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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Julda.

48. Zahrg

$reltag> 30* Dezember 1921

Nr. 300

Ns Ws wir in der öWslitid?

ausdrückte, dahinzuvegetieren, daW ist das mit seiner S>aft und seinem 3ntrigiten- Naturell nicht angepaht. Dagegen wehrt Sprecher lächelte leise »das einfache.

lang als ein Kapellmeister Bühnenleben spiel meinem

Bezugspreis: Monatlich 5.00 Ulf. zugestellt frei ins Haus- Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 Alt. S Anzeigen: Kleinzeile nach C o tone lrnaß 1 Mark', Reklamezeile (Textbreite) nach Colonelmaß 3 Mark.

Deutschlands. Der Kampf der Saziaweinokratie ist rücksichtslos auf die Vernichtung der christ- tichen Schule und die rastlose Durchführung der ozialistischen Schule gerichtet. Und selbst die Gemäßig­ten unter ihnen wollen die durch die Reichsverfassung Artikel 149 (Religionsunterricht betr.) gchchaffene Lage nur als einen Uebergangszustand onfehen, der ihnen den Weg nicht vermauern, sondern im Kampfe um chre Ziele öffnen soll. Der sag. Kulturtag hat nach dieser Richtung das wahre Gesicht soJmlistischon Denkens ent« Mit. Bekannt ist, daß die sächsische Regierung auf Beschluß der drei sog. Parteien bei der Reichsregierung dabin vorstellig wurde, auf gesetzgeberischem Wege die völlige Entfernung des Religionsunter­richts aus der Bol ksschule herbeizuführen, ein Vertangen, das natürlich, wril gegen die Verfassung, abgelehm wurde. Ebenso mußten bi Verordnungen der Arbeiter« und Soldatenräte im Hamburg und Bremen, die den Wegfall des Religionsunterrichts festfetzen, als mit der Reichsverfassung unvereinbar erklärt werden.

In ihrer weitaus überwiegenden Mehrheit steht dagegen die katholische Lehrerschaft auf dem Boden der Bckenntmsfchuls. Für sie ist Erziehung ohne Grundlage eines bestimmten religiösen Bekennt­nisses oder einer bestimmten Weltanschauung nicht denk­bar. Darum verlangt sie für kathol. Kinder katholische Schulen, eine Forderung, die in der Reichsoerfassung ihre Begründung hat. Diesies manichaste Eintreten für die Bekenntnisschule konnte; auf die Daurr nicht ohne Wirkung bleiben, ebensowenig wie die Haltung der Kathol. Schul organisationin dieser Frage.

Allmählich mehrten sich auch von n i ch i k a t h o I i » scher Seite die Stimmen für die Erhaltung der B e k e n n t n i s sch u sie n. So sei nur eine Kimd- gebung des Verbandes eyanyl. Religionslehrerinnen erwähnt, desgleichen erklärt! sich der Verband Deutscher Ev. Lehrer- und Lehrerinnenvereine bereit, die Rechte d:r ev. Bekenntnisschule auf Grund des Elternrechtes und der Gewissensfreiheit ga vertreten und er ruft zu Kundgcbungen auf für die so. Bekenntnisschulegegen die verfassungswidrige weltliche Zwongs-Simulian- fchule."

@ine Anzahl ev. Ko n s i st o r i e n verlangt gleich­falls in der OesfentlichkeS grundsätzlich Schüben ihres Bekenntnisses. Schwer wiegt die Stellungnahme des E v a n g l. Kirchentags Wr Schulfrage. Er er­kennt das geschichtliche Rächt der Srmultvnschule nicht cm und fordert volle Entfaltungsmöglichkeit für Schu­len ev. Bekenntnisses. Der Bund für christlich e.D. Erziehung in Haus und Schule kommt gleichfalls nach Ablehnung der weltlichen- und Gemein­schaftsschule zur Forderung der Bekenntnisschule als wahre Einheitsschule der Freiheit,- der Wahrheit und Kraft.

Auf diesem Boden sicht auch der überwiegende Teil der Elternschaft. Dies bekunden sie durch ihre Entscheidung bei der Einschreibung in die Konfessions- schulen, durch das Fefthialte-n am konfessionellem Reli­gionsunterricht, durch den Zusammenschluß in kachol. und protzstantischen ©ttenroemnigungen. Sogar die Wahl zu den Elternoereinigungen, die vor einigen Wochen in d?m fast sozialistischen Thüringen staiffand, brachte fast überall den Sieg der christlichen unpoliti­schen Liste, die für die Erhaltung der Religion in der Schule eintritt, trotz der -starken sozialistischen Agitation.

Üeberblrckt man den schulpolitischen Kampf fest der Staatsumwälzung 1918, so lasten sich drei Etappen fest­stellen. Die erste in diesem Schukkampf war die Kultua- miM'sterherrlichkeit AdoLf Hoffmanns, der gottlob bald hinausgefegt wurde. Er ist ja auch zu tölpelhaft und unklug gewesen. Der Kampf um die Verfassung in der Nationalversammlung bedeutete die zweite Etappe im

Ich habe es erfahren!" Mit einer müden Handbewegung wandte sich der Sprecher wieder zu dem Tische und blätterte mechanisch in dem darauf liegenden Folianten herum.

Ra, nur nicht zu pestimisttsch, lieber Freund!" meinte Herr von Greiffenstein.Ihre Aussichten als Bühnensänger waren doch durchaus nicht ungünstig."

Insofern, als ich wohl einen gewiffen Grad der Mittelmäßigkeit erreicht hätte, Herr Baron! Hätte ich die Gewißheit gehabt, eine wirkliche Bühnengröhe zu werden, dann wäre es mir wohl nicht eingefallen, der Bühnenlaufbahn endgültig Valet zu fagen aber ich bin keiner von denen, die sich belügen, Herr Baron

der Reichskanzler und die neuen Steuernorlagen.

DerLokal-Anzeiger" erfährt aus parlamen- tarischen Kreisen, der Reichskanzler Dr. Wirth werde einig Tage vor dem Wiederzusammentritt des Relchs- tags die Führer der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Voikspartei zu einer Besprechung einladen, um ihnen nahezulege», sich über ein Kompromiß über die Steuervor­lagen zu einigen.

mein Organ reicht nicht aus. Um aber ein Leben .brauchbarer Sänger" wie sich der Herr

Lerantworttich für den redaktionellen TeU: Dr. I. Kramer, u für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda- Fernsprecher Nr. 9. Teleqr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.

sich" der . .

derbe Schlosserblut in meinen Adern!"

Der Lisenbahnerftteik.

Ausdehnung dec Streikbewegung.

Die Streikbewegung der Eisenbahnarbeiter im westlichen Industriebezirk hat im Laufe des Don­nerstag weitere Fortschritte gemacht. Vor allem haben sich große Teile der Arbeiterschaft im Direktionsbezirk Köln dem Streik angeschlossen. Auf den Bahnhöfen Deutz-Nord, Nordeifeltor und Nippes hat die Arbeiterschaft die Tätigkeit einge-

Lasten Sie sich doch ein Pferd satteln mit dem Rei­ten geht es ja jetzt und reiten Sie ein bißchen ins Blaue hinein! Sie wiffen ja"

Herr Baron sind zu gütig," unterbrach Karl Hoch­feld denn er war es den Sprechenden,ich werde gewiß oft genug von der Liebenswürdigkeit Gebrauch machen, mit welcher mir der Herr Baron alles zur Ver­fügung stellt, aber Herr Baron ohne auf den ver- abfchiedeten Administrator ein ungünstiges Licht werfen zu wollen die Bücher und Rechnungsausweise befin­den sich in einem geradezu schauderhaften Zustande! Da hinein Ordnung zu schaffen, das halte ich für meine erste Aufgabe. Wenn Herr Baron nur hier einmal die Abrechnung der Försterei Grünfelde einsehen woll­ten"

Um Gotteswillen, verschonen Sie mich damit, be­ster Herr Hochfelb!" unterbrach ihn der Freiherr mit einer komisch abwehrenden Gebärde.In dem Wust findet sich mein aüer Kopf nicht zurecht. Mein verfloß jener Administrator, der Kunkel, war ein altes Kamel, der von Verwaltung und richtiger Buchführung so viel verstand, wie ein Nilpferd vom Ballettanzen Gott sei Dank, daß ich den Kerl los bin! So ein Mann wie Sie, ein rechnerisches Genie, der sich kein 3E für ein U vormachen läßt, hat mir gefehlt: aber wie lange wird's dauern, dann schnüren Sie Ihren Bündel und ich kann mich wieder mit Gott weiß wem herumbalgen."

Herr Baron dürfen versichert fein, daß ich mich in meinem gegenwärtigen Verhältnis wohler fühle denn je, und ich denke v'cht daran, '-Burg Greiffenstein zu verlosten!" erwiderte Karl Hochfeld.

Ra, na wenn das eine Brücke ist, gehe ich nichl darüber. Ein junger Mann, der aufwärts strebt und das Bedürfnis hat, feine ganze Kraft zu betätigen, kann auf die Dauer nicht mit der Stellung eines Pnoatfekre- kärs zufrieden fein!" bemerkte Baron ©reiffenftem.

-Ich habe mich bescheiden gelernt, Herr Baron! Was nutzt alles Emporftreben, aller Jagen nach dem Glück, wenn sich uns Hinderniste in den Weg stellen, über die mir auch mit dem besten Willen nicht hinauskommen? Der Weg zur Höhe wird nicht durch die eigene Kraft, fonöern nur dann erreicht, wenn uns der Zufall, oder nennen Sie es Sckicklal, mit aller Gewalt hinauffchiebt!

Schulkampf. Die Sozialisten mußten, da sie allein keine Mehrheit hatten, mit den bürgerlichen Koalittonspar- teien ein Kompromiß bilden und wesentliche Telle ihrer rüheren Schulforderungen zurückstellen. Die Beratung >es vorliegenden Reichsschulgssetzentwurss hätte die dritte Etappe werden sollen. Allein die gegenwärtigen unsicheren Mehrhettsverhältnisse waren schuld, daß die Beratungen immer wieder hinausgeschoben wurden. Dafür setzte der Einzt-lkampf ein. Die S ch u l st r e i k s zeigen, daß der Schukkampf nicht nur in den Parla­menten, sondern auch in einzelnen Gemeinden ausge- öchten wird. In Jena und Freiburg endete er mit einem Sieg der christlichen Eltern. Allerdings mußte das Zugeständnis einer religionslosen Schule und Klasse gemacht werden für die Kinder, beten Eltern eine reli­gionslose Erziehung ihrer Kinder wünschen. In Halle verlangt die überwiegend sozialdemokratische StMver- ordneterwcrsammluna die (Entfernung der Kruzifixe und religiösen Bilder. In Plauen hat die sächsffche Regie­rung entgegen der klaren Bestimmung der Reichsver- uffurg mitten im Schuljahr die Aushebung der kon- essionellen Schule verlangt. Der sozialdemokratische achsische Kuttusminisörr hat dem Bischff von Meißen Ln Eintritt in die kathol. Schulen zwecks Abhaltung der Religionsprüfung untersagt. Mitunter such der Gegner das Gesich zu wahren und der Kampf wird i m geheimen betrieben, indem man die Wahl von Katholiken oder Freunden der konfessionellen Schulen in die Schuldeputationen oder Jugendämter grundsätzlich hintertreibt. Ja, wo diese Herren Gegner die Macht haben, namentlich m den liberalen Lchrervereimn, da wird sie rücksichtslos ausgenutzt und das bißchen Firnis von Toleranz, Parität und demokratischer Auffassung ist bald verschwunden.

Was sind die Aussichten für die Zukunft? Die Freunde der Bekenntnisschule brauchen nicht allzu ängst­lich zu fein, müssen aber unabläßlich zeigen, daß fie jedem Anschlag auf diese Schule den zähesten Widerstand ent­gegensetzen werden. Trotzdem die Demokraten die Schulbestimmungen der Weimarer Verfassung mitge­macht hoben, wollen sie jetzt beim ReichsschMesetzent- wurf ihr eigenes Kind nicht anerkennen. Ihre Angriffe auf dieses Gesetz richten sich in letzter Linie gegen die Reichsverfoffnng, zu deren Aendsrung sich so leicht nicht die nötige Stimmenmehrheit finden wird. tttüb so steht zu hoffen, daß der Kampf gegen den Artikel 146, 2 sich als wirkungslos Herausstellen wird und uns das hohe Gut der konfesionellen Schule erhalten bleiben wird.

Line Kampfansage.

In Berlin hielt der Deutsche Lehreroer- ein aus Anlaß seines 50jährigen Bestehens eine Festsitzung ab. Der Kultusminister Boelitz und Staatssekretär Schulz nahmen an der Feier teil. Der Minister teilte unter Befall mit, daß das Mit­glied des Deutschen Lehrervereins Rektor Pretzel zum Oberregierungsrat und zum Leiter des Volksschulwesens imProvinzialfchul- kollegium in Berlin ernannt worden ist. Rektor Röhl, der Leiter der Veranstaltung, kündigte dem StaatssÄretär Schulz, dem Vater des kommen­den Schulgesetzentwurfes,unbeschadet der sonstigen Freundschaft", den stärksten Wider- stand des Deutschen Lehreroereins gegen den Entwurf an.

Ein Kuck- und llmblick.

Das dritte Jahr feit der Revolution geht zu Ende, koch sind eine Reihe schulpolittjcher Fragen aus jenen tagen ungelöst. Andererseits sind manche sowsü ge= läd, daß ein Rückblick und ein gewisser Ausblick mög­lich erscheint, solange sich die KonstellationsverhAtnisse in den Parlamenten, insbesondere im Reichstag, nicht wesentlich verschieben, was voraussichttich vorerst nicht der Fall sein wird.

Im Brermpunkt des letzten Jahres stand der Kampf um die christl. Schule. An den Besttrn- nruugen über die chrfftl. Schule schien im Juli 1920 das Werk der Weimarer Berfastung zu scheitern. Die Koali­tionsparteien, Sozialdemokraten u. Zentrum, konnten sich nicht darüber einigen, ob nur eine konfessionslose Staats­schule zuzulassen fei, oder ob die Schulen der hauptsäch­lichsten Religionsgemeinschaften als gleichberechtigt an- zusehen seien. Es drohte der Zerfall der Koalition und damit ein Scheitern des ganzen Verfassungswerkes. Das sog. zweite Schulkompromiß, das durch einen gemeinsamen Antrag der Sozialdemokraten, des Zen­trums und der Demokraten herbeigeführt wurde, wlll beiden Anschauungen Rechnung tragen. Es sand seinen Niederschlag besonders im Artikel 146 der Reuhsver- ftffsung.

Bestände nur der 1. Abschnitt, so wäre gar kein Zweifel vorhanden, daß sich mit diesen Bestimmungen das Bestreben einer es. oder kath. Schule nietjt verein­baren ließe. Im Mffatz 2 wird aber innerhalb gewis­ser Grenzen die Willenserklärung der Eltern als maß­gebend dafür erklärt, ob an Stelle der im Absatz 1 ge­forderten allgemeinen Schule eine durch das Bekenntnis ober die Weltanschauung besonders bestimmter Schulen treten soll. Der Absatz 2 des Artikels 146 der Reichs- Verfassung wurde nun zum Angelpunkt, um den sich alles bewegt.

Die Anhänger der konfessionslosen Schule nahmen an, daß Absatz 2 eine seltene Ausnahme sein würde, während dir Gegner annehmen, daß das geschichtliche Siecht der Konfessionsschule nicht angetastet würde. Nun liegt Kit Monaten der Entwurf zum Reichs­schulgesetzes ober besser des Gesetzes zur Ausfüh­rung des Artikels 146,2 der R'nchsverfasiung vor. Er will in legaler Auslegung ter Reichsverfafsung em für die Verwaltung mögliches Gesetz schaffen. Das erregt den Unwillen der Gegner des Artikels 146, Absatz 2.

Insbesondere ist es der Deutsche Lehrer - verein, der einen mit einer halben Million groß­zügig finanzierten Propagandafeldgug gegen den Ent­wurf eröffnete. Die Ausführung des Artikels 146, 2 bedeutet für ihndie Zerirümmwung der deutschen Volksschule", von ihm wurde im Hinblick auf die Be- ikenttmisschule das Schlagwort von derneudsutfchen .Kirchenschule" geprägt. Eine scharfe Zurechtweisung diefechalb durch die gewiß unverdächtige linkskiberale Franks. Ztg." tat der Agitation des D.L.V. gegen die Konfessionsschule jedoch keinen Abbruch. Sie mürbe so kräftig betrieben, daß sich die Freunde der Konfessions­schule innerhalb des D.L.V. vorerst gar nicht hervor­wagten.

Das Ideal der Deutsch-demokratischen Partei ist gleichfalls die sog. nationale Einheitsschule. Dies zeigt der letzte Parteitag in Bremen. War es die demokratische Fraktion in der Nationalversammlung, die an die Verschlechterung i>*s Schulkompromisses schuld ist, so wird sie auch bei den kommenden Beratungen über das Reichsschulgesetz wieder getreue Schildträger in des liberalen D.L.V. werden.

Wie die Sozialdemokratie in Schulfragen denkt, bewies dersozialdsmokratifche Kultur tag", ein Gesamtlehrertag der sozialistisch gerichteten Lehrerschaft

stellt, sodaß der Güterverkehr zum Teil ins Stocken geriet. Es gelang bisher noch, den Personenverkehr nach Köln durchzuführen. Im Direktionsbezirk Essen war ein Weitergreifen der Streikbewegung noch nicht zu bemerken, dagegen hat sich der Streik im Bezirk Elberfeld so weit ausgedehnt, daß der Verkehr im Industrie- und Kohlenrevier außer- ordentlich stark in Mitleidenschaft gezogen ifh nur die für die Entente bestimmten Kohlen-, Guter- und Personenzüge werden noch abgefertigt.

Streik in Berlin.

WieVorwärts" undFreiheit" mitteilen, hat sich Donnerstag abend eine Funktionär Ver­sammlung des Deutschen Eisenbah- neroerbandes für den Bezirk Groß- Berlin einstimmig für den Streik erklärt. LautVorwärts" dürfte der Streik schon heute (Freitag) beim Schichtwechsel eintreten.

Die Enkenke und der Streik.

Die Besatzungsbehörde verlangt von den Streikenden Sicherung der Transporte für die alliierten Truppen; weitergehende Maßnahmen scheinen bis zum Augenblick von ihr nicht beschlos­sen zu sein. Die Streikenden, denen viel daran gelegen ist, eine Militarisierung der Eisen- bahnen zu vermeiden, hoffen nach der soztaldemo- krattschenRhein. Ztg." zu einer Verständigung mit der Entente zu gelangen.

Der Deutsche Eisenbahnerverband teilt mit: Die Verhandlungen mit der Inte r a Hi i e rten Kommission gelangten zum Abschluß. Das Endergebnis war, daß die Delegierten des Deutschen Eisenbahnerverbandes die Erklärung abgaben, daß sie sich unter Protest der Gewalt der Besatzungs- ! behörde fügen würden. Die Besatzungsbehörde ver- ! langt in den n e u b e s e tz t e n rheinischen Gebieten die Beachtung der Bestimmungen des Belag e - rungszustandes. Die altbesetzten rhemi- schen Gebiete werden von der Anordnung der Be­satzungsbehörde nicht betroffen. Dort können so­mit die Eifenbahner unbehindert streiken.

Eine Kundgebung der christlichen Gewerkschaften.

In einer Kundgebung der christlichen Gewerk, fchaften beifct es:

An die Eisenbahner! Der deutsche Effenbahnerver. I band versucht durch Putsche den ganzen Eisenbahn | verkehr lahmzulegen. Ohne Rücksicht auf die dem deut schen Reiche drohenden Gefahren wird besonders im be, setzten Gebiete eine verwerfliche Agit atro v entfaltet. Alle gewerkschaftlichen Grundsätze Kerben dabei nicht mehr geachtet: Die zentralen Verhandlun. gen in Berlin nicht abgewartet, mit den anderen Eisen, bahnerorganifationen eine Verständigung nicht gefuchst In der jetzigen Stunde haben kommunistische Elemente die Führung in die Hände genom, men. Die Gewerkschaft deuffcher Eisenbahner und die Organisationen des deutschen Gewerkschaftsbundes erlas­sen in diesem Augenblicke an die Mitglieder die er Dr, I ganifationen die Aufforderung, eine Streik- I beteiligung unter allen Umstanden ab. zulehnen. Der jetzige Streik ist ein wilder! Eine Zusammenttinft der führenden Persönlichkeiten der Ge- werkschaft deutscher Eisenbahner har gestern als Mei.

I nunasäußerung festgelegt: Die Bestimmungen der Zen­trale werden abgewartet und dem Diktum der deutschen Eisenbahneroerbandes wird sich nicht ge. fügt! Die Eisenbahner des besetzten Gebietes wollen sich nach dieser Parole richten und sich, auch besonder, ihrer Verantwortung in politischer Be. ziehung bewußt sein.

Der Standpunkt bet Regierung.

Im Reichsverkehrsmmisterüiim haben am Donners­tag keinerlei Verhandlungen mit den streikenden Eisenbahnern ftattgefunben, da man dort nach wie vor auf dem Standpunkt steht, daß di- Teilaktion der Eisenbahner in Westdeutschland einen Tarisbruch bedeutet. Das Reichsverkehrsmmi- [ter.ium wird versuchen, einen, wenn auch beschr a nk- ten Personenverkehr mit den bestreikten Be­zirken einzmichten. Zum Schutz der Bahnstrecke usw. wird ein ausgedehnter Schutzdienst einge*

I richtet werden.

I Die Reichsgewerkschaft deutscher Ei­senbahnbeamter hat gestern in einer Vorstands- sitzung in Berlin beschlossen, eine abwartende Hauung I einzunchmen und die letzten Entschlüsse wenigstens so- | lange zurückzustellen, bis eine angestrebte Skrstandigung zwischen dem Deutschen Beamtendund, der höchsten Ver- I treiung der Beamtenschaft, und dem Reichsftnvnzministe- | rium positive Ergebnisse gebracht hat. Die GewerMaft hat drei Vorstands-mitchieder nach den Bezirken Köln, I Elberfeld und Essen beordert, um dort genaue Jnfor- | mationen einzuziehen und um auch, wie dasB. T.

I mitteilt, dahin gu wirken, daß sich die Beamtenschaft aus, | keinen Fall an dem Streik beteiligt.

Nach einer weiteren MeDmrg desBerliner Tageblattes" haben die Ei s e nb ahnbeam- ten in dem Bezirk Elberfeld der Aufforderung des Eisenbahnpräsidenten, zusammen mit den arbeite- willigen Arbeitern Noistandsarbei te n zu ver- richen, nicht Folge geleistet.

BlLttermeldungen aus Dresden zufolge Haden die Dresdener Eisenbahmoerkstättenarbeiter in einer Verfannnlung zunächst den Streik abgelehnt, nachdem sich mich die Gewerkschaftsfichrer gegen den Streik ausgesprochen hatten. Wie derLokalanzriger Dresdm erfährt, herrscht unter den sächsischen Eisen- I bahnern vorläufig völlM Ruhe.

So, so!" meinte Herr von ©reiffenftein kopfnickend. Allerdings Geschmackssache! Na Schwamm drü­ber! Apropos habe gestern Ihren Alten gesprochen. Wartei sehnsüchtig daraus, daß Sie wieder angeturnt kommen. Auch Frau Mama und Fräulein Schwester baten mich dringend, Ihnen zuzureden"

Herr Baron wissen, daß ich nicht eher wieder einen Fuß nach Liebenburg setze, bis der schimpfliche Der- dachr von mir genommen ist, bis mein Name wieder vor aller Welt rein dasteht!" unterbrach Karl Hochfeld den Sprechenden und rtchtete sich hoch empor.Das hab' ich mir selbst zugeschworen!"

.Ganz recht," erwiderte der andere,was man sich selbst zugeschworen hat, das muß man halten! Wie märte aber, mein Bester, wenn jetzt der Zeitpunkt ge­kommen wäre, an dem den guten Leuten in Lieben­burg die Augen aufgegangen sind?"

Um Gvtteswillen, Herr Baron mein Vater hat ' doch nicht etwa an die Oeffentlichkeit gebracht, was ich * ihn dringend bat, zu verschweigen?" rief Karl Hochfeld erschrocken.

Fortsetzung ftigtj

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Eine von zwei flügelschlagenden Greifen flankierte Freitreppe an dem zur rechten Seite liegenden Haupt­gebäude führte in eine weite Halle, deren Wände mit Waffenstücken und allerlei Jagütrophäen geschmückt wa­ren. Durch schwere Eichentüren rechts und links ge­langte man in die Räume des Erdgeschosses, einen alter- tumlichen Rittersaal, in dem Baron Greiffenstein von Zeit zu Zeit Gesellschaften abhielt, zu welchen einge­laden zu werden die vornehmen Kreise der Nachbar­schaft sich zur Ehre anrechneten, sowie eine als Museum hergerichtete große Halle, die eine Fülle von Geräten, Waffen, Gemälden usw. aus früheren Zeiten der Burg enthielt. Die Wohnung des Freiherrn und feiner ver- witweten Tochter lag in dem ersten Stockwerk, zu wei­chem von der schon erwähnten Borhalle aus eine breite Sandsteintreppe emporführte. Dort waren auch die Bibliothek und das Arbeitszimmer des Burgherrn, Räume, die wie auch die Wohngelaffe in ihrer Einrich­tung genau dem Stile längst entschwundener Zeiten angepaßt waren und ohne überladen zu sein und jede theatralische Wirkung vermeidend, von dem feinen Ge­schmack des Besitzers Zeugnis ablegten.

An dem in der Mitte der Bibliothek stehenden ge­waltigen Eichenttfche faß ein junger Mann und war eifrig damit beschäftigt, in ein großes vor ihm siegendes Buch Zahlenreihen einzutragen, die er aus den ihm zur Seite liegenden lofen Blättern und Notizbüchern adlas. Sanz vertieft in feine Arbeit merkte er nicht, daß der Herr des Houses aus seinem neben der Bibliothek ge­legenen Arbeitszimmer getreten war und ihn mit einem Kopfschütteln lächelnd betrachtete. Erst als die hohe Fistelstimme des Eintretenden an fein Ohr schlug, fuhr der Schreiber herum und erhob sich mit einer ehrerbie­tigen Verbeugung.

Aber Liebster, Bester," begann der Baron;bei dem herrlichen Wetter liegen Sie über den Buchern, an- statt die Schönheiten des Tages zu genießen? Ein Bücherwurm fallen Sie mir auf meinem Nest hier nicht werden deshalb habe itb Sie nicht beraufaebolt!