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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 4.

Verantwortlich Mr den cedatiionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeiler-Fulda. 5 Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Artiendruckerei in Fulda- Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fu ldaer Zeitung.

Freitag, 6. Januar 1922.

Bezugspreis: Monatlich 6.00 2HL zugestellt frei ins Haus- u Abgeholt in der Geschäftsstelle 5,50 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeile nachComnelirNk.; auswärts 1.50Mk. Reklamezeile lTextbreite) nach Colone'maß 4 Mark.

49. Zahrg.

AtflM int Litze des Wstellt«.

k« AM der toDinois non Men. , Kardinal von Faulhaber, der gewaltige Zeitenprediger, hat am Silvesterabend im Lieb- .frtuenbom der bayerischen Residenzstadt über die Bergpredigt eine Ansprache gehalten, deren Echo im ganzen Reich widerhallen sollte.

Mit erfreulicher Schärfe geißelte zunächst der hche Prediger den Goldhunger der heutigen Welt, die demSelig sind die Armen in der Ge- fhtmmg" dasSelig sind die Mi Ilio- näre gegenüberhält. Leider merkt die arme Menschheit nicht, daß die Anbetung des goldenen Kalbes ihr nicht Glück und Beselig,ung bringt, son­dern nur ewiges Rennen und Hasten, Unruhe und Unfrieden. Unser Volk ist wahrhaftig arm, aber nicht weil es arm ist an Gold, sondern an Selbst­genügsamkeit und Liebe zum Nächsten. Der Egois­mus und die Rücksichtslosigkeit macht die Welt zur Hölle, die so viel schöner für jeden sein könnte, wenn nur die Menschen genügsamer und besser zu einander wären, wenn Ehrlichkeit und Rechtschaf­fenheit in Handel tmd Wandel herrschten und nicht einer den andern bis aufs Blut auszusaugen suchte.

In beherzigenswerter Weise demonstrierte das der Kardinal auch bei der zweiten Seligpreisung der Bergpredigt. Er richtete sie gegen die Her­renmenschen und Herrenvölker, die Un­ruh e st i f t e r und Klassenkämpfer, die auf den Nebenmenschen herumtreten und die Welt nicht zur Ruhe kommen lassen. Allerdings, sagt der Kirchenfürst mit Recht, sei Sanftmut auch nicht Mutlosigkeit und Alles-Gehenlasfen, sondern unter Umständen auch Mut und heiliger Zorn. Dieser heilige Zorn müsse insbesondere auf dem Gebiet der Schulpolitik die Katholiken beseelen. Es lägen sichere Vorzeichen vor, daß im neuen Jahr ein Kulturkampf bevor st ände. Sollte uns ein Reichsschulgesetz ausgezwungen wer­den, das die Gewissen knechtet, dann werde auch der Zorn der katholischen Elternvereini­gungen unter den Segen der zweiten Seligkeit stehen.

Besonders zeitgemäß war die dritte Mahnung des Predigers, die der Trauer galt, die uns heute beseelen müßte. Rechte Trauer zunächst um die Gefallenen. Mit einet Trauer wie Stillegen der Straßenbahn für einige Minuten und die Rei­bung eines Trauersalamanders wäre den Gefalle­nen nichts gedient. Das Gedächtnis der gefallenen Krieger müßte mit dem Allerseelensonntag verbun­den werden. Die Trauer der Bergpredigt, der Emst der Lebensauffassung, müßte dann auch in die Faschingszeit hinübergenommen werden. Der Kirchenfürst warnte im Interesse der Armen davor, in der Faschingszeit wie beim Oktoberfest das Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Aus Amerika wären die Geldmittel zur Unterstüung der Armen ausgeblieben. Der Kardinal habe sich deshalb an amerikanische Geistliche mit der Bitte um Auskunft gewandt, woraus ihm diese geant­wortet hätten: Amerikaner haben das Oktoberfest gesehen und glauben seit- demnichtmehr andieNotinMünchen.

Bei der Seligpreisung für die Barmherzigen sprach Kardinal Faulhaber öffentlichen Dank aus, wo Dank angebracht ist. Zunächst an den Hei­ligen Vater, dessen Leid und Sorge heute übergroß ist, der aber trotzdem mehr Liebesgaben spendete als alle Rothschilds zusammen. Dann an die L a n d w i r t e, die auch im vergangenen Jahre

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von F r i tz Ritzel.

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,3ch werde sofort die Bibel holen taffen däs Bild hab! ich hier/ sagte Herr Hohenfels zuvorkommend und schiäte sich an, nach der Tür zu gehen, um einen dies- bezitzlichen Auftrag zu geben, als er von dem Besucher mit den Worten zurückgehalten wurde:

Einen Augenblick noch, Herr Nachbar zuvor möchte ich erst noch die Geschichte in Ordnung bringen, weg« der ich hauptsächlich herübergekommen bin! Hier nehmen Sie wieder Ihr Eigentum zurück und zahlen Sie mir die Summe zurück, die ich an die Industrie­bank bezahlt habe 10 500 Mark waren es, ohne die Zinse»!' Damit legte er das mitgebrachte Paket auf den pult und fuhr, ohne den Ausdruck grenzenlosen Erstainens, der sich auf dem Gesicht des anderen aus» prägt«, zu beachten, in gleichmütigem Ton fort:Ich hätte Ihnen die Papiere gleich am ersten Tage zurück- gegebtn, habe aber, offen gestanden, gar nicht so weit gedach, daß die Dinger auf einmal um so viel mehr wert geworden sind. Versteh' mich nicht auf den Bör- fentraP- Erst mein Sohn hat mir heute mittag den Staat gestochen der behauptet, daß es meine ver­dammte Pflicht und Schuldigkeit wär", Ihnen sofort das Ihrige zu bringen und recht hat er, der Karl! Hat mir Fkeude gemacht, daß er genau so denkt, wie fein Alter I"

Herr Nachbar Sie wollen die Papiere, die nach tmferer vor acht Tagen getroffenen Abmachung Ihr rechtmäßiges Eigentum geworden sind, wieder zurück­geben? vermochte Herr Hohenfels endlich nach einer Pause hervorzubringen.

Ja, was denn anders? Hätte ich fie denn sonst ge­bracht? Du liegen fie, genau so, wie Sie mir sie gege­ben haben! Hub das Paket noch gar nicht aufgemacht!'

Und Huben Sie auch erwogen, daß die Papiere feit acht Tagen ungeheuer tm Werte gestiegen sind? Daß die Differenz ein ansehnliches Vermögen beträgt?*

So ein ansehnliches Vermögen? Das gehört aber doch von Gott und Rechts wegen Ihnen, Herr Nach. bfgj und nicht mir! Glauben Sie denn, daß ich Ihnen

wieder reiche Gaben für die Armen und Notlei­denden gespendet haben und damit zeigen, daß ihr Herz vom Mammon noch nicht verhärtet ist, son­dern sich gerne auftut, wenn sie nur richtig gepackt werden. Freilich gilt auch für sie, was Kardinal Faulhaber von den Amerikanern gesagt hat: auch sie glauben nicht an die Not in den Städten, wenn sie die Säfiemmereien und die Jagd nach Genüssen sehen, die die Großstädte an ihrer Ober­fläche aufweisen. Aber mögen sie bedenken, daß diese Ausschreitungen wirklich nur die Oberfläche darstellen, und daß unter dieser blendenden Außen­seite, besonders bei den verschämten Armen des ehemaligen Mittelstandes, den alten Beamten- und Handwerkerfamilien, oft grausige Not herrscht. Dann werden sie auch m Zukunft geben, nicht der Städter wegen, sondern aus christ­licher Nächstenliebe.

Mit zum Aktuellsten gehört, was der Prediger zu der Seligpreisung des reinen Herzens sagte. Unsere Zeit ist tatsächlich vielfach eine Se­ligpreisung der Werke des Fleisches. Kunst und Literatur sind voll der Obszönitäten, die sittllchen Begriffe sind verwirrt und es wächst ein Geschlecht heran, das im Heiligsten und Ernstesten leicht- sinnig, ja verbrecherisch ist. Mit Donnerstimme ruft der Kardinal in die Welt hinaus: Es bleibt eine Schande, auf dem Felde der Schande zu fal­len, und schmachvoller als die schwarze Schmach im besetzten Gebiet, sind die Negertänze im unbesetzten Gebiet. Wie viele drücken hier beide Augen zu, die sich im Schimpfen über die Schmach des besetzten Gebietes nicht genugtun kön­nen! Die Silvesterpredigt Faulhabers ist eine ernste Mahnung, uns vor solchen falschen natio­nalen Selbstbeweihräucherungen zu hüten.

Ueberhaupt zeigt sich der Kardinal in seiner Ansprache als ein echt nationaler Mann. Immer und immer wieder denkt er an das deutsche Volk; vor allen Fehlern und Sünden möchte er es bewahren, im sittlichen Leben wie in der Poli­tik. So warnt er auch vor dem Ueberschwang jener, die in nationalistischer Engherizgkeit jeden Versuch, dem Bölkerfrieden zu dienen, be­kämpfen, die heute noch Haß und Krieg predigen, und Macht und Gewalt anbeten. Ihnen gegen­über bat der Harbin al, an der Erhaltung des Völ­kerfriedens mit Zuarbeiten. Wir wollten in alle Ewigkeit keinen Krieg mehr. Freilich- fügte er, törichten Anklagen gegenüber, hinzu, wenn wieder Krieg käme, würden die deutschen Bischöfe ebensowenig gefragt werden wie dies vor der Kriegserklärung 1914 geschehen sei.

Zum Schluß seiner zürnenden Ansprache nahm der Kardinal auch noch die Gelegenheit wahr, vor den Zeitungen und Zeitschriften zu war­nen, die, wenn auch vielleicht versteckt unb unter dem nationalen Deckmäntelchen die christüchen Grundsätze bekämpfen und mit die Kulturkampf­stimmung schaffen helfen, die uns im neuen Jahr bedroht. Mögen die Katholiken, die es angeht, auch diese letzte Mahnung verstehen.

Lanner und die Reparationrprobleme.

Die Besprechungen der Entente-Diplomaten in Cannes haben begonnen. Am Mittwoch mittag hatte Br Land bereits eine zweistündige Be­sprechung mit Lloyd George. Dabei solle an­geblich ein Plan betreffend die Stabilisierung der Währungen erörtert worden seien, über den

ein Vermögen aus dem Sack stehlen will, well Sie vor acht Tagen zufällig nicht in der Lage gewesen sind, mich in barem Gelbe auszuzahlen?"

Es ist wirklich Ihr Ernst? Ueber hunderttausend Mark beträgt die Differenz und Sie wollen sich Ihres Rechtes begeben?*

Ich weiß nicht, Herr Nachbar, ob Sie schon den Spruch gelesen haben, der über meiner Haustür steht:

Bewahr Dein Herz vor dem Gelüst

Nach gleyßend Gold zu jeder Frist.

Den hab ich mir hinter die Ohren geschrieben und mein Karl auch! Und wenn die Differenz dreimal so viel beträgt die Papiere gehören Ihnen und damit basta!" Als wollte Konrad Hochseld seine Worte be- kräftigen, schlug er mit seiner gewaltigen Faust auf das Paket, daß der Pult zitterte und fuhr gleichmütig fort: Wenn Sie fetzt einmal das Bildchen und die alte Haus­bibel herbei holen wollen, habe ich nichts dagegen selbstredend, wenn ich Sie nicht aufhaltel"

Herr Albrecht sah feinen mit freundlichem Lächeln vor ihm stehenden Besucher immer noch an, als be­zweifle er, daß jener im Ernst rede In Hinsicht dar­auf, daß er selbst von jeher Börsengeschäfte gemacht und dabei häufig im Zeitraum von wenigen Tagen bald Gewinne eingestrichen, bald Verluste erlitten halte, war es ihm als selbstverständlich erschienen, daß die Kurs­steigerung der an den Nachbar gegebenen Papiere diesem zu gute komme Hatte er sie ihm doch bedingungslos Überlassen und zwar unter Umständen, die eher einen Verlust als einen Gewinn erwarten liegen. In der Freude über ben unverhofften Glückssall hatte er auch weiter gar kern Bedauern darüber verspürt, daß er einen so beträchtlichen Teil der Papiere weggegeben; im Ge­genteil erschien ihm das Walten der Vorsehung ein gerechtes, die es fügte, daß dem Nachbarn eine maie« rielie Vergütung für das ausgeftanbene Leid geworden war, bas die Tat des verstorbenen Max über ihn ge­bracht hatte. Und war es boch auch gewissermaßen bas Recht des Nachbarn, Anspruch auf einen Teil des durch den merkwürdigen Fund gesoffenen Wertes zu erheben, nicht allein in. feiner Eigenschaft als Nach­komme des alten Fceiherrn von Hochfels, sondern auch des Umstandes wegen, weil nur durch bas in feinem 1 Besitze befindliche Gegenstück bes Bildes der Fund ge»

ein grundsätzliches Uebereinkomrnen bereits erzielt worden fei. Außerdem soll angeblich Kopenhagen als möglicher Ort für die europäische Wirt­schaftskonferenzgenannt worden sein, die, wie man erwartet, in Cannes beschlossen werden wird.

LautEvening Standard" wird in Cannes all­gemein erwartet, daß Lloyd George die Konferenz mit ganz besonders kühnen Wirtschaftsvor- sch lägen überraschen werde. Der diplomatische Berichierstatter des Blattes weist darauf bin, daß zum erftenmale auf einer Konferenz de? Obersten Rates Churchill mit Lloyd George zusammen eine führende Rolle übernimmt.

Die griechischen Minister G u n a r i s und Baltazzi sind von Rom nach Cannes abgereift.

DerLokcrlanz." teilt mit, daß von Berliner amtlicher Stelle erklärt worden fei, es stehe noch nicht fest, daß Rathenau nach Cannes reifen werde. Nach einer Meldung fährt er nach Men­ton e, in der Nähe Cannes, nach einer anderen Meldung kommt er zurück nach Berlin.

Eine englische Wahlbestachinng.

DerManchester GuaMan" schreibt, die demnächst ftaitfmb:nt»m Neuwahlen würden von der Ar- beitslosenfrage beherrscht. Die Regierung schlage als Heilmittel dagegen die Wiederherstellung des Handels unddieWiederaufrichtung Deutsch­lands und Rußlarkds vor. Die Hindernisse lö­gen hauptsächlich rn Frankreich. Sollte die Regie­rung eine Niederlage erleiden, könnte ihr mit die libe­rale oder Arbeiteroppositivn folgen, die noch entschlaf- sener die gegenwärtige Wiederaufbaupolitik oertretcn würden.

Pall Mall and Globe" berichtet, daß die Re­gierung bei den Neuwahlen als Koalition vor das Land treten werde. Churchill werde die Führung der liberalen Koalitionsmitglfeder übernehmen, während Chamberlain die kon­servativen Koalitionsmitglieder führen werde. Fol­gende drei großen Fragen iverden der Wählerschaft unterbreitet werden: Die geplante irische Lösung, der Washingtoner Plan der Flottenverminderung und der Sparsamkeitsbeschluß des unter dem Vor­sitze von Geddes stehenden Ausschusses.

Besprechungen ln Berlin.

In der gestrigen Besprechung des Reichskanz­lers mit den Fraktionsführern des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Demo­kraten teilt dieDeutsche Allg. Ztg." mit, daß es sich um' eine Aussprache über die Lage gehandelt habe. Die Annahme, daß die Besprechung zum Ziele gehabt habe, ein Kompromiß in der Steuer­frage anzubahnen, treffe nicht zu.

Wie derBerl. Lok.-Anz. erfährt, hat der wirtschaftspolitische Ausschuß des Reichsrats die Gesetzentwürfe über die Ausfuhrabgabe und die Ab­lieferung der Devisen zugunsten der Reparationen angenommen.

Die Frage der Kriegsbeschukdigten.

Am Freitag wird in Paris die Kommission für die Knegsbeschuldigtenfrage zusammentreten. Die Kommission soll die Leipziger Urteile begut­achte n.__________________ _____________

Eisenbahnerstreik und sozialistischer Terrorismus.

Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner (christl.) schreibt derK. D.":

Vemäß ben vorläufigen Vereinbarungen der gesamten Spitzenorgcmfiattanen mit der Reichs regicrung hat die Dttsrerroaitmig Köln bes Deutschen Eisenbahnewerbanbes atb Montag früh die Arbeitsparole eriaffen. Der größte Teil ferner Mitglieder ist dieser Parole gefolgt.

macht werben konnte. Und dennoch verzichtete er ohne Weiteres, hielt es in feiner biederen Denkungsart für ein Unrecht, den glücklichen Zufall auszunutzen, nur weil nach feiner Meinung ihm, dem früheren Besitzer der Papiere, dadurch ein Schaben erwuchs!

Herr Albrecht Hohenfels fühlte bei diesem (Bebauten etwas wie Beschämung. Er hätte sich kein Gewissen daraus gemacht, den Gewinn einzustreichen, wenn er an Stelle bes Schlossermeisters gewesen märe; aber mit dieser Beschämung kam auch etwas wie Ehrfurcht vor solch uneigennützigem Denken ein Empfinden, als fühle er sich durch diesen einfachen Mann inbezug auf vornehme Gesinnungsart herabgedrückt. Und diesen Mann hatte er in blindem, von feinen Eltern ererbtem Vorurteil mit Geringschätzung über die Achseln ange­sehen, hatte ihn für einen ordinären Alltagsmenschen gehalten und besten Sohn, der jetzt gleichfalls den Adel seiner Gesinnung bewiesen hatte, in brüsker Weise ju° rückgewiesen, als derselbe sich feiner Tochter zu nähern wagte. In feiner hochmütigen Verblendung hatte er es für eine Verirrung Emiliens angesehen, als sie ihre Neigung dem Manne schenkte, der feurige Kohlen auf fein, des vornehmen Mannes Haupt, gehäuft hatte, in­dem er auf jede Genugtuung für ihm wiederfahrene schimpfliche Behandlung verzichtete, der jetzt wie fein Vater, die Größe feiner Denkungsart durch die vorbe­haltlose Zurückgabe der Papiere bewies! Konnte es etwas Erstrebenswerteres geben, als mit Männern von solch edelmütiger Gesinnung in engste Beziehungen zu treten bot ein anderer soviel Gewähr für da5 wahre Glück feines geliebten Kindes, wie der Sohn d, vor ihm stehenden einfachen Mannes - Karl Höchsts

In rasch auf wallendem Entschluß streckte Herr Alb- recht Hohenfels seinem Besucher . Rechte entgegen und hielt besten Hand fest in der s en.

Herr Hochfeld, sagte er i im wärmsten Tone,

dessen er fähig war,mir müsse Freunde werden! Der- zeihen Sie, bah ich eine so noble Gesinnung, wie Sie und Ihr Herr Sohn jetzt durch die Zurückgabe dieser Papiere an den Tag legen, nicht bei Ihnen vermutet habe. Sie haben recht, daß Sie den Spruch unseres Ahnherrn beherzigen er soll auch mir für mein fer­neres Leben zur Richtschnur bienen. Wahres Glück schenkt nicht bas gleißende Gold, sondern nur das Be-

Es wird tms nun von verschiedenen Dienststellen be- richtet, daß die Mftgltader des Deutschen (soz.) Eisen­bahnerverbandes einen Terror schamlosester Art gegen die Mitglieder der Gewerkschaft deutscher Eisenbah­ner entfalten mit dem Ziele, diese aus dem Betriebe zu entfernen. Die Mitglieder der G. d. E. haben nichts anderes getan, als die Mitglieder des D. E. V., da sie genau so der Parole ihrer Organisation gefolgt sind, wie die Terroristen der Anweisung der ihrigen. Das Ver­halten der Mitglieder des Deutschen Eifendahnervcrban- des ist umso unverständlicher und verwerflicher, als der Bezirkslviier Ester dieses Verbandes der Erklärung der G. d. E. in der Streitfrage eine Neutralität in der Form zu üben, daß von Mitgliedern der Gewerkschaft deutscher CstenLahner keine ©treifar beiten ausgeführt sondern lediglich ihre bisherige Arbeiten verrichtet wür­den, z u g e fit i m m t hat. Die Folgen aus der Beachtung der von chr ausgegebenen Parole nimmt die Gewerk­schaft deutscher Eisenbahner voll und ganz auf sich. Ganz entschiedenen Kamps sagt sie hiermit in aller Oefientlichleit denen an, die versuchen sollten, in Mißachtung des jedem Deutschen in der Verfassung zugesicherten Rechtes der freien Meinungsäußerung, mit brutaler Ge- walt die Mitglieder der Gewerkfchast deutscher Eisenbahner unter Verpflichtung der Zahlung bes Lohnes der SireMage an die Streikkasse des Deutschen Eisen-bahner- verbandes zum Uebertritt in diese Organisation zu zwin. gen oder sie aus dem Betriebe zu entfernen. Die Ge­werkschaft beutitfjer Eisenbahner verlangt hievmft in aller Form das Cinschresten der Eisenbahnverwatuirq sowie der Organe der öffentfidjen Sicherheit in allen Fällen vorge­nannter Art. Sie fordert hiermit die Mitglieder ihrer OrgnTwfatron auf, dem Terror des Deutschen Eifonbahner- Verbandes entschiedenen Widerstand entgsgengusctzen uns tms diese Fälle sofort zur weiteren Derfolg-.mg mit» zuteilen.

Der Terror, der vom Deutschen EifenSahnerverband cusgeäbt wird, ist in dieser Form alten christlichen Ge- woickschastlevn aus längst vergangenen Tagen der Siurm- perioöe ihrer Bewegung noch in frischer Erinnerung. Wie sie ftn Kampfe um ihr Recht und ihre Uebrizeugung auf- recht und standhaft geblieben sind, so werden auch die Mit­glieder der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner es m die­sen kritischen und barten Stunden tun!

Man muß diesen christlichen Arbeitern, die tagaus tagtin auf ben Arbeitsplätzen für ihre Anschauung kam- pfen und beiden muffen, Hochachtung und Bewundenmg zollen. _____________________________________________

Die Bedeutung der presse.

Anläßlich ihres 75 jährigen Bestehens ging deir Münchener Neuesten Nachrichten eine große Zahl von Glückwünschen aus Pressekreisen ganzi Deutschlands zu. Auch der bayerische Minister»! Präsident Graf Lerchenfeld sandte Glück­wünsche.

In dem Glückwunschschreiben des letzteren wird die Arbeit des Blattes im Dienste des inneren und äußeren Ausbaues des Reiches in guten und schlimmen Tagen gewürdigt. Der Ministerpräsident fährt dann fort: Sorgenschwer lastet die Gegen­wart auch ans der deutschen Presse. Im be- setzten Gebiet ist ihre Unabhängigkeit durch die, Fremden bedroht. Aber auch im übrigen Deutsch­land sind es wirtschaftliche Nöte, die ihre, Existenz und Freiheit gefährden. Diese Nöte der Presse muffen auch Gegenstand ernster Beachtung für jede Regierung sein. Die bayerische Staatsregieruna ist sich deffen voll bewußt. Sie erblickt in derq heutigen Gedenktag einen Anlaß, die Bedeutung einer großen freimütigen und leistungs^ fähigen Presse als eine Notwendigkeit für die kulturelle, wirtschaftliche und politifche Entwickelung des deutschen Vaterlandes hervorzuheben.

Schöne und wahre Worte eines leitenden Staats­mannes, die auch in die Ohren jener zahlreichen untergeordneten Amtspersonen bringen sollten, deren Pressefeindlichkeit seit 1918 vielfach noch keine Aenderung erfahren hat.

wußtsein, mit sich und seinen Handlungen zufrieden za sein. Und weil ich zu dieser Ueberzeugung gekommen bin, kann ich Ihr hochherziges Anerbieten nicht bebin. gungslos annehmen! Würbe ich es tun ich müßte mich selbst vor mir schämen! Ich gab Ihnen bie Aktien als Ersatz für ben Schaben, den Sie durch bar Vergehen meines verstorbenen Sohnes erlitten haben. Sie sowohl wie ich waren bamit einoerftanben, daß mit biefer Uebergabc Ihre an mich bestehenbe Forde- rung beglichen war. Wären bie Papiere vollstänbig wettlos geworben, wie ja zu befürchten stand ich würde es weder vermocht haben. Ihnen auf andere Weise den Schaben zu ersetzen, noch hätte ich mich offen gestanben dazu verpflichtet gefühlt, denn Sie waren ja, ich wiederhole es, mit dem Handel einverstanden ge- wesen. Jetzt ist das Gegenteil von dem, was zu erwar- ten stand, eingetroffen bie Papiere haben einen gro­ßen Wett bekommen unb zwar durch Umftäpbe, bie auch roieber durch Sie unb zwar dadurch hervorgerufen mür­ben, baß Sie als Nachkomme unseres gemeinschaftlichen Urahns im Besitze bes Gegenstücks unseres Bildes ge­wesen sind. Do kann ich boch unmöglich"

Herr Nachbar vergessen Sie Ihre Rebe nicht!* unterbrach ihn ber Schlossermeister.Was Sie ba eben sagen, bas ist ja alles ganz gut unb schön, aber für mei; nen einfachen Verstaub hängt mir's zu hoch. Sie wollen ba, scheint's, mit aller Gemalt heraustüfteln, baß ich im Recht märe, menn ich das unmenschlich viele Geld behielle, aber menn ich Ihnen auch ganz offen gestehe baß ich für meinen Teil nichts dagegen hätte, fo hat die Sache boch ihren Haken! Mein Karl, bem ich so schwere» Unrecht angetan habe, ber jetzt Gott sei Dank roiebet drüben bei mir im Hause ist ber tuts nicht! Daten hat er zu mir gesagt wenn zwischen uns roiebet alles so werben soll, wie es früher gewesen ist, bami müssen die Aktien roieber ihrem rechtmäßigen (Eigen­tümer, bem Herrn Hohenfels, zugestellt werben. S» steht die Partie unb nicht anbersl"

Ihr Herr Sohn ist feines Vaters mürbig! sagt» Herr Hohenfels nach einer Pause mit einem leichte» Lächeln. ?Jnb ich weiß, warum er so ben Stolzer herauskehttl Sie haben keine Ahnung bavon, Heri Nachbar?"

Bortfetz,«« fofaQ