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Fuld aer Z eitun g

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadt Fulda.

Nr. 299.

Lerantwortlich für den cesarrtonellen TeU: Dr. I. Kramer, ~ für die Anzergen: I. Parzellet-Fulda. s Rotationsdruck u. Verlag der Huldoer Actiendruckerei in Fulda- ikernfprechrr Nr. 9. Telegr.-Adresfe: Fuldaer Zeitung.

Donnerstag, 29. Dez. 192t.

Bezugspreis: Monatlich 5,00 Ult zugestellt frei ins Haus- u Abgeholl in der Geschäftsstelle 4,60 AN. S Anzeigen: Kleinzeile nach C o lon e lmaß 1 Marki Reklamezeile (Textbreitei nach Colone'mah 3 Mark.

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48. Zahrg.

Derisenbahnerkonflikl.

Der §tantipunkt der Reichsregierung.

3n Elberfeld ruhk seit Mikwoch vormittag der gesamte Personeu- und Güterv erkehr. Die Züge wer­den in den Vorort-Bahnhöfen von den Strelkendev abgesangen und nicht weiler- gelofien. Die Schupo ist aufgeboten worden, um die Ordnung wieder her- znstellen.

Das Reichskabinett hat sich gestern mit der Arbeitsniederlegung der Eisenbakmarbetter in einzel­nen Bezirken deS rheinisch-westfälischen Industriege­biets beschäftigt. Der Reichsverkehrsminister berichtete über die durch das Ultimatum der Funktionäre deS Deutschen Eisenbabnerverbandes der Direktionsbe­zirke Elberfeld, Köln und Esten geschaffene Lage. Das Kabinett hat sich auf den Standpunkt gestellt, jdaß die ultimativ gestellten Forderungen nicht zu bewilligen seien und daß die Rege­lung der Besoldung der Eisenbahnarbeiter, die vor Weihnachten getroffen worden ist, mit Rück­sicht auf die gesamte Lage des Reiches weiter auf­recht erhalten bleiben müsse. Die Bewilligung der Forderungen würde für das Reich eine Mehr­aufwendung von mehreren Milliarden bedeuten. Die Blätter betonen, daß die Reichsregierung nicht zuletzt aus Erwägung außenpolitischer Natur um jeden Preis durch Tariferhöhungen die Staatsbetriebe rentabel zu machen bestrebt ist. Die Lanze Anstrengung aber würde vergeblich sein, wenn «ine neuerliche Belastung des Eisenbahnetats von mehreren Milliarden erfolgen würde.

t Die für gestern nachmittag angesetzten Be- ifprechungen der Eisenbahnorganisationen znit dem Reichsverkehrsminister sind infolge deS Druckes, den die Eisenbahner in Westdeutschland durch das Ultimatum und die Teilstreiks ausüben, vom Reichsverkehrsminister abgesagt worden. Um die Weiterführung der Verhandlungen zu ermöglichen, haben, anscheinend auf Anregung des Berliner Haupt­vorstandes des Eisenbahnerverbandes, die Werkstätten­funktionäre des rheinisch-westfälischen Industriege­bietes ihre ursprünglich bis gestern nachmittag befristeten Forderungen bis Freitag ver­längert. Es sollen heute die Verhandlungen im Reichsverkehrsministerium fortgeführt werden.

Bei dem Vorgehen eines Teiles der Eisen­bahner ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß es schließlich zu einer größeren Streikbewegung kommen könnte. Denn man muß bedenken, daß in dem Augenblick, wo in einem Bezirke des Rhein- landes gestreikt wird, die Kohlenzufuhr nach Mitteldeutschland völlig ausfetzt und es heißt, daß der Vorrat an Kohlen in den städtifchen Werken nur sehr gering fei. In Kreisen der Eisen­bahnverwaltung hegt man jedoch die Hoffnung, daß es gelingen wird, einen allgemeinen Streik der Eisenbahner, der durch das Ultimatum der Rhein­länder in greifbare Nähe gerückt ist, noch in letzter Stunde abwenden zu können. Es wird dabei her- oorgehoben, daß die Bewegung bisher in der Haupt- ^che von den Bezirksvorständen und nicht von den Gewerkschaften selbst geführt wird. Allerdings will dieFranks. Ztg." gehört haben, daß sich der Deutsche Eisenbahnerverband, der anfangs erklärte, daß die rheinische Teilaktion ohne Kenntnis der Berliner Zentrale vorgenommen worden fei, jetzt dahin geäußert haben, er werde im Falle eines Streiks an die Spitze der Bewegung treten.

Der Schaden, den unser Wirtschaftsleben durch einen ausbrechenden Eifenbahnerstreik erleiden müßte, ist nicht auszudenken. Man möchte hoffen, daß überall die bessere Einsicht siegt und eine fried­liche Einigung erzielt werden kann.

Im Gegensatz zu den benachbarten Eisenbahn» direktionsbezirken Elberfeld, Köln und Essen ist es im Bereich des Direktionsbezirks Frankfurt am Main bisher völlig ruhig. Die im Deutschen Eisenbahnsrverband organisierte Mehrheit der Eisenbahner hat erst für Freitag eine Vollver­sammlung sämtlicher Betriebsräte und Vertrauens­männer einberufen. Hier dürfte wahrscheinlich Stellung zu den schwebenden Fragen, vor allem aber zu der Bewegung der Eisenbahner in Rhein­land-Westfalen genommen werden.

Cannes.

Die Stadt Cannes am mittelländischen Meere, zwischen Nizza und Marseille gelegen, ist der winier- liche Lieblingsaufenthalt der englischen Aristokratie, der amerikanischen Millionär? und der entthronten Fürsten- famiiien, also sehr verschiedenartiger Elemente, die man aber nebeneinander in den Spielsälvn des etwa eins Automobilstunde entfernten Monte Carlo sehen kann. Die Gartenpracht von Cannes ist weltberühmt, und die Sauberkeit seiner Straßen, immer südfranzösi- sthe Verhältnisse vorausgesetzt, ist anerkannt. Dieses Cannes soll jetzt die Stätte weltpolitischer Ereignisse i roerdrn. Zur Tagung des O b e r st e n R a t e s, die am 6. Januar beginnt, eilen zurzeit die Ententestaats- männer und ihre Gehilfen.

^ Nach einer Meldung der Havasagentur finden die Sitzungen des Obersten Rates in ben Sälen einer Äudergefellfchaft in Cannes statt. Die erste Sitzung ist auf ben 6. Januar anberaumt worden. Für die Verhandlungen sind etwa 8 Tage vorgesehen. 8m Mnzen werden für die Verhandlungm etwa 20 0 Personen erwartet. Die amerikanische Delegation trifft am 29. Dezember in Cannes ein, die

englische am 1. Januar und die anderen Delegationen am 5. Januar.

Wie derTemps" miüeilt, werden an den tech- nischenDorbereitungenbeider Konferenz von Cannes, die unter Vorsitz Loucheurs am Samstag in Paris beginnen, auch Delegierte der italienischen und belgischen Regierung teilnehmen.

Kathenau in Paris.

Wie die Blätter erfahren, ist Dr. Rathenau gestern non Berlin nach Paris abgereist. DerDeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge ist die Reise auf eine Aufforderung von autoritativer Seite der Entente erfolgt. Zweifellos steht bk Reise Rathen aus im Zusammenhang mit den Verhandlungen, die heute nachmittag in Paris zwischen der Reparasions- komnüssion und der deutschen Kriegslastenkommission beginnen sollen. LautBoss. Ztg." wird Rathenau in Paris nicht in offizieller amtlicher Eigenschaft und nicht nn Austtag der deutschen Regierung tätig fein.

Deutschlands dreiverschlungen".

Die Pariser Blätter melden, daß die Repara­tionskommission sich mit einer angeblichen Verfeh­lung Deutschlands in der Lieferung von Koks zu beschäftigen habe. Die regelmäßige Lieferung von 15 000 Tonnen pro Tag, sei seit dem 15. Dezember auf 9000 bis 10 000 Tonnen zurückgegangen. Die Mitteilung spricht von einer dritten Verfehlung Deutschlands, die hierdurch festgestellt werde. Die erste Verfehlung datiere vom Juni 1920 vor der Konferenz von Spa, die zweite gehe auf den Monat März 1921 zurück, als die deutsche Regierung die erste Milliarde Goldmark, die auf Grund des Ver­sailler Vertrages als Abschlagszahlung der Summe von 12 Milliarden verlangt wurde, nicht bezahlt habe. Die Meldung ist als Stimmungsmache gegen Deutschland anzusehen. Keine dieserVerfehlungen" wird von Deutschland als zu Recht bestehend aner­kannt. .

Vie U-Vootfrage in Washington.

Die Schwierigkeiten auf der Washingtoner Ab­rüstungskonferenz mehren sich von Tag zu Tag. Mit Mühe und Not hatte man sich auf ein Wasser- Verhältnis von 5:5:3 bei der Großkampfschiffwnnage geeinigt, aber auch dabei sind allerlei Vorbehalte ge­macht worden, die den Erfolg dieser Einigung zum mindesten schwer gefährden. Dem Pacific-Abkommen geht eS nicht besser. An und für sich schon sehr dehnbar gehalten, ist seine Rechtssprechung von der Ratifikation in den einzelnen Parlamenten abhängig, dre, wie es scheint, wenigstens int amerikanischen Senat aus Schwierigkeiten stoßen wird, zumal die Verfasser des Textes jetzt schon über seine Auslegung in Meinungsverschiedenheiten geraten sind.

Die Haltung Frankreichs in der Frage der Landabrüstung ließ es angebracht erscheinen, die Behandlung dieses Themas ganz beiseite zu schieben. Die Schantungfrage ist noch immer un- gelöst und von einer Einigung ist man mehr denn je entfernt. Bei der Behandlung der U-Boots tonn age waren schon in den vorbereitenden Kommissions- sitzungen Gerüchte über starke Meinungsverschieden­heiten laut geworden, die sogar die einzelnen Dele­gierten veranlaßten, öffentlich dazu Stellung zu nehmen. Am Vorabend des Weihnachtstaees ist nun die U-Bootfrage öffentlich behandel worden. Der amerikanische Vorschlag, der für Amerika und England je GO 000 To., für Japan, Frankreich und Jtalten je 31000 To. vorsah, hat nicht nur bei Frankreich, sondern auch bei Japan lebhaften Widerspruch gefunden. Hara, der japanische Delegierte, gab sofort eine Erklärung ab, in der er für die Verteidigung des japanischen Jnselreiches 54000 To. als Mindestforderung aufstellte. Frank- reich dagegen forderte 90000 To, eine Forderung, die Balfour als eine Bedrohung Englands erklärte. Eine Einigung wird unter diesen Umständen äußerst schwer fein.

Die rtemmMiften

Nachdem die Kommunisten die wiederholten Versuche der Ausputschung der Arbeiterschaft so jämmerlich mißlungen sind, und nachdem ihnen die Enthüllungen desVorwärts" über das Verhalten ihrer Führer beim Märzaufstand den Rest gegeben haben, ist es geradezu lächerlich, wenn Herr S i. nowjew lobefam, der von feiner Gastrolle aus dem Parteitag in Hallenoch rühmlichst" bekannt ist, das kühne Wagnis unternimmt, von seinen ge­segneten russischen Zuständen aus, für die deut­schen Kommunisten Stimmung zu machen.

Herr Sinowjew scheint in einem bedauerlichen Irrtum befangen, wenn er glaubt, daß feine He­roldrufe den Kommunismus in Deutschland auch nur um ein ipenig populärer machen könnte. Die Rote Fahne" druckt zwar die Rede, die der Vor­sitzende des Exekutivkomitees der 3. Internationale Anfang Dezember in einer Sitzung der Exekutive gehalten hat, zur Kenntnisnahme für dis Mitwelt ab. Man scheint es nötig zu haben, sich selber Mut zu machen! Denn was Herr Sinowjew sich dort zusammenreimt, ist Unwissenheit oder aber beabsichtigte Selbsttäuschung zum Zweck der Pro­paganda. Sogar Herrn Radeck waren die Aus­führungen seiner Genossen doch zu starker Tabak. Er hat des öfteren widersprechen müssen. Auf Details hat sich Sinowjew absichtlich nicht eingelas- ; fen; denn dann hätte man ihn an der Hand von Tatsachen allzuleicht widerlegen können. Die L i - nie des Kommunismus in Deutschland ist nach Ansicht des Herrn Sinowjew steigend. Denn

die deutsche Partei, eine der wichtigsten Sektionen der kommunistischen Jnternattonale, habe jetzt mit großer Majorität eine solche taktische Linie ange­nommen, daß die Folge nicht die sei, wie Levi an­gebe, daß der Kommunismus in Deutschland jetzt im Sinken sei. Der Kommunismus und sein Ein­fluß in Deutschland sei im Wachsen begriffen.

Herrn Sinowjews Irrtum ist gründlich. Nicht nur der Kommunist Levi, den er absichtlich ab» schütteln will, ist Kronzeuge dafür: dieFreiheit", das Berliner Organ der Unabhängigen, brachte einmal eine schöne Geschichte von den 7 Par­teichen, in die die kommunistische Fraktion im Reichstage zerfalle. Vielleicht weiß der russische Propagandist, der im Kommunismus reift, nichts davon.

EinEdsl"-Komnmmst.

Der Münchener Untersuchungsausschuß der K. P. D. fällte eine Entscheidung, wonach der kom­munistische Stadtrat Weigel dringend ver­dächtig ist, eine Spende der amerikanischen Genossen zu Gunsten der kommunistischen Festungsgefangenen an ihm persönlich nahestehende Personen nach seinem Gutdünken verteilt zu haben. Bis zur vollen Klärung der Angelegenheit dürfe Weigel seine Funktionen innerhalb der Partei und sein Mandat als Stadtrat nicht ausüben.

Kus -sm besetzten Gebiet.

* Der Heilige Stuhl und das Sachgebiet Auf die beim Vatikan erneut unternommenen französischen Schritte um Schaffung eines eigenen Bistums für das Saargebiet hat, wie dasB. T." aus Rom meldet, der Heilige Stuhl eine definitiv ablehnende Antwort gegeben.

fpd Eine neue Beschlagnahme der Franzosen? Wie wir hören, beabsichttgt die französische Berwallung die Beschlagnahme der Domäne Gassenbach bei Idstein. Dieses Gut, 320 Morgen groß, wird von der Stadt Frankfurt bewirtschaftet, die hier für ihre Krankenhäuser Landwirtschaftliche Produkte zieht und durch die Bewirtschaftung des Gutes die Kranken und Säuglinge Frankfurts mtt frischer Milch versorgt. Wenn der Plan verwirklicht würde, so wäre die Milch­versorgung der Frankfurter Säuglinge und Kranken, anstalten in Frage gestellt.

Sortierungen tier Rentner.

Der deutsche Rentnerbund hat sich in einer Ein­gabe an den Reichskanzler und die Reichsregierung gewandt, um darin die Erklärung abzugeben, daß die Rentner und Rentnerinnen sich auf keinen Fall mit den für sie vom Reich ausgeworfenen 100 Mil­lionen abspeisen ^lassen wollen. Sie weisen daraus hin, daß diese Summe ,wenn sie auch durch die Städten erhöht würde, nicht ausreichten, um auch nur den Aermsten der Armen wirkliche Hilfe zu bringen. Sie fordern mindestens das 15- fache des ausgeworfenen Betrages, das IVz Milliarden ausmache, als Ersatz für die Zinsen des ihnen geraubten Kapitalvermögens. Eine Unterstützung, für die den Gemeinden wo­möglich noch Wertobjekte zu verpfänden seien, leh­nen sie ab.

Die Rentner verlangen in erster Linie ein be­scheidenes Existenzminimum für alle alten, er­werbsunfähigen und erwerbslosen Rentner und Rentnerinnen sowie völlige Steuerbefrei­ung bei Einkommen unter 10 000 bei Ver­heirateten unter 12 000 JL An letzter Stelle for­dern die Rentner die schleunigste Bearbeitung ihrer Wünsche und die Uebertragung der Angelegenheit an eine Stelle, die das nötige Interesse und Ver­ständnis für sie habe. Sie find der Meinung, daß dem Reichsarbeitsministerium diese Voraussetzun­gen fehlten; denn es sorge ausschließlich für die Sozialrentner und Erwerbslosen, mit denen die freien Rentner nichts gemein hätten.

Deutscher Reich.

* Berlin, 29. Dez. Der vom Auswärtigen Ausschuß des Reichstages eingesetzte Unteraus­schuß zur Untersuchung der Verträge der Kontinen- ial-TclegraPhen-Compagnie (. T. SB.) mit auslän­dischen Depeschenagenturen hat dem Ausschuß Bericht erstattet. Er teilt mit, daß er zu Ausstellungen keinen Anlaß gefunden hat. Zeitungsnachrich- ten, die von einer bevorstehenden Pensionierung der derzeitigen Kommandeure der 2. Division der Reichs­wehr in Stettin und der 4. Division in Dresden wissen wollen, werden uns von zuständiger Stelle als unzutreffend bezeichnet.

* Ter wahre Grund. In einem Teil der Presse ist die Ernennung Dr. Pfeiffers zum Gesandten in Wien mit wenig freundlichen Bemerkungen auf­genommen worden. Die Zeit, das neue Berliner Organ der Deui'chen Volkspartei, verrät uns den Grund des Mißvergnügens. Sie schreibt:Auch gegen diese diplomatische Verwendung eines Zen­trumsabgeordneten sind schon vor der voll­zogenen Ernennung Bedenken laut geworden." Mit Recht bemerkt dazu die Germania:Also dieBe­denken" richten sich weniger gegen die diplomatischen Fähigkeiten des neuen Gesandten, sondern gegen seine Eigenschaft als Zentrumsabgeordneien." Das ist allerdings ein erheblicher Mangel in den Augen der Leute, die evangelisch und konservativ für die Vorbedingungen zur Bekleidung eines Etaatsamtes haften.

* Die deutsche Landwirtschaft an die deutsche Industrie. Der Reichsausschuß der deuffchen Land­wirtschaft hat sich an den Reichsverband der deut­schen Industrie um Mitarbeit zum Zwecke einer umfassenden Hilfsaktion zur Steigern ng der landwirtschaftlichen Produk­tion in einem Schreiben mit folgender Begrün­dung gewandt:

Der Reichsausschuß sieht in der Herstellung der Un- abhängigkeii des deutschen Volkes von der Einfuhr aus­

ländischer Nahrungsmittel die grundlegende Vorau» setzung für eine Gesundung des deutschen Wirtschaft» lebens. Er bittet daher die deutsche Industrie, durch ein, großzügige Vermehrung der Produktionsmittel ihm Hel send zur Seite zu stehen. Die Landwirtschaft wird ooi der Regierung nur verlangen, daß sie ihr die erfot derlichen Sicherungen und Grundlagen für die Durch fiihrung ihrer Arbeiten schafft. Sie appelliert aber ai die Mitarbeit der Industrie, denn nur mit ihrer Hilft fei das Rüstzeug zu schaffen, mit dem die Landwirtschaft ihre Produktton in der erforderlichen Weise zu hebe« vermag."

Das Schreiben ist von dem Vorsitzenden des Reichsausschusses der deutschen Landwirtschaft, Ex­zellenz Braun, unterzeichnet. Ein ähnlich gear­tetes Schriftstück wird in diesen Tagen dem Reichs­verband des deutschen Handwerks zugehen.

Ausland.

* Tie neue Politik Sowjetrußlands. Der Son- derberichterstatter des »Observer^ meldet aus Moskau: Lenin hielt bei Eröffnung des 9. Sowjetkongresses eine begeistert aufgenommene Rede, worin er die internationale und die innere Sage der Sowjet­republik besprach. Er griff mit bitterem SarkaiS- mus seine politischen Gegner wegen ihrer Ansichten an, daß es noch möglich sei, das Wirtschasisproblem durch die Methode des Bürgerkrieges zu löse«. Ruß- land sei arm und erschöpft. Es werde jedoch trotzdem nicht dulden, daß seine Friedfertigkeit zum Zwecke eines Angriffes benutzt werde. Das sollten sich Polen, Finnland und Rumänien gesagt sein lassen. Großes Aussehen erregte die Erklärung Lenins, daß die Befugnisse der Außerordent- lichen Kommission entsprechend der neuen Wirt­schaftspolitik beschränkt werden müßten.

* Dte hungernden Wolga-Deutschen.Jstwestija" meldet, daß bisher in Kasan 36 Waggons mH Lebens mittel aus Deutschland, die das deutsche Rote Kreuz geschickt hat, eingetroffen sind. Ein: Delegation von Deutschen aus den Hungergebieten be­gibt sich über Berlin und Hamburg nach Amerika und Kanada, um Hilfe für die Hungernden zu erbitten.

Hks tier katholischen Welt

* An die kath. Arbeitervereine wendet sich ein H i r. tenbrief der deutschen Bischöfe. Er stellt fest, daß die katholischen Arbeitervereine, die sich auf ihrer Würzburger Tagung ein einheitliches Programm gegeben haben, in ihren 400 000 Mitgliedern eine achtunggebietende Bewegung voll treuen Mutes und neuen (Eifers darstellen, denen bei rechter zielbewußter Arbeit der Enderfolg nicht ausbleiben kann. Der Hir- tenbrief gibt dann den Arbeiterpräsides Anleitung, wie diese Arbeit zu gestalten sei, damit sie zu dem von Gott gewollten Ziele fuhrt: Abkehr von dem alles über­wuchernden Materialismus und von nackter Erwerbs- sucht auf Kosten der Mitmenschen, Achtung vor der von Gott gesetzten Autorität und Hinlenken der Blicke der Arbeiter zu den Lehren Christi, Schutz der Jugend und der christlichen Schule, Gesundung des Familienlebens und öffenlliches Eintreten für die katholischen Heils- Wahrheiten am Tische des Herrn sind die Hauptpunkte,

Ein Earitasschreiben ties Hl. Vaters.

Wie sehr der Hl. Beter alle Werke der Nächsten­liebe zu fördern bestrebt ist, beweist von neuem das folgende Schreiben, das Kardinalstaatssekretär G a s p a r r t im Auftrage des Papstes soeben an den Generalsekretär des Deutschen Caritasverban- des, Staatssekretariat Sr. Heiligkeit Kuno I o e r - ger in Freiburg i. Br. richtete. Das Schreiben, basiert aus dem Vatikan unter dem 13. Dez. 1921, lautet:

Ew. Hochwürdon. Dor kurzem ging beim Sinais- fetetatat der geschätzte Brief ein, mit dem Ew. Hoch­würden die Sendung des Werkes des hochwürdigen Pa­ters Hävers S. J. überVaterländische Liebesarbeit der Katholischen DrbeirsÜeute in Deutschland während des Weltkrieges" und des von Ihnen heraus gegebenenCo- ntas-Handbuches" des CarüosvsrdüAdes für Deutschland begleiteten.

(Gerne dem frommen Wunsche Ew. Hochw. entspre- chend, habe ich nicht verfehll, die obenerwähnten Bücher den Ehrwürdigen Händen des Heiligen Vaters zu über­geben, der lebhaft erfreut war über die kindliche und er­gebene Ehrung durch Ew. Hochwüchen.

Der erhabene Pontifex hat großen Gefallen gefunden an dem Werke der christlichen Caritas, das die religiösen Orden in Deutschland mtt edlem Eifer und Hingabe aus- geübt haben, zum Zwecke, so viel a6s ihnen möglich ist, die Leiden zu lindern und die Uedcl zu verhindern^ die der Weltkrieg verursacht hat.

Seine Heiligkeit hat sich ebenso gefreut über das unermüdliche Werk, das der so verdienstliche und besorgte Caritasoerband, der über ganz Deutschland ver- breitet ist, zur Erleichterung von so vielem materiellen und geistigen Elend während der 25 Jahre fernes Be­stehens ausgeübt hat, und das er mit wachsendem (Eifer sortfährt, Mn Wohle der Bedürftigen und Kranken, be­sonders der armen Kinder, stets weiter auszudehnen.

Dies alles ist ein neuer Beweis des weitblickenden Eifers, der in dem Herzen erweckt wird durch die Caritas 2epu Christi, wekche die Seele Ihres blühenden Der- b-mdes ist, der so zahlreiche und heilsame Früchte getra­gen hat.

Der Heilige Dai er spricht (Ew. Hochw. fernen lebhaften Dank aus und äußert den Wunsch für die stets schönere Cntfaltung und das wachsende Gedeihen desCaritas- verbandes für dos katholische Deutsch- land" und erteilt von Herzen Ew. Hochwürden und sämtlichen Mitgliedern dieses Deitamdes sowie ihren Familienangehörigen den Apostolischer Segen, als Unter« Pfand der höchsten und übers ließ enden htmmlisckmi Gnaden.

Indem ich mich zum Dolmetsch dieser Gefühle Seiner Heiligkeit mache, ergreife ich gern die Gelegenheit, Ihnen den Ausdruck der ausgezeichneten und aufrichtigsten Hoch­achtung zu bezeugen. Ew. Hochwürdm ergebener und wohlgeneigter gez.: Kord. Gasparri.

Mögen die Wünsche des Hl. Vaters für das weitere blühende Gedeihen des Deutschen Caritas- verbandes in vollstem Maße in Erfüllung gehen!