Fuld aer Zertung
49. Zahrg.
Sonntan, 5. Februar 1922
Verstehst
Menfie’S Mer Iwnajt offen. Dir wollen die Nacht über durcharbeiten; ich
stellen, wie wir sie heute per «en n 9 °en. " bcm Sachverständigen, der diesen Gedanken, ange-
„Fü^Si"-err ^Doktor", sagte er, „habe ich auch regt hat, lehr dankbar für bte Energie ^uwpie- ein Pöstchen. Ich lade Sie ein, Syndikus meiner Firma \ rung, mit der er an die Sache herantntt. (tfortf. f°W
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Du das?!
Selstermann
poincares Bedingungen für Genua.
Aufschub wegen der italienischen Kabinettskrisis.
Wtb Paris, 3. Febr. (Telegr.) In der Senats, kommisfion für auswärtige Angelegenheiten erklärte heute Poincarö, er werde nur nach Genua .'ommen, wenn daS Programm der Konferenz und hinsichtlich der Teilnahme Sowjet-Rußlands die Bedingungen klarer festgelegt werden. Die Konferenz werde infolge der italienischen Ministerkrise wahrscheinlich hinaus« geschoben. Mit Bezug auf den Völkerbund und die Reparationslommission sagte Poincarö, me französische Außenpolitik müsse sich auf die vollständige Aufrechterhaltung der Befugnisse der Reparatwns. kommission und vor allem des Völkerbundes stutzen. Die Verhandlungen über den franzostsch^nglischen Pakt würden in aller Herzlichkeit weitergefuhrt.
Nur Alfred stand widerwillig und verbissen zur Seite. Aber auch aus ihn machte die Energie, mit der sein Va. ter auftrat, einen bedeutenden Eindruck und er gestand sich, daß wohl zunächst nichts weiter übrig blieb als sich den getroffenen Anordnungen und dem damit für ihn verbundenen lästigen Zwange zu fügen. Er machte daher eine steife Verbeugung gegen Dr. Weiß und ging aus sein Zimmer.
„Sol* sagte Selstermann befriedigt von der Aussprache und den eingeleiteten Maßregeln, „nllb damit genug für jetzt! Ich habe dem Sensal versprochen, gleich wieder hinunter zu kommen, und wollte Dich nur bitten, auch für ihn eine Taste Tee bereitzustellen und uns für später ein paar Flaschen Wein aus dem Keller holen
9 „Schweig!" donnerte sein Vater. „Den Rat", setzte er bann ruhiger bei, „hat mir der heutige Tag und mein eigenes Gewissen gegeben, das mich gewarnt hat, Dich noch länger verbummeln zu lasten »sch dulde nichts Halbes und nichts Faules mehr im Hause. Ich will ganz klare DerhLltniste in allem und jedem hier schaf. fen, die uns vor ähnlichen trüben Erfahrungen sicher-
der Post ist natürlich für das Gewerbe von gro- , vie Mtershilse »es deutschen Volkes.
ßem Schaden. Die Postoerwaltung macht verfchie- "" "" 1
dene Versuche, durch Automobile einen Transport
„Margaret hat mir den Tee hinuntergebracht!" sagte er lebhaft. „Mein sauberer Herr Leib- und Kammerdiener hat ja etwas verspätete Gelüste bekommen, sich zu verändern — ,u verbessern wahrscheinlich — und ist Knall und Fall davongelaufen, worüber sich ja wohl — nicht wahr, Herr Doktor — vom Standpunkt des Ge- setzes noch reden lasten würde. Aber nur immer laufen lasten, was sich nicht halten läßt! Ist meist nicht schade darum!"
Sag", bat seine Frau und legte ihm die Hand auf "den Arm, „warum ist Johann fort?!" V°>-st»hst
arbeiten im Geschäfte hat mir meine Natur doch viel- leicht mit etwas mehr Sentimentalität versetzt als sie in geschäftlichen und beruflichen Angelegenheiten zuläs. stg ist Das war ein Fehler, der sich beinahe schwer gerächt hat. Wenn ich schärfer zugesehen hätte, wäre mir wahrscheinlich doch das eine ober anbere ausgefallen. Das soll in Zukunft anders werden. Das Leben ist hart. Wer es voll und ganz ausschöpfen will, der mutz selber hart werden. Es gibt kein Intereste, bas mir wertvoller fein darf als mein eigenes, als bas meiner
Er"sah dabei im Spiegel in fein Gesicht und schien mit besten festem, energischem Ausbruck zusrieben. Seme Frau schaute bennmbernb unb sichtlich gefestigt zu ihm auf und auch Dr. Weiß empfing offenbar einen günstigen Eindruck von den Worten des Kaufmann. Bloß Alfred, der eben heimkam, sah etwas ungläubig und unbehaglich auf seinen Vater.
„Sehr gut, daß Du eben kommst!" sagte dieser, „Du selbst sollst die Grundsätze, die auch aus den Erfahrungen des heutigen Tages für uns ableiten, zu Deinem Nut- zen und Frommen als erster in die Tat übersetzen: Du "trittst morgen in das Geschäft ein unb nimmst beim ersten Buchhalter Platz. Du hältst die Geschäftsstunden wie jeder andere und beziehst Dein Gehalt wie feder andere — dafür tust Du auch Deine Arbeit rote feder
In des Anwalls Zügen leuchtete es freudig auf.
Mfred sah das mit einem gehässigen Blick und sagte trotzig- „Ich kann mir denken, wer Dir den Rat ge-
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zu fcroeyett und außerdem dafür zu sorgen, daß auch die R e i ch s p o st g e w e r k s ch a f l von einer Slreik- ausrufüng Abstand nehme.
Hebet die Streiklage im Ruhrgeblek lauten diu Mächten der Blätter weniger günskig. 3n Essen ist auch ein Teil der Fahrdienstlcirrr in den Ausstand getreten. Die Hauptbahnhöfe von Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen sind geschloffen.
Wtb Berlin, 3. Febr. Die Sireiklag, ist im wesentlichen unverändert. Der perfoueuver- kehr nmrde beschränkt durchgefuhrl. Im übrigen konnis
lachte.
„3a, liebes Herz!" sagte er. „Damit können .wir nicht mehr anfangen — mit dem Verstehenwollen! Sonst bleibt uns der Verstand über der fruchtlosen Tantalus- arbeit überhaupt stehen! Kann ich es denn verstehen, daß drunten — wie der Sachverständige fügt — in den Büchern sich von Viertelstunde zu Viertelstunde mehr Teufeleien Herausstellen? Dieser Müller hat ja ge- wirtschaftet, heillos! Geht da im Haus herum, tonup- fenb und räuspernd, mit der Miene eines neunmal ge« feiten Biedermanns unb ist babei einer ber raffinierte« ften Fälscher und Betrüger, bie je an einem Putte ge« festen sinb!"
„Ist das wirklich wahr?!" sagte seine Frau niedergeschmettert. „Dann — doppelt arme Lore!"
3a!' meinte ihr Mann bedauernd und zuckte mit den "Schultern. „Da arme Mädel tut mir ja auch leib. Aber sie wird sich wohl in die harten Tatsachen fügen wüsten. Schließlich ist mir mein eigener Stopf lie« ber als der eines andern. Wenn ich sehe, daß es beinahe wirklich für bas Geschäft schlecht abgegangen wäre — da steht schon ein Posten mit fünfzigtausend Mark feft — bann gibt es eben keine Schonung mehr!"
„Sie haben ganz recht gehabt, Herr Doktor", fügte er hinzu unb reichte dem jungen Anwalt die Hand, „hier spukt es tiefer. Ich habe vorhin, wie die Entdeckung so auf mich fjereinftürmte, mir bie ganze Sache überlegt — mein bisheriges Verhalten und mein zukünftiges. Unser glückliches Familienleben, unser gutes Zusammen«
äTwerben. Wenn Sie einfchlagen, können wir alles Nähere morgen in meinem Kontor sprechen.
Auftreten in biefer Angelegenheit, der scharfe Blick, bim Sie barin für das Richtige gezeigt haben, hat mir ge- fallen unb den Plan, mit dem ich mich schon vorher trug, in mir ausgereift. Ich sehe, man kommt h-utzu« tage nun einmal ohne Euch Juristen mch mehr unb ich werde Ihres Rates gerade tn Nächster Seit ost md dringend bedürfen. Die Firma braucht einen ständigen Rechtsbeistand!"
.Unter tausend Freuden," sagte ber junge Anwar» mit geröteten Wangen, „nehme ich dieses ehrenvolle An- erbieten an. Sch werde meine ganze Kraft dem Inter- este Ihres Hanfes widmen!"
Sie schüttelten sich die Hände und auch Frau SA« Hermann reichte dem jungen Juristen mit Warme bie Rechte Aus dem energischen Auftreten ihres Mannes strömte neue Wärme unb Beruhigung in ihr von den Vorkommnissen der letzten Stunde aus dem Gleichgewicht geratenes Fühlen unb Denken und auch ber engere Anschluß des jungen Anwalts an das Haus schien ihr wie eine weitere Gewähr für Wiedergewinnung ber verlorenen Sicherheit unb Ruhe.
Grotztzaufmann Selftermann.
Don Wilhelm Herbert, München.
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Die Frau des Hauses hatte sich an den Tisch gefetzt unb stützte den Kopf in die Hand. Dann sah sie im Wohnzimmer umher auf all bie bekannten unb liebgeworbenen Gegenstände unb sagte: „Es ist mir gerade, wie wenn jedes Bild unb jeder Schrank, Tisch unb Stuhl und alles, was hier um mich ist, fremd unb feines vertraulichen Charakters entkleidet würbe. Es ist mir, als ob auf einmal hier bie Wände nieberge« riffen würden und alles Sicherheitsgefühl, das man im eigenen Haus empfand, verloren ginge. Worauf grün- bet sich denn das Glück eines behaglichen ruhigen Heims, wenn nicht auf bas gemeinsame unb gegenseitige Vertrauen aller gegen alle?! So haben wir es gehalten Jahrzehnte lang und dadurch ist unser Leben so reich unb froh gewesen. 3n allem, im Kleinen wie im Gro« ßen waren wir eins — unausgesprochen — wir in der engeren Familie selbst unb die langjährigen Angehörigen des Hauswesens und des Geschäftes. Es gab nur gemeinsame Feste und gemeinsames Leid. Wenn Sie mir das auf einmal nehmen, weiß ich nicht, ob ich mich mit meinem einfachen Verstände noch einmal zurecht» finden und dem veränderten, um feine schönsten Werte verkümmerten Leben noch irgend einen Reiz abgewinnen kann.
Es ist mir unmöglich, mir vorzustellen, daß Johann, der hier aus- und einging wie mein Mann unb wie Gretchen unb Alfreds daß Johann mich bestohlen haben sollte, daß er, womöglich, noch unter einer Decke mit Müller gesteckt, haben sollte unb daß sie ihren Raub vielleicht hohnlachend hinter unserem Rücken geteiü hätten" ...
„Warum geht er fort? Ohne Erklärung? Ohne Abschied?!" fragte Dr- Weiß.
„3ch weiß es nicht!" antwortete sie verzweifelt unb schüttelte den Kops.
Da trat Selstermann ein.
Von D. Kreutz, Präsident des Deutschen Carito««., banbes, Berlin.
„Vor einem grauen Haupte sollst bu aufstehen unb die Person des Greises obren unb den Herrn deinen Gott fürchten. (Hl- Mos^lS^.) ■Reiten in denen sich bas Wirtschaftsleben noch m
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werbslebcn standen, fei es durch Schicksal ooer «ajui ,
I der' Weitsicht unserer deutschen Sozialpolitiker 8 f worben in die soziale Versicherung die es dem belasteten und gebrechlichen Leben ermöglichte, durch Kranken,
I -invaliden, und Altersrenten ober sonstige 3ufa)mfe Srberunaen nebst dem kleinen Sparguthaben mit einer^aewissen Ruhe und Zuversicht dem Seiernbenb chres Sebens entgegen tu sehen. Diese Renten gleich- gültig, ob sie private Leibrenten waren ober Sozial reuten, haben sogar dazu beigetragen, baß man alte Leute gern in dem bisherigen Famittenoerbanb festh.elt, wÄ mtt diesen Bezügen in den kleineren Haushaltungen die Monatsmiete gedeckt werden tonnte V ..
sä SS’SJ’ f&Sfi
Diele Renten rouröen immer puuuuu, mi-bezahtt; {o konnte man den Mietsverpflichtungen vünktllch nachkommen und das rentenempfangende Alter n0A nüblicb machen in der Beaufsichtigung und durch kleinere Dienstverrichtungen 'm alltäglichen Leben des Haushaltes, und der.SamU«
zial« ober Privatrentner, schätzten auchl inanzielle Sicherung fo hoch em, daß viele das übliche Altenteil ober Leibgedinge, das m ber Hauptsache m Rati-ralleistungen bestand, umwanbelten in geldliche Leibrenten, wodurch sie sich mehr gesichert und empf h«
War ^irgendwo eine Lösung vom ^^^^enHaus- halte oder Familienverbande noiwendig geworoen, ja gab es wenn auch nicht in genügender Sahst immerhin oemiffe Stätten der Menschenliebe, wo, dank attehrwur blaen Stiftungen, jenen ein unbesorgter Lebensabend Sergeant war?oder wo sie durch die Leibrentenoerttage, durch Einpfründen vertraglich gegen die Rot des Afters bis an ihr Ende geschätzt waren. Diese Altersheime ober Feierabendstätten, Siechenhäuser, Burgerspitaler, Psründhäuser, Heil. Geist-Spitaler oder wie sie 'mmei heißen mochten, sind die letzten Ausläufer mittelalterlicher Altersversorgung, die sich bis in bie_ ncucö-®e erhalten haben. Andere, denen ein (relativ) größere, Vermögen zur Verfügung stand, legtens dasselbetu» GrundstÜckshnpotheken an um auf alle frsOe, ob Rine& ob Frieden, die Voraussetzungen für ihre Barbezuge nr Alter sich zu erhalten. Durch Beiträge in Sterbekaft eneereine suchte man sich noch über ben lob hchaus inanziell unabhängig zu machen und war so des sicheren Glaubens, in Freiheit und Wurde durch sein Alterm die Ewigkeit hineinschretten zu können. Wohlfahrtsver eins aller Art standen ferner dem sinkenden ^ben m Hilfsstellung zur Seite unb trugen °»ch seelisch große Werte durch ihre persönlichen Besuche an die Stattm des Alters. Die Vorkriegszeit kannte die Not des Alters als Masienerscheinung nicht, und das Alter hatte auch keine besondere Veranlassung zur Klage über Mangel an Ehrfurcht, die man dem grauen Haupte schuldete.
So schien im allgemeiner, das Alter gesichert »u sein. Aber es schien bloß so, und nur zu bald trat die grau- fame Wirklichkeit an die Stelle menschlicher Plane. Das Glück des Lebensabends war bei all diesen oben genannten Menschen auf eine einzige Karte gesetzt, d.e
S$u stellen, damit die Brot- et ist- Die Kaksabgabe im Gaswerk muß sich auf kleine Mengen beschranksn, da ein gewisser Reservebestand für den Betrieb des Werkes unentbchrlich ist. Das Ausbleiben
Nach Schätzungen betrüg! die Zahl der 5 irrst enden in I Erost-Berliu 50 000, baranfct 4000 Lokomsftvfirhrer, I und im ganzen Reich 200000. In Hannover hat sich die Slreiklage verschärft. Autzrr den Lofomonv- i-hc-rn ftreiki vielfach auch b® gtsgbedtit- und Bshn- hofsprrfona!; es verkchren einige Suterzitzt. Die technische Nolhilfe arbeitet. 3m Direklionsbezirk Stettin I konnte der Brieb in dem vorgesehenen Umfcng auf- rschl erhalten werden. Di-? Slrmklotluns, d.e sich ans Bahnhof Reusielfin fcftsetzte^-vur^ du^ Poaze. bcssitich. In Hamburg sanden seitens ber Streikenden Demonstrationen statt, nm b« $«t- lafftmg der in Attona frstge^mmenen Streiki-itung zu erwirken. In Thüringen besserte sich die Stretficge weiter.
wtb Jranffurt, 3. Febr. (Tel.) lieber die Lage im Direktionsbezirk Ararrksuri wird gemÄ- : bet: Am Areitag sind 6 Guterznge unb 6S Perso- nenzüae gefahren worden, am Donnerstag 29 per-
I sonsnzüge. Sin regelmäßiger Verkehr mit 2 Zugpaaren wird onftechterhalten auf der Lahnbasin, der Betzdorfer Strecke, zwischen Detz- borf und Marburg. Gießen und hungem G'etzen unb Burg u. Biebergemunben, eollar-Gründerg, Trieberwalgern-Herborn, Dillenburg-Straßebers- bach. .
Slusscheiden dec Süddeutschen aus der Reichsgewerkschast.
Die süddeutschen Landesoertretongen der Reichsgewerkschast habe«i b« Aentrale in ^rhn mitgeieitt, daß die einzetnen Latstiergruppen msÄg-der Halluna d.-s Dorftandes aus der Relchsgerverkschast aus scheiden und den Weisungen des Hauptsor- standes nicht mehr Folge leiste«.
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der Postsachen zu bewerkstelligen.
Der Streik und seine Gründe sind ber Gegen« I stand der allgemeinen Diskussion. Auch in einer I öffentlichen Versammlung, die auf Samstag abend | in den Stadtsaal in Fulda eingerufen ist, soll von I den Streikenden Aufklärung über ihren Standpunkt I gegeben werden. Wir haben gestern schon in un« } serem Blatte eine Zuschrift der Reichsgewerkschast veröffentücht, worin die Gründe sür den Streik dar- | gelegt wurden. Wir glauben, daß Aufklärung die I fachliche Auseinandersetzung über diese Singe- I iegenheit nur fördern kann, fieber die Forderun- I gen und Wünsche der Eisenbahnbeamten läßt sich I reden. Allerdings ist das A r b e i t s z e i t g e s e tz, I dessen Bestimmungen als ein Streikgrund angeführt I werden, im Parlament überhaupt n o ch n i ch t I behandelt worden. Die Regierung hat den Entwurf eingebracht, als sie sich der Forderung auf Privatisierung der Eisenbahn gegenüber sah, von der die Industrie die Kredithilfe abhängig machte. Diese Kredithilfe aber war für die Regierung gegenüber der Entente unentbehrlich. Dw Schwierigkeiten, die unsere Regierung zurzeit außen- und innenpolitisch zu überwinden hat, werden durch tönende Worte nicht aus der Welt geschafft. Das muß sich jeder Deutsche vor Augen
| halten.
Ob gerechte B e so l dun g sf o rd e r un gen | der Streikenden nicht auch ohne den Streik nut allem Nachdruck hätten geltend gemacht werden können? Einer gerechten Forderung, im Plenum des Reichstages erhoben, würde sich gewiß das Parlament und die öffentliche Meinung nicht verschlossen haben. Wir wissen uns von aller Bor- siebe für die Höheren Gruppen der Eisenbahn- beamtenschaft frei. Männer, die uns nahestehen, gibt es in'diesen Beamtengruppen kaum. Dagegen wisien wir die schwere Berufsarbeit der Lokomonv- führet sehr zu würdigen und würden jederzeit für I die gerechte und ausreicheride Bezahlung gerade I dieser Beamtengruppe aus voller fieberzeugung I eintreten.
Gegen den Strei k aber als Mittel im Kampfe für die Wünsche einer Berufsgruppe muß sich das Urteil aller Baterlandsfreunde wenden, lieber das Recht einzelner Gruppen geht das Daseinsrecht des gesamten Boltes. Eine Handlung, dre das Volks- wohl bedroht, kann unter keinen Umstanden Bilk- g'Nig finden. An diesem Standpunkt müssen wir sestk^lten. Wir wissen wohl, daß bie gnmdsatz- licben Gegner der Fuldaer Zeitung, deren Gegnerschaft aus politischen und sonstigen Gründen herrührt, auch wegen dieser Stellungnahme gegen uns Stimmung machen. Wer auf dem Boden der Sachlichkeit bleibt, wird unsere Haltung bit- I ligen. ________ _ ______________
' Es ist nicht leicht, am Redaktionstisch in Fulda über die Situation des folgenschweren Kampfes, den die Regierung zurzeit für ihre Autorität mit den Eifenbahnbeamten führen muß, em ooßftanbi- ges, unbedingt zutreffendes Bild zu gewinnen. -Die telephonisch übermittelten Telegramme, die uns zahlreich vorliegen, geben doch nur sachliche und örtliche Ausschnitte aus der Gefamtsituation. Aus- oärüge Zeitungen treffen gar nicht ein. Uns stehen sonst täglich etliche 50 Zeitungen aller Richtungen zur Verfügung für die Gewinnung eines Urteils. Heute ist nur das kleine „Gersfelder Kreisblatt angekommen, mit der Meldung, daß die Rhonbahn mm auch den Betrieb eingestellt habe, weil sie doch nichts daran ändern könne. Also: Resignatton.
Die Gefahren des Streiks der Eisenbahner wer- den allmählich auch in der Praxis immer klarer. Namentlich konnte man erschrecken, als heute vor- mittag die Fenster wieder hoch hinauf gefroren waren. Mit steigendem Frost steigt der Brenn- stoffbedarf. Wo soll er Herkommen, wenn die Zuge nicht fahren. In Fulda ist es mit Not gelungen, den Bäckern für die Backöfen Brennstoff für etwa 8 Tage zur Verfügung zu stellen. Auch bie Knna F. C. Bellinger hat für diese Dersorgrmg zw« Waggon Koks zur Verfügung gestellt. Falls die Rot in der Versorgung der Bäckereien noch dringender wird, ist in Aussicht genommen, die städtischen Schulen zu schließen und deren Heizmaterial den SSäcTcm gut 23crfüf*-****’ fh^TTon hirmit ötc Brot*
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Die gesamte grbeiterschast gegen ber Verkehr .< .. <— .-i..,.<-5a ^rt
den Streik.
wtb Berlin. 3. Februar. Der Reichs- Kanzler empfing Festtag nachmittag die Spitzen- verbände der drei Gswerkfchaftsrichtungen der deutschen Arbeiterschaft und hatte eine eingehende Ausfprache mit ihnen iib:r die Streiklage. Aus Grund dieser Slusjprache cc> I ließen die drei Spitzenverbände einen Ausrus zur Beendigung des Streikes. Auschlietzend sand I eine Besprechung mit dem Vorstand des Allgemeinen deutschen Beamtenbundes statt. Dieser Verband gab durch seine Berufs- > Vertretungen dem Rrichskanzier die ausdriichliche I Erklärung ab, daß er den Streik ablehne ! und das Vorgehen der Reichsgewerkschast mißbillige.
Ein Ausruf.
Wtb Berlin, 3. Febr. Tie Gewerkschaften erlaßen einen Ausruf an bie Beamten, Arbeiter und Angestellten, in dem es u. a. heißt:
Unter allgemeiner Nichtachtung ber anerkannten ge= weikschastlichen Grundsätze hat die Reichsgewerkschast deutscher Eisenbahnbeamien und Anwärter durch die ] Aufforderung zum Streit den Eisenbahnverkehr, auch den für die Ernährung des Volkes notwendigen, lahmgelegt. Obwohl gerade die werktätige Bevölkerung unter den Folgen am schwersten zu leiden hat und die Besoldungsordnung der Beamten mit den zurzeit statt« findenden Derhandlmigen über die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten in Staatsbetriebn im engsten Zusammenhang sicht, hat es die Reichsgewerkschaft absichtlich unterlassen, dem Wunsche der übrigen Ge- werkschaften nach einem gemeinsamen Vorgehen nach, zukommen. Dieser Streik einer Beamtengruppe muß bei der jetzigen wirtschaftlichen Notlage die Lebensbr- dingungen aller Arbeitnehmer, besonders in den Groß- stüdten aufs verhängnisvollste gefährden. Geradezu k a« tastrophal aber wirkt dieser Streik bereits auf die Auß,enpolitik Deutschlands ein. Von der Reichsgewerkschaft wird daher erwartet, daß sie sich ihrer schweren Verantwortung bewußt wird und den Streik unverzüglich beendigt. Die für diesen besondern Streitfall der Reichsbeamisn erlassene Verordnung des Reichspräsidenten wird mit der Beendigung des Streiks gegenstandslos.
gur ZnrMmhme der Streifeparole.
wtb Berlin, 4. Febr. Die die Blätter über die gefirige Besprechung der drei gewerMafttichrn Spltzen- organifalionen und des Deutschen Beamlenbnndes mit der Regierung Mitteilen, Hai der Deotfche Be- amtenbunö die Verpflichtung übernommen, feinen ganzen Einfluß auszudielen, umdieReichsgewerk- -fcha ft zur Zurücknahme der Sireikparole