Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 34.
BeraMWorutch für Oen reOauioneHen Teil' Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: 3. ParzeUer-Faida. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendnrckerri tw Fulda- ^eralprecher Nr. 9. Telear.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Somstag, tt. Februar 1922,
Berua» preis: Monatlich 9.00 ML. zugestelll frei ms Haus, s Abgehott In der Geschäftsst.lle 8,50 Ml. s Kletnzeile nach Lownel I Mk.; auswärts 1.50M. Siekiomezeil, (TMlnette> nach Tolone maß 4 Mark.
49. Zahrg.
IieMlhsWemg zm WiiWersirck.
Line Lrdläkung der Aanzlerr im Reichstage.
Im Reichstag der nach längerer Poche wieder zu- fammengetiEteit ist, ©irrte am Dormerstag, wie schon anMündigt. der Eisenbahner streik zur Debatte gestÄ. Das Haus und die Tribünen waren stark besetzt. Präsident Lobe eröffnete die Sitzung mit der Mitteilung, daß die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Februar über das Verbot der Arbeitsniederlegung nach $o:ninciitig des Streikes wieder außer Kraft gesetzt nxrrben ist. (Lebhaftes Hört, hört! ach der imherften Linken. Bewegung im Hache, Heiterkeit rechts.) Ein Antrag Hoff- mann (Komm.) ach Einstellung einyeleiteter Disziplinarverfahren anläßlich des Eifenbahnerstreiks wurde nachträchich auf die Tagesordnung gesetzt.
Reichskanzler vr. Witth
M dann u. a. folgende Erklärung ab:
Ms ich vor 14 Tagen rannten3 der Reichsregiermig fcem hohen House die dringendsten Aufgaben tmferer inneren unb auswärtigen Politik dorlegde, habe ich mit besonderer Betom-mg die Achommenhänge festgeftetlt, die zwischen den unsere Außenpolitik beherrschenden Problemen der Repamtionsfvage und der inneren Lage des Staate bestehen. Die Regierung Hut keine Gelegenheit versäumt, um im Volke die Erkenntnis entstehen und wachsen zu kaffen, daß nur nüchternste und straffste Arbeitszucht und Verzicht ach egoistische Interesserrocrtretung uns über die schweren Zeiten hinweghelfen können, damit wir mit der einen Homd die niedergerissenen Mauern unseres Staats wieder aufbouen, mit der andern die Dernichtungstendenz gegen unseren Starrt hmtanhalten können. Die Serbe» kraft des Gedankens, mit dem wir die Reparationsfrage aus dm Frffckk der Gewaltpolitik lösen wollen, hängt ab von dem Grad des Vertrauens, dos Deutschland und seine pmÄammftnische Regierung dem Ausland einxchlöhen tat« starte ist. Es ist klar, daß ein Staat, der andere $u ge» werNchvstlichm Gesichtspunkten bekchren will, nur bann Glauben findet und ©falben finden kann, wem, er selbst die Lehren in seinem Haus« armen bet, die er propagiert. Nur ein arteitfcrncs, in Sparsamkeit und häuslicher Ordnung lebendes Dv-ch'chrtrt kam, die auswärtige Politik führen, die wir für nötig halten und die ihm fernen inneren Wiederaufbau gewährleistet. An dieser von uns betonten urt geübten Pflicht, welche von jedem einzelnen, von jedem Beruf irrt von jeder Klasse die höchste Selbstzucht fordert, ist in der letzten Zeit schwer gesündigt worden; nicht etwa von politischen Parteien, nein, gerrte von Elementen, die nach der Tätigkeit und Stellung, die sie im Staat entnehmen, in erster Linie dazu berufen find, ysm Wiederaufbau beizuwagen und dem Staat in politisch umruhigen Zeiten einen festen Halt zu geben. Die Ar- beitsvecweigerimg eines Teils der Eisentertrtersmten, dir man gewöhnlich Streik nennt, die ich aber nicht zögere, als eine
scharfe Revolte in der Beamtenschaft nu bezeichnen, ist eines der betrübenden Ereignisse der ketzten Jahre, deren Folgen nicht abzusehen sind. Die Beamten mußten genau wissen, daß sie damit die deutsche Außenpolitik in die größte Gefahr bringen konnten.
Der Reichskanzler gibt dann eine Schilderung der Vorgeschichte und der Abwicklung des Streikes, wobei er mehrfach durch JurUfe der Kommunisten unterbrochen wird.
Die im Dezember von den Spitzeiwerbönden aufgestellten Forderungen würden für das Reich, Länder und Konrmmien im ganzen einen Mehraufwand von 50—60 Militardrn Mark bedeuten. Am 13. Dezember antworterr dar Reichsfimrrrzminister dem Beamtenbuirt, daß er ihm nicht möglich sei, diese Fächerungen als geeignete Grund- fafie für neue Derhanblungen anzusehen. Diese Antwort entsprach der Auffassung der Reichsregierung und der überwältigenden Mehrheit des deutschen Boltes. Kurz ^r Weihnachten zogen hierauf die Spitzenoerdände ihre
Srohbaufmann Selftermann.
Bon Wilhelm Herber«, München.
„Das gar nicht meine Absicht war", entgegnete et, »ro’c 'ch von ihm wegging, weil ich es für zu rayb, »eil ich es für unnötig gehalten habe, wie er davon sprach.
Unsere Unterrebung hat> mich freilich vollkommen °"^Erer Meinung werden lasten. Ich sehe es jetzt ein, bajj Ihr Vater auch darin Recht gehabt hat, wie schon in so vielem. Fr kennt die stille, aber um so verhängnisvollere -echenschatflichkeit Ihrer Natur weit besser als •a wie sie auszuarten imstande ist — und
ich muß Lie daher jetzt wirklich vor einen Scheideweg (teilen: Entweder fügen Sie sich seinem Willen in die- le?rx,ra‘ e uni) vertrauen seiner und meiner klareren Einsicht . . ,
„Oder r fragte Gretchen und blieb in der Nähe des elterlichen Hauses stehen.
Er sah ihr in das Gesicht und erkannte den festen Entschluß, der aus ihre» Äugen sprach.
Wer auch er war fest entschlosten — gerade um der innigen Liede willen, die er für sie empfand, in diesem Augenblick heißer und wahrer empfand als je.
„Ober*, rief er mit heißer Trauer, „Sie lasten mich Dran zwerfern, daß mir uns verstehen, daß meine Worte irgend einen Einfluß auf Sie haben können, daß uns eine gemeinsame, glückliche Zukunft winkt!"
Er wußte, daß er alles aus eine Karte setzte, daß er eine Probe der Tiefe ihrer Neigung zu ihm anstellte, die — wenn sie mißlang — einen schweren Riß in ihre Beziehungen bringen, wenn nicht gar den Bruch herbeiführen mußte.
„Gretchen!"' ' bat er in wachsender Erregung und streckte ihr mit herzlichster Werbung die Hand entgegen. „Gretchen! Können Ihnen dritte, fremde Personen näher stehen als Ihre nächsten Angehörigen, als ich, dem Sie alles sind?"
Sie schaute ihn mit ihren ausdrucksvollen Augen offen und schmerzbewegt an. „Näher? Näber?" wie-
Öotibemngen der Höhe nach zurück. Nach umfaffenben Erhebungen einigte man sich in der ersten Jrmuorhälste dahin, daß die Löhne der Reichsarbeüer allgemein um 75 Pfq. pro Stunde erhöbt werden sollen. Daneben sollten m gewissen Orten sogenannte
Ueberteuerungszuschüsse
gewährt wordon. Man war sich klar, daß auch für die Bearn en «mt> Angestellten ähnlich wie für die Arbeiter ein Weg gesunden werden mußte, auf dem für Orte mit besonders schwierigen wirtschosttichsn DerhMnisten etwas Besonderes geschehen konnte. Die besonderen Ortsteuenmgs- Maßnahmen für die Arbeiter, Beamten urtb Angestellten wurden ohne jedes Säumen sofort in Angriff genommen. Tchon am 20. Januar begannen im Reichsverkehrsmmist«. rium die Verhandlungen über die Teuerungszuschüsse der Arbeiter. Am 25. Januar begann der Beamtenausschuß des Reichstag die Beratungen über die entsprechenden Maßnahmen für die Beamten, die bald zu einem pof i- tioen Ergebnis führten. Außerdem hatte sich die Reichsregienmg schon am 21. Januar bereit erklärt, in eine eingehende Arrssproche über olle übrigen Besoldungsfragen einzutreten und alle in Betracht kommenden ProÄeme der BeamtenbefoHnmg, auch die Grurtgehöltsr, zu prüfen. Diese Nachprüfung soll beschleunigt durchgeführt werden.' Obwohl die Dechandttrngen in vollem Gange waren und einen durchaus befriedigenden Berlouf zu nehmen versprachen und obwohl die Oeffenl- lichkett über diese Vorgänge stündig auf dem laufenden ge- hatten wurde, stellte die Reichsgowerkschaft am 27. Januar nochmals dieselben Forderungen, die schon im Dezember von der Reichsregierung als unerfüllbar abgelehnt worben waren. U. a» wurde die Zarück- ziehmig des Referontenentwurfs des Arbeitszeitae- fetzes gsfordert. Hierzu ist zu bemerken, daß di« Be- sprechmsgen über diesen Gegenstand noch nicht abMchlossen sind und daß ferner die endgültige Entscheidung des Reichs, verkehrsminifters hierzu noch nickst voriiegt.
Don welchem Standpunkt man auch die letzten Ereignisse betrachten mag, um eines tommt man nicht herum: Die Eisenbahnen muffet wirtschaftlicher gestaltet werden. Die Reich-gewerffchaft setzte sich ins Un- rechi mit ihrem Verhütten gegenüber der Reichsregterung, die alles getan hat. um eine Befriedigung betreffs der Löhne hrrbeizuführen. Sie setzte sich ferner ins Unrecht gegenüber den ander«! Dtycmifaticmai. den Angestellten vnb Arbeitern, die den einyeschtagenen Weg weiter versol- gen wollten.
Die Kernsrage der ganzen Angelegenheit ist die, wie sich die Reicksregterun« grundsätzlich zu diesem Streik ge- stellt hat. Es ist nicht die wirtschMliche, nicht die Ar- beitszettsrage. fortem die prizipielle Frage des Strerkrechts der Beamten. (Sehr richtig.) Keine Rogierurig bamr da zu einem anderen Standpunkt kommen, ate SU dem:
Für öffentlich-rechtlich ongefteH te Beamte gibt es leinen Streik.
Wer dies öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis der Arbeit einseitig ändert, hat den Anspruch auf alle Berechtigungen verloren. (Sehr richttg.) Denn den Derpstichdungen der Boomten stehen auch besondere Rechte gegenüber. Der Beamte ist gegen Kündigung und Entlassung geschützt. 3n der Regel ist der Beamte lebenslänglich ongostellt. Dos trifft auch bei den Eiftmbahnbeomten zu. Da» Gehalt wird periodisch im noroe» bezahlt. Di« Beamten sirt gegen Eingriffe seitens der BerwaArmg in die durch die Dienst- wit des Beamten erworbenen Rechte ebenfalls geschützt. All- diese Rechte sind durch die Bechasftmg geschützt. Sie sind mit emeen Streiikrecht unoereinbar. Wenn ein Beamter einseitig seine DienstMicht aufgibt, fo ist das Reich arterarfeits ohne weiteres beredytigt, zur Rürtigurasg ,3« schreite«. In dieser prinzipiellen Frage haben alle bisherigen Sefiterungen diesen Standpunkt eingenommen und werden ihn immer eirrnehmen «niisten, wenn sie eine ge» ordnete Stmitsoenwaltung anfrechtertMtsn wollen. 2n Sowjtarußland heorfcht fein aride rar Grundsatz (Lachen links), und auch (noch links) Ihr sächsischer Minister Li- pinskj ist ein Vertreter dieses Grurtsatzss. (Heiterkeit.) Ich wäre nicht in der Loge, eine Regierung länger zu führen, die ein Streikrecht der Bannten anerkennt.
berholte sie. „Niemand steht mir näher. Gott weiß er. Aber die Neigung darf nicht zu einem Unrecht verleiten, sie darf nicht zum Selbstbetrug werden. Sie darf mich nicht veranlassen, bas zu verleugnen, was ich als wahr und recht empfinde!"
„So trennen sich unsere Wege?" fragte er mit unendlich bitterem und wehem Tone. „Kann Ihr Starrsinn so weit gehen?!"
„Ich kann nicht anders", sagte sie leise und betrübt. „Ich würde nur noch unglücklicher werden, als ich schon bin, und ich würde Sie und mich vergeblich täuschen!"
In überquellender Erbitterung drehte er sich halb von ihr. „So gehen Sie denn, wenn es nicht ander- fein kann, Ihren Weg — ich werde den meinen gehen!" stieß er heftig heraus. „Ich werde mit allen Mitteln kämpfen für das, was ich als recht empfinde — und müßte es fein, baß wir uns dabei als Gegner treffen würden!"
Sie blieb unter dem Tore des elterlichen Hanfes stehen und steckte den Schlüffe! ein.
„Gretchen!" beschwor er sie noch einmal in unge hemmtet Leidenschaft. „Haben Sie mir nichts mehr ? sagen? Ist das die Kameradschaft, die wir gelobt haben?
„Wozu quälen wir uns?" antwortete sie und wieder- hotte: „Ich kann nicht anders!"
„Gute Nacht!" sagte sie bann leise und ging hinein.
„Gretchen!" rief er noch einmal halblaut.
Er blieb stehen und hoffte, daß sich bas Tor öffnen, daß sie zurückkehren und ihm ein sreunbliches Wort so. .gen würde. Er ging mit leisen Schritten vor dem Hause auf und ab und wartete und wartete.
Sie kam nicht wieder.
Es mochte eine Stunde verstrichen sein, er hatte schon längst die Hoffnung aufgegeben, daß sie noch einmal beraustreten würde. Es war, als ob er an den Ort gebannt märe. Immer und immer noch meinte er, ihr Wiederkommen zu erwarten, ihre Rückkohr durch sein hartnäckiges Bleiben erzwingen zu können.
Endlich machte er sich voll tiefstem Weh und doch in bitterem Groll auf den Heimweg Er ging Schritt für Schritt an der Hausmauer entlana und lauschte zu den
Die Reichsregieiung ist entschlossen, alle Konsequenzen zu ziehen, die sich aus diesem Standpunkt ergeben. Sie tarn ein Streikrecht der Beamten nicht anerkennen. Aber sie erkennt auf der andern Seite die Pflicht des Staates an, in der Fürsorge für feine Beamten innerhalb der Grenze des Möglichen alles zu tun, was in ihren Kräften ficht. (Beifall.) Die Regierung glaubt für sich in Anspruch nehmen zu dürfen — das Hohe Haus wird diese Auf- foffung feiten —, daß sie der Beamtenschaft durch die sachliche Ertediyung ihrer Forderungen keinen Antech gegeben hat, der Regierung ihr Vertrauen zu kündigen und sich zum Aufruhr hin reiß en zu lassen. (Erneut großer Lärm bei den Kommunisten und Unabhängigen; Ruse: Aufruhr. Scharfmachereil)
. Der Streif, der die Regierung und bte Oeffentlich- leit eine Woche lang in Atem gehalten und Handel und 83 e r £ e 61 auf« s chw erste gefährdet hat, ist zu Ende. Wir sind feiner Herr geworden, gestützt auf die unzweideutige Erklärung aller Schichten de« Volke«, auch der Gewerkschaften, daß sie mit dem Streik nicht einverstanden sind. Allen denjenigen, auf die wir unS in bet Abwehr stützen konnten, spreche ich hiermit
unfern Dank
au«. (Beifall.) Ich danke auch der süddeutschen Beamtenschaft. (Erneute» Bravo). Ich danke ferner den Männern, die sich auf unfern Aufruf al« technische Not hi l fe zur Verfügung gestellt haben. (Lebhaftes Bravo bei bet Mehrheit; Rufe link«: Streikbrecher!; lebhafte Pfuirufe rechts.) Sie nennen die Streikbrecher, die untere Krankenhäuser mit Licht und »Wasser versorgt hoben, Streikbrecher nennen Sie die Lebensretter bc8 Einzelnen und de» Staate«. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Ich spreche inlbefonbere den Gewerkschaften aller Richtungen meinen besonderen Dank au« für die rasche und ruhige Art, wie sie mit un8 über bte Lage beraten haben. In den kritischen Stunden habe ich in den Führern aller Gewerkschaften Männer gesehen, die die Jntereffen de» Staate« und der Gesellschaft über alle «onberintereffen gestellt haben. (Beifall.)
Mit der Beendigung de« Streit« ist die Verardnung de« Reich«präfibenten p.epenftan'>#!»«. Der Herr Retchl- präsident hat sie mit Wirkung von heute mittag 12 Uhr aufgehoben. Da» Streikrecht b er Beamten wird aber damit nicht wieder frei. Die Bahn geht wieder. Die Wege zur Arbeit find wieder frei. Wer e« mit dem Volk gut meint, der darf keine weiteren Hindernisse auf dem Wege zur Arbeit für Staat und Gesellschaft aufrichten. (Beifall).
Präsident lkstSe teilt den Wunsch mehrerer Parteien mit, die Beratungen abzubrechen. Bon kommunistischer Seite wird die sofortige Aufnahme der Besprechungen der Regierungserklärung gefordert. Der Antrag auf sofortige Besprechung der Regterunacker- Ilämngwird gegendreStimmen derKommunisten, Unabhängigen und eine» Teil« derDeotsch- nationalen abgelehnt.
Die Besprechung der Aeichrkanzierreta wird am heutigen Freitag stattfinden. Außerdem steht da» Reichsmietengesetz auf der Tagesordnung.
Die verLehrslagr.
*tb Berlin, 10. Febr. (TÄ.) Nach den gestern abend Im Reichsoerklchrsminisberium vorliegenden Mel- «ingen r|t tra. xutctt tu «n nwqten Dwemonsveztrlen im Reiche ohne Reibung wieder aaifgenomtnen worden. Nur in dm Bezirken Erfurt und Essen find die Arbeiter und B-amtzm noch etwas unruhig. In Essen fortem dir ©trertaAen noch gewisse (Garantien zur Mtchreyelimgsfmge. Es maben bereits etwa 30 Prozent der gewöhnlichen Pevsonertzüge wieder ge» sichren» währsnÄ man im Miervsrkehr noch efitx» im Rückstand ist. Man rechnet damit, daß Slnfany nächster Woche der voll« fahrplanmäßive Drrkchr wiedsr im Gartz« stm wird.
Wie ovrschtedme Blätter melden, ist her R o r V o st- feetanol wegen des Eis« für die Schisfichü ge» sperrt. Emigr Dampfer biteben im Eise stechen.
Ein sozialdemokratisches Urteil über den Ztreikausgang.
Es ist gut, daß die MSglichkit besteht, die Ur- teffe über den Ausgang des Streifs aus der sozial- demokratischen Presse zu nchmen. Aus manche Gemüter wirken Dehaupttmyen, daß die nich»sozialdemv- Katische Presse ausnahmslos „im Solde des Stapita* Ismus stehe", immer noch ein. Diese LLute werden dann doch wenitzstens nicht so leichtgläubig fein, anzu. nehm«n, daß em» auch die sozialdemokratische Press« „im Solde des Kapttalisnms" steht. Es wäre schon möglich, daß das anyesichts der folgenden Llus- lajfimg der Frankfurter „Bolksstimme" behauptet werden würde. Die Frankfurtrr JBotts« stimme", die auf dem äußersten linken Flügel der Mehcheitssoziatisten ficht, schreibt in Nr. 33 zmn Aus- gang des Eisertdahnerstreiks:
Der Streit hotte dos Resultat, bas wir oonmstzchach hatten und dos sich für jeden Renner der Drbeiterbewspems bei der Att, wie der Ausstand fikfzeniert wurde, von vornherein prophezeien ließ. Wir hatten den Ausstart als aussichtslos bezeichnet, aussichtslos, well er mit einer knappen Zufallsmehrheit beschlossen war, aussichtslos, weil fein Beptmn in schwebende Bsratunpen fiel. Dor allem aber hatte sich die in gewerkschaftlichen Kämpfen uner- sährene Leitung mit der organisierten Arbefterschast nicht m Berbirturt gesetzt, nicht deren Rat, nicht deren Hilfe onoerufen. Ein Teil unserer Beomtenschast nahm un« CM, daß wir den Beteiligten Illusionen nrubten, da manche nicht gleich uns die Zutammenhänge durchschauten. Nun das Unausbleibliche Ereignis geworden fft, wird uns kein Einsichtsvoller einen Vorwurf daraus machen können, daß wir unsere Beamten nicht mit Ludendorffschen Heeres- berichten Über ihren Komps täuschten.
Dee Beamtenftreit führte zu einer vollkommenen Niederlage. Wie er kopflos begann, wurde er rühmlos eingestellt; denn die Streikenden gaben ihre Führer preis. Nach Wiederaufnahme der Arbeit wird über die Grundgehälter — verhandelt werden, wie es auch ohne den Streik geschehen wäre. Und das Arteitszeitgesetz. das dem Reichstag oorgeiegt weiden soll, wird sich nur mit den Arbeitern und Angestellten der Privatbetriebe beschäftigen; die Beftimmurgen über die Reichs- unb Staatsbetriebe sollen später, nach Dechondlungen nett den beteiligten BerufeotflcmiKrtiown, in Angriff genommen werden. Das Gesetz liegt dem Reichstag sowieso noch nicht vor, und ehe e» drei Lesungen irn Plenum und die Nus- schechvechandlunpen reffte rt, wäre auch ohne Streik reichlich Zett gewesen, den Parteien den Startpunft klarzu- wachen. Die ganze Wucht der Ütrbeiietfe®em«ta sieht m dieser Frage hinter den Beamten. Um dieses ReftÄtats willen eine Woche lang zum Schoden der Gefomihett bew Verkehr kahmzrckegen irrt die eigene Berufsorganisattmk <Nwr Bet-ostartsprode schwerster Art auszusetzen — das konnte rar das Werk von Ttäamem fein, die erst Lehrlinge in bet gerne rGhostlichen Bewoggw« sind und denen «fft der erste Schimmer vom Wesen des proletarischen Ktaffentampses rmsgogongen fft.
Wir nehmen an, daß unter b$n in Vetracht tom= merttw Beamten «in großer Teil christlich gssnmt fft u van einem proletarischen Klafsenkampf üderchaupt Nichte wissen tmS. Vielleicht zeigt ihnen bzr nach der „Bollsstimme" «m Lehrlingen dorgkbotene „erste Schimmer vom Wesen des proletorischon Klaffenkampf«" noch rrchtzeittz dir Gefahr, in die wem sie hinein» r-?t — retpßi Vr«.
veuffchrr Reich.
* Sepp Order, der „Dolkssreund". Rach Dlät- tetmetturyat aus Braunschweig veröffenÄicht ter ntehrheitesoziolistiflhe dortige ^8olksft«und" neue Enthüllungen über den unabhängigen Minister a. D. Ottter. Danach soll Oerter während feiner Mi- nisterprösiderüschast von dem Fabrickanien Wemnrel in Hchlm, der währeich 6ur Amtstätigkeit Oerters zum GroßkapitoiistN gemortwt ist, 3 Prozent Des buch» mäßigen RsirMwstmes urch später, wenn er dauernd m dir Dtenfie iw Fabrikanten trete, 10 Prvgent deck RevPswmn« Mnö Dorschüffe hl Höhe von 3000 Mart und 10 000 Mark verlangt haben. Die Lottdtagsfrok-
Fenstern hinaus. Würbe sich nicht eins davon öffnen unb eine liebe, klare Stimme ihm ein versöhnendes, ein Hoffnung spendendes Wort zurufen?
Es war und blieb totenstill. Nur aus dem Kaffenzimmer hörte man dumpf die bald verstummende, bald wieder lebhaft einfstzende Unterhaltung der beiden Män. ner, die da drinnen über den Büchern faßen.
Langsam entfernte sich der Rechtsanwalt meiier und weiter von dem Hause. So lange er es sehen konnte, blieb er aber immer wieder von Zeit zu Zeit stehen und war jeden Augenblick bereit, zurückzukehren, wenn irgend etwas ihn dazu ermutigt hätte. '
Er sah und hörte nichts Nur sein eigener Schritt Sang, wenn er den Weg wieder aufnahm, mit fremdem, hartem Widerhall von den Wänden zurück.
In gemeßener Entfernung ging ihm, von ihm nicht beachtet, der Kriminalbeamte nach, der vor Müllers Haus aufgestellt gewesen und ihm und Gretchen heim- sich bis an Selstermanns Haus gefolgt war, an jetzt auch Weiß bis zu deffen Behausung zu begleiten, deren Nummer er sich notierte.
Gretchen hatte ihr Zimmer ausgesucht, ohne vorher noch zu ihrer Mutter zu gehen, die, ermüdet von den Aufregungen des Tages, längst schlief. Lange saß das Mädchen wachend im Bett und ließ ihre Unterredung mit Dr. Weiß Wort für Wort an ihrer Erinnerung vorüberziehen. Wie gerne hätte sie sich einer Schuld ge- ztehm und sie ihm cm nächsten Stage zugegeben.
Sie fand keine. Sie sah nur einen einsamen unb dornenvollen Weg vor sich. Aber sie mußte ihn gehen, mochte er für sie die Entsagung auf die schönsten Träume ihre» jungen, Nebesehnenden Herzens bedeuten. In diesem Hause der Lüge gab es kein Glück, ehe nicht alles, was ihr faul unb unwahr erschien, ausgerottet wurde. Und wenn es nie gelang, sie konnte nicht anders — sie mußte es versuchen unb an dem Versuch sei- ber zugrunde gehen, sobald er mißglückte.
Langsam beruhigte sie sich. Die Gewißheit, daß sie recht tat, gab ihr die Kraft zurück, die in dem schweren Widerstreit ihrer Empfindungen bei der Unterredung mit Dr. Weiß auf die äußerste Probe gestellt worden war, - -
Ihr Schmerz löste sich langsam in verschwiegene Trä- nm auf und diese brachten ihr die ßiniferung, bte allmählich ihre müden Augen schloß.
Niemart wachte mehr als die beiden Männer unten, denen die Arbeit den Schlaf fern hielt. Dem einen war sie langgewohnte Pflicht, in deren Erfüllung der zäh- nervige Sensal keine Ermüdung kannte. Dem andern — dem Kaufmann — gab der trotzige Entschluß, sein Leben neu aufzubauen, Ausdauer. Er wollte es aufbauen auf der rücksichtslosen Eigensucht, die nichts an« deres kannte als das Wohl seiner selbst und der Seinen, erlauft um jeden Preis der Welt.
Der Bürodimer, der seit eitriger Jett im Rückgebäude seine Wohnung hatte unb zugleich bte Hausmeisterei versah, konnte am andern Morgen den früher als sonst im Geschäft erscheinenden Beamten melden, daß ber Schein der Lampen durch die dichten Vorhänge des Kas« senzimmers die ganze Nacht sichtbar gewesen war, sv oft er selber erwachte und neugierig ans Fenster trat
„Und trotzdem," sagte er mit einiger Ruhmredigkeit, „war der Herr Prinzipal in aller Frühe schon wieder frisch unb munter. Er hat mir den Auftrag gegeben, die Herren für neun Uhr in sein Zimmer zu bitten. Nicht einmal übernächtigt schaut er aus, unb seine Stimme war so klar und ruhig, wie wenn er die ganze Nacht geschlafen hätte.
„3a, unser Prinzipal ist ein Stern, ber weiß, was er will. Den bringt nichts aus ber Fassung. Heute gibt es was zu hören, meine Herren! Die haben die Nacht über die ganze Sache ins Reine gebracht ... da hilft Müllern seine Schießerei nichts! Heute kommt alles an den Tag" ...
,Ur6 noch einer verrechnet sich mit unfemt Herrn", fügte er geheimnisvoll bei. „Der Wichtigtuer, der Jo- Hann droben, der immer herumspukte, wie wenn er der Herr im Hause wäre, und unsereinen behandelte, als hätte man erst seit gestern hereingeschmecktl Jetzt ist er selber draußen. Das junge Stubenmädchen Hai es mir vorhin heimlich gesteckt. Geflogen ist et gestern — mit - Schimpf unb Schande.
jiFrttsrtzlma Hau