Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
49. Zahrg
Sonntag, 12. Zebruar 1922.
Nr. 35.
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der Mehrheit.)
SitzungSschssuß unter Lärm.
Nach dem Reichskanzler sprach noch der Unahhängige Dittman». Er verurteilte die Kanzlerrede. Dre Verordnung des Reichspräsidenten war rechtswidrig. Auch für die Beamten gibt es ein Streikrecht. Die Regierung muß sofort an die Nachprüfung der Grundgehälter Herangehen. Ein Hundsfott, wer einen Eisenbahner maßregelt. (Stürmische Rufe rechts: Zur Ordnung! Lärmende Kundgebungen auf der äußersten ^.rnlen ) SS erhebt sich ein großer Tumult. Schließlich erhebt sich Vizepräsident Dietrich und schließt die Sitzung.
Die nächste Sitzung, in der voraussichtlich über die Mißtrauensvoten der Unabhängigen und Kommunisten gegen die Regierung abgestimmt werden wird, ist auf Samstag 1 Uhr festgesetzt worden.
9er Reichstag und der Eiseubulinerstreid
Tie Wen zm Areikrecht der Wen. — We Weite Kmizierreite. ILW
Am Freitag ist der Rede des Reichskcmzkrs lber den Streik die Stellungnahme der Pgr- f« i e n gefolgt. Das, was federn Sehenden von vorn- herein klar war, bestätigt sich immer mehr: dieser Eilsen, «hnerstreik war und ist eine Angelegenheit von groß- er politischer Tragweite. Auch nachdem er beludet ist. kann er für die Weiterentwicklung der Schick- Ä Deutschlands von tiefgehender Bedeutung werden.
Freunde einer Politik, die nicht auf Katastrophen emMstÄlt ist, müssen fyoffett und auch selbst durch chr Verhallen und ihre Steuerungen dazu beitragen, daß die Regierung Dr. Wirth den von der äußersten Rechten und der äußersten Linken gegen sie geführten Anstürmen trat Erfolg Stand halten tarnt.
Zu Begum der Frettagssitzung des Reichstages ergänzte zunächst
Reichsverkehrsminister Groencr
f>ie Erklärung des Reichskanzlers. Er erklärte, er habe bei den Beamten niemals Zweifel darüber gelassen, daß sie sich bei ungerechtfertigter Arbeitsniederlegung ein schwere s Dienstvergehen zu schulden kommen lassen. Der Minister spricht den im Dienst gebliebenen Beamten, na» meittlich den süddeutschen, ferner den Arbeitern und der ^Technischen Rochilfe seinen Dank aus und denen, die Opfer cm Leben und Gesundheit gebracht haben, sein Mit- empfinden. Er verspricht, für die Opfer zu sorgen.
Er bespricht dann das von der Reichsgewerkfchaft be- isimpfte Arbeitszeitgesetz, das kein Ausnohmege- Hetz und keine Umgehung des Achtstundentages bedeute. Wenn man den Bereitschaftsdienst und die Wartezeit als Arbeitszeit berechnen wollte, dann würde die Mehrheit des Personals nur täglich fünf bis sechs Stunden arbeiten. Es werde lediglich mit aller Entschiedenheit dahin gestrebt, daß die bisherigen Vorschriften zur Hebung der wirtschaftlichen Leistungen der Eisenbahn streng durchgeführt roerten.
Durch die Aufhebung der Äusnahmeverordnung werde nicht die Strchbarkeit der während ihrer Geltung begangenen Vergehen beseitigt. Die Richstinien der Regie- nung für die Disziplinarverfahren können sch nicht über das Reichsbeamtengesetz hmwegsetzen. Ich würde mich selbst eines schweren Dienstvergehens schuDig machen, wenn ich schwere Dienstvergehen von Beamten nicht ver- folgen wollte. Wenn die Regierung auf Massen- disz.iplinierungen verzichtet, so tut sie das nur, weil die übergroße Mehrheit der Beamten im Glauben an die Richtigkeit der Angaben ihrer Führer in den Streik getreten ist. Wie notwendig ein entschiedenes Vorgehen ist, zeigt eine Reihe von Einzelfällen. Es sind
erhebliche Sabotageakte oovgskommen. auf im Dienst befindliche Beamte routie geschossen, es wurden Handgranaten gelegt, Schienen auseinaudergefchraubt und Teile herausgenom- men, Hemmschuhe auf die Geleise gesetzt, um Personen« züge zur CnWeisung zu bringen.
IBor Erlaß der Verordnung des Reichspräsidenten war ich durch die bisherigen Grundsätze gehinden, im eigent- lichen BetriÄsdienst die Technische N o k h i l f e ein« Aufsitzen. Aber drei Tage nach Beginn des Streiks waren mehr als 5000 Nothelser eingestellt.
Die Reichsbahn kann nur zu der ölten BWe kommen, wenn pflichttreue und freudige Hingabe wieder selbstverständliche Eigenschaften des Eisrnbahnbeamten sind.
Nach der Rede des Ministers tritt das Haus in die Besprechung der Regierungserklärungen ein. Damit verbunden wird ein unabhängiger Antrag, der die Ausnahmeverordnung, die Antastung des Streikrechts wid des Achtftimdentages sowie die Disziplinirung der Beamten mißbilligt, ferner ein kommunistischer Antrag, per die Freigabe beschlagnahmter Streikgelder, die Be- steiung der Verhafteten und Rückgängigmachung der vom verlmer Magistrat vorgenommenen Maßregelungen ver» engt
Der Mehrheitssoziallst.
JScsiatbemofrot Dr. Wels gibt zu, daß.die De- Eten Grund zur Klage hätten, kann aber die Art, wie sie m den Kampf ernt raten, uich t billigen. Er spricht sich für eme automatische Anpassung der Beamtengehäster an die sinkende Kaufkraft des Geldes aus und tritt für bie unbedingte Einhaltung des Achtstundentages ein, erkennt aber einen Unterschied zwischen Dereit» schaffsdrenst und Arbeitszeit an. Der Streik dune immer mir das äußerste Mitte! fein und müsse 6er, öffentlichen Meinung verständlich erscheinen. Die Wir- mngen dieses Streiks würden mehr von der arbeitenden °°n den Besitzenden empfunden. Die persönlichen ymerei.en müßen den allgemeinen untergeordnet chErven. Reine Regierung wäre bereit, chren Beamten em unbeschmnNes Sireikrscht zuzugestehen. Der Beamte im voraus, hat Pensionsberechtigung mrd ist m unkündbarer Stellung, während es bei dem tm Streik oft um Sein oder Staat darf hier hinter dem Pri. oatun^rne^ner nicht zurückgefetzt werden. Jedes Prinzip, tos «st, die Spitze getriebän wird, wird zum Unsinn.
ei«.. . ieS ^^°dvchrmit!el darf auch dem Beamten nicht versagt werben.
Das Zentrum.
, al3 führte der für Beamten-
roÄmn?. A ,,3teJlc M>g. HSfle folgendes cr.is: In der Kiundfmge. Hm der Beamte ein Streikrecht? hat der Reichskanste- eme Stellung eingenommen, die nur die praktische Konsequenz ferner früherem Darlegungen ist. Er hat vor Monaten erfiatt. fein Kabinett stehe aus dem Boden des Beru sbeamtentumsi er mußte also das btreikrecht der Beamten, unz-oeideutig abIehnen. Wir von der Zen tr ums fr aktiv» schließen uns dieser Auffasiung voll an. (Lebh. Zustimmung im Zentrum.) Den Unterschied zwilchen bedingtem und unbedingtem Streikrecht, wie chn Herr Wels machen will, können wir nicht gelten lassen. Vielleicht wäre eine Ergänzung des Beamtemechts zu empfehlen, die diese Frage grundsätzlich regelt. Sn der Vereinbarung mit den streikenden Beamten kann von Konzessionen auf materiellem Ge- biet wirklich keine Rede fern. Bei der Verfolgung der Anstifter des Ssteiks billigen wir voll die von der Regierung aufgestellten R'uMmen. Das fit keine Rache- politik. ^Diejenigen, die für dm Streik verantwortlich sind, müssen eben die Konsequenzen tragen! (Zustimmung beim 3 ent rum.) Daß der Reichskanzler die Frage der Maßregelung, für die ursprünglich Herr G r o n e r «lz RÄvrt-
schätzt werden. Gerüchte, daß in Frankfurt a. M. schon wieder gestreikt würde, wie hier in Fulda erzählt wurdr, smd falsch.
Ein kommunistischer Aufruf beschlagnahmt.
Freitag nachmittag wurden am Untergrundbahn- Hof Alexanderplatz in Berlin zwei -JJiännet verhaftet, die kommunisti'che Flugblätter mit einem Aufruf zum Generalstreik verteilten. Etwa 20000 Exemplare des Flugblattes wurden beschlagnahmt. Gegen Maßregelungen der Berliner Gemeintaarbeiler.
Durch Beschluß der Berliner Sadtoewndnetenver- sammlung, die sich mit dem Gemeindearbeiter, st r e i k beschäftigte, wurde ein kommunistischer Antrag angenommen, daß gegen die Streikenden keine Maß- vegelunynr vorgenommen werden sollen. Dabei haben diese Berliner Streikenden, die Gas, Wasser und Elek- trizität still legten, die Berliner Bevölkerung, namentlich die Kranken, in rücksichtslosester Weife allen Un- bi!Ä.'n der kalten Jahreszeit preisgegeben.
chef zuständig war, in das Kabinett übergeleitet hat^war I uötia, nachdem der Streik ««WI M politisches erohr- wasser geraten war. Sn der Politik bestimmt eben Der Reichskanzler die Richllnien mW trogt die Verantwortung dafür dem Reichstag gegenüber. Es war tonM, wenn von einzelnen Seiten, namentlich von rechts, der Der- mh gemacht wurde, die Schuld am Streik der bestehenden Staatsform, der Republik, zuzuschieben, denn alle | Parteien haben die Pflicht - ob sie innKhatv oder außer- halb der Regierung stchen - mtt allen Mitteln die Staats« oirtorität zu schützen. Leider gilt es gewissin Kreiilm I der Deutschnationalen Äs „vaterlandfiche pflicht , I der Rrgievung der Republik jede nur mögliche innen- und ouhenoolstische Schwierigkeit zu bereiten. (Lebhmtc I ZP-mmung in der Mitte und links.) Dem Dank an du Technische Nvthilfe schließen wir uns gerne an. (Bestall toi Zsntrum.) i I
Der Deutschnationale
Abg. Dr. Berndt (Dncitl.) bezeichnet den Streif I der Eisenbahner als ein freventliches Ver. | brechen. Er verurteilt den Streik auf das schärfste Wie der Redner die gefährlichen wirtschaftlichen Wir-' I lungen des Streiks schildert, bricht großer Lärm Bet den'Kommunfiten los. Mit der Erklärung des Kanzlers I zum Strcikreckt ist der Nediter durchaus einverstanden. 1 Der Beamte sei ein Diener des StaaiSganzen. Ein I Streik der Beamten untergrabe die Grundlagen des | Staates und oie Grundiagcn de? Berufsbeamtentums. I Im übrigen fabelt der Redner die Regierung. Tie Regierung hat ein große? Teil der Schuld zu tragen. 1 Warum hat es denn tm alten monarchistischen I System keinen B e a m t e n ft r ei t gegeben? /Lachen links.) Weil damais das Beamtentum sich als I ein Teil der StaatSautorität fühlte. Leider ist die Staatsgesinnung durch die Tätigkeit der sozialistischen | Gewerkschaften untergegangen. Krasser Egoismus nt I an ihre Stelle getreten. Die Sozialisten ernten heute I uur, was sie selbst gesät haben. In den Tagen I des Kapp-Putsch es hat die Regierung bie Beamten direkt zum Streike aufgefordert. I Sie selbst hat dadurch die Verwirrung m den Köpfen I der Beamten geschaffen. Sie trägt so selbst mit die I Schuld an dem Eisenbahnerstreik. Allerdings entschuldigt I dies auch nicht die streikenden Beamten. Sie werden I für die Zukunft sich von solchen gühretn abzuwenden I wissen. Gewiß haben hinter einem Teile der Beamten» schaff auch politische Drahtzieher gestanden. <Rufe bei den Sozialisten: Ihre Leute!) Aber es ist nicht richtig, wenn der Reichskanzler heute hier be. hauptet, es habe sich bei dem Streike nicht um wirt- schaftliche Fragen, sondern um ba-5 Streikrecht der Be- amten gehandelt. Man kann die Erbitterung der Beamten leicht verstehen, wenn sie sehen muffen, daß die Arbeiter Tausende mehr verdienen als s,e selb st, die meist erst nach vielen Jahren der Vorbe. rcitung eine Anstellung erhalten haben. Mit einem geradezu strafbaren Optimismus hat die Regierung die Gefahr herannahen sehen. Das Ungeheuei tichste, was geschehen ist, ist, daß die Regielung schon wenige Tage nach dem Ausbruche des Streikes mit der Reichs, gewerkschast verhandelt hat. Allerdings geschah | dies zunächst mbiccft, dann jedoch halb auch unnjtttcl« bar. Die Regierung ist glatt umgefal len. ] Von einer Regierung, in der der sozialistische Einfluß überwiegt, kann nimmermehr die Gesundung^ unseres Volkes kommen. Der Sozialismus ist an sich an seiner eigenen Lehre zugrunde gegangen. Unfer Volk verlangt endlich nach einer wahren Regierung, die im Lande Ordnung schasst.
Die deutsche Volkspartei.
Für die deutsche VolkSpartei spricht, Abg. Scholz, der vor allem die Gefahren des Streiks für die Reichsei nh eit hervorhebt. Zwischen den Worten und den Taten der Reichsregierung besteht großer Widerspruch. Was ist mit denen geschehen, die zu diesem Streike gehetzt haben? Tagelang hat die »Rote Fahne" in der wildesten Weise gehetzt, sie war aoer keinen einzigen Tag lang verboten. An den Bahnhofsgebäuden selbst prangten die Streikplakate, und Ausrufe der streikenden Eisenbahner und die Schutz- leute gingen darunter spazieren. Der Technischen Not- Hilfe sagen auch wir den innigsten Dank. Ihre An- gehörigen sind zu Lebensrettern der Ration geworden. (Lebhaftes Bravo!) Ob die Beschlußfassung der Reichsregierung über eine Maßregelung der Beamten überhaupt r echt l ich zulässig ist, bezweifle ich sehr stark. Ich muß mich auch entschieden wenden gegen eine Uebertiagung ver Rechte eines ReffortministerS auf das gesamte ReichSkabinett, das aus politischen Gründen seine Entscheidung gibt Den Worten deS Reichskanzlers gegenüber können wir ein Vertrauensvotum aussprechen, seine Taten müssen wir jedoch entschieden ablehnen. Auch der Einheitlich kert deS Reiches war die Handlungsweise der Reichsregierung nicht dienlich. Stehen wir nicht nur in Worten, sondern auch in Taten treu zur Reichseinheit. (Beifall bei der Deutschen VolkSpartei.)
Eine Erwiderung deS Reichskanzlers.
Reichskanzler Dr. wirtt, führte dem Vorredner gegenüber sofort aus, c5 fei falsch zu sagen, die Worte der Regierung könne man anerkennen, ihre Taten jedoch nicht und man müsse ihnen mißtrauen. Welches sind drnn diese Taten? Der Streik nahm an Ausdehnung *ü und kam in ein politisches Fahrwasser. Da habe ich im Auftrage deS Kabinetls und mich immer richtend nach dem, waS wir beschlossen haben, Verhandlungen mit den Spitzenorganisationen geführt. Am Monlag war bei die'en Verhandlungen allerdings auch Herr Lenz von der Reichspoftgewerkschost dabei, der sich im Laufe der Verhandlungen als mit einem besonderen Mandat der Reichsgewerkschaft bet Eisenbahner ousge- stattet cmsgewiefen hatte. (Hört! hört! rechts.) War das ein Unglück? (Rufe: Rein, nein.) Wem, man verhandeln i will so muß man doch jemand vor sich habm, der min- bestens ein Mandat der Streikenden vorwefien kann. Es fit mir gar nicht eingefallen, mit einem Beauftragten der Streikenden selbst zu verhandeln. Bei den Verhandlungen mit den Spitzenorganisationen waren vor allen Dingen auch die Delegierten des Deutschen Beamtenbundes anwesend. Es war klar, daß unter ihnen sich auch einer ober der antate Beauftragte der Reichsgewerkschast befinden konnte vielleicht sogar aus dem Vorstände der Reichsgewerkschast, ohne daß der Herr mögsicherweise irgend eine aktive Rolle gespiott hatte. Ich würde in einem solchen Augenblick wie jener war, der so jchwcrwie-
Am dar Aeuerkompromih.
Die interfraktionellen Verhandlung gen am Freitag, bei stnren die Deutsche Dvlksparter, das Zentrum, die Sozialdemokraten und die Demo« traten sich mit den Steireroorlagen befaßten, haben, wie die Zentrumsparlamentskorrefpmldenz muteut, eine grunMtzlflhe Ueüeremfrimmung An Der Frage noch nicht ergeben. , ..
Man fei aber darin ubereingekommen, daß die Steuerem-schüsse die unterbrochene Beratung der Steuervorlagen wieder aufnehmen sollen. Auf die Frage der Koalitionserwelterung sei in der Besprechung ebenfalls enlgvgangen wordm. Eine Entscheidung sei jedoch nicht Lesuilen. Der ,LokÄanz. wlll sogar wissen, daß ein: große Kvalition im Auge ne blick nicht mehr in Betracht komme.
Die Nachwehen -es Streikes.
Wie vorouszusehen war, lassen sich die durch den Cifmibahmrstvcik herbeigeführten Störungen nicht mit einem Feder strich aus der Welt schaffen. Nament- lich aus der Durchführung von Maßregeilmgen entstehen allem Anscheine nach noch örtliche Schwierigkeiten. Zum Beispiel veröffentsichen Berliner Achter eme Zuschrift der Reichsgeworkfchaft dmtscher Eisen- bahiwr mÄ> -Anwärter, dtealsneueDrohungdrr Reichsaewerkschcrft angesehen wnden müsse. In der Zuschrift wird behauptet, daß bereits zwei Tage vor Ausbruch des Streiks die Vorstandsmitglieder und Angestellten der BezirkLorganssation der Reichsgewerkschaft vom Reichsverkchrsmittistenum die Aufforderung erhiet» tey, sich sofort bei den Dienststellen zurückzumelden. Gegen diefeniHen, die dieser Aufforderung nicht entspro- chen hckben, es kommen etwa 200 Beamte in Frage, sei das Disziplinarverfahren emgeteiiet wor- den. Die Reichsgewerkschaft lehnt die Folgen, die sich aus diesem Vorgehen ergeben haben, ab. Es bestehe große Gefahr, daß als Antwort darauf überall im Lande tdw' Teilstreiks auf flammen, die über den
genta politische Folgen nach sich z,chen konnte, wieder ganz genauso handeln. Es fmb auch Vorwürfe erhoben worden, als ob der Setnrrtenbunb den Streik nicht rechizetti« fd/srf genug oerurteUt habe. Ehe ich mit tarn Beamtenbirni» ach Verhandlungen eingmg, habe ich die Vorfrage gestellt: .Wie stellen Sie sich zum Streik?" Ich
'ie mit bem Vorstände des Deutschen Beantzentamtas ein eiben über seine Stellung zum Streike ge- _;»r haben m diesem Berichte und in den Der- Handlungen, die sich baren achchlofsen, bie Sicherheit er- hatten, daß der Beamtenbunb em Zusammen« gehen mit den Streikenden unter allen Um- ständen ablehnt und den Streit einfitmtntg I billigt. Das war doch für die Regierung eine pol,ttfch aüchtige Situation, da sowohl die ® e wer kichaften I aller Richtungen wie auch der Derttsche Betin..cn« I buifb einmütig erklärt hatten: Wir mißbilligen du, m Streik. Gevota von Seiten der Gewerkschaften fit _tne|e | SBenurteilung zum Teile in einer solchen Scharfe i erfolgt wie wir sie gar nicht cmgewendet haben, urfler politisches Ziel war in erster Linie bie Deendumng des Streikes. Wir wissen, baß es Leute geben muß, die einen ©freit abblafen. Diese Ausgabe ist uns gegluckt, und zwar mit Hiffe der Vermittlung eines Mitgliedes dieies । Hauses, des Abg. Hösle, der Mitgiietar tas Vorstandes des Reichsbeamterrbundes, sowie der Reichsgewerkichaft der Postbeamten zu mir brachte und jetzt komve verhandett werden. Da habe ich nun erklärt, daß wir bereit sind, mit tarn Vorstände des Beamteribuntas und auch der Re-chsgewerkschaft unter der Voraussetzung eines Sofortigen Abbruches des Streikes m ene i Besprechimg einzutreten. Man bann uns von der Rechten nicht Mickstverletzung vorwerfen, denn in einem solchen Augenblick konnten wir nicht eine Politik der DergÄtung und der Rache verfolgen. Die Reichsregierung nragte sich vielmehr dafür einsetzen, daß eine solche Pviittk tat Rache Md tat Vergeltung nicht kommen kann. Sie (nach rechts), meine Herren, die Sie einen io feinen Uwersch'.ed zwischen Worten und Taten machen, sind ja hellfroh, daß Sie mdlich aus der Sache heraus sind. Die Tatsache, 3 ch wAstn Kreisen der Beamtenschaft bie Meinung bestand, die Beamtenschaft hätte m Wirklichkeit bas Streik- recht fit nicht abz-uleugnen. Die Reichsregierung hat je- doch dieser Annahme keinen Augenblick zugchtrmmt. (Z>> ruf von rechts: Kapp-Putschl) Weutan Sie sich doch cm die damalige Regierung: wir sind nicht jur Men Putsch und feine Folgen verantwortlich. Dieser Streik soll uns ein politisches Mittel werden, um bie Beamten von der tatsächlichen Rechtslage Zu überzeugen Seien Sie sich dock) einmal darüber klar, dieser Streik ist nicht vom Himmel gefallen, er fit vielmehr ein Teil fene-r großen Erregung, die über unter Volk «ls Ganzes gekommen fit. (Abg. Köhnen, Komm: Der Aufruhr gegen Ihre Erfüllungspositik!) . Der Reuhskanzler wr fah- rend: Hat denn jemand gemeint, baß dieser Streik unserem Volke die Ausgabe der Reparationsleistungen erleichtern werde? Diese schweren Erschütterungen müssm wir ertra- gen, wir müssen flauen, sie durch fnediiche Mittel sur die
I Zukunft zu vermeiden. Was die Technische Rot - Hilfe betrifft, so wird es notwendig fein, daß die Reich«- regienmg die Möglichkeit erhält °uckl den Lmttasreg'e- niwm über die Einsetzung tat Technischen Rothifie Dor- schriften zu machen. Die Orgamsaiwn der Technfichm Nothiffe ist nicht von heule auf morgen erledigt, wir haben grundsätzlich alles b-s getan, nxis wir mich Loge tat Dinge tum mußten und konnten. (Lebhaftes Bravo bet
Kurland.
* DaS Kabinett Bonomi in Italien soll nunmehr, nachdem alle anderen Kabinettsbildungsversuche gescheitert sind, wieder im Amte bleiben. Ter König hat eS abqelehnt, das Kabinett zu.entlaufen. Bonomi wird also mit dem alten Ministerium wieder vor die Kammer treten, um eine ausdrück, liche Abstimmung herauszufordern. Diese Lösung bedeutet den vorläufigen Sieg der Popolari, der katholischen Volksporter, gegen die sich bte Opposition der Demokraten gerichtet halte-
gu§ dem besetzten Gebiet.
— Gegen den SarnevÄ im Saargebief. Sn Beu n» kirchen nahm der Gsmeintarat gegen die Freigabe der Karnevalsfeiern durch die Regierungskommfision des Saar- gebiets Slellung und faßte eine Enfichließung. in der er bie Elmvohner des Ortes im Hinblick auf bie Rot der Zei. ausfordert, von tat KarnevÄserlsutmis keinen Gebrauch zu machen. Die Gomeintaverwattung ersuckit die ytegterungs- kommisfion dringend, aus volkswirtschaftlichen schen Grüntan in Erwägung zu ziehen, ob nicht bie letzte Entscheidung ciufgchoben werden kann.____________
W m üit »olüen AulMM.
Ein Schrei aus tarn unglücklichen RußlanÄ geht erschüt- terni) durch die Wett. Mcm spricht von zwanzig, arfbere von dreißig Million«! Menschen, die tarn Hungertode oechaKsn. Wir Deutsche wissen selbst, was Rot ist, denn wir sind am bettelarm, besontars unser Kmderelend schreit zum Himmel. Es gibt bei uns aber noch keine Bätet, bie im Hungerwahnsinn ihre Kinder schlachten, noch keine Ettern, die sterbend ihren blassen, frieren- den Kinder zuflüstetn: „Nährt euch von unseren Leichen, so schenken wir euch ein zweites Mal bas Leben. Wir kmnen nicht bie Landstraßen durch endlose oerbrannte Steppen, auf denen die Karawanen des Hungers ziehen, hinter sich lassend Reihen von Grübern, taten Holzkreuzle'-v zu Taufenden die Wege säumen.
Kutz vor Weihnachten gelangte ein Rus russischer Mutter ins SltzstoiA. (£t rvav mit ihrem IBiut unterZelchnet. „Kommt unfern Keinen zu Hilfe, befreit uns vom Grausen, vom Wahnsinn, sie sterben zu sehen, ohne ihre Schmer- zen auch nur rm geringsten lindem zu können. Für uns
I selbst hoben wir keine Hoffm.mg mehr aus Erlösung, aber I wir wollen uns sättigen an jedem Stücklein Brot, das wir in unserer Kinder Hänbe scheu ..."
KmhvllkAi Deistschiands! Ist auch unsere Not groß, bte der Richen ist noch viel größer. Der um bie Nolkern» söhnung bis zum letzten Atemzuge besorgte Hl. Vater Benedikt XV. hat als erster auf die russische Not hingewte- sen und durch Spendung von einer Million Lire ein leuch- tendes Beispiel gegeben. Schon hat sein Tun ein Echo geweckt in allen katholischen Ländern, bei christlichen Ge- meinschasten und bei aßen, die mit uns, wenn nicht bei» Glauben, so doch bte Liebe teilen.
Aber noch hat sich bas kachofifche Deutschland nicht zu- sammengeschlosien zu gemeinsamer Tat. Haben wir mich keine Millionen, so teilen wir mit den Aermiten vom Reff unserer Habe, und wäre es die Hälfte vom letzten Stück- lein Brot . . . denn du sollst tarnen Nächsten lieben wie dich selbst!
I Katholisches VoK! Das orthodox-katholische Rußland, dessen Zugehörige getauft sind wie du, die empfangen ben
I gleichen Leib des Herrn, die mit dir weinen zur gleichen Mutter der elenden Kinder Evas, die Jesus lieben rote du, dieses Rußland soll wissen, daß auch bei uns noch bie j Liebe wohnt, die aus jenen Seiten kommt, da Morgen- I Icmd und Abendland gemeinsam dem einen Hirten folgten.
Die Welt soll erfahren: Schi, wie sie einander lieben! '
In diesem Sinne bitten rost um Hilfe für das hi-ngerrta I MhKmS Als Totenopfer zum Gedächtnis unseres Heimgegangenen HI. Vaters Benedikt XV. sollen die ringe- gangeren Spenden seinem Nachfolger auf tarn Stuhle Pctrj- I überreicht werden.
I Adolph Kardinal Bertram, Fürstbischof von BreÄau.
Karl Joseph Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln.. | Pfartsekretär Baumeister, Karlsruhe LS.
Dransferd, M. d. R., Vorsitzende des Koch. Frauen- tnmtas. Domkapitular Dr. Sramjwer Augs-
bura Dr. Otto Eitner, Direkter der Jentralstelle für
I kirckfl. Statistik, Köln a. Rh.
Martin Faßbender, M. d. L., Vorfcher^er tas Der- I lmer Carstasoerbandes. Glenz, Genera-prafes des Zen- tr0foerixmta5 der koch JmigfEnoereimgungen D^fich- I (anbg Dr. Hugo Gördes, Berlin. K r e u tz, Braftbent I des Deutschen Carstasoerbandes. Proß L entart, Dom- tapitular u» Gefiü, Rat, BÄ Marx, Pro- I sitant des Dolksoerems für das tatf). Deittfchland. JJqgr I Sari Mc> sterts, Generalpräses tar koch. Sugcnb« und
JumM«eine Deufichlcntes Friedrich Mucker- mann, S. J., Bonn a. Rh. Verbands Präses .Dr. Muller für ben Karteiloerband koch. ArberterveveE Deutsch« land. Rektor Rheinländer, M. b. R-, Vorsitzender des Käst Sebieroertxmtas. Oberlehrenn Schmitz, Dor- sitzende des Vereins koch, deutsche- Lehrerinnen. Pater Dr. Ich. Chrysostomus Schulte, Provinzial der rhem»weft- sälischeii Kapuzinerordensprovmz. Domkapitllriar Dr. Stvf- I fefg für die koch. Freuen- und Mitttervereme. Caritas- ekretär Dr. Straubinger, Stuttgart. Psarrer Karl 1 Ulitzka, M. d. R., Rattbor.
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