FuldaerZeitung
/ Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.
nr. 42.
Öerantroonlid; tür den leOautoneUen Teil- Dr. I. Kramer, - iür die Anzeigen: I. Parzeiier-Fuida. S SKotationsörud u. Verlag der Kuidaer Actiendruckerei in Fulda- -ernipi edier Rr. 9- Telegr.-Adreffr: Fuldaer Zeitung
Dienstag, TV Februar 1922»
Bezugspreis: Monatlich 8.00 2Rt zugestellt frei ins Haus.
= Abgeholi in der «eschästsst.lle 7,50 Mk.
Anzeigen: Kleinzeile nachLoionet IM., auswärts 1.50M.
Pekiamezeiie (Ie$t breite) nach Colone maß 4 2Horf.
49. Zahrg.
Line große katholische Bewegung in Nordamerika.
P. Joseph Streu ter 0. S. B. St. John'» Univerfity, Collegeoille, Minn.
Wie der ganzen Welt, so Hal der letzte große Krieg auch Amerika nichts Gutes gebracht; auch die Bereinigten Staaten haben 'n verichiedener Hinsicht schwer gelitten. Ein großer Segen ist jedoch indirekt der katholrschen Kirche rn den Vereinigten Staaten »urch den Weltkrieg erstanden, nämlich eine groß, zugige, einheitliche Organisation aller Katholiken des Landes ohne Rücksicht auf ihre nationale Abstammung. Diest gewaltige Bewegung zum Zusammenschluß der katholischen Elemente Amerikas ist die erste dieser Art in der Geschichte des Landes und trägt den Namen .National Catholic Welfaro Council“.
Währmd des Krieges erkannte man mehr noch als zuvor, daß der größte Fehler der amerikanischen Katholiken im Mangel on Organisation liege. Um einheitlich und mit Erfolg Vorgehen zu können in Wahrung der Interesse»' der fast 20 Millionen Katholiken des Landes und in Förderung gemeinsamer Arbeit, organisierte die Hierarchie das sogenannte Kriegsbureau der mnerikantschAt Zwlholiken. Die herrlichen Erfolge dieser neuen Organisation bestimmten die Erzbischöfe und Bifckchse, dieselbe euch nach Friedensschluß deizichehaiteu und weiter ausRiftiuen. 3m September 1919 begann die glänzende Fr, edenstütigkeit der neuen Bewegung am Wiederaufbau, eine Tätigkeit, die heute nach zwei undeinhalb Jahren zu d-'r Hoffmmg berechtigt, daß die neue Orgamsalion >er Kirche und dem Londe zu größerem S.grti gsTez hen wird als irgend eine andere Bewegung in der (beschichte der Bereinigten Staaten.
Die deutsch -W«rokcmischen Katholiken waren bereits vor der Gründ» mg des Wohiiahrtsdureaus ziemlich gut organisiert in ifjren oerschredtnen Psarr- und Stawdesvereinen, die mrrst dem sehr segensreich wirkenden Deutsch-Römisch-Kotholkscheit ZentrÄverein an- gegliedert warm. Dreier Zentralvenün Hot Großes geleistet in der Stärkung des deutsch-katholischen ©fernen» les hferzulcmde, hat ein gut Teil Arbeit, die in Deutschland der Volksverein leistet, hier bewältigt; er hat so in gewissem Sinne der neuen großen Landest»- weyuna vor gearbeitet und den Weg bereitet, ist deshalb auch sofort dem Wohifahrtsbureau beifletrehen und hilft eifrig mit bei der Verwirklichung der Ziele desselben, ohne jedoch feine eigene Selbständigkeit einzu- bikßen.
Nimmchr gilt es, dis Katholiken des garym Landes, ob deutscher, irischer, polnischer, englischer oder sonst- wolchrr AbstamiwMF, zu gemeinsamen Vorgehen im Interesse Lar Kirche und des Latches Meinen. Schon sind iib:r 45 Diözesen im Wohifahrtsbureau zu- fommengeschivssen worden. Die Idee ist erstens, die Katholiken zusammenMühren in einem mftionaten Bund mit Diözesan-, Distrikts- und Gemeinde-Verbänden, tosen hinwiederum die katholischen Vereine, sowie auch einzelne Personen, als Mftglieder anachören, so daß alle Katholiken, ob sie einem Vereine angehören oder nicht, für die große Sache gewonnen werden können; zweitens sollen die Kathoiiken M gemein» famer Laienarbeit unter Leitung der Bischöfe und Priester als gottgsgxbenm Führern herrmgLzogen werden. Der Eirr-slne soll lernen, über die ©rennen der HeimatsgemrinLe rnrd Diözese hinaus zu blicken mch sich M betätigen im Interesse der Kirche, wo immer es nötig und nützlich erscheint. Da ist MM BaispiÄ das weste Gebiet der katholischen Erziehung, auf dem genstmsames Vorgehen erforderlich wird, denn die Feinde der Pfarrschule stehen vor der Türe! Dann das Gebiet dersozialenArbeit in Stadt u. Laich, <wf dem die Katholiken in Amerika bisher von den Protestanten west überflügelt wurdm. Ferner die unbedingt notwendige Verbreitung und Befestigung der katholischen Presse, die Uetowachung und Ve-
Grotzkaufmana Selstermann.
32} __________
»5la, wie wärs denn, Gretchen, wenn wir dem großen SBerteibiger etwas Vorschußlorbeeren bewilligen und in Anerkennung seiner Werdienste Verlobung feiern jjürben?" ,
Gretchen schwieg. ,
„Ülo also! Was ist's? Du bist doch sonst nicht so zimperlich unb zierst Dich 'nicht!"
„Ick; habe Dir schon gestern gesagt, Vater, mir paffen nicht Msanpnen!"
Seiftermann drehte sich zu Dr. Weih und rief ärger- ltch^ „Vetftehen Sie das, Ich oerstehs nicht!"
„Ich verstehe es"f sagte Dr. Weih schlicht, wenn auch mir „ed.rückter Stimme. „Ich verstehe es und ehre die Entscheidung Fräulein Gretchens, so schwer sie mich
-I» 2ch kann nur hoffen, daß diese Entscheidung mcht ein für allemal gilt, daß die Zukunft noch eine aetiberung bringen kann!"
„m]o, sozusagen, nun mal in erster Instanz abge- stogen wir beide?" lachte Selstermann etwas gereizt. „No, mir kanns recht fein, wenn Sie Geduld genug beatzen, auf bte Launen eines harten Frauen- köpfte zu warten. Ich ^abe was Dringenderes zu tun, Q(3 mich nut den Irrgängen tm Garten der Herzens- Neigungen zu befassen!"
„Der Senlal war draußen," sagte er in anderem Tone, „er hm mir auf mein Ersuchen eine Z sammen- stellung des Verlustes gefertigt und überbracht, der sich nach der vrrlauftgen jent schon ziemlich verlässigen Auf- madjung herau-steckt. Ich will die beiden Herrschaften nicht nut proiatschen Znblen belästigen. Aber die De- schichte kommt verflixt teuer zu stehen.
Wir werden Gretchens weisen Rat befolgen unb an ein energisches' Sparen denken müssen.
Ich will es damit anheoen, daß ich — s„ ungern ich es an sich tue — ®om besten ab den drei jüngsten Leuten im Kontor kündige. Was meint Ihr dazu?"
„Es wird sich dagegen um fa weniger einwenden lassen, als Ihre beiden Kinder ja jetzt in bas Gelchäft eingetreten sind!" sagte Dr. Weih.
emflussung der Gesetzgebung für das ganze Land sowie in den einyinen booten der Föderation u. s. f.
Um nach allen diesen Richtungen hin leichter und erfolgreicher arbeiten zu können, wurden fünf gesonderte Abteilungeir im Wohlfohrtsbureau eingerich- tet: für Erziehung, soziale Tätigkeit, Gesetzgebung, Presse und Laienorganisationen. An to Spitze einer jeden Abteklmig steht ein Erzbischof oder Bischof mit einigen BisckMsen, einer Reche von Priestern und prominenten Säten als Mitarbeitern. Jede dieser fünf Abteilungen hat auf ihrem Gebiete bereits schöne Resultate erzielt, während der zwei kurzen Jahre Tätigkeit. Darüber später vielleicht einmal Genaueres. Diesmal nur noch einige Worte über di« Organisation der katholischen Mann« und Frauon durch die Abteilung für Änenorganisation.
Don Dezember 1920 bis Dezember 1921 wurde das BürooerkatholischenMännerin 39 Diözesen des Landes organisiert und Pläne vorbereitet für dieselbe Arbeit in 41 anderen Diözesen. Mehr als 1000 Vereine wurden dem Büro eingegliedert mit einer Vertretung von weit über eine Million katholischer Männer und Jungmänner. Die großen Verbände der Kolumbusritrer, des Deutsch- Rümisch-Katholischen Zentraloereins der katholischen Förster, der Irländer, der katholischen Jungmänner, der Ritter vom heiligen Johannes, der von heiligen Georg, der böhmischen Katholiken, der Vinzenzvereine u. a. in. haben ihre volle Mitarbeit und Angliederung beschlossen. Eine große Anzahl führender Männer der Industrie, des Gewerbes und sonstiger Berufszweige sind an der Organisation beteiligt. Flottenadmiral a. D. Wichelm L. Ben- f o n steht dem Männerbund als Präsident vor. Der Organisationsplan des Männerbundes ist folgender: jede Kirchengemeinde organisiert ein Gemeindebüro, bestehend aus allen Männern der Pfarrei mit einem Exekutiv-Ausschuß, bei dem alle angegliederten Pfarreien «ne eigene Vertretung haben. Jedes Gemeindebüro schickt einen oder mehrere Delegierte ins Distriktsbüro, das sich aus den Gemeinden eines Distrikts zusammensetzt. Die verschiedenen Distriktsbüros einer Diözese bilden das Diözesanbüro, die Diözesanbüros das nationale Büro der katholischen Männer. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hat das nationale Büro der katholischen Männer bereits außerordentliches geleistet. So hat es z. B. im vergangenen Jahre den Kampf gegen die unsittlichen Kino- t h e a t e r mit bedeutendem Erfolg geführt.
Der Zusammenschluß der katholischen Frauen in dem nationalen Frauenbüro, an dessen Spitze Bischof S ch r e in b s steht, begann bereits im März 1920. Zur Zeit sind diesem Büro angegliedert 12 Staatsoerbande, 11 Lanüesvereinigun- gen, 31 Diözesanverbände, 990 Lokalorganisationen sowie 7000 einzelne Frauen. Das Programm der Frauen entspricht in etwa dem der Männer. Frauen wie Männer arbeiten an der Lösung des Einwandererproblems im katholischen Sinne und im Kampf gegen Unsittlichkeit in Wort und Bild, an der Un« terörütfung gefährlicher Gesetzesvorlagen u. f. m. Die Frauen sind außerdem noch in der Mädchen- sürsorge tätig und zur Anbahnung einer internationalen Vereinigung der katholischen Frauen der ganzen Welt. Aus allen diesen Gebieten wurde im letzten Jahre bereits Erstaunliches geleistet. In diesem Jahre soll das Errungene gefestigt und weitere Ziele verfolgt weiden. Eine ausgezeichnete Schule für die Heranbildung sozialer Arbeiterinnen wurde in der Bunüeshauorstadt von dem Frauenbüro gegründet.
So wird die Arbeit am Wiederaufbau der Gesellschaft auf die feste Grundlage des Christentums gestellt werden, und die Lehren Christi wieder mehr und mehr Geltung erlangen im öffentlichen Leben zur Rettung der zerrütteten Menschheit.
Deutscher Reichstag.
Bei schwach besetztem Hanse.
Im Hause sind ganze 17 Abgeordnete anwesend. Man setzt die zweite Lesung des Besetze» über die Erhebung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues fort Der Sozialdemokrat Sbermeqer tritt für besondere Bevorzugung der Bau. genossenschasten ein. Abg. 3aMb (Bahr. Dp) wendet sich gegen diese wie gegen alle anderen SozialisierungSbe- strebungen.
Damit schließt die zweite Lesung. Die Abstimmungen werden wegen der schlechten Besetzung des Hauses auf Dienstag vertagt.
Ltbg. heile (Dem.) begründet dann eine Interpellation über Paßerleichterungen tm Ver- kehr mit Deutsch-Oesterreich. Er weist darauf hin, daß durch bürokratische Maßnahmen der Verkehr mit dem deutschen Bruderlande unnötig erschwert werde. NeichSminister deS Innern Dr.ilöster sagt Erleichterungen zu. Alle Redner des Hauses find sich in dieser Frage mit dem Antragsteller einig, die Redner der Unabhängigen und Kommunisten wollen Beseitigung deS PatzzwangeS auch für die anderen Länder, besonders im Verkehr mit Sowjet-Rußland.
Nach Schlußworten des Ministers Dr. Höfler nnd des Äbg. Sothrin (Dem.tz die die Schlußfolgerungen aus der Debatte ziehen, vertagt man sich auf Di enStag
preußischer Landtag.
Immer noch Streikdebatte.
Eine Fülle von Stoff enthielt dis Tagesordnung für die Vollsitzung des preußischen Landtages am Samstag. Schon, eine Stunde früher als gewöhnlich hatte man den Beginn der Sitzung angejetzt, um die Fülle des Stoffes bewältigen zu können. Doch e6 galt die am Tage vorher begonnene Debatte über den letzten Streik zu Ende zu führen. Boi reparierter, Demokraten, Sozialisten, Nnabhängige und Kommunisten waren noch nicht zu Wort gekommen; durch stundenlanges Reden vor schwach besetzten Bänken stritt man für nnd gegen den Streik, Dio fruchtlose Diskussion zog sich biB weit in die NachmittagSstunden hin und der reiche Stoff der Tagesordnung blieb unerledigt. Nur ein Redner hatte den Mut, die Nutzlosigkeit dieser Streikdebatte zu betonen.
Die Unabhängigen unb Kommunisten werden sich freuen, daß es ihnen gelungen ist, auch einen zweiten Tag dem preußischen Landekparlament entzogen zu haben, den eS für dringende Arbeiten so bitter nötig gehabt hätte.-
Die Neubildung von Landern»
3n Art. 18 der Reichsoerfasstrny ist bekanntlich die Möglichkeit von Neubildung von Ländern im Deut, sthen Reiche offen gelassen.
Der Art. 18 der ReichsoerfasMrg besagt u. a.: „Die Gliederung des Reiches in Ländern soll unter möglichster Berücksichtigung des Willens der beteiligten Bevölkerung der wirt- sthastlichen und kulturellen Höchstleistung des Volkes dienen. Die Aeicherung des Gebiets von Ländern und dte Neubildung von Lcftchern innerhalb des Reiths erfolgen durch vcrfaffunyscmderndes Reichsgefetz. Stimmen dte unmittelbar beteiligten Länder zu, so bedarf es nur eines einfachen Reichs^fetzes. Ein einfaches Reichsgesetz genügt ferner, trenn eures der beteiligten Länder nicht zustimmt, die Gebietsänderung oder Neubildung aber durch tot Willen der Bevölkerung gefordert roitii) und ein überwiegendes Reichsinteresse sie erheischt. Der Wille der Bevöt'erurkg ist durch W° ftrmmung festzustellen. Die Reichsvegferung ordnet die Abstimmung an, tot rat ein Drittel to zum Reichstag wahlberechtigten Einwohner des abzutrmnsnden Gebietes es verlangt. Zum Beschluß einer Gebiets- ändermig oder Netchilimng sind drei Fünftel der ob» Siebenen Stimmen, mindestens aber bte Stimmen- Mehrheit der Wchlbor..ckstigten erforderlich."
„Allerdings für mich ein äußerst peinlicher Gedanke," bemerkte Gretchen, „daß durch mein Kommen einem andern das Brot erschwert werden soll!"
„Das wäre auch so geschehen," entgegnete ihr Vater, „ich hätte höchstwahrscheinlich meinen eigenen Kassierer gemacht. Wäre mir sogar lieber gewesen. Johanns Posten werde ich auch nicht mehr besetzen. Euch hat er nicht viel genutzt, und ich selbst kann mich wohl allein behelfen. Die gymnastischen Hebungen beim An- unb Auskleiden werden wesentlich zur Erhaltung meiner körperlichen unb geistigen Frische beitragen.
Aber das sind Dinge, Herr Doktor, mit denen ich Sie nicht behelligen will. Darüber werden wir oben im stillen Kämmerlein im engsten Familienräte weiter ver- handeln! Nehmen Sie meine aufrichtigsten Wünsch« für Ihr großes Vorhaben und lassen Sie uns wenigstens hier und da ein paar Worte darüber hören, was Ihr Schwerverbrecher aus gekränkter Ehre treibt!"
Gretchen hatte sich von Dr. Weiß mit einem ruhigen Händedruck entfernt und war in das Kossenzimmer gegangen.
Selstermann stand an seinem Schreibttsch und sann vor sich hin. „Ein oerteufeh harter Kopf!" murmelte er.
Da klopfte es schon wieder und sein Sohn trat ein. Er war gegen sonst sehr bescheiden unb zurückhaltend.
„Ich habe heute nachmittag im Kaffeehaus gehört, Papa, baß du aus dem Klub ausgetreten bist!"
„Allerdings! Ich habe gestern abend geschrieben, und 'ich erwarte von Dir, daß Du den heutigen Abend zu dem gleichen Schritte benützen wirst!"
„Aber warum denn, Papa?"
„Darum, mein Lieber, weil es fein muh! Weil es ans unseren Verhältnissen heraus fein muß! Ja, teurer Freund, mach' nur große Augen und schau mich wir aus den Walken gefallen an. Du hast das besondere Glück, daß Dir das Schicksal frühzeitig unb hoffentlich noch zur rechten Stunde einen Strich durch Deine etwas luxuriös aufgestellte Lebensrechnung macht!"
„Aber was ist denn oorgekommen? Hat denn der Kerl so gemaust?"
„Laß jetzt solche Bemerkungen, die Dir — wenn Du : sie öffentlich machst — von manchem als zu hochnäsig 1 cusaeiegt werden Knuten, liniere Finanzen verlan
gen einfach ganz erhebliche Elnschränkungen und daß darunter in allererster Linie die Privatpaflionen von uns beiden leiden muffen, das wird Dir wohl ohne weiteres einleuchten. Oder sollen Mutter unb Gretchen verkürzt werden, noch mehr verkürzt werden, als es naturgemäß nun auch für sie unvermeidlich wird, ober soll ich meinen Geschäftsbankerott ansagen?"
„Um Gotteswillen, Papa! So wird es doch nicht stehen!"
Der junge Monn war blaß geworden unb starrte den Kaufmann fassungslos on. „Was würden meine Freunde sogen? Ich wäre unmöglich!"
„Ja, mein Lieber, Deine Freunde! Deine Freunde werden in der nächsten Zeit mehrfach sehr mit Dir unzufrieden sein. Dein Gehalt als Anfänger im Geschäft wird Dir nicht mehr gestatten, ihnen mtt Deiner Börse so auszuhelfen, wie das bisher geschehen ift Du wirst die teueren Vergnügungen nicht mehr mitmachen können. Du wirst in jeder Richtung Dich nach der Decke strecken müssen."
„Aber gerade deswegen bin ich ja jetzt zu Dir gekommen, Papa. Ich muß unbedingt noch einiges Geld von Dir haben. Wir haben gespielt unb ich habe ver» . teren "
„Unb zur Bezahlung dieser Spielschulden willst Du jetzt bas Geld?
„Ja, ich bitte Dich!"
„Oh, so geh nur hinein da zu Deiner Schwester, sie ist jetzt Kassiererin."
„Mach doch leine Scherze, Papa, sie würde mir nie einen Pfennig dafür geben."
„Ra. siehst Du, Junge, so mach' ich's auch. Ich halte es wie unsere Kassiererin."
„Aber Pater, es sind doch Ehrenschulden!"
„Aha. da haben wir ja die Ehre wieder."
„Unb Du selbst hast ja doch auch im Klub so und so oft und noch höher gespielt," setzte Alfted, in seiner Hilf- losigkeit keck geworden, bei.
„Hab' ich auch, mein Junge! Hab' ich leider! Aber bas Konto ist jetzt gestrichen. Ich habe kein Geld mehr für derlei Unfug, weder bei Dir noch bei mir.
Aber jetzt gib acht, Alfted: Willst Du Dein bisheriges Leben weiiersühren unb bann bex großen Klad-
Zur Slenberung bezro. Regelung dicher Bestimmen, gen der Nrichsverfasfung ist dem Reichstag mimnehr ein Gesetzentwurf zugegaiM», der bereits die Zustmunung des Reichsrats g,:tmrixn hat. Dieser hat allerdings an einige Paragraphen der Regierungsvor- läge Aenderungen vorgenommen. In der Begründung zur Vorlage wird u. a. gesagt: „Es hat sich als notwendig erwiesen, im Gesetz zur Ausführung bes Art. 18 der Reichsoerfasfung nicht nur reine Versah, rrmysoorschriften zu bringen, sondern darüber hinaus Feichgeitig dem Art. 18 den Ausbau zu geben, der eine sachgemäße Handhabung dieser schwierigen Verfassung». Vorschrift ermöglicht. Dies dürfte um so unbedenklicher fein, als auch das Gesetz über den Boiksentsch.'id nicht nur Verfahrens-, sondern neue materiell-rechtliche Dor» schriften gebracht hat."
profefloren-vebatte über die UriegrschMsrage.
In einem Brief an den „Temps" antwortet Professor A u l a r d von der Pariser Sorbonne auf die Aufforderung des Berliner Professors Hans Delbrück zu einer öffentlichen Debatte über die Krisgsursachen unter dem Vorsitz eines neutralen Gelehrten: Die Debatte könne nicht in einem öffentlichen Redetournier erfolgen, sondern in der Presse. Professor Delbrück möge seine These entwickeln und er, Professor Aulard, werde dann entscheiden, ob er darauf antworten könne.
Vorher aber wirft der Franzose zwei Fragen auf, auf die er von Professor Delbrück eine Antwort erwartet. Als Deutschland an Frankreich den Krieg erklärte, habe es als Ursache das Bombardementdeutschen Gebiets durch französische Flugzeuge angeführt. Das sei eine Lüge gewesen. Wenn die deutsche Regierung das Gefühl gehabt hätte, daß Frankreich zum Kriege drängte, hätte sie irgend eine wirkliche Handlung der französischen Politik angeführt. Die deutsche Regierung habe nur eine Lüge gefunden. Wie denke Professor Delbrück darüber? Wie denke er ferner darüber, daß die Neutralität Frankreichs in dem Kriege dadurch sichergestellt werden sollte, daß dieFestungenVerdun und T o u l an Deutschland ausgeliefert werden sollten. Dadurch habe Frankreich auf alle Fälle gezwungen werden sollen, den Krieg zu erklären. Wie denke Professor. Delbrück hierüber?.
toifteifli und Nt Sstnitt-Mül.
Einheitsfront der Alliierten oder Geheimabkommen?
In Bezitg auf die angeblichen Verhandlungen zwischen der ftlmzöf. Regierung und Sowejtrußland schreibt der Temps, Frankreich habe über kein politisches Abkommen mit der Somjetrgierung verhandelt. Die Konferenz von Gemra sei tatsächlich nur deshalb einbcritfen worden, um dir Sorojetregienmg den Staaten gegenüberzustellen, die ihre Gläubiger oder Sicferonten seien. Das sei die Methode der Einheitsfront, der Frankreich treu bleibe. Wenn Frankreich das Programm von Genua ernstlich studier«» wolle, könne es verlangen, sich vorher mit seinen Alliier, ton darüber zu verständigen. Das sei not trendig, damit öfe Sowjetregierung ihre Partner einig finde und diese in den'Stmid gesetzt würden, die notwendigen Goran- tien zu verlangen, damit man mit Rußland arbeite» und an der Wtederaufrichtung des russischen Volkes mithelfen könne. Wetm man erzähle, daß Frankreich mit den Bolschewisten verhandele, ja selbst, daß es ein Geheimabkommen abgeschlossen habe, dann sag« man der französischen Regierung eine Politik nach, di« schnursftocks der Politik erÄg^onst'he, die sie verfolge, und damit füge man zur Dummheit die Derleurrtdung.
deradaffch auf einmal, bei dem alles zufcimmenbricht — — denn so können wir es auf die Dauer nicht mehr machen — ober willst DU rechizeittg noch in letzter Stunde den Versuch miihalten, uns bvrchzuretten zu einer zwar- bescheidenen, aber sichergestellten Existenz, die es Dir in ihrem künftigen Ausbau vielleicht ermöglicht, wenn Du später noch Sehnsucht haben solltest, in die früheren Verhältnisse unter besseren Umständen und mit getauter» ten Meinungen über das Leben und Genießen zurückzu- kehren?"
Der junge Mann hatte seinen Baier noch niemals so reden hören, weder in der Wärme und Schlichthett des Tones, noch in der Art der Gedanken. Es verfehlte feinen Eindruck auf Wfted nicht, zu sehen, mit welcher Spannung, mit welcher dringenden Angst fen, Vater ihm an den Lippen hing, wie wenn die Ant^ wort des Sohnes für ihn weit mehr als eine Zustimmung, wie wenn sie eine Entscheidung über das Schick« fa( des Vaters selbst enthielte.
„Schau, Fredi," fuhr Selstermann im gleichen, ja in einem noch herzlicheren Tone fort, „wir beide haben manche Torheit miteinander begangen. Ich habe Dich in Jahren, in denen Du überhaupt noch nicht dahin gehörtest, in Kreise eingeführt, wo das Geld sehr leicht jedem in der Hand sitzt. Ich habe in der eitlen Ungeduld, die zu leicht aus dem Vaterstolz aufwächst, es mcht erwarten können, bis Du aus Dir selber heran», gereist und zur eigenen Wahl Deines Lebensweges,, Deiner Gesellschaft gekommen wärest. Ich habe Dich mit hineingerissen in den Strudel von Vergnügungen» die keine find. Ich habe, um die Zukunft unb den« Glanz unseres Hauses möglichst ficherzustellen. Dich frühzeitig gelehrt, wie man ein Haus untergräbt. Ich habe Tcmfende am Spieltisch verloren und wieder verloren immer in dem allen heißhungrigen Spielerwahn, daß ihm der nächste Wurf alles Verlorene wiederge- winnen werde und noch weit mehr . . . Wollen wir zwei, die wir so gern »infam knietief in die Torheit, in den Schlamm miteinander hingewatet sind, denn nicht jetzt auch gemeinsam die Furt suchen, die aus dem Unheil herausführt? Komm, Fredi, gib mir ic Handl Laß uns Kameraden fein und treu zusamme, ,-ehen für. die ahnungslose Mutter, für Gretchen!" jForts. folgt!