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Jfi 8.

Donnerstag, 12. Januar 1922.

Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer ActieüSrnckerei iu Fulde

Katholizismus und Wirtschaftsleben.

In neuester Zeit ist die Frage nach dem Ver­hältnis vom Katholizismus und Wirtschaftsleben wiederholt gestellt worden. Sie hat verschiedene Beantwortung gefunden. Die einen behaupten, der Katholizismus sei ein Hemmschuh der wirt- fchaftlichen Entwicklung gewesen, andere sagen, der Katholizismus, oder vielmehr die katholische Kirche, denn das ist ja die Form, in welcher sich ihnen der Katholizismus darbietet, habe am Wirtschaftsleben reichen Anteil, wobei steilich viele glauben, die ka­tholische Kirche nehme immer Stellung für den Kapitalismus.

David Strauß unb Renan haben die katholische Religion eine Lazzaroni-Moral genannt, die für Unternehmertum und Geschäftsbetrieb, ja sogar für Arbeit überhaupt, kein Verständnis gezeigt habe und zeige. Die Anschauungen des Urchristentums über Arbeit und Geschäft, über Beruf und Amt, so fegen sie, sei aus der Auffassung vom nahen Wett­end« heraus erwachsen, sei also chiliastisch, und das sei mit geringen Abschwächungen bis heute so ge­blieben. Für diesseitige Bestrebungen sei in der katholischen Kirche kein Raum, alles sei aufdas Reich Gottes im Jenseits abgestellt. Sie sehen, wie später der gesamte Sozialismus, in der katholischen Kirche eine Feindin der Wirtschaftlich­keit und damit auch der sozialen Entwicklung. Sie bekämpfen deren Arbeitstheorie, die das sittliche Moment stark betont, sie machen sie für die Aus­wüchse des modernen Kapitalismus verantwortlich uni schieben ihr die Gestaltung des heutigen Bo­denrechtes in die Schuhe, wie sie ihre Privateigen- turnsauffassung bekämpfen.

Durch eine ganze Well davon getrennt steht der wirtschaftliche Liberalismus, der dem System huldigt, nicht das Sott, nicht die Masse, nicht die Gemeinschaft, sondern der Einzelne muß Trager des wirtschaftlichen Lebens sein und blei­be». Er behauptet, die katholische Kirche sei hierin ein Hindernis, weil sie entweder die Masseninstinkte wachrufe oder den Anschauungen einer patriar­chalischen Wirtschaftsverfassung zuneige und da­durch unsere moderne Entwicklung um Jahrhun­derte zurückzuschrauben versuche. Der ökonomische Liberalismus will möglichste Entwicklung der per­sönlichen Freiheit in der Ausnützung der Konjunk­tur und schreibt der katholischen Kirche das Zeug­nis, sie habe kein Verständnis für die weittragende Bedeutung des modernen Unternehmertums.

So stehen sich also sozialistisch-kollektivistische mti) liberalindividualistische Wirtschaftsauffassung wie Feuer und Wasser gegenüber. Beide be­kämpfen gleich scharf das katholische Wi rtsch a ftssystem.

Ihn letzteres richtig zu beurteilen, muß man es garz kennen. Diese Kenntnis mangelt den Geg- nem des Katholizismus völlig. Sie ist aber auch kn den eigenen Reihen der Katholiken oft recht ge- -ing entwickelt. Wie viel Material für Vereins- arleit ließe sich durch genaue Kenntnis des Stands der Dinge gewinnen! Es wäre allen, welche sich mi: diesen Fragen irgendwie zu beschäftigen haben, dringend zu raten, sich genauest umzusehen und gerade diesen Fragen, die in den sozialistischen Ver­einen und Klubs eine große Rolle spielen, ihr Augenmerk umsomehr zuzuwenden, als unsere Ju» gepb und unsere ganze Arbeitswelt, wie auch un- -sere Gebildeten, heute gierig darnach verlangen, echten Aufschluß zu bekommen. Rur die Kennt­nis der großartigen Auffassung der katholischen Kirche vom Wirtschaftsleben, welche das materielle Erbenstreben in fein richtiges Verhältnis zum spi­rituellen Ewigkeitsgedanken setzt, welche das Ge- wiunen des Gottesreiches in die erste Linie rückt, aber dabei auch den Lebensnotwendigkeiten und dem irdischen Berufe, dem irdischen Emporstreben, de» rechten Platz anweist und einen breiten Raum einräumt, wird unserer heutigen, wie allen kom­menden Generationen das katholische Wirtschafts­system als sicheres, ja einziges Material zum Auf­bar unserer verworrenen Verhältnisse aufweisen. In einer Zeit, wo die Unehrlichkeit und das Schis» bertum, die Verletzung von Gerechtigkeit und Liebe, an der Tagesordnung sind, wo selbst katho­lische Kreise die zielsichere Führung aus dem Auge zu verlieren scheinen, braucht man Leitsterne, Weg­markierungen, Pfadführer.

In diesem Zusammenhänge verweisen wir auf ein vor kurzem bei Herder in Freiburg im Breisgau erschienenes Buch des bekannten Schriftstellers,

9M Mm ms Mernes Wil

Bon P. Bernh. Seiler 0. 8. B., Augsburg.

Unter dem TitelKatholische Weltanschauung mid modernes Denken" erschien im Verlag Manz (Reeensburg) ein Buch von Dr. F. Kies l, das größte Beachtung verdient. Das Buch ist die reife Frucht einer langen ernsten Lebensarbeit und bildet eine« Markstein in unserer katholischen apologeti­schen Literatur. Wer das moderne Denken nur an der Oberfläche erfaßt und es nicht begreift in feinen Werden, der kann sich unmöglich ein richtiges Urteil von den jetzigen geistigen Strömun­gen tilden. Diesem Bedürfnis entspricht der Ver­fasser in vollem Maße. Es ist eine Lust, zu be­obachten, wie sich die Gedankengänge auseinander entwickeln. Der feinfühlige Verfasser weiß aus allen Schächten das Goll) der Wahrheit zu heben und sieht hinter den scheinbar originellsten Einfällen der Denker immer wieder die veritas aeterna schimmern, auf die der menschliche Verstand nun einmal angelegt ist und die er nimmer mehr ver­leugnen kann.

Das Bild von Luther in seiner grundlegen- Jen Bedeutung für das moderne Geistesleben konnte in diesen kurzen Zügen nicht leicht besser gestaltet sein. Das Werk des religiös zweifellos tief veranlagten Mannes ist objektiv gewürdigt und psychologisch 'n seinem Werden klar gelegt. Es be­rührt besonders angenehm, daß hier mit dem tiefen Einblick in che Jrrgänge dieses Mannes Vornehm­heit und christliche Liebe sich verbindet, die nicht müde wird, immer wieder hinzuweisen, wie jetzt das Verhältnis der beiden christlichen Konfessionen sich wesentlich gründet, wie ein mutiges Zusammen­gehen in praktischen Fragen des christlichen Lebens Ans Notwendigkeit geworden sei und wie nament­lich das Urteil hervorragender protestantischer Theo­logen über die kacholische Weltanschauung ein ganz mderes fei als früher. In diesem Sinne dient das Buch dem religiösen Frieden trotz der strengsten und gewissenhaftesten Wahrung des katholischen Standpunktes oder pielleW besjer eben deswegen,

Domkapitular Dr. Franz Taver Eberle in Augs­burg:Katholische Wirtschaftsmoral". Das Buch gibt mit wissenschaftlicher Genauigkeit und doch allgemein verständlich ein knappes aber klares Bild der katholischen Auffassung der Wirt­schaftsfragen.

Kernstück" undBundesgenossen"!

Im neuen Jahr haben wir es mtt einer neuen Sozialdemokratie zu tun. Denn seitdem die mehrhertssozialistische Partei im letzten Viertel 1921 auf ihrem Parteitag in Görlitz ins bisher gültige sogen. Erfurter Programm zum alten Eisen geworfen und sich ein formell wie sachlich völlig anders geartetes Pro­gramm gegeben hat, ist die Sozialdemokra-ie der alten Führer Liebknecht, Bebel und Singer nicht mehr. An ihre Stelle sind andere getreten, die Scherbemann, Mül­ler, Stampfer. Sie sind gewillt, Nicht bloß praktifch, sondern auch theoretisch den veränderten Wirtschasts- und Zeitverhältnissen Rechnung $u tragen. Zwar ent­hält das Bekenntnis von Görlitz noch manche An- klänge an Erfurt, um die Massen den Utbergaitg nicht zu unvermittelt empfinden zu lassen. Grundsätzlich aber ist das Werk von Görlitz von anderem Holz als das von Erfurt.

Das lehrt auch der Kommentar, den einer der geistigen Väter des Görlitzer Programms, derVor- wärts"-Redakteur Stampfer, soeben zu demselben hat erscheinen lassen. Er unterstreicht hier mit Nach­druck, daß die mehrhutssozialistische Sozialdemokratie der Zukunft nicht lediglich m e h r die einseitige Ar­beiterpartei sein will, die ausgesprochene Klassen- p a r t e i der schwieligen Faust, worauf die Führer von ehedem ein so entscheidärdes Gewicht legten. Nach dem in Görlitz festgelegten Text ist die Mehrheits- fozialdemokratiedie Partei des arbeitenden Volkes in Stadt und Land. Sie erftrebt die Zusammenfassung aller körperlich und geistig Schaffenden, die auf den Er­trag eigner Arbeit angewiesen sind, zu gemeinsamen Bekenntnissen und Zielen, zur Kampfbereitschaft für Demokratie und Sozialismus". Die Sozialdemo­kratie gibt damit zu erkennen, daß sie über ihren frühem Rahmen hinausstrebt und sich zu einer Partei aller Volksschichten zu entwickeln gedenkt. Zu den Schaffenden, die auf den Ertrag eigner Arbeit ange­wiesen sind, gchövm dann aber", nach Stampfer,nicht bloß die Lohn- und Gehaltsempfänger, sondern auch die selbständigen kleinen Existenzen in Handwerk, Han­del und Landwirtschaft".

Der Erklärer des neuen Glaubensbekenntnisses, Stampfer, fühlt indes sofort heraus, daß hier doch wohl etwas nicht so genau stimmen kann. Und darum fährt er fort:Es wäre unehrlich, zu verschweigen, daß die Sozialdemokratie ihr Bestreben, die gesamte Wirtschaft zweckmäßiger zu gestalten und mit dem geringsten Kraftverbrauch die höchste Nutznießung zu verbinden, einem angeblichen Mi tte l st andschutz zuliebe nicht aufgeben kann. Aber nutzlose Aufopferung wird sie von diesen Ständen nie verlangen und ihre Arbeit wird sie stets respektieren. Das gilt ganz besonders oufl) von dem Bauernstand, her einen wesentlichen Seit der arbeitenden Bevölkerung darstM und deisen Unentbehrlichkeit für den Gesamtausbau der Volkswirt­schaft erwiesen ist. Für den Bauern gilt es ebenso wie für den landlosen Landarbeiter, daß er ein Recht , die Früchte seiner Arbeit zu genießen." Also Mit- telstandsschutz und Bauernschutz mit Randbemerkungen! Ob unter solchen Umständen das Görlitzer Programm auf dm Bauern- und Mittelstand wirklich so einladend wirken, wird, wie feine Schöpfer dies möchten, wird man füglich wohl bezweifeln dürfen.

Denn im trefften Herzen will auch die Mehrheits- sozialdemokratie immer in erster Linie eine Partei der Industriearbeiter fein und bkeibett, die Stampfer auch heute wieder dieKerntruppe der Sozialdemokratie" nennt. Die anderen Stände sollen dam, für die politischen Zwecke der Partei gewisser­maßen als Hllfstvuppen zu diesemKernstück" stoßen. Ganz offen spricht es Stampfer aus,daß das Industrie- Proletariat dcr Bundesgenossen aus anderen Schichten der Arbeitsarmee bedarf, weil es allein weder die Mehrheit im Reiche und damit die politische Macht erringen, noch die Arbeit sozialistischen Aufbaues zu leisten imstande fft."

Geht aus diesen erklärenden Bemerkungen Stam­pfers zu dem Görlitzer Programm nicht untrüglich hervor, wie sehr neben dem Willen zum Wie- ""aufbau von Staat und Wirtschaft selbstver- standttch mit starkem sozialistischen Einschlag auch taktische Rücksichten in Wrlitz Pate ge­standen haben? H

frenn Friede und gegenseitige Achtung kann nur n °us unwandelbarer Prinzipientreue und wahrer christlicher Liebe.

das Bild des großen Leibnizmit sicht- ttch innerer Anteilnahme gezeichnet ist, nimmt nicht Wunder, wenn man die Vorliebe des Verfassers gerade für diesen bedeutenden Denker kennt und stme vortreffttche Monographie in den Charakter- Wöern der Weltgeschichte. Der lebendige Gottes- glaube von diesem einzigartigen Manne, sein un­erschütterliches Vertrauen auf eine liebevoll wal- tenöe und ordnende Vorsehung, sein unverwüst- k r«m rII*ti5!nus wird seine Anziehungskraft auf ms Menschenherz nie verlieren. Auch der deuffche Idealismus in feinen großen ethischen Worten ist enffprechend gewürdigt, wenn er auch in seinen unheilvollen Folgen zur vollständigen Entwertung der religiösen Wahrheiten führte und in seinen letz- ^^aufern einen Nietzsche erzeugen konnte. Mit Recht weist ihm der Verfasser das unschätzbare Verdienst zu, daß er ein mächtiges Bollwerk gegen die andringenden Fluten des naturwissenschaftlichen Materialismus war und das deuffche Volk vor dem Versmken in diesen Sumpf bewahrt hat. Der Alleszermalmer" Kant hat zwar die sichere Er­kenntnis durch die Sinnenwelt zerstört, aber er hat den religiös Verflachten und Entwurzelten die große Welt des Gemüts eröffnet und durch die künstlerische Gestattung seiner ethisch erhabenen Gedankenwelt seitens Schiller einen unberechenbaren Einfluß auf das ideale Denken des deutschen Volkes aus­geübt. Nie wird sich das Christentum, noch viel weniger der Katholizismus, mit der deutschen idea­listischen Philosophie versöhnen können, andererseits ist aber ebenso gewiß, daß diese Philosophie unbe­wußt viele christliche Werte entlehnt und in ihren besten Vertretern immer wieder Anknüpfungspunkte sucht an die Gedankenwelt des Christentums, die nun einmal gerade von den größten Denkern nicht ignoriert werden kann.

Die moderne naturwiffenschaftliche Geistes- strömung ist vertreten durch Darwin, den Be­gründer der Entwicklungslehre, die wohl den nach­haltigsten Einfluß auf das moderne Geistesleben ausgeübt haben dürfte. Der Aufsatz fft eine Rek- ,

Vermischtes.

* Ein Zeichen der Zeit. Zur Bekämpfung des Diebstahls hat die Gußstahlsabrik Krupp in Essen einen besonderen Oberwachdienst eingerichtet. Die­sem sind im Geschäftsjahr 1920-21 659 Diebstähle von Werkseigentum mit einem Gesamtwert von 2 500 000 Mark bekannt geworden. Davon wurden wieder her- beigeschafst für 1440000 Mk. Gemeldet wurden außer- dem 34 Diebstahlsversuche, 87 Diebststähle von Privat­eigentum im Werke und 41 sonstige strafbare Handlun­gen. Gerichtlich bestraft wegen Diebstahls von Werks­eigentum wurden 240 Personen mit insgesamt 17 Jah­ren Zuchthaus, 32 Jahren und 11 Monatn Gefängnis, 28 Jahren Ehrverlust, 8200 Mk. Geldstrafen und 5 Ver­weisen. o

Neue Bücher.

Shacklelon, 3m sechsten Erdteil. (Band 13 der Samm­lungReifen und Abenteuer".) 160 Seiten mit 22 Abbildungen und 2 Karten. Brockhaus, Leipzig,

1922. Gebunden 20 Mark.

Der Zauberbann des ewigen Eises fesselt alle großen Polarforscher. Man braucht nur an Nansen, Amund- sen, Kapitän Scott und nicht zuletzt an Sir Ernest Shack- leton zu erinnern. Shackleton ist jetzt zum vierten Male auf der Reise in die eisigen Gefilde um den Südpol be­griffen. Dreimal haben ihn die Elemente um das ®Iür betrogen, das Ziel ganz zu erreichen. Außerordentlich spannend ist seine Schilderung in seinem soeben er schienenen WerkI m sechsten Erdteil", das Band 13 der wohlbekannten SammlungReisen und Aden- teuer" Leipzig, Brockhaus) bildet. Mit einer kleinen er­lesenen Mannschaft zog Shackleton am Neujahrstag 1908 von Neuseeland hinaus auf dem sturmerprobten SchiffNimrod", um wohlvorbereitet den weiten We von der Küste bis zum Südpol zu Fuß zurückzulegen. In der Winterhütte bei Kap Royds war eine lustig Gesellschaft beisammen, die sich durch Nacht und Sturm den Humor und den Tatendrang nicht rauben ließ und sich durch verschiedene kleinere Unternehmungen daraick vorbereitete, die Siegespalme zu erringen. So wurde der über 4000 Meter hohe tätige Vulkan Erebus erfttc gen, dessen mächtiger, von erstickendem Schwefeldampf erfüllter Krater einen gewaltigen Eindruck machte. Mi drei Getreuen und einer Anzahl sibirischer Ponys, die die Schlitten ziehen sollten, nahm Shackleton Abschied von den Kameraden und voll unbeugsamer Energie bahnte er sich den Weg über em mörderisches Spalten­gewirr hinauf auf die über 3000 Meter über dem Mee sich erhebende Hochebene, auf der der Südpol liegt Aber die Schwierigkeiten waren fo fürchterlich, daß die festgesetzte Zeit überschritten werden mußte und, trotzdem die Ponys für die Ernährung getötet wurden, der Hur-, ger sich unerbittlich fühlbar machte. Wehmutsvoll muSti- Shackleton nach dem Verlust aller Hilfsmittel knapp 20" Kilometer vor dem Pol umkehren. Die Heimkehr war noch schwieriger, und fast hätten die Forscher ein wer- teres volles Jahr die Schrecken des sechsten Erdteils durchkosten müssen, wenn nicht ein glücklicher Zufall das rettende Schiff in der Nähe des glücklich erreichten Win­terquartiers länger festgehalten hätte. Von den andern Gefährten hatten einige den magnetischen Südpol zu er­reichen vermocht, was bis dahin noch niemand gelungen war. Das Buch ist reich mit Bildern nach ausgezeich­neten Photographien und mit zwei guten Karten aus- gestattet. Es vermag jung und alt zu feffeln, weil die vielen abenteuerlichen Erlebnifle lebenswahr sind.

handel und wirtschaft.

von der Saliindustrie. Dem Jahresbericht 1921 über Kaliwerk, erstattet von Gebr. Dammann, Bankgeschäft in Hannover, entnehmen wir folgende An- gaben: Der Absatz von Kalisalzen, der im Jahre 1920 sich auf 9 010625 Dztr. belief, blieb In den ersten 6 Monaten von 1921 weit hinter den vorjährigen Men­gen zurück; erst später nahm der Absatz zu und er­reichte bis Ende November die Höhe von 7 944 000 Dztr. Da auch der Dezemberoersand einen erheblichen Um­fang annahm, so besteht die Hoffnung, daß die vor­jährige Absatzmenge erreicht, vielleicht übertroffen wird. Der Umsatzwert erreichte trotz der widrigen Verhältnisie die Höhe von 2% Milliarden. Die Preiserhöhung gegenüber dem Friedensstande beträgt zur Zeit je nach der Art der Lage das 1820fache. Das finanzielle Gesamtergebnis ist entsprechend der Geschäftsstockung im ersten Halbjahr und den dadurch bedingten Verlusten ungünstig; die in Gewerkschaftsform betriebenen Werke mußten ihre Beteiligten dismal bisher gänzlich leer ausgehen lassen. Die 14 Aktiengesellschaften verteilten mit 3 Ausnahmen Dividenden, deren Höhe zwischen 6 Proz., bezw. 8 Proz. (z. B. Deuffche Kaliwerke) und 35,7 Proz. (Großherzog von Sachsen) liegt, insgesamt wurden rund 42 Mill. Mk. cmscpkehrt, während 1920 rund 190 Mill. Mk. Ausbeuten und Dividenden ver­teilt wurden. Me Konzernbildung hat weitereForffchritte gemacht, vor allem hat sich die Burbachgruppe stark ausgedehnt. Die Bewertung der K o l i k u r f e war

toratsrebe an der Universität Würzburg, wa der Derfasier vor einer Versammlung erlauchter Geister sein katholisches Bekenntnis gegenüber allen An­sprüchen der modernen Naturwissenschaft rechtfer­tigt, stellenweise mit einem Zauber der Sprache, wie sie nur eine sieghafte religiöse Ueberzeugung verleihen kann. Auch die Naturwisienschaft muß der ewigen Wahrheit dienen und ist mit ihren fast unglaublichen modernen Errungenschaften ein Hym­nus auf die Größe Gottes. Die Männer der Wis­senschaft glaubten, Gott beseitigen zu können, und sie haben ihn nur um so größer gemacht. Das Glaubensbekenntnis, das der Verfasser einen her­vorragenden Naturforscher der Universität ablegen läßt, wirkt ergreifend und überzeugend. Das Ka­pitelChristus und das moderne Geistesleben" ist ein Juwel des Buches. Wie sich doch das Chri- stusbild fo verschieden malt in den modernen Köp­fen! Trotz aller Leugnung werden sie mit ihm nicht fertig, und es wechseln frivoler Spott mit tief­ster Verehrung. Man fühlt förmlich das unüber- ' windlich Göttliche an dieser erhabenen Gestalt, an

der sich die größten Geister vergebens versuchten.

Sehr interessieren dürfte auch das Kapitel von der geistigen Lebensarbeit Endens, des bedeu­tendsten Philosophen der Jetztzeit. Er sucht in seinen schillernden und wenig greifbaren Ausdrucksweisen eine Vermittlung zwischen der modernen Philo­sophie und dem Christentum. Der Verfasser hat ihn mit tiefgehendem Verständnis gewürdigt und das philosophisch Wertvolle klar herausgestellt. Eucken kommt auf philosophischem Wege der christ­lichen Wahrheit in vielen Punkten nahe und be­lehrt uns, welch tiefer philosophischer Gehalt in den einfachen christlichen Dogmen ruht. Eine nähere Beziehung vermag er nicht zu gewinnen, da ihm für die Tiefe katholischen Glaubenslebens jedes Ver­ständnis abgeht.

Mit souveräner Ueberlegenheit behandelt der Verfasser die wichtigste geistige Strömung der Ge­genwart, den Monismus, in seinen verschiede­nen Gestaltungen. Mit sichtlich noch größerem In­teresse führt er die verhängnisvolle Irrlehre des Modernismus ad absurdum. Hier bewährt er sich besonders als der treue Wächter Zions, der

eine sehr wechselnde, die Kurse glitten im ersten Halb jahr dauernd herab, bis zu einem Tiefstand Mitte Juni. Dann erfolgte die Erholung, im Zusammenhang mst der fortschreitenden Markentwertung und der allge­meinen Lage des Wertpapiermarktes. Der Höchststani war im Anfang November; die späteren Rückgmige, vor allem am 1. Dezember, wurden teilweise wieder ausgeglichen, und augenblicklich herrscht eine feste Grundstimmung. So war z. B. die Kursbewegung bei Gewerkschaft Hedwigsburg (wozu Neuhof- Fulda gehört): 10 700 (Stand am 31. 12. 20) 7200 (tiefster Stand 1921) 27 000 (höchster Stand 1921), 7400 (Ende 1921): Gewerkschaft Buttlar: 60001 4300 11 000 9500; Kaiseroda: 66000 55000 205 000 150 000; Alexandersha ll: 67 000 52 000 182 000 112 000; Heringen: 25 500 16 300 66 000 40 000; Großherzog Wil- beim Ernst: 19 600 8500 42 000 23 000; Winterstall: 340 000 250 000 975 000 750 000; Großherzog von Sachsen (A.-G.): 620 Proz. 460 1450 1150. *

Markte.

[] »rankfurt a. Kl.. 11. Jan. Der heutige Ob sh. und Gemusemarkt war spärlicb beschickt. Seim- Großhandel fehlte Weißkraut. Bei Erzemeru kostete der Zentner Wirsing etwa 170190 Mark, Winterkohl ca. 170 Mark; Rosenkohl per Pfund 78 Mark;: Schwarzwurzel 5.506.00 Mark; offener Rosenkohl der Zentner 160 Mark; Sellerie pro Kopf 3-6 Mark; Feldsalat per Pfund 8 Mark und Lauch das Stück 1.001 50 Mark. Aepfel hatten den Preis von 300 bis 400 Mark der Zentner. Orangen und Zitronen tour, den stark angeboten. Die Preise waren etwa die gleichen wie auf dem letzten Markt. Landbutter kostete, bei gutem Angebot baS Pfund 3638 Mark; Tafeln butter 4142 Mark.

Amtliche Anzeigen.

Durch das Gesetz vom 28. Dezember 1921 (R. G. Bk 1922 Seite 7) betreffend Wochenh Ilse und Wochenfür­sorge ist das den Wöchnerinnen auf die Dauer von 12 Wochen täglich zu gewährende Siillgeld vom 5. Januar 1922, dem Tage der Verkündung des Gesetzes ab ander- weit festgesetzt worden. Es beträgt fortan beim Bezug, von

1. Wochenhilfe (Leistungen an weibliche Versicherte) die Hälfte des Krankengeldes, mindestens aber Mk. 4,50;

2. Tamilienhilse (Leistungen an Ehefrauen und solche Töchter, Stief- und Pflegetöchter der Versicherten, die mit diesen in häuslicher Gemeinschaft leben) Mk. 4,50;

3. Wochenfürsorge (Leistungen an minderbemittelte Deuffche) Mk. 4,50.

Als minderbemittelt gilt eine Wöchnerin, wenn ihr und ihres Ehemanns Gesamteinkommen ir dem Jahre oder Steuerjahre vor der Entbindung den Betrag von Mk. 15 000 (seither Mk. 10 000) nicht überstiegen hat. Dieser Betrag erhöht sich für jedes vorhandene Kind unter 15 Jahren um Mk. 500.

Fulda, den 10. Januar 1922.

verjicherungsomt des Kreises Fulda. Frh. von Sagern

Die Herren Bürgermeister und Gutsvarsteher werden ersucht, mir innerhalb 5 Tagen anzuzeigen, wieviel Halle­kinder (Kostkinder) am 1. Januar 1922 in ihrer Gemeinde (Gutsbezirk) uMtergebrachi waren.

Hastekinder sind solche noch nicht über 6 Jahre aste Kinder, die gegen Entgelt in Kost und Pflege bei Familien untergebracht sind.

Fulda, den 10. Januar 1922.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusies (kreiswshsiahrlsamtz

I. B.: Polste r.

Ich weise hiermit auf § 2 bar Polizei-Verordnung betreffend den Radsuhro-rkehr vom 2. Jnni 1908 hin. wonach jedes Fahrrad nährend der Dunk:lh"l< und bei Starkem Nebel mit einer hellbrenneuden Laterne mit ferb­eten Gläsern, welche ben Lichtschein nach vorn auf bi* Fahrbahn wirft, versehen sein muß

Fuida, b.n 5. Januar 1922.

Der Landrat. I. V.: Schuster.

Husten u. Heiserkeit

gegen

sind jetzt wieder in albekannterGüte überall erhältlich

allen Versuchen, den Inhalt der christlichen Dogmen zu entwerten, mit dem scharf geschliffenen Schwert strenger Wissenschaftlichkeit und einer hinreißenden Ueberzeugungstreue entgegentritt. Der verdeckt operierende Modernismus ist in der Tat ein gefähr­licherer Feind als der Monismus, der wenigstens keinen Hehl aus seiner Weltanschauung macht unb sie konsequent zu Ende denkt.

Ein interessantes Kapitel ist der religions- geschichtlichen Forschung gewidmet, die heut­zutage umsomehr Beachtung verdient, als sich die protestantische Theologie vielfach in Religions­geschichte aufzulösen scheint. Der heillose Relati- vismus, die unmittelbare Folge der Entwicklungs­lehre, hat unser ganzes modernes Denken verseuch! und uns den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht genommen, den das menschliche Denken nimmer entbehren kann, wenn überhaupt noch von Wahrheit die Rede sein soll.

Der Ausblick auf denKatholizismus als völ­kerverbindende Macht der Zukunft" schließt das un­gemein gehaltreiche Buch, von dessen Geist und In­halt ich nur wenige Proben geben konnte. Es birgt das Buch einen unerschöpflichen Reichtum von Ideen und kündet wie kein zweites die Gedankentiefe unserer katholischen Weltanschauung. Es ersetzt in gewissem Sinne eine kleine Bibliothek, weil alle maßgebenden Denker für das moderne Geistesleben in den Kreis der Betrachtung gezogen sind. Liest man in diesem Buche es ist nicht immer eins leichte Lektüre, so schlägt das katholische Herz höher im Bewußtsein der sieghaften Kraft der christ-- liehen Wahrheit und des unerschütterlichen Bestan­des dieser Wahrheit in unserer Kirche.

Sicher liegt die Annäherung und Verbindung der Völker auf der großen Entwicklungslinie, aber ebenso sicher ist, daß nur eine Institution wie bis katholische Kirche diese Vereinigung schaffen kann. Das ist m.fere Hoffnung, das der tiefste Grund un­seres Kräftegefühls, das Bewußtsein, daß nur gött­liches Wirken große Menschheitsfragen lösen kann, daß wir aber dieses göttliche Wirken in seiner Rein­heit nur finden können in der von Christus gestif­teten katholischen Kirche, welche die Pfort-n bee Hölle nickt uberro ästigen!