W
I
MV
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.
T t <1»T A II HW * 1^« Ct ß M a. — — —
fir. 21
Zreitaz, 27. Januar 1922
49. Zahrg.
Bezugspreis: Monatlich 6,00 IRL zugestellt frei ins Haus. z Abgeholl in der Geschäftsstelle 5,50 IRL s Anzeigen: Kleinzeile nach Toronel 1 Mk.; auswärts 1.50M. ’ftetiame$eiie fiep breite) nach Colone maß 4 2f?nrt.
Verantwortlich für Den reoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, u Mr die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. ^ernchrecher Nr. S. Telegr.-Adresie: Fu Idaer Zeitung.
As StemioMMiß in zMsta 6titnte
Eine Verständigung wahrscheinlich.
Am Freitag, dem 27. Januar, ein früher als Kai- fersgeburtstag bemerkenswertLs Datum, laust die Frist ab, bis zu der ^rvir dem Reparationsausschuß der En- tmte unseren Frnanzplan vorlegen müssen. Und in wemgen Wachen soll die hochwichtige Konferenz von Genua tagen. L,a kann man sich die Loge ausmolen, m die Deutschland wieder einmal gekommen wäre» wenn dre Pottaren über diesen Steuerplan keine Derständi- gung herbeigefuhrt hätten, wenn es zu (irrer Kabmetts- giiiommcn wäre, die uns führerlos gemacht hätte ,ilSt.®’®**„neucr Mchr und schwerer Bedrängnis. Deinschiand stände da in der Enthüllung seiner Ohn- macht, in fernes Nichts temhbchrenten Gefühle. Allo Hoffnungen auf Moratorium, Kredithilfe, Revision der C-samen Diktate usw. würden zerknickt sein. Deutsch.
wurde zurückgeworfen werden in das alte graue Ctvnb. aus km wir uns mühselig im letzbm Jahre etwas emporgearbeitet hatten. Poincare würde trium- chierLN' und sein Marschall Fach bekäme neue Arbeit m der Ruhr und wer weiß wo noch sonst. Und altes nur deshalb, weil das Volk der Dichter und Dinker in Ev|E ^amk und Streit verharrt. Worüber? Nicht etwa um das Prinzip der Besitzsteuer, das alle aner- kemien, sondern nur um etwas mchr oder weniger in cer Abmessung.
scheint das persönliche Eingreifen des Ureichskanzrers das Schlimmst» verhütet zu haben Di der interfraktionellen Besprechung im Reichstag Uder das Stcuerkompromiß wurde Mittwoch nachmittag die (SruMage zur Einigung gefundM. Die Zwangs- a n le j he soll bis Zu einer Milliarde Go l d- m a r k gehen, und niedrig verzinslich sein und bis zum l. Juli durchgefuhrt sein. Das -zweite Drittel des Kerchsnotvpfers soll die erste Anzchlimg auf die An- jeuje bilden. In der Reichstagssitzung am Donnerstag M von ver Regierung ein entsprechendes Gefttz an«, werden. Man glaubt, daß auch die sozialdrmo- mürsche Fraktion und die Fraktion der Deutschen Volkspartei dem Kompromiß Zustimmm werden.
„ Urber das Starerkompromch wird werter gcmsltet, baß die ZwMSge zur Bwmögenssteuer aus 200 statt 300 Prozent festgesetzt werden sollen. Di« Nachkuren- pcmtienitoacr sott fortsallen, llekor die Wertermitllung landwirrschaftlicher Grundstücke nach dem Ertragswert foii im Plenum entschieden werden. Ferner sollen fön* iiche Steueryesetze mit ihren Tarifen dochingshond nack. jppruft werten. ob die Steuersätze dem heutigen Geld- vert noch entsprechen.
liche (gegenüber der von bürgerlicher Seite gewünschten gering verzinslichen) Zwangsanleihe wünschen. Ganz entschieden habe sich die Fraktion gegen eine augenblickliche Verbreiterung der Koalition nach rechts aus» gesprochen.
Die Stellungnahme der Unabhängigen zum Skeuerkompromiß.
lieber den Verlauf der Besprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern der unabhängigen Fraktion veröffentlicht die Zentralleitung der U. S. P. D. in der „Freiheit" eine längere Erklärung, in der mitgsteilt wird, daß der Steuerkompromißvorschlag der bürgerlichen Parteien von den Unabhängigen einstimmig abgelehnr worden ist. Bei dieser Stellungnahme war für die Fraktion entscheidend, daß die Zwangsanleihe in keiner Weise geeignet sei, eine Sicherung der Reichsfinanzen und damit einen Stillstand der Notenpresse mit ihrer preissteigenden Wirkung herbeizuführen. Diese Zwangsanleihe würde nicht ausreichen, die Reparationsverpflichtungen zu decken und somit den inneren Etat weiter belasten. Abgesehen von den schweren Mängeln des Kompromisses könne die Zwangsanleihe nur eine gewisse Entspannung der Valutaschwierigkeiten im.Augenblick bringen. Eine Steuerreform, die geeignet sei, die Verschuldung des Reiches zu beseitigen, erscheine der U. S. P. D- nach wie vor nur durch folgende Maßnahmen möglich, die außer den von der Regierung vorgeschlagenen Besitzsteuern notwendig feien: 1. sofortige Erfassung ter Goldwerte, 2. sofortige Erhebung des Restes des Reichsnotopfers, 3. sofortige Erhöhung der Ausfuhrabgabe und 4. schärfste Erfassung der Auslandsdevisen.
M SSW K 8k WWtiMlMMssM.
Wie die Blätter melden, soll die Antwort der deutschen Regierung an die Reparationskommission soweit fertiggestellt sein, daß nur noch die Punkte ergänzt zu werden brauchen, deren endgültige Formulierung vor dem Zustandekommen des Steuerkompromlsses nicht möglich war.
Wie der „Lokalanz." hört, soll die Antwort an die Revarationskommifsion bereits im Laufe des Donnerstag der Kriegslastenkommifsion übermittelt werden.
GrstzlNustmtm ZePemüM.
131
Die letzte Klippe.
y„s^ie größte Differenz, so schreibt die „Deutsche -ötg. , tee die abermalige interfraktionelle ä^prechung nocy zu klaren hat, ist ein ausdrück- lches Garantieverlangen der Deut- gatU x- fcic persönliche und fach- liche Gewahr dafür wünscht, daß vor allen Din- gen unter der bestimmten Voraussetzung einer cheumgen Sanierung des Etats der Eisenbahn und Po st Verwaltung das Ertragnis der Zwangsanleihe nur für Repara- finb55töetfe "klangt wird, soweit sie notwendig
lieber die Mittwoch abend beendete Frak- twnsfitzung der Mehrhsitsfozialdemokraten berichtet die „Deutsche Allg. Zig.Z daß die Mehrheit-- sozialisten eine für mehrere Jahre unverzins-
„Man braucht deswegen noch an nichts Schlimme, zu denken!" meinte der Kommissar begütigend. „Der Herr Sensal ist eben sehr genau und gewissenhaft. Ich werde später wieder nachsehen. Ich will inzwischen einmal nach der Wohnung des Verlebten gehen und mich dort ein wenig umschauen!"
„Nun haben wir die Bescherung!" sagte Selster- mann, als er gegangen war. „Jetzt ist die Polizei ^in- mal im Hause und man bringt sie jo leicht nicht wieder fort."
„Das muß eben ausgehalten werden!" meinte Dr. Weih. „Besser gleich eine gründliche Untersuchung als himerher irgend eine Unklarheit!"
Selstermann zuckte die Achseln und stand unschlüssig mitten im Zimmer still.
„Dao ist ja richtig! sagte der Buchhalter halb zu ihm, halb zu feinen Kollegen. „Aber lieber wäre es uns allen sicher gewesen, es hätte nicht erst Zweifel und Anstände gegeben: so was geht einem schwer auf die Heroen. Wenn Müller nur nicht zu einem solchen Schritt gekommen wäre, ich bin überzeugt, ein Wort von ihm und alles wäre aufgeklärt. Jetzt geht der Kommissar jedenfalls hin und hält auch noch Haussuchung bei ihm. In einem Sterbehause, wo das arme Mädchen allein ist!"
Man ging wortlos und verstimmt auseinander.
„Mir tut der Chef leid!" sagte der Buchhalter brau- ßen zu seinen Kollegen. „Es geht ihm nahe. Und ich muh lagen, mir selber ist alle Arbeitsfreude verleidet. Es ist, wie wenn cm Gespenst umginge. Aber eher lasse ich mich aufhängen, ehe ich von unserm Müller das geringste Unrecht glaube. Jedenfalls, meine Herren, reinen Mund gehalten und nichts aus dem Hau, getragen! Wenn der Klatsch einmal los ist, dämmt ihn kein Mensch mehr ein.- Wir werden ja hoffentlich bis zum Abend wissen, wo wir daran sind!"
Die andern gaben ihm recht und gingen an ihre 21 r- beit. Aber es fehlte der sonstige Eifer und die gewohm- Nuhe. Immer wieder horchte man nach den Türen hin, °b nicht der Sensal erscheinen und bekunden wollte, daß sich alles geklärt habe und die Sache in voller Ordnung fei.
Aber der Sachverständige kam nicht heraus — und «ls die Herren nach der Mittagspause an ihre Arbeit »urückkehrten, erfuhr man von dem Bürodiener, daß der
Amerika und Genua.
Nach dem „Temps" hat die interamerikanische Oberkommission unter dem Vorsitz des Handeissekretärs Hoover einen Bericht angenommen, in dem die Abänderung der Reva rations- jjahlungen Deutschlands gefordert wird, in'dem Sinne, daß sie der wirklichen Zahlungsfähigkeit des deutschen Volkes angepaßt werden. Ferner wird eine Herabsetzung d-erStreitkräfte der europäischen Völker verlangt. Har- din.g und seine Minister sollen, nach dem „Temps", entschlossen fein, nicht an der Konferenz von Genna teilAunehmen, solange sich Sowsetrußland nicht des größten Teiles feiner Armee entledige und Frankreich nicht fein Heer vermindere und fein Budget ins Gleichgewicht bringe.
Bücherrevisor noch da sei, daß er das Haus und das Kaffenzlmmer nicht verlassen habe und daß man ihm einen kleinen Imbiß dorthin habe bringen müssen. Der Kommissar war bei chm gewesen und hatte eine lange Unterredung mit ihm gehabt, nachdem er geraume Zeit bei Herrn Selstermann im Kontor sich aufgehalten habe.
„Es ist hitzig hergegangen!" sagte der Bürodiener geheimnisvoll „Unser Herr hat ein paar mal gewettert, wie ich ihn noch nie gehört habe. Er hat den Schnüst- lern seine Meinung gehörig gesagt, so viel ich an seinem Ton gemerkt habe. Denn gehorcht habe ich natür- Uch nicht. Man wußte auch nicht, wie einer plötzlich herausgerumpelt kommen konnte. Jetzt sind noch drei oder vier drinnen und stülpen das Unterst Zu oberst. Sie suchen jedes Papierschnipsel dmch und schleppen ganze Pakete von Rechnungen und Belegen versiegelt hinweg. Meine Herren, da ist etwas nicht in Ordnung!"
Die Beamten hörten diese Mitteilungen mit Kopf- schütteln und Unruhe an.
„Ich trau' mich gar nicht daran zu denken", sagte der Buchhalter, „daß wirklich was nicht in Ordnung gewesen sein sollte. Mit klaren Sinnen hat Müller fick— nichts gemocht. Wenn sie was finden, dann ist er ein- fach nicht mehr bei Trost gewesen!"
„Das war er auch nicht mehr!" flüsterte der Büro- diener eifrig. „Man will doch auch nicht alles sogen, was man so beobachtet. Man will doch einen solchen Herrn nicht blamieren. Aber dutzcndmal, wenn ich in den letzten Monaten zufällig hineinkam und die Flasche mit frischem Wasser brachte, saß er da, den Kopf auf- gestützt, redete vor sich hin oder gestikulierte mit den Händen" . . .
„Ich habe nie was bemerkt!" sagte der Buchhalter, und die andern bestätigten das gleiche.
„Sa, so war er nicht, daß er sich was merken ließ!" lächelte der Bürodiener. „Wenn er mich sah oder hörte, tat cr’5 auch vor mir nicht. Aber oft hat er mich eben nimmer gesehen oder gehört vor lauter Stuüiererei!"
Als es zu dämmern begann, kam der alte Johann, Selstermanns Diener, durch die Büroräume und fragte, ob sein Herr noch im Kontor fei. Man bestätigte ihm dies.
Der Kaufmann saß denn auch seit dem frühen Mit- tag in seinem Arbeitszimmer und batte niemand ,mo- fengen uni niemand vorgelassen.
Ein neuer deutsch-amerikanischer Vertrag.
In einer Konferenz im Weißen Hause ist beschlossen worden, demnächst über einen neuen deutsch-amerikanischen Vertrag zu verhandeln, der die Bildung eines Schiedsgerichtsausschusfes zur Regelung privater Entschädigungs- forderungen aus dem Kriege oorsieht.
Zum Tode des Papstes.
Die Leiche des Papstes war am Mittwoch noch in der Sakramcntskapelle ausgestellt. Abends sollte sie in die definitive Gruft übergeführt werden, die in der Unterkirche des St. Pcterdoms, den sogenannten Grotten, unmittelbar neben der zum Katholizismus übergetretenen Schwedenkönigin Christine, der Tochter Gustav Adolfs, gelegen ist. Trotz des regnerischen Wetters strömte auch am Mittwoch eine ungeheuere Menschenmenge nach dem Petersdom.
Im Vatikan arbeitet man eifrig an ber Vorbereitung des Konklave. In der Höhe der dritten Loggia wurde eine Glocke angebracht, um die verschiedenen Zeremonien des Konklave anzukündigen. Auch in der Sixtinischen Kapelle, wo die Stimmenabgabe stattfindet, haben die Arbeiten begonnen. Der Fußboden ist mittelst eines Holzbelages, der die Stufen vor dem Altar verdeckt, ausgeglichen worden, sodaß die Kapelle in einen riesigen Raum umgewandelt worden ist.
Kardinal Schulte, der Erzbischof von Köln, ist am Mittwoch zur Teilnahme am Konklave bezw. der Papftwahl abgereist. Fast das gesamte Domkapitel iotoie Hauptredalteur Dr. Hoeber von der K. V. hatten sich zur Verabschiedung auf dem Bahnsteig eingesiinden. Der Klerus und die gesamte Erzdiözese begleiten den Oberhirten mit den besten Wünschen für seine große Reise und mit innigen Gebeten für eine glückliche Papstwahl.
Die der Papst gewählt wird.
Sobald ein Papst die Augen schließt Md der Tod bestätigt ist. treten die in Rom anwesenden Kardinale zu einer Sitzung zusammen, denn spätestens am zwölften Tage nach dem Tode des Papstes hat die Wahl des neuen Papstes stattzufirrben. Es braucht auf feinen von Rom abwesenden Kardinal gewartet zu werten. Zunächst wertem in der Sitzung der Kardinale die auf die Wahl bezüglichen Gesetze verlosen und beschworen uitb einige Kardinale zur Herrichtung des „Konklqsve", d. h. eines allseitig abgeschlossenen, jeden Verkehr nach außen unmöglich machenden Ortes, in welchem die Wahl des neuen Pa pst cs durch die Kardinale stattfiuden soll, bestimmt.
Als Ott des Konklave wird gewöhnlich der Vatikan gewählt. Hier herrscht nun während ter nächsten Tage reges Leben, temt Hunderte von Arbeitern sind Tag und Nacht beschäftigt. Alle Türen, welche mifc den Rau- men des Konklave in Verbindung stehen, werten mit Ausnahme einer einzigen zu gemauert. Am 6. Tage soll das StWIave fertiggestellt sein. Am 11. Tage nach dem Tode des Papstes ziehen die Kardinale dort ein. St ter Kardinal erhäst zwei aus Brettern hergerichtete, durch das Los bestimmte nummerierte, anemanter» stoßende Zellen, die eine für sich, di» andere für feinen Bedienten. Zugleich mit den Kardinalen betreten das Konkla»: auch die f »genannten Ko Maoisten, welche aus Bedienten, Sakristanen, Beichtväter. Aerzten, Aufwärtern. Sekretären usw. bestehen. Im .Konklave selbst werden nochmals die Seftimnumgen über die Papstwahl verlesen und teschwovm. Nur eine Tür bleibt
Er hatte aber auch nichts gearbeitet. Er war die ganze Zeit müßig gesessen und lauschte nach dem Ne- benzimmer hin, aus dem jedoch kein anderer Ton drang als hin und wieder das mürrische Räuspern des Sachverständigen, der dort über den Büchern brütete. Er war nicht einmal herausgekommen, und Selstermann, der so und so oft den Ansatz gemacht hatte, zu ihm hineinzugehen, war immer wieder auf halbem Wege umgekehrt und hatte davon abgestanden. Ein unheim- liches Grauen hielt ihn zurück, das Zimmer zu betre- ten, in dem der drinnen über den Toten $u Gericht saß.
Und nur über den Toten?!
Der Abend hatte sich früh auf die enge Seitenstraße gesenkt, nach der das Privatkontor hinaussah. Aber nicht wie sonst waren die Lichter dort aufgeflammt und hatten trauliches Behagen in dem Zimmer verbreitet. Die Schatten lagerten sich immer schwerer über die dunklen Ledermöbel und lauerten und lauschten in allen Ecken und Winkeln nach dem unruhigen und doch unbeweg- lichen Manne hin, der dort in feinem Stuhle saß und selber nur Auge und Ohr für das Nebenzimmer zu haben schien, aus dem doch keine Kunde zu ihm drang.
Dann batte es leise geklopft und fast unhörbar hotte sich die Tür von den andern Geschäftszimmern herein ' geöffnet.
’ Erst, als der Schritt des Eingetretenen ganz nahe bei Selstermann war, fuhr dieser auf.
„Müller!" schrie er halblaut mit heiserer Stimme und starrte entsetzt die Gestalt an, die in der Dämmerung stand.
„Ich bins!" sagte der alte Diener müde. „Ich weiß, daß ich Müllern ähnlich sehe, besonders im Finstern. Aber der kommt nicht mchr, Herr Selstermann! Und ich gehe ja auch!"
„Ach, Sie sinds, Johann!" sagte der Kaufmann etwas verlegen. „Ich war in anderen Gedanken und habe gar nicht daran gedacht, daß Müller nicht mehr lebt! Was wollen Sie denn?!"
„Gehen möcht' ich, Herrr Selstermann!" sagte der Diener.
„Was heißt dos?" fragte dieser. „Wohin wollen Sie gehen? Was stören Sie mich deswegen?!"
„Gehen möcht' ich, Herr Selstermann!" sagte der antwortete der Alte.
tFottsebung folgt.)
für die später noch von auswärts emtreffenten Kardinale offen, wird jedoch strenge von Prälaten und Sol»' ito*en bewacht. Jeder schriftliche oder mündliche Verkehr mit ter Außenwelt ist verboten. i
Nachdem einmal die Kardinale in das Konklave ein« gezogen sind, sollen sie es nicht mehr verlassen, sie dürfen noch Besuche annehmen, es haben aber, nachdem gegen Abend dreimal von Stunde zu Stunde mit einer Glocke das Zeichen gegeben ist, alle, die nicht zum Konklave gehören, dasselbe zu verlassen. Es wird dann doscite von innen nach außen verschlossen und die Schlüssel werten dem Kardinal-Camerlengo und einem Zeremonienmeister und ten von außen das Konklave bewachenden Prälaten übergeben. Hierauf zündet man Fackeln an, es wird nochmals das ganze Konklave durchsucht, ob sich nicht jemand unbefugter Weise darin befinde, imä dann ein Protokoll darüber aufgesetzt.
Es muß nach Philipps „Kirchenrecht" Sorge getragen werten, daß niemand in der Nähe des Konklaves wohnt, und zweimal om Tage wird visitiert, damit niemand Löcher in die Wand bricht. Verlust jeder Dignität, des Amtes und Vmefiziums nebst Ueberliefe- rung an ten weltlichen Arm sind als Strafe auf heim»; liches Eindringen in das Konklave gefetzt und fofor*-’ eintrttenÄe Exkommunikation auf Sendung von Noch»' richten und Briefen. Auch die Speisen, die den Kon- klavisten gebracht wertem, sinA <zu untersuchen, job ihnen nicht Briefe beigeüeg* sind. In der Regel soll auch niemand aus dem Konllave her ausgelassen werden: eine Ausnahme begründen natürlich die konstatierten Krankheitsfälle. Ein aus diesem Grunde ausgetretener Kardinal kann in das Konklave zurückkehren, ein Konklamst hingegen nicht. Will ein Kardinal ohne gesetzlichen Enmd das Konklave verlassen, so darf er von ten Wächtern desselben zmückgehalten werten, ater doch nur mit ermahnenden Worten, nicht mit Gewalt. Stirbt ein Kardinal im Konklave, so haben seine Begleiter es zu verlassen. Wegen der in Bttreff ter Speisen während des Konklaves zu beobachtenden Ordnung ermahnt Klemens VII. von neuem zur Mäßigung. a-uch soll ter äußere Glanz vermieden werten.
Spätest-.ns am zwölften Tage nach dem Tode des Papstes hat die Wahl des neuen Papstes zu beginnen. Die nicht in Rom residierenden Kardinale werden sofott nach dem Tote des Papstes verständig^, um nach Rom kommen zu können. Wahl- berechtigt sind feit ten Tagen Nikolaus II. bezw. Alex- anters III. nur dir in Nom anwesenten Kardinale. Wählbar zum Papst ist an und für sich außer den Kardinalen auch jeder andere Geistliche, selbst Laien können gewählt werden. Nach kirchlichem Herkommen, weiches seit dem 14. Jahrhundert nicht durchbrochen wurde, wird ter Papst aus ter Reihe der Kardinale genommen. Auch ist es durchaus nicht notwendig, daß der Papst em Italiener ist wenn auch seft dem 16. Jahr- hundett nur Italiener gewöhll wurden. Der letzt« deutsche Papst war Papst Hadrian VI., dessen Wahl am 9. Dezember sich zum vrsrhuntettsten Male jährte. Ms zur Wahl des Papstes Pins X. hatten die kaiholl- schen Staaten, wie Oesterreich, Spanien, Frankreich usw., em V e t o r e ch t, d. h. bas Recht des Einspruches ge. pen einen dem betreffenden Staate nicht genehmen Pswste, beansprucht. Bekamttlich hotte noch 1903 Oester- reid) gegen die Wahl des Kardinals R a m p o l l a ein Dtto ein legen lasim, und zwar durch ten Kardinal Pcizyna von Krakau. Nunmehr ist aber ein Veto nicht mehr möglich. Papst Pins X. hol es durch die Konsti- tution „Cammissum Nobis" vom 20. Jan. 1904 ten Kardinalen und allen sonstigen Teilnehmern am Kon- ffare unter ter Strafe der sofott eintretenden Exkommunikation verboten, sich irgendwie auf ein Veto oder eine Exklusive (Ausschließung) einer weltlichen Macht ober eine sonstige Einmischung einer solchen in di«
Köam Trabert.
Zum 100. Geburtstag am 27. Januar. Don ML Scheller- Kassel.
„Emigkeit und Recht uni) Freiheit für dos tercifche 33a- terlond" — das waren die Ideale jenes poetischen und politischen Schriststellers, ter, am Abhang des Rhöngebirges, inder schönen, alten Bomfatiusstadt Fulda geboren, bestimmt war, m ter Geschichte feiner Hess. Heimat em» nicht geringe Rolle zu spielen, ohne fteilich die Genugtuung zu hoben, damit einen entscheidenden Einfluß auf das Schicksal des Kurstaaies ousüden zu können, Gleichwohl ist hinreichender Anlaß vorhanden, feiner gelegentlich des Tages zu gedenken, an welchem er vor hundett Dohren das Zwielicht dieser schwankenden Wett erblickt». Hinreichender Anlaß: nicht nur, weil er für ferne Ideale mit einer heute kaum mehr üblichen Ueberzengungstteue gekämpft und ge- litten hat, nicht nur, weil feine Rolle in der letzten Lebens- zeit des Äurfürftentums Hessen eine sonderlich bemerkens- warte war, sondern auch, damit seine persönlichen Schick- saie geeignet sind, neben ihrer interessanten Eigentümlichkeit auch manches Licht auf jenen Zeitabschnitt deutscher Kutturenttvickllmg zu werfen, einen Zeitobschinitt, ter drei Menschenalter überteuert hat.
Atem Trabert hat es nicht leicht gehabt, seinen Weg zu finden, äußerlich und innerlich, die Jagend stand für ihn unter dem ständig beklemmenden Eindruck häuslicher Sorgen, und als dann feinem erwachenden Geiste die Zeit als ein Kampf der Weltonschauungen sich darbot, war es dem als Gymnasiallehrer in Fulda tätigen Franz Dingelstedt Vorbehalten, mit ter unerhört leichtfertigen Phmse „Religion — das »ft Borniertheit", einen Zweifel in des jungen, vom Zeitstuvm berührten Schülers- Herz zu senken, woran der bis ins hohe Mannesatter zu beißen und zu kauen gehabt hat: bis zu dem Zeitpunkt, der bezeichnenderweise die durch den lbulturkomps bc- drängle Loge der katholischen Kirche ihn, den Publizisten, ter niemals mit der Uebermachi ging, nötigte, sich mit ten fonfefficnetfen Problemen wieder zu befassen, und ihm den Weg zm Rückkehr in den Kreis des alten Glouüerrs eröffnete. Zwischen jener gewissenlosen, für einen Päda- gogen schier unglaublichen Redensatt Dingelstedts und ihrer endglltigen Ueberwinünngen liegen Jahrzehnte, deren Wahrzeichen Kämpfe ums Dafein und um die Ideale sind.
Da der begabte Jüngling den Wunsch der Mutter, sich M Theologie zu Dateien, natürlich nicht erfüllen konnte.