Fuldaer Zeitung
0*-^ Druck der Fuldaer Netiendruckerei in FuldM
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- Beim Reichs-Palentaint eingetragene Schutzmarke.
9 fas 6 Uhr,
FULDA, Heinrichstrasse 4a.
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Soangel. lanberkirchl. Gemeinschaft Zulda, vuttlarslr. 17.
Sonntag, 12.Februar. Abends8Evangelisation. — Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). Donnerstag abends 8 Jungfrauen-Blbelstunde. —, Freitag abends 8 Bibel- und Gebetstunde.
privater Lmngeiischer Lyzeum.
Anmeldungen z n» neuen Schulzahr ’ür alle Klassen (I bis X) nimmt der Un er,zeichnete in seinem Amtszimmer entgegen Monia von 5 bis 6 U zr, Dienstag uni» Arelkag, von 12'/, bis 1'/, Ahr.
Geburts- und Impsschein, sowie das letzte Schulzeugnis sind mitzubringen
Fulda, den 6. Februar 1922.
£ec Leiter des Lyzeums r
Reich, Pfarrer.
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Gottesdienftordnnng.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 12. Februar. Dom. */i6, 6, */«7 u. 7 M., um l/i7 i. d. MarienkapeÜe M. u. Generalkom. d. Iungfr.-Sod. u. d. christenlehrpfl. Iungfr. i. Dom, 8 Pfarramt u. Pr., */,10 Uhr Kathedralamt u. Pr., 11 Ehr. f. d. Iüngl., >/«12 M. u. Pr, V-2 A., >/«3 Vers, d. Iungfr.-Sod., 4 Pr. u. A„ 7 Herz-Mariä-Bruderschaft m. Pr. u. Segen. Montag 5 Rosenkranz mit Segen. Danach Beichtgelegenheit. Dienstag: Fest d. hl. Balentinus. Beicht, SegenSmeffe u. Reliquienverehrung. — Stobt» Pfarrkirche. */«6 u. *k1 M. m. gerne,nschastl. hl. Kom. d. Jungfr., 8 erster Echulgd. m. Pr., VilO Hochamt m. Pr., 11 zweiter Schulgd. m. Pr. Von '/,6 an wird alle halbe Stunde die hl. Kommunion ausgeteilt. Vi3 Bruderschaft v. d. Todesangst d. Herrn, V<4 A. f. d. stungfrauen-Konaregation. Vom 15. Februar ab be- ginnen die Gottesdienste an Wochentagen V« Stunde früher: '/«6, ft«8 u. 8. Gelegenheit zum Beichten ist Mittwoch, Freitag und Samstag morgen von */«7 an; Samstag nachmittag von 3 ab u. Sonntag früh von >/«6 an. — Pfarrkirche zum heil. Geist. •/«? Kom., 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt m. Kom., >/-5 Chr., 5 A. — Severikirche. Sonntags u. werktags */*7 M. — Herz. Jesu-Heim. 8 Hochamt m. Pr, nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Kraüenberg. 5, 6, 6*/* u. 7 M., 8 BruderschaftSmesse m. Pr., S Hochamt m. Pr., nachm. 2 feiert. Vesper u. sakram. Segen.
Evangelischer lLottesdienst.
Sonntag, 12. Februar. Fulda Vormittags 9V, Pfarrer Weber, vormittags 11 KindergotteSdienst, nachmittags 2 Sup. Ruhl. — Bieberstein. Vormitt. 9 Pfarrer Reich.
Mittwoch 15. Februar. Fulda. Abends 8 Bibelstunde (Gemeindehaus).
fiolzhändler, Gemeinde- und = Prinatmaldhe$ilier! =
Bnchen-Brennholz, 1 m lang, Schelte und Rollen, 8 cm aufwärts. Eichen, Buchen gemischt, 1 m lang, Scheite und Bollen, 8 cm aufwärts, Eichen, Buchen, Fichten und Kiefernstammbolz. Fichtenschleifholz, 2 m lang, 8/20 cm stark. Schwarten u. Spreisselholz, 1 m lang, sägefallend laufend in grösseren Mengen zu kaufen gesucht Eduard Neuland, HoIzgrosshandL,
eigentlichen Zwecke entzogen worden sind. Der einzig dabei Geschädigte bin ich. Mit Rücksicht darauf, daß Müller seinem Leben ein Ende gemacht hat, fehlt es an einem Anlaß zu einer weiteren behördlichen Untersuchung. Ich komme soeben von zuständiger Stelle und habe mich dort vergewissert, daß fernere amtliche Schritte bei dieser Sach, tage nicht mehr erfolgen.
Mr haben also die doppelte Gewißheit: Einerseits, daß die Sache vollkommen aufgeklärt ist — anderseits, daß wie. der Rühe und Ordnung in unferm Geschäft einkehrt und die düftern Schatten, die darüber plötzlich aüfgestiegen waren, durch die Wahrheit schon jetzt völlig verscheucht werden konnten. Ich bitte Sie also, im Interesse eben dieser Ruhe und Ordnung die Angelegenheit, bei her an unserer Firma kern Ma'el hafton blieb, für erledigt zu erachten und in diesem Sinne dort zu wirken, wo Sie etwa befragt werden. Mag der Unglückliche aus welchen Gründen immer gehandelt haben — ich will nicht weiter danach forschen — für mich persönlich sicht übrigens außer Zweifel, daß er seit langem nicht mchr im Vollbesitz feiner klaren Geistes- tröffe gewesen."
Selfterenann hielt einen Augenblick inne unb beobachtete die Wirkung feiner Worte, die von den Angehörigen der Firma mit respektvollem Schweigen angehört worden war.
Dann fuhr er mit hellerem Klang in der Stimme fort:’ „Ich bin in der angenehmen Lage, Sie, meine Herren, nicht mit dem Eindruck dieses hinter uns liegenden betrüblichen Ereignisses von hier weggehen lassen zu muffen.
Es ist mir ein freudiger Ausblick und gewisfermaßen ein Symbltt der Gesundheit unserer Deihältnisse, daß ich Ihnen hiermit ein neues Mitglied unseres Geschäfts vorstellen kann. Mein Sohn tritt mü dem heutigen Tage in die Firma ein, und zwar als Mitarbeiter im Kontor, wo er von der Pike auf die Geschäfte unseres Hauses kennen lernen soll. Ich bitte unseren ersten Herrn Buchhalter, meinem Sohn an seiner Seite Platz einzuräumen, und bitte weiter den ersten Herrn Buchhafter und Sie alle, meinen Sohn als Kollegen in Ihre Mitte aufzunehmen und ihn mit Rat und Tat nach besten Kräften zu unterstützen.
Zugleich erlaube ich mir, Ihnen in Herrn Rechtsanwalt xn. ^sseiß den neuen Syndikus unseres Hauses vorzuftel.
Oberförsterei Hilders
verkauft am Moakag, den 20. Februar um 9 Uhr norm, im Gasthaus zum Engel in Hilders rund 1200 Raummeter Brennholz aus der Försterei Auersberg Distrikt 106, 108, 109, 110 und Sammelhieb für den Lokalbedarf.
Zahlungen unter 500 Mark müssen sofort im Termin bewirkt werden.
verantworten müssen, ob man nie ein Wort mit dem Müller gesprochen!"
„Das ist es eben", pflichtete ein Dritter bei, „was mir so außerordentlich wohlgetan hat: Wir sind nicht quasi! alle miteinander ein halbes Jahr ober länger im Anklagezustand und muffen vor aller Oeffentlichkeit und vor alle« Bekannten das Gefrage und Spießrutenlaufen habenl Sinnen vierundzwanzig Stunden war die Sache 'rum — das kann man eben nur bei fo klaren Verhältnissen, bei dieser Energie und Gründlichkeit machen, wie sie hier Herrschti Mein Gott, da soll noch einer was sagen: Das ist überall schon vorgekommen, daß ein vielsähriger raffinierter Beamter, der das unbedingte Vertrauen befeffen hat und be- sitzen mußte, dieses Vertrauen getäuscht und mißbraucht hat!"
„Wie es wohl mit der Neubesetzung der Kassiererstelle werden wird?" mischte sich ein anderer darein.
„Das geht nicht fo von her-te auf morgen", sagte einer unter ihnen. „Das will gerade nach den gemachten Er> stchrungen hoppelt überlegt fein. Der neue Kassierer findet allerhand, was ausgemerzt und gesäubert werden muß."
„Weih Gott, was unser Chef für Plane hat!" bemerkt«? ein zweiter und lächelte. „Es kommt eine neue Jett, meine Herren! Der junge Selstermann im Geschäft imd dann der neue Syndikus! Na, wer weiß! Unser Prinzipal ist sehr klug, weitsichtig und großzügig. Er denkt schon sehr frühzeitig an das Weiterbestehen des Hauses. Vielleicht wird der Herr Syndikus eines Tages auch noch eine andere Stelle bekleiden."
Die Beamten, die diese Anspielung großenteils richtig aufiaßten, lächelten vergnügt untereinander. Sie kannten Dr. Weiß schon von seiner erzieherischen Tätigkeit bei Alfred und schätzten ihn wegen fernes einfachen, bescheidener« und freundlichen Auftretens. Anderseits war auch Gretchen bei dem Personal sehr beliebt, da sie in ihrer schlichten, ernsten Weise, die die Tochter des Prinzipals heraus» gekehrt und von je für jeden und feine kleinen und großen Sorgen ein warmes Herz gehabt hatte.
Selstermann hatte sich nach der Entfernung der Be- amten mit einigen Bemerkungen von Dr. Weiß verabschiedet, bett sein Amvaltsberuf zu Gericht rief.
(Fortsetzung folgt.)
len, dessen freundlicher juristischer Beirat von heute ab
allen unseren Unternehmungen zugute kommen soll. Und
nun mit frischer Tatkraft an die Arbeit, meine Herren!"
S elftermann nickte höflich mH dem Kopse und nach einigen Dank, and Begrühungsworten durch den ersten Buchhalter entfernten sich die Beamten der Firma aus dem Kontor des Chefs und nahmen den Sohn ihres Prinzipals mH sich, der allerdings etwas befangen war und nicht gleich den rechten Ton fand. Ein gewißer Hochmut, den er sich draußen im Verckehr mit Lebeleuten angwöhnt hatte, ver- hinderten ihn, das natürliche freie Benehmen eines jungen Menschen zu zeigen, der sich offen und herzlich an neue Berufsgenosten anschließt. Anderseits wurde es ihm doch schwer, gegenüber der aufrichtigen Freundlichkeit, womit sich ihm die Herren näherten, seine steife Zurühaltung zu behaupten.
So zog er es denn vor, nach kürzer Zeit mit einer Ausrede aus dem Steife wegzugehen, wo er sich alsbald wieder einzufinden versprach.
, Unter den Beamten der Firma herrschte eine gehobene Stimmung. Sah man schon eine Ehre darin, daß der Chef seinen Sohn der Führung der llebrigen anvertraute, so war es insbesondere die Art und Weise, wie er die Angelegenheit Müller kurz und bestimmt erledigte, die allgemein den besten Eindruck machte.
„Jetzt sollen sie uns draußen noch viel mft Gerüchten und Gereden kommen!" sagte einer der Herren. „Bester hätte es der Chef ja gar nicht machen können: So ist die Sache! Das ist geschehen! Der Schuldige ist tot! Die Behörde geht es weiter nichts an und das Publikum auch nicht! Den Schaden habe ja nur ich und ich trage ihn! Damit Punktum!"
„Ja", antwortete ein zweiter freudig erregt: „Famos, und wirklich vornehm, wie er das gemocht hat! Nicht mit einem Wort gejammert oder herumgefackelt, wo doch der Schaden sicher ein sehr bedeutender ist. Einfach die nackten Tatsachen fest rote Eckpfeiler hingestellt und Schluß damit!
Wir können wahchaftig froh fein, daß wir in einem solchen Hause sind und einen solchen aroßrünlg»- ’RriniiM haben! Was wäre **- 7 cherswo Jahr und Tag fjerumge- Rötet untersucht worden, daß man sich selber hätte
Triebleben zu befriedigen und in allem nur dem eigenen Willen und der Laune zu folgen. Es ist ein nicht aus- zurottendes Protest. Vorurteil, das auch ui den Ausführungen Stählins zu Tage trat, als ob die Befolget der evangel. Räte, die katholstchen Ordensmämrer und Ordensfrauen, in einer Art religiösen Egoismus keine Berührung mit der Well mehr haften und auch nicht mehr haben wollten. Ein einziger Blick auf die Tätigkeit der in Deutschland wirkend«! Ordensfamilien dürfte doch jeden Protestanten, der einer objektiven Würdigung der kachol. Kirche fähig ist, davon überzeugen, daß die Mämwr und Frauen aus der Stille und Weftentrücktkeit des Klosters die geistigen und sittlichen Kräfte holen, die sie dann in tausend Formen der Seelsorge und hingehenden dienenden Nächstenliebe wieder in die Welt hineftrtvagen, um sie mit dem Gluthauch der Christusliebe zu durchdringen. „Einsamkeit ist Seelennshrung. In der Stille kommt dem Geist rechte Geistesoffenbarung." (Weber, Dreizehnlinden.) So fange aber, wie ja auch Stähl in zugibt, jede Pflege und Kultur der Seele echte und einzig wahre Kulturarbeit ist, so lange wird auch die Tätigkeit des kath. Ordens, wesens, selbst wenn sie sich nur auf die Pflege rein geistiger Werte reiligiöfen Charakters erstreckt, echte Kultur- ar bett [ein, ganz abgesehen von der Arbeit 1: Jeter Cister- ienfer, die heute wieder wie einst tm Mittelalter begonnen haben, der Welt das Bild des weißgekleideten Mönchs zu zeigen, der schweigend und betend hinter dem Ackerpflug schreitet, um in harter körperlicher Arbeit der Erde ihre ®afben abzuringen.
Wenn Stählin in meisterlicher psychologischer Begründung die Notwendigkeit einer seelischen Emzelbehandluing des auf schlüpfrigem Lebensweg strauchelnd und unsicher gehenden Mitmenschen darlegte, so war zum Schluß ferne Behauptung, daß die katho'fche Beichte mit Recht angegriffen werde, völlig unverständlich. Denn was ist die Beichte anders als, man verzeihe den Ausdruck, seelische Behandlung durch einen Spezialisten, der Gamn- tien seines Könnens bietet, die nicht von dieser Erde sind, und beffen Wirken mit dem Siegel des Geheimnisses und des Schweigens umgeben ist, wie es keine andere Institution auf Erden kennt, wo vertrarrnsvoll ein Menfchen- muinÄ einem anderen Ohr tiefftes seelisches und sittliches Leid und Elend klagt. Da wollen wir Katholiken, die wir aus Erfahrung wissen, welch unendliches Maß von Seelenfriede und innerer Ausgleichung tiefster innerlicher Kon- stifte aus dem recht verwalteten Bußsakrament guiltt, Stäh- lin gegenüber es doch lieber mit dem alten Luther halten, der die Ohrenbeichte ein „gar köstliches und feines Ding" genannt hat.
Der letzte und, wie es schien, entscheidende Grund für Stählin, nicht übet den trennenden „Gnaden" zwischen Katholizismus unti Protestantismus zu schreiten, ist die Ueberzeugung, daß nur im Protestantismus kraft seiner Prinzipien der Höch st e Menschentyp, der „allein in fernem Gewissen und in Gott gebundene Mensch" erwachsen kann. Solche Menschen handeln dann „aus dem Schicksal heraus", unbekümmert um die Folgen, ob Liebes oder Leides aus chrem Handeln sich ergibt. Als Analogon für solches Handeln „aus dem Schicksal" bezeichnet er den Schritt zweier in höchster Liebe für einander entbrannter Menschen zum Traualtar. Bleiben wir bei diesem Bild! Zeigt denn nicht die tägliche Erfahrung, daß gerade hier, wo zwei Menschen in ihrer für ein ganzes Leben gelobten gegenseitigen Hingabe ben Willen des Schi lots zu voll- ziehen glauben, dessen Gebieter, wie es im „Wallenstein" heißt, unser Herz in uns ist, oft eine geradezu tragisch» Selbsttäuschung waltet. Dem „Himmelhochjauchzen" des Hochzeitstages, der nach Stählin fo heißt, well er den „Höhepunkt" der Zeit eines Menschenlebens darstellt, folgt in gar zu vielen Fällen, wie die furchtbare Zahl der Ehe- fcheidlmgen in der Gegenwart zeigt, das „zu Tode betrübt" eines oder zweier Menschenherzen, die nun fühlen, daß sie unter den ©türmen und Wallungen ihres Herzens nicht mehr klar gesehen haben und sich selbst, wie sich gegen- fettig, in einander völlig getäuscht haben. Wer das Leben kennt, weiß auch, daß in gar zu vielen Fällen, wo der Mann glaubt, das „gottgewollte Schicksal" in der Wahl gerade dieses Mädchens zu vollziehen, in Wirklichkeit anbeete Gründe, die in feinem Bewußtsein mehr ober weniger stark schlummern, und die zuweilen einen etwas metallischen Beigeschmack haben, also im letzten Grund die Rücksicht auf das eigene Ich. von der eigentlichen ausschlaagebenden Bedeutung oewesen sind. Wie oft hot nicht Förster, der so viel Befehdete, in feinen pädagogischen Schriften darauf hingewiesen, wie stark unser eigenes geliebtes „Ich" auch da in unser Handeln hinein verwoben ist, wo wir glauben, losgelöst von egofftischen Motiven zu fein. Daher ist gegenüber dem „inneren religiösen Erlebnis" und „der inneren Erfahrung", die im Widerspruch zu der Auto, rität austritt, höchstes Mißtrauen und die größte Selbft- bescheftnmg geboten. Gibt es eine geoffenbarte, objektive, von oben kommende Religion, der höchste Schatz für Menschen, der durch menschliche Organe „im allerhöchsten Auftrag" gehütet wird, dann kamt Gott sich nicht selbst wider» sprechen und im Erlebenfassen durch eine einzelne, wenn auch noch so geniale Melchenseele (Luther!) aufheben, was Millionen als in Schrift und Tradition wohlbegründete Wahrheit göttlichen Ursprungs erkannt unb als Lebenswert und Lebenskraft in sich erlebt haben. Wenn ein Goethe seine Iphigenie, das Ideal reiner edelsten Mensch- Weit sprechen läßt: „Gehorsam fühlt ich meine Seele stets am schönsten frei", dann wird man es auch verstehen, wenn der Katholik keine innere „Umbieormg und Knechtung" sieht in der Unterwerfung seines persönlichen Urteils, — mag es ihm noch fo sehr scheinen, als lei ein göttliches Erlebnis im Spiel, — unter die Autorität der vom Gottesgefft gefetteten Kirche. Er steht bann geistig an der Seite des Apostels Paulus, der den Ga-
IAlte Gebisse
Zähne bis 90 Mk., Gebisse bis 1700 Mk.
B3| kaufe nur Montag, den 13. Februar, im Hotel „Deutsches Haus".
5 totem zurust: „Und wenn ein Engel vom Himmel käme > und euch ein anderes Evangelium predigte, als ich euch * gepredigt ?, ter sei verflucht." — Wenn Stählin wei- ' ter cerfto,,..;, daß er die Kirche persönlich ablehnt, die ihre Ansprüche sogar „mit Gewalt" durchsetzt, so fragen wir: Welche Gnngft steht denn heute — jeder Rückblick in vergangene Ze> epochen mit ihrer völftg anders gearteten
S Einstellung des Verhältnisses von Staat und Kirche ist - zwecklos — dm kirchlichen Organen zur Verfügung? Doch i keine andere als d-e rein geistige des Ausschlusses aus dem geistigen Verband des Kirchenweiens.
Hört man in Stälstin die Stimme eines hochgesinnten Protestanten mit feinster psychologischer Einfühlungsgabe, so muß es den .Katholiken wehmütig anmuten, daß unter unseren betrtWjen protestantischen Brüdern, die neben uns, den älteren Brüdern, die das deutsche Hans unter Leitung der Kirche im Mittelalter stattlich unb wohnlich gebaut und reich ausgeftattet hatten, im gleichen Haus zu einer Lebens- und Schicksalsgemeinschaft verbunden wohnen, die Meinung herrscht, daß in dem wirklich denkenden und an persönlichen inneren religiösen Erlebnissen reichen Katholiken etwas „Umgebogenes", „Gebrochenes" sich finden müsse. Innerlich umgebogene und gebrochene Menschen können niemals wahrhaft heiter und froh fein. Nun aber ist doch nach der Verfrchenmg des hl. Paulus im Römer- brief das Reich Gottes „Gerechtigkeit, Friede und Freude". Wie kommt es tonn, daß gerade in katholischen Kreisen, und zwar auch dort, wo tiefftes Versenken in die religiösen Fragen und Probleme die Tagesarbeit ist, in so mancher stillen Klosterzelle und Arbeitsstube katholischer Gelehrten der Geist echter Heiterkeit, echter iieffter Freude, die nur aus seelischer Harmonie quillt, aus Miene, Sprache und Auge dem unbefangenen Beobachter ernt« gegenleuchet?
Die überaus vornehme Art, mit der Stählin sein Thema behandelt, die tiefe Liebe zum Deutschen Volk, namentlich. zur deutschen Jugend, die aus allen feinen Worten durchzitterte. läßt in uns die Hoffnung wach werden, daß feinem glühenden Wunsch entsprechend nun eine neue Epoche in der Auseinandersetzung zwischen Katholiken unb Protestanten anheben wird. An uns Katholiken soll es nicht fehlen, wenn es gilt, einen praktischen Weg der Verständigung zu finden, daß bei allen Erörterungen die katholische Lehre, d. h. die eigentliche reine Lehre des Lehramts der Kirche in den Entscheidungen der Konzilien, Glaubensbekenntnisse rrsw. so aus protestantischem Mund wiedergegeben wird, wie die Kirche sie verstanden wissen will, ohne jegliche Entstellungen und Verzerrungen. Angesichts des furchtbaren auf uns lastenden Schicksals dürfen wir uns den Luxus verbitterter konfessioneller Kämpfe unter keinen Umständen mehr leisten. Mit unheilbarer Blindheit müßte der Deutsche geschlagen fein, der diese Streitaxt wieder ausgrübt. In gleicher heißer Liebe $u der schwerkranken Seele unseres deutschen Volkes, das wir, die beiden Brüder, darftellen, motten wir nebeneinander ringen und arbeiten, „daß der Tag dem Edlen endlich komme".
Möge der Lenker der Geschicke unseres Volkes in ©naben es fügen, daß die Arbeit beider Konfessionen an dem siechen unb kranken Körper unseres Volkstums, einem größeren Unglück als es der Versailler Friede fft, von Erfolg gekrönt sein möge!
Möge bald das sohannische Zeitalter der Liebe an« brechen, wo die 400 Jahre einander entfremdeten Brüder sich wieder verstehen fernen, jeder in seiner Eigenart suchend, die stärksten religiösen Kräfte zu wecken, damit die Osterglocken der Auferstehung des in das Felsengrab des ödesten Materialismus, der niedrigsten Genußsucht und unheilvollen Zuchtlosigkeit eingekerkerten deutschen Volksgeistes bald der uns umgebenden haßerfüllten Welt zu- rufen können: „Ein neues deutsches Volk ist erstanden."
M WW»k MMttaig WWN WÄziftW unb MkwliiM.
Bon Prof. Dr. theol. E. Weber, Kassel.
> n.
M^-wewöß erhob Dr. Stählin am Schlüsse der im -rfJrTaufM (Nr. 33 der FuSd. Zig.) roiebergegebnen d>e Frage: „Sie werden mir sagen:
Warum wirst Du Nicht katholisch?" ^Die Antwort: „Weil mich tiefe Gräben von der ^r>aÄchen Kirche trennen!" In den folgenden Ausfüh- "raen iur Rechtfertigung seines ablehnenden persönlichen »änidvunftes hob er nun merkwürdigerweise im Wider- fonj* zu seinen früheren Worten manches wieder auf, so , 25 bafj er das in der kach. Kirche herrschende Prinzip L. 'Identifikation" ablehnt, d. h. die Behauptung, daß r-as"Heftige" an einem bestimmten Ort ist, obwohl er doch ",erft anschaulich geschildert hatte, daß dm moderne Mensch
Heilige" im Raum, in Handlung usw. sehen will, ferner lehnt er die absoluten Symbole des Religiösen ab, Ixütn jedes Symbol hat nur einen bestimmten Wirkung s- treis. Gift diese Ablehnung des „Absoluten" Und des Identifikationspr inzips" gemäß der Grundwnschauung des Bortragenden von der „Relativität" alles Denkens auch »n 6er Person Christi, in dem das Absolute mft echa- -euer Majestät in Erscheinung tritt? „Ich bin der Weg, (nicht ein Weg), die Wahrheit und das Leben." Welche Meutung hat dann ferner die Taufe und der Tarifvertrag Christi, der in absolutester Form als Vorbedingung des Heils ausgesprochen wird. — Ties schmerzlich berührte Vorwurf, die katholische Dogmatik lehre zwar, daß Gottes Geist und seine Wirksamkeit in Men- sthenseelen nicht an die Kirche gebunden sei, daß diese Lehre aber von den katholischen Theologen nicht ehrlich gemeint sei. Das ist m. W. der Vorwurf bewußter llnwahrhafiigkeit, der um so unbegreiflicher fft, als der Bortragende genaue Bekanntschaft mit katholischen Gnund- mlschauungen verriet.
Die scharfe Verurteilung der Mischehen durch die kach. Kirche ist ihm ein weiterer „Graben". Besonders verletzt ihn die Bestimmung des neuem kirchlichen Gesetzbuches (canon 1131 § 1), wonach der katholische Teil mit der Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft bestraft werden müsse, falls er seine Kinder habe protestantisch erziehen lassen. Hierbei fft Stählin wohl ein Mißverständnis unterlaufen. Der genannte canon sagt nur, daß ein gerechter Grund, die eheliche Gemeinschaft mit der Billigung des Diözesanbischofs aufzuheben, dann vorhanden fft, wenn der andere Eheteil die Kinder in einer nichtkatholischen Religion erzieht. Don einer „Bestrafung", die in der Form der sogenannten Trennung von Tffch und Bett eintreten „muffe", sagt bas neue Kirchen- recht kein Wort. Die Stellung der kach. Kirche zur Mischehe, die übrigens auch von den Protest. Seelsorgern scharf verurteilt wird, wird erst dann verständlich, wenn man sich vor Augen hält, daß die Ehe nach der kach. Lehre ein heiliges Sakrament ist, das nach den Worten des Apostels Paulus zwei Menschen so bindet, daß ihre Vereinigung das getreue Abbild der inneren und unauflöslichen Ver- binbung Christi mit der Kirche fft. Dieses eheliche Band ist unter Getauften nach kach. Lehre stets ein sakramentales, M dem die Kirche ihre Zustimmung und ihren Segen nur dann erteilt, wenn vor Abschluß der Ehe die kachol. Trauung und kathol. Kindererziehung seitens des nichi- kvcholffchen Teils versprochen sind. Wird dieses Versprechen gebrochen, so fft für den kachol. Test ein „gesetz- mäßiger Grund" (legftima causa) vorhanden, die eheliche Gemeinschaft aufzugeben, well eben die Doroussetzung auf- hört zu bestehen, unter der die Ehe zustande gekommen fft. Selbstverständlich ist dem kacholischen Eheteil der Abschluß einer neuen Ehe unmöglich.
Im Schluß feines Vortrages zeigte Stählin, daß auch er unter der Herrschaft vulgärer protestantischer Vorurteile und falscher Blickeinstellung zu kacholischen Grundanschau- Migen und Lebenswerten steht, wiederum im Widerspruch zu den Ausführungen des ersten Teils feiner Ausfüh- rungsn. Gegenüber der hohen Bedeutung des Mönchtums, das er für den modernen, vom weltlichen, niedrigen Treiben angeekelten Menschen die „große Versuchung" nannte, verherrlichte er die Auffassung Luthers von der Heiligkeit des nMriichm Berufslebens. Hundert- unb «.-serdmal fft dagegen protestiert worden, daß in katholischer Auffassung das Ordmswesen die alleinige vahre und vollkommene Form des Christenlebens darftelle. Der Marburger Religionspsychologe Heiler hat in seinem großen Werk über das Gebet (S. 279) darauf hingewiesen, Nl schon vor Luther die katholischen Mystiker Eckhart, Tauler, Birgitta von Schweden, die Weihe und den Wert des hingebnden Berufslebens gepriesen haben. Es gibt nur ein einziges Endziel der chrfftlichm Vollkommenheit für K l o st e r (e u t e und Wektleute, die Siebe (Bottes. In jedem kach. Katechismus der ganzen Wett ist diese Lehre klar und deutlich ausgesprochen. „Die christliche Vollkommenheit besteht darin, daß wir Gott über alles und alles in Gott lieben." Besondere Mttel, die nur angeraten werden nach dem Beffpiel Jesu (Luk. 18, 18 ®’* * * s. “). der dem reichen Jüngling, der „vollkommen" werden will, freiwillige Armut. Keuschheit und Gehorsam empfiehu, sind die evangel. „Räte", wie sie tm Ordens» leben verwirklicht sind. Gerade in unserer Aeft. die von meiner Habgier, furchtbarer Sexualität und frecher Auto- Matstoftakelt wie von Krebsgeschwüren zerfressen fft, tut r“5 -5?1' P’el not von Menschen, die zur Bändiaung Edret großen unheimlichen Triebkräfte, Auaenlust, Flei- (Autor!tätslosigkeit) völlig verzichten »„■■iir» und Gut zu besitzen, das sexuelle
Tausende von Landwirten verwenden
Teppers Lutterkalt zur Steigerung der Freßlust, zur Verdauung, zur Beseitigung und Verhütung von Knoch nkrankheiteu und Lähmungen.
Alleinige Hersteller:
MW Mer LA., SeA-Mrik, MestzOm.
Zn haben bei-
Drogerie zum roten Löwen, Alfred Kramer, Fulda.
Drogerie A. Topp, Fulda.
Drogerie Wohlgrmulb, Fulda.
Drogerie zum krolodff, C. K. Sieger, Fulda.
Germania-Drogerie Fischer, Fulda.
Gerhard Wiegand, Fulda.
Richard Schunke, Samenhandlung, Fulda, sowie allen Apotheken. Drogerien nnd einschlägigen Geschäften.
M 35.
Sonntag, 12. Februar 1922,
Sroßkaufmann Selstermann.
Von Wilhelm Herbert, München.
Mit dem Müller fft er unter einer Decke gewesen. Die HMeri schon MM«,, eine dicke Freundschaft miteinander, mr r'1 J° weine Gedanken darüber machte. Aber fa“ sollen! Jetzt ist die Blase «Mich geplatzt und unser Herr hat reinen Tffch gemacht
_ * Wntfchaft mieinanöer himmsgefegt.
wich das stolze Fräulein Lore nicht wmn VttL-' W unferefnen herunterschouen wie sonst, »"weilen abholte. Für die gibt es sjßir 6ier mehr zu suchen in diesem Hause!
toQ5 nW brachen! Bei uns ist So-
lnche $u berichten und zu behaupten E Markte durch das Zimmer gegangen ZLT Weinflaschen m drin^her-
- eine", brummte er hintendrein.
„Das ist wook die rachlte, die slieat!"
Punkt neun Ufer öffnete sich die Tür des Chefs und Sekstermonn lwtz de in fein flontor toten.'
Man sah Ultra unb Dr. Weiß bei ihm.
„Meine He men", fugte er mit nchiaer Würde, „ich h°be Sie hte-yer gebeten weil ich Ihr lebhaftes Interesse ?„den Ges'ffen des Hauses kenne und weil Sie als Ifen Beam auch lelbu einen eigenen Anspruch haben, wnnffen, nfäs bann vorceht und was uns alle cemeinfam «ie had-n vernommen, daß unser vielsähriger "öfterer-t filier seinem Leben mit der Waffe ein Ende ge- jJJW -Die Rücksicht auf die vielen und langjährigen rMWfinniie er sich mn das Geschäft erworben, verhin- °WieIen, ts Näheren darauf ei-nzugehen, was chn dazu «rülften umf.
i, ***? das iel muß ich Ihnen sagen: Bei der Prüfung rr die bet gerichtliche Sachverständige unb ich -4er lze Nacht hindurch vorgenommen haben, hat $ * ,es Resultat ergeben, daß Fälschungen vorgc- bie bereits auf längere Zeit zurückreichen, und Summen mit Hilfe dieser Fälfchuw»--- «——