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Fuldaer Zeitung

Druck des Fuldaer Aetiesdrnckerei i« Fuldt

Stand von Ende November

WW.

sicht zu ersehen, die den 1921 veranschaulicht:

Weitaus am stärksten hat also irre Bergarbei!>erschaft in ein« Lohnminderung einwilligen müssen. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, daß zu Jahresbeginn dis englische Kohle — das wichtigste Äusfuhrprodukl! — im Preise weit über der amerikanischen Kohle stand.

o3i’K Gebieten und damit verbunden eine ständige Zu» nähme der Löhne infolge erhöhter Lebenshaltungs­kosten scch, schlug zum Jahreswechsel 1920=21 die Be­wegung um. Die Preise begannen allenthalben mehr oder minder stark zu fallen. Rohstoffe wie Lebensmittel mußten zum Anreiz der schwindenden Kauflust bedeu­tend im Preise herabgesetzt werten, dir während des Krieges zu schwindelnden Höhen empor gekletterten See» rachten folgten, die irmer mehr um sich greifende inter­nationale Wirtschaftsdepression zeigte sich am deutlich­sten in der Abwärtsbewegung der Preiskurve.

Entsprechend verbilligte sich die Lebenshaltung. Der Preisindex in England (die Preise beftimmder Roh­stoffe und Lebensmittel vom Juli 1914 — 103 gesetzt) fiel im Januar 1921 auf 99 im Dezrinber des genann­ten Jahres. Diese rückläufige Preisbewegung mußte auch di: Entwicklung der Arbeitslöhne einschneidend treffen, zumal der bei den meisten Fabrikaten die Löhne den Hauptteil der Produktionskosten ausmachen. Diese konnten unmöglich auf der bisherigen Höhe blei­ben oder gar weiter steigen, trenn der Preis für das Produkt herabgesetzt wertzen mußte, um überhaupt einen Absatz zu ermöglichen.

So ergab sich die Notwendigkeit eines allmählichen Abbaus der Löhne. Dieser Abbau vollzog sich teils in friedlichr Weife, teils aber versuchten di« Betroffenen z. B. die Bergleute, ihn durch Streiks Drfzuhalten. Da ein sehr großer Teil der englischen Arbeiterschaft nach der Methode der gleitenden Lohnskala entlohnt wird, so trat hier die Lohnkürzung rein auto­matisch mit dem Sinken der Indexziffer ein. Es han­delt sich bei der Verringerung der Lohnbeträge infolge verkürzter Löhne um gewaltige Summ'n. Kürzlich schätzte in einem englischen Blatt ein Gewerkschafts­führer, daß die insgesamt in England ausgezahlte Lohn­summe im Januar 1922 irr. rund 400 Millionen Pfund Sterling gering r fti als im gleichen Monat des Vor­jahres! Der Abbau betrug demnach wöchentlich etwa 8 Millionen Pfund und betraf über 7 Millionen Ar­beiter.

Wie sich im vinzÄnen der Abbau auf die wichtigsten Industriezweig« verteilte, ist aus der folgenden Ueber-

ver Lohnabbau in England.

Während das Jahr 1920 in England eine dauernde and fast ununterbrochene Steigerung der Preis« auf

Oesterreichs Valutanot.

Der Hilferuf, den die österreichische Regierung an die alliierten Mäckte gesandt hatte, scheint doch nicht ungehört geblieben zu sein. Der englische Premierminister bat schon mit dem Schatzkanzler darüber verhandelt, unter welchen Bedingungen England einen Kredit von 21/* Millionen Pfd. Sterling gewähren soll. „Evening Standart" ist der Meinung, daß die Anleihe zur Stabilisierung der österreichischen Währung und zur Finanzierung des Handels ausschließlich dienen werde.

In Frankreich scheint man ebenfalls erkannt yi haben, vaß ein längeres Aufschleben der Hilfs­leistung nicht mehr anginge. Der Präsident der Republik,Millerand, hat dem österreichischen Gesandten gelegentlich emes Empfanges erklärt, daß die Dring­lichkeit einer Hiljelerstung an Oestei reich unauf­schiebbar wäre, die nicht nur zur Sicherung Mittel» eu opaS, sondern auch im Interesse Frankreichs ge­boten wäre.

Die Notlage Oesterreichs hat wohl auch die Par­teien veranlaßt, unter allen Umständen den Bundes­kanzler Schob.r, der das Vertrauen weiter Entente- kreiie und auch Deutschlands besitzt, mit der Neubildung des Kabinetts zu beauftragen. Schober hat die Wahl angenommen. Um aber den Großdeutjchen eine Konzession zu machen, hat er darauf verzichtet, das Ministerium des Aeußeren wieder zu übernehmen unb hat den Ackerbanminister Kennet mit der Leitung desselben betraut.

M 25.

Mittwoch, 1. skcdkuar 1982.

die ihr in Europa wie in Südamerika die wichtigsten Absatzgebiete weazun'Heren drohte. Wollte England hier also wieder wettbewerbsfähig werden, so ging das nur auf dem Wege erheblichen Lohnabbaues, der c irren erheblichen Preisabbau ermöglicht«. An zweiter und dritter Stelle folgen dann in der gleichen Reihenfole.: ihrer Wichtigkeit für die englische Volkswirtschaft die Eisen- und Schiffsbau- sowie die Textilindustrie.

Vereins, wurde in hiesiger Diaspora-Gemeinde zu einem Missions-Sonntag gestaltet. Frühmorgens war gemein- same hl. Kommunion unter reger Beteiligung sämtlicher Vereine. Um %10 Uhr fand feierliches Lerntenami stach welches der hochw. Herr Pfarrer Spies mit Assistenz eines Herrn Franziskanerpaters vom Hulfersberg, mw eines Herrn Alumnus aus hiesiger Gemeinde gelehrter». In der Abendandacht wies Herr Pfarrer Spies in einer Ansprache an die Kinder auf das segensreiche -lLtrken des Kindheit-Jesu-Vereins hin. Eine feterluye Segens­andacht gab dem schön verlaufenen Missions-Sonntag einen würdigen Abschluß.

vermischtes.

* Banküberfall in Amerika. In eine Filial» der First Nanonalbauk in Pittsburg drangen am hellichten Tage fünf schwerbewaffnete Banditen ein. Sie stürzten sich auf den Kassierer und töteten ihn. Darauf zwangen sie die übrigen Bankange­stellten, die sich tn den Räumen befanden, gemeinsam mit einer Kundin in den Kellerraum hinabzusteigen. Dann raubien sie 30 000 Dollar in Weripapleren. Bevor die Polizei alamiert werden konnte, waren die Bankräuber im Automobil entflohen.

* Ungesetzliche Trauungen in Kanada. Es ha sich herausgfftLllt, daß in den letzten hundert Jahren Tau­sende von Heiraten ungesetzlich geschlossen worden siick. Ein im Jahre 1829 erlassenes Gesetz bestimmt, daß Hei- raten nur vor Geistlichen geschlossen werden Ion« nett, die britische Untertanen sind und dieses Gesetz ist heute noch in Kraft; vielfach haben l^od) Geistliche aus den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, die in der Provinz Aemter bekleiden, Trauungen vollzogen.

* $ir Ernest Shacklekon t- Der bekannte englische Sudpolforscher Sir Ernest Shackleton ist, wie setzt be» tonn!" wird, am 5. Januar an Bord seines Schiffes „Ouest" an Brustbräune gestorben. Shackleton ist also gewissermaßen in den Sielen gestorben: auf einer Forschungsreise in die südliche Polargegonden. Ob- wohl ihn der Tod in verhältnismäßig jungen wahren ereilte — er ist 48 Jahre alt geworden — war er für die Strapazen einer solchen Forschungsreise wohl nicht mehr widmstandsfähig genug. Schon früh hatte Shackleton sein« ganze Lebensarbeit dsrEntdeckung des Südpols gewidmet; als junger Marineteut- ncnt nahm er an der Expedition von Scotts 1901 bis 1904 teil. 1907 rüstete er eine eigen« Expedition aus, die ihm Wnltruhm einbrachte, bis auf 21 Meilen näherte er sich dem Ziel seiner Sehnsucht, dem Süd- pol, den er ganz nie erreichen sollte. 1914—1917 unternahm er eine neue Fahrt nach dem inzwischen!, von dem Norweger Amundserr 'entdeckten Südpol, aber ohne sein Ziel zu erreichen. Die Forschungsfahrt, auf der er jetzt gestorben ist, hatte gerade begonnen, Kom, Mandant Wild will sie weilerführen.

Neue Bücher.

p. Job. Baal Rainer O. F. M. Der heilig Franz Solan, Pairon der ,x-ranziskanermiffronen SerauSfle.leben von P. Thomas Koller 0. F. M. Vertag Herrn. Rauch«Wiesbaden. Oktav, 352 Seiten. Jllustr. Geb. 25 Mark. Man wird lange vergeblich suchen unter den Heiligenleben, bis ein ähnliches Buch uns begegnet wie das vorliegende. In wirklich meisterhafter Sprach, gewandtheit, boll echten deutschen Gemütes, das auch des sonnigen Humors nicht entbehrt, ist dieses Werl geschrieben; feffelnd durch alle Seiten, ob nun das schicksalreiche Leden des Heiligen vor uns lebendig wird oder der Verfasser selber zu uns redet.

Sott und die Seele. Gebete und Betrachtungen von Kardinal Newman. Mit einer Einleitung von Dr. M.Larps. Gebetbuchformat. 200 S. Geb. 12 Alk. Verlag Herm. Rauch. Wiesbaden. Man kann den katholischen Gebildeten unserer Tage nicht leicht einen prößeren Dienst erweisen, als wenn man sie mit dem grogen englischen Konvertiten und Kardinal bekannt macht. Bei ihm finden sie in all seiner Frömmigkeit das rechte Matz und den reichen Einschlag des Intellekt-, dessen Fehlen sie anderwärts immer wieder beklagen. Die Ueversetzung ist m. E. trefflich gelungen, sie liest sich wie ein deutsches Original. Auch mancher Priester wird sie gerne in dec Tasche tragen.

Die Melioration von vedland im Gebirge. Don K- Schneider-Kleeberg, Rittergutsbesitzer,Schloß Obbach in Untersranken. (Flugschriften der „Frankfurter Ztg. .) Frankfurt a. M., Frankfurter Soeietäts-Druckere» G. m. b. H., Abt. Buchverlag. Preis 4,40 Mk. (einschl. Sortimenterzuschlag). Die Flugschrift behandelt in leicht verständlicher Weise ein Problem von weittragendster Bedeutung. Deutschland hat noch so viel Oedland, wie

französischen Konsul an einem Asch zusammensaß, for­dert.: den Berichterstatter auf, sich zu erheben, was dieser ablehnte mit dem Hinweis darauf, das er im eigenen Vateäande tun könne, was er wolle. Der französische Beamte, darüber erbost, gab darmif tem Berichterstatter eine Ohrfeige. Das war der Be­ginn eines wüsten Skandals, bei dem der fran$o• sische Beamte verprügelt und zum Hole. hm- ausgewvrsen wurde. Sämtliche anderen anwesenden Franzosen ergriffen die Flucht und man rief ihnen nach: „Wir sind hier keine ftanzösische Kolonie, wir sind hier nicht m Madagaskar."

Natürlich dürfen wir daraus nicht schließen, daß, wenn das Volk eins feindselig« Stellung gegen Frank- reich einniurmt, dies auch die Regierung tue. Aber es zeigt doch immerhin, wie Frankreichs Ansehen in der Welt den Höhepunkt überschritten hat und, wenn auch allmählich, sich verringert. Die Stimmung Ser­biens gegen ein anderes Glied der Entente, gegen Italien, fft natürlich sowohl bei der Regierung als auch beim Volke dieselbe. Wirffchaftliche und nativ- nale Interessen der beiden Staaten stehen sich so stark einander gegenüber, daß man die Stimmung Serbiens gegen Italien als äußerst gespannt bezeichnen muß.

Der hl. Vater und die katholische Zchulorganisation.

Am 4. November richtete der Hl. Vater an den owiisenben der katholischen Schulorganisation, den »Lnfigenten Marx ein Schreiben, das bisher der ^Öffentlichkeit noch nicht bekannt ist. Es zeigt, welch TL L Bedeutung der Hl. Vater der katholischen esdiu-orgoniiation beilegte und wie sehr er ihre un» xrmübliche Arbeit schätzie. Tas Schreiben lautet;

(Beliebter Sohn! Unfern Gruß unb Apostolischen c.n«n zuvor! Durch Unseren geliebten Sohn Kardinal cJwüe, Erzbischof von Köln, wurde Uns berichtet, daß 577 zehn Jahren in Deuschland eine eigene Bereinigung

Nahrung der Rechte der katholischen Schulen ge. faatten wurde unter dem Namen: „Organisation der Woliken Detschlands zur Derteidigung (unb Förde- -„„a der christlichen Schule unb Erziehung".

Sie Schulanstalten sind — wer wüßte bas nicht! — aewissermassen die Werkstätten, in benen nicht nur der &,ift ber Kinder unterwiesen, sondern auch ihre Seele „»bittet werden soll nach jenen Bestimmungen und Grundsätzen, nach denen diese Schulen selbst geleitet merben. Darum liegt eine tiefe Wahrheit in der An- nahme, daß in den Uebungsftätten der Jugend die zu­künftigen Bürger jeder Art herangebildet werden, daß in diesen Anstalten die kommende menschliche Gesell- schäft grundgelegt wird, daß in ihnen das spätere Ge- schick der Völker ruht: Wohlergehen ober Niedergang, Reichtum oder Armut, Ruhe oder Unruhe. Im Hin- blick auf den großen Segen, der vom Heiligtum der Schule ausgeht auf die Einzelmenschen rote auf bie Familien, Völker unb Nationen, wenn ber rechte Geist in den Schulen herrscht und das Licht der christ- lichen Gebote in ihnen leuchtet, können wir Uns nur freuen über die Einrichtung, der Du, geliebter Sohn, feit ihrer Geburtsstunde verstehst. Unsere Freude stei­gerte sich noch, als Wir vor kurzem die hohe Zahl derer erfahren, die als Mitglieder und Mitkämpfer um bie Weiterentwicklung ber Organisation sich bemühen. Da nun ber zehnte Jahrestag ber Gründung dieser Der- einigung bevorsteht, ergreifen wir die Gelegenheit, um Unseren innigsten Glückwunsch auszusprechen Dir und allen andern, die an der Leitung unb am Ausbau dieser Einrichtung mit nermüdlichern Eifer arbeiten. Dabei geben Wir gerne dem Wunsche Ausdruck: Möge diese für unsere Zeit so überaus notwendige und nutzbrin­gende Organisation von Tag zu Tag stündig wachsen unb herrliche, reiche Früchte bringen. Dazu erflehen Wir bie Fülle himmlischer Gnaden, als den Ausdruck und auch als Beweis Unserer väterlichen Liebe Wir allen, die zu der Organisation in Beziehung stehen, in erster Linie, geliebter Sohn, Dir den Apostolischen Se­gen aus tiefstem Herzen erteilen.

Rom, bei St. Peter, am 4. November 1921, im achten Jahre Unseres Pontifikates. Benediktus P. P. XV.

Serbien und die Alliierten.

Allgemein Ist man der Ansicht, daß diejenigen Völ­ker, die sich unter den Auspizien Frankreichs zur klei­nen Entente in Mitteleuropa zusammengeschlossen haben, nun auch mit Frankreich durch dick und dünn gingen, rote man zu sagen pflegt. Einige Vorfälle in der letzten Zeit beweisen, daß das nicht der Fall ist.

So ist die Proger Press« über das Hochkommen Poincares gar nicht erbaut gewesen. Schlimmer ftegt es mit der Siiwrnvng Serbiens gegen Frankreich. So ist mit. der Prawo-Slawischen Silvesternacht — nach unserer Zeitrechnung am 13. Samar — zu «wem für die Franzosen sehr Unangenehmen Zwischenfall in Belgrad gekommen. Im Hotel Astoria wurde um Mitternacht die serbisch« Nationalhymne von der Musik gespielt. Auf Wunsch einiger Anwesenden wurde da­nach auch di: Marseillaise angestimmt. Doch die mei­sten anwesenden Serben weigerten sich, cmfzusichen, darunter auch der Berichterstatter einer Agramer Zei- tung. Ein französischer Geschäflsbeamter, der mft dem

ftas dem Nachdargebiet.

mc Frankfurt a. M. In den hiesigen Kirchen fanden am Montag vormittag Trauergoites- dienstefür den verstorbenen Papst Bene­dikt XV. statt. Der Gottesdienst im Dom gestaltete sich besonders feierlich. Hier waren die Vertreter der städtischen und staatsichen Behörden und die Konsulats- verireöer verschiedener Staaten wie Frankreich, Spanien, J'alien, Nordamerika usw. amvesmüd. Der Derem für Kirchen gesang brachte das Requiem von Cherubim zum Vortrag. Zum Schstrß läutete di« Kaiserglocke.

fpd Zrcmksurt o. M. Unter der Angab,:, Direktor einer ungarischen Bank zu sein, setzt sich der angebliche Donkdirektor Hugo Nona, der auch unter dem Namen Eugen von Stummer auftritt, mit kleinen Banken in Verbindung und veranlaßt deren Inhaber, gegen Aus­stellung ron Schecks auf die Commerz- und Privatbank in Frarckfute a. M. zur Hergabe von Darlehen. Sämt- licke Schecks haben natürlich keine Deckung. Das Scheckkonto ist bei der Bank unl>r dem Namen von Stummer errichtet worden. Des Gauners konnte man noch nicht habhaft werden.

fpb. Aschaffenburg. Auf dem Jögerbof wurden in einer der letzten Nächte durch Einbruch zahlreiche goldene und silberne Schmuck- uub Ge­bräu chSgeg en stände im Werte von 30 — 40 000 Mark gestohlen. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.

— Eisenach. Die katholischen Vereine Eisenachs ha­ben die Weihnachtszeit mit einer Reihe würdiger Ver­anstaltungen zu verschönern verstanden. Den Auftakt hierzu gab bas vom Statt). Männerverein am 6. Jan. aufgeführte Schauspiel Dr. Faust's „Judcch" nach dem bekannten Roman „Ben Hur". Die riesenhafte, hierzu ar.geroanbte Arbeit ließ den großen Erfolg bes Abends schon im Voraus erkennen. Die Spieler, der Wichtig- kett ihrer Aufgabe bewußt, verstanden es meisterhaft, sich den ihnen zugedachten Rollen anzupaffen, und die Zuschauer durch ihr begeisterndes Spiel zu fesieln. Der stilgerechte unb geschichtstreue Aufbau der Bühne brachte bem Stück bie gewünschte packende Wirkung. Am Sonn­tag, den 8. Januar 1922 fanden sich bie Mitglieder bes Männer-Bereins mit ihren Kleinen unb Kleinsten zu­sammen, um gemeinschaftlich die Feier bes Christbaums zu begehen. Neben ben immer üblichen kleinen Vor» trägen unb Bescherung ber Kleinen kamen zu Gehör „Transeamus", gesungen von einem gemischten Chor, mit Orchesterbegleitung, letzteres eine Neuerscheinung auf der kath. Vereinsbühne Eisenachs. Zum Schluß der Feier wurde noch ein Weihnachts-Melodrama von bem Männer- unb Kindsrchor vorgetragen, welches sehr beifällig ausgenommen würbe. Schließlich am 10. 3a- nuar 1922 hielt der Kath. Iün gl i n gsoeretn in ben sämtlichen Räumen seines Vereinsheimes eine sehr schön verlaufene Weihnachtsfeier ab. Nach bem Gin­gangslieb „Stille Nacht, Heilige Nacht" legte ber Vor- sitzenbe in Form einer Begrüßungsansprache bie Ent­stehungsgeschichte bieses stimmungsvollen Weihnachts- liebes in kurzen Zügen dar. Ein Quartett brachte hier- auf einige wohlgelungene Weihnachtslieber zum Vor- trag, worauf anschließend Herr canb. theol. Ebert, im Anblick des noch strahlenden Christbaumes die Deutung des Weihnachtsbaumes und seiner Gaben in wohlgefaß­ten Worten barlegte. Weitere Abwechslung in heiteretn Spiel, Gesang und Verlosung verschönten die 1. Weih­nachtsfeier des erst ein Jahr bestehenden Vereins. — Der 8. Januar, ber Jubiläumstag bes Kindheit-Jesu-

Judullrierweig

3aM d. belL Arbeiter

Wo». Lob»- kürrun»

Baugewerbe......

445 000

303 900

Berobau.......

J 291 000

2 500 000

Eisen» und Stahl-Induttrie

239 009

431700

Metall- und «chiffbauind.

1 359 000

652 200

Textilindustrie.....

1004 000

594 800

Konfektion......

222 000

44 500

Transport......

906 000

383 000

Chcm. Jnd, Sterne u. Erden

230 000

122 600

Ännette von Droste-hülshoff.

Von Wilh. Adalbert Poblech.

Am 10. Januar waren 125 Jahre verflossen, seit bie westfälische Dichterin im Jahr« 1797 auf bem Schloß Hülshoff, einer alten niederdeutschen Wasserburg im mim« sterfchen Dieflande, geboren wurde. Der Sproß eines uralten Adelsgeschlechts, Cousine des berühmten Kölner Erzb-ffchofs Klemens Dwste-Mfcherrng, ist f« mit jeder Faser ihres Seins mit dem Boden, den» Volkstum, der Natur des Landes verwachsen, aus dem sie hervorge- gemgen, fft sie bie tiefste und wahrste Verkörperung west­fälischer Eigenart in der deutschen Literatur geworden, von einer Eigenart, die unter den deutschen Dichtern ein­zig fft, fremd und kaum gewürdigt in ihrer Zeit, doch uns vertraut und wesensnah geworden. Was die Dich­terin ernst sich gewünscht: nach 50 Jahren möchte ich Spesen werden, das fft überraschend in Erfüllung ge­gangen; heute schätzt das deutsche Volk fi« als die größte deutsche Dichterin, dem katholischen Volksteil natürlich besonders lieb und vertraut als die tiefgläubige uner­schütterlich trotz aller inneren Kämpfe im Glauben bet katholischen Väter verwurzelte große Realistin.

Ihr Leden fft denkbar einfach und schlicht dahinge- gangen. Das von ber Geburt cm schwächliche Mädchen erhwlt eine gründliche, ja gelehrte Bildung, wie sie da­mals nur selten dvm weiblichen Gesiecht zuteil ward. Sie nahm teil am Gymnasialunterricht ihrer Stüber; ein lebhaftes Interesse füllte sie später ber Mineralogie zu, unb auf diesem Gebete blieb sie zeitlebens eine Keine Autorität. Nichts konnte dem zarten Welfräuiem eine fo reine Freude bereiten rote ein seltenes Mineral, fei es als Geschenk ober eigener Fund. Doch ward sie nicht zum emanzipierten Bl<rustu.tmpf-, fi« t«!teb die etwas herbe, verschlossene, doch tief und gemütvoll veranlagte echt weibliche Natur, bte sich in manchen ihrer besten Gedichte: Die beschränkte grau, Brief aus ber Heimat u. a. schön offenbart. Sange, einsam« Jahre gingen ihr dann später auf dem Witwenfitz ihrer Mutter, Rüsch- h a u s bei Münster, dahin in innigem Zusammenüeben mit der heimatlichen Natur. Zuletzt, fest 1841, wurde $br am Bodensee bas Schloß ihres Schwagers, des Freiherr» von Lahberg, eine neue Heimat. Hier ward ihr bas große innere Erlebnis, das ihre Dichterkrast erst voll zur Entfaltung brachte: bte enge, verftünüsüsvolle

Freundschaft des 45jährigen Fräuleins, in dessen Leben bis dahin die Liede noch nicht getreten, zu bem jungen Landsmann Levin Schücking, der längere Zett auf dem Schloß ihres Schwagers weilte, dessen Bib­liothek er katalogisierte. Diese Zeit wurde zu ihrem Dich- terfrühlmg, ihrer reifen SHaffsnsperwde: bte schamhaft verborgene, kaum angebeutete Liebe zu dem „grvhrn Jungen", die sich nach außen in müttevlich-sovgendes Wohlwollen kleidete, babei aber doch tiefe geistige Be­einflussung durch den an sich viel weniger bedeutenden Schücking oermitteße, ließ ihr die besten Gedichte ersprie- ßen, die sie mit einer scheinbaren Leichtigkeit bes <Ä>as- frns hinausschlouderte, in Wirklichkeit aber schwerem Lei­den, nervösem Kopfweh Ob gerungen. Ihre herbe, ht sich gefestigte, religiös stark verwurzelte Natur von ftoft männlicher Selbständigkeit ließ es übrigens natürlich nicht zu einem Sapphoschtcksal kommen, als Schücking sich nach einigen Jahren vermählte. Annettes Zusammen­treffen mit ihm bedeutete für ihr Dichterleben bis not­wendige Auslösung ihres dichterischen Schaffens, und daß Schücking auf diese Weise feinen Anteil hat an dem Rrchm 'iter Dichterin, das sichert ihm einen bleib enden Namen in der Geschichte deutscher Dichtung, nicht seine eigenen, vergessenen Romane jungdeutscher Füvstang.

Die Gestatt der Droste und ihre Dichtung scheinen in ihre Zett garnicht hinMzupassen. Alleine, fernab dem. geschäftigen Getriebe der iuntzderrt scheu Dageslile raten wurde sie in ber Stille des abgeschlossenen Daseins im Schoße ber FamWe zu Deutschlands größter Dichterin, denen Kraftquellen zwei sind: bie tiesge- wurzelte, uralt üderNeferie katholisch« Glaubens- Überzeugung und das tiefe Derstänbnis für die Natur und ihr Leben. Was manche modern« Ma­ler scheinbar ecft neu entdeckt haben, die scharfe, rea­listische Naturbeobachtung und fast impressionistifche Dar- stellung des Geschauten, bas finden wir schon bei ihr. Ihre Naturlyrik, wohl bas beste was sie geschaffen, fft nicht rmmmtisch und füß bezaubernd wie etwa bet Echendorfs, Storm, Mörike; sie fft voll eigentümlich herbem Sttmmungsgehalt; Heide und Moor mit ihrem besonderen Leben erwachen in ihren halb epischen Ge­dichten mit männlicher Kraft, in manchmal auch harter Form, bie aber nie geschaffen und althergebracht ist. Ihre Verse fließen nicht süß und weich dahin, haben nicht ben wundervollen Rhychmus Goethe'scher Verse, die leichte Smgbarkett Eichenbotff'fcher Lyrik; aber sie sind wie erdgewachfen und t»-zen den träft igen Sobengerurg

heimischer, westfälischer Scholle mtt sich. Ihre Sprache ist bildhaft, oft knorrig und nutzt häufig den unerfchöpften Schatz uuvetschliffener mundartlicher Ausdrücke. Einige ihrer Gedichte, wie „Der Heidemann", „Der Knabe im Moor", „Das Hivtenfeuer" sind unübertroffene Deutungen einer Landschaftsseele; welche Straft des Aus­druckes, welche SWhnhett der Bilder lebt z. B. in den Stücken „Die Lerchs", „Die vier Elemente", „Die Mer- gclgrube", „Die Krähen". Prächtige Sachen sind unter ihren Balladen, die gedrungen und knapp, mitunter zu knapp, lebhaft bewegte Handlung darftellen, rote „Der (Beierpfiff", „Kurt von Spiegel" u. a. Eins ihrer schön­sten Gedichte fft „Die Woche des alten Pfarrers", das m sieben Stücken dos mühsÄig-reiche Leben eines west- Mschen Landpfarrers alter Zeit erstehen läßt. Aehnlich wie ihre Balladen sind auch dl« größeren epischen Dich­tungen kraftvoll und wuchtig: „Die Schlacht tm Lorner Bruch", „Der Spiritus famifiarts (Hausgeist) des Roß­täuschers". Aber auch ganz zart« Stimmungen weiß sie zu fassen und zu gestalten, rote m ben schönen Gedichten „Der sterbende Generäl", „Die junge Mutter" und in ben köstlich-schalkhaften Versen „Junge Liebe" und „Das 14-jährige Herz". Am bekanntesten geworden sind die Gedichte ihres „Geistlichen Jahrs", bte oft Zeug­nisse eines tiefen, auch kämpfe- unb stürmereichen reli­giösen Lebens sind. Auch ein Meisterstück novellistischer Prosa hat sie uns geschentt: „Die Jude »buche", bte in der objektiven Knappheit, bem dramatischen Aufbau, bar unübertroffen echten, realistischen Schttbevung der Umwelt, der Verwertung spannender Stimmungsmomente und der saftigen, schlichten Sprache zum Besten to deut­scher Sprache gehört.

Einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Dichterin geben uns die Briese, die zum großen Teil, »eben den Gedichten und ihrer Prosa, abgebruckt sind in bem Band „Die Droste" aus der Sammlung von Langewiesche. Eine schr gute Auswahl ihrer Gedichte hat auch jüngst der Dolksoereinsveriag herausgegeben. Und nicht besser könnten wir bie große Dichterin, die am 24. Mai 1848 erst 51-jährig bereits starb, ehren, als wenn mir ihr Ver­mächtnis, tzr Lebenswerk zum geistigen Eigentum, zum Vollbesitz unseres Volkes machen. Ihre Gedichte sollten vor allem in keinem kctthokfchen Hause fehlen, und überall gelesen werden, denn sie Hot gerade uns Modernen noch recht viel $u sagen.

aus Welt und Wissen.

— Aus der Tätigkeit eines deutschen Äolonistea- seelforgcrs. In einem Brief an den Direktor des Franziskanerkollegs der deutschen Siedlung Blumenau in Brasilien schreibt der Kolonistenscelsorger Pater Leonard Stock über seine Tätigkeit folgen»« Zet- len: „Meine Reisen hier im Walde sind nach einem gewissen Plane festgelegt. Meine Vorgänger haben in Abständen von 20 bis 30 Kilometern bei bestimmten Familien einen Sammelpunkt gebildet, wo am fest­gesetzten Tage der Pater ankommen muß, da di« Leute der Umgebung ihn dann dort erwarten. Ich fugte es gewöhnlich so ein, daß ich gegen 5 bis 6 Uhr nach­mittags an meinem Bestimmungsort« eint reffe. Nach­dem ich die Leute begrüßt, für die Tiere gesorgt und mich selbst gestärkt habe, versammle ich die Jugend zum Unterricht, dem indes auch die Erwachsenen beiwohnen; darauf wird eine Andacht gehalten. Nach Schluß höre ich Beicht, was sich gewöhnlich bis gegen Mitter­nacht hmzvcht. Mein Nachtlager ist recht oinfach, näm» sich mein Reitzeug. Der Sattel dient mir als Kopfkis. fen, die Pferdedecke und mein Mantel als Decke. Auf -diefem Lager schlafe ich rote ein Prinz, lieber Hitzs brauche ich hier nicht zu klagen, um so mehr habe ich seinerzeit bis Mitte Dezember gefroren, zumal in den Brasilianerhütten der kalte Nachtwind freier Durchzug hat. Mein kleiner Küster rollt sich in seinen Mantel fo ein, daß er mit einem Rollmops die größte Aehnlich- keit hat. Nachdem ich de« morgens die Betrachtung ^»haften, das Brevier aebetet und die zurückgebliebenen Deichten gehört, hat sich das Volk allmählich zur hl. Mesie versammelt. Während dieser wie auch bei der Abendandacht holte ich eine katechetische Predigt, ©egen, 10 oder 11 Uhr ist gewöhnlich die hl. Messe aus; wenn aber vorher noch einige Trauungen zu schließen sind, kann es auch Mittag werden, bevor ich einige Bissnr genieße. Gegen 2 Uhr bin ich mit Unterricht und Tau- ftn fertig; barm reite ich weiter bis zur nächsten Station.' So geht es Tag für Tag, mag es regnen oder Sonnen» frfrin fein. An einzelnen Orten, wo die Bewohnerzahl größer ist, habe ich einen Ruhetag; besonders an dm Kapellen halte ich mich 2 bis 3 Tage auf. Fasten muß ich schon, doch verhungem braucht man nicht, da der Brasilianer gern mitteilt, was er besitzt. Meine hauptsächlichste Nahrung bilden Milch und schwarz« Dohnen; dazu kommt ter Mais, in den verschiedensten gprmfli zubereitet . . , R. S.-V.