FuldaerZeitung
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Skadi Fulda.
Nr. 32.
Lerantwortlich füi den ceoauioneUeu Teil' Dr. I. Kramer» z für die Anzeigen: I. Parze« i er-Fulda. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^emmredier Nr. »• Teleqr.-Aüreise: Fuldaer Zeltuno
Donnerstag, 9. Februar 1922.
Lernas prers^ Monatlich 9.0J Zllt zugeltelli frei ins Haus. - Abgehoil in der Gefchäftsst. lle 8,50 Mt. :: Anzeigen Kieinzeile nach uownei IM., auswärts 1.50Mk.
el lamt |ti> e (leitnreite' nach (Eolone maß 4 lliart.
49. Zahrg.
Der Streik als beendet erklärt.
örtliche Schwierigkeiten in der Zurücknahme der Streikparole.
Durch das amtliche Telegraphenbüro wird in Ueber- einftimmung mit Mitteilungen, die auf dem Dienstwege an die Behörden gelangt sind, folgendes gemeldet:
wtb Berlin, 7. Febr. Die Besprechungen, die zwischen der Reichsregierung und den Verirelern der Gewerkschaften wegen Beendigung des Eisenbahnerstreiks geführt wurden, haben heule abend 9 Uhr zu einem positiven Ergebnis geführt. Nachdem auch zwei Vertreter der Reichsgewerkschast zu einer letzten Aus spräche hinzugezogen worden waren, wurde über folgende Erklärung eine Einigung erzielt:
Die Reichsgewerkschafl gibt die ErklSrvng ab, daß noch heule abend der Streik als beendet erklärlwird, nachdem der Reichskanzler seinerseits im Romen der Reichsregieruvg ausgeführt Halle, daß bei sofortigem Abbruch des Streik» die Disziplinierung nach den vom Gefamlkabinett aufzustellenden Richtlinien erfolgen wird. Die Reich»- regierung wird bei sofortigem Abbruch des Streiks in der Anordnung und Durchführung der Disziplinierungs- maßnohmen von Mafsen-Diszipliniernogsverhandlun- gen und Rkasfeneuklassungeu absehen.
Die Vertreter der Reichsgewerkschafi erklärten, noch am abend an ihre Organisationen im Lande telegraphisch die Weisung zum Abbruch des Streiks ergehen zu lassen.
An der Tatsächlichkeit der hier gemeldeten Vorgänge ist wohl kein Zweifel erlaubt Ob mm allerdings di: Leitung der streikenden Reichsgewerkschast die in Aussicht gestellte Erklärung bereits herausgebracht hat und vor allem, ob die örtlichen Streikleitungen die Parote auf Sveikbeendigiung sich zu eigen machen, ist damit nicht gesagt. Im Gegenteil! Es ist angunehmen, daß der Wiederaufnahme eines geordneten Eisenbahnbetriebes noch große Schwierigkeiten im Wege st:-hen. Sowohl auf politischem als auch auf wirtschaftlichem GMele »st die Lage infolge des Streiks noch sehr kritisch
Keine kommunistischen Riobilmachungspläue.
vrd Berlin, 8. Fcku. (Tel ). 2W zuständiger Stelle wird mitgete lt, daß die von mehreren Blättern verbreitete Nachricht, wonach bei dem verhafteten Kommunisten Klöckner Mobilifationsplänr für einen mitteldeutschen Putsch ausxch»udm worden Sicn, unwahr ist.
Tie dreiknot in der Reichshauptstadt.
wtb Berlin, 8 Febr. (Briv.-Telegr.) Durch das Einsetzen der Tecknisch,n NothiUe ist es im Lauf- des gestrigen ^.ages gelun |en, eine Reihe der Bere Iiner städtischen Elekir^itätswe ke wieder in Betr eb^zn setzen. lllle Krankeniiäu er können wieder mit D.rom uns Llch, versorgt werden.
btreikmeldungen.
E Berlin, 8. Febr. (Priv.-Tel.) Von der Groß-Berliner Betriebsraksversammlung wurde gestern nachmittag eine Resolution angenommen, in der angesichts des Kampfes der Eisenbahner um ihre Existenz die Proklamierung des Generalstreiks für ganz Deutschland gefordert wird.
wtb Berlin, 7. Febr. (Priv.-Tel.) Wie den Blattern vom Reichsverkehrsminisierium mitgeteilt wird, ist es durch die Einrichtung des Rot- betriebes gelungen, in den letzten 24 Stunden in den Streikbezirken annähernd 2000 Züge zu fahren. Durch weiteren Ausbau des Rotbetriebes wird es gelingen, das Wirtschaftsleben bei weiterer Andauer des Streiks vor dem Erliegen zu bewahren.
wtb Frankfurt, 7. Febr. Bei einer Urabstimmung, die heute abend die Mitglieder des Deutschen Eisenbahnerverbandes der Gruppe Groß-Frankfurt und Umgebung über die Fortsetzung des Streiks Vornahmen, stimmten 2554 für und 428 Eisenbahner gegen den Streik.
Schwierige verkehrslage nach dem Streik.
_ ?'"> Frankfurt, 8. Febr. (Tel.) Nach dem Fruhbericht der Eifenbahndirektion Frankfurt a. -IX. ist mit einer sofortigen Wiederauf» n a y me des Betriebs in vollem Umfange zunächst "dch nicht zu rechnen. Der harte Frost und der starke Schneefall sind an den Bahnanlagen, °-P! an den zahlreichen Weichen der Bahn» hose nicht spurlos vorübergegangen, die Weichen müssen erst allmählich aufgetaut werden. Auch den , r * l * * * * * * 8.,e b.s m itteln hat der Streik natürlich uvel mitgespielt. Unter diesen Umständen kann die Wiederaufnahme des Verkehrs nur langsam vor sich gehen. Cs wird daher kaum möglich sein, vor den regelmäßigen Verkehr auf.
D-Zug 41 hat mit halbstündiger Derspatmig t>euk Frankfurt verlassen.
h drenfta. 8. Febr. (Tel.) Die Mitglieder L Öfchen Eisenbahnerverbandes . Aachwersammlung nach der gest-
> "der die For^etzung des Streiks
r H„n‘Ä^n3 an, in der sie sich zur s o - LorLf1 örfiSr ^"Herausnahme der Arbeit ^n^Lr^rm^nt8r ber Voraussetzung, daß die Verwal'ung gegen die streikenden Be- eJ en -vnt) Arbeiter erlassenen Maßnahmen restlos zurückgezogen werden.
EisenbahmmglüL in büren.
wtb Köm, 7. Febr. (Tel.) Heute nachmittag fuhr ein aus Neuß kommender Personenzug aus dem Bahnhof Düren aus noch nid)t aufgeklärter U>sa be über das Haliesignal hinaus in das Empfangsgebäude. 4 Personen wurden getötet und 38 verletzt. ___
Zur Päpstwah!.
Kardinal Gasparri wieder Staatssekretär.
Wtb Rom, 7. Febr. (Tel.) Der Papst bestätigte Kardinal Gasparri als Staatssekretär, desgleichen die Prälaten, die unter Benedikt XV. den päpstlichen Hof bildeten. Sn der Sixtinischen Kapelle empfing der Papst die dritte HuldigungderKardittäle.
Verschiebung der llonserenz von Genua?
Wtb London, 7. Febr. (Tel) Der diplomatische Berichterstatter der .Westminster Gazette' teilt mit, daß Poincare in seiner Noie an die britische Regierung eine Verschiebung der Konferenz von Genua um 3 Monate vorgejchlazen hat.
Parlaments eröffnung in England.
wtb London, 7. Febr. 1922. (Tel.) Tie Thronrede, mit der der König das Parlament eröffnete, begrüßte die großen Resultate der Washingtoner Konferenz, namentlich das Viermächteabkommen, welches das englisch-japanische Bündnis ersetze. Hinsichtlich des Pioblems der Sicherung der Reparationszahlungen durch Deutschland heißt es, daß dieses Problem in einer Weise gelöst werden müsse, die mit dem allgemeinen Interessen vereinbar sei. lieber die Frage der inneren Poutik wurde gesagt, daß Anstrengungen gemacht worden seien, um tue Staatsausgaben auf die tief|tmögliche Grenze herabzusetzen.
Eine Rede Lloyd Georges.
wtb London, 8. Febr. (Tel.) Sm Unterhaus hielt Lloyd George eine längere Rede, in der er folgendes a-usführte:
Alle auf der Haager Konferenz gefühlten Beschlüsse hat- len einen allgemeinen Charakter und find im Weltkriege wirkungslos geblieben. Dagegen find m Washington präzise Beschlüsse gefaßt worden, in denen bestimmte Zahlen für die Kriegsschiffe, Geschütze und die Besatzung fest- gesetzt wurden. Was die Tätigkeit des Obersten Rates begrifft, so hat er die Entwaffnung Deutschlands durchgeführt, die Dienstpflicht in Deutschland abgeschasst und Maßnahmen getroffen, damit Frankreich sehr beträchtliche Summen als Separationen erhält. Diese Ergebnisse sind im Verlauf -bet ersten Konferenz des Obersten Rates erzielt worden. Man ist schrittweise vorgegangen: man hat aber ein großes Ergebnis erreicht und namentlich dafür gesorgt daß Konflikte nicht zmn Kriege ausarten.
Was die Frage des Garantiepakts betrifft, so ist notwendig, daß Frankreich das Gefichl hat, es sei nicht isoliert. Nichts ist gefährlicher, als wenn eine tapfere Nation Furcht empfindet. Wenn man Frankreich Der- trauen gibt, so gibt man ihm Rrche. Frankreich ist im Zeitraum eines Jahrhunderts dreimal verwüstet worden. Eine wirkliche Gefahr für Europa bestehe darin, daß die Heranwachsende doutsche Jugend im Geiste der Revanche erzogen we.de und Heranwachfen könnte. (Zuruf von feiten der Arbeiterpartei: Die franzöfische Jugend ebenfalls!) Ich sage: Wenn die deutsch» Jugend an den Gedanken gewohnt wird, das alte Prestige, den früheren Einfluß und die ehemaligen Besitzungen des kaiserlichen Deutschlands wieder zu erlangen und die Sieger für die Deutschland zugefügten Niederlagen zu bestrafen, um den deutschen Nationalstolz zu verteidigen, so liegt darin eine der größten Gefahren, denen das künftige Europa ausgesetzt ist. Deutschland muß die UeberzeuMmg erhaten, daß diese Politik ihm keinen Dorteil bringen werde und daß es in einem Rachskrieg gegen Frankreich nicht nur Frankreich, sondern auch andere Nationen gegen sich hätte.
Es gibt "aber noch einen weiteren Grund für den Garantie-Pakt. In Versailles Haden wir eine Verbindlichkeit übernommen, um einer Politik der Ausdehnung Frankreichs bis zum Rhein (einer Politik etwa in der Art, daß sie die Annexion von (Gebietsteilen auf dem linken Rhemufer bezweckte) Widerstand zu leisten.
hierauf kam Lloyd George auf den Dorschlag zu sprechen, als Maßnahmen für den Wiederaufbau der Welt die Kriegsschulden zu annullieren. Er sagte: Großbritannien ist bereit, die Fraae zu erörtern, voraus- gesetzt, daß alle Gläubiger und Schuldner-Nationen bereit sind, dasselbe zu tun, aber es würde ungerecht fein, zu verlangen, daß Großbritannien allein auf die ihm ge- schuldeten Gelder verzichten soll.
lieber die ägyptische Frage sagte Lloyd George: Für den Augenblick kann ich keine verbindliche Erklärung ab* geben, da die Regierung sich eist mit dem auf dem Wege nach London befindlichen Marschall Allenby beraten muß.
wtb London, 7. gerb. (Tel.) Im Oberhaus erklärte Lord Curzon, die geplante Ueberein- kunft zwischen Frankreich, Großbrita. nien und Belgien sei, soweit Frankreich in Betracht komme, die Erfüllung jener nicht erfüllten moralischen Verpflichtung, die auch England gelobt hätte, an der Großbritannien und die Vereinigten Staaten im Jahre 1919 beteilig gewesen seien. Nach seiner Ansicht sei es jedoch ein Fehler, dieses Abkommen, wie von mancher Seite gewünscht werde, ^nrch ein Defensivbündnis auszudehnen.
Noch kein neues tta. wrtt in Italien.
wtb Rom, 8. Febr. <Tel.) De 9iiCülat bat die Bildung eines nuten Minister ums in letzter Stunde abaelehnt.
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Heimat.
von der
infolge Kohlen-, Roh
es versäum' habe, die Dolksvertvst"ng im Reichsage anjuritfen. Don dieser Stell- aus wäre dm Beamten sicher geholfen worden. Mit dem Ersuchen an die SireiLeLung, alsbald Maßnahmen tu ergreifen, um die drohende Not non Lct ganzem Bevölkerung ab Kurvenden, schloß der Redner seine Ausführungen. Bon den Eisenbahnern sprach dann Herr Mihm. Ohne etmis Sachliches vorzubringen, versuchte er die anwesenden freien und christi. Gewerkschastsfekretäre zu t>:r- däcktigen. Er mvf>u sich von dem nadtfolpsnöen Red.
S. P. D. und aus der Frankfurter sozialdemokratischen „Vocksstimme" vor. in welcher der Streik ganz offen u.ch scharf verurteilt wurde. D->r Redner betonte, daß die Arb'.iterschast ein Rech, hak e, Rechenschaft über den Streik zu verlangen und auch für sich das Recht beanspruche, Kritik an diesem S -eit zu üben. D e folgen dieses Streiks müßten zum größten Teile Arbeiterschaft getragen werden. Infolge Kohle stoff- und Absatzmamgol nrrbe die Not bald an die Türen der Arde.terschast anklopfen. Die Arbeiterschaft würde sich stets ba"'t einsetzen, daß auch den Beamten ihr Recht würde, benci D-'urschlatch könne nm gesunden, wenn ein gesunder ieamtenkörper vorhanden sm. Weiter betonte der Redner noch, daß die Reichsgewerkschast
Fulda. 8. Februar 1922.
— Weitere Bewilligungen für den See-Blain-fianaL Wie gestern gemeldet wurde, bewilligte der Kreis Hrrs- feld für die Vorarbeiten des Kanolprojcktes 10 000 JL Noch weitere Bewilligungen sind in letzter Zett erfolgt. Die Stadt Rotenbur g a. d. F. bewilligte 4000 Jl, die Stadt Aschaffenburg 5000 M.
— Einsendung der Steuerbücher an die Landes- Versicherungsanstalt. Das Finanzamt Fulda schreibt uns: Da nach dem Gesetz zur Aländerunq des Einkommensieueigesetzes vom 20. 12. 1921 (R. G. Bl. S. 1580) und nach der Verordnung des Herrn Reichsministers der Finanzen vom 22. 12. 1921 zurAbänverung derDurchführungsbestlmmungen die Bezüge aus der reichsgesetzlichen Angestellten-, Unfall-, Invaliden» und Hinte' bliebenenversicherung nicht mehr als Arbeitslohn im Sinne des Einkommensteuergesetzes anzusehen sind, kommt em Steuerabzug durch die Landesversicherungsanftalt bei derartigen Zahlungen nicht mehr in Flage. Die Einsendung Oer Steuerbücher durch die Rentenempfänger erübrigt sich daber.
— Dem 16. Aerwallungsberichl übet die Richard Müller-Stiftung für kränkliche Linder für die Zeit vom
1. Oktober 1920 bis 1. Oktober 1921 entnehmen wir:
Der Kinderheilanstalt Soden waren in dem
Berichtsjahre 31 Kinder auf di« Dauer von 4 Wochen
Zugewiesen worden. Weitere 15 Kinder waren in den
Schwesternhäusern N i e d e r k l e i n (4), Allendorf (3), Schwarzbach (4), und Gersfeld (4) ebenfalls auf die Dauer von 4 Wochen untergebracht. Zusammen 46 Kinder und zwar 20 Knaben und 26 Mäd
chen. Davon waren 14 Kinder zum erstenmal, 8 zum zweitenmal, 2 zum drittenmal und je ein Kind zum vierten- und fünftenmal ausgenommen. Alle in der Kinüerheilanstalt untergebrachten Kinder erhielten je nach ihrem Geftmdhmtszustmtd wehr oder weniger Sol- SpruLelbäder, Höhenbestrahl-nngen und Inhalationen. Die Gewichtszunahme der Kinder war durchweg eine gute. Das Urteil des Anstaltsarztes lautet für 7 Km- der „gebessert", für 21 Kinder „wesentlich gebessert" und für 3 Kinder „geheilt". Die Zahl der Derpfle- gungstage betrug insgesamt 1278. Für Reise, Verpflegung und sonstige Kosten wurden 12077,28 Mark airfgemenbet Die bestehende Teuerung machte den er- höhten Aufwand nötig und war nur unter stärkerer Inanspruchnchme des Stiftungskapitals mit Zustim- mung des Siftors möglich, andernfalls die Wohltat des Kuraufenchaltes nur einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Kindern hätte zuteil wenden können.
= Bahnamtliche Mitteilung. Vom Mittwoch den
8. Febr. bis auf Weiteres verkehren die Züge D 41/42 als Ellzüge mit 2. und 3. Klasse zwischen Frankfurt Hbf. und Bebra in folgendem Plane: D-Zug 41 Frankfurt Hbf. ab 7.40 norm, Fulda an 10.20, ab 10.23 norm., Debra an 11.42 norm. D-Zug 42 Bebra ab 3.04 nachm., Fulda an 4.23, ab 4.26 nachm., Frankfurt Hbf. an 6.50 nachm.
= Die gesamte Fuldaer Arbeilerschafl hatte sich gcfti.Tn nachmittag im Stadsaal eingefunden, um Siel- lung zum Eisenbahnerstreik zu nehmen. Ge- werkschafichekretär Gut beriet vom Deutschen Tex- tilarbrtterverband eröffnete die Versammlung im Namen des chriA. und freien Giwerkschafskartells. Gewerk- fchaftssekretär S t e i n b e tf vom christi. Fabrikarbeiter- verband hatte das einleitende Referat übernommen. Er tarn kurz aus dir Vorgeschichte des Streiks zu sprechen und betonte, daß der Streik gegen jede gewerischaft- liche Praxis verstoß«. Während noch der Spitzenver- band, dsm die Gruppe der Lokomotivführer angehört, mit der Regierung am Verhandeln war, hat diese Gruppe nach Stellung eines Ultimatums plötzlich die Arbeit mebergekgt Er kam dann noch auf die Streik- leitung 'm Fulda zu sprechen und sprach die Ansicht aus, daß diese Streikleitung kein Verständnis für die Notlage der hiesigen und auswärtigen Ardeiterschast gezaiN habe. Ihm folgte G-werkschastsfekretär Pfeif- s e r vom (freien) Deutschen Metallarbeiterverband. Auch dieser Redner stellte sich auf den Standpunkt, daß di« Streiklrimng eine Kommission der Arbeiter in einer für die Arbeiterschaft unerträglichen Weise empfangen habe und forderte, daß unter allen Umständen die notwendigen Notstandsarbeiten verrichtet werden müßlen. Bann erhielt Gewerkschaf iss ekvetär Schmitt vom christi. Metallarbe.t>.rverband das Wort. Herr Schmitt befaßt« sich mit der Entstehung des Streiks und sprach die Ueberzeugung aus. daß, wenn von den Reich-geroerk- schäften alle gewerkschafitichen Mittel angewandt wor- den wären, es nicht zu biefem Streik gekommen wäre Stof den Zuruf: „Fuldaer Zeitung", les Herr Schmitt Stellen aus dem „Vorwärts", dem Zentralorgan der
tret, Gewerkschaftssekretär He r te 1, der «in Genosse des Herrn Mihm ist, sagen lassen, daß et als Mitglied des D. E. V- überhaupt nichts bei dem Streik zu suchen habe, da der D. E. V. di« Parole ausgegeben habe, nicht zu strecken M. habe diie Disziplin nicht gewahrt und hab« sich dadurch selbst aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Zwischenrufe ergänzten diese Mitteilung. Nachdem noch eine Reihe Redner aus der Reihe der Streikenden der Versammlung die Slonklage dargelegt tmb befriedigende Erklärungen über die Annahme von Notstandsarbeüen gegeben halten, wurde die Versamm- lung geschlossen. — Wir möchten diesem Bericht noch einig’ Worte in eigener Sache anfügen: Die Ful- daer Zeitung hatte de Genugtuung, daß in dieser Mas- enversammlung deutlich zum Ausdruck kam, daß ihr« achliche, maßvolle, allerdings auch konsequente Haltung n der Streitfrage von den objektiven Beurteile™ durchaus gebilligt wird. Aufhetzende Bemerkungen gegen unfern Zeitung, wie sie in der Versammlung ebenso versucht wurden wie jetzt täglich irr dem SprechsaÄ des Fuldaer Tageblattes, fanden durch Zurufe schärfste Ablehnung. Diese Beobatchung hat uns davon abgebracht, gegen das Fuldaer Tageblatt, das in dem gestrigen Eingesandt uns sogar der Lüge zeihen läßt, Beleidigungsklage zu erheben, wie wir es zunächst be» absichtiKen. Das Verhalten der großen Versammlung zeigte uns, daß diese demagogischen Ausführungen unserer Gegner auf di« Mitbürger gar keinen Einfluß haben. Sie werden nicht ernst genommen. Deshalb wollen wir sie auch nicht ernst nehmen und zur Tages- ordnung übergehen.
— Landesbibliolhek. Kohlenmangel nötigt die An- stall vom 9. d. M. bis auf weiteres denLefesaalzu fchließen und die Ausleihe nur in der Stunde von 5—6 Uhr zu öffnen.
--- Die Lchlletzung der Stadtschule steht bevor, da feine Heizvorräte mehr vorhanden sind.
--- Zahlt die fälligen Abgaben. Es wird uns mitgeteilt: Die letzte Rate der ©emeinoeab« gaben für 1921 und das 3. Quanal Waifergeld werden zur Zeit erhoben und müssen bis zum 14. d. Mts. entrichtet ,ein. Nach Ablauf dieser Ze» beginnt die Zwangsbeitreibung mit der öffentlichen Mahnung unü erwachsen hierdurch Kosten.
— Auswärtige Zeitungen, allerdings schon ziem- sich alt, sind heute früh erstmalig in größerer Anzahl wieder in Fulda eingetroffen, darunter auch Die Kölnische Volkszeitung. Aus den Meldungen dieser Blätter ergibt sich, daß im besetzten Gebiet der Aerkehr aufrecht erhalten geblieben ist. Auf den Bahnhöfen haben sich ober gewaltige Gütermengen, die nach dem unbesetzten Gebiet bestimmt sind, aufgehäuft.
r*r Schöffengericht. Der Landwirt I. V. von H hatte am 5. Okt. o. I. aus Mangel an Sorgfalt und Aufmerksamkeit eine Frau mit feinem Fuhrwerk derart airgerannt, daß sie zu Boden fiel und sich am sinken Arm eine schwere P.wlchimg zuzog. Mit Rücksicht darauf, daß Fuhrwerke in letzter Zeit recht rücksichtslos darauf los fahren, wurde der Angeklagte wegen fahrlässiger Körperver- letzurrg zu 1000 Geldstrase und in di« Kosten verurteilt. Vom Privatkläger wird in einem befoefcren Prozeß Antrag auf Anerkennung einer Buße und ©rftattang der Unkosten gestellt werden. — Gele- gentsich einer Haussuchung durch das Finanzamt Fulda bei dem Gutsbesitzer Ph. W. zu K. wurde u. a. auch ein Buch beschlagnahmt, in dem verschiedene hiesig«: Personen vermerkt waren, die von W. in den Jahren 1918 bis 1921 teils einmal, teils mehrere Male mit Brotgetreide, G.rste, Hafer usw. beliefert wurden. Aus Grund dieser Eintragungen erhob die StaÄsanwaUschast Anzeige wegen Betcihens gegen die Reichsaetre.deordnung. Gegen 14 hiesige Einwohner, einschließlich des Gutsbesitzers PH. W. wurde daher gestern verhandelt. Drei Angeklagte er- hielten y. 50 M Geldstrafe; sieben Angeklagte je 100 J*. Geldstrafe, ein Angeklagter 150 M Geldstrafe. Das Verfahren gegen den Gutsbesitzer PH. W. zu K. und den Kaffeehausbesitzer B. F. von hier wurde zwecks Einholung eines gerichtlichen Sa-chverständigen-Gut- achlens abgetrennt.
(•) Ski-weitlaufen der §ki - Klubs „Rhön". Zu unserem bericht i>t nachzuiraaen, daß m der y u a e n ö> klasse Otto Rauscher den 4., W. Düster den 6. und Willi Siern den u. Preis erhielten.
— Johannesberg. Am vorigen Sonntag fand in her Gastwirtschaft Kreis eine gut besuchte Bersamm. tun» des kath. Arbeitervereins der hiesigen Pfarrei statt, in der auch die Beitragserhöhung ein» gehend r>esxrochen wurde, ^aft einstimmig wurde beschlossen, den Monatsbeitrag von 1 Mk. auf 1,50 Mk. vom 1. Februar ab zu erhöhen. Dementsprechend wurde auch das Sterbegeld folgendermaßen erhöht: nach einjähriger Mitgliedschaft 50 Mk.. steigend von Jahr zu Jahr um 10 Mk. bis zur Höhe von 300 Mk., ferner wurde der Beschluß gefaßt, denjenigen Mitgliedern, welche nicht mindestens drei Vereinsoersammlungen im Iah e besucht haben, das Sterbegeld für das betreffende Jahr um 30 Mk. zu kurzen. Der Verein wird am Sonntag, den 19. Febr., einen Familien-Abend im Der» einslokal (Pittmar, Harmerz) abyalten, in welchem Generalsekretär Dr. Neubauer einen sehr interessanten Dortrag halten wird.
E ngesandt.
Lnekkennung. Die mannhafte Stellungnahme des OrtStartells HriderS des Deutschen Beamtenbundes gegen die Arb-itcmederle ung der Elsendahnbeamten, worüber in der „XulDncr Zeitung" Nr. 31 berichtet wuroe, verdient die vollste Unerkennung. Wo bleibt das Fuldaer löeai itenium ? (folgt Unterschrift.)
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