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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

fir. 31.

in Fulda.

Verantwortlich tür den ceüaltionellen Teil' Dr. I. Kramer, für die Stnzeiaen: I. Parzeller-Fuioa.

Rotationsdruck u. Verlaq der Fuldaer Lcttendruckerei 1 _ ^ernivrecher Nr. 9. Telegr.-Adreffr: Fuldaer Zeitung.

1 Bezugspreis: MonaUich 9.00 Hit zugestellt frei ins Hans- Anzeigen: ^e?n zeile nach Twönel 1 Mk., auswärts I.LSMk. Reklamezeile (Tqtdrrite) nach Eolone maß 4 Mark.

49. Zahrg.

Papst plus XL

Der neue Papst.

Am Spätnachmittag des Montag brachte ter Draht vie Kurte, daß die durch den Tod Vanodikis XV. verwaiste Kirche wieder ein Oberhaupt erhalten habe. Don ter Loggia ter Petars kirche ist dem EMreis ver- kmchigi weiten: Habmnus Pontificem! Wir haben einen Papst'. Die Meldung des Wolff-Büros, die wir gestern »eiert in ter Stadt verbreiteten, lautete:

wtb Rom, 6. Febr. (Tel.) Nach einer Reulcr- melbung wurde kardinal Rolli, Erzbischof von Mailand, zum Papste gewählt, welcher den Namen Pius XI. annahm. Der neue Papst ist geboren am 31. März 1857; er stehl also im 65. Lebensjahr

•

Die Kunde, daß das Konklave nach nur ^tägiger Dauer bereits zu einer endgültigen Wahl geführt hat, wird in der katholischen Bevölkerung große Freude her- vorrufen. Der Katholik hat die Ueberzeuguurg, daß die Wahl des Statthalters Christi auf Erden unter ter besonderen Leitung der göttlichen Vorsehung steht. Aus dieser Auffassung heraus treten die nattonÄpolttischen Gesichtspunkte, die von ter «katholischen Presse und den ihr nahestehenden Kreisen bei einer solchen Wahl immer in den Vordergrund geschoben werden, für das katholische Volk zurück. Es hat die Gewißheit, daß der Erwählte allen Katholiken, wiÄcher Nation immer sie angehören mögen, ein gütiger Vater und Lehrer, dem ganzen katholischen Erdkreis der Heilige Vater sein wird.

In dieser Ueberzeugung rufen dir deutschen Kat ho» liken dem neuen Papst ihr herzliches Willkommen zu. Kardinal Achilles Ratti, der unter dem Namen Pius XI. als 260. Nachsolger des hl. Petrus den bischöflichen Stuhl zu Rom besteigt, ist am 31. März 1857 zu Desto in der Erzdiözese Mailand ge­boren. An ter Gregorianischen ÜniversM in Rom nmchte er feine Studien. Dort empfing er die Prie- sterwerhe und wurde dann als Professor ter Theologie nach Mailand berufen. Ausnehmente literarische Kenntnisse und gelehrte Studien führten ihn als Ober- bibliothekar cm die berühmte Mailänder Bücherei „Ambrosiana". Pius X„ der den tüchtigen Gelehrten persönlich kannte, berief Ratti nach Rom, wo er neben dem gelehrten temschen Iesuitenpater Ehr le der Va­tikanischen Bibliochek Vorstand. 3m Jahre 1915 wurde er Präfekt dieser Bibliothek

3m Jahre 1918 begann di« diplomatische Laufbahn Achilles Rattis. Papst DewÄikt XV. sandte ihn damals als Apostolischen Vikar nach Polen und ernannte ihn im 3um 1919 zum Nuntius in Warschau, wo er auch am 28. Oft. die bischöfliche Weihe erhielt. Er wurde zum Titularerzbischos von Lepanto ernannt; 1921 änderte Benedikt XV. sein Titularbistum und ernennte ihn zum Erzbischof von Wtana. Während seiner diplomatischen Tärigkeit in

Warschau war es ihm gegeben, unter den denkbar größten Schwierigkeiten mit seltener Unparteilichkeit und Klugheit die kirchlichen 3ntereflen in Polen wahr­zunehmen und geortede Verhältnisse anzubahnen. 3n einem Schreiben an die polnischen Bischöfe nennt ter Papst ihn einen vortrefflichen Mann und sagt von chm: „Ich brauche euch diesen Mann nicht zu empfehlen, da seine Frömmigkeit, sein Eifer für den Glauben, seine Eswakchcheit und die allbekannte Festigkeit seiner Lehre offentuuitg sind." Für die päpstl. WirksAickeit Pius XI. wird die frühere Tätigkeit im Osten Europas vielleicht nicht ohne Bedeutung sein. Es ist ja bekannt, wie schr sich in ter letzten Zeit die Kurie den Ostfragen zuMwanüt hat. Wir haben in der Fuldaer Zeitung wiederholt darüber berichtet. Ais Nmttius in Warschau mußte sich Achilles Ratti fast allen Dftftaaten widmen. Bei ter Regelung ter kirchlichen Verhältnisse Finnlands, Litauens, Kurlands und Lettlands erwähnen die päpst­lichen Ertast: feine Mitwirkung.

Nach dem Tode tes in Deutschland wohl bekannten Kardinals Ferrari wurde Achilles Ratti zu testen Nachfolger als Erzbischof von Mailand er­nannt. Gleichzeitig erfolgte feine Kreierung als Kar­dinalpriester. Das war am 13. Juni 1921, bei der letzten Kard-incckkreat'nm Benedikts XV. Bemerkens­wert ist, daß auch ter Vorgänger Pius XI., Bene­dikt XV., bei der letzten Kardinalskrsation, die Pius X., vorgenommen hatte, kreiert warten war. 3m öffentlichen Konsistorium am 16. Juni 1921 erhielt Achilles Ratti das rote Barett und als Titelkirche St. Martmus ad Montes. Am 16. 3rrni 1921 wurde er Mitglied ter Sakramertterckongregation, ter Konzils- kvngregotion, ter Kongregation für die außerordent­lichen kirchlichen 'Angelegenheiten und der Kongregation für die orientalische Kirche. Die neue kach. Universität Mailand fft im letzten Jahre unter ihm gegründet worden.

Wir freuen uns, unseren Lesern Mitteilen grr kön­nen, daß von Fuldaer Streifen, denen die Person des neuen Papstes nicht unbekannt ist, dieser gekenn­zeichnet wird: als großer Freund der Stu­dien, als unverdrossener Förderer der Wissenschaft unb als willensstarker Mann ter tatfrohen Praxis.

Das Urteil kann uns nur bestärken in ter christ­lichen Hoffnung, daß das Pontifikat Pius XI. gesegnet fein wird, wie dasjenige seines Vorgängers es war rmd von Herzen kommt der Heilsruf für den neuen Papst:

. Ad mnltos annos!

Eiu Glückwunsch Bayerns.

wtb2Mnd>en, 6. Febr. Der bayerische Mi­nisterpräsident hat im Namen ter baye­rischen Staatsregierung dem neugewählten Papst Pius XI. in einem Telegramm seine wärmsten Glückwünsche zu einem langen, gesegneten Ponttsikat ausgesprochen.

Großkaufmann Selfterinann.

Don Wilhelm Herbert, München.

22] __________

Gretchen folgte der Bewegung.

SBas war das?

Die ihr wohlbekannten Fenster der Müllerschen Wohnung int vierten Stockwerk des sechsten Hauses zur Linken waren hell erleuchtet. /

„Sollten sts C3 gewagt haben" . . . murmelte Lore <rre®m "0h, sie sollen es mir büßen!"

»Was meinst Du?" fragte Treten beunruhigt.

«Die Polizei!" stieß Lore aufgebracht heraus.

"-LiC3 elaube ich doch nicht", antwortete Gretchen be- treten.

.. 'hre Freundin mit einem heftigen Druck

•bre Hand.

, . "®re.^e.Tt - flüfterte sie atemlos. „Wenn er heirnge- 2Benn alles nicht wahr wäre! Wenn et nur scheintot gewesen wäre! Wenn mein Vater wieder öa marei Gretchen, wenn mein Later mir die Tür offnere!

„ ^“unbin erschauerte bei den überstürzten War- 10. nid,t sei». Aeffte sie ein Trug? Wer die Fenster so hell beleuchtet? Wenn sie in ihrem ^yj,,9en ,aren esen auch nur den leisesten Hang zum Aberglauben gehabt hätte, würde sie der sonderbare Dorgang mit den eigentümlichsten Gedanken und Ahnun- gen erfulll haben. Aber es war ja unmöglich. Der da kalt und bleich draußen lag, kam nicht wieder zurück.

Lore war ihr oorousgeeilt und stürmte die Treppen empor, daß Gretchen thr kaum folgen konnte.

Lore zog die Klingel.

Man vernahm einen langsamen, müden Schritt.

,Er ist es! Er ist es!" jubelte Lore, ganz von ihren Gedanken befangen. „Er ist wieder da!"

Gretchen stand hochklopfenden Herzens hinter ihr.

Jetzt wurde die Tür geöffnet, eine Gestalt wie die Müllers stand im dunklen Korridor.

Lore sprang ihm mit einem Schrei entgegen und 4mg ihm mit dem jauchzenden Rufe: »Later! Vater!" am Halse.

Da erkannte sie den Irrtum.

»Onkel — Du?" murmelte sie, aus ihren ""räumen «-stürzt. '

Jetzt sah auch Gretchen, daß es Johann war, der alte Diener ihres Vater».

Der Greis öffnete di« Tür des Wohnzimmers, aus der das warme Licht herausfiutete.

»3ch bin für ihn gekommen, Lore," sagte er leise mit ergriffener Stimme. »Du mußt mit mir statt seiner vorlieb nehmen. 3ch habe mir von der Nachbarin auf­sperren lassen, um dir es ein ganz klein wenig gemütlich zu machen, wenn Du heimkommst. 3ch habe ja ge­wußt, daß ihr Schlüssel Eure Wohnung sperrt, und sie kennt mich."

„Ach, Onkel, wie lieb von Dir!" murmelte Lore ent­täuscht und doch gerührt und freundlich bewegt.

Sie setzte sich auf einen Stuhl und schaute sich wie eine Fremde im ganzen Zimmer um. „Wie leer es ist!"

»Das habe ich mir gedacht," sagte der Alte. »Des- wegen bin ich gekommen. 3ch habe eine große Bitte an Dich."

Sie schaute ihn fragend und erstaunt an.

„Willst Du mich nicht bei Dir behalten?" fragte et zaghaft, beinahe schüchtern.

»Kannst Du denn die ganze Nacht wegbleiben?" ant« wartete sie und ihr Blick ging von ihm zu Gretchen.

»Ich werde es dem Vater sagen," erklärte sich diese zur Vermittlung bereit.

„Sie brauchen Herrn Selstermann nichts zu sagen," belehrte sie Johann ruhig. „Ich habe diesen Abend mit ihm gesprochen — ich bin aus seinem Dienst getreten!"

„Wie?" riefen beide Mädchen gleichzeitig, auf das höchste erstaunt.

„Aber, Johann," meinte Gretchen mit schwerem Ernst, wie mag das meine armen Eltern getroffen haben!"

Der Argwohn, der seit längerer Zeit nun schon ein­mal in ihr nistete, ließ sie rasch beifügen: „Was ist vorgefallen, Johann? Warum sind Sie ausgetreten?"

„Dorgefallen ist nichts," entgegnete der Diener. „Ich habe schon lange austreten wollen. Warum — das, Fräulein Gretchen, ist eine lange Geschichte und die Nacht wäre zu kurz, um sie zu erzählen. Es kommt vielleicht von selber Zeit und Gelegenheit dazu. Ich bitte Euch beide, daß 3hr damit zufrieden seid, wenn ich für heute nur fo viel sage: Dort bin ich nicht mehr notwendig."

„Oh!" rief Gretchen abwehrend dazwischen. „Mehr als je und in der nächsten Zeit vielleicht erst recht!"

„Ich glaubs nicht!" beharrte er mit einem gewissen Eigensinn. »Was ich getan habe, kann auch irgend

Der Eisenbahnerstreik.

Die Sfreiflage.

wbt B e r l i n, 7. Febr. Die Lage des Eifen- bahnerstreiks ist nach den dem Reichsverkehrs­ministerium ooriiecenöen Nachrichten im großen und ganzen unverändert. Entgegen verschiedenen an­ders lautenden Meldungen ist In Wü rltemberg kein Streik auLvebcochen. 3n Baden wird ter Streik ter Lokomotivführer von der übrigen badischen Eisendahni.'rschsst nicht gebilligt. Aus Dresden wird eine Zunahme tes Streiks Ktmeldct.

3n Berlin macht ter Streik der sickdl. Arbeiter die Durchführung des Notbetriebe» befandrrs schwierig.

3n ter heurigen Besprechung der Spihenverbänte ter Beamten, Angestellten und Arbeiter mit der Reichs- regierurrg erklärle ter Reichsminister der Finanzen, daß er bereit sei, baldmöglichst in eine Aussprache über alle Besoldungssragen einzulreten. Zur Frag- ter Arbeitszeitgesehe erklärte sich der Beichsverkhrsminisker bereit, sie mit den Eisentechner- Geiverkschasien uud den Spihruverbänden zn beraten. Bei dieser Gelegenheit kann, fo erklärte ter Minister, auch die Frage nochnufls geprüft werten, ob die Mög­lichkeit bestich», da» Eisenbahupersoual in da» künftige allgemeine Arteiiszeitgefetz einzubeziehen.

Bei Schluß der Verhandlungen mit den gewerkschaft­lichen SpihenvrWnisÄicmen und dem tentfchen Becrm- lenbund bezcichueten sowohl die Vertreter der Eewerk- schafien, so auch die tes Beamten buntes die Erklärun­gen ter Regiermrg als eine Grundlage zu dem 'A b b r u ch d e s S l r e i k s. In den fpäten Abendstun­den haben bereits Verhandlnugm zwischen den Gewerk­schaften, dem deutschen Beomtenbtrnd «nd der Reichs- gewerkfchafl deutscher Eifenbahnbeantten fiter die Z u- rfickziehung des Streikaufrufe, stattge- fvnden. SchwieriMlen bestehen nur fiter die Srage der Maßregelung von Streikenden. Dir Rcichsgewerkschafl hält an der Forderung fest, daß keinerlei Maßregelungen vorgenommen werten dürfen.

wtb Frankfurt a. M„ 7. Febr. (Tel.) Mle die hiesige Eisenbahn-Direktion mikteilt, hat bas übrige Mannheimer Eisenbahnpersonal gedroht, ebenfalls in den Streik einzutreten, falls die tech­nische Nothilse nicht zurückgezogen wird. Weiler teilt die Eisenbahn-Direktion mit, daß heute mor­gen verschiedene Personenzüge, die den Bahn­hof verkästen wollten, von den Streikende« daran gehindert wurden.

Die Berliner Arbeiter gegen die RSLKchtsIofigkett der Streikenden.

wtb Berlin, 7. Febr. Die gestrige Urabstimmung der Hochbahnarbeiter Hai einte Mehrheit für biß Ablehnung des Streiks ergeben. — Der All­gemeine deutsch: Gewerkschastsbrmd, der Verband ter Gemeinde- und Staatsorteiter, ter Deutsche Metall- arbciierverband, ter Aerttraloertemb ter Maschinisten und Heizer, der Dsttsche Trcmsportarbriterverband. der Zentraivrrband ter Angestellten, die Gewerkschafts- kommissiou Berlins und Umgegend, der Allgemeine freie Angestelltenbund (Ortskartell Groß-Derkm) erlas­sen einen Aufruf an die städtischen Arbei­ter und Angestellten zur fofortigen Mverzfig- lichen Wiederaufnahme der Arbeit. Der Ausruf weist darauf hin, daß die durch den Streik über die Hesamtbeoölkerung verhängten Lei­den und Unbilden nicht geveckst^ertigt erscheinen.

junger Bursche besorgen, her mit leichtemSinn und blin­den Augen kommt und Margaret wird tüchtig mtthelfen, mich,, wo es ja noch fehlt, zu ersetzen" . . .

„Die arme Margaret!" sagte Gretchen still. »Wie wird sie sich nun vereinsamt fühlen!"

„Es ist nun schon einmal fo", antwortete der Die­ner und schaute eine Weile trübgestimmt vor sich hin. Dann raffte er sich auf und ergriff Lores Hemd.

„Dort war ich entbehrlich! Dort mußte ich auch fort, wenn nicht über kurz ober lang die Sache schlecht aus­gehen sollte. Aber hier bin ich notwendig! Hier ist eine Aufgabe für mich. Hier ist eine Pflicht zu erfüllen, die ich Deinem Vater gegenüber übernommen habe. Wir haben uns immer gesagt, daß der für Dich sorgen würde, so lange Du eine sorgende Hand brauchst, der von uns beiden am längeren leben würde. Allerdings war die Rechnung anders gedacht, als wie es nun gekommen ist. Denn er war weitaus der Jüngere und der Rüstigere auch. Aber das kann man sich nicht heraussuchen. Wies kommt, so kommts! Ich möchte bei Dir also, kurz ge­fügt, wenn Du mich brauchen kannst, Vaterstelle vertre­ten und ganz bei Dir bleiben!"

Lore faßte ihn mit beiden Händen und schaute nach dem alten Bild über dem Sofa, auf dem Vater und Mutter am Hochzeitstag dargestellt waren.

„Ihr seid um mich!" sagte sie mit Tränen in den Augen. „Ich fühle Eure Nähe! Das habt Ihr mir getan!"

„Mit tausend Freuden", erklärte sie dann, „nehme ich Dein Anerbieten an. Hoffentlich wird es Dich nie gereuen! Ich will mir alle Mühe geben, was ich an Wärme aufbringen kann, was nicht mit dem heutigen Tage In mir erstickt ist, um Dich auszubreiten und Dir bas- Leben dafür, daß Du mir eine Stütze, daß Du mir wieder ein Heim gibst, schön und freundlich und ruhig zu machen!"

Johann rieb sich zufrieden die Hände. „Ach, war", brummte er, um seine Rührung zu verbergen. „Mir! Mir! Don mir ist nicht die Rede. Du bist jung und ich will Dich hüten und Dir von dem Sonnenschein, den ein so junges, blühendes Geschöpf unbedingt braucht, einsammeln, was ich kann."

„So", sagte er geschäftig. „Jetzt fetze Dich her und tunte eine Tasse roarmen Tee, den ich Dir hergerichtet habe, tmä. Haust »artet auch schon die längste Zeit auf

Sie MM in her MMiWlM.

Wtb Paris, 6. Febr. (Tel.) Der „Temps" bespricht in seinem heutigen Leitartikel einen Be­richt des Pariser Korrespondenten der „Sunday Times", der nach dem Blatt ohne Zweifel die An­sichten einer gut unterrichteten Persönlichkeit rote- dergibt, und in dem der Berichterstatter den Stand­punkt vertritt, die Reparationskommifsion werde, falls sie mit ter Beschlußfassung über die letzte deutsche Note beauftragt wird, wahrscheinlich auf die inCannes ins Auge gefaßte Forderung von 720 Mill. Eoldmark zurückgreifen. Neben tem Vor­teil, Deutschland nicht in neue finanzielle Schwierig­keiten zu stürzen, würde diese Regelung die betg. Prioritätsrechte befriedigen und eme Atempause schaffen, während welcher dann nur noch die fran­zösische öffentlich- Meinung zu einer praktischen Politik zu erziehen wäre, die darin bestehe, weniger zu verlangen und mehr zu erhalten. Der ,,-uemps weift allerdings dieses Vorurteil über die franzo- fische Politik zurück.

Dir inaerpeMsche Lage in England.

Wtb London, 6. Febr.- Reiter meldet ans Gens, daß der <<W „Freitag" (Parlament) Verhandlungen, betreffend die Aufnahme Irlands in den Völkerbund erngeteitd habe. Der politische Berichterstatter des „Manchester Guardian" hält es für fahr wahrscheinlich, daß die Auflösung des britischen Parla­ments im März er folgert wird. Er erklärt, es fei sicher, daß die Konferenz von Genua ver- schoben werte. Von gutrmi,errichteter Seite verlau­tet antererseits, daß L l o y d G e o r g e sich noch nicht enttoieten habe, ob er tes Parlament auflösen oder ob CT zurücktreten werde. Der Rücktritt Lloyd George? würde eine vollkommen neue Lage schaffen.

Die VsrhemtmgLN für Germs.

wtb Paris, 7. Febr. In London wurde eine NotederfranzöfifchenRegierung über die Konferenz in Genua dem englischen Auswär­tigen Amt zugestellt. 3n dieser Rots werden die Bedingungen bezeichnet, unter denen die franzö­sische Regierung zur Teilnahme an der Konferenz bereit ist. Es heißt darin, daß 31 a l i e n seine Zu­stimmung von den Bedingungen abhängig macht, unter denen Rußland und Deutschland zur Konfe- renz zugelassen werten.

Sie Witao ta itMMütaits.

wtb Berlin, 7. Febr. Nach einer HavaSmeldung au8 Rom soll der Kammerpräsident de Nicola- mit der Bildung teS Kabinetts betraut werden.

Revoluttoirsgesahr m Südafrika.

Blättermeldimgen zufolge ist in Transvaal in> Bergarbeiter streik eine ernste Lage entstan­den. eingtgangene Meldungen deuten auf die Mög­lichkeit eines Revolution-! Versuchs hin. Bei einer Dkassenversarmnllmg ter streikenden Bergleute ir Johannesburg wurde eine Entschlirßrrng angenommen, worin m Pretoria befindliche WtogCreter des Parla­ments auf gefordert werten, eme vorläufige Regierung zu bilden und die Republik auszurnfen.

ein freundliches Wort und pfeift ganz leise: »Vergif mich doch nicht ganz!"

Da» Mädchen stand asf, ging auf tun Ääftg zu uni Mang ihr» Arme um das enge Gehäuse. Der klein, Vogel drinnen liebkoste sie mit sanften, süßen Tönen und sie meinte leise. »Wir drei," sagte sie innig, „wir drei wollen zufammenhalten!

»Und mir", bat Gretchen, die sich erhoben hatte „gönnt auch ein stilles Plätzchen in Eurem Bundi"

Sie faßte die Hand der Freundin und hielt sie mit kräftigen Fingern fest. „Was auch sei, Lore," sagt» sie dazu mit ernsten Augen, „ich stehe zu Dir! Sei da­von überzeugt!"

„Ich bin’s,“ antwortete Lore. »Auch Du soll an mir eine Freundin für das Leben haben!"

Da kam Johann etwas llnkisch näher. „Fräulein Gretchen," meinte er und berührte leise ihren Arm, „um Ihretwillen bin ich schwer fortgegangen, um Ihretwillen und um Ihrer Frau Mutter wegenl Dergeflen Sie nie, daß da ein Herz schlägt unter dem alten Kittel, das seit dem ersten Tag, den Sie auf ter Well sind, zu Ihnen gehalten hat und immer zu Ihnen hallen wird. Der Johann hat nur dem Herrn den Dienst gekündigt — nicht Ihnen beiden! Wenn Sie mich brauchen können und wollen, ich bin da!" --

Sie nickte und gab ihm die Hand.

So war ein stiller Bund zu dreien geschloffen wor­den, der bald Gelegenheit finden sollte, sich zu bewähren.

„Der Johann hat nur dem Herrn den Dienst gekün­digt." Gretchen dachte, während sie die Treppe hinunter- stieg und die einsame Straße entlang ging, über diese Worte nach, und der Druck, der immer auf ihr lag, ge­wann dadurch nur an Stärke und Macht. Sie sah das Verhängnis näher und näher schreiten. Der Tod Mül­lers war ihr wie der erste Ansturm der widrigen Mächte gegen ihre Familie und der Weggang Johanns stellte sich nun für sie als die zweite schwere Folge des Un- rechts dar, das feit Jahren im Haufe geschah. Sie sah, daß sie einer schweren Zeit entgegenging. Aber diese Einsicht stärkte ihren Mut, statt ihn zu erlahmen. Für sie gab es nur eines, was sie unter allen Umständen verfechten würde: Wahrheit und Recht! Denn nur dar­aus konnte wirkliche Genugtuung aller Verhältnisse und» 1 ein dauerndes Glück erwachsen. Davon war sie auf das 1 Innigste überzeugt. ------

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