Amtlicher Anzeiger für den kreic und die Skadk Fulda.
slr. 36.
Verantwortlich für Öen reünnionellen Teil' Dr. I. Kramer- s für die Anzeigen: I. Parze!ler-Fulda. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- ^ernwrecher Nr. 9- Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Dienstag, 14. Februar 1922.
Bezugspreis: Monatlich 8.00 Alk. zugesteüt frei ins Haus, u Abgeholt in der Geschäftsstelle 7.50 2RL u Anzeigen: Kleinzeile noch Colone! IMk., auswärts 1.50 M. Reklamezeile lTextvreite'l nach Colone'maß 4 Mark.
49. Zahrg.
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Srstzkaufmann Selftermann.
Don Wilhelm Herbert, München.
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„Vielleich! habe ich he nie für Sie nlH eine besondere Veberiaschung!" sagte der Kaufmann unter der Türe froh-
gsstimmt und unternehmend. „Nun, mm! Machen/Sie y nur nicht gar so ein bedenkliches urö» ernstes Gesicht! Ist
Ihnen Ihre neue Würde als Syndikus denn schon so sehr in Fleisch und Blut übergegangen?
Ich liebe fröhliche Gesichter bei der Jugend. Der Emst de» Lebens fordert unbedingt, daß wir, fobaD es die stunde wieder irgenätme erlaubt, heitere Mienen «rziehen ~~ und diese traurige Geschichte da liegt ja nun fertig hin- UNS. Also beim Wiederkommen etwas fröhlichere Augen, wenn ich bitten darf!"
Dr. Wech bemühte sich zu lächeln. Es wollte ihm ober sicht r«ht klingen. Der Vorgang mit Gretchen gestern leg ihm schwtr am Herzen, und gerade in dieser Stunde, da er mit S^stermonn in engere Beziehungen trat, em« pfamö er die Lparmung mit seiner Tochter doppelt schmerz, l'.ch. Er fürchete bei chrer Art nur zu sehr, daß sich ein WiederantMpfs, schwierig gestalten würde. Und er kam ja auch selbst im erlich nicht über die Gegensätzlichkeit ihrer grundlegenden Anschauungen weg.
So ging er die wenigen Schritte stumm neben Seiftet« mann her.
„Apropos, fragte dieser und zog die schon geöffnete Gangmr nod einmal zu. „Das wollte ich Ihnen noch sagen, daß nchts Unklares bleibt. Ich will ein für allemal reinen Tisch haben. Die Geschichte mit den dreitausend Mark droben halte ich auch für miterfebigt. Ich will ein för aüemkl Dränung im Hause haben und keine Gespenster mehr umgehen sehen- Mag die Sache sein, wie sie will!
Der alte Johann ist draußen. Ich frage gar nicht weiter ' danach was da -geschehen ist: nennen Sie das meinetwegen leusnsinnig! Ich haoe es fett, den Kriminalbeamten zu spielen, und will meine Nächte lieber nn Bett, als bei Akten und Urkunden zubringen. Ich schreibe die Summe aus das Verlustkonto, das diesmal an sich ziemlich schwer ' und damit basta! Also keine Bemühungen mehr ” dieser Richtung, wenn ich bitten darfl" sich ?t
T.
Er schüttelt« dem Anwalt noch einmal die Hand und stieg dann leicht und vor sich hinxseisenb die Treppe hinauf.
6. Kapitel.
„Die Sache ist in Dränung!" sagte er oben zu seiner Frau und Gretchen. „Ich Hove es eben unseren Deuten mitgeteilt. Die BÄH« sind knrrchgchehen. Alles ist auf« geklärt. Ich mache weiter keine Geschickten daraus. Die Toten weckt keiner mch-r auf. Den DerÄlst trage ich eben. Aber es soll endlich wioder Ruhe werden hier im House. Das Verfahren ist zu Ende. Die Behörde hat weit« kein Interefle dar«. Wir können wieder ftiedlich und ohne Polizei leben!"
„Gott fei Dank!" seufzte Frau Solstemumn «leichtert. „Wie snch ich darum bin!"
„Und Lore?" sogt« Gretchen und schaute ihrem Bat« ernst und ruhig ins Auge.
„Lore wird sich damit abfinden müssen," antwortete er, „und am allerbesten Gras bcwüfcr wachsen lasten. Vergessen ist das schnellste Heilmittel für solche Wunden!"
Seine Tochter schwieg und fah vor sich hin. Ihr Entschluß stand fest.
„Und damit alles aus der Welt geschafft ist, was uns noch Berärießlichkskten machen könnte," wendete ©elfter« mann sich zu sein« Frau, „habe ich mit Dr. Weiß auch gteich über die untere Sache gesprochen, die Dich im Be- soiräeren angeht. Es Icfjt sich jetzt sicher annehmen, daß da nichts mehr vorkommt. Wir wollen also, was geschehen ist, nicht weiter aufrühren und prüfen und das Gewesene der Vergangenheit und ihren Verdiensten zugute schreiben. Ist Dir das recht?"
„DH!" entgegnete sie erleichtert. „Ich bin ja fwh danum. Es wäre mir schrecklich gewesen, wenn meinetwegen irgend wer hätte leiden mästen. Mag» dem Glück bringen, d« es gewesen stt. Ich rede am liebsten nicht mehr davon!"
Er nickte befriedigt.
„Und jetzt," sagte er, „zu etwas aräerem, zu einem freundlicheren Thema."
Er blickte die Frauen behaglich lächelnd a-n.
„Na?" fragte er. „Keine Ahnung? Keine Neugieräe?" Jetzt verstaub ihn seine Fran,
Die Krönung Pius XI.
Am Sonntag vormittag fand in der Peters- kirche zu Rom die feierliche Zeremonie der Krönung Pius XI. statt, an der außer der Familie und den kirchlichen Würdenträgern beim päpstlichen
Papst Pius XI.
Stuhl das beglaubigte diplomatische Korps und nahezu 50 000 andere Personen teilnahmen. Nach der Krönung erteilte der Papst vom äußer» st en Aktan der Basilika der auf dem Platz vor der Kirche harrenden Volksmenge den Segen. Das Volk jubelte ihm zu, während die auf dem Platze aufgestellten Truppen präsentierten.
^.Rom in den Tagen -er papstwahl.
tat Don unseren römischen Mitarbeiter.
Das Konklave nach dem Tote Benedikt XV. dauerte - Inan Donnerstag nachmittag (2. Febr.) bis zum Montag ben 6. Februar. Schon gleich am Freitag, mittags gegen 12 Uhr, war der Petersptatz gefüllt mit Menschen, welche bte sogenannte sfumata, den aus bem Kamin an der Sixtinischen Kapelle aitffteigenten Rauch beobachten wollten. Es ist nämlich Gebrauch, die Zettel nach tarn Scru« tittium, das in der Sixtinischen Kapelle adgchalten wird, zu verbrennen. Ist aus der Wahl ein Papst noch nicht hervvrgegangen, so wird feuchtes Stroh neben den Zetteln oerbrmmt und eine schwarze Rauchwolke zeigt der drau
ßen harrenden Menge an, Voß noch kein Resultat er- zielt stt.
Jeden Mittag und jeden Abend gegen 5 Uhr war von Samstag an ter Petersptatz mit Tausenden gefüllt. Am Sonntag mittag bot der Petersptatz ein Schaestpiel, wie es kaum je ein Platz der Weit bieten trrirä. Mehr als 150000 Menschen standen erwartungsvoll auf dem Riesenptatz, hoffend, daß heute der neue Papst ans der Wahl hervorgsganyen sei. Dazu war es das schönste Frühlingswetter. Plötzlich ging eine Bewegung durch die Menge, manche sahen, was sie wünschten, weißen Rauch auffteigen — ater auch diesmal war es nichts, es tarn gleich darauf eine dicke schwarze Rauchwolke. Die Menge muhte wieder heimgchen, ohne dem neuen Papst gehuldigt zu haben. Am Abend war dasselbe Schauspiel, nur war die Menschenmenge noch größer.
Montag, der 6. Februar, stt regnerisch Aber dennoch ist wiederum ter Petersptatz stark besetzt. Ein malerisches Bild! Alles voll Erwartung unter aufgefpamckem Regenschirm. Schreiber dieser Zeilen oerAetz um 11X Uhr den Vatikan und vernahm am Eingang zum Konklave, stieben habe die Wahl der, neuen Papst hervongebmchl. Auf dem Petersptatz stand alles in großer Erwartung, weißer Rauch stieg längsten und diimi auf. Diele verließen schon den Platz wegen des strömenden Regens. Niemand von den draußen Harrenden wühle, daß die W-M beendet war. Bald jedoch bemerkte man, wie Männer bei den Glocken sichtbar wurden — also muhte die Wahl erfolgreich gewesen fein.
Gegen 12 Uhr öffnete sich die Tür ter SeSgspre- chungsauta fiter dem Portal von Sl. Peter, ein großer Teppich mit dem Wappen Pius IX. wurde über die Loggia herabgelassen. Aller Blicke richteten sich nach oben. Dann erschien ter älteste ter Kardinaldiakvne, Kardinal Bisleti. Mit ungeheurem Jubel empfing ihn die Menschenmenge. Als wieder Ruhe eingetreten war, begann ter Kardinal mit lauter deutlicher Stimme: „3 ch v erkundige Euch eine große Freude. Wir haben wieder einen Papst in der Person des Hoch». Herrn Kardinals Achilles Ratti, der den Namen Pius XI. gewählt hat." Ein Sturm van Begeisterung folgte ach diese Worte.
Danach dauerte es noch stift eine viertel Stunde und zur großen Freud« der harrenden Menge wurde die Pe» terskirche geschloffen. Also sollte es doch Wirklichkeit werden, daß. der neue Papst zum erstenmal seit 1870 wieder von der Loggia ter Peterskirche den Segen fpenten würde. Seo XIII. hatte es nicht getan, ebensowenig Pius X. und Benedikt XV. Kurz vor 12% Uhr erschien der heilige Vater, umgeben von den Kardinalen aus der Loggia. Richt entenmofl enter Jubel begrüßte ihn. Mitten auf der Loggia angetomtnen, segnete er die Menge «uff dem Petersptatz«. Mit beiden Häuten stmdte er WillkommgrüHe hinab. Dann spendete er mit weithin verständlicher Stimme den apostolischen Segen. Daraus verweilte der herliyc Vater noch einige Augenblicke an der Rampe und fanüte immer wieder neue Grütze hinunter und segnete wietechov die Menge. Dann zog sich Pius XI. wieder zurück, ließ sich den roten Papstmantel umhängen und verließ die Loggia.
Der neue Papst Pius XI. ist, wie dos ja schon gemeldet worden ist, geboren zu Desio bei Mailand am 31. März 1857. Als junger Priester widmete er sich ter wissenschaftlichen Laufbahn und wurde Präfekt der Ambrosianstchen Bibliothek in Mailand. Als im Juni 1912 der bekannte Pater Franz Ehrte S. J. als Präfekt ter vatikanischen Bibliothek zurücktrat, kam Monsignore Ratti an feine Stelle. Durch ein überaus liebenswürdiges und leutseliges Wesen gewann er affie, die mit ihm in Berührung tarnen. In jeder Weise tarn er den Gelehrten entgegen, welche die vatikanische Bibliothek besuchten, um dort zu arbeiten. Bei den Examina nn vati- konischen Archiv über Paläographie und Diplomatik fungierte er als Mit-Examinator und zeigte sich als heroor- «rgenden Fachmann. Im Jahre 1918 sandte Papst Benedikt XV. Monsignore Ratti als "Nuntius nach Polen und später, nach dem Tode des heworvaWnten Kardinals Ferrari nach Mailand als Erzbischof auf dem Stuhle des hl. Ambrosius. Am Feste des hl. Antonius 1921 erhob ihn derselbe Papst zum Karäinch ter heiligen Römischen Kirche. Möge der liebe Gott dem neuen Papste ein langes und glückliches Pontifikat schenken.
, Pater Dr. Bruno Katterbach, D. F. M.
Dem elften Pius!
loht verstummen alle Trauerlieder!
Zum Tröster ward uns neu der heilige Seist! Die Herde hat nun einen Hirten wieder!
('m Vater lebt! wir sind nicht mehr verwaist!
heil Pius Dir! Dein Volk jauchet Dir entgegen. Dem kiuserwShlten aller Christenheit!
Wir sehnen uns noch Deinem ersten Segen, Den Gott uns jetzt durch Deine Hand verleiht.
wir kennen Dich noch kaum, wir alle schauen Nur einen neuen Stern in dunkler Nacht.
Doch misten wir, daß Weisheit und vertrauen Dich auf den höchsten Thron der Welt gebracht.
So tritt im Hamen Zesu an bas Steuer, Das jüngst entglitten Benebikti Hand, Und hüte nun für uns das heil'ge Zeuer, Das Gottes Geist in diese weit gesandt!
Leiht Dtr ein Leo feinen Mut und Glauben, Schenkt plus Dir sein frommes Priesterhere Und hegst Du Benebikti 5riedenstauben. Dann steuert Petri Schifflein himmelwärts!
Ludwig Rabling.
„Ach so," sagte sie fteüdig Überrascht. •' . • .
Er nickte.
"Dr. Weih Hut gestern «m Deine Hattv «gehalten, Gretchen!" sagte er dann kurz und bündig. „Was meinst Du bam dazu?"
Das MAkhen sich wie in Purpur getaucht.
Dann schüttelte sie tangfam und ruhig ten Stopf.
„Ich meine, daß wie nicht zchwnmen paffen!" sagte sie.
„Wie?" riefen Pater und Mutter zugleich.
„Aber das ist ja doch nicht möglich!" setzte Frau Sei- ftermann verblüfft bei. „Ihr wavet doch immer so gute Freunde und habt Euch so verftanten und er gibt sich der sicheren Hoffnung hin!"
„Ach, nimm doch dos nicht so tragisch!" lachte der Koch« mcmn, der sich rasch von dem ersten Erstaunen echott hatte. „Dos ist mm schon einmal so ein röter Mädchenbraach. Ein bischen Zieren und Wehren gehört zum Handwerk. Ich wüßte sonst nämlich wirklich nicht, was gegen Dr. Weiß zu sagen märe. Ja freilich, ich habe ihn geltem fefter noch vertröstet um) zunächst sufs Warten verwiesen. Aber ich habe mich gerate in den letzten schweren Standen von seiner Tüchtigkeit überzeugt."
, „Und dann," setzte er scherzend bei, „hat er jetzt auch eine sichere Stellung: Er ist seit heute Syndikus der Firma Sefftermann! Also wüßte ich wirklich nicht, roos Du gegen Dr. Weiß einzuwenden hättest?"
„Ich habe gar nichts gegen ihn," antwortete Gretchen. „Aber ich kann seine Frau nicht werden, und ich würde Euch beide bitten, nicht weiter in mich zu bringen! Diese Anschauung beruht nicht ach Ziererei ober sanft einer vor- übigehenten Empfindung. Es ist meine feste und innerste Uebrrzeugung."
Frau Selstermann sich ihren Monn ratlos an.
„Aber das ist ja das reine Norronhaus!" rief dieser deib. „Was willst Du tenn dann einmal anfangen? Eine alte Jungfer weiten?"
„Nein, Vater," sagte dos Mädchen bchtimmt und schaute ihm gerate ins Gesicht. „Arbeiten will ich!"
„Ach, da sieb," sagte er spöttisch. „Nicht vielleicht wie man dos m schönen Erzählungen liest, als Gouvernante oder Vorleserin zu einer feinen Familie gehen?
lFvrtsetzuna feto.) j .
Sie MW Mk tu WMMM.
Am Samstag ist im deutschen Reichstag die Besprechung des Streikes der Eisenbahnbeamten fortgesetzt worden und hat zu einer kritischen politischen Situation geführt. Die Reden, die noch gehalten wurden, brachten freilich nicht viel neues mehr. Für die Demokraten sprach der Abg. Dr. Koch, der den Streik ebenso verurteilte, wie das alle Parteien außerdenKommunisten und Unabhängigen getan haben. Aus der Rede des Unabhängigen D i t t m a n n ist noch die Behauptung zu erwähnen, daß die Streikmehrheit im Ausschuß der Reichsgewerkschaft aus Anhängern der Deutsch nationalen und der Volkspartei bestanden hab«.
Wichtiger als die Reden sind die Anträge, die gestellt worden sind.
Der Arttrog ter Deutschnationalen lautet: „Da die Reichsregierung durch ihre bisherige Haltung und durch ungenügenden Schutz des pflichttreuen Personals an dem Ausbruch des Eisenbahnerstreiks selbst mit schuldig ist, angesichts ter Talfache, daß beim Eisenbah- nerftreik die Taten des Reichskanzlers nicht mit, feinen Worten üfcereinftinwnen, hat der Reichstag nicht die Zuversicht, daß die Staatsautorität in ten Händen der von tem Reichstanzier Dr. Wirth geleiteten Reichsregienmz genügend gewcchrt ist und versagt infolgedessen bei Reichsregierung das Vertrauen, taffen sie nach bei Reich sv er jaffung zur Führung ter Geschäfte bedarf."
Die Deutsche Sott spartet beantragt: „Der Reichstag mißbilligt 1., daß der fiert Reichskanzler die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Februar gegen offenbare Vorstöße nicht angeroentet hat; 2., daß ter Herr Reichskanzler im Widerspruch mit den Erklärungen ter Reichsregienmg mit ten Führern der Reichs« geweMchaft deutscher Eisenbahnbeomten verhandelt hat, bevor ter Streik beendet war; 3., daß der Herr Reichs- tanzler in Bezug auf die Difziplinaräehandlung von Dienstvergehen Zusagen gemacht hat, die namentlich im Zchommeühang mit feiner Zusage in der Reichstagssitzmig vom 10. b. M. geeignet sind, die Staatsautorität zu gefährden uite die pflichttreuen Beamten zu verwirren. De, Reichstag spricht deshalb dem fierrn Reichskanzler fei' Mißtrauen aus."
Ein Antrag ter Unabhängige» Sozial, bemofratie hat frögeträen Wortlaut: „Der Reichs» tag mißbilligt, daß eine Ausmchmeverordmmq unter Verantwortlichkeit der Reichsregienmg vom Reichspräsidenten gegen die streikenden Beamten ertasten wurde, daß durch diese Verordnung unter Dvuch der Verfassung das Streif red# her Beamten aufgehoben worden ist, daß die Reichsregienmg ten Achtstundentag angetastet, daß sie Der- handluvgen mit ten Streiferiben abgelehnt hat, daß sie Maßregelungen von Streiterteen vornehmen will."
Endlich haben bte beiden kommunistische» Fraktionen beantragt: „Der Reichstag wolle beschließen: 1. die etwaige Bchchlarpmhme von Streik- und Ge- werkschaftsgeltem ist sofort frehugeben; 2. Dorgewntmene Verhaftungen sind, soweit die Derhdfteten noch nicht auf freiem Fuß sich befinden, sofort auszuheben; 3. die Reichsregienmg wird ersticht, bei der Landesregierung dahin zu wirken, daß ter Berliner Magistrat Maßrege- dmgsn aus Anlaß des Berliner Gemeindearbetterftreiks nicht vomimmt und erfolgte Maßregelungen rückgängig macht." ,
Ein Zusatzantrag der Kommunisten zu dem Mit« trag der Unabhängigen So-ztalbemofrrrten will an besten Wortlaut ten Satz «wögen: „Die Erklärung der Regierung entspricht nicht den Anschauungen des Reichstags."
Angesichts dieser Mißtrausnsantrcige, von der jeder Einzelne wahrscheinlich abgelehnt werden wird, weil die einzelnen Parteien nur für ihre eigenen Anträge stimmen werden, hat nun in der Freitagsitzung Reichskanzler Dr. Wirth ein kla- resDertrauensvotum verlangt. Der Kanzler will den Parteien Gelegenheit geben, offen und ehrlich die Verantwortung für ihre Kritikastereien zu übernehmen. Es geht nicht, daß jeder von der Tribüne herab schimpft und doch im stillen Kämmerlein froh ist, daß der andere die undankbare Sache ausficht.
Zu dieser Wendung, die der Kantzber damit der ganzen Situation gryeben Hot. schreite uns ein parlamentarischer Mitarbeiter folgendes:
Es ist eine Tatsache, daß es im gewöhnlichen Leben deren aus dem Lager der Unzufriedenen mchr gibt rös ans dem der Zufrichenen. Und ebenso verhalt sich die Mchrheit unter solchen, die wie man zu sagen pflegt, auf dem Weg vom Rathaus immer llüger sind und denen nichts von dem recht ist, was geschieht. Das haben wir eben wieder einmal im politischen Leben erfahren dürfen. Der Eisenbahner streik ist erfolgreich für die Regierung beendet — daran kann niemand der Augen hat zu fetten, zweifeln; denn gegen Tatsachen von solcher Nacktheit kann man nicht «trennen. Was aber verdiente eine Regierung, die das zuwege brachte? Man hätte meinen sollen, Züstimmung und Süierfenmmg von allen Seiten dafür, daß nunmehr die drohmde Wirtschoftskrrse ob- gemante, daß die drohende Ernährunyskrise oenntebw worden ist und die Räder des Verkehrs wieder vollen, daß die politische Gefahr gebannt ist. Aber tnufer zerrissenes Parteiwofen duldet solche Emmütigksit des Urteils nicht. Die Rechte muß immer gegen die Regierung wettern, die robtfate Link« muß den Streik predigen, auch den Beambsristreik, weil sie schließlich einmal — wie sie hofft — Helfer in ihren staatsgeFrierifchen Plänen braucht. So scheid« sich immer die Geister. Nicht nur die äußerste Linke und tee äu^rfte Rechte in friedlicher Gemeffcheit haben vor bem Parlamertt ihre Mißtraumsantröge einge- brocht. Davon die Unabhängigen vorsichtiger als btt Kommunisten. Denn die USPD, hat ihren Antrag mir aus bestimmte Gesichtspunkte formuliert, die sie mißbilligt. Kommunisten und Deutschnationale haben ihr Mißtrauensootum umfassender ge- staltet, ober auch die Deutsche Dolkspartei hat gegen die Person des Reick^kanzlers und zwar ganz persönlich gegen ihn, em Mßtrouensvotum- emgebracht. Die politische Lage hätte sich also zweifellos so gestaltet, daß jede der Parteien, die in einem Antrag ihr Wßtrcu»nr zum Ausdruck bringst wallte.