtet. Er sagte, daß er von Zeit zu Zeit zu mir kommen werde, wenn ich ihn brauche. Auf einmal stand dann ein großer, star­ker Mann bei uns im Zimmer und sagte zu uns, wenn wir wollten, würde er Herrn Selstermann erschlagen und Euch alle. Da schrie ich im Schlafe laut auf, so man es sicher gehört haben muß: „Um Gottes nullen, Gretchen nicht! Gretchen nicht!" Mein Baler ober meinte, er solle überhaupt keinen erschlagen, auch 2„efrn, ^lstermann nicht, der müßte es schon noch büßen. <d) wollte meinen Vater eben fragen, was er bufjen mußte . . . da bin ich aufgewacht und der helle Tag stand Ichon im Fenster. Was man doch für wun­derliche und tolle Träume hat!"

vielleicht, wie du meinst, Sore!" . n ^wiegen eine Weile, jede mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt,

„Jetzt nicht weiter von dem!" sagte Sore dann. „Ich Hobe mir heute früh vorgenommen, die Sache ganz an­ders anzufangen, rote ich es diese ersten beiden Tage ge- wacht habe, nicht mehr so wild braufftürmenb; denn d° geh- ich zu Grunde dabei. Lh Hobe das gestern ge- sehen. Und zu Grunde gehen will ich nicht. Nicht bloß, »eil es sicher nicht der Wille meines Vaters ist und »eil er mir gewiß nicht umsonst Johann und setzt wieder den Traum geschickt hat. Ich will auch nicht zu Grunde gehen, damit nicht die Leute sagen können: „Wie der $ater, so die Tochter!" Ich will auch durch die Art, wie ich lebe, beweisen, daß der Verdacht gegen meinen SSoter unberechtigt war. Ich will ein in jeder Hinsicht einroandfrlies Leben führen, daß man nicht aus meinem

der Vorstand noch mehr zurücksteht. Man tarnt also nichts anderes in dem Erlaß sehen, als die allmähliche Hinüber- fühvung der Mittelstufe in eine fremdsprachenfreie Mittel­schule und die Anbahnung des sechsjährigen Lzeums. Vorläufig ist der Erlaß noch nicht zur Ausführung ge­kommen. Er ist aber auch noch nicht zurückgenommen. Jedenfalls hat der Herr Minister im Landtage die Ein­führung des sechsjährigen Lyzeuuts neben dem sieben­jährigen zugegeben zur gleichen Stunde, in der er für die Knabenschule die neunjährige Studienzeit wie bisher feftiegte. Bei den Knabenschulen sollte es also beim alten bleiben. Die Mädchen haben wieder einmal den zweifel- hasten Vorzug, Maßnahmen der preutzifchen Untevnchts- verwaltung auf ihren Wert oder Unwert an sich erproben zu losten.

Noch ist man an den Lyzeen über diesen Erlaß nicht zur Ruhe gekommen, da trifft dsr dritte schwere Schlag ein, der schwerste bis heute, von dem die Gegner mit Recht erhoffen, daß er diesen Schulen ent Ende bereitet: Das Oberlyzeum hat fein Todesurteil er­halten! Im Hauptausschuß des Landtags verlas der preußische Kultusminister einen Erlaß, der heute bereits allen Oberlyzeen mitgetellt ist. Das Oberlyzeum wird dem ßefjrerinnenfemincr gleichgestellt und mit diesem dem Aussterben überantwortet. Daß das Oberlyzeum noch eine andere sehr wichtige Aufgabe hatte, den sogen, vier- ten Weg zur Universität zu bahnen, ist vergessen. Es soll umgewandelt werden m eine Frauenschule, eine Stu­dienanstalt oder eine deutsche Oberschule.

Sei! Bestehen des Oberlyze-ums ging der Wunsch wei­ter Fachkreise dahin, dem Oberlyzeum neben der Lehre- rimienprüfim« das volle Abiturium zu geben. Schon fest die Resonnplänc der neuen Lehrerbildung beraten wur­den, war man bereit, auf die Lehrerinnenprüfung als Abschluß des Oborlyzeums zu verzichten, und dafür m eine Reform des Oberlyzeums einzutreten. Der päda- gogstche Fachunterricht fallt« lallen und die freiwevdenden Stunden für den übrigen wissenschaftlichen Unterricht aus- genützt werden. Das Kottbuser Oberlyzeum machte den Anfang und ihm folgten bald ein Dutzend andere. Das OboAyzeum wäre gerettet gewesen als Dorbereitungsan- stall für akademische Studien. Da wurde in Berlin der Karren mit hörbarem Ruck herumgeworfen. Ein Mniste- rialerlaß kam, der di« neue Umgestaltung unterband. Direktor Made in Elberfeld versuchte auf anderem Weg nochmals, das Oberlyzeum zu retten. Er bezog auch die 1. Lyzeumsklosie in die Umwandlung ein. Vergebliche Liebesmühe! Das Oberlyzeum wurde nicht reformiert. Es erhielt auch trotz der bereits vorhandenen Ansätze nicht dos Abituriiun und soll auch keine weitere Berechtigung mehr erhallen. Mll der allen Lehrerinneubildung fällt es aus noch einem kurzen Leben, dos größtenteils in die Kriegszeit fiel.

Welche Wirkungen wird dieser Oberlyzealerlaß aus­üben? Noch ist das Unheil nicht abzusehen. Zunächst ist damit das noch bestehende Oberlyzeum einfach wie­der zum „höheren Seminar" degradiert. Es hat nicht mehr die Möglichkeit, in Konkurrenz mit den anderen höheren Lehranstalten die weibliche Jugend weiterzu- bllden, vor allem der künftigen Lehrerin die Allgemein­bildung zu geben, denn diese künftige Lehrerin mutz durch eine Lehranstalt gegangen fein, die zum Abitu­rium führt. Der vierte Weg, der bisher vom Ober- lyzeum zur Universität führte, ist mit einem Federstrich erledigt. Wenn das Volksschullehrerinnenseminar as- gebaut ist, also spätestens 1926, dann gibt es auch kein Oberlyzeum mehr. Mit dem Oberlyzeum wird aber auch das Lyzeum zum Verdorre» verurteilt. Die drei untersten Jahrgänge sind ihm durch das Gnmdschul- gesetz genommen. Der vierte Jahrgang fällt mit der Einstihrung des sechsjährigen Lyzeums, das der Mini- fier neben dem siebenjährigen bereits zugesagt hat. Die Studienanstalten gabeln nach drei dezro. vier weiteren Jahren vom Lyzeum ab. Die Oberstufe des Lyzeums ist also der eifrig strebenden jungen Mädchen beraubt, die zum Lehrerinnenberuf hinstrebten. Am Ende de- Lyzeums steht nur noch die Frauenschule, in die auch Mitschülerinnen als Gasthörerinnen zugelassen werden können. Vom ganzen Lyzeum bleiben also nur drei Klaffen unversehrt erhalten.

Wird auch die deutsche Oberschule vom Lyzeum ab« gabeln? Vielleicht! Vorläufig verlangt der Erlaß über die Umwandlung der Oberlyzeen, daß alle jene Anstal­ten, die umwandeln wollen, von der obersten Lyzeums­klasse ab gleich den deutschen Oberschulaufbau bilden können, daß sie aber gleichzeitig von der untersten Lyzeumsklaffe ab umbauen müssen, wenn sie die Ge- nehmigung für das Abiturium haben wollen. Die Ga­belung vom. Lyzeum aus ist also in diesem Erlaß ver­sagt. Was nun? Die Lyzeen müssen sich in den Mit­telbau der deutschen Oberschule umwandeln. Wie gewin­nen sie -aber bann den Anschluß -an die Studienanftal- ten, da dieser Mittelbau doch • nur eine Fremdsprache haben wird? Die Studienanstallen werden sich darum ihren eigenen Unterbau angliedern. Vielleicht läßt man die Lyzeistinnen noch gnädig in die Aufbauschule. Die Reife der Volksschülerinnen werden sie ja doch wohl haben.

Die letzte Hoffnung ist also die deutsche Ober- schule. Mehr als den Namen kennen rotr noch nicht von ihr und doch sollen wir schon Ostern 1922 die Oder- lyzeen und Lyzeen in die Oberschulen umroanbeln. Was

Tun und Lassen heraus irgend einen Stein auf das Grab meines Vaters werfen kann.

Und darum will ich auch den Spuren feines eigenen Lebens mit aller Ruhe nachgehen. Ich will warten, bis ich so ruhig binund so viel Selbstbeherrschung habe, daß ich gar nichts versehe, daß jeder Schritt und Tritt, den ich in dieser Sache tue, sicher und fest ist!"

„Ich danke Dir für die Blumen," sagte sie bann, „und für alles, was Du mir gestern getan hast!"

„Das Beste habet hab' nicht ich getan, sondern Jo­hann unb dann, Sore, ein Mann, her uns beiden ganz unbekannt war — du wirft ihn auch nicht kennen!"

„Von wem sprichst Du, Gretchen?"

„Hat Dir Iohmm noch nichts gesagt?"

„Nein, er hat von gestern gar nicht geredet. Er will mich offenbar verschonen damit. Was war mit mir?"

„Wie Du plötzlich ohnmächttg wurdest, fprang ein fremder, stattlicher Mann herzu mll einem großen, dunk­len Vollbarte unb trug Dich in ein Auw. Dis wir hierherfuhren, war er schon wieder da und Hai Dich die Treppe heraufgetragen . . . und er war es auch, her mir eben begegnete, und die Blumen für Dich gab. Ein Schreinermeister Hofmann ist es, der sein Haus und seinen Garten hinter dem Holzlager ba drüben hat. Er hat Dich schon oft fingen hören unb, well er selber bie Geige spielt, eine große Freude an Deinem Gesang und so auch ein lebhaftes Mitgefühl für Dein Unglück!"

„Ach, wie romantisch," lächelte Sore wehmütig. „Gibt es wirklich noch einen Menschen, der gut von der Toch­ter des verlästerten Selbstmörders denkt?"

„So mußt Du nicht reden! Es denken sicher viele wie er. Ich habe ihm übrigens versprochen, wenn ich von Dir weggehs, zu ihm hinüberzukommen und ihm zu fagen, wir Dir ist!"

„Ich gehe selber mit, Gretchen."

ich so ruhig bin unb so viel Selbstbeherrschung habe, „Wirst Du Dir nicht zu viel zumuten damll, Lore?" „Nein! Nein! Die Schwäche ist schon vorüber. Ich bin doch sonst nie so gewesen unb ich will feine der­artigen Dinge mit mir aufkommen taffen. Ich brauche meine Kraft notwendiger als je. Und wenn der Mann mir so beigefprungen ist in der elendesten Stunde mei­nes Lebens, bann tnärs unrecht von mir, wenn ich nicht bie erste Minute benützen würde, in der ich wieder kann, um ihm zu. danken!"

weiter? Nebel — Unklarheit — Verwirrung! Ist das Ausbau? Wo bleiben die Sachverständigen? Unb was sagen die Ellern dazu? Es ist höchste Zeit, daß sie oer- langen, daß Bewährtes nicht eher preisgegeben wird, bis das Neue erprobt ist. Wollen sie ohne Schwert» streich bie Schule preisgeben, der bisher die Allgemein­bildung unserer Frauenwell in weitestem Maße oblag?

Unsere Handelsbilanz aktiv?

Nach den vorläufigen Feststellungen des Statistischen R-ttchsamts über die Ergebnisse des deutschen Außenhan­dels in den einzelnen Moneten zeigte die zuletzt vorliegende für den Dezember zmn erstenmal wieder eine aktive Handelsbilanz. Das heißt: die Einfuhr, die dem Wert nach 13,7 Milliarden Papiermark betrug, war um rund 900 Millionen Mark geringer als die Ausfuhr mit 14,6 Milliarden Mark, oder umgekehrt: die Ausfuhr überstieg die Einfuhr.

Im einzelnen waren zu verzeichnen bei der Ein­fuhr: landwirtschaftliche Erzeugnisse 6.33 Millionen Dop­pelzentner (im November 9.48 Millionen Doppelzentner) im Wert non <M 8.88 (8.64) Milliarden, ferner minera­lische Rohstoffe 12.81 (14.26) Milliarden Doppelzentner im lltzerie von 1.20 (1.05) Milliarden. Spinnstoffe 0.12 (0.10) Milliarden Doppelzentner im Werte von 1.58 (1.33) Milliarden, Metalle 1.23 (1.16) Milliarden Dop- pelZentner im Werte von JL 1.42 (0.66) Milliarden, davon Kupfer 0.96 (0.38) Milliarden Doppelzentner. Don der Ausfuhr entfallen ans landwirtschaftliche Erzeugnisse 2.20 (2.45) Milliarden Doppelzentner hn Werte von al 1.75 (1.35) Milliarden, mineralische Rohstoffe 10.30 (9.99) Milliarden Doppelzentner im Werte von JL 0.74 (0.63) Milliarden, chemische Erzeugnisse 2.01 (1.85) Mil­liarden Doppeltentner im Werte von Jll.29 (1.38) Mil­liarden, Metalle und Waren 2.26 (2.45) Milliarden Dop­pelzentner im Werte von M 2.56 (2.28) Milliarden, Ma­schinen usw. 0.56 (0.43) Milliarden Doppelzentner im Werte von M. 1.81 (1.45) Milliarden, Leder und Leder­waren 75 000 (20 000) Doppelzentner im Werte von ,« 0.982 (0.795) Milliarden, Holz und Holzwaren 162 000 (132 000) Doppelzentner im Worte von <« 0.403 (0.301) Milliarden, Spielzeug. Uhren 72 000 (71 000) Doppelzent­ner im Werte von 0.501 (0.404) Milliarden.

Es läge nun nahe, diese Aktivität der Handelsbitanz für den Dezember als ein Zeichen der Besserung der wirischastlichen Verhältnisse Deutschlands zu bewerten. Eine solche Anmchme wäre aber ein Fehler. Denn steht man sich die vorstehenden Ziffern einmal näher an, so erkennt man, daß die Aktivität nicht herbeigesührt wor­den ist durch eine wesentliche Steigerung der Ausfuhr mengen, sondern durch die Erzielung höherer Exportpreise infolge unserer außerordentlichen Dalutaoer- Mechterung. Die Steigerung der Ausfuhrmenge beträgt nur rund 215 000 Doppelzentner und ist zur Hauptsache eingetreten bei der Maschinen-, Holz- und Lederwaren- sowie Chemischen Industrie. Demgemäß ist die Derbeffe- nmg der Handelsbilanz entscheidend zurückzuführen auf eine starke Verminderung der Einfuhr ins­besondere an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und teil­weise Rohstoffen. War unsere schlechte Währung ein Förderungsmittel für unsere Ausfichr, so war sie ein Hemmnis ist eine starke Eindeckung mit Auslandsstoffen.

So ist denn in Wahrheit die Gestaltung unserer Han- delsbilanz vom Dezember nicht etwa em Beweis für Deutschlands wirtschaftliche Erstarkung und Gesundung, sondern ein solcher seiner inneren Schwäche. Einer etwas gesteigerten Ausfuhrmöglichkett („Deutscher Ausverkauf") entspricht eine verringerte Kaufkraft gegenüber dem Aus­land, die sich ht ihrer weitern Auswirkung in Form einer verringerten Konsmnfähigkeit der breiten Volksschichten und der Verschlechterung deren Lebenshaltung offenbaren muß. Wir sind also statt reicher eher ärmer geworden. Ein Zeichen durchgreifender Erholung unserer Wirtschaft würde die aktive Handelsbitanz dann sein, wenn sie be­ruhte erstens auf einer Verringerung unserer Leben smit- telemsuhr infolge gesteigerter einheimischer Bedarfsdeckung und zweitens aus einer durchgreifenden Erhöhung unserer Ausfuhrmengen bei zu mindestens stabi list etter Valuta. Von der Srfüffung beider Vorbedingungen sind wir heute leider noch wett entfernt.

Aber selbst eine dauernde Aktivität unserer Handels- bilanz würde kaum Äs ein Anfang unseres wirffchÄtlichen Wiederaufbaues anzusehen sein, solange unsere Zah­lungsbilanz paffiv bleibt, b. h. unsere Verpflich­tungen an das Ausland größer sind. Äs die Zahlungen dieses an uns. Hier kann vorläufig nichts anderes einen Ausgleich schaffen, als eine große internationale Anleihe. \

Das Wohnung- und Ste&IungswefetL

Eine Denkschrift über Maßnahmen auf dem Ge­biete desWohnungs- und Aiebttmgswesens seit 1914 bat der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns dem Reichstag zugeben lassen. Die Denkschrift gibt zu­nächst einen " allgemeinen Ueberblick über die Ent­wicklung des Siedlung^- und Wohnungswesens in den letzten Jahrzehnten. Sie geht dann ein auf den Einfluß des Krieges und der Nachkrieosverhälknisse

Johann machte zwar einige Einwendungen, als er von dem Vorsatz seiner Patientin hörte. Der prächtige Herbstmorgen aber tat sich immer herrlicher auf und schien ihm ein solcher Schrullenvertreiber, daß er nicht weiter in sie drang, zumal er in Gretchens Geleit Lore geborgen wußte.

So gingen denn bie beiden Mädchen miteinander bie Treppe hinab und bie Straße entlang an bem Bret­terzaun, ber das Holzlager umfriedete.

Lore selbst war noch nie in diese Gegend gekom. men, weil ihr Weg sie immer stadteinwärts geführt batte.

Das Lager bildete die eine Seite der ganzen langen Nebenstraße, in bie sie nun einbogen. Ms sie deren Ende erreichten, lag bie Freiheit vor ihnen. Die Stabt hatte hier mit einemma! ihr Ziel gefunben.

Vorläufig wenigstens, bis sie ihre nimmermüden Arme weiter unb weiter in bas Wiesenland hinetn- streckte, das sich hier bis zum Waldrand zog. Hinter dem stiegen in blauer Ferne als wunderbarer Abschluß die Berge auf. deren breite, zum Teil heute von Neu- schnee gekrönte Kette man hier überraschten Blickes vor sich sah.

„Wie nahe doch die Freiheit und Knechffchaft bei , einander wohnen", sagte Lore und hielt an. „Es ist einem, als könnte man hier ein ganz anderer, froherer und glücklicherer Mensch werden wie ein paar hundert Meter rückwärts in den Mauern und Gaffen.

Das glaub' ich schon, daß da gut Geige spielen ist — da müßte auch gut singen fein!"

Sie gingen langsam am Rand der tauglänzenden Wiesen hin, die dritte Seite der Bretterplanke entlang und standen bann plötzlich vor dem Garten Hofmanns, in besten Mitte das kleine schmucke Haus mit ber Werk- tätte lag.

„Ach, ist das prächtig," rief die lebhaftere Lore halb­laut unb legte unwillkürlich bie Hänbe ineinander. Der ganze niedere Zaun war von einer solchen Fülle von Herbstblumen in allen Farben durchrankt und über« blüht, daß er wie ein Blumengitter aussah. Eine Allee gewaltiger Sonnenblumen zog sich von der Türe bis zu dem Hause hin unb an diesem und ber angebau­ten Werkstatt wucherte und wuchs Weinlaub empor, das etzt in feurigem Herbstrot erglühte.

lieber die Wiese waren Obstbäume verstreut, aus '’eren Laubbach golden und pur»»«» die reifenbe»

auf das Wohnungswesen unb erörtert fobann bie bisherigen Maßnahmen auf biesem Gebiete.

Dieser letztere wichtige Teil der Denkschrift gibt zunächst einen allgemeinen Ueberblick über die bisher eingeleiteten beziw durchgeführten Maßnahmen, über bie organisatorischen Maßnahmen des Reiches und der Länder und privater Stellen. Er schildert weiter die Versuche zur Belebung des Wohnungsbaues unb bie Maßnahmen zur Regelung der Mietverhältniffe, ferner d e Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel, die zur Förderung der Neubautätigkeit.

Ein besonderes Kapitel ist der Verwendung bei aufgebrachten Mittel im besonberen zum Bau von Bergmannswohnungen gewidmet. Danach sind für den Bau von Bergmannswohnungeü im Jahre 1920 insgesamt rund 1,12 Milliarden Mark ausgegeben worden. Hiervon sind aus dem Kohlen- fond rund 900 Millionen Mark entnommen, während 300 Millionen Mark Reichsvorschüfse sind. Im Jahre 1921 hat sich bie Summe beträchtlich erhöht. Es sind in diesem Jahre aufgewendet worden für den Bau von Bergmannswohnungen rund 2,4 Milliarden Mark, hiervon sind rund 860 Millionen Mark aus dem Kohlenfond unb 1,5 Milliarde» Mark Reichsvorschüsse.

Aus dem kirchlichen Leben Deutschlands im Jahre 1920.

Die feit 1915 bestehende amtliche Zentralstelle für kirchliche Statistik im katholischen Deutschland (Sitz Köln) hat soeben bie lstatrstlk über das Jahr 1920 ab­geschlossen. Danach zählte baS Deutsche Reich neuen Umfanges (das an Polen abgetretene Gebiet Ober« schlesienS ist noch eingerechnet, da eS erst 1921 abge­trennt wurde, das Saargebiet dagegen nicht) 9431 Pfarreien und 1383 sonstige Seelsorgsbezirke. In diesen 10814 Gemeinden wirkten 15474 SeelsorgSgeisttiche und 3602 sonstige Weltpriester, insgesamt also 19076 Welt­geistliche bei 20822031 Katholiken. Auf einen Seel- sorgSbezirk entfallen mithin durchschnittlich 1346 Katho­liken. Doch liegen die Verhältniffe in Wirklichkeit fo, daß in Süddeutschland erheblich weniger Katholiken auf einen Seelsorgsgeistlichen kommen, während die Zahl für Norddeutschland desto ungünstiger ist.

Katholisch getraut wurden 253366 Paare darunter 29 665 yemischtkathottsche und zwar 11436 mit katholischem Bräutigam und 18 229 mit katholischer Braut. Die katholische Taufe empfingen 583 248 Kinder, davon 38241 aus Mischehen /15 338 aus Mischehen mil katholischem Vater und 22 903 mit katholischer Mutter) unb 59 893 von lebigen katholischen Muttern.

Die Zahl der Erstkommunikanten betrug 476389 (gegen 459527 im Jahre 1919) und zwar 235 441 Knaben und 240948 Mädchen. Die Gesamt­zahl aller hl. Kommunionen belief sich auf 189 072 854. Gegen das Vorjahr zeigie sich hier eine kleine Abnahme. Rund 12 Millionen Katholiken genügten ihrer Oster« pflicht. Das find mindestens bret Viertel der kom­munionpflichtigen Katholiken Deutschlands.

Die Zahl der Uebertrnte zur katholischen Kirche hat sich in erfreulicher Weise weiter stark vermehrt: sie stie- gen von 7829 im Jahre 1919 auf 9 351 im Jahre 1920 mithin eine Zunahme von 1522. An Austritten aus der katholisch en Kirche wurden 44.6'33 gezählt, angesichts der Anstrengungen, die von glaubensfeindlicher Seite gemacht wurden, ein geringer Bereust.

Da? Saargebiet, baS in obigen Zahlen nicht einbegriffen ist, zählt 142 katholische Pfarreien unb 21 sonstige Seelsorgsbezirke mit 293 Weitgeistlichen bei 507831 Katholiken. 8270 Trauungen wurden borge« nommen unb 15 430 Taufen. 13811 Kinder wurden gut ersten hl. Kommunion geführt. Insgesamt zählte man 5 361 880 hl. Kommunionen. 311762 Katholiken erfüllten ihre Osterpflicht. Neben 121 llebcrtritte zur katholischen Kirche gab es 185 Austritte. Dr. E.

Aus dem Nachbargebiet.

fpb. Frankfurt a. M. Wie der »Kommunist' meldet, hat bie Eisenbahnbirettion bem Eisenbahn« schaffner Johann Knoth, ber bekanntlich preußi­scher Landtagsabgeorbneter ist, wegen seiner Teil­nahme am Eisenbahnerstreik das Dienstverhältnis zum 4. März gelündigt. In Hanau wurde der kommunistische Karlellvorsitzende Trageser aus bem gleichen Grund entlassen. Außerdem wurde gegen ihn Anklage wegen Aufruhrs erhoben. Der Vertrauensmann der Schwerkriegsbeschädigten im Eisenbahnbirektionsbezirk Frankfurt, Klehm aus Vilbel, wurde dem gleichen Blatt zufolge aus dem Büro des Bezirkcbe'riebrales heraus verhaftet.

mc. Frankfurt a. 21L An der Hauptwache stieß ein auswärtiger Kraftwagen mü einer Auto- Früchte blinkten. Unter den Säumen lag Wäsche ausge. breitet, die da in ber warmen Sonne xu blendender Weiße bleichte.

Der Schreiner und fein hinkender grauhaariger Ge­selle waren emsig an der Arbeit, während das alte Mütterchen, umtanzt von dem mutwillig bellenden Dackel, sich an der Wäsche zu schaffen machte.

Heiner, der Geselle, leimte an einem kleinen, feto (amen Ding herum, worin man bei schärferem Zu­sehen die Umrisse einer Wiege erkennen konnte. Er brummte dabei ein leises Lied vor sich hin, in das der Meister mit heller Stimme lauter einfiel.

Hofmann selbst war um eine Truhe beschäftig!. Man sah auf den ersten Blick, es war ein Sarg. Das hinderte ihn nicht, bei der Arbeit fein heiteres Lied zu fingen.

Die beiden Mädchen standen eine Weile am Zaun unb beobachteten das frische, fesselnde Bild.

Sie hätten wohl noch länger gestanden, wenn sie nicht der Hund entdeckt hätte unb durch bas Gra-> lauf bellend hergefaust wäre.

Da sah auch Hofmann von seiner Arbeit auf und gewahrt die Zaungäste. Er legte den Hobel weg, klopfte sich die Späne vom Brusffchurz und trat an den Gar- tenranö.

„Das ist allerdings mehr, als ich erwarten konnte/ rief er fröhlich unb streckte bie Hand heraus. „Saper- tot! Das hätf ich mir nicht vermutet."

„Mutter!" wendete er sich lachend an die Greisin im ter den Bäumen. „Da schau nur, wer zu uns kommt Die stolze Elsa von Brabant selber und noch ein edler Ritterfräulein!"

„Sie müssen schon entschuldigen," erklärte er, wäh­rend er die Gartentür öffnete und den an den Gästen emporspringenden Dackel abwehrte, „so Haden wir Sie nämlich immer genannt wegen Ihres schönen Gesanges, dem wir oft zugehört haben. Denn der ruhige Abend hat Ihre Helle Stimme ba herüber getragen zu uns."

Sie waren eingetreten und auch die Mutter Hof­manns hatte sich genähert; sie jammerte: „Ach Gott! Ach Gott! Und jetzt das Unglück! Grab' wenn man fo singen kann und mit fo einem weichen Herzen, wies immer aus dem Gesang herausgeklungen hat, tut einem so was doppelt undd dreifach weh!"

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