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M 15.

»relfafl. SO. Januar 1922.

aer Zeitung

Druck der Fuldaer Nctieudruckerri iu Fuld»

D.e Schlachtfelder des Weltkriegs.

Jeder KriegLteilnebmer ist auch heute noch von Interesse erfüllt für die Gegenden, in denen er während des Weltkrieges gekämpft und gelitten hat. War ec doch wohl, rem stofflich ge- nommen, mit keinem Boden fo .eng verbunden-, wie mit diesem Booen deS «awpfgeländes, als dessen Bestandteil er fich. nn Erdloch hausend, namentlich bei Regeuwctter, fühlen mutzte. Von Herrn Tr LiphonS Nobel aus Fulda, jetzt in Berlin, dec kürzlich als Der- trerer der .Germania" an dem inter» nationalen Kongretz rn Paris teilnahm, stellt uns über seine Fahrt über die Schlachtfelder des Weltkriegs folgende Ausführungen zur Verfügung.

t Mit sehr gemischten Gefühlen fährt man heute als Deutscher über die ftanzösische Grenze. Schon das Be- wußtsein, irr ein Land zu kommen, das uns in nn:r Weise haßt, die wir nicht mehr begreifen können. Nicht einmal der Triumph des Sirgesb-wußtseins hat dies it Haß auslöschen oder auch nur mildern können. Und s>'rn:r: cs ist auch nicht angenchm für den Besiegten, dieses Siegnberouß sein in nächster Nähr mitzuerleben. Aber all das verschwindet unter der Enoartung, unter ter Neugier, die zerstörten Gebiete wirderzusehen.

Es ist das keine Neugier, die irgend ktroas mit SenflitionslLstcrnhrii zu tun Hai. Man war ja dach f.'lbft draußen gewesen und hatte auf dieser Erde die erlebnisreichsten und auch die tiefsten Jahre erlebt. Jahre, deren Brdruiung nur der w:, der es selbst erfahren hat, keiner aber der anderen, die den Krieg zu Hause oder gar in der (Stopp: verlebten.

Nun saß man also an den Zugfmstern und wartete. Wir würde cs sein? Würde man noch einen richtigen Stolleneingang zu sehen bekommen? Einen Graben, Unterstände. Bat,Bestellungen ober gab es das alles nicht mehr? Würde man ganz das Milieu des Krieges trieb:r haben, ab'r würde es heute einem fremd fein? Und dann eine, fast heimlich sich selbst gestellt Frag» traurigster Erwartung: würde man an einem deutschen Friedhof vorbeifahren, und wie würde der ausieh::?

Alles fern und alles sah man in jener schrecklichen Wirklichkeit, und es war wieder so, rote wenn man vom Urlaub kam, und näher!« sich der Front. Doch es ist nötig, es der Ruhe nach zu erzähl'n.

Auf der Hinreise nach Paris fuhr ich am R h e i n - Marne-Kanal entlang. Schon diese typische Landschaft rief das Milieu des Krieges wieder wach. Der schnurgerade Kanal, wie tr bei Cambrai. an der Aisne und anderswo an der Westfront gewesen war. Stellonweise höher als die Wiesen an ftmen Ufern.

Und hinter parkartixen Gärten dieChaieauschlöß- chm", wie wir sagten, und dft Orlschaft n mit den aus grauem Stein gebauten Häusern, deren Dach nicht wie das deutsche im spitzen Winkel aneinanderstößt, sondern stach und fast roag-erecht einen stumpfen Winkel bildet. Schon ist der Zug in einer Seitental ter Marne und denn kommt diese selbst: Chalons sur Marne nit seiner spitzen, zweittürmigen Kathedrale. Das M a r n e t o l. Zweimal Kriegsschauplatz, doch immer nur vorübergehend, denn nur B wegungskrrg war über dieses Land gegangen.Les daux Marnes" sagen b:e Franzosen und meinen damit die enischridnnde Schlacht 1914 sowie die im gleichen Sinne entscheidende Osftnsire. die sie mit Hilfe b*r Amerikaner gegen unsere, in dem Vorstoß romCl>e>rin des Dames" bis Chateau Thierry und Epernay vorgedrun- geleen Truppen im Sommw 1918 unternahmen. Für sie sind dirzwei Marnen" gleichl-oleutend mit der Rettung ron Paris, denn hftr waren ja zweimal die Deutschen am nächsten an ihrer Hauptstadt.

Schon bald nach Chalons sur Marne, ihrem Haupt- rteppeirort, sind n.chts ter Dahn vereinzelt z rschossene E Höfte zu scheu, die noch vollständig in Trümrern liegen. Dann häuft sich der Anblick solcher Gebäud-, manchmal ist es ein halbes Dorf, dann nur ein Nord- oler 6Kau5gcnn._ Ganz fei en sicht man an den neuen, blendend roten Dächern, daß etwas aufgebart ist. Die M hrzahl li'gt urrrerön-dert da, sehr merkwürdig ange­sichts der Tatsache, daß cs sich hier doch nicht um eine Landschaft handele, den drei oder cor vier Johne S!el- lungskrieg nickcrreftampft hat. Und man muß daran denken, daß es kaum mehr als eine Schnelbugsstunde entfernt ton Paris ist: denn bald nachdem tiefe Kriegs- ?Drr aufhört, rast der Zug an der alnrsgranen Kathe- "'E ^ou M e a u x vorbei hinein in das Häufevaleer d.-r W lstadt.

Aus Gelt und wissen.

Allerlei Spenden und Abgaben. Krieg und Kriegsnöte stellten an unser gutes Herz besondere Ansprüche. Auch jetzt noch wird man immerfort gebeten und ermahnt, mit freiwilligen Gaben da, und dorthin nicht zurückzuhalten. Aber man er» tungt-i mit Geduld, man gibt nach Kräften, denn man weift, rote notwendig die Spenden sind und welchen Segen sie stiften. Freiwillige Selbstbe- lastungen gab es schon in alten Zeiten, in einzelnen Gegenden auf dem Lande kennt man noch heute sogen. Spendetage, an denen aus Anlaß von grö« geren Dorf- ober Familienfesten der ärmeren Be­völkerung reichlich gedacht wird. Aus den erst steiwilligen Spenden für gute Zwecke, fo z. B. auch ^^mittelalterlichenArmenbrot" oderArmen­stuck", demDotenbrot" usw. haben sich t~e Abgaben mtwickelt, die zwangsweisen Steuern, die man zur Förderung allgemeiner Interessen erhob, entweder von allen zugleich oder auch nur von solchen, die durch irgend eine E'nrichtung besondere Vorteile hatten. Unsere Wehrsteuer z. V. ist in ähnlicher Weise früher schon einmal dagewesen in dem sog. Gemeinen Pfennig", der zur Abwehr der Husirten mb bann ber Türken im ranzen Reiche erhoben, aber 15(b wieder abgeschafft wurde. Die Städte haben schon frühzeitig eigene Abgaben erhoben, bas sog. Umgelb ober die Accise, beren Erträgnisse hauptsächlich für Befestigungswerke, für Umfas- fungsmauern, Gräben und Wälle Verwendung fanden. 3m Mittelalter verwandelte man die Ab­gaben teilweise in feste, allgemeine und regelmäßige Steuern, gelangte auch sogar zu kombinierten Per­sonal- und Vermögensste"ern, und man wird sich Nicht wundern, wenn sckon damals von den drückenden Lasten" die Rebe war, gegen die man heftig zu Felde zog. Jetzt iffs ja nock viel schlim­mer, jetzt haben wir eine Legion von Steuern, und trotz alledem ist die Gebelust und -Laune nicht er­loschen, trotz allem fließen noch reichlich auch frei­willige Spenden. pos.

Die äliesle deutsche Eisenbahn. Wenn auch der erste Lolomotivzug in Deutschland am 7. De­zember 1835 von Nürnberg nach Fürth abgelassen ir *- -**' diele Essenbahnstrecke nicht die

Die großen Strecken der alten Front sah ich aber erst aus der Rückfahrt: Reims, Menchould, Verdun, Etain. Durch das Tal, in dem Fis- m e s und I o n ch e r y llugen: die Orte, die wir b_i dem Vorstoß vomChemin des Dames" aus im Frühjahr 1918 in ein paar Tagen überrannten. Dch kannte alles sofort wieder: Straßenübergänoe: eine Mühle, aus der wir damals ein französisches Maschinellem hrnest ausräuchern mußten; den Bahnhof von I o n ch e r y, neben den wir unsere Batterie austz fahren hatten. Es ist fast nichts auf gebeut, obwohl cs sich auch hier nur um vorübergehende Kampfzonen hmLi.lt. Und dann Reims, wie oft habe ich es brennen fthen von den Höhen am Ardretall Es scheint das ftanzösische Kriegs- Heiligtum zu werben. Am Pariser Lstbahnhof kündigen große Plakate bedeutende Pr ieermäßieungon für die Fahrt noch Reims an, für Kriegsteilnehmer ist sie so­gar umsonst. Von der Bahn aus hat man den Ein­druck, als ob sehr viel aufgebaut fei, doch soll dies, wie mir allenthalben versichert wurde, nicht der Fall fein, man hat nur die Gebäude längs des Schienenftranres airfgericb'rt, alles andere, besonders im Innern b r Stadt, ist in nickst viel besserem Zustande als un>.mttel- bar nach hem Kriege. Dunkel und immer noch über­wältigend steht die Kathedrale da, deren Zer- ftönmg uns die Franzosen sehr mit Unrecht in die Schuhe schieben. Bekanntlich ist der größ'e Schaden durch dm Bra'.ch des zum Schutze d.r Fassade errich­teten Gerüstes entstanden! tiebricens: warum sprechen die Franzosen nicht" davon, daß sie ohrL jed,e Veran­lassung selbst die kunsthistorische unersetzliche M a r - tinskirche in Laon durch Artisieri.f.'uer völlig zerstörten!

Ich fuhr mnler, wieder Chalons ftr Marne und bann poralen zur Champagne-, Argonnen- und Ver­dun front. Es wird mir so recht klar, welch ungeheuren Vorteil die Franzosen durch diese Bahnlinie halt"N. die die Etappen ihrer Front miteinander verband. Der große Etappenlatz Menchould (für die Argonnrn!) bietet auch heute noch ein g'rnches Bild, wie cs unsere nlstchrn Bahnhöfe im Kriege boten, so wenig haben die Franzosen edat, um ihr Land wieder in den alten Zu­stand zu setzen. Allenthalben die großen Munitions­lager. (''stehend aus lauter kleinen Stapelplätzen für die Munition, zur Hälfte in die Erde gegraben. Man sieht euch noch die cinstioen Pionierlager UNÄ vor allom die Baracken, in denen die Truppen in der Ruhe be-ro. Roserrest-ellung urrrroobrach! waren. Heute wohnt die Zivilbevölkerung in ihnen. Von aufgebartten Häusern ist w nig zu sehen (man erkennt diese natürlich sofort), das einzige, ross vonAufbauarbeit" in dieser (Etap­pen-) Zone wahrzM'hmcn ist, sind die zugeschüllettn Gräben b^r Reservesteilunren, soweit sie lurch Aeckcr gehen. Aber der Haupteindruck di fer, die ehemalige Etappe darstellenden Zonen bleibt der eines öden Strich Land«, zu dessen Kultivierung man nicht das geringste tut.

Im wunHervollm Sonncnwetter glitzert überall das ehemals so pehaß'e Wellblech. Ich lebte ganz in der Atmosphäre des Kriegs und würde mich nicht im gv- ringften gewundert haben, hätte ich Fesselballons am Hori-ont gesehen. Und dann kam Verdun!

Ich sah es oft von Artiileriebeobach"ung und kannte also die dickst Türme finer elromolven Kathedrale und b5? ausgedehnten Danl'chkeiten seiner Kasrnnen Ich-hatte sie während der Derduvsckste.cht fm Frühjahr 1916 noch in verhältnismäßig erhaltenem Zustand pe- sehrm Nun lag das alles in Trümmern, di? Kathe- draft. die Kasernen, die Eisenhailen des ursprünglichen Dahnboss: d'r neuerrichtete Notbahnbof ist ritt "unan* s'hnl'cher Zieressteinbau, d:r fein beso"deres Zeugnis für die llsthstisck.f Seite dos Medrrausb«>s ist! Sonst ist in der stör vusondehnten S'adt> fo gut wie nichts aufaebout, die Bevölkerung wohnt auch hier in den einstigen Militärbaracken. Aber zwischen den Trüm- ment herrscht tas leöftaftest' Tr ibrrr: merkro'irdig'r- weise sehr viel Militär. Und Au'vs. Anscheinend ist hier ein Ausgategspunkt der Eookschen Tou­ren über die Schlachtfelder Verduns. Ne ran an tun Plrckalirtlen in Paris angeuri.frn sicht. Cb man auf demToten Mann" dann seinen Lunch nimmt oder auf der Höhe 234?

Hinter Vordem k'eiert die Bahnlinie in langsamster Zahlst oui die Hochfläche von Woeuvre dicht an den Forts Baur und Douaumov.t vorbei Man hol di di.ser langsamen Fcchtt Muße genug, sich alles gonciu anzusehen. Es ist schrecklich, es sieht alles noch genau fo aus wie int Krisne: Schützsnoräben, kaum daß hie und da bi? Drahtverhaue beftrtigt und in Pyramiden traf den F i>rn auf-ebeut sickd. Wmrn- räumt ist nichts. Die Wälder sind ein klein wenig rrwiiMWiirm «Biniin umi MtMtmaeA».

älteste in Deutschland. Vielmehr war schon fünf Lahre zuvor nämlich ein Herr Mohl aus Barmen und der Arzt Dv. Voß aus Steele zusammenge- treten.um mittels einer Eisenbahn den Absatz der Ruhrkohle nach dem Wuppertals und ins Bergische zu vermitteln." Sie stellten die Strecke in der Tat fertig. Sie war von vornherein für den Lokomo- tiobetrieb eingerichtet worden, aber als sie 1830 dem Verkehr übergeben werden sollte, versagte der preußische König Friedrich Wilhe'm III. die Ge­nehmigung zum Dampfbetrieb, weil kurz vorher in England Stephensons erste Lokomotive bei ihrer ersten Fahrt einen Menschen ü'ersahren hatte. Die Unternehmer mußten sich daher entschlleßen, die Bahn durch Pferde betreiben zu lallen. Abgesehen hiervon war es aber eine richtige Eisenbahn, denn Pferde- oder Straßenbahnen gab es damals noch nicht. Die Linie begann bei der Zeck;» Himmels­fürsten Erbstollen an der Ruhr, ging im Ruhrtal abwärts bis Hinsbeck (jetzt Kupferdreh) und ver­folgte von hier aus das Deilbaebtal aufwärts bis Rierenhof (Rie-derbonsfeld). Die Haltestelle in Hinsbeck lag der sväteren Station gegenüber. In der Nähe macht die R'chr an der Stelle, wo jetzt der netze Schacht der Zeche Prinz Friedrich abge- teitft worden ist. eine scharfe Biegung, einen Dreh", vor dem Phönirberge her. Da die Schiffer hier die Ladungen des Kuvserhammers übemah- men, nannten sie den Ort Kopgerdveih und danach wurde der Bahnhof Kupferdreh genannt (es ist übrigens jetzt ein Ort von 13 050 Einwohnern). Die neue Bahn beförderte anfänglich nur Kohlen; diese wurden von der Endstation Nierendorf durch Pferdefuhrwerk nach Elberfeld und anderen Orten des Bergischen Landes befördert. Aber schon im Zweiten Jahr wurde die Bahn gelegentlich auch zur Personenbeförderung benutzt. 3n diesem Jahre war Print Wilhelm, der jüngste Bruder des Kö­nigs Friedrich Wilhelm NI.. Esncralgo'vernsur von Niederrhein und.Westfalen, mit Eemah'in und drei Kindern im Deil achtal. Bon Langenberg fuhren sie mit Gefolge in 33 mit Teopichen beleg­ten Kohlenwagen noch Kupferdrch. Seither wurde die Bahn Prinz-Wi Helm-Bahn genannt. Zwei Jahre später, am 19. Oktobc 1833, befuhr auch der . Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Löw-

wieder zugewachsen, ich denke darüber noch, wie lange es wohl dauern wird bis die Natur die JBalber rot?-er oufnebaitt hat, und ich glaube, daß es noch frichrr sein wird, als dft Menschen alles wieder her^erichtet haben. Woran liegt divser entsetzliche Zustand der Knegszone? Daß es möglich ist, auch die verwüstetsten Eckm des Krieges tr'-ebr herzurichten, beweist, was die Belgier auf ihren Schlachtern geleistet haben. Es mag tn fan Zusammenhang erwähnt werdeft. daß nxi)t italienische Arbeiter zu den Arbeiten auf dem Gemme von Verdun verwandt werden.

Der Zug fühtt durch den berühmten Tunnel, in dem die französischeit Rcftrven vor den stürmen standen, und dann durch die vorderste Linie es «ft alles noch rol>: ch dem, die Stolleneingänge freilich zerfallen, denn die Stollenhölzer verfaulen lancfam. Und hier sind auch die Drahtverhaue noch intakt.

Nichts ist aufgebaut in ter Zone d--r einstigen Front, mit einer Ausnahme der F r i e d h ö f e. Sn eiitr un» endlichen Arbeit hat man dir Gräber zusammen gelegt und zu großen Fr's:dhöfen vereinigt, und ihr Anblick ist etwas" was ich nicht so leicht ver,7?ssen rr-rrde. Bon M nehould ab in uirun erbrochener Fmxe an den Hän­den des Tals die Soldatenfriedhöft, in Reih und G.ied die Kreme: blau-weiß-rot; farbrnfrol) wie die französi- schm FrisdHöfe überhaupt. Und auf jedem weht an einem Rsisenmast dft Trikolore, so daß man schon von writtm dm nächsten Kirchhof sicht! Der erste und größte Eindruck bei Irr Einfahrt in Dcrdun ist ein sol- chrr cnisctzl'ch großer Friedhof. Und um Bahnhof das Schild: renseign ment des tombeaur. Nur ein paar einzelne (Drüber sah ich noch am Hang über Verdun: drei schon remitiert,: Kreuze mit den S'ohlh:li.r.en.

Dicht bei Etain ater suhr drr Zug an einem Friedhof rorübtr, ter nicht den farbrnsrohrn und ge­pflegten Eindruck machte wie di« anderen auf der fron- zösischon Seit»'. Schwarze Kreme, Gräber ohne Schmuck ein deutscher Friedhof. Meine toten Kameraden und nie ist cs mir mehr zum B wuß.ftin gckommen, daß wir die Besiegten sind. Und dabei etwas wie ein Schamgefühl: warum tut die deutsch? Hcdm,at so wenig für die Gräber unserer Toten in der französischen Erde!

Aus dem Nachbaroebiet.

fpb Hersfeld. Das Lullusk> ad soll fttzt in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Das Aktien­kapital soll 10 Millionen Mark betragen.

fpb Frankfurt a. 2H. Zur Nutzbavrachanz der Mainwasserkräste plant die Stadt Frankfurt gemein­sam mit der Studiengesellschaft Wiesbaden die Anlage eines ^Wehr- und Kraftwerkes Schwan­heim" in unmittelbarer Nähe des Nachbarortes Schwanheim. Das Kraftwerk soll in den Strom einge­baut werden, sechs Turbinen erhalten und mit Aus­nahme der Eis- und Hochwasfertage in Betrieb sein. Die Gesamtleistung wird auf 6400 PS berechnet, denen sine Erzeugung von 2200 Millionen Kilowattstunden gegenüberstchen. Der (Sefamtfofterctufroarb wirb auf ni hr als 200 Millftncn Mark beziffert. Nach Fertig­stellung des Werkes wird eine Senkung des Grund« traffers beim Scknvanhoim um 78 Zentimtter eintreten und von Frankfurt bis Schwonh-im einen einheitlichen Ma:nwasscrspicg:l crhal'cn. Dampferfahttcn können dann ohne Störung bis Oberrod unternommen werden.

mc Aus Franken. Zahlreiche Sem'irQen am Mit­tel- und Untermain, die den Weinbau schon seit Jahrzehnten aufgegeben ha ten, sind anscheinend weg n der hohen Preisu erneut zum SBeinbau üb rgszangen. Es haben sich vielfach W i nz«e r v e r e i ne ^gegründet, welche viele hundert? von Morgen Land dem Weinbau zuführen wollen. Es ist ja bekannt, daß in früheren Jahrhunderten der Maimvain im Handel eine große Rolle fei eite, ron dem noch dr Wünbur--er und Dlilöm- berget WünhPadel ein kleines Abbild ist. Der Wein­bau wurde mit Erfolg bis hinunter nach Frankfurt be­trieben. Man darf den neuen Weinbaubestrebungen mit Interesse entgegensetzen.

Kus Merheflen und den heffischeuAem-ern.

*= Fritzlar. In der 23erfcnr.mT'img ber h'esizen Zen- frumsportei sprach am Sonntag Dr. Scharp-Fronk» furt über das Reparackonsproblem. Er stell e d-n Fneben der Woihnocht m Gegenfttz zu dem Hatz imb Streit, wovon die Welt seit dem Teee der KrierserNärung barckWwhIt werde. Nach dem Schweigen der Kanonen sei ter Frie­den noch nicht eingetreten. Die Kriegsgegner fäljen ihren DsrnchempswAen noch nicht gestillt. Deutschland, durch den Krieg selbst, durch unerhörte Abesben, durch dm Raub der Kolonh'n. der Flotte, ter wirtschaftlich stärksten Ce- biete, durch die Besatzung aufs äutzeftte geschwächt und

Friedrich Wilhelm IV., diese Bahn, a's er die Brovineen Rheinland und Westfalen besuchte. Diese Eisenbahn wurde, nachdem auch ihr der Gebrauch von Lokomotiven gestattet worden war, 1846 einer­seits bis Steele (über die Ruhr), anderseits bis Vohwinkel fertig ausgebaut. 1863 ging sie in den Besitz der Begrisch-Märkischen Eifenbahn-zesellfchaft über und wurde durch die Brücke bei Steele mit deren Bahnnetz verbunden. pos.

Dos ein Pferd durch Peitschenhiebe leibet Man kann immer wieder die traurige Beobachtung machen, wie den Pferden Lasten zugemutet wer­den, denen sie absolut nicht gewachsen sind. Mit Peitschenhieben werden die armen Tiere ongetrie« den, ihre letzte Kraft aufzubieten. Was so ein Tier durch die Peitschenhiebe an Schmerzen mis- zuha'ten hat, darüber geben die Versuche, die der Pariser Tierschutzverein angestellt hat, Auskunft. Bei den Versuchen wurde folgendermaßen Gorge» gegangen: Gegen eine noch nicht erhärtete, blech- kuchenariige Tonmafse wurde ein Peitschenhieb ge­führt. Die Tiefe des Eindruckes in den Ton zeigte die Wucht des Hiebes an und wurde genau ge­messen. Derselbe Riemen wurde dann auf eine andere Tonfläche von g'eicher Beschaffenheit gelegt und vorsichtig mit Gewichten belastet, bis ein ebenso tiefer Eindruck in den Ton entstand, wie bbi dem P ktsHettliieb auf der ersinn Tonmasft. Nachein­ander wurden nun auf solchen Tonmaffen auch Peitschenschnüre anderer Form ausprobiert, und ebenso wurden jedesmal auf einer Kontrolltonmalle Eindrücke von genau derselben Tiefe durch Aus­legung von Gewichten auf die verschiedenen Schnüre erzeugt. Die zu den verschiedenen Hieben nötig gewesenen Gewichte ergaben ein Ansckauungsblld für die beim Peitschenhieb auf den Pftrdekörper jeweils angewendete Kraft. Der runde Riemen hatte einen Druck von 35 Kilogramm, der quadra­tische Riemen einen Druck von 54 Kilogramm und der dreieckige sogar einen solchen von 73 Kilogramm ausgeübt. Bei den konischen, d. h. svitz zulaufenden Riemen sand man einen Gesamtdru.ck von 142 Ki'o- gramm. Obige Angaben bedeuten sogar bloß Durchschnittswerte: denn die Streiche waren nur mit mittelmäßiger Kraft ausgesührt. Und trotzdem We aro&en Ziffern! Sie geben eine Sßerar' jau*

durch ständ>e Bedrohung in seiner Produktion mohlo, rebenwnt dieses Deutschland soll- nach dem Londoner UM- maum noch un^rure GnWgui^sfummen befahlen. Doi den Dollern, die noch nr.cht ganz rom chah geolendet seien irrt) sich den Blick für ihre wahrenInteressen de- wichrt hätten, berönne es rcklerdmns tu dämmen,. Don Amerna und England aus, wo d-e.Arbeitslongkcck kata­strophal fei, tönten die ©.Immen, be eme RevLwn for- derten, immer Iau*er. Die Wukunxen bl eben n.cht aus- Ennlonid habe die Anhörung deutscher Vertreter m Cannes d-urchersetzt, man habe das Mosa'oa.um mcht abgeleh... r«d keine Zwongsinaßnahmen ergr'ssen, m Genua wurde» deeutsche Dettreker mll denen ter Feindstaaten verhandeln. Die Entw'ckluna werde auch über die sranzön chen Chaa»- vknestes und Militaristen hinweeschrellen. ier_ 3ttonet bemeeste, daß man niemanden d'ese Gedankens anee auf» z^irrgrn könne. Aber im Interesse des EesamtrateilMde» müsse man verlangen, das; man dem Lester der cruswartr- gen Politik nicht durch eine maßlose ftetze in den Rucke«i falle, wenn man salbst nächt gow'llt sei, b:e Ce'chatte M irbernchmen, und dafür bürpon könne, etwas besseres zu leisten.' Ueberhai'pt müste das Dolk sich fom^-cn, es müsse tu der BolÄik e'ner eroßen Koalition der Mitte kommen, man müsse christliche Nolltck zu treten crnftmeen, die nicht eine entere Morvl für sich in Arispn-ch nehme, ds W im Letzen des einzelnen retten nn lle. Man mülle w:ll«L fein. Eercchchestrit und chllk^ereillchast tr.f wsrtsck»Ät''cheM (Bebet und Mim in fdhreTen Fnaa-n zu be'ätirentt Dra warmen und klaren, ron iettich'r Parte'se'den-schast' fee'en A<i's°ü'hruneen des Redners renfolate die starke Zu­hörerschaft mit lmitloser Aufmerksamkeit und reichen Be.ftS dankte ihm. '

Vermischter.

Im Hemd mkfloben. Einer der gefährsichsten Ci!. brecher Sachsens, der Arbeiter Engelhardt, ist nur m i? dem Hemd bekleidet, aus seiner bcppe't gs sicherten Zelle im Dresdener Gefönari- entwichen Er sollte dem Zuchthaus Waldheim zu->esührt werde^ um dort eine Zuchthausstrafe von 14 Jahren zu vev büsten. , _ ,

Vluchers Palais nerkaufi. Das berichmte Palah Blücher am Paristr Platz in Berlin ist an ein' Letten namens Zimdina verkauft worden. Das fiat» liche Gebäude war ein Ge'chenk llrriedr'ch Wilhelms III an den Fürsten Blücher, den Marschall Vorwärts ir Befreiungskrieae. Blücher bewahrte dort a -d) den t)1 storischen Kutschwaaen Navoleons I. au, der auf de' Schlachtfelde von Belle-Allianee erbeutet worden ist Leider hat sein Enkel dieses historische Beutestück nack seinem enalischen Wohnsitz überführen lassen. Derlelb . Enkel Blüchers hat jetzt das Blücherpalair an emei Ausländer des schnöden Mammons wegen verkauft.

* Die Skadk des Frem-'-v.verkehrs. Wie vom St« tistischen Amte ber Stadt München festqestellt wurde, sind im Jahre 1st21 in ter bäuerischen Landeshauptstaft über eine Million Fremde zu vorübergehen» dem Aufenthalte anwesend gewesen.

MiiMMM Be$ MMM».

I-5aste der Üehleanak wftden t:e lvrikekks in Menoen von 1 bis 2 Zentner ab Platz des Kob'e-lmndstrs fcrrcn Vorzeigung von Schien, die vom kohleuarnk ausgr geben werden, verol-folgt.

D'-e Sche'o: können von morgen, den 20. d. Mts., cm Kohlenämk odaehost wenden und wird daselbst mit» nett ist. bei welchem HänUer die Duik>etts bezogen und

bezechit wechen lönrtcn. 44^

Slädlischrs üahlenamk. ,

CTX«rrT3niiii ...... UMT",/

Amtliche Attzeigen.

Anzeigm über ücrjn-rhiuangen von lzischgervösiern,

d'e das Absterben von .fischen zur Folre haben, werden' oft so spät erstattet, datz ixe angestellten Ermittelungen über die Ursache dar Vevu»rc!«irunq erststfos hieben, wr'l d'e Zr.Vnewz dar schSdsichen Abm-äsirr oft heimlich' während der Nächst gescheht und nur kurze Zest dauert. Dcrlliche GrmWwrcn i'bcr die Ursachen von F'ckchsterbenl versprechen nach den aem^chten E:isthrunaen nur dann Erfolg, wenn sie unorr^igkich nach ihrem Auftreten cor«- genommm werden. f

Für die AusMrrmg derattiaer Un'erkuchun---m ist zu- ständia ter Leiter der Landesanslalk für Fischerei Li Aried^ich-Hagen b-i Berlin.

Mitteilurpen über em Masienfischfterben, da.s den Ver­dacht einer Berunreinzr.ma des F'kchaawöllers erweckt, sind deshalb ron den Fischerei - kOr!spalizst-)Behörden und den Fischereibeamien diesen Sachverständi-'en so'ort durch Fernsprecher ober telezravh'sch zu mach-n. Der Sachoerständste ist anaewiefsn, sich nach Eintreffen etivr terartirxn Nachr'cht sobald c's irrend an-änria an Crt und Sttlle zu beheben, um die Ursachern des Fischsterben» zu ermitteln.

Nätzee Mitteilungen sind unter f)"m-n?e:s auf diese Verkösunci bei dem Landratsamt zu erfragen.

Fulda, den 13. Januar 1022.

Der Landen!. I. 53: Schuster.

lichung, was dis armen Pferds täglich durch rück- fichts'ofts Gepeiifchs ?.n erdulden haben. Zum Ver­gleiche muß man willen, daß ein H'sb mit dem Lineal auf die iInnenfläche der menschlichen Hand, der Tränen in die Augen trieb, nur einem Drucks von 2y8 Kilogramm entsprach, während ein Hieb mit dem Lineal gegen den Rücken einer mit Hand­schuhen geschützten 5)and, und geradezu unerträg«' sich, nur einem Druck von 4 Kilogramm entsprach. Sei diesen Peitschenversuchen sind noch nicht die Knoten in den Peitschen berücksichtigt, welche den, Schwere abermals verarößern. kos. i

Die mißt trän einen Sebanlen? Der moderne Pftchologe oder Seelenforscher hat ebenso fein Labo- ratorirm wie etwa der Chemiker oder Physiker, und eine Menge sehr präziser Apvarate sind i^m behilklich bei seinen Arbeiten und Studien. Wie jeder auf dem Jahrmarkt mit Hilke derKraftmesser" feine Muskel­kraft messen kann, so mißt der Psychologe die Seelen» ftimmunnen, die Zustände und Empfindunaen des Ge- müts, die Gedanken, die Eindrücke und die Eink'üsie äußerer Reize und innerer Erschütterungen de; Men- schon. Schon hat er auf diese Weise festgestellt, daß auch in unterem Innenleben alles nach bestimmten Ge­sehen vor sich gebt und eins das andere zur Folge hat, sodaß die Ergebnifle seiner Forschunaen praktische N'ltz- onwend!-n"en für Unterricht und Erziehuna qeftafien und nach dieser Richtung vielfach ganz neue Wege t jet­ten. Die mannigfachen Experimente, die der Pivcho.oge^ vornimmt, sind natürlich außerordentlich interessant und! scharf durchdacht. Um z. B. zu messen, wieviel Zeit ein! Gedanke braucht, um in tue Tat umgesetzt zu werden,' benutzt er einen Apparat, ähnlich einer photographischen Kamera. Unser Kopf wird hier wie dort mit einem schwarzen Tuch bedeckt, und unter diesem erblicken wir eine beleuchtete matte Glasscheibe und den Sprach­trichter eines Fernsprechers Uns wird nun bedeutet: daß auf der Glasplatte ein lateinsicher Buchstabe ettchev r.en wird, sobald mir ihn erblicken, sollen wir feinep Namen in den Trichter sprechen Wenn rotr nun mei­nen, daß zwischen Erkennen und Sprechen nur rin Augenblick lieot, so lehrt uns ein Papierftreifen, der dem elektrischen Mechon.smus des Apparates entnommen wird, daß und mieriei Bruchteile einer Sekunde ber durch den Buchstaben in ber Netzhaut des Auges her­vorgebrachte Reiz gebr eucht hat. um durch den Sehnevo ins Gehirn und von hier in untere Sprechmerkzeuge zu gelangen. Der Streifen wellt nämlich eine zierliche Wellenlinie m.f, i.nt> jede Wellensini- -ntlvricht dem Bruchteil einer Sc tu." he. w