JE 295.
Freitag, 23. Dezember 1921.
Fuldaer Aeituuh
äc: Fuldaer Zlcrierr-ruckerei i« FuldO
Vars ein Saarbistum kommen?
Die „Kath. Korrespondenz" schreibt:
Immer und immer wieder werden in der ka- tholischen Presse Deutschlands Befürchtungen laut, es könne mit der von französischen Blättern gemeldeten Errichtung eines Saarbistums ernst werden. Leider haben biefe Artikel der französischen wie der deutschen Presie große Beunruhigung in die durchausglaubenstreue katholische Bevölkerung des Saargebietes hineingetragen. Was wir an diesen Artikeln zu tadeln haben, ist nicht der Ausdruck eines für berechtigt gehaltenen Wunsches wie bei den französischen Blättern oder die Mitteilung solcher Auslandsstimmen an die eigenen Leser wie bei der deutschen Presse, sondern die Unterstellung mancher Artlkei, als ob der päpsttiche Stuhl sich als politisches Werkzeug gebrauchen lasten könne, das nur „bearbeite! zu werden brauche, um nach der einen oder anderen Richtung in Aktion zu treten. In der Berurteilung einer solchen Unterstellung als unvereinbar mit der Ehrfurcht gegen di« kirchliche Autorität dürften die kirchentreuen französischen Ka- tholiken mit den deutschen wohl einig sein.
Als oberster Grundsatz der päpstlichen Diplomatie gilt das geistliche Wohl der Gläubigen; sie ist deshalb eher geneigt, dem Wunsche der Gläubigen nachzukommen, als dem Wunsche einer politischen Macht. Die Kirche hat zu allen Zeiten der Freiheit der Gläubigen nur jene Schranken gesetzt, welche den Weg zum Abgrund des Verderbens persperren sollten.
Man soll auch nicht glauben, daß die päpsttiche Diplomatie über die tatsächlichen Verhältnisse im Saargebiet nicht unterrichtet sei. Dafür hat der verstorbene Bischof von Trier bei seiner letzten Romreise schon gesorgt. Nicht politische Gründe oder persönliche, sondern rein sachliche, in der Seelsorge liegende Gründe waren es, Vie Bischof Serum beim Hl. Vater gegen die Abtrennung des Saar- gebietes auch nur in Form einer Delegat u r von der Mutterdiözsfe Trier geltend machte. Die päpsttiche Diplomatie ftd)t diesen Verhältnissen also nicht fremd gegenüber. Sie weiß, daß es fast keine Saarländer gibt, die Französisch als ihre Muttersprache angeben können. Sie kennt den heißen Wunsch der Saargeistlichkeit, bei der Mut- tevdiözese Trier zu bleiben; ein Wunsch, der auch diktiert ist von der Rücksichtnahme auf die Gläubigen, die in der kirchlichen Abtrennung eine Einleitung der staatlichen Absonderung von Deutschland und eine Beeinträchtigung der ihnen garantierten Abstimmungsfreiheit erblicken würden. Der Saarklerus steht inmitten seines Volkes, zum großen Teil aus diesem selbst hervorgegangen, war des Volkes Führer in Zeiten des Kampfes gegen wirtschaftliche und politische Unfreiheit, ist deshalb geachtet und geehrt und in der glücklichen Lage, gerade auf seinem eigensten Gebiete, in der Seelsorge, herttiche Früchte zu erzielen. Wie die Saarbeoölkerung zu ihrem Bischof und ihrer Mutterdiözese hält, konnte man aus der großen Beteiligung derselben an der Jubelfeier des Bischofs Korum im August dieses Jahres und bei seinem Begräbnis ersehen. Nur mit banger Sorge kann man an die Folgen einer etwaigen Entfernung von Trier notwendig eintreten müßte. Denn auch angenommen, der heutige Saarklerus würde bas große Opfer bringen und inmitten seiner Herde bleiben, wo soll der Nachwuchs verkommen? Frankreich hat selbst keinen Uever- schuß o nSeelforgskräften. Ob aus der Saar- beoölkernn geine hinreichende Zahl zum Ausgleich des Abganges sich finden würde, durfte wohl mehr als zweifelhaft fein. Und dann, wo soll dieser Klerus ausgebildet werden? Ein eigenes Seminar ist nicht vorhanden; eine Neugründung kostet ungeheure Summen; will die französische Regierung etwa durch Bestreitung ter Kosten eine Ausnahme ihrer kirchenfeindlichen Richtung für das Saargebiet machen? In Frage kommen könnte höchstens noch die Ausbildung in französischen Seminarien; das wäre aber praktisch unmöglich, denn solche Priester kämen als Fremdlinge in ihr Vaterland zurück, unverstanden von dem eigenen Volke. Bei aller Hochachtung vor der durch die seelische Eigenart des Franzosen bedingten Auswirkung katholischer Frömmigkeit und der durch diese wiederum beeinflußten Anleitung zur Seelenführung läßt sie sich unmöglich für deutsche Katholiken verwerten. Ein geistiges Trümmerfeld würde aus dem blühenden religiösen Leben an der Saar erstehen.
Diese Erwägungen, die dem päpstllchen Stuhle nicht unbekannt sind, werden (dieses Derttauen
Unpolitische ZeitlSuse.
Don Fritz Nienkemper.
Berlin, 20. Dezember 1921.
Gibt es Oasen in dieser Wüste der schlimmen Zrik ? Welche Oase ist die größte, die lieblichste, die fruchtbarste?
Weihnachten!
Oase ist ein Fremdwort, aber allgemein ver- /ändlich, denn wer von Wüstenwanderungen etwas gelesen oder gehört hat, der weiß, was diese grüne Insel im Sandmeer zu bedeuten hat. Tag für Tag, wochenlang, stapfen Mensch und Tier weiter durch den dürren Sand. Nichts zu sehen als dieses glühende Gold, worin der müde Fuß versinkt. Kein Wölkchen am Himmel; nur ein lähmender Sonnenbrand. Und wenn sich mal ein Wind auftut, so wird er ein Sandsturm, der den heißen Staub durch alle Kleidung peitscht und bis in die Lunge hineintreibt. Nach dem Sturm wollen sie ermattet dahinsinken. Da sieht einer in der Ferne einen dunklen Strich. Ha, das deutet auf Grün und Feuchtigkeit. Das ist eine Oase, ein Ficken mit Pflanzenwuchs und Wasser. Auf zur Oase! Auf mit dem letzten Aufgebot der Kräfte, denn dort können wir rasten und uns erquicken an der Wasserquelle und dem saftigen Grün. Gut Stückchen Himmel in der höllischen Wüste!
Ja, wir sind schwergeprüfte Düstenwanderer, die im Sonnenbrand der Zeitbedrängnisse und im Sandsturm der Bedrohungen sich mühselig dahin- schleppen. Jetzt sehen wft eine Oase vor uns: die erquickende Weihnachtsfeier. Auf zu dieser Insel des Labsals! Dort fließt frisches Waffer, um den brennenden Durst zu löschen; dort sproßt die grüne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wer aus die- ser Oase keinen Nutzen zieht, handeft wie ein | Selbstmörder.
„Rur ein angenehmes Zwischenspiel", sagt der Zweifler und behauptet, daß nachher ijie alte schreckliche Wüstenwanderung doch wieder beginne. Nein, mehr als ein kurzer Aitverfteib, nämllch eine Er
mässen wir haben) gewiß auch bei den etwaigen Derharchlungen über ein Saarbistum an erster Stelle stehen. Weitere Bedenken gegen den Plan einer Neugründung, wie z. B. der bischöfliche Stuhl und die bischöfliche Verwaltung finanziell sicher ge- fteHt werden sollen, wollen wir nicht behandeln; obwohl sie bei Neugründung einer Diözese nicht unbeörtert bleiben können, treten sie doch gegen die oben angeführten weit zurück. Der Zweck dieser Zeilen ist, zu zeigen, daß die Errichtung eines Saarbistums nicht im kirchlichen Interesse liegt. Auch die französischen Katholiken werden schwerlich von ihrer Regierung die Ansicht hegen, daß sie sich etwa von Liebe zur katholischen Kirche bei ihren Bestrebungen leiten lasse.
Der Gäranke, das Saargebiet zur Diözese Metz zu schlagen, scheint aufgegeben zu fein; es bestehen gegen eine solche Regelung dieselben Bedenken, wie gegen die Neugründung eines Saarbistums.
Amtliche Anzeigen.
Zusammenstellung
brr wichtigsten Bestimmungen über die Option gemäß Artikel 91 des Vertrages von Verskülles, soweit die
Optanten in Preußen wohnen.
Für die deutsche ReichsangehSrlgkeit können alle Per- fönen optieren, die am 10. Januar 1920 als deutsche Reichs, angehörige in den endgültig als Bestandteil Polens anerkannten Gebieten ihren ständigen Wohnsitz hatten und dort bereits vor dem 2. Januar 1908 ansässig waren. Hierunter falten auch Beamte, Polen deutscher Reichsangehörigkeit und Bewohner der polnischen Gebiete jenseits der früheren deutschen Grenze, z. B. Kongreßpolens. Um- unterbrochene Beibehaltung des Wohnsitzes in Polen während der Zeit vom 2. Januar 1908 bis 10. Januar 1920 ist nicht Mforderlich. Wer sowohl in Polen als auch in Deutschland seinen Wohnsitz hatte, ist gleichfalls options- berechtigt. Unfreiwillige Aufgabe des polnischen Wohnsitzes nach dem 9. November 1918 infolge einer auf Verlassen des Landes gerichteten Anordnung von Stellen, bte amtliche Tätigkeit ausgeübt haben, infolge von Gewalt oder Drohung mit gegenwäntiMr Gefahr für LeS> und Leben bleibt aecher Betnacht. In derartigen Fällen ist myu- nchmen, baf; bis Betreffenden am 10. Januar 1920 ihren Wohnsitz noch in Polen gehabt haben.
Für die im Inlands (Preußen) besmdlichsn Optanten sind die RegierMngsprSsidenten» in deren Bezirk die Optanten ihren Wohnsitz oder in Ermanglung eines Wohn- sttzes ihren Aufenthalt haben, für die EntMgennahme der Optionserklärung zuständig. Die Optionserklärungen sind in schriftlicher Form einzusenden oder mündlich zu Protokoll vor den ReglerungsprSsidenten bis einschliehKch dem 10. Januar 1922 abzugeben. Die schriftliche Erklärung bedarf der Beglaubigung durch die OrtspolySibehörde oder durch einen Notar.' Die schriftliche OMonserKärwrg «folgt zweckmäßig nach einem bestimmten Muster. Die Lcmd- ratsämter (Polizsidirektion) geben Vordrucke hierzu, soweit der Vorrat reicht, kostenlos ab.
Der Geburtsschsm, gogebensnsÄks Taufschein, Me Heiratsurkunde, die Geburämblmden der Kinder, etwaige Unterlegen über die Staatsangehörigkeit sowie üb« Wohnsitz am L Januar 1908 und am 10. Januar 1920, eventuell ortsbshSMsche Bescheinigung find, soweit irgend möglich, zm Einsichümchme beigufügm.
Sie Option des Ehemanns erstreckt ihre Wirkung auf die Ehefrau, die Option der Estern erstreckt ibne Wirkung auf die Kinder unter 18 Jahren. Kinder über 18 Jahre sind selbständig zur Option berechtigt. Für elternlose Per- fönen unter 18 Jahren oder für entmündigte oder bevor- mundete Personen über 18 Jahre optiert der geseWche Vertreter. i
Polen deutscher Relchsougehörlgketl Ober 18 Lahre, die am 10. Jamrar 1920 in Deutschland ihren Wohnsitz hatten, find in gleicher Welfe berechtigt, für die polnische Staatsalnachörigkeit zu optieren.
Sie Abgabe einer wirffamcn OpKonserklömng für bk deutsche Reichsangehörigkeit hat der Wiedererwerb der früherem deutschen Staatsangehörigkeit unter Versttst der polnischem und außerdem die im AviAel 91 Absatz 6 bis 8 des Vertrages von BsrfiWes vorgesehenem Rechte zur
veröffeatlicht.
Sie Herren Bürgerm-erster wollen Vorstehendes in dem Gemeinden auf ortsübliche Weise sofort bekannt machen.
Fulda, den 20. Dezember 1921.
Der Landrat. I. D.: Schuster.
vollkommenstes Hautpflegemittel
™ Gegen rauhe aufgesprungene flaut
CREME MOUSON
quickung und Auffrischung für Leib und Seele, die vielfach geradezu eine Lebensrettung wird. Selbstverständlich müssen wir nachher weiter stapfen und Streben durch die Wüste der Zeit hindurch, bis wir ins gelobte Land des Friwens erreichen. Für diese unvermeidllche Anstrengung gilt es die Kräfte zu sammeln, die Glieder wieder gelenkig, die Nerven wieder straff, das Gemüt wieder frisch zu machen. Dazu dient eben die richtige Festfeier. Das ist kein Luxus, sondern ein wesentliches Stärkungsmittel, das sich reich bezahlt macht.
Sammelt Kraft und Mut in der festlichen Oase!
•
Weihnachten ist das Familienfest, wie kein anderer Feiertag im Jahre. Das paßt gerade für unsere Zeit. Der Staat ist in seinen Grundfesten erschüttert worden; die Revolution hat vieles zer- trümmert und wenig aufgebaut. Die Politik sieht wahrlich nach einer heillosen Wüste aus. Aber die Familie besteht noch, und wenn das Familienleben durch die häusliche Weihnachtsfeier beseligt wird, so haben wir die schönste Oase.
Don den Geschenken wollen wir heute nicht mehr reden. Das sind äußere Zeichen, hübsche Zutaten. Sie Hauptsache ist der Geist, der lebendig macht, der echte, ftische, triebtröftige Familiengeift. Friede und Freude den Angehörigen chte guten Willens sind!
Zu Weihnachten soll für alle Heimstätten die Regel gelten, die für die Opferhandlungen vorge- schrieben ist. Wen bu dich erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so gehe zu tipn hin und versöhne dich mit deinem Bruder; dann komme und beteilige dich an der Bescherung und an der Hausfeier.
Wenn du dich erinnerst ... Es gibt oft etwas Mißhttligkeit, auch in den sogenannten besten Familien, weil wir alle fehlerhafte Menschen sind. Meistens ist man geneigt, die Schuld bei den andern zu suchen. Zu Weihnachten, sollte man dieses Stück von Selbstgerechtigkeit abstreifen und sich ehrlich die Frage beantworten: Hab ich selber immer alles getan, was zur Erhaltung des Friedens und der
»TTimT«nrrn»iiirinnj»n
Unsere Kassenräume bleiben Dienst« den 21 Der. 1921 (3. Welhnachtsfelertas) geschlossen.
Bankhaus Carl Kiefer & Co.,
Niederlassung Fulda.
imiiiiii rrrrrr
illlllluilliiLiiiJiHiiiiiiummiiiiiinrTTTT
in Flaschen und Gebinden
Lieferung frei Haus zu billigsten Preisen
Prompter Versand nach auswärts. -
bott etrfimbfen/*
neuen
im-Swen
Lallen Sie ft* ht der Trog, oder tootbeie die neue Musterkarte
Schutzmarke
Erhältlich in der Markt-Drogerie A Müller Drogerie Anton Schraum» und in allen einschlägigen Geschäften.
Sämtliche
LED ER
m Kerntafeln
Hälften und Abfällen sowie Im Ausschnitt I und alle
Bedarfsartikel für die Schuhmacherei I kauft man stets zu billigsten Tagespreisen in prima Qualität bei
N. Nussbaum & Sohn
gegenüber iler Pfarrkirche. Eingang Nonnengasse 1. Telephon 758.
143
Achtung!
»imeöMnWw, KSlMliW, WM
kaust und tauscht geger Garne ein
MivaMe SMüerrl kanalflratze 13 gegenüber dem Mutterhaus Telefon 762.
Be i gröberem Quantum genüg Bostkarte. 841
Liebe notwendig war? Bin ich niemals launisch, ungeduldig, heftig gewesen? Habe ich die Meinigen nicht durch Nachlässigkeit, Kälte und Teilnahms- lofigkeit verletzt? Wenn ja, wie mach« ich es gut durch mehr Selbstbeherrschung und Sorgfalt? Und wie kann ich di« entstandenen Wunden heilen durch ein freundliches Üßort, durch ein« liebevolle Handlung an diesem festlichen Tage?
Wenn fa ein jeher seine besten Kräfte einsetzt zur Hebung des Fcnnilienlebens, dann können wir aus dieser Oase andauernd Waffer des Trostes und Nahruna des Helles beziehen für die weitere Wü- stmwanderung.
*
„Ich habe keinen FanttlienanfcUuß", sagt der moderne Einsiedler. das ein Unglück oder ein Verschulden? Wer richtig sucht, der kann in der Regel schon einen Anschfttf finden, so daß er wenigstens zu Weihnachten n\;t als ein vereinsamter Sperling vor dem verschlossenen Fenster zu sitzen braucht. Und wenn es der Fall ist, so möge das Gefühl der Verlassenheit ihm ein Antrieb sein, daß er möglichst bald die Oase eines gemüttichen Familienlebens zu erreichen sucht.
Inzwischen bietet einen wertvollen Ersatz die Feier ber $ er eine. Neben den häuslichen feiern entwickeln sich immer mehr die weihnachtlichen Veranstaltungen tm weiteren Kreise von Dereinsgenos- sen. Das sieht auf den ersten Blick wie ein Wettbewerb aus, der den häuslichen Feiern gefährlich werden könnte. Aber ich halle die Konkurrenz für heilsam. Es fchÄtet nicht, wenn man verschiedene Tannenbäume ju sehen bekommt und die schönen Weihnachtslieder vald in einem größeren, bald in einem kleineren Kreise mitfingt. Doppelt hält besser und dreifach noch bester. In diesen winterlichen Sonn- und Feiertagen bleibt Zeit genug, um mehr als eine Weihnachtsfeier mitzumachen. Es muß nur immer die richtige Feier fein: nicht großartig oder oerfünftelt, sondern einfach und gemütlich, so daß auch die Krippe mit dem Christkindchen ihren Platz behaupten kann. Dann bildet auch itie weihnachtliche Vereinsfeier eine Oase in der Zeitwüste.
Und im Mittelpunkt der Oase steht die Kirche, sozusagen als Einfassung und Krönung der Wasserquelle.
Selbstverständlich, sagst du. Aber vor drei Jahren, als alles wanken und stürzen wollte, da war es nicht fo selbstverständlich, daß fortan in allen Kirchen mrch die Weihnachtsmeffen gefeiert werden könnten. Es lag die Gefahr vor, daß die Sirupe profaniert, die Geistlichen bestelle gedrängt und die Gläubigen aus ihren Heiligtümern vertrieben würden. Die Revolution brauste heran wie die Mut des Roten Meeres, und man wußte nicht, was sie alles verschlingen könnte. Zum Muck haben die Wogen Halt gemacht vor den Gotteshäusern. Die Türen sind offen, die Glocken klingen, die Orgeln tönen, der Weihrauch steigt; di« Gläubigen strömen in die heiligen Hallen, wo man besser wie irgendwo konst über das Elend der Zeit sich erheben kann. Draußen ist kein Friede; aber im Gotteshause bringt die Friedensbotschaft der Engel in die Herzen und sie spüren den Vorgeschmack einer besseren Welt, auf die sie mit Zuversicht hoffen. Wer Rrche und Erquickung sucht auf der Wüstenwanderung, der fluchte in das Gotteshaus, wo die bedrückte Brust einen ftischen Atemzug machen, das Gemüt sich im Master des Heils baden und die Seele sich mit dem Brot des Lebens stärken kann.
Lernen wft wenigstens zu Weihnachten richtig schätzen, was wir gerettet haben aus den Scmd- ftürmen der wilden Zeit. Die ungestörte Ausübung der Religion ist ein unschätzbares Gut, eine wahre Arche der Rettung aus der Sintflut.
*
Werden wft das Ende der Wüste erreichen? Oder wird dem deustchen Volk das Schicksal Israels befchieden fein, das zwar durch das Rote Meer gelangte, ober 40 Jahre in der Wüste irren mußte, bis die alle Generation ausgeftorben war?
Die Zukunft bleibt dunkel, aber es stt noch ein Hoffnungsstern zu sehen. Es gibt noch Oasen in der Wüste, und es wäre unsere Schuld, wenn wir an ihnen vorbeigingen, ohne uns Trost und Stär- krmg zu holen.
m 11 llimiiii i rmmm rrri »ri hihi