Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda. ________
Nr. 295.
Verantwortlich für Öen ceöanionellen Teil: 2r. I. Kramer, :: für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. -
Rotationsdruck u. Beklag der Fuldaer Actienüruckerei in Fulda, i^ernfprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Freitag, 23. Dezember 1921.
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48. Zahrg.
Brianii wieder in Paris.
MEWliir Her Muer SeWunoen.
MinisterpräsiLeni Briand ist am Donnerstag abend bereits wieder in Begleitung der Minister Lacheur und Berthslot in Paris angekonimen.
Bei seiner Ankunft in Boulogne erklärte Briand: Wir sind in London zu einer prinzipiellenBer- einbarung gelangt, die den Willen zur Zusam- menarbritzwifchenFrankreichundEng. land zum Ausdruck bringt und eine Vorbereitung für die praktische Entscheidung bildet. Jetzt handelt es sich nur noch darum, die festgelegten Richtlinien zu oer- osllsrändigen und sie in Cannes zur prakti- schenAnwendungzu bringen.
Zum Schluß der Inferenz wurde in London von amtlicher Stelle ein Bericht ausgegeben, in dem es heißt: Es wurden in allen Punkten befriedigende Ergebnisse erzielt. Sie sind jedoch vorläufiger An bis zum Zusammentritt des Obersten Rates in Cannes. Man fei sich einig darüber, daß die Initiative zum wirtschaftlichen Wiederaufbau von den Mächten ausgehen muffe, die die größere Stabilität besitzen. Es wurde beschlossen, daß Sachverständige mit dem englischen Premierminister die Einzelheiten des einzuschlagenden Verfahrens beraten sollen. Die Ergebnisse dieser Beratungen sollen in Emmes erörtert Werden. In der Reparation ssragie sind keine ernsten Meinungsverschiedenheiten zutage getreten, doch kann diese Frage nicht mit dem europäischen Wirt- fchaftsproblem verknüpft werden.
Das Programm für die Tagung in Cannes.
Nach dem „Ternps" ist eine Einigung über die Punkte erzielt worden, die das Programm der nächsten Tagung des Obersten Rates bilden sollen.
Englischerseits wurden folgende Grundlagen angenommen: 1. keine bruchstückweise Regelung, 2. Wiederherstellung des englisch-französischen Einvernehmens aus solidarischer Grundlage, 3. deine chronischen Krisen mehr.
Ein Moratorium für Deutschland fei unwahrscheinlich. Deutschland würde aufgefordert, seinen beiden nächsten Verpflichtungen hn Januar und Februar nachzukommen. Das Garantiekomitee solle mit neuen Vollmachten ausgerüstet werden.
Das einzig greifbare Ergeb»,is?
Pariser Meldungen wifsen über die Konferenz zwischen Lloyd George und Briand zu berichten, daß das „einzig greifbare Ergebnis" bet Besprechungen sei, daß man sich auf einen Beschluß geeinigt habe, wonach Deutschland mn 15. Januar und 15. Februar statt der insgesamt fälligen 800 Millionen Goldmark 500 Millionen Goldmark zahlen müsse. Ein der- artrger Beschluß könnte selbstverständlich nur vom Obersten Rate der Alliierten, nicht aber von den beiden Leitern der englischen und französischen Politik allein gefaßt werden. Eine Einigung zwischen Lloyd George und Briand über diesen Punkt würde albrrdirrgs schwer ins Gewicht fallen, wenn er tatsächlich zustandvgekommen fein sollte. Irgendwelche Mitteilungen liegen an amtlicher Stelle in Berlin noch nicht vor. Es empfiehlt sich deshalb, die aus dm westlichen Hauptstädten kommenden Nachrichten mit Vorsicht aufzunehmen.
v, Jagow in Hast genommen.
Das Urteil im Sappiskenprozeß und die öffentliche Meinung.
Unmittelbar nach Schluß der Urteilsverkündung im Leipziger Jagow-Prozeß erschienen tm Gebäude des Reichsgerichts zwei Kriminalbeamte, begaben sich zu
Die Jagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
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Betäubender Blütenduft quoll ihnen entgegen als sie das von dem magischen Licht des Mondes 'über- «offene Burggärtlein durchschritten und sich eilig der iüre des Burgzimmers näherten. Geheimnisvoll flü- ■tet*LunJ) roe6te es Zwischen den geborstenen Mauern 'm Wehen des Abendwindes, als raunten sich die Gei- '^r.,,i3er längst entschlafenen früheren Bewohner der «tatte die Kunde zu, daß das Geheimnis, welches die ^mmer verbargen, endlich enthüllt roe-’ben sollte.
23or Erregung zitternd, entnahm Emilie Hohenfels, nach.cm sie mit ifjven Begleitern das Burgzimmer betreten und die Flammen des Kronleuchters entzündet hatte, dem Raritätenschrank das kleine Bild und legte es neben das von Hedwig mitgebrachte Gegenstück. Es paßte genau, sowohl die Breite, wie auch die Aus- buchtung des einen Bildes in den Ausschnitt des anderen, doch ließ sich nichts Außergewöhnliches an dem nun vereinigten Bilde wahrnehmen. Hier die schwe- ! bende Glücksgöttin dort die nach ihr strebenden !
Jünglinge, getrennt durch den Abgrund. Etwas wie j Enttäuschung prägte sich in den Gesichtern der drei j Beschaue-.- aus, bis Hedwig ausrief:
»Die beiden Rahmen müssen wir entfernen, Wilhelm — dann bilden die beiden Gemälde erst ein BildI Gewiß ist unte: dem breiten Holze noch Malerei!"
Sorgfältig lüftete Friedwald mit der starken Klinge seines Taschenmessers die Rahmen, löste dieselben ab — es war merkwürdig, wie leicht das ging __ und
fügte die beiden Bilder wieder zusammen. Ausrufe der Ueberraschung entflohen den Lippen der Forschenden, als sie jetzt das Bild betrachteten. Zwischen dem Abgrund, der die schwebende Frauengestalt von den nach oben strebenden Jünglingen schied, stand die Sichel des Mondes bera-.-t, daß sie mit ihren Spitzen die Felswände rechts und links berührte und so anscheinend gleichsam eine Brücke über den Abgrund bildete. Das bleiche Gelb des himmlischen Trabanten war von Schatten durchsetzt, die sich bei näherer Betrachtung als
dem bereits sich zum Weggehen anschickenden Herrn von Jagow und erklärten ihm, daß sie ihn im Auftrage des Okterreichsanwalts fest zunehmen hätten. Jagow war zunächst sehr bestürzt, folgte dann aber ohne alles weitere und wurde im Leipziger Polizeiamt eingeliefert. Von Leipzig aus wurde Jagow sofort nach einer preußischen Festung zur Strafverbüßung verbracht. Ein von ihm gestellter Antrag auf Strafaufschub wurde nicht bewilligt.
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In der Preffe der Rechten sindet man das Urteil gegen Jagow zu streng, in der sozialistischen Presse wird zumteil mit großer Schärfe das Urteil als zu milde kritisiert und darin ein neuer Beweis für das Bestehen einer Klassenjustiz gesehen. Wie matt hn Zentrums lager über das Urteil denkt, beweist uns folgende Zuschrift eines Berliner Mitarbeiters, der durch jahrzehntelange polttische Tätigkeit wohl in der Lage ist, ein wirklich sachliches Wort über das Kappisten- Urteil zu sprechen. Er schreibt uns:
Wenn das unglückselige Abenteuer vorn März 1920 überhaupt noch ein gerichtliches Nachspiel haben mußte, so tarnt man froh sein, daß die verspätete Gerichts- handlung in dieser Form und mit diesem Ergebnis sich abgespielt hat Denn die Leitung war musterhaft und wußte die Strudel und Klippen eines sog. politischen Prozesses zu überwinden. Das Urteil ist ein Meisterstück von juristischer Klarheit und prakttfchem Sinn. Das Strafmaß steht auf dm ersten Blick scharf aus, aber da es sich um eine milde Festungshaft handelt, die Ehrenkränkung ausgeschlossen ist und nur der Hauptschuldige von den drei Angeklagten betroffen wird, so wird kein überfLüffiges Mitleid erregt, sondern nur eine recht zeitgemäße Warnung aufgerichtet. Wer etwa Lust verspüren sollte, eine Heldenrolle nach dem Muster von Kapp, Lüttwitz und Jagow zu spielen, wird an dem unrühmlichen Schicksal dieser Würmer sich ernüchtern können.
In rechtlicher Hinsicht ist das Urteil von Leipzig sehr wichtig für die Ausrottung des vielfach noch herrschenden Llberglaubens, daß feit der gelungenen Revolution im November 1918 jede Gegenrevolution oder Ueberwvolution zu den erlaubten Dingen gehören und nicht weiter notwendig fei, als die Ueberrumpelung der Reichskanzlei, um sich in den Besitz der höchsten Macht und des ReAievungs- rechtes zu setzen. Das Reichsgericht stellt demgegenüber mit der obersten Rechtsautorität fest, daß die Berfa s sun g von Weimar in voller Rechtskraft besteht und den Schutz des Hochverratsparagraphen ebenso'genießt, wie ihre Vorgängerin, und daß die Besetzung der Reichskanzlei oder anderer Minister- gedäude keineswegs genügt, für den Nachweis des tatsächlichen Besitzes der höchsten Macht in Reich und Staat. Don Kapp und Lüttwitz sagt das Urteil, sie möchten wohl ihr umstürzlerisches Untemchmen als vollendet angesehen haben, aber in Wirklichkeit sei die höchste Gewalt niemals auf sie über gegangen, sondern sie hätten sich dieselbe lediglich angemaßt.
Daraus ergibt sich, daß mich die zeitweilige Besetzung von „Berlin" noch nicht genügt, um einen Umsturz erfolgreich und straffrei zu machen. Wer den revolutionären Sport betreiben will, muß weiter und tiefer greifende Machtmittel von physischer urtb moralischer Art zur Verfügung haben, wie Kapp und Genossen bei ihrem Husarenritt durch das Brandenburger Tor und die Wilhelmstraße.
Aus dieser rechtlichen Klarstellung ergibt sich zugleich die politische Bedeutung des Prozesses. Der Kapp-Puisch war ein häßliches und sehr schädliches Zwischenspiel, aber sein schnelles und grüMiches Schei- tem hatte doch die Heilsame Wirkung der Abschreckung
seine Sch.-istzeichen erratefen, ihrer ganzen Art nach zweifellos von dem alten Freihorrn Albrecht von Hochfels herrührend. Sorgfältig den noch auf dem Gemälde haftenden Staub entfernend, hob Friedwald die belücn vereinigten Stücke gegen das Licht und las:
„Seyd Ihr in Lieb und Treuen eyns Dann achtet wohl des Silberscheyns, Mit dem am zwölften Tag der Mond Zur neunten Stund am Himmel thront. Durch Mauerquadern bringt e: helle, Getreulich weist er Euch die Stelle Allrao in ftepnern Haf und Hut Ein Schatz, von mir verwahret ruht. Itzt habt gefunden Ihr die Brücke Auf Eurer Jagd nach ird'schem Glücke — Der Huldgestalt Ihr mögt Ihr nahn, Mögt sie mit Euren Händen fah n! Sa rath ich treulich Euch: Habt Acht, Greift und erfaßt sie mit Bedacht, Sonst ist das Götterweib dort oben Ins leere Nichts in Dunst zerstoben. Des Glückes Göttin bleibt nur hold Und segnet Euch das eitle Gold Wenn fein Glanz und glimmernd Glühen Euch Eue: Bestes tat entreißen: Lieb, Gnad' und Treusinn aller Well Wie es dem Hemgott wohl gefällt. Nur dann wird Glück aus Golde sprießen Wollt Ihr mit Weisheit es genießen.
A. v. H."
In atemloser Spannung hatten die beiden jungen Damen dem Vorleser zugehört. Als derselbe geendet, rief Emilie Hohenfels jubelnd aus:
„Hab ich nicht geahnt, daß die beiden Bilder das Rätsel lösen! Und heute. Her-: Friedwald — heute ist der zwölfte Tag des neuen Mondes — in längstens einer halben Stunde steht seine Sichel dem Mcmer- spatt gegenüber und beleuchtet das Turmgemach. Heißt es nicht „in steinern Haft und Hut" liegt tter Schatz? Gewiß beleuchtet die Sichel des Mondes die Mauer- stelle! Lassen Sie uns sofort hinaufsteigen, baß wir dm richtigen Augenblick nicht versäumen."
ähnlich gestimmter Abenteurer. Im Lauft der Zeit und bei dem Eintritt neuer Krisen würde vielleicht die Warnung in Vergessenheit geraten können. Durch den nachträglichen Prozeß ist die Warnungstafel nur aufgefrischt und grell beleuchtet worden.
In diesem Punkte können sich alle einigen, die es gut meinen mit dem Vaterlande, auch diejenigen, die an der Weimarer Verfassung kein Wohlgefallen finden. Das Urteil von Leipzig weist die Freunde einer Aende- rung auf den richtigen Weg Yin, indem es ausführt:
„Unter keinen Umständen ist ein Staatsbürger befugt, gewaltsam gegen Zustande anzugehen, die seiner Meinung nach ungesetzttch find. Es gibt andere und zwar gesetzliche Mittel, um sich dagegen zu wehren. Zum Beispiel der Antrag auf Volksabstimmung, die Fühlungnahme mit den Führern der Parteien und die Inanspruchnahme der Presse."
Da werden gssetzmäßige Reform bestrelmngen angezeigt, im Gegensatz zu den strafbaren Umsturz- bsstrebungen. Die rechtmäßige Agitation bleibt nach wie vor die volle Freiheit im Rahmen der Gesetze. Aber auf Gewalttaten muß jeder Vaterlands- fnsunb verzichten. Namentlich jetzt, wo die Zukunft Deutschland auf dem Spiel steht und das Vaterland mehr als je einer festen Regierung bedarf.
I» dieser kritischen Zett muß sogar die parteipoli- ttsche A g i t at i o n sich eine gewisse Beschränkung auf- ertegen. Möge das weise Urteil und die ungewöhnliche Rolle der Putschhelden dazu beitragen, -daß in allen ehrlichen Deutschen das parteipolitische Pflichtgefühl geschärft und neu belebt wird, damit altes vermieden wird, was Deutschland in beim Derzweiflungskampf um sein Dasein behilchem könnte.
Ludendorff «nd der KaPPPutsch.
Wie das,Berliner Sägeblatt' aus parlamentarischen Kreisen hört, erstattete gestern der Vertreter der Anklage im Kappprozeß Oberreicksanwalt Ebermeier dem Reichsjustizminister Dr. Rabbruch Bericht über das Ergebnis und den Verlaus der Leipziger Gerichtsverhandlungen. Bei dieser Gelegenheit sei, wie das Blatt weiter mitteilt, auch der Fall Luden- dorfs und die Frage einer eventuellen Anklageerhebung eingehend besprochen worden.
Generaloberst v. Veseler f.
Der Eroberer von Antwerpen und Generalgouverneur vou Warschau gestorben.
Generaloberst v. Beseler ist Dienstag abend in eurem Sanatorium in Neubabelsberg bei Potsdam gestorben, wo er schon seit 1919 als körperlich und geistig gebrochener Mann Zuflucht gesucht hatte.
Der Berstorbene war im Jahre 1868 in die Armee ein getreten und hat im Pionierkorps den Krieg 1870/71 mitgemacht, in dem er sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse holte. Große Berdienste erwarb er sich schon im Frieden um das Pionier- und Artilleriewesen, wofür er 1901 geadelt wurde. Bei Ausbruch des großen Krieges wurde er wieder aktiv und führte die Belagerungsarmee vor Antwerpen. Die Festung fiel bekanntlich schnell in seine Hände. Freilich war vor der Einnahme der Festung die belgisch-englische Besatzung, ein ganz gewaltiges Heer, aus der Zernierungslinie entkommen, so daß dieser Sieg von Antwerpen auch den Charakter des Halberfolges hatte, wie so viele strategische Unternehmungen Deutschlands im Weltkriege.
Nach der Einnahme Antwerpens führte v-, Be- ftler das 3. Reservekorps in den Schlachten an der Pftr und später in Rußland an der Rawska. Als der große Vormarsch im Sommer 1915 auch in Nordpglen einsetzte, schloß Beseler die Festung Nowo-Georgiewsk ein und brachte sie am 19. August 1915 zu Fall. Kurz darauf, am 27. August 1915, wurde er zum General-Gou-
Unb nochmals bas Bild und die De:ft betrachtend, nahm die junge Dame von einem an der Wand hängenden Schlüsselbrett einen altertümlich geformten Schlüssel und stieg die im Hintergründe des Raumes befindliche schmale Eichentreppe empor, die nach der Tür des Turmes führte. Das Brautpaa: folgte.
Eine dumpfe Luft schlug ihnen aus dem Raum entgegen, der, so viel man bei dem durch die offene Tür hereinfallenden Lichtschein gewahren konnte, eini. gen uralten Hausrat und an den Wänden befestigte mittelalterliche Waffenstücke, wie Helme, Panzerhem- den, Hellebastden und Partisanen enthielt. Don den Wänden war die Tünche meist abgebröckelt, so daß die nackte Mauer zum Vorschein kam, die, wie man an der Nische des einzigen nach dem Garten gehenden, schmalen, spitzbogigen Fensters gewahren konnte, von einer so ungeheuren Dicke war, daß sich wohl ein beträchtlicher Hohlraum in ihr befinden konnte.
Wilhelm Friedwald schloß die nach unten gehende Tür und tiefe Finsternis umfing die Eingetretenen. Erst als sich das Auge an das Dunkel gewöhnt hatte, vermochten die drei Schatzsucher einen matten Schimmer wahrzunehmen, der von dem Mondlicht her:ührte, das beretts schräg in die Nische fiel. Immer Heller wurde der Schein und siel bereits als schmaler Stteifen auf die gegenübe-.-liegenbe Mauer, als die Turmuhr von der nahen Marienkirche die neunte Stunde verkün- bigte. Nur wenige Minuten noch und der Streifen begann sich zu runden und sich schließlich zu einem sichelförmigen Gebilde zu entwickeln. Und jetzt zeigte sich tztwas Ueberrafchendes: der sichelförmige Schein lag genau auf eine: Stelle des Mauerwerks, dessen Steine, mitten unter den rechteckigen Quadern ebenfalls sichelförmig angeordnet waren. Zweifellos war hinter dieser Stelle der geheime Schatz verborgen. Gr.-egt näherte sich Wilhelm Friedwald der Stelle und klopfte mit einem Schlüssel gegen die Steine — es klang hohl. Alles schien sich zu bewahrheiten wie es in dem auf den Bildern befindlichen Spruch angegeben war.
„Gesunden!" jubelte Emilie Hohenfels auf, „gefunden! Einen Augenblick — -ch hole Licht und Werkzeug!"
d e r n e u r der besetzten Gebiete im Osten ernannt mit dem Sitz in Warschau.
In seiner Eigenschaft als Generalgouverneur war Beseler einer der Väter des Zweikaisermanifestes, das das Köni greich Polen ins Leben rief. Er betrieb diesen Plan ausschließlich unter militärischen Gesichtspunkten. Beseler glaubte, aus dem neuen Königreich mehrere Divisionen polnischer Freiwilliger dem Heere der Mittelmächte zuführen zu können; man weiß indes, wie falsch er die Stimmung der polnischen Bevölkerung eingeschätzt hatte und wie gründlich er sich in seinen Hoffnungen getäuscht sah. Er war eben Soldat und kein Verwaltungsbeamter. Im alten Deutschland mußte der Offizier aber alles können. So glaubte man es wenigstens! Dieser Wahn ist dem tüchtigen General Beseler zum Verhängnis geworden.
Unter der Last der Angriffe, die sich bei der Katastrophe gegen ihn richteten, ist er schließlich zusammengebrochen. Als stiller, einsamer Mann hat er jetzt die Augen für immer geschlossen.
Trotz seiner Mißgriffe in Warschau — übrigens hat er dort auch viel Gutes geleistet — werden die militärischen Verdienste des Verstorbenen unvergessen bleiben. __
ÄUS dem besetzten Gebiet.
' • bas Schicksal ter Rheinfestungen. Die Rheinland- kommisfion hat eine Verordnung erlassen, daß die deutschen Rayonsbeschränkungen in der auf Grund des Friedensvertrages zu schleifenden Festungen des besetzten Gebietes insoweit beizubehalten sind, als diese von dem Oberkommando der Alliierten angeordnet werden. Schon jetzt ist angeordnet, daß im Festungs. gebiet Köln alle Forts auf dem Ostufer, sowie einige Forts auf dem linken Nheinufer beibehalten werden sollen.
• (Ein Redakteur vor dem belgischen Rrtegsgericht. Der verantwortliche Schriftleiter der ,Geilentirchener Zeitung-, Redakteur Burth, wurde vom belgischen Kriegsgericht wegen Vergehens gegen die Verordnungen der Rheinlandkommission, das darin erblickt wurde, daß er unter „Vermischtes" einen Artikel über die schlechte Behandlung der Deutsch en Kriegs- gefangenen in Avignon gebracht hatte, zu 5000 Mark Geldstrafe oder zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
* Beschlagnahmung eines saarländischen Eemeinbe- sorstes. Sen Vorstehern der Gemeinden Ihn und Leidingen wurde durch die Regierungskommission mitgeteilt, daß der französische Staat den Waldbesitz der beiden Gemeinden in Besitz genommen habe. Der Wald ist bereits jahrhundertelang Eigentum der beiden Orte. Avf Grund des Friedensvertrages hat nun der französische Staat tue Beschlagnahme verfügt. Die Gemeinden wollen sich nunmehr in einer Eingabe persönlich an den französischen Ministerpräsidenten wenden. Die Waldungen sind etwa 70 Hektar groß und bildeten für die Gemeinden eine ergiebige Einnahmequelle.
Soziales.
• Arbeiteraktien bei Krupp. Die Friedrich Krupp A.-G. setzt das Problem der Arbeiteraktien in die Wirklichkeit um, indem sie ihr Aktienkapital um 250 Millionen Mark erhöht und die Aktien als Vorzugsaktien ihren Werksangehörigen zu 110 v. H. zur Verfügung stellt. Die Aktionäre erhalten diesmal erstmalig seit drei Jahren eine Dividende von 6 v. H.
j. Der Entwurf eines neuen Eisenbahnarbeitsge- sehes. Das Reichsverkehrsministerium hat einen Ent- witrf für ein neues Gesetz über die Arbeitszeit des Eisenbahnarbeiterpersonals ausgearbeitet. Der Entwurf behandelt die Arbeitszeit. die tägliche Ruhezeit und die Ruhetage. Wichtig ist die Unterscheidung der Arbeitszeit in die Zeit de: Arbeitsleistung und der D i e n st b e r e i t j ch a f t. Da die Dienstbereitschaft für die einzelnen Gruppen sehr verschieden ist, wird sie durch Ausführungsbesttmmunoen geregelt, ob und in welchem Umfang sie als Arbettsleistung gerechnet wer- den kann. Die Dienstschicht, d. h. A'.'beitsleistung,
3n fieberhafte: Hast eilte sie die Treppe hinab und kam nach wenigen Augenblicken mit Hammer, Meißel und einem Leuchter zurück. Wenige Hammerschläge genügten, um die sichelförmig eingesetzten Steine aus der Mauer zu lösen und die Suchenden erkennen zu lassen, daß in derselben sich allerdings ein nach hinten sich etwas erweiternde: Hohlraum befand. Derselbe war jedoch, wie man beim Schein des einfallenden Lichtes feststellen konnte, entschieden klein und enthielt nichts als ein schmales Eisenkästchen, das, wie man sich nach dem Herausnehmen überzeugen konnte, verschlossen war und unmöglich belangreiche Schätze enthalten konnte. Ein Pergamenfftreifen hing vom Schlosse cm einem silbernen Kettchen herab und trug ebenfalls die Schnstzüge des alten Freiherrn verratende Inschrift; „Dem Aellesten bes Hauses."
Etwas enttäuscht sahen sich die drei einander an und Friedwald meinte: „Einen großen Schatz kann die kleine Truhe nicht enthalten, es müßten denn gerade Diamanten ober andere kostbare Edelsteine sein. Dagegen spricht aber dies Poltern!" Der Sp:echsr bewegte die Truhe hin und her. „Hören Sie? Klingt bas nicht, als wären mehrere Steine darin eingeschlossen? Nun, bas wirb sich ja bald Herausstellen — jedenfalls müssen tw: bie auf bem Pergament befindliche Weisung ehren und müssen bas Kästchen uneröffnet dem Nettesten des Hauses, somit Ihrem Herrn Vater, zustellen, Fräulein Hohenfels!"
Die freubige Erregung, bie sich vorher bei Emilie Hohenfels gezeigt hatte, war einer tiefen Niedergeschlagenheit gewichen. Offenbar hatte sie von der Auf. findung des geheimen Verstecks mehr erwartet. Nur dieses unscheinbare Kästchen mar zum Bonschein gekommen — nichts weiteres enthielt die Mauerhöhlung, so oft sie auch mit der Kerze hineinleuchtete. Vielleicht waren einige Rollen Goldgulden in dem kleinen Dmg, ein Wert, der wohl vor 400 Jahren als recht betnöcht- iich angesehen werden konnte — aber heute? Was bedeutete es, wenn sich wirklich ein Geldwert von einigen tausend Mark entpuppte — damit waren die mißlichen Verhältnisse, in weichen sich de: Vater befand, nicht behoben. Nicht war es ihre Begierde und ihr