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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 41.

Verantwort > ich rür den rtoauioneUen Teil' Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzel I er-Fulda. : Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acliendnickerei in Fulda- itfrnipied)« Nr. 9. Teleqr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung,

Sonntag, 19. Februar 1922.

Bezugspreis: Monatlich 8.0J Ml. zugestellt frei ins Haus. 5 Abgeholt in der Geschäftsst-lle 7,53 Ml. ä Anzeigen: Kleinzeile nach Emone> 1 Mk.; auswärts 1.50Mk. Reklamezeile (lejrttireitel nach Colone matz 4 Mark.

49. Zahrg.

Deutsch-russische Verhandlungen

I mag einer, so elend bestohlen, in die Grube fahren, I ohne sich gewehrt oder sich wehren gekonnt zu haben!"

Gretchen verfolgte jedes Wort des Anwalts mit I Spannung, während ihr Vater an seinem Pulte saß und I die Federn und Bleistifte prüfte, die vor ihm lagen. | »Und", fuhr der Rechtsanwalt mit Eifer fort,roas I mir schon in jenen ähnlichen Fällen, die mir zur Kennt- I nis gelangten, immer besonder, ausgefallen ist, die Gegenwehr tritt auch bei ganz minderwertigen und sonst gleichgültigen Menschen am häufigsten und heftig- I sten dann ein, wenn es um die Ehre geht. Die Ehre ist auch für den phlegmatischen und in keiner Hinsicht hochstehenden Menschen immer noch ein eingebildetes oder wirklich so bedeutsames Gut, daß er diesen Dieb­stahl als den schwersten empfindet und sich nicht gefallen läßt."

Mit vollem Recht", sagte Gretchen. «Es gibt kein höheres Gut als die Ehre! Wer sie nicht selber verlieren [ will, muß um sie kämpfen mit aller Macht."

Selstermann blickte einen Augenblick zu ihr herüber und lächelte.

Hochinteressant", sagte er,diese philosophisch-juri­stische Doppel-Vorlesung!"

Keines der beiden anderen beachtete den Einwurf.

Alles", bemerkte der Anwalt,hat er sich gefallen lassen, jede Art der Uebervorteilung, ja, den direkten Diebstahl seiner wertvollen Habe. Selbst besondere Leckerbissen hat ihm der andere zu wiederholten Malen, wie Zeugen bekunden, au» dem Teller heraus, noch von der Gabel weggenommem Er hat dazu gelacht oder höchstens unwirsch gebrummt. Da macht der Ausbeuter auf feinen Namen eine kleine Zechschuld, was er selber niemals getan er macht die Schuld in einer Wirt- schalt, wo der Täter betannt war und dort njcht schief angesehen fein wollte . . . dieser geringfügige, aber für die Verurteilung de« Ganzen entscheidende Vorfall ge­nügt, um das Schicksal zu rufen und in meinem Schütz­ling den Ausbruch einer Abwehr zu veranlassen, die lei­der zu einer Tat geführt hat, welche der Staatsanwalt als Mord bezeichnet!"

,Zch würde ihn sreisprechen", rief Gretchen lebhafter, als es sonst ihre Art war mit dunklen Augen.

Sturz des italienischen Kabinette.

Das Ministerium Vonomi ist in der Kammer mit 107 gegen 295 Stimmen In der Minderheit ge- bliebe«.

Die Konferenz von Genua.

Die Dorbereltwr^n für die Konferenz von Genua ten 8. März gehen nach einer Meldung aus London tmverändert weiter. Die Frage einer etwaigen Der- totebmg kann erst entschieden werden, wenn die Sach­verständigen in London zusammengetroffen sind.

Die Schiffsbauken für die Lntenke.

Im englischen Unterhause erklärte ein Regle» rungsoertreter, Deutschland sei verpflichtet, wah­rend fünf Jahren für Rechnung der Alliierten jährlich 200 000 Tonnen Handelsschiffsraum zu bauen. Großbritannien habe auf seinen Anteil daran verzichtet.

Zur politischen Lage.

Treffend kennzeichnet dieK. D." die gegen­wärtige politische Lage, die alles weniger als er­freulich ist, wenn sie schreibt:

Es sind zum guten Tell diefelben Widerstände, die uns überall in den Weg treten, wo uns das Gemein- wohl, das insbesondere für den christlichen Po- l i t i k e r oberstes Gesetz ist. antreibt, die soziale Zerklüftung unseres Volkes zu überbrücken.

Parteipolitisch drückt sich dieses Problem gegenwärtig ja vor allem in der Frage aus. wie man die Deutsche Dolkspartei und die Sozialdemokratie zur Zusammenarbeit bringen kann, um eine Regierung zu er» möglichen, die hüben und drüben auf so breite Schichten unseres Volkes sich stützt, daß namentlich die sozialen Gegensätze in der Hilllenkung auf gemeinsame Ziele zu- sarmnengeführt werden köirnrn. In dem Hin und Her zwischen Dolkspartei und Sozialdemokratie ist es ja im wesentlichen der alte Gegensatz zwischen Unterneh­me r {a p i t a I und 2Ir beit, der die Hauptschwierigkeit bedeutet. Hier ist das Hauptproblem der Politik der Mül«. Diejenigen, die über diesePolitik der :1 e" spotten und sie alsSumps" verschreien, mar- 2^nJa wohl die starken Männer, indem sie den offenen

Erschließung Rutzlands.

In den letzten Tagen weilten Vertreter der ruf- fischen Sowjetregierung in Berlin, um mit der deutschen Regierung über wirtschaftliche Fragen zu verhandeln. Als Beauftragte der Sowjet­republik waren Krassin und Radek erschienen.

Wie jetzt amtlich mitgeteilt, sind die Derhand» lungen, die zwischen den deutschen und den rus­sischen Vertretern stattfanden und der künftigen Erschließung Rußlands galten, zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen. Krassin hat am Freitag Berlin wieder verlassen, um sich nach Moskau zu begeben, wo er der Sowjstregierung über die Ein­drücke seiner letzten Londoner und Berliner Ver­handlungen Bericht erstatten wird. Mit ihm reisen Radek und der Chef der Sowjethandelsmiflion in Berlin Stomoniakow, die ebenfalls an den Berliner Verhandlungen beteiligt gewesen sind,

Deka Shun In Berlin.

DemLokalanzeiger" zufolge sollen sich der ehe- malige Volkskommissar für Aeußeres der unga­rischen Räterepublik Bela K h u n sowie das frühere Mitglied des sowjetrussischen Exekutivkomi­tees R y k o w in Berlin aufhalten.

SWüotei Der MDilDnnmMer.

Wie dasBerk. Tagebl." aus Weimar meldet, werden am Samstag im Sitzungssaal des chürln- gifchen Landtags die Dolksbildungsminifter aller deutschen Länder zu einer Konferenz zusammen- treten. Die Konferenz, an der auch die Finanz- m i n i st e r der Länder teilnehmen werden, wird sich u. a. mit der F r a g e d e r L e h r e r a u s b i l- d u n g beschäfttgen.

teDgeDimg Der WtorsetofflM

Ausreichende Zusicherungen des Kanzlers.

Der Vorstand der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten versendet eine Mitteilung, in der es heißt, daß in einer zwei­tägigen Sitzung zur F r a g e d e r D i s z i p l I n i e- r u n g e n, welche im Widerspruch ständen zu den Versprechungen des Reichskanzlers, Stellung ge­nommen wurde. Es fei eine Abordnung zum Reichskanzler entsandt worden, welche Zu sicherungen erhielt, die der Vorstand als ausreichend erachte, um weiter beruhigend auf die Mitglieder einwirken zu können. Die Ak­tion könne jedoch erst als abgeschlossen gelten, wenn die Frage der Maßregelungen endgültig befriedj, gend geregelt sein wird.

Entscheibungskamps zwischen dembürgerlichen" uni) dein sozialistischen Lager forisertt. Aber die Stärke, diesen Kamps zu meutern, ohne baß das Deutschland von heute dabei in Scherben geschlagen würde, garan­tiert auch di« größte Lungenkraft nicht. Sie sind es aber, die als draufgängerische Elemente hüben und drüben im­mer wieder den klügeren Steuerleuten in den Arm fallen und, weil sie sich auf eine Schicht, bie nur schwer begreift, stützen können, die Führer zwingt oder verleitet, auf die Widerspenstigen Rücksichten zu nehmen und Zickzackwege zu gehen. Das eine Mat ist es so weit, daß die Volks» Partei so weit ist, um den Eintritt in die Koalition voll­ziehen zu können da melden sich die Widerstände bei ter Sozialdemokratie: and wieder em anderes Mal schsi- neu die sozialistischen Führer diese Widerstände überwun­den zu haben, aber da fetzen wieder in der Dolkspartei die Quertreibereien ober Bedenklichkeit«) ein, und wie­derum ist es mit der Koalition nichts.

Soll dieses Wechselspiel, das für die Zuschauer längst affe. Reiz« verloren hat, nun immer so weiter gchen? Es scheint doch, daß der Ueberdruß daran nach dem längsten Schaustück im Reichstage sich stärker regen wollte als bisher. Wenn die letzte Krisis und ihre Erledigung diesen Erfolg hat, so wird das nicht der schlechteste Ge- wiyn aus der einstweiligen Entscheidung vom 15. Febr. sein.

Deutscher Reichstag.

Rach dem Reichsmiekengeseh das Mlekssieuergeseh.

Den Reichstag beschäftigte in feiner Sitzung am Frei- tag fast ausschließlich die zweite Beratung der Novelle zum Mietssteuergesetz. (Dieses Ee- setz ist zu unterscheiden von dem Reichsmietenge- setz, das- das Verhältnis zwischen Vormieter und Mieter regeln soll. D. R.) Die bisherig» Mietssteuer von insge­samt 10 Proz. soll auf Grund des Entwurfs auf 50 Proz. der Friedens miete erhöht werden. Davon dürfen der Staat 25 Proz. «ck> in gleicher Weise die Gemeinden mindestens 25 Proz. «Heben. Das Gesetz hat den Ausschuß schon geraume Zeit beschäftigt unb nach eingehenden Erwägungen im Ausschuß in der Form der Regierungsvorlage Annahme gefunben. Eine Aenderung aus sozialen Gesichtspunkten bereut ist nur noch der Richtung eingetreten, daß bei einem Einkommen, bas 10 000 M nicht übersteigt, von der Eichobung einer Mietssteusr abgesehen werden tqnn. Vielleicht hätte man

Großkaufmann Zelstermann.

Bon Wilhelm Herbert, München.

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"^.er ^dere ist in eine Wirtschaft gegangen, hat dorr raft1??14 getrunken und beim Gehen, da er kein <$e o patte, ben Namen seines Freundes, der öa bekannt war, ms Burgen angegeben. Ein Vorfall, hinter dem ja, rote sie miteinander lebten, gar nichts Ungewöhn- tu.?es gewesen wäre. Aber" der Ausgenützte wurde des.

Don feinen Kameraden an der Arbeitsstätte ge- ", , r, sonst ein verhältnismäßig nüchterner I sich in der Wirtschaft, in die er am glei- «fjen Alund ging, um den Rückstand zu begleichen.

63 offenbar zwischen ihm und seinem ar0^ ' der schon angetrunken im Bett lag, zu der Abrechnung Rach memer An- ben Ver etr)®eroufe fischen den beiden stattgefun- nJfnnU n r°, b°NMlltt freilich nimmt an, daß der An- ® r * ner ®ut den andern im Schlaf Überfällen I frbe, bis er h>r,roan"mf '6n ei-Msch-age» belstermann.Da haben Sie sa ein trbones arbest fetb! Eine Gelegenheit, vor den Gefchwo- reuen eine e.ndracksoolle Jungfernrede zu hallen!" I Wenn d'e Sache f0 jft, roie fit mir nach I bem Menmhall barstet! l. werde ich den Herren zeigen, I bafe das trotz aller Absonderlichkeiten gar nichts Ab- "armes 'st, daß es nur einer jener Fälle ist, in denen im Leben einer den andern ausstiehlt. Es gibt viel mehr moral),che als körperliche Diebe. Auf Schritt und Tritt sieht man das. Mit feinem Ansehen, mit feiner Schlauheit, mit (einer gesellschaftlichen, mit seiner wirt­schaftlichen, mit feiner sozialen Ueberlegenheit bestiehlt der eine den andern, hier brutaler, hier "feiner und vor- sichtiger.

Aber interessant ist doch dabei, wie so was lange /nd lange geht, dis es bann auf einmal an einen Punkt kommt, wo der Sisdegipfel des Blutes erreicht ist und * dieses zur Katastrophe losbricht. Hundertmal freilich f

biefer Kann-Dorfchrift bester eine Muß-Dorfchrist Borge- sogen.

Die Deutschnaklonalen lehnen den Gefehent» wurf ab. Sie wünschen darum di« Annahme einer Em- Mießung, die daraus hinweist, diese Angelegenheit der Regelung der Einzelländer zu überlasten. Von der Re- grerung wird bk Vortage durch den Ministerialdirektor Dr. Ritter vertreten, der besvndern Wert auf die Feststellung legt, daß der Entwurf einen Mittelweg einoeschlogen habe, damit di« Lasten nicht eine Höhe erreichen, die vie'en Kreisen das Tragen der Lasten nicht mehr ermöglicht. Di« Debatte zieht sich länger hin als man bei der Art des Gegenstandes htäte erwarten können. Die Rechte und die Linke nehmen für ihre Ausführungen besonders lang« Zeit in Anspruch. Don den Deutschnationalen wendet sich der Ab«. Bazille gegen den Entwurf. Selbst bei dieser Ma- ter» fühlt sich Herr Adolf Hoffman» beirühiat, feine An- Wesenheit durch erheiternde Zwischenrufe darzütun. Die es Geplänkel zwischen Herrn Bazille und Herrn Hoffmann war und blieb aber auch die einzige Abwechslung, die die sonst monoton verlaufene Debatte ein wenig belebte. Herr Silberschmidl von den Scyialbemokraten fetzt sich für feine Freunde mit dem Entwurf auseinander. Er bat noch et­liche Wünsche, die er $wm Ausdruck bringt. Er redet vor­nehmlich der Einführung einer Kontrolle das Wort dar- Über, daß die Gelder vom Baugewerbe auch wirklich ratio- nell und produktiv verwendet werden. Denn es ist imme-- hm die ungeheure Summe von 20 Milliarden, die man aus öffentlichen Mitteln und Mie'ergrofchen zum ver­stärkten Wohnungsbau heranholen werde. 8 M i l l i a r - den sollen durch dieses Gesetz aufgebracht werden, 23 Milliarden durch das Reichsmüetengesetz. Dazu treten die Einkünfte aus den öffentlichen Barten. ,

Nach längerer Debatte, an der vom Zentrum Aba. Tremmel sprach, wurde die Weiterberatung auf Samstag verschoben.

orbnung Rechnung zu tragen. Nachdem der Redner warme Worte der Anerkennung für die Technische Not­hilfe gefunden und sich bezü sich der Disziplinierungen' mit der vom Reichskanzler Dr. Wirtd cin.ienommcneit Haltung in und während deS Streiks vollauf einver» standen ertlärr, drückt et den Wunsch aus, daß biei irregeleitete Beamtenschaft bald zu threr alten Pflicht-" treue zurückkchre.

Interessant war noch, wie warm und überzeugt der sozial demokratisch MJnnenminister Severing für die Technische Rothrlfe eintrat. Am Samstag wird die Verhandlung fortgesetzt.

Hus dem besetzten Gebiet.

Franzosen al» Einbrecher. Dem Wiesbadener Gericht wurden zur Vernehmung der ehemalige fran. zöfische Besatzungssoldat Felix Boulet au8 Paris und der Zivilist Charles Tonziere aus Bordeaux vorgeführt, die in der letzten Zeit in Wiesbaden sieben Ein­brüche in Wohnungen und Läden verübt hatten, bei denen ihnen besonders F uw eien in hohem Werte tni die Hände gefallen find. Boulet ist vor längerer Zeit von feinem Truppenteile desertiert. Sein Komplice hat bereit# die Einbrüche eingejtanben.

* * Der rheinische Hachverräter Smefs hat gegen da» Urteil des Kötner iLerichtS Revision beim ReichSgerich/ eingelegt.

* Starte Verminderung der amerikanischen Vesahung«- fruppeu. Das amerikanische Kriegsamt in Washington gibt bekannt, daß die amerikanischen Besatzungstruppen ta Deutschland unverzüglich um 203 Offiziere und 3000 Monn oerrinaert weiden. Er bleiben dann nur 169 Offiziere und 2217 Mann zurück.

die

Natürlich", sagte der Kaufmann und nickte.Das sieht Dir gleich. Schade, daß Ihr Frauen noch nicht Geschworene seid bei uns, bei Dir wenigstens könnte man was erleben."

-Obs zur Freisprechung kommt", meinte der Anwalt rein sachlich,ich zweifle es! Aber der Grundgedanke aus bem heraus Fräulein Gretchen ihr Verdikt fällen mochte, scheint mir doch nicht f0 ganz unrichtig zu fein W>e eine Notwehr sonst im Leben und im Recht aner- fannt ist, so muß auch eine Ehrennotwehr fein, v>e der benützen darf, der von einem andern in seiner Ehrenhastigkeit irgendwie angegriffen ift Ob freilich mein jetziger Klient mit dieser Schuld gedeckt werdm kann, das erfordert noch reichliches und reifliches Stu­dium und Ueberlegung. Ich muß ihn vor allem selbst sehen und werde ihn morgen früh im Gefängnis be­suchen. Ich bin ungemein gespannt auf den Eindruck den er macht!" '

Selstermann hatte sich mit einer., entschuldigenden Bewegung erhoben, da an die Tür geklopft worden war und der Kopf des Bürodieners dort erschien.

-Ich beneide Sie um Ihren Beruf", sagte Gretchen .und sah den Anwalt mit schimmernden Augen an.Für bas JJtcdjt der Schwächeren kämpfen, die Wahrheit" er- Mitteln, wo sie im Dunkeln liegt ... es kann nichts Schöneres geben."

Sie wissen am allerbesten, Fräulein Gretchen, daß es auch nichts Schwereres und unter Umständen Un- dankbareres gibt. Haben doch wir beide uns gestern gerade in diesem Kampf voneinander entfernt. Fr-stich erlauben Sie mir, daß ich diese Minute benütze, um Lhnen das zu sagen freilich habe ich selbst es so un- geschickt angestelli, als nur möglich, und dadurch den Ausgang verschuldet. D>e Ueberz-UFung, daß Sie auf einer falschen Spur sind den Eifer, mit dem ich ge. rode Ihrer selbst wegen für die Reinheit Ihrer ganzen Familie eintreten möchte, hat mich weit heftiger und unüberlegter werben lassen, als ich es in jeder ^Hinsicht hätte werden dürfen. Es hat mich feit gestern fo sehr gereut unb ich möchte Sie herzlich bitten, verzeihen Sie mir, was ich gefehlt habe." s

Deutsche; Reich.

* Eine neue Goldzahlung Deutschlands. Die Reparal-onKkommission veröffentlicht folgendes Com» muniq i«: Gemäg der in Cannes am 13. Januar getroffenen Entscheidung der Reparationskommissioni hat Deutschland in fremden Devisen an die vom Garantieansschuß bezeichneten Banken eine Repa­rationszahlung von 31 Millionen Go.dmark geleistet.

* Verschmelzung der Rechkskommunlslen mif der linabhüngigen. LautVorwärts" fand eine gemein» fatre Sitzung der Vorstände der U. S. P. und der kommunistischen ArbeitMmetnfchast (Richtung Levi) statt, in der die Einigungsfrage der beiden Parteien beraten tourt«. Der Parteirat der Unal> hängigen wird sich im Lemfe der nächsten Woche mit irr Frage des Anschlusses der kommunistischen Arbflts. gemeinschafi an die U. S. P. beschäftigen. Es ist fraglich, ob die kommunistische Arbeitsgemeinschaft in ihrer Gesamtheit übernommen oder ob sich ihre Mit- glieder einzeln bei den zuständigen Bezirksorganisatio» neu der U. G. P. zu melden haben. D.ese würden dann von Fall zu Fall über die Aufnahme entscheidens

preußischer Landtag.

Nutzlose Redereien der Kommunisten.

Man muß zugeben, die Kommunisten verstehen eS, Arbeiten des preußischen Parlaments durch ihre Anträge, die sie immer wieder zur Sprache bringen, zu

stören. So mußte denn der preußische Landtag am sich kl tag eine ganze Sitzung diesen Extravaganzen der Linken opfern unb so die kostbare Zeit, die ihm für pofutbe Gesetzesarbeit nur knapp zur Verfügung steht, ' e-n Redereien opfern. Kommunisten und Unabhängige hatten Anträge eingebracht über den Strelkerlatz des Reichspräsidenten, über die Verfügung bes Jetliner Polizeipräsidenten, gegen den man die Einleitung eines Verfahrens wegen Ucbeifitreitung ferner Amtsbefugnisie forderte und über die Maßregel langen von Beamten und Arbeitern anläßlich des letz- ten Streiks der Eisenbahner und der Berliner städt Angestellten. Tagelang hat man in der Presse, in Ver,ommlungen unb in Flugschriften über diese- Thema uoerreichlich diskutiert, ganz ab.iesehen von der etrcitbebaite im Reichstag. Nun mußte sich auch noch der Landtag damit beschästigcn, als ob da etroaS neues könnte zutage gefördert werden.

. .Die Vertreter Der einzelnen Parteien konnten dabei ia doch nur ihren prinzip-ellen Standpunkt darlegen, M) nicht andern wird, so lange diese Parteien Bestand haben werden. Es wäre nicht viel verloren gewesen, wenn der Aeltestenrat, wie er es vernünftiger- weise schon am Donnerstag getan hatte, diesen Punkt von der Tagesordnung abgesetzt hätte. Doch da nun x3UC Dtr-usraze Stellung nahmen, mutzte auch das Zent rum seinen prinzipiellen Stand- punkt barlegen. Der iibß. Blank machte darauf auf« merflam, wie da? Zentrum in der Nationalversammlung tote tn der Landesversammlung 1919 flat und unzwei-

Streitrecht der Beamten abgelehnt habe. Auch der damalige sozialdemokratische Berichterstatter habe bei den Beratungen über den Paragraphen 159 Oer Reichsversasfung ausdlücklich festgestellt, daß nach wLha td)-t xn°<nbCn- Wcld)lüffcn des Verfaflungsaus- schusses mit d- r VerelNigungSfreiheit der Beamten nicht das Etreikrecht gegeben sei. Der Redner beiont aber °uch, daß ein großer Teil der Beamten mit ihren Ein- kuniten unter dem statistisch nach.ewiesrnen Existenz- m.nimum stände. Er habe das schon anfangs Novein. der v. int preußischen Landtag zum Ausdruck ge« bradit Der Redner erkennt auch an, daß die Reateruna bereits vor Ausbrüch des Streiks sieh bcmü.;t habe, den .In e. ungen auf baldige Umgestaltung der ißcfolOuniS«

Kurland.

* Auflösung bet ungarischen Nationalvrrsamm- Istng. Da sich die ungarische 9kationa'oersammlunq nach zweijährigem Brsiehei: über die WahlrechtS- teform nicht einigen konnte, wurde sie am Donners­tag aufgelöst. Es wirb nunmehr eine Juristen- konferen, die Entscheidung treffen, nach welchem Wahlgelktz gewählt werden soll. .

» postflschr Mrkschast. DieDanziger Ztg." teilt mit, daß der Verkehr auf der Weichsel, so- pdlttischen Händen mht, auf den zehnten Seil t>eg Vorkrwgsverkehrs zu r ü ckg eg angen ist. 2ie Verwilderung d:r Weichstl sei heute geradezu mär- chenhaft und die Sandbänke seien geradezu zahllos ge- morden. Sogar Flöße orauchten heute Monate, sogar -o a h r e, um Danzig erreichen zu können.

* Die russische hungerkalastcophe. Die Hungers- not m Rußland bereitet der Sowjetregierung große

" " "*1«M ...........

»3rf) habe Ihnen für nichts zu verzeihen. Sie sind für Ihre Meinung eingetreten ich für die meine. Unb darin wird sich von gestern auf heute nichts ge­ändert haben bei Ihnen ebenso wenig wie bei uns, .barum bestehen die Gegensätze, die uns fachlich trennen, curt) wohl heute ebenso weiter roie gestern."

Unb müssen uns diese Gegensätze denn wirklich tren­nen, Fräulein Gretchen? Ach, ich habe ja gestern selber in der Uebereilung, in der Aufregung derlei gesagt. Aber können wir denn nicht in diesem Punkte verschie­dener «uffaffung sein unb uns trotzdem so nahe stehen, wie zwei Menschen sich nur überhaupt im Leben nahe zu stehen vermögen?"

Ich habe in meiner Gesinnung und in meinen Em­pfindungen Ihnen gegenüber keinen Wandel durchge- macht, Herr Doktor! Dazu bin ich zu zäh veranlagt und fühle das, was ich empfinde auch zu tief. Aber es ist doch wohl etwas wesentlich Verschiedenes, was wir für einander im Innern empfinden und in welche äußeren Beziehungen wir zu einander treten können. Ich würde niemals zu Ihnen paffen, solange Sie in diesen Lebensfragen im unlösbaren Widerspruch mit mir denken; es wäre kein glückliches Zusammenlebenl Das sind nicht Kleinigkeiten, roie sie täglich auftaudjen und wieder verschwinden über die man sich lächelnd hin- wegsetzt unb den Widerspruch des andern ruhig als die Betätigung der Selbständigkeit des Individuums hin« nimmt" . . .

Ihr Vater trat wieder ein.

Er betrachtete die beiden genau.

Run, seid Ihr mit Eurem interessanten Mörder ertig? Dann könnten wir ja vielleicht, weil sich bie Stunde so günstig trifft, zur Abwechslung von Euch bet, den selber sprechen!

Ich sehe mit Vergnügen, daß. sich die Herrschaften über die spannenden Rechtsfragen bie Wangen warm unb rot geredet haben unb nicht mehr so steif einander gegenüberstehen wie zu Anfang.

Die Sache ift also wieder in Ordnung zwischen Euch?"!

Er blieb, die Hände in den Taschen, vor den zweien stehen und schaute frohgelockt von dem einen zu bemj AXliw1** - - -- V-- I