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Freitag, 3Ü. Dezember 1921.
Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei in Fnlde
Leib
General v. Beseler, der Eroberer von
Ant-
vollkommenstes Hautpflegemittel
EF38HES
“ Gegen rauhe aufgesprungene Haut
CREME MOUSON
Großvezier Said Halim Pascha in Rom ermordet. In Trier starb der Bischof Dr. Korum, in Jena der verdiente ehemalige Reichs- und Staatsminister v. Delbrück unb bei Potsdam
Die unterzeichneten Zeitungsoerlecrer der Bezirksgrupps Fulda sehen sich gezwungen, unter Bezugnahme auf die obige Erklärung des Vorstandes des Kreisvereins, ihren Bezugspreis zu erhöhen, und bitten ihre Leser, sich mit der unabweisbaren Lage abfinden zu wollen.
Alsfeld: Oberhessische Zeitung.
Fulda: Fuldaer Zeitung, Fuldaer Tageblatt, (Setnhanfen: Gelnhäuser Tageblatt.
Gersfeld: Gersfelder Kreisbiatt. tzüufeld: Hünfelder Volkszeitung. Lauterbach: Lauterbacher Anzeiger. BaO Orb: Bad Order Anzeiger. Schlitz: Schützer Bote.
Schlüchtern: Schlüchterner Zeitung.
Die Fuldaer Zellung kostet zunächst noch
moualiich 6 Alk.
einschließlich Bestellgeld. Die angekündigte ungeheuere. Papierpreiserhöhung ab 1. Januar 1922 (Verdoppelung!) zwingt uns den Bezugspreis voraussichtlich bereits innerhalb des ersten Vierteljahres 1922 zu erhöhen. Ein dahinzielender Antrag ist bei der Oberpostdirektion gestellt.
Verlag der Fuldaer Zellung
Zur gefi. Beachtung.
Unstreitig am schwersten drückt die Not der Zeit unsere deutschen Zeitungen. Das Zeitungsgewerbe ist kein Gewerbe im Sinne eines kommerziellen oder industriellen Unternehmens und um so weniger, je höher es feine ideellen Ziele steckt. Es kann daher auch nicht wie derartige Unternehmungen die täglich ein retends Mehrlasten sofort durch ensprechende Preissteigerungen abwälzen, dies kann vielmehr meist erst nach Wochen oder Monaten ge chehen. Darum vermochten die meisten Zeitungen i‘;ren Bezugspreis nicht, entfernt den gesteigerten Selbstkosten anzupassen. So ist der Preis für das Papier, des Hauptfaktors, schon seit 1. Dez. um 72,5 Pfg. für das Kilo gestiegen, ohne daß die Zeitungen diese neue Last sofort abwälzen konnten; eine weitere Steigerung des Papierpreises auf das 3-fachs des Friedenspreisstandes ab 1. Januar steht bevor. Auch die Lohnsteigerungen der letzten Wochen und die enorme Verteuerung der Materialien konnte noch nicht durch Erhöhung der Einnahmen ausgeglichen werden. Jeder Deutsche lollte aber wiffen, daß die Erhaltung einer guten leistungsfähigen, unabhängigen Presie, die als mitleitender Faktor int Staate gilt, unbedingte Notwendigkeit ist. Um die Presse jedoch auf ihrer alten Leistungsfähigkeit und ihrer Bedeutung zu erhalten, erfordern die derzeitigen Verhältnisse eine Neuregelung der Bezugs» und Anzeigenpreise. Es darf wohl der sicheren Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß dir gesamte Leserschaft die von der Derlegerschast ab 1. Januar 1922 als notwendig erkannten Erhöhungen als gerechtfertigt hinnimmt, um fo ihren Zeitungen auch in dieser für die gesamte Presse so schweren Zeit die Treue zu bewahre»
Mainz, den 13. Dezember 1921.
Der Vorstand der Kreisvereins Hessen-Nassau und Hessen des Berlins Deutscher Zeilungsverleger.
gelebt. Wenn man die willkürlichen Ruhetage abzieht, so wird dar Zahl der Werk- und Schaffenstage noch vvrl kleiner. Aber bleiben wir auch bei 27 000,—, was ist denn das in dieser Zell, wo wir gewohnt sind, nicht bloß in Millionen, sondern auch in Milliarden zu rechnen?
Wieviel Tage sind fett Christi Geburt verflossen? Nach Adam Riese rund 700 000 Tage ober 100000 Wochen. Was ist nicht alles geschehen in dieser Zeitspanne, die in ihrem Anfang noch das alte römische Karsermich prangen sah ttnfö dann über die Völker» Wanderung hinweg die christliche Kultur des Mittelalters aufblühen ließ, um nach den schweren Kämpfen der Neuzeit in die mißratene Weltherrschaft der Entent« auszulaufen! Solche ungeheuren Umwälzungen in nur 100 000 Wochen, das macht es begreiflich, wie unsere Vorfahren ebenso heiß, wie wir, und meistens auch ebenso vergeblich nach Ruhe und Frieden seufzen mußten.
Don den Jahren, die s:it lern Christtage von Bethlehem vcrfloffen sind, habe ich den 26. Teil miterlrbt. Das sind schon beinahe 4 Prozent dieses Zeitraums. Will einer die siebzig nicht als Maßstab gelten lassen, j so mag er das Abrahamsalter von 50 Jahren in Rechnung stellen. Hätten unsere Urväter immer im 50. Lebensjahre ihren Sprößlling und Erben taufen kaffen, o wären seit Christi Geburt noch nicht einmal 40 Ge- ch-echter auseinander gefolgt. Was ist das für eine I kleine Zahl! Mit jedem von unseren zehn Fingern brauchen wir nur viermal aufzutippen, dann haben wir alle Generationen ausge-ählt, die feit Christi Geburt bis heute sich abgelöst haben. Daraus folgere ich: das s christliche Ze-iat:«r ist noch recht jung; das Reich Got- ! tes auf Erden ist noch längst nicht ausgewachsen und ausgereist; die Kirche steht noch im Frühling und soll sich erst noch entfalten zum alles umfassenden und alles durchdringenden Völkerbund.
Im Zusammenhang damit sicht die weltliche Ms- senschaft und die politische WmstÄei, was man ge- wöhnfich Kultur nennt, auch wem: es recht unkultiviert I ist. Mit dieser Kuli-ur geht es ähnlich, wie mll der ! Schundwaw auf den Jahrmärkten: was am wenigsten I taugt, wird am lautesten angepriesen. Sehen wir genau ! zu, so ist aß's Halbheit und Quacksalberei. Wenn die ’ Wissenschaft eine Frage beantworten will, so steckt in , der „Lösung" ein Dutzend neuer Fragen, und wenn die I
Mächtigsten dieser Welt sich anschicken, für das allge- I meine Beste zu sorgen, so richten sie mehr Verwirrung I als Wohlfahrt an. Daraus schließe ich wiederum: die Menschheit ist noch nicht reis, sie steckt noch in der grünen Jugend, oder aus deutsch gesagt: in den Flegeljahren.
Die Legende erzählt von dem Mönch in Heisterbach, der 300 Jahre verschlafen mußte, well er nicht glauben wollte, daß vor Gott hundert Jahre wie ein Tag seien. Denken wir uns, der Mann sei während des dreißigjährigen Krieges kingeschlafen und im letzten [ Weltkrieg ausgewacht. Was würde er sagen? „Die Kriegsmittel sinh viel raffinierter genwrden, aber der ! Haß, die Grausamkeit, die Rachsucht und die Beutegier silch gleich geblieben. Die Menschheit fft fortgeschritten in den Künsten der Zerstörung; doch bei der Wiederherstellung hapert es, und die sogenannten Friedens- Verträge bringen immer noch Vitriol statt Balsam für die Wunden."
Streng,' Richter haben schm gejagt, Beelzebub und seine höllisehen Gesellen seien wieder einmal in die Menschheit gefahren. Demgegenüber ist es noch höflich, wenn ich sage, die Menschheit stecke immer noch in dm Flegeljahren. Das hat auch etwas tröstliches in sich; denn aus den Flegeljahren kann man mit der Zeit Herauswachfen. Allerdings wird wohl noch geraume Zeit erforderlich fein, bis die Menschheit gesetzt und vernünftig wird. D r liebe Gott wird doch gewiß das wahre Kulturwerk der Erlösung und Erziehung des Menschengeschlechtes zur gründlichen Durchführung bringen wollen. Da gibt es aber immer wieder Verzögerungen und Rückschläge wtegen der Dummheit und Bosheit der Nachkommenschaft Adams. Hieraus folgere ich, daß der jüngste Tag noch längst nicht vor der Ture steht.
Wir alle, die da jetzt atmen urib ringen in den sauren Dünsten der Gegenwart, werdm den jüngsten Tag sicherlich nicht im Fleische erleben, sondern wnden erst sterben müssen, um auf die Auferstehung zu warten. Wie lange wird die Wartezeit dauern? Das weiß niemand zu sagen, und die Abgeschiedenen haben mich keine irdische Uhr in der Hand und an der Wand. Ihr Körper schlaft im Grabe, und ihre Seele ist dorthin gegangen, wo es keine Zeitmaße mehr gibt, weil die Zeit überhaupt aufgehört hat und mit der Ewigkeit gerechnet wird
Neue Bücher.
Katholische Mrtjchafismoral. Don Dr. theof. et oee. pM. Franz Taoer Eberle. 8° (VIII u. 118 S.) Freiburg i. Br. 1921, Herder. 20 JL Unser Wirtschaftsleben muß, wenn es nicht Mammenbrechen und das ganze Volk m fernen Absturz ziehen soll, auf andere Grundlagen gestellt werden. Darum stehen heute jene Fragen im Brennpunkte des Interesses, welche an der Peripherie von Theologie und Volkswirtschaft liegen, welche verlässige Wege zum Aufstieg zeigen. Eberles Buch erörtert solch« Fragen. Es bchrmdelr zuerst die Grundlagen der kacho- lifchon Wirtschastsmoral und reiht daran di« Eingelforde. rungen, wie Arbeit, Kapitalismus, Kapital und Arbeit, geraffter Lohn, Zins, Grundrente, gerechter Preis u. a. Das Buch wird nicht nur Fachkreise intereffiieron, sondern muß unbedingt seine Wellen schlagen in die Kreise von Kapital und Arbeit, m die katholischen Veroine, in den Unterricht an unfern Fortbildungs- und höheren Schufen. Die Schrift erregt berechtigtes Aufsehen und wird in katholischen Kreisen freudigst begrüßt. Auch solchen, die auf anderem Boden stehen, bietet sie wertvolle Aufschlüsse.
liegt daran, daß wir uns vor dem Geiste des Wortes Christi beugen: Fürchtet nicht die, welche den töten, die Seele aber nicht töten können.
chluß der badischen Re- -ommers beseitigt wer» mb.
Da kommt es auf eine Handvoll Jahrtausende gcr nicht an. Da schrumpft di-e ganze bisherige Geschicht» der Menschheit zu einem Zwischenfall des Augenblick- zusammen, und wenn der einzelne Mensch von den Jährchen seines Lebens so viel Aufhebens macht, so iß das ein kindliches Spiel.
Hall! Run wollen wir die Medaille von der an» deren Seite betrachten; sonst denkt einer: „Wenn ineiv Leben so minderwertig ist, so kommt es ja nicht bann» an, wie ich lebe." O nein; du bist nicht umsonst geschaffen worden, und wenn du auch nur einen bescheidenen Posten angewiesen bekommen hast, du muß ihn doch ausfüllen. 'Das gewaltige Weltmeer besteht aus lauter Tropfen; der Tropfen soll keinen Größer» wahn haben, aber er soll Mitwirken an Flut urt Ebbe und Wellengianz. Der Kölner Dom besteht au» zahlreichen Steinen, aus großen und kleinen, au» feinen und groben, aus offensichtlichen und verborgenen Auch die befcheidensten Steine innerhalb der Mauert muffen den herrlichen Tempel tragen helfen. Was if ein Hälmchen auf dem Saatfeld, was ist ein Köm chen im Speicher? Wenn sie zu Ha-uf kommen, bilder ft: das tägliche Brot, von dem das Leben der Mensch heit abhängt. Die Masse bringt es, und wir gewöhn lichen Menschenkinder gehören auch in die Masse der Volkes, um in derselben als Träger und Förderer de> Kultur mitzuwirken. Es ist ja nur wenig, was wi' leisten, und unser Dienst ist schnell zu Ende. Abs' etwas beizutragen zur Ehre Gottes und zum Wohle de» Mitmenschen, — das ist schon eine hohe Ehre und eine' heilige Pflicht.
Sei auf deinem Posten, wenn auch der Posten sehr bescheiden ist. Sei heutzutage besonders wacker auf dem Posten, wen jetzt die Menschheit sich seiber regieren ioll, die früher von oben regiert wurde. Je flüchtiger die Jahre vergehen, desto tüchtiger muffen sie dich schenk
Ja, die Lebenszeit ist sehr knapp, die Lebenskraft ist bald erschöpft. Darum wollen wir sie nicht oer- schwenden in Trägheit und Torheiten, sondern pflicht, treu ouswerten nach besten Kräften. Das ist das einzige Mittel, um die klangvollen Neujahrswünsche zur Erfüllung zü bringen.
Kurz ist und bleibt unser Erdenlcben; machen wir es wenigstens gut, auf daß wir nach der Ablösung uns nicht zu toämen brauchen.
Die Vorsehung hat das deutsche Pol? wiederholl unter schweren Schicksalsschlagen von meßen her zu- sammenbvechen lassen, so vor dreihundert Jahren im Dreißigjährigen Kriege, vor hundert Jahren unter der Napoleonischen Gswalcherrfchcht. Jedesmal hat es eine Auferstehung erlebt, weil es, nach außen machtlos geworden, sich auf die Kraft feines Geistes und feiner starken Seele besann und mit angespmmtem Pflicht- gefühl sich still arbeitend sich immer wieder emporar- beitete. Nicht aus niedriger Einschätzung der deutschen Tüchtigkeit hatte sich vor dem Kriege so viel Abneigung draußen in ber Welt gegen uns gesammelt. Die Furcht vor dem inneren Wiedererstarken des gedemütigten deutschen Volkes ist der Grund, warum ter Wille zu immer neuer Verstümmelung Deutschlands bisher trotz Friedensvertrag nicht abließ. Ob wir trotz allem äußeren Unglück in der Menschheitsgeschichte auch wei-' terhin eine Aufgabe, die kern anderes Volk leisten kann, zu erfüllen haben, das liegt nicht im Bernden unserer Gegner, sondern bei unserem Willen zur Auswirkung deutscher Tüchtigkeit. Es
Unpolitische ZeitlSuse.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 28. Dezember 1921.
Wenn man alt wird, wacht man nachts öfter auf und kann nicht gleich wieder einschlafen. Weil nun der sog. Jahreswechsel vor der Türe steht, habe ich letzte Nacht über den Gang der Welduhr nachgedacht.
Ergebnis: der Erdemnensch fft ein sehr kurzatmiges Geschöpf, und bte ganze Nachkommenschaft Wams auch.
Auf diese „Entdeckung" kann ich mir freilich kein Patent geben lasten, weil sie nicht „neu" fft. Aber es geht mit der alten Wahrheit manchmal wie mit dem Sauerkohl, von dem viele behaupten, daß er ausgewärmt vorf) bester schmeckt wie frisch gekocht.
Was ist denn so ein Jährchen? 365 Tage. Alle oicr Jahre wirb noch ein Tag zugelegt; aber das merken wir kaum Ein Tag mehr oder weniger, was macht das «ms? Wir stehen auf, wir esten und trinken, wir haspeln unsere Tagesarbeit ab und legen uns wieder ins Bett. So reif;? sich ein Tag an den andern, und ehe man es sich versieht, ist ein Jahr um, ist die Jugend um, -ft dos Kraftalter um, ist bas Ende da oder Vempstens der Anfang Dom langsamen Absterben.
„Wttl irn menschlichen Leben so wenig Rosen blühn, mochte ich es nicht gern mit dem Rosenkranz vergleichen. Aber cs hat doch Achnlichkeit mit der Perlenschnur, auf der man eine Koralle nach der andern, einen Tag mch dem andern ablauscn läßt, bis die Reihe erschöpft ist. Als ich noch jung war, habe ich gelegentlich auch Verse gedrechselt; z. B. ein kleines Gedicht von ber Großmutter, die an ihrem altmodischen Rosenkranz betet und bei ihrer Schwerhörigkeit nicht merke, daß die erledigten Korallen von der zerrissenen Schnur ad- fallen und in die Stube rollen. Wie die Schnur leer ist, macht sie die Augen zu und wacht im besteren Jenseits wieder auf.
Alle vienmbzwanzig Stunden streifen wir einen Sebensfag ab, und er rollt in das Meer der Pergangsn- heit, das nichts wieder von sich gibt. Die abgezähtte Reihe ist bald erfchöpft. 9
Wenn einer siebzig Jahr« wird, so sagen di- Leute schon, das sei ein Hohrs Alter. Nun gut, ich habe 74 cuf dem Rücken und also habe ich mnd 27 000 Tage
Reunstagscwgeordnete Matthias Erzberger wurde ermordet. Zu Herbstanfang starben Fürst Philipp Eulenburg, der einstige Intimus des Kaisers, der dann hart angeklagt wurde, ferner der bekannte Komponist Humperdinck, die Fürstin Pauline Metternich in Wien, in ihrer Jugend in Paris die Vertraute der Kaiserin Eug«- nie, später wegen ihrer Wohltätigkeit allgemein in ihrer Heimat beliebt und gefeiert; es starb ferner der Leipziger Derlagsbuchhändler und Inhaber der Weltfirma Brockhaus.
In München starb im Herbst die Königin M a - r i a von Neapel, die sich 1860 durch die heldenmütige Verteidigung der Festung Gaeta einen europäischen Rus erwarb; ferner der frühere preußische Unterrichtsminister v. S t u d t. Im Oktober erfolgte der Tod des Exkönigs von Bayern, Ludwigs HI., nachdem nicht lange vorher der ehemalige König Wilhelm n. von Württemberg gestorben war. Der japanische Ministerpräsident Hara wurde in Tokio, der ehemalige türkische
• Kircheneinbruch. Die russische Kirche in Dres- ben ist von einem schweren Einbruch heimgesucht worden. Den Dieben, von denen jede Spur fehlt, sind kostbare Gegenstände in die Hände gefallen, u. a. ein filber- vergoldeter Kelch, ein goldener Oblatenteller, ein goldener Oblatenlöffel, ein goldenes Untergestell, ein Evangelium mit Silberbeschlägen, ein stark vergoldeter Bronzeleuchter, 56 Zentimeter hoch, und drei massiv- goldene Oblatenschüsseln sowie Münzen in Gold und Silber.
* Bauunglück in Leipzig. 3m Neubau des Meßhauses Union in der Halleschen Straße in Leipzig ereignete sich ein schweres Bauunglück. Ein zweispän- niges Geschirr des Bauunternehmers fuhr über ein Kellergewölbe, in dem mehrere Arbeiter mit Aus- fchachtungsarbelten beschäftigt waren. Die schwache Decke des Gewölbes gab nach und der Wagen stürzte mehrere Meter tief in den Schacht. Hierbei wurde ein Arbeiter getötet, ein anderer schwer und ein dritter leicht verletzt.
* Vas Heidelberger Schloß. Durch di« Presse sind in den letzten Wochen Mitteilungen gegangen, die von einer bedrohlichen Zerstörung des Heidelberger Schlosses durch Witterungsein, flfiffe sprachen. Auf diese Nachrichten wurde das Schloß von den badischen Sachverständigen genau untersucht und dabei festgestellt, daß zwar der Otto Heinrichsbau neue Risse zeigt, die jedoch ziemlich unbedeutender Art sind, in keiner Weise aber den Gesamtcharakter des Schlosses bedrohen können.
Kus dem Nachbaraebiet.
— Welkers (Kr. Fulda). Bekanntlich ist der Herr Konviktsassistent F. Plappert mit Wirkung vom 1. | Januar 1922 als Kaplan nach Fritzlar versetzt worden. Er hat f r e i w i l l i g über 2 Jahre in unserer von der Pfarrkirche weitabgelegenen Gemeinde den Sonntags- gottesdienst abgehalten und zumteil die Seelsorge oer- sehen. Da sich Herr Kaplan Plappert die von der Gemeinde geplante Abschiedskundgebung nerbeten hatte, sei ihm an dieser Stelle nochmals herzlichster Dank für seine aufopferungsreiche Tätigkeit und sein segensreiches Wirken Hierselbst ausgesprochen. Was er uns war, läßt sich nicht in Worten ausdrücken. Wer es miterlebt hat, wie sich unter seinen segenbringenden Bemühungen auf der Kanzel, im Beichtstrchl und in der Christenlehre das religiöse Leben hier gehoben hatte, wer mit dabei war, wenn die ganze Gemeinde sich um die Kommunionbank scharte, nur der kann ermessen, was wir in ihm oer- loren haben. Wie manche Stunde der reinsten Freude, des edelsten Glückes hat er feinen Welkersern bereitet. Stunden, in denen selbft über bärtige Männerwangen Tränen der Rührung gerollt sind. Sein Berdienst ist es mit an erster Stelle, daß die Gemeinde heute, und mit vollem Recht, auf die innere Ausstattung und die gottesdienstlichen Gebrauchsgegenstände ihrer Kapelle so stolz ist. Prächtige Paramente, ein schöner Borhang, welcher dem Bilde des Hochaltars einen würdigen Abschluß zur Seite gibt, die majestätische Kanzel, von dem elektrischen Licht überstrahlt, der in Aussicht stehende Gedächtnisaltar für unsere gefallenen Söhne und Brüder, alles Werke, die durch des Scheidenden Sammeleifer Eigentum und Schmuck unserer Kirche wurden. Die, durch seinen Einfluß hergestellte Ordnung während des Gottesdienstes, dis von seiner Hand geleitete schöne Ausschmückung der Altäre bei besonderen Anlässen und Gelegenheiten, in Verbindung mit dem feierlichen und schönen Gottesdienst trugen mit dazu bei, daß man sich die ganze Woche über so recht von Herzen auf den Sonntag gefreut hat. Nie wird ihm die Gemeinde vergessen, was er ihr getan hat, Gott im Himmel möge es ihm lohnen. Mögen ihm in seinem neuen Wirkungskreis im Weinberge des Herrn des Himmels Glück und Segen, sowie Erfolg in reichstem Maße beschieden sein, es ist der innigste und herzlichste Wunsch aller Welkerser.
fpd. Griesheim a. 2R. Auf die neue Ausschreibung der hiesigen Bürgermeister st ekle haben sich nicht weniger als 185 Kandidaten gemeldet, von denen 5 zur engeren Wahl gestellt wurden. Diese Herren werden sich dieser Tage auf Einladung der sozialdemokratischen Partei in zwei Mitgliederversammlungen persönlich vorstellen.
fpd. Aus dem Speffart Die Wald gemeinde Baunach spendete jedem Bürger aus der G e- meindekasse als Weihnachtsgabe 60 Mark. Sie konnte aus ihrem Waldbesitz soviel herauswirffchaften, daß sie jetzt die obige Gabe verabfolgen konnte.___
Die geschichtliche Ausgabe der Völker.
Wenn rott zurückschauen auf die Völkergeschichte, die hinter uns liegt, dann ahnen wir, daß nicht Men- schenwillkür und nicht ein stumpfes Schicksal die Geschichte macht, sondern daß ein weltbeherrfchender Geist, eine große Idee, ein Ewigkeitsgedanke durch die Menschheitsgeschichte hinurchgeht und vom schaffenden Gottesgeiste in sie hineingeschaffen ist.
Denken wir nur einmal, ob welchen Uranfängen dec Barbarei sich die heutige Menschheit emporgearbeitet hat; daß wir die Nachkommen derjenigen sind, die heimatlos mit Wrib tmd Kind m ber Steppe herum- fchweiften, die keinen Rechtsstaat hatten und keinen machtvollen Schutz der Gesetze, keine Städte, keine Gotteshäuser, die leidlich wie geistig ein gar armes, kümmerliches Dasein führen mußten.
Aus dnn ordmmgsüffen Ur^uftonb haben, durch eine geheimnisvolle innerliche Macht getrieben, einzelne ■ Familien und Stämme herrmsgebrängt, haben sich zu- fammengeschlosien, machtvoll erreporgeftrebt, ihren Einfluß zur Geltung gebracht, durch HerausarbeitWtg des Besten und Tiefsten, was in ihnen steckte, ihrer edel- ften natürlichen und sittlichen Gottesgaben, sich zur Gel- tmig gebracht, die entgegen stehenden Schwierigkeiten überwunden und, wo es keinen andern Weg gab, gewaltsam niedergeschlagen. So sind sie gewachsen, zur Blüte gelangt und haben dann in friedlicher Tätigkeit jene Gaben des geistigen Lebens, welche Gott m sie hineingelegt hatte, aus sich herEgcholt und damit nicht bloß sich selbst, sondern auch andere Völker bereichert und veredelt.
Das erscheint als die Hauptsache im Leben der Völker, ihre geistigen und sittlichen Werte. Was das heidnische Altgriechenland an materieller Kultur, an Reichtum und Wohlstand geschaffen hat, das ist zugrunde gegangen und in alle Winde zerstreut, das war bloß das Mittel und Bedingms des Geistigen. Was es an Kunst und an Weisheit ber Meirich heit gegeben hat, das fft ihr Gemeingut geworden. Was W-Rom an Bauwerken, an Brücken und Waffcrleitun- gen an stolzen Palästen u. Basiliken cmfgerichiet hat, da- osn sind nur spärliche Reste vorhanden. Was es aber an staatlich« Rechtsordnung, an Bolks- organtfaHon, an Geist und Sitte geschaffen und aus seinem Wesen heraus entwickelt hat, das ist das Erbe des Germanentums geworben, und das wirkt auch in intferer Zeit noch fort.
_ Das ist der Gotteszweck, dm die Vorsehung ben Völkern angewiesen Hai. Sie sollen die großen Ideal- guter ber Wahrheit und Sittlichkeit, des Schönen und Guten weiter und weiter fördern und damit die Menschheit bereichern. So fließt der Strom der Geschichte über bie Welt dahin. Er trägt uns und unser Volk. Wo er mündet, bas sehen wir Nicht, das glauben wir. Dieselbe innere Stimme, die einem jeden sagt, daß er für eine Ewigkeit geschaffen fft, sagt uns mich, daß der Strom der Geschichte in der Ewigkeit mundet.
, Die Vorsehung aber zählt bin Völker nicht, smÄern wägt sie. Sie bemißt ihren Wert nicht nach den A n - sprächen, die sie erheben, sondern nach dem Maß ihrer Leistungen für die gesamte Menschheit. Ein Volk, das sich auf seinen Mtsn- teil zurück,zi eh en, von feinen Renten leben will, hat feine geschichtliche Rolle ausgespielt. Nicht durch Aus- bcitiung anderer Wölker, f rattern durch beharrliche Kulturarbeit im Dienste ber Völker gewinnt ein Volk Daseins- und Machtberechtigung vor dem Richterstuhle der Vorsehung. Und je nachdem sie ein Volk nach diesem Maßstab als zu leicht oder als schwerwiegend befindet, senkt oder hebt sie dies Volk im Rate der Völker.
Kus dem Tsdesreigen 1921.
Das Grabgeläute ist im abgelaufenen Jahre vielen bekannten Zeitgenoffen erklungen, die Erinnerung an so manchen von ihnen wird das Jahr weit überdauern.
Zu Anfang des Jahres verftarben der frühere Reichskanzler v. Bethmann - Hollweg und der volkstümliche Maler Defregger. Ihnen folgten im Januar dis berühmten Gelehrten Wilhelm Förster (Astronom) und Benno Erdmann (Philosoph), W a l d e y e r (Anatom) und der unübertroffene Meister und Bildhauer Hildebrandt in München. Im Februar schieden der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Frhr. v. Soden und der Dichter Karl Hauptmann, der frühere Chef des deutschen Marinestabes Gras Ba u d i s s i n, der weltbekannte Opernsänger d'Ä n d r a d e (Don Juan), der Generaloberst v. B ö h n, der Herzog Ern st Günther von Schleswig-Holstein (Bruder der deuffchen Kaiserin).
Im März schied fern von seinem Lande in Lyon in Frankreich König Nikita von Montenegro. In Madrid wurde der spanische Ministerpräsident Nato, in Berlin der frühere türkische Minister Talaat Pascha ermordet. In Paris starben zwei Generäle, Mercier (der in den Dreyfus-Wtrren) und Gervais (der in der Russenverbrüderung eine Rolle gespielt batte). Weiter sind zu nennen der frühere preußische Finanzminister v. Rheinbaben, sowie der nordameri- kanische Kardinal Gibbons.
Im April sanken ins Grab Ernst v. P o s s a r t, der langjährige Leiter vom Münchener Hoftheater, General v. Ceutro ein, der einstige Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Seniler, der letzte deutsche Bischof von Metz, August Scherl, der bekannte Berliner Zeitungsverleger, Baron Zorn v. Bulach, der einstige Staatssekretär des deutschen Elsaß-Lothringen, sowie die frühere deuffche Kaiserin Augusta Viktoria.
Die Lebensgesährtin des Feldmarschalls von Hindenburg verschied zu Pfingsten in Hannover, weiter wurde gemeldet das Ableben des früheren französischen Ministerpräsidenten Com- bes und des 103jähvigen italienischen Grafen G re ppi, des ältesten europäischen Diplomaten. Aus dem hohen Staatsdienst in Berlin starb Graf Mirbach, Oberhofmeisterin der Kaiserin, ferner Professor S ch i e r n i n g, der verdienstvolle Leiter des Militär-Sanitätswesens im Frieden und im Kriege.
Im Monat Juli wurde aus dem Leben abgerufen der große Leipziger Verlasbuchhändler Tauchnitz, der ehemalige Justizminister $efeier in Berlin, der Zentrumsführer im Reichstage j Iustizrat Trimborn, nachdem vorher schon der j führende Sozialpolitiker Franz H i tz e in die Ewigkeit gegangen war. Im Monat darauf verstarb der Zentrumsabg. B u r l a g e, der König Peter von Serbien, der in seinem Leben die größten Erfahrungen von Auf und Nieder gemacht hatte, der griechische Staatsmann und Ministerpräsident Rhallis, der frühere ungarische Premierminister W e k e r l e, der Feldmarschall v. B ü l o w, oer I Schrifffteller Ludwig Thoma. Der deuffche I