Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
fir. 45
BeraniworMcti für Den ceOüiiicntUen Itii* Dr. I. Kramer« - für Bit Anzeigen: I. PorzeUer-Fuida. :: SRotattonsDrud u. Verlag Bet Fuldaer Actiendruckrrei in Fulda. Ttermprertier Nr. v- Trlegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung.
Freitag, 24. Februar )922.
Lezugspreis: Monaiiich 8.0j 2IIL zugeiielil frei ins Haus- ~ Adgeholl in der Geichälisst.lle 7,53 Mk. ?. Anzeigen: Kleinzeile nachao onei lKkk.. ausrolrte 1.50IRL A » k « a m e j t 11 f (ivnürrite) nach Colone maß 4 Jf-’ct’.
49. Zahrg.
Kartell - Stock - Koalition.
Das ilmerpoMische Problem.
Die Namen haben gewechselt, die Sache blieb im Kern dieselbe: Die Regierungsparteien sollten sich zu einer festgeschlossenen Mehrheit verbinden und die Geschäftsführung in ihre Hand nehmen unter Veiseiteschiebung der Opposition.
Schon unter dem Fürsten Bismarck wurde ein Versuch in dieser Richtung gemacht. Bei den sogenannten Angstwahlen von 1887 hatten die Konservativen und die Nationalliberaien ein Kartell geschloffen und die Mehrheit erlangt. Die Wahlsieger wollten auch weiter Zusammengehen, um die drei anderen Parteien lahmzulegen, nämlich die unbequemen Fraktionen „Windthorst-Richier-Grillen- berger", wie man damals sich ausdrückte. Dis Herrlich! eit währte nicht lange. Gefährlich für das Kartell wurde alsbald die'Deckungsfrage, besonders die Branntweinsteuer. Windthorst operierte so geschickt, das; die Konservativen wieder in die Versuchung kamen, das Zentrum gegen die national- liberalen Kartellbrüder auszuspiclen. Mit den Wahlen von 1890 war die Kartellmehrheit gebrochen und zugleich der Sturz von Bismarck ein» geleitet.
Im Jahrs 1906 versuchte Fürst Bülow, der tänzelnde Reichskanzler, eine ähnliche Blockpolitik. Ihm gelang es, die Fortschrittspartei auf den Leim zu locken. So brachte er eine Mehrheit von Konservativen, Nationalliberaien und Freisinnigen zusammen, nannte das Gebilde Block und machte keinen Hehl daraus, daß es hauptsächlich darauf abgesehen sei, das Zentrum vollständig ohnmächtig zu machen. Der Block sollte und wollte ausgespro- chenermahen die Geschäfte ausschließlich allein führen. Es gab bei der Gegensätzlichkeit unter den Blockparteien bald häusliche Krisen, aber sie wurden einige Jahre lang überwunden durch die jeweilige Erneuerung des Rütlischwures. JBiele werden sich noch erinnern, daß der Abg. Gröber bei einer solchen Gelegenheit seine kürzeste und packendste Rede hielt, indem er sagte: „Und der Hans küßt die Grete, und es ist alles wieder gut." Als nun aber die Steuerfragen ernstlich in Angriff genommen werden mußten, da wurde nicht alles wieder gut Die Konservativen fingen wieder an, die Mitwirkung des Zentrums zu schützen. Wie das Bismarckfche Kartell, so wurde auch der Tülowsche Block durch die Steuerfragen gesprengt. Fürst Bülow verschwand mitsamt seinem Block. Sein Nachfolger kehrte zu dem alten Berfahren zurück, von Fall zu Fall die Mehrheit zu nehmen, wo sie zu finden war, ohne sich an eine bestimmte Eruvpierung zu binden.
Wenn nun in der Neuzeit wieder eine f ste Mrhr- hellsgruppe unter dem Namen Koalition für not» ro?r6 i.a geh allen wird, so muß man den w f nl lichen Unterschied zwischen der damaligen unb der heutigen N gienmg im Auge behalten. Diorvrck und Dülew hotten eigentlich das Kartell ober den Block gar nicht nöiifl. Sie waren Minister d s Monarchm; sie konnten sich auch behaupten, wenn sie gelegentlich im Reichsten in die M'ndekhe't gerieten. Daher konnten sie mich mit wechselnden Mshchritm regieren Bismarck hat dosen Berteil auch öfter wahrgenommen. So n-achte er 1879 die große Wirtschafte- und Steuern- form mit fi'lfe dos Zentrums unter Ausschaltung der Nationallibaralen, und hinterher rief er die National- liberal- n und KonVrvat ven wieder auf zur Beläm- Phung des Zentrums. Fürst Bülow mar die Block-
Grotzkaufmann ZeUsrmann.
Don Wilhelm Herbert München.
85i --
Diesmal wagte er es auch, Gretchen in die Augen zu sehen, die — ohne etwas zu erwidern — feinen Blick ruhig aushielt.
„Ich brauche keinen Ersatz mehr für sie", sagte Frau Eelftermann. „Ich komme mit Margaret recht weh! durch. Es ist mir sogar lieber so — vor ihr habe ich kein Geheimnis und brauche keines zu haben. Dor Fremden war mir immer die Rede mehr als notwen- big gebunden."
Die Alte, die noch vor dem Zubettegehen von der Entscheidung hörte, war sichtlich angenehm berührt da- ron, daß sie nun niemand mehr neben sich haben sollte. Denn sie war immer sehr zurückhaltend gegen das Mädchen gewesen und mochte dadurch mit zu beren Entschluß beigetragen haben.
So fügte sich vorerst anscheinend alles wohl ineinander.
_ ^uc‘) 'm Geschäft beruhigten sich die Gemüter am nächsten Morgen allmählich von der ersten Erregung, die durch die Kündigung an die drei jüngsten Kontor- miiglicder erzeugt worden war. Von dem schwatzhaften Lürodiener genährt, hatten sich da die wildesten Gerüchte überstürzt. Man börte bereits von dem Schluß des Geschäfts von Zahlungseinstellung und Millionen- ziffern.
Als man dann aber am nächsten Morgen Geister,
mann ruhig, sogar mit freierer Stirn als sonst an die |
Arbeit gehen sah, als sich Alfred pünktlich an feinem j
Bult einfand und _tie Kollegen wärmer wie an den ’
Sagen vorher begrüßte, als auch Gretchen mit freund- ' lichem Ernst an ihrem Platz erschien, da sagten sich die i Angehörigen des Geschäfts, daß es wohl nicht so sehr i weit gefehlt fein könne — und sie erblickten bald in 1 ber eingetretenen Verminderung des Personals eben wich nur einen der von ihrem Chef mit eiserner Konsequenz durchgeführten Schritte zur Ueberwindung der durch Müller geschaffenen momentanen Schwierig- feiten
Diese.Auffassung ermöglichte es sogar den drei ge- ; lünbigien Leuten, ohne Groll und besondere Vesangen- j
Politik erst recht ein Luxus, und er mußte ihn teuer bezahlen, weil er sich unvorsichtigerweise tiefer verstrickt halte wie der kiüyeve Bismarck.
Unter der neuen Verfassung ist es aber für die Minister eine Notwendigkeit geworben, was damals ein Luxus war. Sie sind abhäirgig von f.Lem Votum de; Parlaments. Sie st:hsn fortwährend mit einem Fuße im Ruhestände, wenn sie nicht eine zuverlässige Mehrheit im Parlament hinter sich haben. Daher die ewige Krisenigefahr, seitdem die dreiköpsige Koalition von Zentrum, Mehrheitssozialisten und Demokraten nicht mehr d',: absolute Mehrheit des Reichstages bittet. Daher auch das lebhafte Streben nach einer Erweiterung der Koalition.
Nun hat sich die sogenannt« Große Koalition, obschon ihre Notwendigkeit auf dr Hand liegt, immer noch nicht bilden lassen. Drr gegenwärtige Reichskanzler Wirth hat jedoch den Mut stchadt, vorn Reichstag ein positives Dcrlraum-votum zu fordern ohne den Rückhalt einer abgefchtostmen Mhcheiiskoalition. Das Wagnis ist geglückt und hat den Beweis geliefert, daß eine entschlossene Regierung sich vorläufig auch behelfen kann mit bem- Zuzug aus den abseUs- stehendm Gnipj>m.
Dr. Wirch hat auch eine Lehre gezogen aus der Erfahrung, daß früher das Kartell mrb der Block gesprengt worden sind durch den nachträglichen Steuer« streik. Jetzt hat man die Reihenfolge umgick hrt. Erst wurde mit der Deutschen Boitspartet bas Steuerkompromiß abgeschlossen, und dann erst wurde die Frage des Eintritts in die Koalition auf die Tagesordnung gesetzt. Allerdings wirken die Sieuerfragen immer noch hemmend und verwirrend; denn die borstige Haltung der Deutschen Volkspartei bei der letzten Krisis ist offenbar wesentlich beeinflußt worden von den Elsmen- tsn, die gern das Steuerkompromiß wieder beseitigen möchten. Doch steht di« Abmachung immer noch zu Recht, und die Verhältnisse drängen mit ©r- walt auf die Durchführung. Daher darf man wohl noch hoffen, daß die frisch gestärkte Regierung ihr Programm zu Ende führen kann, so daß erst die Sisuerreform und dann die Erweiterung der Koalition in Gang kommt.
Wir brauchen kein lick' Amerisches Kartell und keinen mtoleranten Block, aber wir brauchen ein« f e st e und b r e i t e K o a l i t i o n a l l e r Ä r b e i ts. willigen, die keine brauchbaren Kräfte ausschlie- ßen oder (cf?rtenen, sondrn nur bin gefähr- l>chen Ruhestörer niederhalten will.
Zusammenkunft zwischen Lloyd George und poircare.
Die Havaiagentur berichtet aus London, in amtlichen Kreisen verlaute, daß Lloyd George vnb P°lncare in ein oder zwei Tagen in Frankreich Zusammentreffen, allerdings nicht in Paris. Ort und Datum feien noch feftzufetzen. Lloyd George werde nur von einem Sekretär begleitet und nicht länger als einen Tag von London abwesend sein. Die alliierten Sachverständigen würden erst nach der Zusammenkunft der beiden Premierminister die erste Sitzung abhalten.
Tie Konferenz von Eenna.
Zertungsmeld'mzen zufolge wild die Konferenz 'N Genua am 15. oeer 23. März zusammenlleren. ■Eie Verschiebung der Konferenz sei du ch die Not- Wendigkeit, die Boib.reilungen zum Abschluß zu billigen, unvermeidlich gewoiden.
h-!t über die schmerzliche Tatsache Hinwegzukommen. Sie sahen darin keine persönliche Zurücksetzung mehr und gaben sich — wie der Mensch auch das Unange- uchme gern zu feinen Gunsten zu wenden sucht — bald der Hoffnung hin, daß sie vielleicht in einiger und nicht allzuferner Zeit wieder in ihre früheren Stellen eintreten tonnten.
8. Kapitel.
Während der Morgenstunden kam Gretchen zu ihrem Pater und bat ihn um Urlaub zum Besuch Lores.
Der Wunsch wurde ohne ein Wort der Widerrede bewilligt. .
Als sie schon wieder an der Tür zum Kaffenzimmer stand, rief sie ihr Pater noch einmal zurück.
.Gretchen!" sagte er und streckte ihr die Hand hin. Sie sah zu Boden.
Dann fragte sie: „Hast Du mir etwas für Sore mit- zuoeben, darf ich ihr etwas von Dir ausrichten?“
In ihrer Stimme zitterte eine leise Hoffnung.
Unwirsch zog er die Hand zurück.
„Ich wüßte nicht, was!"
Gretchen hatte sich wieder gefaßt. „Das eine,“ sagte sie ernst „solltest Du nach meiner Meinung unter allen Umständen tun und das Gehalt an sie weiterbezahlen, das ihr Later bezogen hat!“
„Du bist wohl nicht recht bei Trost?“ rief er bars». „Wie stünde ich denn bann bei den Leuten da? Was würden sie denn für Folgerungen daraus ziehen?“
Einen Augenblick wollte sie erwidern.
Dann schwieg sie aber und ging au, dem Zimmer.
Er schaute ihr aufgeregt unb beunruhigt nach: Mit dem Eifenkopf war kein Abgleich zu finden. Der ging unentwegt und ohne Rücksicht auf sein Ziel los. Mochte sie es versuchen. Auch er war zum Kampf bereit.
Als Gretchen in die Bogelfangstraße kam und sich dem Haufe näherte, wo Lore wohnte, traf sie auf den Mann, der das Mädchen gestern heimgebracht hatte. Er trug einen kleinen einfachen Strauß schöner Gartenblumen und grüßte höflich, als er Gretchen sah.
„Darf ich Eie vielleicht bitten,“ sagte er bescheiden, „dem Fräulein Müller diese Blumen zu bringen, als einen kleinen Gruß von einem dankbaren Nachbarn, der ihr oft und oft zugehürt hat hoffentlich geht es
Deutsche Wirtschaftsvertreter in London.
Die englische Negierung hat der deutschen mit« oetciit, daß die Konierenz zur Bildung eines Wiederaufbau-Syndikats für Rußland die Zuziehung von deuischen Sachverständigen be« schließen winde. Um eine Verzögerung zu vermeiden, möchten unverzüglich Vertreter nach London ent- sandt werden. Die deutschen Vertreter sind: Staats» felrtlär a, D. Berg mann von dcr deutschen Bank und K e m p n e r vom Kalisyndikat. Sie werden die deutsche Industrie- und Baukwelt in London vertreten.
Französische Bestellungen in Deutschland.
Ter ,Jinransizeant^ okaubt zu wiffen, der französische Minister für öffentliche Aibr trn habe die Absicht, anf NeparationSkonto eine größere Bestellung von Eile, bahnmakerial sowie eleküi.chem Mctcrial für das Nhone-Tepurlkinent in Deutschland zu machen.
Die deutschen Sachlieferungen.
Wie der sozialdemokratische Parlaments!! icnsi mit» teilt, hat die in Berlin weilende Delegation der Re- parallonskommission der deutschen Regierung einen Vorschlag überreicht, die in Cannes vevllnbarbn Sach- lteferungcn im Betrage von 1450 Millionen Goldmark nicht nur an Frankreich, sondern an alle alliier» ten Staaten abzufüyren. Weiter soll nach dem Vorschlag dcr freie Lluskauf g'stat>rt werden, sodaß z. B. die französischen Aufkäufer die Beträge für die aufgekaufte Ware direkt an ihre Regierung abführen, und bisse die erzielten Einkünfte auf das deutsche Rkpara- tionekonto gutschreibt, lleber EiriAllhcittn des Vor- sch'ags werden z urZeit noch Verhandlungen geführt.
Zur Frage der Sachiieferunoen im freien Str* kehr wirb, wie die „Deutsche 2111g. Ztg." aus parla- rmmtarischsn Kr>is,n erfährt, der auswärtige Ausschuß sogleich Stellung nehmen. Vorsitzender Dr. Strcsc- mann beabsichtigt, ihn bereits für Donnerstag einzube- riufen. Minister Dr. Rathmau wird das Problem der Sachlicferungen im freien Verkehr in einer Sitzung aus» führiich erörtern.
Sie MtliWiM 3iifl0iße In 9taf®®r.
Der auswärtige Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich mit den unerträglichen Verhältnissen im oberschlesischen Besatzungsgebiet. Unter Bezugnahme auf die jüngsten Vorgänge in Eleiwitz kam zum Ausdruck, daß die Re- gierung schärf st en Protest gegen die Gewalttaten erheben müsie. Die interalliierte Kommission in Oppe'n müsse darauf hingewissen werden, daß es ihre Pflicht sei, die oberschlesifche Bevölkerung gegen solche Gewalttaten zu schützen.
Zur Ermordung des Dolizelwachtmeisters Rufenbsrg in Petersdorf bei Eleiwitz wird mifge- teilt, daß die deutsche Regierung sich entschlossen S, bei der interalliierten Kommission in Ober- esien die geeigneten Schritte zu tun.
Um den Reichspräsidenten.
Regierungserklärung fm Reichstage.
Zu Secirm der Gtzumq am Md-woch be'ch'oß dsr Reichstag, die butte unb enbpüjticie Leimig des b?ißumsi;it- tenen Reichsmieiengesetzes bis zur nächsten Woche zu vertagen. Drgsgen wird d'e Dorlege über die Dohnungsabgabe peren die ©‘im.men d-e Tetffdj- nafonafen. einiger Bolksparteller, der unabhänglpm Eo- zlÄisten imb ter Kommunisten endgültig angenommen.
«Dm: beginnt man die zweite Lesung des Reichs» Haushaltsplans trii dem Etat des Reichsprä» ihr heute besser. Ich habe gerade die Blumen durch irgendein Straßenkind hinauffchicken wollen. Denn selber will ich nicht ins Haus gehen. Die Leute hängen schon gleich der ehrlichen Absicht irgend ein schmutziges Mäntelchen um.“
„Mir liegt ja gar nichts an den Leuten,“ fügte er lachend bei. „Aber bei dem Fräulein muß man jetzt doppelt unb dreifach Obacht geben, seitdem sie keinen Vater mehr hat unb sie ihn so ... auf diefe Weife . . . verloren hat!“
Greichen nickte und nahm die Blumen.
„Kennt Lore Cie,“ fügte sie bei, „ober darf ich Ihren Namen sagen?“
«Ich bin der Schreiner Hofmann. Gleich da drüben hinter dem Lagerplatz, um den die Bretterwand geht, ist mein Häufel unb mein Garten. Er fchaut schon ins Freie hinaus auf die Wiesen unb die Felder unb zum Walb und zu den Bergen hinüber. Da hausen wir fünf: Meine alte Mutter, ich, mein krummer Gesell — der Heiner — mein Dackel unb meine Geige. Wissen Sie Fräulein, durch die bin Ich so eine 21rt Kollege non dem Fräulein, wenn ich auch nicht so schön spielen ,fann, wie sie singt . . . aber man gehört doch gewisser- maßen, wenn auch von weitem, so ein bißl zusammen auf die Manier!“
„Sonst härt' ich mir auch gestern das nicht getraut und das heut' mit den BlumenI“ setzte er bei.
Sie waren setzt an Lores Haus angekommen.
Er zog grüßend den Hut und blieb einen Augenblick stehen.
„Ich müßt' gern, wies ihr geht,“ meinte er bescheiden.
„Ich komm' nachher zu ihnen unb sags Ihnen,“ antwortete Gretchen einfach.
„Aber Fräulein,“ rief er erfreut, „bas kann ich ja doch nicht verlangen! Obwohls Ihnen schon gefallen tät in dem säubern Häusl und dem schönen Garten unb bei der guten Luft unb der prächtigen Aussicht,“ setzte er nicht ohne Stolz bei.
„Ich komm', nickte sie ihm noch einmal zu unb ging In da« Haus.
Lore war bereits außer Bett unb saß im Wohnzimmer auf dem Sofa. Der Hofrat und Johann waren bei ihr.
Preußischer Landtag.
Die Pflege von Wissenschaft unb Kunst.
Am Mittwoch wurde die zweite Lesunq des Kuirusetats beim Kapitel Umoerfilätcn unb Hochschulen fortgesetzt
Ter 2‘emonat Dr. preutz forderte stärkere Durch» drlngung der Studentenschaft unb des «ckadeniischen LchNörpns un Sinne der neuen Zeit, dann toerOe sich bas Wort 0eS Kultusministers von der freudigen Bejahung des Staates erfüllen können.
Kuttusminiller Dr öo.llitz fprrcbt über die Netorrncv im akademischen Lehrküip.'r bezüglich der Stellung der außerordentlichen Piofefjorerr un) Priv.it)ezenten Et begrüßte die Göttinger Noiv-rfaffung der etuöenten« schäft unb eriiärt, er werde roeber die akademische ,,rei. heit des Studenten, noch die Ledrfreibcit nniasten, abci gegen politische Demonstrationen von Professoren ein« schreiten, ^m Falle oes Prof. Stutz in Beri n ist ein solches Eins chrciten bereits eifol.tt. Der kam mininische Abg. Scho.em, ver sich b-Sher nur durch fein her.iuZfo r. derndes tietgaltcn im Landtag „aus ,czeichnet“ hat, wa rt eS dann, die Fakuttäten oct Universitäten die Deutsch. landS Ehre in alle Welt ertragen h wen, als Mumicn- fabmette zu bezeichnen. Er verlangt natürlich auch die Beseingimi de, tbcologifcbcn Fakultäten. Der Sozial» deiiioirnt Dr. Wäntig freut sich, daß mit der llniseist» täUreform eno.ich ocr Anfang gemacht werde. Er wünscht, daß die Universitäten mehr mit den breiten Massen des Volkes uera;.fett würden. Abg. Dr. Schufier (Z. Pp) spricht sich im se.ben Sinne wie der Minister aus, ribg. Dr. Wcyl (ll. S) wendet sich gegen die ftutentischcn Korporaiionen
Benn vbidmut „'•tunft" verlangt u a. Abg. Y-tz (Zentc.i, daß bet der Kunäpfleie nicht halbe Arbeit geleistet werbe. Was jetzt in Pieuxen an Kunitpfle;t geleistet wird, bleibt nicht nut relativ, sondern auch absolut r.cincffcn am Geldwert >u nck hinter Dem, was bot dem Kric.,e unb jetzt noch in Bayern bajür gelctitc/ wird.
Donnerstag: Weiierberatung.
sidenlen . Hierbei fragt Abg. tzergl (Dnat.), nachdem er anerkannt hat, daß die Art, wie der Reich«^räsiüe.n» fein Amt führe, zu Ausstellungen keinen An'.aß gibt, an, wie cs mit der
Neuwahl des Reichs Präsidenten steht. Das bemoknatis.ße Prinzip, das ja von den Herr» fchenden Parteien io tzachgehallcn werde, rerlange unbe- dingt die Neuwahl. Außenpolitische Hindermsie liegen nicht vor. Ihm antwortet Reichsminister Dr. Radbruch. daß er eine politische (Erörterung bei diesem Hauehct'sptan Ällchne und verweist auf den Haushaltsplan des Reichs» kai^iers. Auch Adg. Dr. kahl (D. $p.) fordert Klarheit über dir Frage der Neuwahl des Reichspräsidenten. Man stellt Icksiießlich die Abstimmung über den Etat zurück, bis Me Regierung sich geäußert hat.
V>ei der mm folgenden 'Beratung dos Etats des 51: ichs- ksnziers erscheint Dr. Virlh. (Er ttfiärt, daß vor der endgültigen Griebicung der vdrrschiesischen Frage die Neuwahl des Neichspräsideirten gar nicht corgenommen worden tonnte. Da diese Frage fetz! vor dem Abschiuß steht, wird dir Regierung nr.t den Parteien in Besprechungen cirrireten können .wie cm besten die Wahl brr Reichs» preübenten. insbesander« der Termin für die Wahi, fest- zrrsetzen ist. Den Wahltag bestimmt der Reichstag. Auch die Regierung sieht diese Frage jetzt als dringlich an. Das Hohe Haus wird bald dazu Stellung nehmen können.
Darauf werden der Haushall des Kanzlers und der des Reichspiäfidenten angenommen, unb das Haus vertagt sich auf Donnerstag.
Zur Auflieferung dsr Mörder Datos.
Zu der Auslieferung der des Mordes an dem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Dato beschuldigten Spanier melden die Blätter, daß die deutsche Regierung bei der Notifizierung der Auslieferung gegenüber dsr spanischen Botschaft den Wunsch ausgesprochen habe, ein eventuelles Todesurteil gegen die Ausgelleferten möge n i ch t vollstreckt werden. Dcr „Deutschen Allgem. Ztg." zufolge sind die ausgelieferten Spanier bereits am Montag, von deutschen Kriminalbeamten begleitet, in Saarbrücken eingetroffen, von wo fi< über Frankreich nach Spanien gebracht wurden.
Die ReichLkonferenz der U. $. p. D.
Am Mittwoch tagte im Reichstagsgebäude eine zahlreich beschickte Reichskonferenz der U. S. P. D. Wie die „Freiheit" berichtet, hielt E r i f p i e n ein längeres Referat über die politifche Lage, in dem er die Gründe barlegte, die die Mehrheit der unabhängigen Reichstagsfraktion bestimmte, das von den Regierungsparteien beantragte Vertrauensvotum abzulehnen.
Dann sprach Breit scheid über die Motive ber 13 unabhängigen Abgeorbneten, bie sich ber Abstimmung enthielten. Er betonte, baß dem Fernbleiben ber 13 Abgeordneten keinerlei Verabredungen vorausgegangen sind. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der die Konferenz die Gründe billigt, die bie Mehrheit ber Reichstagvsraktion zu ihrer Haltung bewogen haben.
Darauf würbe über die Aufnahme der kommunistischen Arbeitsgemein« schäft beraten und nach kurzer Debatte eine Entschließung angenommen, wonach über bie Aufnahme als Mitglieb zunächst der Vorstand bes Ortsvereins zu entfcheiben hat. Am Schluß ber Konferenz wurde ein Protest gegen die Auslieferung der beiden Spanier an die spanischen Behörden beschloffen.
Aus dem besetzten Gebiet.
* Französische Trupprnvcrslä kungen In Elsass Lothringen. In den letzten Wochen ist tu Garnison von Straßburg sehr erheblich verstärkt worden. Die Zahl ber in der Stadt und in der Festung augenblicklich vorhandenen Truppen ist die größte seit Beginn des .Krieges. Neben größeren Formationen weißer Truppen sind h'-r auch zahlreiche schwarz; Sclbater eingetroffen. Luch in den übrigen clfäffifchen Gernisou» -lätze» MstiME «4 Xiuppen ebenfalls erheblich verstärkt.