uld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
FL'. 43
Mittwoch» 22. Februar 1922
49. Zahrg
Bezugspreis: Monatlich 8.00 ML. zugesteiU frü m* j)üus.
2 Abgeholt in der Geschäftsstelle 7,50 Mk.
Anzeigen: Kleinzeile nachTwone! 1 Mk.; auswärts 1.50 Mk.
FR eJj amezeiie (Teporeite) nach Go!cne'ma§ 4 Mark.
Serantworaitö tüt den rebanionellen Teil' Dr. I. Kramer» 2 für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. s Rotationsdruck u. Verlag ber Fuldaer Actiendruckeret in Fulda, ^ernivrecher Nr. lt. Telegr.-Adreffr: Fuldaer Zeitung.
Ludendorffs Selbstporträt
(D. Bpt.), K
(Komm.) un
weiter beraten.
men.
leidenschaftlicher
©r eichen!
verplaudern!"
manches mit Dir reden, was ich sonst agen können, weil ich vermutet hätte,
Ich kenne meine Ich habe etwa» Dir schwer; denn
Er hatte sie immer gemieden, wett er ihre Anschauungen kannte und al« Philister'b’ft
trug ihn die Rot des Augenblick», die Er- ihres vornehmen, opferbereiten Wesens mit
Er stand Wort, einen
habe nichts gegen ihn!" daß Du ihn nicht heiraten
Dann kann, ich Dir nicht hätte Du überbringst
trengen cheme.
Seht
kenntnis
mich!"
Meinung endlich
„Du mußt die vor!"
„Aber Du hast gesagt, willst?"
„Das habe ich gesagt."
„Dann ist'» schon gut.
Jetzt hing sein Auge in höchster Spannung an Gretchens Mund.
Eine Weile schwieg sie.
„Sa", sagte sie dann entschieden. Schuld bezahlen. Die Ehre geht allem
an ihr Pult gelehitt und kämpfte am ei» Schritt weiter.
Es sprachen noch die Abgeordneten Schuste „ " leinspe ch t (U. Soz.), Dr. Meyer , id Hoff (Dem.). Am Dienstag wir-
ZA sirMstliSe iiteta MM.
Die beiden britischen Bieter im mtrrattrrerten Ausschuß zur Vorbereitung der internationalen Korporation für derr wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas hatten eine private Zusammenkunft in London, um die Emzolhvidun mit den Sachverständigen zu erörtern. Anschließend soll eine Konferenz mit den französischen Vertretern sowie einer Anzahl japanischer uni» italiettt- scher Delegierten stattfmden. Die Kottferery wtttz bi».' Hebung irr Kauskrast der kleineren Staaten erörtern. Man hofft, das ste einen günstigen (Einfun «uf Me Stabilisierung der europäischen a h r u n g haben wird.
send Stunden bringt es uns näher!"
Sie faßt- feine Hand und behielt sie in der ihren.
„Schau, Gretchen," sagte er, vor sich hinsehend, wie ein Junge, der eine Deichte in der Mutter Herz oder in das der älteren Schwester ablegt, „ich hab' gespielt und hab' siebenhundert Mark verloren!"
Sie atmete schwer auf, sagte aber nicht,.
Das gab ihm Mut, fortzufahre.l.
„Papa will sie mir nicht geben. Er sagt, es gebt nicht mehr. Er hat mir überhaupt die ganze Sache bei uns grau in grau ger"->ft — schrecklich! Aber schau, Gretchen, oiell-icht sieb ' Du ba$ -in. daß es sich nicht
»Nicht wahr," rief er freudig erregt „Du bist auch meiner Meinung! Ich muß ste bezahlen, sonst bin ich ein Schuft Sonst bin ich fertig, unten durch für immer I"
„Aber," tarn es dann mutlos und zögernd über seine Lippen, „womit bezahlen? Papa gibt mir nicht»! Mama hat sicher nichts." . . .
„Ich Habs! Ich werde es Dir geben, Fredi!"
, „Gretchen!"
fchiedenen Weltanschauungen in unserem Volk. Die 216» lSfung der Verpflichtungen des Staates der Kirche gegen» über ist bei der jetzigen schwankenden Valuta noch nicht möglich. '
es ihm wieder und er schürt gegen „Wenn Du nur diese unrichtige einmal aufgeben würdest, Alfred!"
„Es ist keine unrichtige Meinung.
Vappenheimer. Aber lasien wir das! auf dem Herzen, Gretchen! Ich sage es ich weiß, Du bist auch pedantisch wie er. Aber ich will es Dir doch sagen, weil ich weiß, daß Du gerecht bist!" „Ach, Fredi, wie mich das von Dir freut! Um tau»
Sm nächsten Ruh hing Alfred an dem Hals feiner Schwester und küßte sie stürmisch Ywf die Wangen. Seit Jahren, in denen er sich als junger Mann ge- 2hlt und in den Streifen gleichgesinnter blutjunger Lebeleute verkehrt hatte, war ihm seine Schwester fremd gewesen. ~ ~
»Aber woher willst denn Du das viele Geld haben, Gretchen?!"
„Wir bekommen doch immer Geschenke von Paps. Die Hobe ich mir zum großen Teil aufgefpart!"
„Und ich keinen Pfennig!"
„Du wirst künftig auch sparen lernen! Für diesmal i "ollen wir froh sein, daß ich Dir helfen kann. Komm dann hinauf — ich werde Sirs geben!"
»Dann kann ich» noch beut’ abschicken! Und setz, erklär' ich auch, wie Papa will, meinen Austritt! Ietzf sollen sie über mich sagen und denken, was sie wollend
Sie schaut» ihn mtt ehrlicher Freude an.
„Es steckt ja doch ein guter Stern in ihm," dachte sie froh bewegt. „Und die harte Stunde hat ihn Here ausgeschält."
Er hatte sich erhoben wti) war an di» Tür gegangen.
„Es wird mir verteufelt hart an kommen, Gretchen! Jeden Abend »ar ich mit den Freunden beisammen. Und weißt Du, es waren feine und lustige Burschen dabei. Ich weiß gar nicht, »as ich jetzt treiben soll!"
„Das wird sich ja langsam finden, Fredi! Für heut» »ollen wir einmal der Mama die Freude machen und bei ihr bleiben। Wie lange ist'» her, feit sie uns nicht mehr so beisammen gehabt hat! Wa» Du morgen und später tun willst, dar siehst Du schon selbst! Du wirst »ietteicht neue Freunde finden ober neue Beschäftigung unb Zerstreuung für Deine freien Stunden. Ich milk keinen Zwang auf Dich ausüben!"
„5a, feinen Zwang," sagte er befriedigt. „Weiftd Du, Gretchen, den vermag ich so schlecht! Das geftitst! mir von Dir, daß Du mich nicht zwingen willst!"
Sie lacht».
U~‘) zwang ihn doch. Mit Li»be freilich, nicht mst Härt«.
Gi« räumt» ihr» DSch« jusammon: dem, bfe Uh» hatte die Stunde d» Seschästsschdches geschlagen. ?
Deutsches Reich.
♦ Die Verschmelzang der kommunistische« Arbeilr- Semeinfchafl mit der USPD. Wie di« Freiheit" mit tritt wird am Mittwoch ehre Rerchskmrftveinz der USP. ftottsiirden, die über das Anerbieten der kommunistischen SirbeitszMsirchhvft um Aufnahme in die USPD entscheiden wird.
* 3»« Reichsmiekengesch. Der Schutzver- band für deutschen Grundbesitz Hirst in Berlin eine außervrtentiichn Vovsommluny ab und nahm gegen das Nnichsmietengesetz Stellung. In einer Entschließung wurde betont, 'daß die in der zwei- fm Lesung drs Reichstages herbei ««fij'hrte Kakluna
den wären. Wir verkehren heute fteundschaftlich mit- einander wie immer. Ich
einem Sprung über diese Jahre zurück in die Tage der Kindheit, wo sie als fröhlich» Geschwister miteinanber gespielt, wo bie ernstere und besonnener» Schwester, obwohl beinah» gleichalterig, ihm doch immer und überall eine betreuend» Schätzerin, eine llrt zweite -Mutter gewesen war.
lieber ihr schmales Gesicht schlich eine heimliche Träne und innige Freude leuchtete aus ihren Augen.
Sie streichelte ihm mit fünfter Hand die flaumige Wange lieft den Ar« um feinen Hchz gelegt
„Morgen darf ich fleißiger fein", scherzte sie. so viel Zeit
Zur Veamieubesslöung,
Nach Fühlungnahme mit dem Reichsrat um den Parteien des Reichstags hat der Reichsminister der Finanzen die A u s z a h l u n g der neuen W i r t s ch a f t s b e i h i l f e an die Beamten und Angestellten derjenigen Bezirke, über die die Verhandlungen wegen der Uebertruerungszufchüffe der Arbeiter abgeschlossen find, angeordnet.
Diese Wirtschaftsbeihilse wird, da sie die örtlichen Teuerungsverhültnisfe ausgleichen soll, allen Beamten mit dem gleichen Betrage gewährt.
Bei den Besprechungen mit den Partelen Has der Reichsminister der Finanzen mitgeteilt, daß di« Nachprüfung der Grundgehälter im Reichsfinanzminfft-rium im G a n ge fei und mit größter Beschl eunigung zu Ende geführt werden soll. Er hat gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, daß hierbei den Wünschen der Beamtenschaft nach einer sozialeren Gestaltung des Desol- dungrsystems namentlich unter Berücksichtigung der unteren Besoldungsgruppen Rechnung getragen werden soll.
In einer Sonderausgabe des Reichsoerkehrs- blattes nimmt der Reichsoerkehrsminister Grüner zu der Möglichkeit einer Wiederaufnahme b es Eifenbahnerstreiks Stellimg. Er warnt die Beamten dringend vor einer abermaligen Arbeitsniederlegung.
Die Polizeldemnien und des SfrtifreM
Laut „Lokalanz." hat der Vorstand des Verbandes der Polizeibsamten Preußens eine Entschließung gefaßt, in der ausdrücklich festgestellt wird, daß es für die Polizeibeamten kein S t r e i k r e ch t gibt. Im Falle eines Beamtenstreiks haben die Beamten ihren Dienst zu versehen und sich jeder Einwirkung auf die Entschließungen der vorgesetzten Dienststellen zu enthalten. Die Anordnungen, die im Auftrag der verfassungsmäßige» Regierung erfolgten, müßten ausgeführt werden.
Srotzkaufmann ZelfterrmM.
Don Wilhelm Herbert, München.
33] __________
Webs Züge verfinsterten sich. „Daher kommt ja aues. hmter der ganzen Geschichte steckt ja niemand anöerer ots $r Weiß, der mich nicht leiden Fann."'
oejtetnitmn schüttelte energisch den Kopf. „Du irrst D°“r^en' ^reb. Dr. Weiß hat gar keinen Einfluß * Entschließungen. Gr hat selber keine Ahnung um mich stehl. Damit Du übrigens klar
$ ,*lchen hat heute feine Werbung abgelehnt!" bas'wahr? ^L2“frtb “um^ier„enber miene-
G, 1 ^st das wirklich wahr?
di- Xr °nnreUle feinen Vater die vorschnelle Mitteilung, beschwichtig^""^* ^atte' um h*” Sohn leichter zu GpieP^SBir^hnh6^1 aber f<* i^tzt Dritte aus dem Du kennst nun n" mit uns me^r aIs 0enu9 »u tun! Dir mit rtcksichtsta. 8°^en Verhältnisse. Ich habe sie Menlch ausie Di ^ Dffenf)eit geschildert, wie sie kein nen tarnen6 fon3 Jennt und zunächst auch keiner ken- "7 ^Cninf0?ne D'llft Du mit mir halten ober willst Du !8a8»r b»r Feinde Übergehen, deren
7? En Seit wahrscheinlich nickt wenige UN- werben auferstehn sehen?"
des ^Vaters ® jun8= Mann feine Hand in bie
bc"fe Selsterwann erfreut „Ich
b°6 $,U -nm r7 t4. 8E°llst. Vielleicht wirst Du ^r fpater aber emmat bauten. Ich miu Dich jetzt nicht weiter mit biefen Dingen bestürmen. Du hast für’s «fte Mal den Kops voll genug baoon. Ueberl.g' Dfr, Jas ich Dir gesagt habe! Schlag' Dir, ftlber zu Faden we laß uns morgen roteber beuon reden'"
CEr nickte mit dem Stopf und entliefe* feinen Lohn dem Kontor.
Langsam und schwerfällig — gar nicht so wie sonst _ 'eichten Schritten und etwas obenhin — ging 2jrjreö _3 dem Zimmer. Auf dem Gange blieb er stehen überlegte. Zer Entschluß, um den er mit sich ”We. fisl ihm schwer
Eistriellen Grundbesitz unannchmbar fei. Au» Leip- zig wird ebanfaS» «in« Stellungnahme des Hausdr- sitzes gegen die jetzig Fassung des Reichsmirten«. sttzrs gemeldet. Auch die süddeutschen S) aus. t"-sitzrr nahmen in einer großen Massenverfamm- ^-9 m Stuttgart Stellung gegen die Zwangewirtfchafi vn Wchnun^Mfen, das neue Mieterfchutzgesetz un» das Reichsmieiengesch und die Wohnungsabgabe.
Der Dölkerband und He Abrüstungssrage.
Der gemischte Ausschuß des Völkerbundes für bie Lbrüstungsfmgen ist m Paris uni-er dem Vorsitz Divranis zulfamnaengetreten, um sich mit bem Problem der Rüstungen der verschivdenen Länder zu beschäftigen. Der Ausschuß wird sich bei seinen Arbeiten aller lln- terlogcn bedienen, bte sich aus den parlamentarischen Debatten, aus Jahrbüchern und anderen Quel'«n ge- wimron lassen.
Sic Äriegscat in Paris.
Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Republik hat am Montag der Oberste Kriegsrat eine Sitzung in Paris abaehalten. .r ..
Das Morakorivm.
Die Antwortnote der englischen Regierung bei reffend des Verfahrens in der Frage des von Deutschland geforderten Moratoriums Mld der hierfür zu verlangenden Garantien ist am Samstag in Paris eingetroffen. Das englische auswärtige Amt erklärt sich mtt der V e r- Weisung der Frage an die Reparations- tommif fion unter trn bekannten Vorbehalten ein- oerstcmdM. Sn demselben wird verlangt, daß di« in Cannes vorbereiteten Arrangements endgültig angenommen werden, so z. B. über die Kosten des Be- satzungchoeres, die Ausführlmg des Wiesbadener Ab- kommens, die Verteilung der Sachlieftrungen und über
069 Finanzabkommens
Die Lochtieferungen.
Protestantismus und Katholizismus dürfen sich gegenseitig ihre Rechte nicht schmälern: beide sind Erscheinungen deutscher Frömmigkeit. Die Der- fafsung garantiert konfessionelle Schulen. Die Gegner sollten den Sogen In diesem Kampf nicht über- Die weltliche Schule mirft heraus aus bem Streit der Parteien, aus bem Streit der Straße, sie mutz in die Bahn der päbagogischen Erörterungen und der praktischen Versuche übergeführt werben.
Man darf auch Die natürliche Entwicklung durch eine übertriebene Schulreform nicht Berge- wattigen. Das gilt auch für die Einheitsschule. Die Richtlinien für die Volkssckule werden demnächst erscheinen. Die deutsche Oberschule und die ?l u f. bausch ule sind die Schrittmacher der netten Schulreform. Richtlinien sind Im Druck. Am 1. April dieses Jahres werben 50 Aufbau klaffen vorhanden fein, die nach bem Tnpus der Oberschule ober der Deutschen Realschule aufgebaut werden. Auch für die deutschen Oberschulen werden bald ausgearbeitete Lehrpläne her- austommen.
San „Bert. Tagebl." zusotg» besaßt« sich am Mon- tag eine Kadinsttssitzlmg der Reichsregirnmg mit der Frage der Durchführung der Sachtieferungen, zu deren Lösung sich augenblicklich dteAbordnungderRe- parationskom Mission unter Fübrung des Belgi>:rs Bemanans in Berlin aufhäll/ De Besprechungen der Reichsregierung mit der Abordnung find noch nicht abgeschlossen. Dem gleichen Matte zu- folge dürfte sich die Delegation noch eine Woche in Mr. lin aufhallen.
Eine Anklageschrift.
Als „Ludendoiffs Selbstporträt" bezeichnet sich eine Schrift deS bekanmen rechtsstehenden KriegShistorikrrS Prof. Hans Delbrück, die im Verlage für Politik und Wirtschaft erschicnnr ist. Delbrück nennt seine Schrift „Ludendorffs Selbslportrat" weil et die wichtigsten Zeugnisse, auS denen er sich sein Urteil gebildet hat, den Schriften Ludendorffs selbst ent« vommen bat.
Aus diesen Schriften Ludendorffs weist Delbrück nach, daß Ludendorff nicht nur jedes politische V-r- itehen des Krieges gefehlt habe, sondern auch die t’rofte strategische Idee, die ohne ein solches Verstehen gar nicht möglich war. Doch ist Delbrück gerecht genug anzuerkennen, daß sich Ludendorff in Teilaktionen als tüchtiger Stratege gezeigt habe, aber um fo unerschütterlicher steht sein Urteil fest, daß Ludendorff als Feldherr des Weltkrieges in verhängnisvoller Weise versagt hat und durch dieses Versagen, das mit einer ungeheuren Selbsteinschätzung gepaart war, bet Hauptschulbige an dem katastrophalen Ausgang beS Krieges ge- worben ist. Delbrück weist Lubendorff auf Schritt xnb Tritt ferner Unwahrhaftigkeit und ganz offenbaren Widerspruch nach, so u. a. seine Behauptung, baß er sich nie in bie Politik eingemifcht habe. Delbrück belegt seine Behauptung mit Auszügen aus dem Akt?nmaierial des Auswärtigen Amtes. Sein Urteil über Subenboiff als Felbherr faßt Delbrück in dem Zitat eines maßgebenden Mannes der Kaiserlichen Regierung zusammen: „Deutschland werde von einem wahnsinnig gewordenen Kadetten regiert.*
Delbrück geht noch weiter und beschuldigt Lubendorff und leinen Anhang, daß sie KriegSderlängerer gewesen seien, daß sie „daS Deutsche Reich wie ein Ktnderspielzeug entzwei gebrochen* hätten. Delbrück kommt zu bem Schluß, daß Deutschland, wenn Ludendorff ein anderer Mann gewesen wäre, diesen Krieg anders hätte beenden können. Lubendorff habe Deutschland zugrunde gerichtet, indem er den Berteidrgungskrieg in einen Eroberungskrieg verwandelte, den Krieg nicht zu führen verstand und schließlich durch seine Auflehnung gegen den obersten Kriegsherrn — den Hch ihn et* zwuugenen Rückirilt VethmannS — die Revoiution selber begonnen habe.
Die Lebensetinnerungen des Lrouxrlrtzen.
Der frühere Kronprinz wird, nach Berl. Meldmrgcn, feine ßcbeioerirmt-rungen im Laufe des Frühjahrs rat Verlage der C» Naschen Buchhandlung in Stuttgart und Berlin erscheinen [affan. Das Werk tuirö Fteichzeilig mit der deutschen Ausgabe auch in holiLMfcher, englischer, ftanzösischer und spanischer Sprache in Amsterdam erscheinen.
dem besetzten Gebiet.
. * SoBfrefe »msuhr ftanzösifcher weine. 9uf Grund
be§ 2rll.il» 69 de» Art«ben»verLra;,eS dürfen nach Feil- setzung ber ftanzofischen Regierung in bet Zeit vom 1» btS 10- L 1923 215000 Hektoliter Wein und 1300OOJ ganze Flaschen Schaumwein, 12000 Hektoliter struchNl.cin und 25000 Hektoliter Branntwein aller Art zollfret nach Deutschland anSgefuhrt toe-ben.
* Das Halten von Brieftauben. Nach einer neueren Serorbnung bet interalliierten Rheinlanbkommission Besitzer und Züchter von Brieftauben dem für ihren Wohnort zuständigen Kr-isdelegierten der Rhein- omm'^on Lage des Taubenschlags und eine Sifte mit genauer Beschreibung der alten und jungen Iiere etnfenben. Die Liste muß auch bie Flugrichttma jeber Taube, die sich in her Ausbildung befindet, angeben. Sämtlich» Brieftauben muffen durch eine befon- dere Markierung gekennzeichnet fein, bie zur Erleichterung ber Ueberwachung d-rrch die ftanzösifchen We- fatzungsbehörden bestimmt sind. Sämtliche Brieftau> ben des besetzten Gebiets unterliegen ber strengsten Kontrolle durch bie Briestaubenabteilungen ber Be- fatzungsttuppen.
• Wieser ein» v»rb«stun,. «ach einet Mrlbung au» Trier ist dort bet Oberlehrer Dr. Rtubouer von den Franzosen unter bet Anschuldigung verhaftet worben, er hadc in dem von ihm geleiteten Jugendbund Westmark eine die Sicherheit der rvesatzungltruppeu gefährdende Propaganda getrieben. Ein» HauSiuchung habeaneebllc^ belastende» Material zutage gefotbert
Aber er faßte ihn doch.
Leise brückte er bie Klinke zum Kafsenzimmcr auf.
„Wie?" rief Gretchen angenehm überrascht. „Du kommst auch einmal zu mir, Alfred? Das freut mich. Geh, setz Dich da her. Hoffentlich findest Du Dich jetzt öfter hier herüber. Wir sind ja nun Kollegen und sollten Freunde werben!"
„Ist es wahr, Gretchen, daß Du bem Doktor ben Laufpaß gegeben hast?"
Sie errötete heftig unb ber Unwille glitt einen Augenblick um ihre Munbwinkel.
„Torheit! Da war kein Laufpaß zu geben! So tanb ich nie mit Dr. Weiß, als ob wir Beziehungen unterhalten hätten, die mm von mir abgebrochen wor-
Preußens Kulturprogramm.
Der fiulfasmiuiffer spricht in, Landtag.
In der Montagsitzung des preußischen Sartbioges ftanu Der Etat des Kultusmini st eriums auf der Tagesordnung. In der allgemeinen Aussprache Mte Abg. K ö n i g-Swinemünide (Soz.) noch ein» trarf die bekannten sozialdemokratischen Schulreformforderungen auf. Rach ihm sprach ein Vertreter der entgegengesetzten Anschauung, der deuffchnationale Ge- nrrÄlupsrintendent D Reinhard. Anschließend hielt der Kultusminister, Dr. Vaeiitz eine längere Rede, in V«r et seine Schul- und Kulturprogramm entwickelte. Der Minfftcr sührte u. a. aus:
Eine Hauptaufgabe muß die Erzlehung |ber Lugend zur Staatsgefinnung fein. Die Wurzeln unseres Staates liegen in der deutschen Vcr- gangenljcit. Sie dürfen wir nicht durchschneiden. Die großen Ideale unserer Jugend sollen einströmen in den gegebenen heutigen Staat. Mit der Staatsgefinnung ist breterlci untrennbar verbunden: Der unlösbare Zusammenhang mit unserer nationalen Vergangenheit, der starke Gegenwartswille, der alle Kräfte zusammenbln- bet, unb schließlich die Zusammengehörigkeit vor der Zukunft.
D,e Lehrerbildung muß einheitlich für bas ganze Reich geregelt werben. Bei ben höheren Schulen wirb an ber neunjährigen Dauer festaehalten werden. Notwendig ist die Sicherung eines tüchtigen Nachwuchses mit dem DberfefjrerftanK In der Möd- chenschulrefonn soll das Lyzeum nicht vernachläffigt werben.
_ Die neuen Geschichtsbücher muffen Toisachen- bücher fein. Sie sollen ben Rohstoff für bie Arbeit abgeben. Daneben sollen Ouellenbücher eingeführt werden mit klassischen historischen Darstellungen.
Der Minister teilt weiter für die körperliche Ertüchtigung der Jugend ein, bespricht bann Fra- gen ber Untversitätsreforrn, wobei er erklärt, baß bie Studentenschaft entpolitisiert werden müsse, er aber andererseits niemals in bie akabemische Freiheit etngreifen werde, und schließt mit den Worten: „Die vornehmste Aufgabe des Mnisteriums wird fein, eine Generation heranzubllden, bis den Aufgaben ber Gegen- wart unb Zukunft gewachsen ist und diese erfüllt im Dienste der Volksgemeinschaft. Dann werben wir wieder bessere Tage sehen."
In der anschließenden Debatte sprach zunächst Prof. Dr. L a u s ch e r vom Zentrum. Er sagte u. a.:
Man wird nicht von allen Staatsbürgern begefft«te Zustimmung zu den neuen vs-hällniflen erwarten können, aber ehrlich» Mitarbeit muß die Republik von allen ihren Büngern verlangen. Die Opposition darf nicht zur Der- neInung des Staates selbst führen. Dem Zen- teum wird im Widerspnuh mtt ben Talsachen vorgewor- ftn, baß es die Revolution mitgsmacht und ben Föbevalis- mus preisgegeben habe. (Eine spezifisch preußische Äultur, 0«rermt von ber allgemeinen deutschen Kultur, müssen wir ablshmn. Aus Gewissensgründen hallen wir an be r bewährten kaufe ssionellen Schule fest. Werm man sie mit Gewaltmitteln beseitigen wollte, dann wütben wir einen verhängnisvollen Schulkampf erleben. Die btsenttiche Schule muß sich differenzlvnen nach ben ver
setzt darum handelt, ob es ein Leichtsinn war, ob ich er nicht wieder tun soll — ich will's ja nicht mehr tun — ! sondern, daß ich bas Gelb Haden muß, daß ich es be- ! zahlen muß! Sonst ist meine Ehre futsch!"
Er hatte die letzten Worte mit glühenden Wangen, I beinahe weinend in jenem burschikosen Tone heraus- gestoßen, in dem er mit seinen bisherigen Kameraden ] verkehrte.