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M 50V

Samstsg, 31. Dezember 1921.

- Wuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Actieudruckerei in Fulda

Fortschritt!

VtSsahrrgedanken von?. FranziskusStratmannO.k

Wenn man sich zur Jahreswende einen Augenbl'-ck pi das Ufer des rastlos dahinstürmenden Stromes der Kett stellt, um von einem erhöhten Standpunkt aus das Geschehene zu betrachten, so hat man sicher nicht den Eindruck einer einheitlichen Bewegung. Man gewahrt Strom und Gegenstrom, Sturzwelbm und Stauungen, tin Ringen der Wellen miteinander und gegenein- dnder. Und doch drängt alles irgend wie v o r w ä r t s. tDenn es ein gemeinsames Streben in dem Strom der menschlichen Gesellschaft gibt, so ist es das des F o ri­sch r i t t e s. Es ist klar, daß hier ein elementares Lebrnsgefetz obwaltet. Leben bedeutet Bewegung, Ent­wicklung, Vorwärtsentwicklung. Wer darauf verzichtet, verzichtet auf das Leben und verfällt dem Tode. Aber die Losung »um jeden Preis vorwärts" würde noch nichts für einen wahren Fortschritt bedeuten. Die Idee des Fortschritts besagt mehr als bloßes Weiterschreiten. Fortschritt ist Boranschreiten vom Kleineren zum Grö­ßeren, vom Unvollkommeneren zum Vollkommeneren. Und <mch dies wird man allen Halbwegs gesund?» In­dividuen und Gemeinschaftswesen zubilligen: sie all« wollen diescn Fortschritt zum Besieren. Warum ist inm trotz dieses genieinsamen Fortschrittwillens die Be­wegung der menschlichen Gesellschaft keineswegs einheit­lich? Weil zu der Einheit des Willens noch die Ein­heit des Zieles kommen müßte und hier die Meinungen hoffnungslös auseinandergehen.

Es gibt im Abendlande zwei Fortschrittsziele, die sich rühmen können, große Massen anzuziehen: das sozialistische und das christliche. Eine Be­wertung beider sott hier nicht versuch! werden. Es soll nnx daran erinnert werden, wie der konsequente Christ Fortschritt oder Rückschritt in der Well genau so aus­schließlich an Christus zu bemessen hat, wie der konsequente Marxist an Marx. Wenn sozialistische Organe um die Jahreswende den Fortschritt prüfen, so können sie es nur, indem sie den Stand oder den Fluß der Dinge meßen an ihrem sozialistischen Ideell, und wenn christliche Organe dasselbe tun, so können sie es nur, indem sie alles vorbeiziehen lassen an Christus. Wir Christen glauben, das sein Urteil das allein wahre ist, und wenn wir uns darum mit ihm an den Strom der Zeit stellen und mit seinen reinen, tiefen Augen h'nabblicken in die strudelnde Bewegung, dann wrssen wir sofort, was in ihr dem wahren Fortschritt dient und was nicht.

Christus sieht das rastlose Streben alter Menschen und Menschheiisgruppen nach Besserung ihrer Lage. Er segnet es. Er segn:t auch den Glückstrieb der Armen, jener armen Menschen, die die unterste Schicht bllden und zweifellos gegen die da oben in vielen Dingen stark benachteiligt sind. Es ist natürlich, daß auch sie und gerade sie den Drang nach Fortschritt haben, nach mehr Licht, Luft, Sonne, Glück. Es ist auch natürlich, daß sie mit der ganzen Kraft ihres Solbsterhaltungs- und Glückstriebes ihre Lage zu ver- bcffern suchen. Aber wenn ihnen jedes Mittel dabei recht ist, etwa auch, daß die oberen Schichten völlig ins Wanken geraten und ihre Existenzbedingung verlieren, wenn nur das Unterste zu oberst gekehrt werden soll, so daß es dann doch wieder Unterdrückte und Unter­drücker M, nur daß die Rollen vertauscht sind, so kann dies Christus aus einem zweifachen Grunde kei- -ren Fortschritt nennen: einmal weil dadurch die auch den unteren Klassen notwendigen Güter des Rechtes und der Ordnung zerstört werden, sodann well damit das Glück der Aufwärtsstrebmden keineswegs gewannen ist.Selig sind bte Armen im Geiste" sagt Christus d. h. nur die sind glücklich, die den materiellen Gütern mit innerer Unabhängigkeit gegenüberstehm, mögen sie sie besitzen oder entbehren. Das ist aber nickst nur ein Hinweis für die Armen, die allzu begehrlich nach diesen Gütern streben, sondern gleichermaßen für die Reicher, dir allzusehr daran kleben! Wenn auf gesetzgeberischem Weg- etwas geschieht, was die Armen vom Joche der Armut entlastet (soweit dies ohne Verletzung der Ge­rechtigkeit möglich ist) und was di« Reichen an ihre Verpflichtung gegenüber der Armut erinnert, so ist das ein Fortschritt im Sinne Christi.

Fortschritt im Sinn« Christi ist weiter alles, was die Brudergefinnung der Menschen unterem« ander fordert und das Herrenmenschentum abbaut. Das bedeulet freilich nicht, daß dir Ehrfurcht vor der Autorität irgend wie angetastet werden dürfe. Im ®e$ienteil; wo das geschieht, haben wir einen Rück- der rechtmäßigen Obrigkeit, was der rechtmäßigen Obrrgteit gebührt! Christus am

Die Jagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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"Das nun gerade nicht aber er hat getan, was er als vernünftiger Mensch tun mußtet Er hat sich mit dem alten Hohenfels, dem Vater des leichtsinnigen Schlingels, auseinandergesetzt und ba ist unter meiner Mitwirkung das hier zustande gekommen."

Damit entfaltete Herr von Greiffenstein ein Zei­tungsblatt, welches er in der Hand gehalten hatte und las:Unsere Leser werden sich noch der Aufsehen er- regenden Affäre erinnern, welche im vorigen Spät­sommer die Gemüter in Bewegung setzte. Bei der deutschen Jndustriebank sollten namhafte Unterschla­gungen begangen worden sein und wurde der damalige Kastierer allgemein als derjenige genannt, dem die Der. fehlungen zur"Last zu legen waren, ein Gerücht, das den jungen Mann veranlaßte, feine Entlassung zu nehmen. Bei dem vor kurzem erfolgten Jahresabschluß des Bankhauses und der damit erfolgten gründlichen Re­vision der Bücher hat sich nun herausgestellt, daß ein durch versehentliche Buchungen hervorgerusener ver­hängnisvoller Irrtum Vorgelegen hat, sodaß die ganze Unterschlagungsgeschichte in Nichts zusammenfällt. So begreiflich es uns erscheint, daß auch bei der schärfften Aufmerksamkeit Irrtümer vorkommen können, so sehr bedauern wir im Interesse des erwähnten Kassierers, daß man nicht sofort damals eine eingehende Revision der in Frage kommenden Buchungen vorgenommen hat; jedenfalls wäre durch eine solche dem nach unserer An­sicht etwas vorschnell verdächtigten, durchaus ehren­werten jungen Mann viel Herzeleid erspart geblieben. Wir rechnen es der Bank zur Ehre an, daß sie es für ihre Pflicht gehalten hat, im Inseratenteil unseres Heu- tigen Blattes öffentlich ihren Irrtum einzugestehen und so dem in so bedauerlicher Weise Verdächtigten seine Ehre vor aller Welt wiederzugeben. Daß übrigens an die Schuld des Betreffenden auch vor Aufhellung des wirklichen Tatbestandes nicht jedermann glaubte, geht schon aus der Tatsache hervor, daß einer unserer be­gütertsten Grundbesitzer der Nachbarschaft den m Rede stehenden jungen Mann als Prioatsekretär und Vermö- gcnsverwalter engagierte.

Mit einem aufleuchtenden Blicke trat Karl Hochfeld auf den Freiherrn zu, als tyfer zu Ende gelesen hatte

Strome der Zeil fragt vor allem nach der Befolgung des ersten und größten Gebotes: ter Liebe. Was etwa in der Gegenwart unternommen wird, um die Liebe, auch die F.'indesliebe zu fördern, alles was für ist- Versöhnung der Völker und den Frieden der Welt in Anoriff genommen wird, ist Fortschritt, das G:gen- teil Rückschritt.

So könnte man alle brennenden Fragen der Gegen­wart durchgehen und würde in den Worten und den Werken Christi immer eine Lösung finden. Worauf es ankommt, ist der felsenfeste Glaube, daß diese Lösung unb.-r allen Hmfiänten die richtige ist, maßgebend für den wahren Fortschritt und darum ihre Durchführung mit allen Kräften zu erftrebtn. Der große Christus- jünger Paulus kleidet es in die knappe Weisung: Lasset uns wachsen in ihm m allen Stücken, der bas Haupt ist, Christus."

Es ist klar, daß nicht nur das christliche Privatleben, sondern auch das christlich zu gestaltende öffentliche Leben. 6ir christliche Politik, diesen Satz als oberste Richtlinie anzuiehen hat; daß immer wieder gefragt werden muß: wie würde Christus fjfer entscheiden? Unterwerfen wir uns in allen Stücken diesem Haupt, so dienen wir dem wahren Fortschritt und verhclsen uns und der Menschheit zum wahren Glück.

te öem Nachbartzebiet.

Gerstungen. Die Arbeiten zum zweiglei­sigen Ausbau der Eisenbahnstrecke G e r st u n g e n- Dacha-Salzungen sind nunmehr bis zu der Station Heringen soweit fertiggestellt worden, daß in Kürze mit der Legung der Schienen auf der Strecke Gerstungen-Heringen begonnen werden kann. Der Se= meb auf dieser Teilstrecke soll möglichst im Somme. 1922 ausgenommen werden. Die Bahnhöfe zu « erta (Werra), Dankmarshausen und Her! iqen haben schon in den letzten Jahren eine entsprechende Erweiterung erfahren. Wegen der ungünstigen Absatz, verhältniffe aus dem Kaligebiet des Werratales soll vorläufig der weitere zweigleisige Ausbau der Rest- strecke bis Salzungen unterbleiben, da die aufzuwen- denden Kosten in keinem Verhältnis zu den geringen Einnahmen stehen würden. Die Erweiterungsanlagen auf den Bahnhöfen Vacha, Dorndorf und Tie- f e n o r t werden jedoch weiter fortgeführt. Bei einer Neubelebung der Kaliindustrie soll ober der zweiglei- sige Ausbau der mittleren Werratalbahn sofort vollendet werden.

* Heiligeustadk. In der Preste wurden kürzlich Meldungen gebracht, wonach die B r a n d f ä l l e in der Provinz Sachsen auf eine organisierte Bande zurückzuführen seien. Von amtlicher Seite wird dazu mitgeteilt, daß seit dem 15. September 1921 in der Provinz Sachsen 132 Brandsäkle stattgefunden haben. In den überwiegenden Fällen liegt nicht Brandstiftung durch Erwachsene, sondern vielfach Dranv- erregung durch Unvorsichtigkeit von Kindern, Fahrläs­sigkeit und Selbstentzündung vor. In keinem einzigen Falle haben die Ermittelungen den Verdacht begründet, daß ein Brandfall auf eine organisierte Bande zurück­zuführen ist. Dies betrifft auch die Brandfälle in den Kreisen Heiligen st ad t, Worbis und Mühl­hausen-Land.

Vermischter.

* Die Gruft des reußischea Grafeuhanses auf­gedeckt. In den unterirdischen Räumen der Jo- hanniskirche zu Gera ist man auf elf Metattsärge gestoßen, die zweifellos die Ueberrefte der Mit­glieder des ehemaligen reußischen Grafenhauses enthalten. Die Särge werden voraussichtlich in das fürstlich reußische Erbbegräbnis in Schleiz übergeführt werden.

* Der Alt-Oberbärgermeister von Düsseldorf Wilhelm Marx feierte seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß hat die Stadtverwaltung das neu zu errichtende BürohausWilhelm Marx-Haus* ge­nannt. Der Jubilar selbst hat der Stadt eine Stiftung in Höhe von 100 000 Mark für die Notleidenden der Stadt überwiesen.

* Oppau und die Milliournfpenden. Der baher. Ministerrat beschloß, daß die Badische Anilin- und Sodafabrik zum Wiederaufbau in Oppau auf eigene Kosten rechtlich verpflichtet fei. Die freiwillige Million enspende der Allgemein­heit dürfe nicht dem Wiederaufbau der industriellen Anlagen, sondern nur der geschädigten Bevölkerung zugute kommen. Der bayerische Staaiskommissar für Oppau begab sich nach Berlin, um dort die Stellung­nahme der bayerischen Regierung der Reichsregierung mitzuteilen.

und reichte ihm die Hand:Das habe ich niemandem anders wie dem Herrn Baron zu verdankenl Die Güte, mit welcher mich Herr Baron überhäufen"

»Eh eh lasten Sie man nur!" wehrte der also Belobte ab.Habe Sie in die Geschichte hineingerit- ten muß Sie auch jetzt wieder herauslootsenl Hier lesen Sie übrigens auch noch die Erklärung der Bank--'

Damit drängte er Karl das Blatt auf und dieser überflog die kurz gefaßte Notiz, welche in ihrer Form dem eben von Herrn von Greiffenstein vorgelesenen Artikel glich, nur daß fein, Karl Hachfelds Namen ge­nannt und dem Bedauern Ausdruck gegeben wurde, daß ein gewissenhafter tüchtiger Beamter dem Jnstttm durch den unglückseligen Vorfall verloren gegangen fei.

»Hat übrigens famos gewirkt!" fuhr der Baron auf das Zeitungsblatt deutend fort.Alles bedauert Sie, jeder behauptet jetzt, schon damals auf Ihre Unschuld ge­schworen zu haben wie eben die Menschen sind! Selbstredend steht es Ihnen frei, wieder bei dem Sank häufe, einzutreten und zwar unter besonders günstigen Bedingungen wissen ja, daß ich da ein kleines Wört­chen mitzureden habe. Damit wäre jedem Zweifel, daß das Ganze eine Mache und daß es der Bank nicht ernst mit ihrer Erklärung ist, die Spitze abgebrochen.

Und doch, Herr Baron, ist sowohl der Artikel in dem lokalen Teil wie auch die Erklärung hier insofern eine Unwahrheit, als eine Unterschlagung in Abrede ge- stellt wird. Derselbe, oder vielmehr ein Diebbstahl, ist doch tatsächlich verübt worden!"

Ganz recht. Bester aber wie wollen Sie denn die Sache anders deichseln! Sie sind genau wie Ihr Alter der wollte zuerst auch nicht so recht an den Schwindel heran, bis der Friedwald ihm die Sache plau­sibel gemacht hat. Ging es denn auch anders? Auf der einen Seite galt es Ihre Reputation, auf der anderen sollte der Name Hohenfels nicht in die Affäre gezogen werden!"

Herr Baron haben mir noch nicht mitgeteilt, in welcher Weise mein Vater die Sache bei Herrn Hohen­fels zur Sprache gebracht hat--"

In welcher Weise? Wie ein Gentleman, was Ihr Alter vom Scheitel bis zur Sohle "ist! Zu einem er­regten Rekontre ist es überhaupt nicht gekommen zwi» schen den beiden, wie mir Ihr Herr Vater erzählt hat der andere war klug genug, klein beizugeben und so

Neue Bücher.

pi-ze der ffeimat. Von E. Gramberg. 2Bände mit 22t Seiten Text, 116 forbi en und 20 schwarzen Tafeln. Preis gebunden 108 Mark. Verla i von Quelle & Meyec in Leipzig. 1921. Seit den Kriegsjahren sind die Pilze in ihrer Bedeutung als VolksnahrnngS- mittel erst ganz erkannt und gewürdigt worden. Da­mit aber ist zugleich auch das Interesse weitester Kreise für diese eigenartigen naturtvissenschaftiict interessanten Kinder Floras außerordentlich gewachsen. Wer sich über den Bereich der verbreitetsten eßbaren, ungenieß­baren und giftigen Pilze tn Wort und Bud unterrichten will der greife zu dem in neuer Auflage vorliegenden Werke, das bereits Tausenden ein Berater und Führer geworden ist. Durch das Zusammenwirken des Kenners und Künstlers sind hier eine Reihe prächtiger Bilder geschaffen, die in wissenschaftlicher Beziehung durch ihre Naturtreue jeder Anforderung gerecht herben. Die Pilze sind samt ihrer nächsten Umgebung abgebildet, dadurch wird ein Lebensbild des betreffenden Pilzes mit entworfen und ohne toeitereS auch das Vorkommen in Wald, auf bet Heide, Wiese, den Hölzern usw. kenntlich gemacht. Nicht selten sind neben den Pilzen Heidel- und Preiselbeeren, Einbeeren, Habichtskraut, Ehrenpreis, Sauerklee, Erdbeere, Gräser, Moose, Flech­ten mit abgebildet. Hm und wieder werden auch Tiere, insbesondere Schnecken sowie fliegen und Käfer berück­sichtigt. Auch der leichtverständlrche zuverlässige Text, der von gründlichem Studium der neueren Ergebnisse der Pilzforschung zeugt, kann als Muster populär wissenschaftlicher Darstellung gelten. Besonders wichtrg ist, daß der Verfasser am Schluffe der Schilderung der abgebildeten Pilzgruppe auf andere ähnliche ober mit bet betreffenbeu Art zu verwechselnde Pilze hingewiesen und die unterscheidenden Merkmale erwähnt hat. Heber- all sind Angaben über den Standort, da? Vorkommen und Auftreten beigefügt Alles in allem, das Werk übertrifft in künstlerischer und wissenschaftlicher Hinsicht die besten bisherigen Pilzwerke. Möge dem Buche weiteste Verbreitung zuteil werden und möge es dazu beitragen, die Liebe zu unserer heimischen Flora zu wecken, daß immer mehr naturfrohe Menschen hinaus, wandern, um die Pilze in ihrem schnellen Werden und Vergehen zu beobachten und sich ihres Anblicks zu er- freuen. ___

Handel und wirtschaft.

= Die Noklage der Zeitungen. In einer Petition an den Reichspräsidenten, die Reichsregierung und die Landesregierungen legen die vereinigten Betriebsräte der Hamburger Zeitungsbettiebe in Gemeinschaft mtt den Arbeiter- und Angestelltenorganifationen die schwere Krise dar, der das Zeitungswesen in den nächsten Wo­chen entgegensieht und machen auf die Gefahren eines solchen Zustandes für die Allgemeinheit aufmerksam. Es werden für die Zeitungen folgende wirtschaftlichen Er. leichterungen gefordert: Eingriff des Staates gegen jede ungerechtfertigte Erhöhung'des Zeitungsdruckpaplerpreifes, Einreihung des Zeitungsdruckpapiers in die Klaffe lebenswichtiger Be- darfsgegenstönde, Beseitigung jeder Sonder, belastung des Zeitungsgewerbes auf dem Wege einer erhöhten Umsatzsteuer für die Inserate, eine weigehende Herabsetzung der bereits abgeschlosse­nen und noch zur Beratung stehenden P o st z e11 u n gs- gebühren, Fernsprech- und Telegraphen­geb ü h r en für Zwecke des Zeitungsnachrichtendienstes und weiteres Entgegenkommen an die Bedürfnisse der Zeitungen, insbesondere auf dem Gebiet des Nachrich- tenoerkehrs aus dem Auslande, der durch den katastro­phalen Marksturz gänzlich lahmgelegt zu werden droht, strengste Ueberwachung aller Produktions- und Der- kehrszweige gegen jede mißbräuchliche Ausnutzung sol­cher dem Zeitungsgewerbe zugestandenen Erleichterun­gen.

Briefkasten der Redaktion.

K- S. Sie interessieren sich dafür, warum wir die Unterredung mit StinneS" nicht veröffentlicht haben. Diese Meldung ist allerdings schon vor einigen Tagen von der Telegraphen-Union verbreitet worben. Unter bem Datum beS 28. Dezember brachte aber bie. selbe Telegraphen-Union bereits folgende Meldung: Ein gefälschtes StinneS-Jnterview. Wie die ,Kreuzzeitung' erfährt, ist bas Interview Stinnes mit einem Redakteur Der ,Bohemia' gefälscht, da Stinnes keine Unterredung mit einem Vertreter des Prager Blattes gehabt habe. Stinnes lehne es nach tote vor ab, sich von in- ober ausländischen Pressevertretern interviewen zu lassen."

Sottesdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 1. Januar. (Fest ber Beschneibung bes Herrn.) Dom. (Kollekte für die Josephsktrche.) '/-6, 6, */«7 u. 7 M., um *ia7 gestiftete bl. M. f. b. gefallenen

löste sich alles in Wohlgefallen auf. Den Mammon brachte der Herr Papa klugerweise gleich mit und zwar in lauter Aktien der Silberbaugesellschast, weil der Herr Nachbar zufällig kein anderes Kleingeld im Hause hatte!"

Wie von einer Viper gestochen, fuhr Karl Hochfeld empor.

Mein Vater hat das Geld zurückgefordert, das er zur Deckung des Diebstahls an die Dank gezahlt hat sagten der Herr Baron nicht so?"

Ja, warum denn nicht?" fragte Herr von Greiffen- stein in großer Gemütsruhe entgegen.10 000 Mk. sind doch kein Pappenstiel und daß der Hohenfels für das, was sein leichtsinniger Bengel angestellt hat, jetzt auf. kommt, das ist doch ganz selbstverständlich! Weih eben auch, was sich gehört! Durch und durch Ehrenmann der Hohenfels gönne es ihm von ganzem Herzen, daß ihm noch zur rechten Stunde so ein Glück in das Haus gefallen ist!

Verständnislos sah Karl Hochfeld den Sprechenden an und fragte zögernd:Don welchem Glück sprechen der Herr Baron, das bei unserem Nachbar eingekehrt ist? Wie mir Friedwald schrieb, hat Herr Hohenfels in letzter Zeit schwer mit wirtschaftltchm Sorgen zu kämpfen. Daneben ist seine Frau durch den Tod des Sohnes, wie es heißt, förmlich gemütskrank geworden!"

Sie scheinen sich ja recht lebhaft für die internen Verhältnisse der nachbarlichen Familie zu interessieren?" versetzte Herr von Greiffenstein mit einem schalkhaften Lächeln.Und über den vermaledeiten Büchern da Der. säumen Sie zu hören und zu sehen, was in ber Wett und in allernächster Nähe oorgehl! Haben Sie denn nicht gelesen, daß im Mühlbachtale nach Silber geschürft und eine immens reiche Ader bloßgelegt wurde? Ent­deckt war sie schon vor mehreren hundert Jahren von dem alten Freiherrn Albrecht von Hochfels, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelebt hat und der, wie Sie gewiß wissen, sowohl der Ahnherr ber Hohenfels, wie auch Ihr eigner Ahnherr ist! Ihr Freund, ber Friedwald und seine Braut haben mir da eine roman- tische Geschichte erzähtt, wie sie und die Tochter aus dem Nachbarhausr Emilie heißt sie, glaub ich ja, wer­den Sie nur rot, alter Schwede ich weiß, wie der Hase läuft na, also, die drei fanden ein altes Bild droben im alten Burgturm mit der UnterschriftDie Jagd nach dem Glücke" und das hat ihnen den Weg

Mitglieder b. Männer-Apostolats m. Anspr. u. Gen.. Kom. b. Männer, 8 Pfarramt u. Pr., */»10 Kathedralami u. Pr , V»12 M. u. Pr., >/»2 Sakraments-A., 4 Pr. u. A., 7 A. m. Segen i. b. Martenkapelle. Stodtpsarrkirche. A6 u. '/«7 M., 8 erster Schulaottesdienst m. Pr.,MC Hochamt u. Pr., 11 zweiter Schulgottesdienst m Pr. Vou V16 - Vi9 wirb alle halbe Stunde bie hl. Kommunion ausgeteilt. */i3 Segens-A. Beichtgelegenheit ist jeben Mittwoch, Freitaa u Samstag morgens v. >/,79; SamS- taanachm v.37u.V18Vi9;Sonntagmorn.v. V16an. Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt m Äom.,5 A.Severikirche. Sonntagsu.werktags */,7 M. Herz-Jesu-Heim. 8Hochamt m. Pr.,nachm. 2 A. (Mittwoch abenbs 8 31.) Frauenberg. 5, 6,6Vi u. 7 M., 8 Rosen- ktanzm. m. Pr., 9 Levilenamt m. Pr., nachm. 2 Festpr u. A. Generalabsolution f. b. Terziaren.

Evangelischer Gottesdienst.

Samstag, 31. Dezember. (Jahresschluß.) Fulda. Abends 8 Pfarrer Weber.

S 0 n n t a g, 1. Januar. (Neujahr.) Fulda Norm. 9*,'i Sup. Ruhl, nachm. 2 Pfarrer Weber. Großenlüder Vorm. 9V, Pfarrer Weber. Bieberstein. Vorm. t Pfarrer Reich.

Mittwoch. 4. Januar. Fulda. Abends 8 Bibel, stunde (Gemeindehaus).

Lvangel. landezkirchl. Gemeinschaft Zulda, Buttlatfte. 17

Samstag, 31. Dezember. AbenoS 10 Jahres. schluß-Gottesdienst.

Sonntag, 1. Januar. Abends 8 Evangelisation. Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber).- Freitag abends 8 Bibel- und Gebetstunde.

Marian. Bürger- u. Junggesellen-Sodalilät

Jahresschlussfeier

heute abend 8 Uhr in der Stadtpfarrkirche

Predigt mit Te Deum.

Alle Gläubigen, vor allem aber die Sodalen, siik. dazu eingeladen.

Amtliche Anzeigen.

Da durch die Herstellung von Gervals-Säse bie ord­nungsmäßige AMchversorgung in einzelnen Bedarfs« gebieten gefährdet wird und ein wirtschaflltches Bedürf« nis zur Herstellung von Gervais-Käse, der ein ausge­sprochener Luxuskäse ist, nicht vorliegt, hat der preu­ßische Staatskommissar für Volksernährung auf Grund des § 6 ber Verordnung über den -Verkehr mit Milch vom 30. April 1921 (Reichsgesetzblatt <p. 498) zur Ei- cherung der Milchversorgung die Herstellung von Ger> vais-Käse verboten.

Ich bringe dies hiermit zur öffenüichen Kenntnis Fulda, den 27. Dezember 1921.

Der Landrak: Frhr. v. Sägern.

Die Herren Bürgermeister und Guksvorsieher bet Kreises, die noch nicht mtt der Erledigung der Ver­fügung vom 14. Dezember 1921 Fuldaer Tageblatt und Fuldaer Zettung Nr. 289, betreffend Einrei>> chung eines Verzeichnisses der Arbeitgeber, welche an/ gestellteiwersicherMtgspflichtiae Personen beschäftigen, im Rückstände sind, werden daran mtt drei tätiger FrifÜ erinnert.

Fulda, den 23. Dezember 1921.

Versicherungsamt. I. 23.: Polster.

Die Büros des Landratsamtes, des Kreisausschuffe», des Versicherungsamtes, der Krviskornstelle, der Amtlichen Fürsorgestelle und der landwirtschaftlichen Schule sind von jetzt ab unter Rr. 475 und 476 an das Fernsprechnetz an- geschlossen.

Fnlda, den 30. Dezember 1921.

Der Vorsitzende des Sreisausschusses.

Frhr. v. Sägern.

Dr. Bahrs

ZahnpnlverWo. 38

vom Zahnarzt verordnet, daher

$,das rechte ZahnpilegemittePI

Drogerie G. K. Steyer.

gewiesen. Lassen Sie sich die Geschichte von dem Fried­wald selbst erzählen! Muß em Tausendsassa gewesen sein, der alte Freiherr so eine Art Magier, Nekro­mant verstand alles: Alchemie, Malerei, Dichtkunst Mineralogie und der Himmel weiß, was noch alles- Die Geschichte bringt mir übrigens ebenfalls einen schö­nen Brocken Geld ein die Silberbau-Aktten sind immens gestiegen, man reißt sich förmlich darum oh der Börse!

Erstaunt hatte Karl der Erzählung deS Freiherr« zugehört. Er erinnerte sich, in einem früheren Briefe Wilhelm Friedwalds gelesen zu haben, daß oben aus der Burg von Emilie Hohenfels em Gegenstück zu dem im Besitze seines Vaters befindlichen kleinen Oelge- mälde, unter welchemnach dem Glücke" stand, gefun­den worben sei und daß Friedwald selbst in der alle» Hausbibel der Hohenfels eine Niederschrift entdeckt habe, die auf einen verborgenen Schatz hindeutete. In der niedergedrückten Stimmung, in welcher er sich damalq befand, hatte er den Mitteilungen des Freundes wei­ter gar kein Interesse zugewendet und nun erwies es sich als Tatsache, daß wirklich ein Schatz vorhanden ge­wesen und aufgefunden worden war! Und der Nach, barsfamilie kam dieser Schatz zu gute er gönnte ihr bas Glück von Herzen aber mußte für ihn. wenn die Famllie Hohenfels wieder zu großem Reichtum ge­langte, nicht jede Hoffnung auf eine Vereinigung mtt ber (Beliebten bann schwinden? Er hatte sich schon in Träumen gewiegt, daß der Rückgang der Vermögens» Verhältnisse im nachbarlichen Hause ihm den Weg zu Emttie ebne und nun? Aber hatte Herr von Greif- fenftein soeben nicht erwähnt, daß die von Max Hohen- sels gestohlene Summe von dessen Vater in Aktien,der Silberbaugesellschast zurückerstattet worden sei? Und diese Aktien waren jetzt immens gestiegen? Dann mußte ja--Karl unterbrach seinen Gedankengang

und fragte hastig:Silberbauaktien hat Herr Hohen- fels meinem Vater zur Deckung gegeben, wie der Herr Baron sagten? Und das geschah noch vor der Auffin- düng ber reichen Silberader im Mühlbachtale?"

Genau einen Tag vorher! Ihr Herr Papa kann sich freuen, daß ihm da ein Vermögen in den Schoß fällt, ohne daß er einen Finger zu rühren brauchtt"

Gestatten, Herr Baron, daß ich unverzüglich nach Liebenburg abreise ich muß meinen Vater dringend sprechen!" Sm«. kolatt»