Einzelbild herunterladen
 

Mittwoch, 25. Zanuar 1922.

Nr. 19.

Berantwonlich tüt Den reüauionellen Teil: Dr. I. Kramer» u für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. N Roiaiionsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckersi in Fulda, i^ernivrecher Nr. 9. Telegr.-Adreise: Fuldaer Zeitung.

Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda. ___

Bezugspreis: Monatlich 6.03 Bit. zugeitelll frei ms Haus.

- AbgehoU in der Geschäftsstelle 5,50 Mi. s 4Q lahtQ.

Anzeigen^ Kleinzeile nachTo'onel IMk.; auswärts 1.50Mk. x v 3

Reklamezeile (Text tu eitel nach Calonemaß 4 Mark,

Nach demTode des Papstes.

Der Beginn des Uonklave.

Giornale bStalia" meidet, daß das Konklave am 2. Februar beginnen soll. Die Eröffnung drr Kam­mer, die am gleichen Tage stattfinden sollte, soll aus diesem Anlaß um einige Tage verschoben werben.

Am. Montag hat die zweite Zufammenkmrst der KardinÄe stasttziefunden. Diese Zusammenkünfte wer­den jodeln Tag stattfinü-en, um den Kardinalen zu er­möglichen, verschiedene Formalitäten zu erfüllen, ins- besonL-cre den Eid der Treue aus die apostolische Kon- stutivn zu feiften, die jede Beeinflussung der Kirchen­regierung durch die weltliche Macht verbietet und um über folgende Punkte zu beraten und zu ^schließen: Vorbereitung des Konklave, Prüfung der Teilnehmer am Konklave, Festsetzung des Budgets des Konklave, Bekanntgabe der Briefe der StmiÄoberhäupter und der Nuntien, sowie Bekanntgabe aller Berichte, die das Heilige Kollegium interessieren können.

Seit d:m Tode Benedikts XV. haben die Kanzlei und das Sekretariat der Breve zu amtieren aufgehört. Bei einer Zusammenkunft der Kardinale wurden die Siegel der kirchlichen Beamten zerbrochen, zum Zeichen, daß die alte Kirchenregienmg ihr Ende gefunden hat.

Die deutschen Teilnehmer an der Papskwahl.

DrrGermania" zufolge wird Kardinal Bertram sich von Breslau am Dienstag nach Rom zur Papstwahl begeben. In München wird er mit Kard inal von Faulhaber und voraussichtlich auch mit Kardinal Schulte von Köln zusanmnn- treffen, mit denen er gemeinsam die Reife forlsetzen wird. An drr Papstwahl werden sich sechs deutsch­sprechende Kardinale beteiligen und zwar außer den drei Lk- ugrna nuten der Erzbischof von Wien, Kardi­nal Piffl und die beiden Kurienkardinäle Fruh­wirth und van R o s s u m.

Die Beisetzung des hl. Vaters.

Die Leiche des Papstes wurde Sonntagnachmittag t mThronfaal ausgestellt. Montagvormittag fand die Ueberführung in dir Peterskirch: statt. Eine Einbal­samierung wird nicht erfolgen. Kardinäle,- PrälÄen,. das diplomatische Korps, päpstliche Hofchargen und die päpstliche Leibwache bildeten bei den Ueberfuhruingen das Gefach:. Große Bolksmasftn strömen nach der Peterskirche.

Tie enogültige Beisetzung wird im linken Seiten- schisf der Peterskirche vor der Chorkapelle erfolgen, wo sich auch die Grabmäler £eo§ XIII. und Pius X. im Bau befinden.

Papst Benedikt XV.

und die deutsche Wissenschaft.

Die Görresgesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland versendet soeben mit ihrer drit­ten Vereinsschrift den Jahresbericht für 1921. Hierin findet sich eine Mitteilung, die angesichts des allzufrühen Todes Sr. Heiligkeit Papst Benedikt XV. für weiteste Kreise von Jntereffe ist.

Der Leiter des römischen Instituts der GörresgcfÄl- schaft, Prälat Dr. E h s e s, berichtet u. a., daß die Ar­beiten für den 9. Band des großen Ouellenwerkes über das Konzil von Trient zum Abschlüsse getaugt sind, daß aber leider einturmhohes Hindernis" der Druckle­gung entgegenstche. Für die Herausgabe dieses einen Bandes sei nämlich die Summe von 250 bis 300 000 Mark erforderlich, ein Betrag, den die GörrosgcsMschaft aus eigenen Mitteln nicht auf bringen könne.

Durch einen vom 8. Oktober 1921 datierten Nach­trag kann jedoch Prälat Chses seinen Bericht, wie folgt, ergänzen:Das turmhohe Hindernis, von welchem oben gesprochen wurde, darf nun doch als überwunden

Großkaufmann §e?ftermann.

Don Wilhelm Herbert, München. (

Während Selstermann die letzten Worte mit einer gewissen Hast, aber im Brustton der Ueberzeugung sprach, öffnete sich die Tür, und sein Sohn trat auf die Schwelle. Er zuckte momentan zusammen, als er Dr. Weiß sah. Die Erregung des Augenblicks ließ ihn aber dessen Gegenwart ebensowenig weiter beachten, als er die sonst von seinem Vater streng bedungenen Förm- l'chkeiten einhielt, daß auch der Sohn des Hauses vor dem Privatkontor des Ehefs erst anzuklopfen und be|» ien ..Herein" abzuwarten hatte.

..Denk Dir nur!" rief Alfred erhitztMüller, mit Du estern abend den unangenehmen Auftritt ba test, fon gch erschossen haben mir hat's eben ei:

auf der Straße mitgeteilt, der in seiner Näh: woynt

sut! Ich danke Dir! Ich bin bereits unter- h e' a9tc sein Vater ruhig. Dr. Weiß war es aer mcht entgangen, daß Selstermann bei den ersten Worten fernes Sohnes sich verfärbt hatte.

y"Cn fleftern einen unangenehmen Auftritt Mit Muller fragte der Rechtsanwalt, als sich die Tür wieder ^geschlossenVerzeihen Sie, aber es ist selbst- verständlich nicht bloß Neugier, die mich auf dieses No- . cum Wert legen läßt. Es ist doch vielleicht nicht ohne ! hot ?*["$' iarf >'h wissen, um was es sich gehandelt

Selstermann seufzte auf.

So soll denn' der arme Teufel wirklich auch noch tm- Grabe keine Ruhe haben!" sagte er im Tone ärger­lichen Mitgefühls. Es ist mir peinlich, davon zu reden. Ich habe die ganze Szene natürlich nicht anders aufge- faßt als eine krankhafte Erscheinung und, wie ich von Müllers Selbstmord erfuhr, dachte ich gleich an den ; Vorfall und fand meine gestrige Diagnose leider da- s durch in Ser traurigsten Weise bestätigt. Ich habe J Ihnen darum vorbin bannt, hätte '

gelten, da Se. Heiligkeit Papst Benedikt XV. für den Druck des neunten Bandes die außerordentlich hohe Summe von 180 000 Mark zur Verfügung stellte, so daß nunmehr ... die Summe von 250 000 M. nah,.'zu erreicht ist. Zu den nietest Beweisen wahrhaft päpst­liche: Slntei-lnahme an den Sorgen und der Not, die der Krieg über Deutsch la ich itnb Oesterreich gebracht hat, tritt dadurch für die katholisch: deutsche Mssenschast eine HilsÄeiftmrg hinzu, die an die Zeit der größten MäzerMlen auf dem päpstlichen Stuhl erinnert."

An der'Bahre des großen Papstes, der dem deut­schen Volk: so außerordeiÄliche Wohltaten er-wirsen hat, merben die deutschen Katholiken auch für diese Tat zu Gmrsten der deutschen Wissenschaft innigen Dank ab- ftarten. S.

Deutscher Reichstag.

Das Reichsichnlgesstz und die Parteicu.

Voin Reichstag wehen am Montag die Farben der Republik auf Halbmast; sie künden das Zeichen der Teilnahme für den verstorbenen Papst. Drinnen aber geht die gewohnte Arbeit ihren Gang. Die Tages­ordnung ist nur kurz. Sie enthält zwei Punkte, deren erster bei nur mäßig besetztem Hause eine schnelle Er­ledigung findet.

Dvs Gesetz über den Verkehr mit auslän- dischen Zählungsmitteln steht fiur zweiten Beratung. Aber selbst diese von der Regierung vor­gesehene Maßnahme zur Verhinderung der wilden Spekulation führt zu einem kleinen Intermezzo. Denn der Präsident teilt mit, daß gegen die sofortige Vor­nahme der dritten Lesung von zwei Seiten Einspruch erhoben worden ist. Von wem? Diese Frage wird mit dem üblichen Temperament von selten der Unabhängi­gen gestellt. Der Protest geht vom Demokraten Gotheim und dem Deutschnationalen Schulz- Bromberg aus. Sie ziehen sich den Vorwurf zu, daß sie dieses notwendige Gesetz verschleppen wollten. Ein kurzes Hin und Wider; auch der Zentrumsabg. und Berichterstatter des Ausschusses Schlack greift ein und drückt in gleicher Weise sein Bedauern und seine Bewunderung über diese unnötige Verzögerung aus. Erst Schulz und dann auch schließlich Gotheim geben ihren Widerstand auf; sie ziehen ihren Einspruch end­lich zurück. Ohne nähere Aussprache wird dar Gesetz also endgültig ' angenommen; bei der Abstimmung bleibt Herr Gotheim sitzen.

Das Hauptinteresse aber wandle sich zweifellos dem zweiten Punkt der Tagesordnung zu. Das Reichsschulgesetz

in Ausführung des Art. 146 Abs. 2 der Reichsver- fafsung steht endlich szur Beratung in erster Le­sung.

Die Regierung selbst begründet den Entwurf. Für sie ist Sprecher der sozialdemokratische Staatssekretär Schulz. Er beginnt mit einem geschichtlichen Ueber- blick über die Entwicklungsphasen der ganzen Frage vom Weimarer Schulkompromiß an. Und es ist nicht uninteressant, wie sich Herr Schulz seiner als Sozial­demokrat gewiß nicht leichten Aufgabe entledigt. Er stellt fest, dqß das Ergebnis des Reichsschulgesetzes eigentlich niemanden befriedigt habe und er sieht darin keinen Nachteil, sondern eher einen Vorteil. Herr Schulz hat also auch uns das Urteil schon vorweg ge­nommen er erwartet sicher von mancher Seite manche Widerstände; denn auch in unfern Kreisen wird es keinen geben, der eine restlose Befriedigung über solche Lösung fühlte. Aber die Dinge liegen so: die Weimarer Verfassung hat die Grundsätze unseres Schulwesens festgelegt und auch das Reichsschul» hat sich im Rahmen dieser prinzipiellen Festsetzungen zu halten. Daran kann jetzt nichts geändert wer, t. Soviel aber wird selbstverständlich auch unser Bestreben fein, innerhalb dieses Rahmens das Gesetz zu bessern. Wir halten mit Entschiedenhheit und voststem Rechte fest an der Achtung des Elternrechts und auch des Elternrechts in den Ländern, wo die Simul- tanfchule Gewohnheit ist.

das gerne auch weiter getan. Aber der Zufall, daß mein Sohn gestern just um diese Zeit heimkam und jetzt darüber gesprochen hat, zwingt mich ja leider, die gern geübte Pietät außer acht zu lassen. Ich sehe ein, ich bin Ihnen Aufklärung schuldig.

Also, ich betraf Müller gestern abend nach Schluß der Geschästsstunden in auffälliger Derfassung im Kas- senzirnmer ich fragte ihn, was er noch zu tun habe er verwickelte sich in seltsame und verworrene Reden und der Schluß war, daß er den Hut nahm und einfach weglies. Er sagte dabei etwas wie, es gebe nur noch ein Mittel für ihn, sich zu befreien. Aber wer hätte denn an ein solches Ende gedacht! Ein net» vös gereizter Mensch tut doch öfters einmal eine ra­biate Aeußerungl"

Und die Kaste? Die Bücher?" forschte Dr. Weiß. Ist denn da alles in Ordnung?"

Selstermann machte eine unmutige Bewegung mit dem Kopfe.Ich habe natürlich gestern nicht nachge- sehen, weil ich an nichts weiter dachte und weil mir der Gedanke an eine Unredlichkeit Müllers gestern ebenso fern lag, wie er mir heute liegt. Ich kann also nur meiner Ueberzeugung noch sagen, daß alles in Ord­nung ist! Glauben Si« mir, ei hat nichts gemacht"...

Man brauche ja nicht an eine bewußte Unehrlich­keit zu denken", wendete der Rechtsanwalt ein.Wenn er tatsächlich so nerven- ober gemütskrank war, daß er sich in diesem Leiden den Tod gegeben, dann wäre es immerhin möglich, daß er in dem gleichen Zustand, in einer beeinträchtigten oder ausgeschalteten Zurechnungs- fähigkeit auch an den Büchern und in der Kaste Dinge gemacht hat, die nicht in Ordnung sind."

Es ist rein zum Verzweifeln mit Euch Juristen!" rief Selstermann ärgerlich.Wo Ihr einmal einen eigensinnigen Gedanken gefaßt habt, da laßt Ihr nicht mehr los davon!"

Aber ich bitte!" antwortete Dr. Weiß und sah ihn ruhig an.Da wird im Hans gestohlen, da bringt sich der Kassierer um . . . was liegt denn näher, als daß man den Kastenbestand und.die Bücher vrükt?"

Diesen Standpunkt brachte

der Redner des Zentrums, der Abg. Rheinländer, sehr deutlich und energisch »um Ausdruck. Es entspricht dem Wunsch der gläubigen Be­völkerung, daß die Eltern auch in den Ländern Der Simultanschulc die Bekenntnisschule sobald wie mög­lich einführen können. Es geht nicht an, diese Eltern in ihrem Recht unter Ausnahme zu stellen. Es wird weiter bemängelt, daß in diesem Gesetz Der R e i1 - gionsunterridjt selbst nicht geregelt roirb, fon> dein daß man dieses wieder einem besonderen Gesetz überlassen will. Die Wünsche des Zentrums bezug.ich des Religionsunterrichtes gehen dahin, daß dieofmi Der Religionsstunden nur im Einvernehmen mit den kirchlichen Behörden festgesetzt wird, daß die Religions- stunde zur rechten Zeit gelegt werden, und daß das Visitationsrecht der Kirche gesetzlich gesichert wird. Diese Forderung ist v.m so gerechtfertigter, als wir uns davor schützen müssen, daß sich solche Falle wiederholen, wie sie seinerzeit dem Bischof von Meißen bei seiner Schu'.visitotion zugestoßen stnd. Die Schulbücher und Religionsbücher müssen im Ein­vernehmen mit den kirchlichen Behörden bestimmt wer­den. Allen diesen Wünschen, die vom Abg. Rheinlän­der vorgetragen wurden, wird Geltung zu verschaffen ftU5lo<f) ein kurzes Wort über den Sprecher der So­zialdemokratie, den Abg. Hellmann. Wenn der Redner seststellt, daß feine Freunde dem Gesetzentwurf inner­lich ablehnend gegenuberstehen, so Dürfen wir »hm mit den Worten entgegnen, mit Denen Der Abg. Rheinländer unsere Auffassung kennzeichnete, daß mir tue rtrage, ob der Gesetzentwurf halte, was in Der Verfassung oer- fprochcn werde, nicht irefttos bejahen

bern zu einem Teil verneinen müßten. Denn aus der alten Simultanschule, die man zur Grundschule machen wollte, ist die weltliche Schule geworden. Wenn aber Herr Hellmann in Dieser ganzen Frage von einem Enr- aeqenkommen des Staates spricht, er meint )men el- los die Beibebaltuna der konfessionellen Schuie so möchten wir ihn Doch in Dieser Beziehung auf einen verhängnisvollen Irrtum aufmerksam machen. Scun noch besteht der Staat nicht bloß aus isozialbemokra- teu, die uns etwas zu verschenken hätten, sondern aus einem sehr großen und überwiegenden Teil von christlich gesinnten Bürgern, auf deren Wünsche Der Staat in gleicher Weise Rücksicht zu neh­men hat. Wir verfechten wohl Die Staatsautorftat, aber in keinem Falle die Staatsomnipotenz. Und schließlich hat ja auch Herr Hellmann eingesehen, daß, wie er selber sagt,weite Elternkreise noch hinter dem heutigen Religionsunterricht stehen." Freihehit für alle in ihrer kulturellen Entwicklung und strengste Wahrung der Ellernrechte, auf dieser Basis können wir über diese Dinge weitersvrechen.

Nachdem noch Abg. Mumm (Deutschn.) und Abg. Runkel (D. Vp.) für die christlich-nationale Schule ge­sprochen hatten, trat Vertagung ein.

Dienstag: Anfragen, Weiterberatung.

M Mm M 6ü8 8i«llmm.s.

Tie Besprechungen am Montag über die Steuer­frage in der Reichskanzlei, an denen der Reichskanzler, der Reichssinanzminister Dr. Hermes, Dr. Rathenau, Vertreter des Zentrum?, der Sozialdemokraten, der Teutschen Volkspartei und der Demokraten teilnahmen, wurden eiugeleitet durch Darlegungen des Reichs» finanzministers über die Gestalt, die die Steuer- vorlaaen der Regierung durch die bisherigen Be­schlüsse der ReichstagSanSschüsfe gefunden haben. An das Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache, bei der die Frage der Zwangsanleihe eine große Rolle spielte. Die Besprechungen, die länger als 3 Stunden Dauerten, haben eine Lösung des Steuerproblems noch nicht gebracht. Nach Schluß der interfraktionellen Besprechung trat die sozial­demokratische Partei zusammen, um auf Grund der Berichte ihrer Vertreter zu bestimmten Vorschlägen Stellung zu nehmen. Die Fraktion wird Dienstag nochmals zusammentreten.

Auch die interfraktionellen Be­sprechungen sollen Dienstag mittag 12 Uhr unter Hinzuziehung der Bayr. Volkspartei fortgesetzt werden.

Natürlich!" meinte Der Kaufmann höhnisch.Und den Mann auf Dem Totenbette m Anklagezustand ver­setzt, ohne die geringsten Anhaltspunkte zu haben. Kann denn nicht auch ein Kassierer einmal ein unglücklicher Mensch gewesen sein und doch nicht in feine Kaste ge­griffen zu haben?!"

Gewiß kann er bas!" sagte Dr. Weiß.Aber eines schließt bas andere nicht aus. Im Gegenteil, Sie sind es gerade ihm selbst schuldig, genau nachzuforschen, Die Kasse zu stürzen und die Bucher zu revidieren oder re­vidieren zu lassen."

Gut!" entgegnete Selstermann scharf.Ich werde das besorgen. Aber ich werde es selbst tun. Ich werde es nicht einem Dritten übertragen und damit dem Arg­wohn gegen Müller und dem Tratsch über ihn und uns Tür und Tor öffnen!"

Ich halte es für besser", erwiderte Dr. Weiß hart­näckig,daß Sie bas burch dritte Personen besorgen las­sen. Es muß ganz objektiv, ohne jeden Schein der Nach­sicht geschehen. So, wie ich Lore Müller übrigens schon früher hier im Haufe kennengelernt habe und wie sie mir insbesondere heute gegenübergetreten ist, würde sie niemals sich mit einem Verfahren einverstanden erklä­ren, bas mich nur ben Anschein der Gnade trüge. Sie verlangt nicht Gnade für sich, sondern Recht!"

Selstermann erhob sich.

Da bin ich also nicht mehr Herr im eigenen Hause?" sagte er gereizt.Ich muß eine hochnotpeinliche Un­tersuchung anstellen lassen, obwohl ich überzeugt bin, daß der, gegen den sie gerichtet ist, absolut unschuldig ist. Nette Rechtszustände das und eine nette Freiheit, in der wir in dieser aufgeklärten und fortgeschrittenen Zeit leben!"

Er ging bis an die Türe des Nebenzimmers, legte die Hand auf die Klinke, kehrte aber, ohne sie aufzu­drücken, wieder um, als scheue er sich, das zu tun.

Und wenn ich mich nun nicht zum Sklaven all der Vorurteile machen lasse, wenn ich einfach einen ehrll- ' chen Menschen ungefragt un uninquiriert auch über das ®rab hinaus für ehrlich nehme, was hann?i"

Preußischer Landtag.

Sie Not der Saarländer.

Die Not des Saarlandes stt das Thema Der Mon­tags-Sitzung. Der Debatte liegen mehrere große Anfragen zmrunde, zu deren Beamtwortung Mimster- prösident Brauns sofort das Wort ergreift, um emdrmg- ljch uni>) ohne Schminke die Leiden der Saavdeustchen zu fch.ldern.b n i>e5 Friedensdiktates, so führt der Minister aus. find für die Bewohner des linksrheinischen Gebietes itimfo unerträglicher, wenn die willkürliche ®

Vertrages zu Vergewaltigungen und klem.ichen Quälereien fuhrt, wie wir sie vornehmlich m den von Franzosen besetzten Gebietsteilen immer wieder er­leben müssen. Das wirkt um so eigenarti^r, als letzt öie Beiatzungsbehörden durch Untersuchungskommistionen feststellen lassen wollen, ob der Schulunterricht auch an Geiste Der Bölkerversöhmmg" erteilt wird, -liefe Be­hörden haben die moralische Legitimation dazu verwirft. Die Bevölkerung des Saargebietes rst kerndeutich. Si. yar imzweiderttge Beweise unerschütterlichen Willens gegeben, mit Deutschland vereint zu bleiben. Leider cermogen Preußen und das Reich bei der gegenwärtigen Rechtslage kaum 'ctwas Positives für die Saardeutfchen ZU tun. Um­somehr müssen wir daraus achten, daß von der Saar- Regierungskommisfion imd den sonstigen Beie.ligien die übernommenen Beftragsverpslicht irrigen erfüllt werden. Unzweideutig sieht man überall die Absicht, das Saargebtet aus seinem 'ersen politischen und wirtschaftlichen Zusarn- menbeng. mit Deutschland zu lösen und Frankreich durch Einräumung von weit über den Vertrag binausgebenben Rechten Die Möglichkeit der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Dirrckchringimg des Saarlandes zu bieten. Die preußische Staatsregierung kann dieser Bevölkerung nur zuvusen: Volk und Regierung in Preußen sehnen Die Stunde der Wiedervereinigung herbei und bewahren euch Irene um Treue.

Abg. Metzinger (Ztr.) begründet dann die große An­frage des Zentrums, die sich gegen die zwangsweise Ein­führung der Frariikenlöhnung im Saargebiet wendet, wobei üch eine Einmütigkeit aller Parteien ergibt. .

' Es folgt die gemeinsame Beratung von neun An­trägen und Großanfragen, Die sich mit den durch die B e - setz un g des R h e i n l a n d e s verursachten 'Schaden be- f ' Innenminister Severinq berichtet über Die Maßnahmen, die die preußische Regierung gemeinsam mit der Reichs- reckerung unternommen habe, um die Lasten Der Be­satzung zu mildern. Die preußische Regierung und die Reichsregierung stehen gemeinsam auf dem Standpun.t, dich sich die weitere Besetzung Der rheinischen Brücken­köpfe nicht rechtfertigen läßt. Das Auftreten der Be­satzungsarmee ist mit dem Geiste des Rhemlondabkom- mens unvereinbar. Beschwerden der Bevölkerung gegen Hebelgriffe des Militärs sind meist erfolglos oder schädigen den Beschwerdeführer. Kuftnsmimster Dr. Dölitz beant­wortet irarm mehrere > große Anfragen, die sich gegen Maßnahmen der Rheinlandkommission wenden. Diese will für den im besetzten Gebiet erteilten Unterricht einen Untersuchungsausschuß einsetzen. Der gegen die Lehrer Vor­gehen soll, di« aus dem unbesetzten Deutschland stammen imd nach der Behauptung der Rheintandkommission m ihrem Unterricht gegen den Geist der Völkemersöhniung ver­stoßen. Der Minister erklärt dazu, diese Maßnahme der Rh einte ndk ommlffron sei ein mit Dem Friedensvertrag und dem Rheintandabkomm en unvereinbarer Ein­griff in Die preußische Schulverwaltung.

Abg. Schmid! (Ztr.) und 2lbg. Bachem (Dnil. Vp.) begründen dann verschiedene Anträge und Anfragen.

Dienstag: Weiterberatung.

Ijk IIMlMIl «

M SZmMWMkl!

hat den Abg. Dr. Faßbender in Verbindung mit. den Abgeordneten Go11wal d-Verlin, Frau Heß- bnrger, Dr. Schmedding und den übrigen Mit­gliedern der Zentrwmsfraktion des preußischen Land- tetges veranlaßt, im Lanldtag eine diesbezüglich: An­frage an das Staatsminiftermm zu richten.

Sie weisen darauf hin, wie im Theadtr- und Schau­stellungswesen nach zahlreichen Presfestimmen Zustände^ herrschen, Die unzweideutig erkennen ließen, daß unter dem Deckmantel künstlerischer Bestrebungen vielfach das sittliche Bolksempfinden vtrhängnisooll beeinflußt.

Dann erklären Sie unter Umständen mit dieser noch so gutgemeinten, aber übel angebrachten Rücksicht Den für alle Zeiten vogelfrei, den Sie schonen wollen. Je­dem Verdachte, jeder Verleumdung bleibt er für bte Zukunft ausgeantwortet und fein Kind mit ihm. Uebr»- gens hat auch jeder andere hier im Hause einen ge­wissen Anspruch Darauf."

Ehe Dr. Weiß den Satz noch vollendete, klopfte es an der Tür.

Drei Herren vom Personal, an ihrer Spitze der älteste Buchhalter, erschienen auf der Schwelle. Sie zogen sich aber, als sie den Besuch sahen, zurück.

Es möchte mich wundern", sagte der Anwalt,wenn die Herren nicht in der Absicht gekommen sein sollten. Sie just um das zu bitten, was ich eben angeregt l>abe. Sie haben mit und neben Müller ein Interests, daß alles auf das Genaueste untersucht wird. Denn ihr Ruf leidet gewissermaßen auch, wenn in dem Geschäfte, dem sie dienen, etwas dunkel und unaufgeklärt bleibt."

Ein förmliches Komplott also, warf Selstermann zornig ein.

Ich habe mit niemandem gesprochen!" antwortete Dr. Weiß ruhig.Jeder handelt da aus seinem eigenen Empfinden heraus. Das Ehr- und Rechtsgefühl ist eben heutzutage so fein entwickelt, daß es bei der ge­ringsten Störung alle, die in der Zone dieser Störung stehen, gleichmäßig in Bewegung setzt "

Es klopfte neuerdings.

Gretchen Selstermann war es.

Sie begrüßte die beiden Herren und sagte bann zu ihrem Vater:Ich komme von Lore Müller."

Du weißt auch schon darum?!" fragte er erstaunt und unangenehm berührt.

Der Herr Doktor ist mir begegnet, als er zu Dir ging!" antwortete sie.

Argwöhnisch flog der Blick des Kaufmanns von Dem einen zum anderen.

LLortfetzlML folgt.!