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M 20.

Donnerstag, 26. Januar 1922.

Fuldaer Heilung

Lcr '• t'tsier -clienbrnckerei in "yulbe

Rückblick und Ausblick.

Nach dem Zentrumsparteitag.

Don Generalsekretär Dr. Neubauer-Fulda.

Jedem, der an dem Re'chsparieiiag der Zentrums- Partei in Bersin teilnahm, werden wohl die Verhand­lungen stets in Erinnerung bleiben. Der Eindruck auf joden Teilnehmer mußte ein starker, ein erhebender sein, beim dieser Parteitag der deutschen Zentrumspartei war ein Parteitag der Kraft, der dem deutschen Volke mit aller Deutlichkeit klar machte: Hier in dieser Partei, die eine derartige Kundgebung der Einigkeit und Ge­schlossenheit zum Ausdruck bringt, liegt eine Stärke und eine Kraft, wie sie eine andere Partei wohl kaum auf- weisen kann. Mit berechtigtem Stolze blocken wir deshalb auf unsere Partei, in der man keine grundsätzlichen Gegen- fitze kennt, in der vielmehr in außen- und innerpolitischen llnrelegenheiiten eine starke Einheitsfront besteht.

Wie hatten unsere Gegner rechts und links gerade die­sen Parteitag beobachtet! Denn man wartete je geradezu mit Ungeduld ci*f einen Zusammenstoß mit dem Reichs­kanzler, Lessen Politik fa der „rechte Flügel der Zen- trumeoartei" auch angeblich nicht mitmachen sollte. Und »as Ergebnis: Der Reichsparteitag der deut­schen Zentrumspartei erklärt sich rückhalt­los und einstimmig einverstanden mit der von der Regierung geführten Politik der Klugheit und Mäßigung.

Nicht genug damit bekundete der Reich-Parteitag bei feder Eelstgenb-it, daß er «schlossen hinter dem Reichs­kanzler Dn WttH sicht. Der Fraktionsvorsitzende Se- natspräsident Marx hat ausdrücklich betont, daß oech die Fraktion in ihrer Gesamtheit die Politik bes Reichskangilors gulheißt. Und gerade derartige Erklä­rung m wurden von den Delegierten immer m't lebhaftem Beifall und stürmischem Händeklatschen begleitet. Wer aber nach diesen Kur.dgebunaen immer noch nicht glauben woll'e, Laß die Zentrumspartoi in ihrer Gesamtheit hin­ter Dr. Wirth steht, den mußten die stürmischen Ovationen, die cm Dienstag dem Reichskanzler während und nach seiner Rede La-gchrocht wurden, eines andere« belehren. Immer wicherho'tcn sich de begeisterten Krmdgebunnen, wenn Dr. Wirth in gewohnter Bestimmtheit feine Ansichren frrfy.at. Die Wogen der Bege'sterung stiegen immer Höker und errechten wohl ihren Höhepunkt, als der Reichskanzler sich vor der oanzen Welt zur christlichen Dolkspariei, dem Zentrum, bekannte und klar buriegte, was er als die Aufgabe einer christ­lichen Politik betrachtet. Gerade d'ele Aurittih. rutren machte sich der N«chsparteüag zu eigen. Das Bekenntnis zur chrfftlichen Politik, das der Kanzler ab- legte, wind wohl jetzt endlich Mr Märchen und Anekdoten beseitigen, die böswillig verbreitet wurden und dem Zwecke dienten, Dr. W'vth der Zentnimsparteä zu entfremden. Die Zen! rum sparte! hat nun vor oller Welt dargetan, ws'che Gesinnung sie beseelt, und hat gezeigt, daß sie sich geschloßen und vückhaltslos zur Politik der Dersöhmmg bekennt. Werden mm endlich die Verdächtigungen ein Ende finden, Verdächtigungen, die einerso'ts Re'chskanz'er Dr. Wirth und andererseits die Partei, der er angehört, betreffen! Wird man endlich der Zentrumspartei auf der Linken Gerechtigkeit widerfahren las­sen? Mit aller Deutlichkeit bekennen wir uns zur Politik der Versöhnung und wer es jetzt wagt, der Zentrumspartei Unehrlichkeit und Böswilligkeit vorzuwerfen oder an- zu dicht en. Len müsien wir als unverbefser- lich en Schwätzer urtb Verleumder betrachten.

Andererseits hat der Parteitag ein gewichtiges Wort gegen die Rechte gesprochen. Schon der Reichsarbeits­minister Dr. Brauns wandte sich mit Schärfe gegen die Verneinungspolitik der äußersten Rechte und der frühere Reichsk«-mser Fahrenbach hat es auch an Deutlichkeit nicht fehlen lasten. Stürmische Zustim­mung erntete er, als er ausrieff: „Wenn man die TS- tigkest einer aew-ffen Partei verfolgt, so kann man sich der Erkenntnis nicht vorschließen, daß nicht bloß alles einer ätzenden KvM rmterzogen wird, sondern diese auch mit einer häm'schen Freude an allen Niederlagen der Regie­rung in ollen kritischen Punkten durchsetzt äst. Es über­kommt einen vielfach ein Ekel über die Art und Weise, wie d'e Preste dieser Partei sich ousläßt. Man kann cs nicht genug bcLauern, wenn mt gleichen Tone auch her- oorraxende Parteiführer bei den verschiedensten Anlästen sich betätigst. Das ist keine Tätigkeit im In­teresse des Vaterlandes. Daß gerade Fchren- bach, der doch dem eingögen bürgerlichen Kabinett feit 6fr Rovosttivn Vorstand, diese Worte sprach, verdient gackz besonders betont zu werden, und wenn er vor der Ver­breiterung der Koalition nach rechts um jeden Preis warnte, dann wird er jedenfalls gute Gründe dafür ge­habt haben. Auch der Reichskanzler hat mit aller Klar­heit vor der Kotastrophenpolitik der äußersten Rechten ge- warnt. Als er am letzten DerhcmdlungsÄrge das Wort erpr.ff und in seiner Rede u. a. ausführte: „Cs gibt einen anderen Weg", (als den der Vernunft), „den andere vor» gefchlagen haben, das ist der Weg der Katastrophe, der Weg, sich der Verzweiflung anheim zu geben, die Hände sinken zu lasten, nnÄ zu sagen: Komme jetzt, was wolle, wir werden jetzt keinen Anteil mehr nehmen. Der Weg der Verzweiflung wie der Katastrophe ist

Großkaufmann Selstermann.

Don Wilhelm Herbert, München.

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„Ich habe selbstverständlich Ihrer Fräulein Tochter davon Mitteilung gemacht!" fügte Dr. Weiß hinzu.

„Natürlich! Natürlich!" sagte der Kaufmann und setzte sarkastisch gereizt hinzu: „Und hast nicht auch Du bereits irgend welche Maßnahmen getroffen, irgend welche Pläne geschmiedet, irgend etwas getan, was Dir sofort dringend notwendig schien?"

„Ich bin zu Lore gegangen!" erwiderte das Mäd­chen, ohne anscheinend von seinem Tone Notiz zu neh­men. „Aber ich habe sie viel gefaßter getroffen, als ich eigentlich vermutet hätte. Sie ist nur von dem einen Gedanken erfüllt, nichts, zu versäumen, was den Tod ihres Vaters aufklären kann. Fast größer als der schmerz über den Verlust selbst ist bei ihr die Sorge, c.s könnte ihr nicht so schnell, als wünschenswert, ge- Imgen, festzustellen, daß ihr Vater vollkommen rein da- steht. 6ie sich nur ein paar Minuten aufgehalten, um, mir zu reden, und ist dann ihrem Vorhaben nachgegangen, ba5 pc schon vor meinem Kommen ge» fofet fjatte. <5ie begab sich nämlich zur Polizei, um die Semon der Leiche zu bewirken. Sie will den geistigen und körperlichen Zustand ihres Vaters bei seinem Tode feststellen lasten, um $u ermitteln, ob sein Entschluß hierin irgend eine Erklärung finden könne. Dann wird sie zu Tir kommen und Dich bitten, daß Du auch hier alles, was mit chrem Vater zusammenhängt, genau er­heben lassen mochtest . , . selbstverständlich besonders die Geldoerhältmsje.

Dr. Weiß sah von bem Mädchen zu Selstermann herüber.

„Sie sehen," plagte er, „ich habe recht berichtet!"

,,2n der Tat!" entgegnete der Kaufmann mit finsterer Miene. „Keine Verabredung halte alles besser zusam- tnenftimmen können. Gs sei denn: Ich empfinde es zwar cis unerhörte Grausamkeit, das Andenken des braven Mannes auch nur einen Augenblick mit einem solchen Verfahren zu verdunkeln. Aber wenn alles fo will, rann und mag ich es nicht hindern!"

Er ging Qn bie Türe, die zu den Kontorräumen hin- ausluhrte. n^en Dxberlein!" rief er.

Der erfte Buchhalter trat ein.

"7 anto3?en -den sprechen!" begann er. „Ich jeJF “"s daß Ihr Kommen mit dem Hinscheiden des

nicht Sinn und Ziel der Politik, sondern das ist das Ende der Politik", stimmte ihm der gesamte Partestag zu.

Wird man nun auf Testen der Deusichnat io nölen ein­schließlich des rechten Flügels der deutschen Bolkspartei etwas Mvückhaltender fein, wird man vor allem wieder zurückkehren zu parlamestarifcher Sitte und Anstand oder soll die PoLtik der persönlichen Verunglimpfung des Geg­ners fort bauern? Wird man der Politik des Reichskabi­netts jetzt mehr Gerechtßckcit widerfahren lasten und ent)» sich anerkennen, daß uns nur die Polstik der Vernunft, die Polötik der Erfüllung erretten kann? Gleich wie man sich mm auf Seiten der extremen Rechten einstellen will, für die Zcntrumsarchänger ist nun Klarheit geschaffen. Wir wissen, daß die richtigen Männer am richtigen Platz sind und daß Reichskanzler Dr. Wirth, der den Regie­rungskurs verantwortlich mit fern cm Namen deckt, sich feiner Verantwortung voll und ganz bewußt ist. Lehnen w'v deshalb ab. die Schar derer zu vermehren, die wohl erbarmungslose Ärttit Wen und alles herunterreihen und zu zertrümmern versuchen, erber selbst zu aufbauender Baterkandsarbeit nicht fähig sind. Der Neichsparteitag hat deshalb m ferner Entschließung vom Sonntag erklärt: „Der Reichspartestag erblickt in der entschiedenen Ablehnung einseitiger politischer Richtungen der Rechten irrt) Linken, die unser Vaterland richt zur Ruhe kommen lasten, das Gebot der Stunde. Nur eine weste Politik der Mitte vermag die Airsgabe der Versöbmmg aller Kreise und der Einigung aller Deutschen zu erfülle?.."

Die Heeresschau der deutschen Zentrnwspartei ist be­endet. Den Geist, der den Relchsparteitag beseelte, nun Mich ins Aius'anü hinauszutragen, muß mm d'e Arsgade all derer sein, die in der Zentrum spartet an hervorragen­der Stelle stehen. Mit Wort und Schrift muß Aufklä­rung geschliffen werden. Es. muß draußen im Lande immer wieder betont werden, daß unsere von uns selbst berufenen Führer ihr schwieriges Amt mit genau dersstSen Gowisterchastigkest verwalten wie unsere unvergeßlichen Toten, die an der Wiege der Partei gestanden hoben. Ihr Amt ist ein schwierges mrd opferreiches! Hier kennt man keine kleinliche Interestenpolstrk, das Ziel ist die Errettung des gesamten deutschen Volkes und Vaterlandes, das einer besieren, schöneren Zu­kunft entgsgengeführt wertxn soll. Dank und Anerken­nung sollten wir unseren Führern sollen und nicht mit Undank ihnen ihre Arbeit zum Besten des deutschen Vaterlandes vergelten.

Und nun auf zur Tat! Gewiß, es wird noch einte Zeit des Opfers und ter Entsagung kommen. Noch hat die Einsicht im Cntentelager nicht ganz ihren Einzug gekästen. Cs können noch Tage und Monate dahingehm, bis es soweit ist. Aber die' Dernenfft marsch'ett! Der Opferweg des deutschen Volkes wird weiter befristen werden müs­sen. Neue Entbehrungen werden vielleicht ihren Einzug halten, eine neue Teuerungswelle kann durch unser Land gehen. Gewaltige Steuerlasten wind das Volk auf sich nehmen wüsten. Daran kommen wir nicht vorbei. Aber bie Opfer wüsten gebracht werden, wenn wir unser Vater- kmd erretten und vor den bnbaierigen Gelüsten unserer Gegner bewahren wollen. Wir Zentrnmsonhänger sind UNS unserer Derantwoi-tuna voll und ganz bewußt und deshaH wollen wir gerne die Opfer bringen, wenn wir dadurch Mitwirken können an ter Errettung des Vater- landes. Las wir lieben mit der ganzen Glut unseres Her- zens und dem wir dienen wollen bis zum letzten Atem­zuge. Auch für uns wird weder einmal eine bessere Zett kommen, weil sie kommen muß, wenn jeder an feinem Platze, fo gut et kann, mitarbeitet. Deshalb auf zur Arbeit, auf zum Dienste an Volk und Vaterland.

Sie neuen «Wien Ser RMnmklel.

Wirtschaft und Arbeit.

1. Die nächste Aufgabe aller Wirtschafte- und So­zialpolitik ist die Heilung der Wunden, die Krieg und Zwangsfrieden dem deutschen Wirtschaftsleben geschla­gen haben. Es gilt vor allem die leibliche Not des Volkes zu lindern, der Arbeitslosigkeit abzuhelfen und den Währungsstand zu festigen und zu bessern.

2. Das Recht des Privatunternehmers und der Genossenschaft, sich in Handel und Gewerbe frei zu betätigen, soll anerkannt und gewährleistet wer­den, soweit bie Aufforderungen dem Gemeinwohl nicht entgegenstehen. Treu und Glauben sind als Grundlagen des redlichen Erwerbs durch die Gesetzgebung zu schüt- zen, insbesondere auch.durch eine zeitgemäße (Beftalteng des Wettbewerbsgesetzes. Schiebertum und Preiswucher, Bestechungsseuche und Schmiergelderunwesen sind rück­sichtslos zu bekämpfen.

3. Die Ueberreste der behördlichen Rege­lung der Wirtschaft sind zu beseitigen, sobald es die wirtschaftliche Lage zuläßt. Soweit die öffentliche Be­wirtschaftung und Ueberwachung der Ein- und Aus- fuhr noch notwendig bleiben, hat die weitestgehende Mitwirkung der beteiligten Kreise stattzufinden.

4. Die Aufsicht über Kartelle, Syndikate und ähnliche Vereinigungen zur Bestimmung der Preise und sonstigen Absatzbedingungen ist unter Berücksichtigung der Interessen von Unternehmern und Arbeitern, Er­zeugern und Verbrauchern gesetzlich zu regeln.

Herrn Müller zusammenhängt. Wir sind eben dabei, die nötigen Schritte zu tun!"

Der Buchhalter verneigte sich leicht. „Darum woll­ten wir ergebenst bitten", setzte er bei. „Das Gerücht ist schon im Umlauf. Wir sind alle sehr betroffen von dem Vorfall. Nicht nur der Schmerz über die traurige Art, wie unser Kollege zugrunde gehen mußte . . . auch die Sorge für seine Ehre, für die Ehre des Geschäftes, wenn Sie den Ausdruck gestatten, für die Ehre des Ge­schäftes, die ein Teil unserer eigenen ist, bestimmte uns, die Bitte zu unterbreiten, es möchte doch so schnell als möglich alles geschehen, was zur Sicherung der Wahr- heit geschehen kann. Wir sind überzeugt, daß unser Kollege makellos aus dieser Untersuchung hervorgehen wird, aber untersucht muß werden!"

„Es soll auch untersucht werden!" sagte Selstermann bestimmt.

„Ich bitte Sie, übernehmen Sie einstweilen die Kaste und stürzen Sie diese sofort mit ein paar Herren, bie Sie selbst auswählen wollen!"

Ueber das Gesicht des Buchhallers leuchtete ein Schimmer der Befriedigung. „Ich danke Ihnen für die­ses Vertrauen!" sagte er. „Ich werde Herrn Schuster und Herrn Pieseke dazu auswählen, die eben mit mir hier gewesen sind. Allerdings würden wir es am lieb- sten gesehen haben, wenn von allem Anfang an je­mand von der Behörde hätte habet sein können!"

Selstermann lachte. „Das sind die Deutschen!" sagte er bitter. „Nichts ohne eine Ueberkontrolle und eine Unterordnung.

Und wieder klopfte es.

Schuster, der Korrespondent, steckte den Kops herein. „Zwei Herren von der Polizei sind da!" meldete er. "Das geht ja heute wie am Schnürchen!" meinte der Kaufmann und streckte sich höher auf, während er feinen Rock zuknöpfte. „Kaum ist das Stichwort gefal­len, fo haben wir auch schon die Personen da! Ich lasse bitten". . .

Gretchen zog sich zurück, und auch Dr. Weiß wollte gehen.

„Nein! Nein!" erklärte Selstermann. „Sie bleiben lieber Freund! Jetzt geht's ja in Ihr eigenes Fahr- waster. Wir werden Ihre • Hilfe sehr .gut brauchen können!"

Inzwischen war der Polizeibeamte eingetreten und hatte den gerichllichen Sachverständigen mitgebracht, der in solchen Dingen gewöhnlich beigezogen wurde.

stermanns.

<Fortjetzung folgt.)

ihm offenbar den unbehaglichsten das ja auch begreiflich, und alle nach. Der Bürodiener, der eben die Papierkörbe leerte, gab dieser fendste Form, indem er bummte: im Hause Selstermann — das ist

empfanden es ihm draußen im Kontor Stimmung die tref- „Nee! Die Polizei auch noch nicht da-

„Wir werden ja", sagte der Kriminalkommissar höf­lich, „höchstwahrscheinlich hier überflüstig sein. Aber e» ist doch meine Pflicht nachzufchauen. Die Oeffentlichkekt wird von dem ganz ungewöhnlichen Vorkommnis bet einer so allen und angesehenen Firma lebhaft in An- sprach genommen werden, und es ist gut, wenn man bann weiß, daß bereits alles Nötige geschehen ist!"

„Natürlich!" pflichtete Selstermann nicht ohne Ironie bet „Die Dolksstimme ist ja gar mächtig und schont dte am wenigsten, bei denen sie bisher keine Gelegenheit ge»

antwortung sowie unter Berücksichtigung der entspre­chenden Einkommen im freien Erwerbsleben. Das Be» amtenrecht ist im Sinne der Anerkennung der Perfön- lichkeit auszubauen. , ,

18. Die Frauenarbeit stellt einen unentbehr­lichen Wert im Wirtschaftsleben dar. Die Ausgestaltung der weiblichen Erwerbstätigkeit darf sich aber nicht nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten vollziehen, sondern muß der Bedeutung der grauen traft für die Entwick­lung unserer Gesamtkultur Rechnung tragen. Die Haus­frau und Mutter ist von der außerhäuslichen Erwerbs­arbeit, die sie der Erfüllung ihrer wichtigsten Pflichten entzieht, mehr und mehr zu entlasten.

16. Den Opfern des Krieges, Kriegsbeschä­digten und Hinterbliebenen gebührt in der Sozialpolin! eins bevorzugte Stelle. Die Renten sind nach den all- aemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen zu bemessen. Das Rentenverfahren ist zu vereinfachen und zu beschleunig gen. Den Kriegsbeschädigten muß weitgehender An­spruch auf Heilbehandlung und Erhaltung der Gesund- heit zugebilligt werden. Die ihnen verbliebene Arbeits­kraft ist in sorgsamer Anpassung dem Wirtschaftsleben einzugliedern.

17. Die Erwerbslosenfürsorge muß pro­duktiv angelegt und streng auf unverschuldete Arbeits­losigkeit beschränkt werden. Die jetzige Fürsorge ist baldigst durch eine Arbeitslosenversicherung zu ersetzen.

gewesen!"

Der Beamte war endlich nach mehr als einstündiger genauer Untersuchung mit feinen Erhebungen fertig. „Es ist, wie ich vermutet hatte", sagte er artig, „nichts Ausfallendes und Unklares, keine Unordnung, kurz nichts, was auf eine kriminelle Urfache des Selbstmor­des Hinweisen wurde. Nun, ich denke, wir werden ja bald durch die Sektion befriebigenben Aufschluß über den Vorgang bekommen. Sie haben jedenfalls auch nichts gefunden, Herr Sensal?!"

Er wendete sich an den Sachverständigen, der über den Büchern saß.

Dieser blickte auf und sah bann im Kreise herum. „Kann ich vor all den Herren hier reden?" fragte er. Der Kommiffar f-haute ihm einen Augenblick inj Gesicht und wechselte bann ein paar vertrauliche und leise Worte mit ihm.

„Wir müssen die Bücher für kurze Zeit mitnehmen!" entschied er. Die Angestellten bes Hauses sahen sich betreten und unruhig an«

funben hat, dreinzureden!"

Er führte die Herren in das Kassenzimmer.

Der erste Buchhalter stürzte vor den Augen der Uebrigen die Kasienbestände, die bis auf den Pfennig mit den Ausschreibungen übereinstimmten. Dann machte man sich an die Bücher und Belege. Der Kommissar suchte die Schränke und Behältnisse durch, prüfte die dort auffindbaren Papiere und holte sich dabei die nö­tigen Aufschlüsse über den Verstorbenen durch geeignete Fragen an Selstermann, der sie sachgemäß, wenn auch etwas steif, beantwortete. Das ganze Verfahren machte ........ Eindruck. Es war

5. Die Ueberführung eines privatwirtfchafllichen Un­ternehmens in eine Form der Gemeinwirtschast, So- zialisierung ober Kommunalisierung, barf nur bann erfolgen, wenn sie dem Gesamtwohl bient und die Ertragsfähigkeit steigert. Enteignungen sind nur. gegen gerechte Entschädigung zulässig.

6. Eine lebensvolle Ordnung der Wirtschaft wird nicht durch mechanische Ausdehnung der Staatsgewalt auf bie Gütererzeugung und -vertellung erreicht, fon- sonbern nur burch planvollen Aufbau von unten auf. Den Grundstock bilden die Organisationen der Wirt­schaftszweige und -berufe sowie die wirtschaftlichen Selbstverwaltimgskörper, in denen Arbeitgeber und Ar­beitnehmer, Erzeuger und Verbraucher entsprechend ver- treten sind.

7. Die Erhaltung einer großen Anzahl leistungs­fähiger Eigenbetriebe ist eine wirtschaftliche und staatspolitische Notwendigkeit. Der Mittelstand in Landwirtschaft und Handwerk, Gewerbe und Handel ist darum zu schützen und zu kräftigen. Vor allem ist s der genossenschaftliche Zirsammenschluß und jede Art von Selbsthilfe, soweit sie mit dem Gemeinwohl ver­träglich ist, zu unterstützen. Für die nächste Zukunft beansprucht das Kreditwesen besondere Pflege. Das Handwsrkerfchutzgefetz soll mit dem Ziele der Plichtin­nung weiter entwickelt werden. Aus angemessene De» teiligung des Handwerks und Kleinegwerbes an öffent­lichen Arbeiten und Lieferungen, auf zeitgemäße Um­gestaltung des Berdingungswesens, Ausbau der Ge- roerbeförberung und erhöhte Fürsorge für ben gewerb­lichen Nachwuchs ist hinzuwirkcn.

8. Die lanbwirtschaftliche Erzeugung ist planmäßig zu heben. Die W-iierbilbung und Ein­bürgerung her neuzeitlichen Produktionsmethoben in Sobenbau und Viehhaltung ist in ben oerfdjiebenen Be- sitzgrößenklaffen zu förbern. Zu diesem Zweck ist bas landwirtschaftliche Schul- und Vortragswefen, sowie die Wirtschaftsberatung in allen Landesteilen auszubauen. Durch Anlage von Musterwirtschaften und Versuchswirt- schaften, durch Erleichterung in der Beschaffung ma­schineller Ausrüstung, durch Saatguwerbesserung ist der Bodenertrag zu steigern. Dem landwicrschaftlichen Ge- nossenschasts- und Kreditwesen ist größte Aufmerksamkeit und Pflege zu gewähren Das ländliche Derkehrswefen ist zu verbessern und bie Arbeitsvermittlung zu orgam- fieren. Moor- unb Deblänbereien müssen nutzbar ge­macht werden. Meliorationen sind durchzuführen, die Besiedelung des Landes unter zweckdienllcher Mischung der Besitzgrößen planmäßig zu fördern, wobei insbe­sondere die landwirtschaftlichen Arbeiter und nachgebore­nen Bauernsöhne zu berücksichtigen sind. Der ländliche Besitz ist gegen Bewucherung und Aussaugung durch das 'Kapital tatkräftig zu schützen. Durch entsprechende Gestaltung bes Erbganges ist aus die Erhaltung eines gefunben Familienbesitzes hinzuwirken, und eine un­wirtschaftliche Zersplitterung her lanbwirtfchastlichen Betriebe zu verhüten. .

9. Zum Schutze der nationalen Arbeit ist die Zoll-, Verkehrs- und Außenhanbelspolitik wieder aufzunehmen unb fortzuführen, um einerseits unserer Lanbwirtschaft unb Industrie bie Gütererzeugung und die Versorgung des heimischen Marktes zu auskömmli­chen Preisen zu ermöglichen, anberfsits unserer Aussuhr gesicherten Absatz auf ben Auslandsmärkten unter glei­chen Bedingungen mit den übrigen Ländern zu gewähr­leisten. Die Rechtlosigkeit, in die wir bei unserem Wa- renverkehr und unserer gewerblichen Betätigung im Auslands durch die uns im Versailler Frieden aufge- zwungene einseitige Meistbegünstigung versetzt worben sind, muß ehestens betätigt werden.

10. Sie Arbeitsgemeinschaft zwischen Ar­beitnehmer« und Arbeitgeber-Organisationen müssen ge­fördert werben. Ein allgemein gültiges Tarifvertrags­recht ist zu schaffen, bas Arbeitsoertragsrecht zu erneuern unb ber paritätische Arbeitsnachweis unter gebührender Berücksichtigung ber Facharbeitsnachweise öffentlich recht, lich zu regeln.

11. Arbeitsniederlegungen und Aus­sperrungen müssen durch ein gesetzliches Schlich­tungsverfahren nach Möglichkeit verhütet werden. Ge- gen wilde Streiks, zumal in lebenswichtigen Betrieben, muß die Gesamtheit und bie disziplinierte Arbeiterschaft nachdrücklich in Schutz genommen werben, dabei sind Koalitionsrecht und Koalitionsfreiheit als unverletzlich zu achten und zu gewährleisten.

12. Die Betriebsräte der Arbetter und Ange­stellten sollen die Mitverantwortlichkeit unb Berufsfreu- bigkeit der Arbeitnehmer stärken, sie mit ihrer Arbeit in- nerlich verbinden, und die Arbeitskraft neben dem Ka­pital zur vollen Geltung bringen.

13. Die Sozialversicherung ist in ihrer Wirk­samkeit auszudehnen und in ihren Leistungen zeitgemäß zu erhöhen. Die Arbeiterschutzgesetzgebung ist auszu- bauen, noch nicht erfaßte Gewerbezweige müßen ein­bezogen werden. _

14. Die wirtfchaftlichen Maßnahmen für bie B e« amten müßen in Uebereinftimmung mit ber allgemei- nen Sozialpolitik gehalten werben. Die Besolbung und Einstufung muß sich den Kosten der Lebenshaltuna an­paßen unter Bewertung ber Ausbildung und Berufsver-

Der neue sozialistische Reichsjustizminister Gu­stav Radbruch hat in der Zeitschrift „Glocke" feine Pläne bezüglich der zukünftigen „Ehescheidungs- reform" bekannt gegeben, die darauf hinauslau­fen, daß die bisher geltenden Verfchuldungsgründs der Ehescheidung (VEV. §§ 1565 bis 1569) durch den allgemeinen Grund der ehelichen Zerrüttung ersetzt werden sollen. Dieser Verwüstung der christlichen Ehe muh aufs energischste Wi­der st a n d geleistet werden, denn die beabfich- tigte „Ehescheidungsreform" bezweckt im Grunde nichts anderes, als die Ehescheidung zu erleichtern, die beklagenswerte Zahl der geschiedenen Eheteure zu vermehren und dem sozialistischen Ideal ber freien Liebe ben Weg zu bereiten. Rad- bruchs Pläne scheinen aufs Ganze zu gehen: die christliche Kultur durch die sozialistische zu ersetzen.

Sein Unterfangen ist heutzutage um so gefähr­licher, als das Bestreben, dis Ehescheidung zu er­leichtern, bereits in anderen Ländern, wie in der Tschecho-Slowakei (Ehegesetz vom 22. Mai 1919) und Sowjetrußland mit Erfolg durchgefetzt wor­den ist. Was das aber zu bedeuten hat, und welche Güter hierbei auf dem Spiele stehen, hat kein ge­ringerer als Friedrich der Große in feinem Edikte gegen die Mißbräuche der überhand genommenen Ehescheidungen vom 17. Roo. 1782 aufs klarste dargelegt. „Durch die übertriebene Leichtigkeit bet den Ehescheidungen", so sagt er, „wird der öffent­liche Wohlstand beleidigt; die Zügellosigkeit der Sitten und der Hang der Gemüter zur ungescheu­ten Verletzung der heiligsten Verbindungen be» stärkt; dadurch auf der einen Seite die Schließung mancher unschicklichen und unüberlegten Ehe vec- anlaßt, auf der sicheren aber auch, wegen des An­stoßes, den eine zweite Heirat geschiedener Perjo- nen gemeiniglich findet, und wegen der Besorg­nisse, womit die Unzuverlässigkeit so vieler Ehe-- bündnisse bedenkliche Gemüter notwendig erfüllen muß, die dem Staate so nachteilige Ehelosigkeit noch mehr befördert; dem zur häuslichen Glück­seligkeit so nötigen gegenseitigen Bestreben der Eheleute, sich ineinander zu schicken und allen An­laß zum Mißvergnügen und Widerwillen sorg­fältig zu vermeiden, die mächtigste Triebfeder ge­nommen, den schädlichen Eindrücken der Verfüh­rung freier Zugang eröffnet; solchergestalt die innere Ruhe und Ordnung der Familien zerstört: vornehmlich aber den aus solchen Ehen erzeugten Kindern, wegen des in den Gemütern der geschie­denen Eltern gegen sie nur allzuleicht entstehenden Kaltsinns und Abneigung, sowohl durch Vernach­lässigung ihrer Erziehung, als durch Entfremdung und Zersplitterung des Vermögens der größte Nachteil zugefügt." In diesen inhaltsschweren und lebenswahren Sätzen hat der König die Schä­den einer leichtfertigen Ehescheidung sowohl für dis Oeffentlichkeit wie für die Eheleute fslbst und ihre Kinder ziemlich treffend gekennzeichnet.

Noch weiter ist ein ehemaliger Kollege Rad­bruchs, der weimarifche Minister Johann Wolfgang von Goethe, gegangen, der sich

„Was?! Meine Bücher mit auf die Polizei neh- men?!" rief Selstermann beleidigt. „Das ist ja gerade« wie wenn Sie mir Angehörige meiner eigenen Familte, meine leiblichen Kinder wegführen wollten! Damit, kann ich mich auf keinen Fall einverstanden erklären!"

„Aber, Herr Selstermann," suchte der Anwalt ein- zulenken, „wenn der Herr Sensal es zur genaueren Prüfung für notwendig erachtet!"

„Wie kann man es denn aber notwendig erachten?» entgegnete ber Kaufmann aufgeregt. „Sn diesen Bü­chern mutz ja alles stimmen — unb man mutz das auf, ben ersten Blick sehen!"

„Auf den ersten Blick stimmt auch alles!" sagte der Sachverständige kall. „Aber nicht auf den zweiten und dritten — und wenn ich mich etwa einmal auf meinen Eid äußern fall, bann muß ich wißen, worum es sich handelt! Ich stelle mich nicht hin und schwöre vielleicht einen Falscheidl Ich kenne das, wie da ein Verteidiger hinüber und herüber sagt unb alle auf bas Tüpfelchen wißen will! Hier sind Rasuren."

„Rasuren!" murmelte ber erste Buchhalter ver­blüfft.

„Nicht wahr?!" fugte der Sensal, befriedigt, eine zu- stimmende Aeußerung zu hören. „Wenn einmal in sol­chen Büchern radiert ist, und bie Rasur erklärt sich nicht sofot von selbst, bann muß man bie Sache ganz genau­ansehen — unb dazu fehlt mir ba bie Zeit unb Ruhe __ außer ich schließe mich gleich hier einen halben ober ganzen Tag ein unb schaue mir die Sache gründ, lich an!"

„Es wäre mir das lieber!" entgegnete Selstermann. „Diel lieber noch hier als anderswo!"

„Das können wir ja machen, wenn Sie dazu bereit sind!" vermittelte der Kommissar. „Wenn Sie sich hier nieberlaßen wollen und können, Herr Sensal?"

„Können?!" brummte der Sachverständige. „Man kann alles. Dann bitte ich aber, allein unb ungestört hier arbeiten zu können!" _

„Kommen Sie, meine Herren!" sagte Selstermann. „Wir wollen nicht im Wege fein. Ich bin nebenan, roentt Sie irgend einen Aufjchiuß brauchen!" i

Der Sensal nickte, legte ben Uederrock ab unb machte, sich jetzt an hem verwaisten Pult Müllers bequen^ ohne noch weiter von ben andern Notiz zu nehmen.

Die Herren traten indessen in das Privatkontor Seit