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Donnerstag, 19. Januar 1922.

Fuldaer Zeitung -

Sie MiSemiker nsi) hie neue Zeit, i. Die Rede Dr. Lauschers auf dem Zenknrms- parleikog.

Am Sonntag abend fand, wie wir schon berich­teten, im Rahmen des Reichsparteitages der Zen- trumspartsi eine besondere Akademikervcrsamm- liing im Reichstagsgebäude statt, auf der Unioerfi- tätsprofeffor Dr. Lauscher, Mitglied des Reichs­tages und des preußischen Landtages, eine Rede über das Thema: Die Akademiker und die neue Zeit hielt. Die Ausführungen Dr. Lauschers wa­ren so bedeutsam und vielsagend, daß es nötig ist, näheres darüber zu berichten. Lauscher führte aus:

Der Anbruch der neuen Zeit ist besieg eil durch Deuffch- |en&5 Zusammenbruch. Der letzte Akt dieser Tragödie war die Revo'ufton, de 22 FürstenÄoLwme zerbracht Die Republik hat überall ihre verfassungsmäßige Sanktion gefunden urtb damit zu ihrem faktischen cr/rf) -en rechtlichen Beistand gewonnen. Die Revolution selbst, der Umsturz, ist sicherlich das Produkt einer gewaltsamen and imgesrtzlchen Aktion gewesen, aber die Bewegung war nicht mehr mffzuhÄten und (eine chanü rühr-le sich zum Schutze der Monarchie. Auch sie seiber wagte keinen Widerstand und keinen Appell am das DÄk. Waimm ist die Monarchie gefallen? Sie war lange unoer-höhlt, bevor die Katastrophe über sie hermbrach, zu­nächst dadurch, daß die größte Dolkspartei Deutschlands, die Sozialdomokratie, ihr grundsätzlich ablehnend gegen« überstand und daß sich der Zustand herausgebitde! hat, daß diese stärkste politische Partei von einer aktiven Teil­nahme am Staatsleben und dem Staatsaufbau fertige» Halen wurde; weiterhin auch dadurch, daß die Monarchie schon vor dem Kriege ein großes Kapital moralischen und politischen Kredits verwirtschäftet hatte. Nun kam $u ollem die furchtbare Katastrophe der Niederlage, auf die das deutsche Volk seelisch in keiner Weise vorberestet war. Man hat das Bolk mit Siegeshoffmmgen bis zuletzt getäuscht und ihm den wahren und wirMchen Ernst der Lage verheimlicht. Die Wirklichkeit brach zermal­mend tme ein Lawinensturz über die Volksseele herein. Dos deutsche Volk stand vor der SHtemtriroe:Sein oder Nichtsein!", und es begreift sich, daß dieser Alternative gegenüber die FrageMonarchie oder Repu­blik?" kein sonderliches Interesse mehr erregen konnte. Ms die verfassunggebende NatiomilversonmÄung in Wei- war zusammentmt, hotten sich die Dinge so west geklärt und konsokidiert, daß jeder Versuch, die Monarchie wie­der herzustellen, den Büngerkrieg entsesiett hätte. Ein Bürgerkrieg in solcher Loge träte unweigerlich > Deutsch­lands Ende gewesen. (Lebh. Zustmmnung.) Darum mußte jeder, der sein Volk und VaterÄnd nicht noch unglücklicher sehen wollte, jeden Gedanken davon west von sich weisen. So standen die Dinge damals, und so stehen sie auch heute noch. Dem Hot das 3entern Rechnung getragen, indem es der Republik die versasiungsmäh'ge Grundloge schaffen Hols. Die große Mehcheit des deutschen Volkes, nicht nur die Arbeiterschaft, hat sich mit dem Uebergrmg zur republikanischen Stootssorm verhältnismäßig leicht obeesuwden. Anders ober steht es mit einem großen Teil unserer Gebildeten und auch namentlich unserer Ak ade. miker, zum allermeisten unserer jungen Akade­miker. Hier steht mm vielfach der neuen Staatsform nicht nur in der Theorie, was jedermanns Recht ist, son­dern auch praktisch und faktisch ablahnend gegenüber. Man schießt die Augen vor den unleugbaren Notwendig­keiten, die zum neuen Staat geführt haben. Man lebt in dir Devgangenhe't. in der romantischen Erinnerung an di vergangene Kwffecherrlichkest und macht die Repu­blik r* rontwortlich für alle Schmach und Not, die in den drei [i feien Jahren über das deutsche Volk gekommen sind. So vergeßlich sind die Menschen! Ich meine, man sollt« endlich begreifen, daß in dem Augenblick, wo M «irrem so furchtb:» en Krieg Deutschlands Wider­standskraft endlich erschöpft war, wo es wehrlos dem Feind ziu Füßen lag, fein Schicksal mit oder ohne Monarchie besiegelt war. Oder glaubt man im Emst«, baß die Monarchie bessere FriedensbediiMmgen er­langt hätte?

Die drei Jahre fest unserem Zusammenbruch haben gewiß eine ungeheure Masse von Schmutz und Elend über unser armes deftfthes Volk gebracht, aber die Schuld daran der neuen Sdaatsform ouszubürden, das geht wirk­lich nicht on. Die Schuld kiegt offensichtlich ganz wo anders. See siegt in dem unversöhnlichen Haß und dem unerbittlichen Demichtungswillen, der anfangs mehr oder weniger in der ganzen feindlichen Koalition lebendig war und der bis auf den heutigen Tag in der Mehrheit des französischen Volkes noch immer lebendig ist. Di« Schuld siegt aber auch zu einem Teil und vielleicht richt zu einem ganz kleinen Teil bei denen, die durch fortgesetzte Apotheose der Vergangenheit, durch ihren »ationolistischen Ueberschwang durch ihr ge- etliches Spiel mit dem Revanchegedanken dem Feind ner wieder neuen Anlaß oder wenigstens neuen Vor- wmd für Bedrückungen und Gewalttaten geliefert haben. (Sehr richtig!) Der neue Staat trägt keine Schuld daran, und wenn man ihm politische Unfähigkeit und Unfrucht­barkeit vorwirst, so ist die Gegenseite in der, bevorzugten Lage, daß sie es bisher vermieden hat, selber eine Der- lmtwortung zu übernehmen, eine Initiative zu ergreifen

Das Grab des hl. Petrus.

Die neuesten Forschungen von Prälat Wilpert. .

2er bekannte Archäologe, Prälat Joseph Wil­pert, hielt in Rom in der Aula des Päpstlichen Großen Seminars im Lateran vor einem sehr ge- wählten Publikum, das aus Kardinalen, Bischöfen,' Prälaten, hervorragenden Gelehrten aus der Laienwelt, wie aus dem Welt- und Ordensklerus bestand, einen bedeutungsvollen, fesselnden Vor­trag über das Grab des hl. Petrus.

Me schon aus früheren Mitteilungen bekannt ist, setzen die unterhalb der Basilika von S. Se­bastiano an der Appischen Straße gefundenen, an die Apostelfürsten gerichteten Anrufungen, unbe­dingt eine Erinnerung an Petrus und Paulus voraus. Diese Erinnerung besteht nicht darin, daß dort die Apostel wirklich begraben waren, sondern daß sie daselbst nur vorläufig vor der Bestattung untergebracht worden sind. Eine wirkliche Bestat­tung nehmen die alten Jtinerarien an, zwei davon mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß die Leiber dort 40 Jahre geruht hätten. Der Redner hat die tatsächlichen Verhältnisse zium Ausgang genom­men; da ist zunächst sicher, daß die Gräber der Märtyrer tn unmittelbarer Nähe der Stätte ihres Triumphes angelegt wurden, also für Petrus auf dem Vatikanischen Hügel, wo er gekreuzigt wurde, für Paulus an der Ostienfischen Straße, wo er enchauptet worden ist.

Wie aber kam es nun, daß Papst Anaclet, der, wie wir aus dem Liber Pontificalis wissen, die Sorge für die Bestattung der Leiber übernommen hatte, die Körper der Apostel an den zweiten Mei­lenstein, der Via Appia überführen ließ? Am ein­fachsten wohl, indemer sie in das Haus brachte, in dem der Apostel Petrus gewohnt und gewirkt hat. Daß dies in der Röhe von St. Sebastiano, der Ecclesia Apoftolorum, zu suchen ist, dafür spre­chen Gründe, namentlich aber die in der Apostel­kirche und in den benachbarten Katakomben der Via Appia, besonders in St. Callistus, gefundenen Sku'pturen,' die mit Vorliebe Szenen des hl. Pet­rus suc Darstellung bringen. Allo ließ Anaclet

mS eine Probe ihres Biffserkönnens abytSegen. Der neue Staat hat unzweifelhaft zwei große Erfolge auf» zuweilen. Er hat brich die demokratische Republik Demsch- lmÄ vor einem Chaos, vor der Diktamr des Proletariats und den Schrecknissen eines großen Bürgerkrieges be­wahrt, tati) die demokratische Republik bat dadurch das AuskinanLerfallen des Reiches verhütet. Sie har Deutsch­lands Eimheft gerettet imö damit zugleich die cn'te und unerläßliche Vorbedingung für einen Künftigen Wieder­aufstieg unseres Vaterlandes sicher gestellt.

Cs ist ein schreckliches Zeichen politischer Kurzsich­tigkeit, wenn weite Kreise ataidsmffch Gebildeter sich diesen Zusammenhängen hartnäckig verschließen und durch Festhalten an dem Alten sich der Gegenwart entziehen. Weder vom religiösen noch vom sittlichen Standpunkt aus kamt matt dem neuen Starrt die Gefolgschaft verweigern, denn sittliche Derpflich ungrn gegen eine untergegangene Stvntsform können nicht bestehen. Aber es fft eine un­zweifelhafte sittliche Pflicht, die bestehende Staatsform und Staatsgewalt, nachdem sie das Stadium der Revolution hinter sich hat, anzuerkennen urtb sich ihr ein» uni» unter» zuordnen. Das bateuiet natürlich nicht, daß man für feine Perlon die repttbsikanösche Stsotssorm als die an sich bessere oder auch nur als dem Charakter des deutschen Volkes angemessene ansehen müßte- Darüber mag jeder seine eigene Meinung hoben. Käme die Zeit, wo die Mehrheu des deutschen Volkes ober nicht bloß eine Schicht die Wiederherstellung der Monarchie verlangt, so würde kein sittliches Moment im Wege sichen, diesen Schrfti zu tun. Es sind unter den Anhängern der Zerr- trumspartei sicherlich auch heute noch viele grundsätzliche Monarchisten, aber sie unterscheiden sich von den Monar­chisten im rechtsradikalen Saget d-Äurch, daß sie aus der unleugbaren Tatsache, daß in absehbarer Zeit eine Repu­blik die einzig mögßd^e Staatsform für Deutschland i.st, die notwendige und gebotene Konsequenz ziehen. Im übrigen ist es die Segeifterung für die Monarchie und die Abnc'gung gegen Ke republikanische Staatsform nicht allein, was viele unserer Gebadeten nicht zu einer Aus­söhnung mit den neuen Verhältnissen kommen läßt. Trä­ger der Staatsgedanken ist 'm der Republik die Gesamtheit des Volkes, jede politische Bevorrechtung hat aufgehört. Den Masten, der großen Mehrheit des Volkes ist damit vieles gegeben, den andern vieles genommen. Daß nun diese von den Letzteren bitter ^-mPfunden wird, ist begreiflich, aber bei einigem geschichtlichem Verständnis wird man nicht bestreiten, daß der heutige Rechtszustand der gesamten pol-siiichen Entwicklung entspricht, vollends nach den furchtbaren Opfern, die jeder in und nach dem Kriege für das Volk urtb Vaterland hat bringen müssen, und daß es ganz unmöglich ist, noch weiter nach Ver­mögen und Einkommen die politischen Rechte abzustufen. Cs träte bester gewesen, man hätte es früher einge» jehen. Mir ist es unverständlich, wenn ich mich erinnere, daß dieselbe Intelligenz, die jetzt 9jre staatsbürgerliche Gleichstellung mtt minder Gebildeten als eine Herabwür­digung empfindet, früher den Besitzenden, wenn sie auch noch so ungebildet waren, ihre Gefolg­schaft nicht versagten. Die Gefahr, daß die De­mokratie aus abschüssigen Bahnen gierte, wird nicht dadurch abgewendet, daß sich die Intelligenz ihr versagt und in den Schmollwinkel zurückzieht. Das Volk braucht Führer und es will Führer. Wer wenn sich ihm die rechten Führet versagen, dann hat das die Folge, daß das Volk den Devführern Gefolgschaft leistet. Das Volk läßt sich seine Führer nicht auszwingen, es wählt sie sich aus, und es wählt mir die, zu denen es Vertrauen hat unö denen es glaubt. Wer das Vertrauen des Dolles will ernmgen urtb verdient fein. Wer das Vertrauen des demokratischen Volkes haben will, mutz davon durchdrungen fein, daß er zum Volke gehört, et mutz sich als Glied des Volkes em­pfinden, er muß fein Volk lieben. Damit ist der Intelli­genz, den Akademikern der Weg gezeigt, den sie emfdjtagen müssen, um die verlorene Fühcerstellung zutückzugewm- nen. Sie fft verloren gegangen, weil man sich um Staat und Volk zu wenig gekümmert hat. In bet Revolution, als die Angst den eilenden Futz beftügeäe, schien es eine Weile, als träte das Interesse mächtig auf geflammt, aber allmählich hat man sich wieder zu der gemüRchen Straße des politischen Phöakentums zurückgefunden. Das poli­tische Jntereste betätigt sich bei allzuvielen nur in dem Herumnörgeln an dem modernen Staat und an den Män­nern, die Mut und Verantwoftungsbewußtsein gezeigt hoben, die Leitung in tröe Hand zu nehmen. Man tadelt sie und ihr Tun und für sich selber nimmt man in arg» loser Einfalt das Recht in Anspruch, nichts zu hm. Man liebäugelt mßt der Rechteopposition oder hat bereits den Uebergcng zu ihr entzogen. Unsere jungen Akade­miker neigen stark dazu. Das ist die gefährlichste und verhängnisvollste Art, sich dem Volke urtb dem Volks­staate zu entfremden, denn diese Haltung bedeutet die offene Kampfansage an die Demokratie. Kann man es aber der Demokratie verargen, wenn sie sich Dagegen wehrt?

Des der Besetzung von Aemtern mutz natürlich das eigentsich entscheLende Moment die fachliche Tüchtigkeit fein, aber es hieße diesen Grundsatz überspannen, wollte man verlangen, daß tros demokratische Staatswesen seine Existenz Persönlichkeiten ändert raue, die es verneinen urtb bekämpfen. Das ist doch auch bet Monarchie niemals in den Sinn gekommen. Es muß katastrophale Wir­kungen für die akademische Intelligenz haben, wem, man sich nicht endlich aus das Gebot der Stande ernsttsch besinnt. Es liegt auf der Hand, daß auch

die Leiber dorthin übertragen, um sie für die Be­stattung vorZubereiten, die Grundstücke zu erwer­ben und die Sarkophage anfertigen zu lassen. Er legte jeden Apostel in einen Tonfarg, erwarb in möglichster Nähe des Martyriums Grundstücke, worin er die Grüfte anlegte. Um gesetzlichen Schutz zu haben, hat er selbstverständlich die oor- geschriebenen Formalitäten erfüllt und <ftne Bitt» schrist an den Kaiser gerichtet. Anfangs des drit­ten Jahrhunderts werden die Leiber Petri und Pauli oom_ Presbyter Gaius erwähnt, indem er sieTrophäen der Apostel" nennt, weil sie in der Nähe des Dtartyriums ihres Triumphes lagen. Die Uebertragung wird spätestens unter Defpasian stattgesunden haben, so daß die Notiz, die mir in den Acta Petri et Pauli besitzen, daß zwischen der vorläufigen Beisetzung und Einrichtung der Grüfte ein Jahr und sieben Monate verflossen seien, als ein Echo des authentischen Berichtes zu erkennen ist. Einmal endgültig bestattet, blieben die Leiber für immer in ihren Gräbern. Sie wurden nie übergeführt, am allerwenigsten im Jahre 258, wie einige annehmen, weil die Kata­komben damals sequestriert, wenn nicht gar kon­fisziert waren und streng überwacht wurden.

Im vierten Jahrhundert endlich schloß Konstan­tin der Große, der sich in seiner unbegrenzten Ver­ehrung zum hl. Petrus Arbeiten vollführen ließ, die in ihren Ausmaßen an die titanischen Werke der Pharaonen erinnern, den Sarkophag des Apostelfü rsten in eine ungefähr dreihun­dert Tonnen schwere Bronzemasse ein, welche denselben in einer Dicke von fünf Fuß, gleich etwa eineinhalb Meter, nach allen Seiten umgibt, und baute dann über der Gruft die fünf» schiffige Basilika, die an Größe alle anderen, selbst die vom Lateran, übertraf. Um den gewaltigen Bau zu errichten, mußte man die Straße ablenken, den Zirkus demolieren und die heidnischen Grä­ber, soweit sie hinderlich waren und einen Teil des Vatikanischen Hügels abtragen, um die not­wendige Ebene zu gewinnen.

Oben auf der Dronzemafse hat Kaiser Konstan­tin ein 50 Kilo schweres Kreuz in den Maßen des Sarkophags aus reinem Golde anbringen laf-

mirtber befähigte Kräfte in jene Stellen kommen, berat es bleibt dem Staate schließlich kein anderer Weg. Der Schaden, ben bie Akademfterwek selber erleidet, wird immer größer. Wenn ich den TeS urtferer jungen Aka­demiker ins Auge taste, die nach Weltanschmmng unb Famklientradffion zu uns gehören sollten, so bin ich stark versucht mft Nietzsche von einer Entartung des In» stituts zu reden. Die Imparität, gegen ine das Zen­trum stets gekämpft hat, fft gefallen, bas Tot fft geöffnet, aber ein großer Teil unserer jungen Akadermket schließt es nut eigenen Harkten aiirfs Neue und schlägt fern pota iffches Zelt hn Lager derjenigen auf, die jederzeit zugtach Anwälte unb Nutznießer der Imparität gewesen IMS. (Lebhafter Deffaü 'und Händeklatschen.)

Dieses Verhalten wirb sich bitter rächen, urtb nicht bloß an feiern Urhebern. Denken Die an bas Schicksal des französischen Katholizismus, ber em roarnenbes Bei­spiel fein sollst. Es lehrt, wohin es führt, wenn man sich bet neuen Zeft entgegenstemmen will und sich seinem Volke entfremdet. Es ist hohe Zeit, daß wir Akadeimker mit ber neuen Zeit unb ber neuen Ordnung bet, Dinge unseren Frieden matten, aber nicht etwa bloß in dem Sinne, büß wir darauf vernichten, sie zu bekämpfen, wir mästen vielmehr beseelt sein von dem aufrichttaen Willen zur Mitarbeit. Der Staat darf nicht verelenden, er kann nicht verelenden, ohne bafj wir mit ihm versinken. Verschwinden muß auch die Ueberspamumg des nationalen Gedenkens m bas NsffvmMtffche, verfchwtaben mutz die Sraftmeieroefte, die bei einem am Loben liegen­den Volke beinahe grotesk wirkt. Die wahre Vater- iandslfebe erprobt sich bei einem unglücklichen unb besiegten Volke ganz anders Äs in hohler Phrase urtb pathetischer Gebärde: in stiller und gedul­diger Arbeit für Soff und Vaterland.

Jedes andere Verholten ist weder deutsch noch national. Wenn man ernstlich die nationale Cinheits- sront will, dann darf man nicht fortgesetzt nach dem Rechisblock reffen, dem selbstverständlich im gleichen Augen- blick tampfboreä ber Ltaksttock entgegentritt. Notwendig kst: ehrliche DerstLrtdigrmg mit ber Demokratie, tatbereiter Wille, Eingliederung in den ganzen Dokksorganismus, freiwillige Mitarbeit an den Aufgaben des Volksstaates. Christentum urtb Demokratie ftrtb innig miteinander ver­wandt, weil das Chrfftentam die Meichberechtigung der Menschen zuerst ber Welt verkündet unb bis heute ver­teidigt hat. Die neue Zeit stellt ber akademischen Intelli­genz ein großes Ziel, an ihr fft es, zu berosifen, daß sie dieses Ziel ehrt imb daß sie ihm gewachsen fft. (Leb­hafter Beifall.)

ans dem NachbargebieL.

mc. Frankfurt a. IN. Starker Kartoffel- mangel macht sich in unserer Stadt bereits unan­genehm bemerkbar. Er ist daraus zurückzuführen, daß verschiedene Transporte in die Kälteperioüe fielen, wo­durch die Kartoffeln erfroren und an Brennereien ab­gegeben wurden. Im Kleinverkauf kosten die Kartoffeln augenblickllch 1,60 bis 1,70 Mk., ja sogar 1,80 Mk. das Pfund.

spd Frankfurt tu M. Der Magistrat hat den Be. scheid des Regierungspräsidenten über bie Höchst­grenze der SOI tet 9$ ins ft eigerungen -zur Kenntnis genommen und beschlossen, den Bescheid wegen der mit ihm verknüpften Bedingungen als Einspruch ge­gen die Feststellungen des Magistrats anzusehen, sodaß die Angelegenheft nunmehr vor dem Bezirksausschuß tn Wiesbaden zur Verhandlung kommt.

spd Frankfurt a. HL Die Mainschiffahrt, die durch den hohen Wasserstand begünstigt wird, ist nun in vollem Umfang wieder ausgenommen. Schleppzüge fahren in fast ununterbrochener Folge bergwärts. In den Häfen macht sich überall ein seit Monaten nicht beobachteter starker Verkehr bemerkbar.

fpd Aranksurt a- AL In einem Abteil erster Klasse des Schnellzuges WienOstende wurde am Montag abend im hiesigen Hauptbahnhof der Ingenieur Leo Lindner aus Wien mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe aufgefunden. Der Schwerverletzte wurde in die Bahnhofs-Sanitätswache verbracht, wo er nach wenigen Augenblicken verstarb. Es liegt Selbstmord vor.

mc. Frankfurt a. HL Eine Lehrerin, die aus be» stimmten Gründen (Krankheit) ihre Stelle aufgeben mußte, und bereits mit einer Beschwerde dieserhalb von den Stadtverordneten, dem Magistrat und dem Arbeits­amt abgewiesen worden, begab sich auf die Redaktion ihres Parteiorgans, um dort ihre Angelegenheit in die breite Oeffenllichkeft zu bringen. Nach genauer Durch­sicht der Akten hielt die Redaktion die Sache für genta genb geklärt und zur Veröffentlichung nicht geeignet Die Peientin ffanbalierte hierauf, worauf sie einer der Redakteure am Arm nahm und hinausführte. Sie verklagte nun diesen Herrn wegen Mißhandlung, da sie dabei blaue Flecken am Arm erhalten habe. Das Schöffengericht sprach den angeklagten Redakteur fr et unb verurteilte die Klägerin auch zu den Kosten. Die Redakteure müßten, so hieß es in der Urteilsbegrün» düng, in ihrer schwierigen Geistesarbeit, die rasch er­ledigt werden müsse, von lästigen Besuchern geschützt sein; das Hinausbringen der sich ungebührlich beneh­menden Besucherin sei daher berechtigt gewesen; im

sen, das auf dem Querbalken seinen und der Kai­serin Helena Namenszug und auf dem Längs- balken eine Inschrift trägt, die von allen Archäo­logen bisher mißverstanden wurde und von der nun endlich Prälat Wilpert die richtige Deutung Spracht hat. Danach lautet sie in deutscher lieber« ung:Dieses königliche Haus (Grabkammer), von der Aula (Basilika) umgeben, erstrahlt in glei­chem Glanze". Daraus geht hervor, daß die Gruft im Anfang zugänglich war, denn man schmückt nicht Räume aus, die man nicht betreten kann, und fetzt nicht Inschriften, die man nicht lesen kann.

Das Ergebnis dieser Studien ist von weittra­gender Bedeutung. Konstantin hat durch die BronzeumhMung den Sarkophag mit der Leiche des hl. Petrus für alle Zeiten gesichert. Der An­nahme, daß die Sarkophage erbrochen worden feien und daß, bestenfalls in ihnen heute nur noch einige Knochen vorhanden wären, ist durch Wilperts Forschung der Boden entzogen worden. Das Ge­spenst des Sarazeneneinfalls, das besonders gruseln machte, und das heute noch bei einigen Gelehrten spukt, ist mit einem Male verschwunden. Die Sa­razenen sind gar nicht bis in die domus regalis in die Grabkammer vorgedrungen, wohl aber in die darüber befindliche Kapelle, deren Ent­fernung von dem Grabe 15 Fuß, also ungefähr 6 Meter, beträgt, und aus der sie alles weggetra­gen haben. Die Zumauerung fand aus Gründen der Borsicht entweder ,zur Zeit der Goten (310) oder der Vandalen (455) statt, jedenfalls war die Gruft im Jahre 515 nicht mehr zugänglich, ab Justinian Reliquien der Apostel erbat

Aus dem Vortrag ging, wie wir derKöln. Bolksztg." entnehmen, ganz klar hervor, daß die Grabkammer des Fischers von Galiläa so geblie­ben ist, wie Konstantin sie ausgeschmückt hat. Beile, Spaten, Bohrer müssen nutzlos an der Bronze­masse Konstantins abprallen. Es wäre zu wün­schen, daß die königlich ausgefchmückte Grabkam­mer der Verehrung der Gläubigen wieder aufs neue zugänglich gemacht würde. Die . ach in die ausländische Presse übergegangenen Nachrichten hierüber sind ht aüvstigsten Falle als verkrübt anzusehsn.

Än unsere Berichterstatter!

Uebrigen konnte auch die angebliche Mißhandlung nicht

einem

Wir bitten unsere oerehrlichen Berichterstatter, uns trotz der hohen Portokosten nach wie vor übet alle wichtigen Vorgänge in der Heimat auf dem Laufenden zu halten. Nach wie vor legen wir den größten Wert auf die rasche Uebermttt- lung von Berichten und Meldungen über alle die Allgemeinheit interessierenden Vorfälle. Bei diesen Einsendungen, die erschöpfend und doch kurz gehalten sein können, bitten wir, sich si> weit als möglich der Postkarten zu bedienen. Frankierte Postkarten und Umschläge wollen bei $dKtrf angeforbert werden. Wenn unsere Bericht» erftatter auch weiterhin, wie bisher, uns so gut und rasch bedienen, so wird dieFuldaer Zeitung" auch weiterhin das beliebteste, wahre Heimatblatt sein.

Mark. .

spd. Melsungen. Auf den Geschäftswagen einer hie» stqen Firma wurde svät abends ein fRaub über f all ausqeführt. Der Kutscher wurde von zwei Fremden nie­dergerissen, die ihm seine Brieftasche mit 600 Mark raubten und dann im nahen Walde verschwanden. Eine Summe von mehreren tausend Mark, die tm Sitz ver. wahrt war, entging den Räubern.

Loburg. In der Ummerstadt-Held- burger G-gend des Meininger Landes ist eine Bewegung für einen Anschluß an Bayern tm ®ana>. feine m Ummerstadt stattgefundene Versamm, luna sprach sich einstimmig für einen Anschluß an Bayern aus. Der neue Staat Thüringen scheust sich bei vielen seiner Bürger wachsender,UnbeliÄ>thest M erfreuen, was bei der ausgssprochervM einseitig sozia­listischen Parteiherrschast nicht zu verwundern ist.

16 000 luiuit ll t u » - v - ---- ---- Z

stiftete der glückliche Pächter den Drtsarmen noch 1000

bewiesen werden. . .

svd Höchst i. O. Die ©emembejagb von Baben- häufen, die seither 940 Mark einbrachte, wurde von -- Frankfurter Herrn zum jährlichen Preise von

Mark neu gepachtet. Dor lauter greube.

Vermischtes.

Die 2När von Cospeda ein Sfubenfettutt. D« Mißtrauen, das der Nachricht aus Cospeda bei 3 e n a entgegengebracht wurde, vier französische 2fs:ziere hat­ten rach einem Besuch des Jenaer Schlachtfeldes aus dem GasthofDer grüne Baum zur Nachtigall bas Sofa fortgeschleppt, auf dem Napoleon vor ber Schlacht von Jena geruht habe, hat sich als berechtigt erwiesen. Wie dasJenaer Volksblatt" auf Grund genauer Er» tunbigungen feststem, handelt es sich bei der ganzen Gefchchie um einen Ulk, der von Jenenser Staden- ten verübt wurde. In der Dormissetzung, daß man ben Franzosen jede Schandtat zutrauen kann, ist die nut glaubwürdigen Einzelheiten ausqeftattete Nachricht an die Jenaer Zeitungen eingefanbt worden, die darauf prompt hereingefallen sind. Die Urheber des Ulks durf­ten etliche Hundert Mark Strafe für diesen groben Un­fug bezahlen dürfen. Diplomatische Derhandlungen und ähnliche Staatsaktionen sind nun aber nicht mehr notig.

Bei einem Zusammenstoß zweier Straßenbahn­wagen in einer verkehrsreichen Straße in Berlin wurden 14 Personen zum Teil sehr schwer verletzt.

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Amtliche Anzeigen.

Viehsenchenpolizeiliche Anordnung.

Nachdem die Mheffimg der Maul- und Klauenseuche tn dem Gehöft des Landwirts Philipp Schramm in Wis­sels unb des Landwirts Joseph Enders m Wolferts amts- fferärztkch festgestellt worden fft und die Abnahme der Desinfektion statkyeftuiden hat, bestimme ich im Anschluß an meine viehseuchenpolizeffiche Anordnung vom 14. und 21. Dezember 1921 folgendes:

§ 1. Die über den Gsmeirtdebezßvk Wissels hmb Wolferts verhängte Sperre wird vom 21. d. M. ab «ff- Schoben. _ m ,

§ 2. Die für den Gometadebezirk Wistels urtb Wol­ferts urtb die verseucht gewesenen Gehöfte im befoniteren, angeorteneten Bestimmungen werden zurückgezogen.

Fulda, den 13. Januar 1922.

Der Canbrtrt. I. 23.: Schuster.

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öus Welt und wiffen.

Attohol als Heilmittel. Seitdem wir bie Grippe im Lande haben, ist ber Alkohol zu einem heißbegehrten Heilmittel geworben. Gegen feinen Gebrauch auf ärzt­lichen Rat fall hier nichts gesagt werben, unb bir Frage, ob ihm überhaupt ein Wert als Arznei zukonunt, könnte man einfach den Aerzten überlasten, wenn nich! gelegentliche günstige Beobachtungen den Laien oft zu falschen Urteilen über dieses vermeintliche Allheilmittel verführten und die ohnehin stark zunehmende Neigung zum Alkoholgenusse noch mehr förderten. Und doch mahnen selbst Aerzte, die nicht Alkoholgegner sind, zur Vorsicht, z. B. das Dekanat ber medizinischen Fakultät ber Unioerfität Tübingen, wenn es schreibt:Die Ver­abreichung alkoholischer Getränke ist bei ben meisten Krankheiten . . . entbehrlich ... Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, daß es akute Infektionskrankhei­ten unb einzelne Stoffwechselkrankheiten gibt, in denen bie vorübergehende Verabreichung von Alkohol selbst in ziemlich konzentrierter Form noch ber Erfahrung Die» (er Aerzte und Kliniker, nicht als ein Genuhmittel zu betrachten und bedarf wie andere differente Mittel sorg­fältiger ärztlicher Dosierung ... Es ist in hohem Grabe zu bedauern, wenn in den jetzigen Zeiten der Knapp­heit wichtiger Nahrungsmittel wie Zucker unb Gerste, berartige Stoffe in größerem Umfang zur Herstellung geistiger Getränke verwenbet werben." Dta schärfer drückt sich eine von der Amerikanischen Verzt ick,en Ge­sellschaft angenommene Entschließung aus, bi» folgen­dermaßen lautet:Wir sind der Ansicht, daß W» Ge­brauch von Alkohol als Getränk für den Menschen schädlich ist und seine Verwendung in her Heilkunst als Stärfungs», Reiz, ober Nahrungsmittel keine wissen­schaftliche Unterlage hat. Deshalb erklärt sich die Ge­sellschaft gegen ben Gebrauch des Alkohols urb er­klärt ferner, daß von dem Gebrauch des Alkohols als Heilmittel abzuraten ift* Die Amerikanische Aerztliche Gesellschaft b-fteta tu» 81 000 Aerzten und ist bie größte Aerztevercirn tmo ber Welt. m

Allerlei Weisheit Jetzt wächst auf Spitzbergen keine Pflanze höher als 5 Zentimeter; vor vielen Jahr­tausenden mutz e aber dort ungeheure Wälder gegeben hoben, wie die großen Kohlenfunde beweljen.