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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 294.

Verantwortlich tür den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für bte Anzeigen: 3- Parzeller-Fuida. z Rotationsdruck u. Verlag der Kuldaer Actiendruckerei in Fulda. ^entipreAer Nr. 9. Teleqr.-Adresie: Fuldaer Zeitung.

Donnerstag, 22. Der. 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.00 2RL zugestellt frei ins Haus- - Abgeholt in der Geschäftssttlie 4,60 IRL > Anzeigen: Kieinzeile nach C o i on e lmaß 1 Mark; Reklamezeile (Tepdreitet nach Colone'rnaß 3 Mark.

48. Zahrg.

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Stetigkeit macht stark.

Auf der Gegenseite sind es dieselben zwei Staatsmänner, die jetzt in London mit einander du« handeln, wir sie schon bei früheren Konferenzen in London oder sonstwo mit einander beraten und be­schlossen haben: Lloyd George und Briand.

Jetzt steht ernstlich eine ganz neue Politik mit Der« önderlem Ziel und »erärttorter Methode auf der Ta­gesordnung; aber an diesen maßgebenden Stellen ar­beiten doch dieselben Leute weiter. Vielleicht gibt es einen Systemwechsel, doch keinen Personenwechsel.

Frankreich war sonst berühmt wegen du Häufigkeit seiner Ministerkrisen, und wir haben uns früher oft darüber gewunden, daß die französische Politik so viel Erfolg im Innern und nach außen erzielen konnte, ob­schon die Minister kaum warm wurden auf ihren Amtssesseln. Aus den französischen Vorbildern hat mancher oberflächliche Beurteilu die Ansicht geschöpft, der häufige Mnisterwechsel gehÄe zum Wesen der Demokratie" und in einer richtigen Republik müsse das Kabinett einem Taubenschlag gleichen. Neuer­dings abu zeigt uns Frankreich, daß es trotz allem Parteitreiben doch zur Stetigkeit in der Obulei- tung gelangen kann, und daß diese Sparsamkeit fcn Verbrauch du Kräfte ihre Borte»!« hat. Es läßt sich nicht verkennen, daß biie Dauerstellung, die sich Briand errungen hatte, wesenüich dazu mitwirkte, wenn Frank­reich bei den bishuigen Konferenzen die erste Geige spielen und seine Sonderinteresses sogar gegenüber der englischen Wellmacht durchzusetzen vermochte. Lloyd George mußte wiederholt umfaüen, weil Briand fest bleiben konnte.

_ 3n England war es von, altersher um die Be­ständigkeit des Ministeriums bester bestellt, weil dort «wei festgeschlossene Parteien (ober Koalitionen) in der Regierung abwechselten. Unter den gegenwärtigen außerordentlichen ZeitverhältniUen und bei du fort­schreitenden Zersetzung des torfigen Parteiwesens ist es aber doch auffallend, daß Lloyd George feine stramme Herrschaft so lange behaupten konnte und noch zu be­haupten vermag. Untu den mrgewöhnlichen Schwie­rigkeiten der engt Politik hat er freilich sehr lavieren müffen, und gerade daraus erklärt sich manches in sei­nem Verhalten, was wir als einen traurigen Umfall betrachten mußten. Durch die Regelung der brennen­den irischen Frage und durch dir Ablösung des störenden Bündnisses mit Japan ist jetzt eine bedeutende Erleichterung für dell englischen Staatslenker eingetreten, und damit könnte das britische Weltreich wohl in die Lage kommen, aus der Stetigkeit sums Ministeriums die entsprechenton Vorteile zu ziehen. Allem Anschein nach ist England, nunmehr in du Lage, bei den Verhandlungen mit Frankreich als glfichmäch- Mger Partner au Untaten imf> feinen Willen ohne Umfall zur Geltung zu bringen wenn Lloyd George überhaupt noch den alten Mut und die ftühere Zähig­keit aufbringt. *

Mit diesen beiden Gegenspielern von großer Fähig- kett und reichen Erfahrungen muß setzt das D e u t s ch e Reich im hochnotpeinlichen Ringkampf seine Kräfte messen. Haben wir auch tüchtige Männer? Und gön­nen wir ton vorhandenen Krüfien jene Sicherheit und Stetigkeit, die zur erfolgreichen Geschäftsfiihrung not­wendig sind?

Das Reichskabinett W i rth besteht seit den tritt« scheu Tagen des Mai, und diese Spanne von einem guten halben Jahr kommt rüden Deutschen schon recht lange vor. Dr. Wirch persönlich hat sich ein sehr gro­ßes Maß von Respekt und Vertrauen im Auslände errungen; aber das hält manche Bolksgenvffen nicht ab,

Die Iagd nach dem Glücke.

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Damit hatte sie durch das Gitter die Rechte Heb- wts ergriffen, zog das Mädchen näher an sich huan und flüfterte ihm zu:Lasten Sie uns Freundinnen werben, liebe Hedwig um Ihres Bruders willen!" Erstaunt vernahm Hedwig die Worte, die ihr in einem so warmen flehenden Tone entgegenklangen, wie sjx solchen niemals von der stolzen Tochtu des Nachbarhauses erwartet hätte. Um ihres Bruders um Karls willen hatte sie gesagt? Die Ueberraschung des Augenblicks verhinderte Hedwig näher übu den Sinn der Worte nachzudenken, nur lösten dieselben un. willkürlich ein überaus sympathisches Gefühl für die schöne Nachbarin aus und die Hand Emiliens herzlich brückend erwiderte sie:Wenn es in meinen schwachen Kräften steht, Ihnen in irgend etwas beizustehen, Fräulein Hohenfels dann verfügen Sie über mich!"

Ich wußte es, daß ich nicht vergeblich bei Ihnen bitte! Ihr liebes Gesicht hat mir diese Gewißheit auch ohne Ihre Versicherung gegeben", sagte Emilie nur Wärme und fuhr dann zu Friedwald gewendet fort: Ein Zufall hat mich gunt Zeugen der Unterredung gemacht, die Sie vorhin hier an derselben Stelle mit Herrn Hochfeld gehabt haben. Sännen Sie sich in die Lage meines armen Vaters hineindenken, Herr Fried­wald? Sie kennen ihn und wissen, daß ihm die un­befleckte Ehre feines Namens als das Höchste gilt; Sie können es daher ermessen, wie furchtbar es ihn ge­troffen hat. als er erfahren mußte, daß mein Bruder in feinem Leichtsinn Schande über Schande auf diesen Namen gehäuft hat. Können Sie es ihm verargen, wenn er, selbst schuldlos und von aller Welt hochge^ achtet, die De.-fehlung des Sohnes vuschwieg, seinen ehrlichen Namen nicht selbst an den Pranger' stellte? Was dieses Verschweigen ihn kostet, wie sehr fein Rechtlichkeitsgefühl gegen die Furcht vor bet offen!« Achen Schmach im Kampfe liegt ich sehe es täglich an seinem verstörten Wesen unb letzt steht ihm bevor, baß »; für bie Schuld bes Sohnes zur Rechenschaft gezogen wirb. Er überlebt es nicht Helsen Sie, Herr Friedwalb.-raten Sie!".

auf einen anderen Reichskanzler zu spekulieren und zu intrigieren. Sehr bezeichnend für die absonderlichen Gewohnheiten im Lande der Dichter und Denker ist bk Tatsache, daß Dr. Rathenau als unentbehrlicher Ratgeber für die von ihm eingeleitet« Politik nach Lon­don geht, aber nicht mehr als Minister, sondern als Privadgehilfe der Regierung, well feine Partei (die to- n-ckratische) durch einen Mehrheitsbeschluß ihm das Verbleiben im Kabinett vuboten hatte. Dieser Partei- Ufas war ein Frevel, und daß Rachenau sich ihm fügte, war eine Schwachhest.

Das richtig.' wäre mm, daß die demokratische Fraktion so schnell als möglich sich selber korrigiute unb ihren Genossen Rathenau sowie alle chre sonstigen Kräfte du Reichsregierung zur Beifügung stellte. Und das richtige wäre wciterhin, daß die Deutsche Volkspartei fetzt rückhaltlos in die Koalition ein­träte, um das Kabinett in feinem Ringen mit den gegnerischen Mächten zu stärken. Endlich wäre es dringend zu wünschen, daß die Rechtsradikalen ihre Agitation gegen Dr. Wirth wenigstens so lange ein« stellten, bis die Entschidung über den neuen Kurs der Siegermächte gefallen ist.

Kurz gefügt: alle braven Deutschen ohne Unterschied der Parteien oder Klasten müßten jetzt opferwillig dafür arbeiten, daß wir unserer Regierung dstfelbe Stetigkeit und Tatkraft verschaffen, die bei den Regie­rungen auf der Gegenseite zu finden ist.

Partfipolitik können wir ja nachher noch genug­sam betreiben. Jetzt darf es nur eine einheitliche, ziel- bewußte Nationalpolitik geben, bis die Zu­kunft Deutschlands wieder gesichert ist.

Vie Londoner Besprechungen.

Nachrichten übu den Inhalt der Besprechungen zwischen Briand und Lloyd George liegen auch heute wieder in großer Zahl vor. Sie tragen aber alle den Stempel du Kombination an der Stirn.

Amtlich wird von London aus gemeldet: Der fran­zösische Ministerpräsident Briand hatte am Mittwoch mit Lord Curzon eine Unterredung, die sich auf ton Zeitpunkt einer Zusammenkunft im Januar, in der die Lage im nahen Osten verhandelt werden soll, bezog. Nachmittags sand eine eineirchalbstündige UnterredungzwifchenBriandundLloyd George statt. Auch die Sachverständigen sind nie­der zusammengetreten. Abends fand eine nochmalige Besprechung der beiden Ministerpräsidenten statt.

Die Besprechung der Sachverständigen hatte einen Meinungsaustausch über die finanziellen Fra- gen zum Gegenstand. Man glaubt, daß im Lause tos Tages eine Lösung dieser Fragen gefunden wird.

Briand erklärte Pressevertretern gegenüber, die Frage von Angora werd.» im Januar auf einer Konferenz der alliierten Außenmini- st e t erörtert werden. Weiter erklärte er, daß die U« Doote für die Sicherheit Frankreichs unentbehrlich feien.

Nach demSntranficnant" rft es nicht gelun­gen, die Frage du wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas bei ton Londoner Besprechungen zu klären. Man raube sich jetzt darüber verständigen, welche fi­nanziellen Maßnahmen beschlossen roerton wüßten, damit Deutschland 1922 die Zahlungen leiste, die not- wenig seien, um ton Bedürfnissen Belgiens und Frank­reichs zu genügen. Du demnächst stattfintonde Oberste Rat werde jetzt versuchen, diese Frage und ebenso die Wechselkursftage zu regeln. Auch die Frage einer internationalenAnleihe solle behandelt werden. Möglicherweise wude zwisck^n England und

Mit maßlosem Erstaunen hatte Friedwakd ton ängst­lich flehenden Worten der jungen Dame gelauscht. Daß sein früherer Ches von der Verfehlung des Sohnes mußte, das hätte er sich nicht träumen lassem Durch welchen Umstand Herrn Hohensfis dieses Wisien ge­kommen war, das interessierte Wilhelm Friedwalb vorläufig nicht für ihn kam nur bie Tatsache in Betracht. Herr Hohenfels wußte, daß Max gestohlen hatte dann mußte »: auch darauf vorbereitet sein daß eines Tages die Wahrheit an das Licht komme unb war mit dem Gedanken vertraut, welche Folgen dies Enthüllen der Wahrheit für ihn selbst haben mußte. Da war wohl kaum zu befürchten, wie seine Tochter dies offenbar tat, daß der ehrenhafte, pflichtbewußte Mann sich zu eine.- Verzweiflungstat treiben ließe, wenn der alte Hochfeld morgen, wie dieser sich ausge­drückt hatte, gut Deutsch mit ihm redete.

Blitzschnell zog diese Gedankenfolge durch Friedwalds Sinn und derselben Worte gebend, tröstete er:Aber Fräulein Hohenfels, beruhigen Sie sich doch! Wenn Sie Zeugin tos Gesprächs zwischen mir und Hedwigs Popo vorhin gewesen sind, bann haben Sie boch mich gehört, baß Herr Hochfeld mit Ihrem Herrn Vater unterhandeln will. Demnach liegt es boch schon in der Absicht meines zukünftigen Schwiegerpapas, wenn möglich einen gütigen Vergleich herbeizuführen. Wäre dies nicht der Fall, bann würbe er boch ohne weiteres mit feinen burch nichts zu miberlegenben Beweisen vor bie Oeffentlichkeit treten. Lassen Sie es meine unb Hebwigs Sorge sein, den Papa zu bestimmen, Ihrem Herrn Vater nicht feinblich zu begegnen bann, Fräulein Emilie, trägt diese Zusammenkunft vielleichk Früchte, die meinen Freund Karl zum Glücklichsten der Menschen machen."

O, wenn das wahr wäre, Herr F.nedwald menn ein Weg zu einem Ausgleich gefunden würbe! Wenn nach vielen hundert Jahren bie Nachkommen ber feinb­lichen Brüber wenn Herr Friedwalb" dos junge Mädchen -unterbrach sich und deutete mit schwärme­rischer Gebärde nach den Hinterfenstern bes väterlichen Hauses, bie im Reflexe bes Monblichtes glitzerten, sehen Sie ben Mondschein? Die Sichel tos Mondes steht heute abend genau ebenso, wie damals, als ich i

Deutschland ein dem Wiesbadener Abkommen ähn­liches Abkommen geschlossen werden.

Die Blättu melden weiter, daß Lloyd George auf seinen Weihnachtsurlaub verzichten werde.. Die Erörterungen mit Briand sollen am Don­nerstag und Freitag weitmgesiihrt werden. Briand werde wahrscheinlich am Samstag nach Paris zu­rückkehren.

Der Oberste Rat soll in Cannes tagen.

Der Londoner Sonderberichterstatter der Ha- vasagentur meldet, daß Briand und Lloyd George in ihrer Unterredung, die am Mittwoch abend in du Dswning Street stattfand, beschlossen hätten, ton Ober­sten Rat zu einer Tagung einzuberufen, die während tot ersten Januarwoche 1 922 in Cannes abgehalten werden soll. Die Konferenz der Außenminister von Frankreich, England und Italien würde einige Zeit nachhu, wahrscheinlich in Paris, ftattfinton. Bezüglich tos britischen Planes eines internationalen wirtschaftlichen Kongresses sei nichts festg'setzt worden. Dieft Frage solle auf die Tagesordnung tos Obersten Rates gesetzt werden, tor darüber, wie auch über alle, die verschiedenen Probleme entscheiden werde, die in London gestreift worden seien.

Wiedereintritt Rathenaus ins Kabinett?

Wie dieDeutsche Allgem. Ztg." mitteilt, ist in Berliner unterrichteten Kreisen das Gerücht verbreitet, daß der Posten ve» Ministers des Aeußern, der bei der Neubildung der Regierung unbesetzt ge­blieben ist, demnächst durch den früheren Wieder­aufbauminister Dr. Walter Rathenau besetzt werden soll.

Vas Urteil im UappisteN'prozetz.

Fünf Jahre Festung für v. Jagow.

Im Leipziger Hochverratsprozeß gegen von Ja- gow, o. Wangenheim und Dr. Schiele wurde am Mittwoch das Urteil verkündet. Der Urteilsspruch lautet gegen v. Jagow auf fünf Jahre Festungshaft, für v. Wangenheim und Dr. Schiele auf Einstellung des Verfah­re n s auf Grund des Amnestiegesetzes vom August 1920. Die Kosten des Verfahrens gegen Schiele und v. Wangenheim hat das Reich, die des Verfah­rens gegen v. Jagow der Angeklagte zu tragen. Die gegen Dr. Schiele und v. Wangenheim erlasse- nen Haftbefehle werden aufgehoben.

Die Urteilsbegründung gibt zunächst eine Dar­stellung des Pirisches von feiner Vorgeschichte bis zu seinem Zusammenbruch, wobei angenommen wird, daß die ur­sprünglich fest 1919 datierenden Bestrebungen auf eine im Anschluß an bolschewistische Angriffe vorzunehmento Ak­tion eingestellt waren. Durch bte Ereignisse an dem Tag unmittelbar vor tom Putsch, so führt bie Anklageschrift werter aus, sei die Bewegung unvermittelt in ein anderes Fahrwasser geraten unb zum hochverräterischen Unternehmen mit tom Zwecke tor Verfassungsände­rung geworden. Der staatsrechtliche Irrtum, baß es sich um ton Schutz tor Verfassung gehandelt habe, könne Nicht in Frage kommen, ebensowenig tos Recht ber Notwehr. Es wirb ferner angenommen, daß die Angeklagten gewußt haben müssen, rote fchwach es um Kapps Macht bestellt war, und daß das Unternehmen Hochverrat torftetlte. Das weitere Argument ber Verteidiger, bie Hochverratsparagraphen des Reichsstrafgesetzbuches schütz­ten nicht die Weimarer Verfassung, sei hinfällig, da diese Paragraphen nicht aufgehoben worben seien. Die Frage, ob Kapp nur eine vorübergehende Diktatur mit tom späteren Ziel der Ueberletiung in verfass tmgsmäßige Zu­stände im Auge gehabt habe, sei gleichgültig, to schon eine vorübergehende Verfassungsänderung genüge, um die Dor- aussetzmrgen tor Hochverratsparagraphen zu erfüllen. Eine Urheberschaft tor drei Angeklagten habe nicht fest- gestellt werden können, v. Jagow müsse im Sinne des Ämnestiegesetzcs als Führer gelten. Er habe sofort

bie mertroürbige Entdeckung machte. In einer Stunde beleuchtet sie roieber das Turmgemach unb mv; ist es bie ganze Zeit her gewesen, als ob mir eine innere Stimme zuflüstere:Willst Du bas Rätsel lösen, bann füge bie beiben Silber zusammen bas Bild, welches ich droben im Burgzimmer gefunden unb bas andere, bas im Nachbarhause ist!" Mit schwärmtoischsr Be­geisterung hatte Emilie gesprochen und die in Hoffnung erstrahlenden Blicke nach dem von der milden Lichtflut bes Monbes übergossenen Firmament gerichtet.Es muß so fein", fuhr sie bann, wie mit sich selbst rebenb, fort.3mme; roieber hab' ich die Niederfchrift tos allen Freiherrn von Hochfels in ber Hausbibel durch­gelesen, habe mein Gehirn darüber zermartert, warum nur; durch eine Versöhnung und ein inniges Zusammen­leben ber beiben Brüder bas Glück erreicht unb ber geheimnisvolle Schatz gehoben werben konnte und immer roieber kehrten meine Gedanken zu den beiden (Bemaiben zurück, bie in ibrftr VereinigungDie Jagd nach bem Glück"'darstellen."

Das alle Bildchen, unter demnach bem Glücke" steht?" fiel hier Hedwig ein, die in atemloser Span­nung ben Worten der Nachbarstochter gelauscht hatte. Und drüben ist das Gegenstück des Blldes, durch das das unsere ergänzt wird? Dann ist ja nichts einfacher, als daß wir die bei ton Bilder zusammenfügen! Unser Bild habe ich in ein paar Minuten unbemerkt aus dem Schrank geholt Papa ist heute abend feit langer Zett wieder einmal ausgegangen unb Mütterchen wirt­schaftet in ber Küche."

Eilen Sie, bitte Fräulein, eilen Sie?" drängte Emilie Hohenfels,uhb Sie, Herr Friedwalb, kommen Sie mit Ihrem Fräulein Braut an bas nach ber Rö­mergasse gehende Gartenpförtchen ich lasse Sie ein unb wir steigen unverzüglich zur Burgruine hinauf."

Wilhelm Friebwalb versuchte Einwendungen zu machen, wurde aber sofort von beiden Damen mit Bit­ten und Beschwörungen bestürmt, sodaß er schließlich einwilligen mußte und einige Minuten später fliegen die drei mit bem von Hebroig geholten Bilde die von dem Hohensels'schen Garten nach ber Bürg führende {teile Treppe empor.

(Fortsetzung folgt.)

nach Chchacvs Einmarsch bas Ministerium tos Innern übernommen unb wichtige Amtshandlungen ausgeübt. Dr. Schiele habe bte Uebernahme bes Wirtschaftern imstsrium s, Wangenheim die tos Landwirtsd>aftsminiiterrums abge­lehnt. Beide seien nur bei ben fogenannten Kabinetts­sitzungen zugegen gewesen, ohne unmittelbar tos Unter­nehmen m führender Stellung gefördert zu toben. Mil­dernd fielen für v. Jagow bte vaterländischer« Motive seiner Handlung in die Wage, andererseits muss« tor Umstand als erschwerend gelten, daß bte Folger bes Putsches sehr verhängnisvoll waren und noch heute fortwirken.

Dieser Begründung folgte die Verkündigung des Urteils. Darauf wurden die Verhandlungen ge­schlossen. Die Angeklagten nahmen das Urteil äuherllch ruhig auf. Auch im Zuschauerraum kam es zu keinerlei Kundgebungen.

Mr eine Reform des Wahlrechts fetzt sich in ihrer Mittwoch-Abendausgabe dieVoss. 3*g." ein. Den Anlaß für ihre nach dieser Richtung gchenden Betrachtungen bietet ihr die Nachfolger- schäft des vor einigen Tagen verstorbenen demsch- nationalen Abg. Clemens v. Delbrück in feinem Reichstagsmandat. Es wird von dem Verstorbene mit Recht gejagt, daß er zweiMos eine Persönlichkeit war, die dem Reichstage zur Zierde gereichte. Sodann wird auf feine Nachfolgerin im Mandat, Frau Hed­wig Hoffmann, hingewiesen und hervorgehoben, daß, ohne ihr zunahe zu treten, man doch sagen müsse, daß sie noch den Beweis besonderer politischer Befähi­gung zu erbringen habe.

In diesem Zusammenhang kommt der Verfasser auf die Mängel des Proportionalsystems zu sprechen. Er mißt die Schuld dafür, daß selten ein vollwertiger Ersatz vorhanden sei, dem Listenwahlsystem zu. Denn es habe sich in ihm bereits einPrüfen- tattonsrecht" aller möglichen Korpora- Honen herausgebildet. Die verschiedenen Organisa­tionen stellten ihre Forderungen und wüßten sich auch bei den Parteien durchzusetzen. Deshalb fände man oft solche im Reichstage, die nicht so sehr nach ihrer besonderen Eignung für die hohen politischen Ausga­ben und für die Gesamtverantwort-ung, die der Reichs­tag zu tragen habe, ausgewühlt seien, sondern nach dem Eifer, den sie für Sonderinteressen entwickelten oder zu entwickeln ver- sprächen. Der Aufsatz schließt:Wer das politi- tische Parlament auf die Höhe seiner Aufgaben heben will, muß sich darüber klar sein, daß das jetzige me­chanische Wahloerfahren einer Reform bedarf, die umso wirksanter fein wird, je mehr tom an sich berechtigten! Bedürfnis nach einer berufsständischen Vertretung durch die Ausgcstalturrg der Wirtfchastsräte im Reich und in den Ländern Rechnung getragen wird."

Wenn in diesen Auslassungen auch nur die Schat­tenseiten des herrschenden Wahlsystems gekennzeichnet werden, so ist jedenfalls zuzugeben, daß in ihnen sehr viel Wahrhaft liegt. Auch von anderer Seite ist auf diese Mängel schon verwiesen worden; wir erinnern nur cm die gewiß zutreffenden Ausführungen des Gcne- ralfekretärs der preußischen Zentrumspartei, Dr. Alois Klöcker, die er in feinem jüngst erschienenen Buche Der preußische Landtag" über diese Materie gemacht hat, Ausführungen, die nicht nur kritisch nach der ne« gatiren Seite hin gehalten sind, sondern auch den durchaus beachtenswerten Versuch machen, positive Vorschläge zur Verbesserung des jetzt herrschenden Wahl­systems zu geben und weite Kreise für diesen Gedanken zu interessieren.

Die Unabhängigen in Leipzig.

In den ersten Tagen des Januar findet in Leip­zig der Reichsparteitag der U. S. P. D. statt. In einer Anzahl von Anträgen haben die Parteiorganisationen des Landes an die Partei­leitung ihre Wünsche zum Ausdruck gebracht. Diese Anträge charakterisieren die Stimmung, die in der unabhängigen Partei bezüglich ihrer prak­tisch-politischen Arbeit sowie über ihre grundsätzliche Einstellung herrscht.

Eine Anzahl von Anträgen beschäftigt sich mit der Stellungnahme zu einer Koalition mit nicht sozialdemokratischen Parteien. Ebenso wichttg sind die Forderungen, die dem Gedanken der proletari­schen Einheitsfront gelten. Von vielen Ortsgrup­pen wird eine Regierungskoalition mit bürgerlichen Parteien restlos abgelehnt. Nach der positiven Seite hin, also nach der Seite irgend einer Regierungs­bildung, werden verschiedene Forderungen erhoben. In einigen Anträgen wird die Bildung einer rein sozialistischen Regierung gefordert, oder aber offen­gelassen. Darüber hinaus wird vielfach ein parla­mentarisches und außerparlamentarisches Zusam­mengehen mit den andern sozialistischen Parteien, mit dem Gewerkschaftsbund und der Äfa verlangt; dabei wird zur Voraussetzung gemacht, daß die grundsätzliche Politik der Partei gewahrt bleiben muß.

In allen Anträgen aber kehrt immer wieder der eine Gedanke wieder, daß der Klassenkampf unbedingte Notwendigkeit sei, daß das Ziel der unabhängigen Politik die Diktatur des Pro­let a r i a t s sein müsse. Auch die p r o l e t a r i s che Einheitsfront kommt zur Sprache. So warnt beispielsweise der Vezirksverband Berlin-Branden­burg vor einer vorschnellen Einigung; bei ihr wür­den innere Gegensätze über Grundsätze und Taktik bestehen bleiben. Eine solche Partei würde aber aktionsunfähig sein.

Zwei Forderungen werden als Voraussetzung für die Möglichkeit der Bildung einer Einheitsfront aufgestellt: es müsse in erster Linie von feiten aller in Betracht kommenden Parteien ein klares Be­kenntnis für den Klassenkampf und gegen die Koa- litton mit bürgerlichen Schichten oorliegen. Auch von anderen Ortsgruppen wird betont, daß Ver­einigungen nur auf prinzipieller Grundlage, nicht aus takttschen Erwägungen vollzogen werden dur- fen. Auf Grund iuefec Anträge wird man anneh-