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Am kN ch er Anzeiger für den Kreis und die Stadk Fulda.

Nr. 10.

Verantwortlich für den reixmionelleu TeU t. Vu A. Weßler. z für die Anzeige«: I. Parzeller-Fulda. s Rotationsdruck tu Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: F« ldaer Zeitung.

Samstag, 14. Januar 1922.

Bezugspreis: Monatlich 6.00 Ult zugestellt frei ins Haus- u AbgehoU in der Geschäftsstelle 5,50 AN. s Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel IM; auswärts 1.502Nk. Reklamezeile (Textdreist) nach Colonelmaß 4 Mark.

49. Zahrg.

RUtritt des Kabinetts Sriand. .

* I

pause oder Abbruch?

wtb Paris, 12. Jpn. Das Ministe­rium Driand ist zurückgelrelen. Der pröDeut der Republik Mill-rund, hat den Rücktritt des Kabinetts angenommen.

Das Publikum wartet darauf, daß der Vorhang auf- tzche zum Schlußakt der Vqfftellung; aber der Regisseur tritt vor und meldet, der Heldenspieler habe mal schnell nach Hause fahren müssen, die Zuschauer möchten sich also etwas gedulden.

Was die plötzliche Reise des Herrn Driand nach Paris eigentlich zu bedeuten hat, ist immer noch rätsel­haft. Die Hetzarbeit des Herrn Poincare im Senat ist ja begreiflich, da dieser alte Kriegstreiber und seine naticmalistischen Genossen von aller Friedens- und WohLflchrtspolitik nichts wissen, sondern die Vernichtung Deutschlands mit wher Gewalt durchsetzen wollen. Über auch der gegenwärtige Präsident der Republik, Mtllerond, und die Mehrzahl der Kollern Briands ha­ben sich anscheinend, aus die oppositionelle Seite gelegt, so daß schon ohne Eingriff von Senat und Kammer eine mnere Krffis im Ministerrat ausgebrochen wäre.

Warum und wozu? lieber das Moratorium und dir sonstigen Fragen, die nnt den d e u t s ch e n Leistun- $en Zusammenhängen, sind doch die sämtlichen ftanzöfi- schen Minister gewiß vorher unterrichtet gewesen und schlüssig geworden. Man vermutet deshalb, daß ihr Widerspruch gegen die Entwicklung in Cannes hervor- Aerufen werde durch den Garantie vertrag, der mt England abgeschlossen werden soll. Rach un­serer Anschauung ist der Schutzoertra^. der die eng- stsche Kriegshilfe gegen jeden Angriff auf den Besitz­stand und die Vertragsrechte Frankreichs oorsieht, voll­ständig genügend, um den Franzosen die gewünschte »Sicherheit" zu geben. Wer noch mehr verlangt, hat Hintergedanken. DieVosfische Zeitung" meint, der tigentliche Streitpunkt sei die U - B o o t f r a g e. Vriand scheine den Engländern versprochen zu haben, tajj Frankreich angesichts des Schutzoertrages sich mit ter Hälfte der beanspruchten 90 000 Tonnen U-Boote tegnügen würde, wogegen die Nationalisten und auch die Mehrzahl der MirÄster auf den 90 000 Tonnen be­ständen.

Auf jeden Fall hat das Pariser Zwischenspiel eine scharfe Spitze gegen E rr g l a n d, und demgemäß wird jetzt nach dem Fall von Briand ein Ministerium Poin- tcrc als selbstverständlich in Aussicht gestellt.

Poincare steht aber zu Lloyd George m einem ge- spamidm Verhältnis, zu dem man dm Vergleich aus d«n Tierreich mm Hund und Katze herholen könnte. Wenn Poincare an das Pariser Ruder kommt, so wankt AeEntente" in ihren Grundlagen. Von der Verstän- tegung zwischen England und Frankreich kann dann Lmm noch die Rede sein. Lloyd George steht dann vor ter Wahl, artroeber mit Frankreich zu brechen oder stch der französischen Gewaltpolitik demütig zu u n t e r- verfen. Mit Halbheiten, wie sie bei den ftüheren umMen des englischen Ministers üblich waren, ist bann nicht mehr ouszukommen.

Mi Poincare würde auch Deutschland aus- ? i>ie Traufe kommen. Er ist der rücksichts- cheite Vorkämpfer für die volle Erniedrigung. Mrs-

tes Umläufe zur Milderung und Versöhnung, die ^-rdmgs gemacht sind, und insbesondere die in Can- «Erarbeiten für die weltwirtschaftlich; «enestmg der Kulturvölker wären dann abgetan. Das.

Werk der Wellberuhigung würde in Stillstand- «w« unb müßte nach bitteren Erfahrungen unter s^rywerten Verhältnissen von vorn an wieder begonnen E?en. wobei Deutschland in der Zwischenzeit zufam- "«mechen konnte.

Es ist alles möglich, und nichts ist sicher. So müs- immer noch im dunklen Wartezimmer auf dem VAYlchen der Geduld sitzm.

poincare mit der Kabinettsbildung beauftragt.

12- Jan. (Havas). Poincare' ist BiDlmg des neuen Kabinetts temrstnrgt aEf^n- Er wird morgen feine endgültige Antwort

Der Eindruck in Berlin.

nachmittag war E>ie Reichsregierung zu emer Kabinettssitzung zusammengetreten. Wäh- vmo der Sitzung wurde dem Reichskanzler die ÜOn dem Rücktritt des Kabinetts Briand uv:o«cht, worauf, wie das Tageblatt mitteilt, die ^7^ng sofort in die Beratung über die durch oei Rücktritt veränderten Loge eintrat.

, ver Auswärtige Ausschuß des Reichs- - og s fft von seinem Vorsitzenden, dem Abgeord- neen Dr. Stresemann, auf den 18. Januar einbe- rusrn woichen.

. ® chstag ist auf den 19. Januar ein-

berufen. Die Einberufung zu diesem Termin ge- Voraussetzung, daß nicht der Verlauf öerinternationalen Verhandlungen eine frühere Einberufung erfordert.

Nach einer Mewung desVerl. Tagebl." wer-

_P°r Zusammentritt des Reichstages am 19. 3flnuor bte emzelnen Parteien zur Lage Stel- bmg nehmen. Am Samstag wird eine Sitzung des rnter.raktionellen Ausschusses stattfinden. Bas Blatt glaubt, daß die erste Ple- ^rrsitzung des Reichstages mit einer offiziellen Re- »erungserklurung des Reichskanzlers eröffnet Deroe.

Miuifterpräsident Driand vor der Kammer.

wtb Paris, 12. Ian. Ministerpräsident Briand heute vor vollbesetztem Hause eine Erklärung *°er die Verhandlungen in Cannes ab.

Er fagte, er wisie nicht, ob es nicht die Pflicht des "^teeter» Frankreichs sei, sich anirerwärts zu befinden.

Die Regierung stelle das Packament imht vor eine vollen» bete Tatsache. Man diskutiere in Cannes das ernste und bedeutende Reparationsproblem und den Wiederauf­bau Europas. Es fei eine Notwendigkeit für die Söffer, sich zu vereinigen, um etwas Ordnung und Sicher­heit in das Chaos zu bringen. Der Friedensver» trag von Versailles könne jedoch nicht Gegenstand irgend einer Diskussion bilden urtb die Klauseln, die die Sicherheit Frankreichs gewährleisten sollen, stünden außer- hach bei Debatte. Deutschland habe von der Reparafivns- kommission Zahlungsherabsetzung rmd ZMmigssrist ver­langt, also ein Moratorium. Die Repamtjonskom- Mrssion habe das Recht, mit Mehrheit Zahlungsaufschub zu bewilligen. Frankreich habe in dieser Kommission nicht die Mehrheit und er könne nur sagen, daß die Mehrheit für dos Moratorium sestftehe. (Es kommt zu stürmischen Szenen.) Da es unmöglich sei, diesen Zahfimgsplan zu verhindern, sei die frawwsische Regiemng bemüht, Me ftanzSsisckMi Inte reffen sicher zu steilen. Frankreich habe aus seine Leiden hingewiesen, aus die Sage ferner Finanzen und erklärt, es könne nicht zugeben, dich dos Jahr 1922 es auch nur um einen Centime beraube. Wenn der Zah- lungsplan cbgeänbert werde, verlange Frankreich Garan­tien. Darüber seien die herzlichsten BechmMungen in Cannes gesühnt worden. Frankreich oeMere nicht einen Centime von seinen Forderungen. Er wisse ganz genau, ' daß Öse ungünstigen Fragen gegen die Regierung ousge- beutet wurden, während man über Oberschlesien, Ruhrort-Düsseldorf und andere günsfige Lösun­gen schweige, weil man dies alles vergessen habe.

iEs sei sehr leicht, zu behaupten, die Regierung gebe die Rechte Frankreichs preis, aber er wünsche, daß das Volk und das Parlament aus der Atmosphäre der Bemr- nchigung herauskämen. (Ironischer Beifall. Briand macht Miene, die Kmmnertrrbüne zu verlassen, wird jedoch von Kammerpräsident Peret zurückgehalten.) Briand spricht . alsdann von der französischen Allianz und wendet sich ge­gen die Verleumdungen, England habe Bedinchmgen gestellt,' die für die Würde Frankreichs unannehmbar feien. Es sei entschieden worden, daß die Frage von Tanger Gegenstand von Verhandlungen bilden solle und die Orientftvgen von den drei Außenministern Frankreichs, Englands und Italiens nach der Konferenz von Genua durchgesprochen werben sollen. Er habe seinen englischen Kollegen klar gemacht, daß es nicht im Interesse Frank­reichs allein, sondern im allgemeinen Interesse von Frank-, reich und England liege, einen Vertrag abzuschlleßen, da die Grenze Frankreichs mit Deutschland auch die Grenze Englands fei und da England, wenn es diese eerteüige, zugleich seine Existenz verteidige.

Mit Entrüstung tadelt Briand die, die geschrieben ha­ben, die Allianz der beiden Völker sei eine Erniedrigung, weil Frankreich seine Stellung am Rhein aufgeben müsse. Diese Gerüchte seien falsch. Lloyd George habe ihm beim Verlassen von Samtes erklärt, daß die englische Regierung ^vollkommen den französischen Standpunkt enmehme und es sei ihm das Versprechen gegeben worden, -daß da die Garantien der Artikel 42, 43 und 44 des Friedensver­trages ungenügend seien, wenn diese Grenze bedroht »eribe, Großbritannien mit allen seinen Streitkräften zu Wasser und ju Lande, an der Seite Frankreichs stehe. Er sei der Ansicht, daß eine derartige Garantie nicht gering angeschlagen werden könne und habe die Empfindung, daß etwas geschehen sei, um den Frieden ausrecht zu er« hatten. Er habe geglaubt, die wünschenswerte Autorität zu besitzen, um im Namen Frankreichs zu sprechen, aber - Briand macht eine Bewegung, daß er enttäuscht sei er habe von weitem gefühlt, daß er nicht das volle Ver­trauen besitze, er kBeibe aber dabei, daß die" Dtzrhand- .hmgen mit den Alliierten Frankreichs nützlich feien.

3n keinem Augenblick seien die Jntereffen Frankreichs vernachlässigt worden. Weiter sprach Briand nicht. Mit einer Geste der Entmutigung verließ er die Rednertri­büne, nahm zum Erstaunen der Deputierten seine Mappe unter den Arm und verließ mit sämtlichen Ministern die Kammer. Die Sozialisten schrieen: Auflösung! Der Kammerpräsident hob die Sitzung auf und vertagte sich unter allgemeiner Erregung aus kommenden Donnerstag.

f Abreise der deutschen Delegierten.

wtb. Cannes, 13. Jan. (Tel.) Die deutsche -^Delegation reist heute von Cannes ab.

Das verhör der Deutschen.

Die dorische Delegation in Cannes wurde am Mttt- woch nachmittag von der Repara-ionskom- mission über die drei Rückfragen angchött. Rathenau legte in längeren Ausführungen das De­fizit der deutschen Handelsbilanz und die daraus folgende Schwierigkeit der Devisenbe­schaffung dar, die nur durch ProduktionssteigerunT ' und Exportvermehrung behoben werden können. Diese wivdMon wären erst nach Abbau der Zollschranken und Einführung einer neuen Wettwirtschaftspolitik möglich. Dann führte er aus, Deutschland könne zum 15. Jan. und 15. Februar nicht mehr als zusammen 200 Millionen Goldmark zatzbm, unb zwar in drei Raten zu 80, 90 und 30 Millionen. Wetter soll er nach französischen Meldungen erklätt haben, daß Deutschland einige der von den ALiieüen für das Moratorium geforderten Garantiebedingungen anneh- men könne.

Zum Schluß forderte er, von dem Obersten Rat selbst angehört zu werden. Diesem Wunsche sollte am Donnerstag entsprochen werden.

Am Abend hatte Rathenau noch längere Bespre­chungen mft L o u ch e u r und Sir Hörne.

Der Wiederaufbau Europas.

Das Programm von Genua.

Der Oberste Rat in Cannes hat sich über das Programm der Fragen geeinigt, die auf der Kon- ferenz in Genua erörtert werden sollen.

Die erste Bedingung, die von grundlegender Bebeistrmg für den Wiederaufbau Europas fit, besteht darin, die Be- Ziehungen aller europäischen Nationen auf der Grund­lage eines festen und dauerhaften Frie- dens zu erreichen. Die Konferenz wird sich ebertfails gleichyeifig mit den finanziellen. Zuständen, die der witt- schaftlichen Wi^ergehmt Europas im Wege stehen, be- schuftigen rmd Maßnohmm prüfen, die geeignet sind, sie zu erleichtern. Sie rotrt) besonders die finanzielle Sage in den verschiedenen Ländern bezüglich der Att des Wieder­

aufbaues prüfen, die Kaufkraft des nationalen Geldes, die heftigen Schwankungen des Wechselkurses und die Rückwirkung, die die Sage und die Statuten der Banken auf die genannten Probleme ausüben. Die Kon- ferenz wird außerdem die 'Bedingungen prüfen, unter denen der öffentliche und private Kredit in bester Weise für die Werke des Wiederaufbaues verfügbar gemacht werden können.

Die Kcmssrenz wird auch untersuchen, wie die Schwie­rigkeiten beseitigt werden können, die sich gegenwärtig dem freien Austausch von Produkten der verschiedenen Länder entgegenstellen, besonders durch möglichst schnelle und vollstmÄige Unterdrückung ter Hmderniffe, di« auf die Nochkriegsbedmgungen zurückzusühren sind. Die Derbeffe- rung unb die Entwicklung des Transportsystems wird be­sonders aufmerksam untersucht werden. Von den Fra­gen, die zweckmäßiger Weise geprüft werden können, mögen erwähnt werden die Garantien, die der internatio­nale Handel in der Gesetzgebung und tem juridischen System sowie in den Bestimmungen betr. die Handels­verträge in den verschiedenen Ländern finden muß. die Möglichkeit, besonders dazu geeigneten Ländern Sachver­ständige und technische Hilfe zu geben, das Studium der Konsularagenten, ter Schutz der Rechte aus industriellen, literarischem und künstlerischem Besitz, die Besttmmungen betr. Einreise und Niederlassung von Ausländem, die Han­delsgeschäfte vorztmehmen wünschen.

pesiimirmus der deutschen Industrie.

In einer Sitzung des Hauptausschuffes des Reichsverbandes der deutschen Industrie erstattete Geheimrat Bücher einen Bericht über die wirt- schastspolttifche Lage Deutschlands, der sich durchaus Pesiimistisch äußerte. Sämtliche anwesende Herren teilten diese Ausfaffung durchaus. Geheimrat Bücher betonte vor allem, daß im Hinblick auf den frag­würdigen Erfolg der Konferenz von Cannes Deutsch­lands einzige Hoffnung auf die Konferenz von Genua gesetzt werden könne. Das wichtigste Problem für Deutschland sei gegenwärttg die Stabili- sierung der Wirtschaft in Zentraleuropa und Rußland.

Vie englische Denkschrift-

Lloyd Georges Bedingungen.

Der englische Ministerpräsident hat seinem fran­zösischen Kollegen- eine ausführliche Denkschrift zu­gehen lassen, in der er eine genaue Darstellung der Lage in England und Frankreich gibt. In der Denkschrift heißt es:

Nach Ansicht ter errMchen Regierung gibt es zwei. Ursachen der Besorgniffe in Frankreich. In erster

-Linie bermmchlgt sich die öffentliche Meirw-irg in Frank­reich über die^Reparationen. Frankreich macht An­strengungen, feine verwüsteten Gebiete wieder aufzubauen unb ist deshalb genötigt, bedeutende Summen vorzu­strecken, tue in dem Budget ein großes Defizit Hervor­rufen. Diese Summen könnten und müßten von Deutsch- lanb bezahlt werben. Aber tvotz verschiedener Abkommen seien die Reparationszahlungen der Deutschen immer wie­der hmmrsgezögert warten. In zweiter Linie sei die öffentliche Meinung in Frankreich wegen ter zukünftigen Sicherheit Frankreichs beunruhigt. Frankreich sei in 120 Jahren vier Mal oonr Feinde besetzt gewesen unb trotz der Verminterrrrrg der deutschen Bevölkerung, wäh- -rend bes Krieges und infolge ter Frvstensbedingungen, fei Frankreichs Bevölkerung immer noch um 20 Millionen geringer als die des Deutschen Reiches."

Demgegenüber erklärt sich England nun bereit, die Verpflichtung zu übernehmen, mit seiner Streit­macht Frankreich zttr Seite zu treten, wenn ein nicht pwvozierter Angriff Deutschlands auf Frankreichs Boden erfolgt.

Lloyd George kommt aber auch gleich mit Be­dingungen und zwar erklärt er, daß Frankreich fein großes Bauprogramm von U-Boo­ten aufgeben müsse, um einen 'Rüstungswett- bewerb zwischen England und Frankreich zu ver­hindern. Wörttich heißt es in der Denkschrift:

Sie britische Regierung könne nicht verhehlen, daß eine solche Möglichkeit sehr ernstlich auf die bri­tischen Gefühle gegen Frankreich und um­gekehrt zurückwrrken würde. Englands Verbinbungswege zur See sind für England das, was die Ostgrenze für Frankreich ist. Ein Wettbewerb zur See in irgend einer Form zwischen GroßbrAwmnen und Frankreich würde den guten Willen unterhöhlen." }

Die Ausführungen der engftschen Denkschrift gipfeln in folgenden Sätzen:

Es 'fist Sache der Mneriten, denen der Krieg große Derantwortlichreit unb eine ausgedehnte Macht­befugnis gelassen hat, gemeinsam dieser Gefahr Wi- derstcmb zu leisten und sie zu beseitigen. Großbrstomfien schlägt also Frankreich und Italien eine notwendige und ernste Zusammenarbeit für den Ban eines großen Systems europäischer Eintracht vor, welches unter den ersten ferner Aufgaben die Aufrechterhaltung des Friedens unter den Nationen und die Verminde­rung der nationalen Rüstungen zählt. Denn Großbritamnen ist der Ansicht, daß dieses die einzige Att ist, durch die in Europa das Gefühl der Sicherheit unter den kleinen und großen Nationen erhalten wird, das es während der tJahchttniterte seiner polstffchen Geschchte noch nicht erreicht bat."

Darob natürlich große Erregung in Frankreich, wo man keineswegs gesonnen ist, diesem Vorschlag ohne weiteres zu folgen.

Der Völkerbund als Helfer öer ftan- zöfifchen gnnexlonsplSne.

Der Völkerbundsrat wies in seiner öffentlichen Sitzung am Mittwoch laut Antrag des chinesischen Vertreters Tang Tsai Fu den deutschen Ein­spruch gegen die Verfügung der Regierungs- kommiffion des Saargebietes über den Begriff Saarbewohner" ab. Die Ablehnung erfolgte ein« stimmig und ohne Debatte. Die Sitzung "dauerte nur wenige Minuten.

Zest zum Reich.

Der Staatssekretär für die besetzten rheinischen Gebiete beim Reichsministerium des Innern in Berlin, Dr. Brügger, hatte in Darmstadt eine Be­

sprechung mit Mitgliedern des hessischen Gesamt. Ministeriums unter Vorsitz des Staatspräsidenten Daran schloß sich eine längere Aussprache mit Ver­tretern des besetzten hessisch en Gebietes über, verschiedene wichttge Tagesfragen; es wurde dabei von neuem die erfreuliche Feststellung gemacht, daß die immer erneut einsetzenden Versuche, das besetzte Gebiet dem übrigen Deutschland zu entfremden, an der Gesinnung seiner Bewohner scheiterte.

Grenze der Roalitionspslitik" üb-rjchreibt der sozialistffche Reichstagsabgeordnete Stampfer Ausführungen imVorwärts", in deneft er sich ausgehend vom Leipziger Patteitag der Unab. hängigen, zunächst mit der Einigungsfrage und der Hal- kung der Unabhängigen zur Koalitionspolitik beschäftigt. Bezüglich der letzteren stellt Stampfer fest:Die Un­abhängigen wollen, daß wir KoaMonspolttik treiben aber sie wollen selber nicht dirett mittun und darum er­blicken sie in unserer KoaMonspolitik ein Hindernis füi die Einigung." 3m wetteren befaßt sich der Arikel mit der Notwendigkeit ter Koalitionspolitik, von iter aner­kannt wird, daß sie gewisse Gefahren für jede Partei ir sich berge. Abschließend kommt der Artikel dann zu folgenter Feststellung:

Schützen vor ihr (der Gefahr der Koalitionspolifif kann nur ein gesundes Parteileben, das auf eine schäft sachliche Einstellung unserer Polittk hindrängt. Di- Grenzen der Koalitionspolitik sind unter den gegenwär tigen Umständen aus rein tatsächlichen Gründen wei- gezogen leicht würde der Partei der Entschluß, dr von den Arbeitern gegründete deutsche Republik der Ob Hut eines bürgerlichen Mocks zu überlassen, nicht fat len aber sie sind dennoch nicht endlos dehnbar. Schor im gegenwärtigen Kampf um die Steuerpolitik könntt es unter Umständen einen Augenblick geben, der di- Richtigkeit dieser allgemeinen Bemerkung in einem dra, malischen Einzelfalle bestätigt! Man kann nicht unter­scheiden zwischenrevolutionärer" undopporttmisti scher" Koalitionspolitik. Mit einem bißchen Dialekte kann schließlich jeder beweisen, daß seine Koalitions- Politik die richtige,die revolutionäre ist. Aber zu un­terscheiden ist zwischen einer Koalitionspolitik zu einem bestimmten sachlichen Zweck und einer Koali­tionspolitik um jeden Preis. Zu dieser letzteren hat aber unsere Partei nicht die geringste Neigung. Kä­men die Unabhängigen zu uns, um darüber zu wa­chen, daß die Grenzen einer sachlich berechtigten Koali- iionspotitik Nicht überschritten werden, so wären sie ein willkommener Zuwachs. Daß sie es vorziehen, die Rolle des Wächters von außen her zu spielen, was na­turgemäß zu einem gewissen parteiegoistischen Uebereifer verleitet, ist zu bedauern. Aber das ist nur ein lieber« gangsstadium, das überwunden werden wird."

Hits dem besetzten Gebiet.

-- vesatzungrehe«. Das erste aus Deutschland zu­rückgekehrte Kontingent amerikanischer Truppen. 11 Offt-' ziere und 600 Mann, brachte nach einer New-Aorker Meldung 78drutscheFrauen und 46 Säuglinge mit

Regelung der Gehalter der Reichs­beamten, -Angestellten und -Arbeiter.

wtb Berlin. 13. Jan. (Tel.) Die mehrtägigen Ver­handlungen über die tench die Teuerung wiederum not- wendig werdenden Einkommenverbesserun­gen der Beamten, Angestellten und Ar- beiter des Reichs wurden gestern abend im Reichs- finanzministerium zu Ende geführt. Zwischen den Ver-' tretern der Regierung und der Spitzenverbände wurde unter Zurückstellung weitgehender Wünsche ein Ein- vernehmen erzielt. Auch die Diätare und Beamte im Vorbereitungsdienst die Pensionäre und Hinterblie­benen sollen in entsprechender Weise an den Verbesse­rungen teilnehmen. Die Einzelheiten werden noch in besonderen Verhandlimgen erledigt werden. Die Re­gierung wird bestrebt sein, dem Reichstag nach seinem Wiederzusammentreten die notwendige Vorlage zu un­terbreiten, sodaß im Falle der Genehmigung die erhöh­ten Bezüge in Bälde zur Auszahlung gelangen können.

Ausland.

* Joseph Sch rafft f. Der Obmann des Tiroler Bauernbundes und früherer Landeshauptmann bon, Tirol, Schraffl, ist, wie ein Telegramm aus Inns- druck meldet, 67 Jahre alt, einem Schlaganfall er­legen. Er war der Führer der christlich, sozialen Partei in Tirol. Daß die Volksab- sttmmung zu einem fast einsttmmigen Votum der Tiroler für den Anschluß an Deutschland führte, war insbesondere seiner Werbetätigkeit zuzuschreiben. Ein um Oesterreich und insbesondere um Tirol wie auch um die christlich-soziale Partei hochverdiente Mann ist mit ihm aus dem Leben geschieden.

Rus öer katholischen Welt.

* Lin Propagandakag für eine Heiligsprechung. Ir. Coesfeld fand ein von Tausenden besuchter Werbe­tag statt, mit dem Zwecke die Seligsprechung der Nonne Anna Katharina Emmerich, die durch ihre re­ligiösen Gesichte bekannt geworden ist, zu erreichen. Am Vormittag war eine große Festversammlung, in welcher zwei Redner Ansprachen hiellen. Es wurde ein B i t t- gesuch an den Papst gerichtet, die Seligsprechung zu beschleunigen.

* Der Meist inleraaftonate katholische Arbeitskongreß in Luxemburg. Mit Genehmigung des Hochwürtegsten Herrn Bischofs Dr. Nommesch von Luxemburg findet m der Zett vom 30. Juli bis 3. August d. I. her zweite in­ternationale katholische Arb ei t s k o n g re ß zu­sammen mit tem achten intennatfonafen Kongreß der ka­tholischen Esperantisten und dem zweiten Kon­greß der kwholischen Weltjugend-Liga (Moka) in Luxemburg statt. Die ZusMnmenkuM im Luxemburg nrob ein Markstein sein in der sich gut entwickelnden ka- tholrschen mtematronden Bewegung. Sie wird ter gan- jen katholischen Welt zeigen, daß di« katholische Jwer- nattonale (Jko) nicht nur lebt, sondern tüchtig, in ter rechten Art und Weise und zielbewußt arbeitet. A. S.