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uldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 292.

Verantwortlich iür den cedauionellen Teil: Dr. I. Kramer- - für die Anzeigen: I. Parze!ler-Fulda. " Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda. Kerntpcedjer Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.

Dienstag, 20. Dezember 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.03 Mk. zugestellt frei ins Haus- n Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 Mk. > Anzeigen: Kleinzeile nach Lolonelmaß 1 Mark; Reklamezeile (Tepbreite! nach Colone^mah 3 Mark.

48. Zahrg.

Sri* Li* Georg * Mhem.

Die Londoner Zufammenkunst.

Am Montag hat in London die erste Unter­redung zwischen Briand und Lloyd George stattge­funden und zwei Stunden gedauert. Außer den -beiden Ministerpräsidenten waren anwesend von französischer Seite Loucheur und Berthelot, von ttrglischer Seite Chamberlain und Sir Robert Horne. Die Besprechung betraf allgemeine Fragen wirtschaftlicher Natur, hauptsächlich das Problem des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Rußlands und das Reparationsproblem. Es wurden ver­schiedene Lösungen ins Auge gefaßt. Eine Ent­scheidung wurde noch nicht getroffen. Der Mei­nungsaustausch soll heute, Dienstag, vormittags 11 Uhr, fortgesetzt werden.

Die Blätter ergehen sich in Vermutungen über das, was bei der Besprechung herauskommen wird. Es heißt, daß außer der Reparationsfrage auch das Angora-Abkommen, die Washingtoner Beschlüsse und die Beziehungen zu Rußland auf der Konferenz der Premierminister erörtert werden. Es werden große Hoffnungen auf ein Einverneh­men gesetzt. Briand soll bereit sein, Zugeständnisse zu machen. Das Ziel beider Gruppen sei die Festigung der Entente.

Nach demManchester Guardian" soll ein teil­weises oder vollständiges Moratorium für Deutschland unvermeidlich sein. In der Frage des Wiesbadener Abkommens soll England bereit sein, seine bisherigen Einwände fallen zu lassen, falls Frankreich dem Einschluß Deutschlands und Rußlands zur allgemeinen europäischen Wieder­herstellung zustimmen sollte.

Rathenaus Londoner Mission.

Dr. R a t h e n a u ist gleichfalls am Sonntag wieder mit seinem Sekretär Dr. Simon in London eingetroffen und hat dort im Carlton-Hotel Woh­nung genommen, wo auch die französischen Mi­nister Briand und Lacheur mit ihrer Finanzdele­gation abgestiegen sind. Das Erscheinen Rathenaus in London hat große Ueberraschung hervorgerufen. Es heißt auch diesmal wieder, daß Rathenau in privater Angelegenheit nach England gekommen fei. Dagegen meldet der Londoner Berichterstatter derVoss. Ztg.", daß Dr. Rathenau auf Veran­lassung der britischen Regierung nach London gefahren ist. In seiner Begleitung befindet sich der Vorsitzende der deutschen Kriegslastenkom­mission Dr. Fischer.

Zrankreichs Vorschläge zur Lösung des Reparationsproblems.

Nach einer Mitteilung desTemps", der nahe Beziehungen zur französischen Regierung unter­hält, soll Briand folgende Vorschläge in London unterbreiten:

England schließt mit Deutschland ein S a ch l i e- ferungsabkommen nach Art des Wiesbade­ner Vertrages und zwar auf Sachlieferungen so­wohl für seinen eigenen Gebrauch wie auch für den Wiederaufbau Rußlands.

England streicht dafür die französische Schuld an England im Betrage von 557 Millionen Pfund in der Form, daß es dafür deutsche Reparations­bonds der Ausgabe C (deren Fälligkeitstermin überhaupt noch nicht bestimmt ist) annimmt und vernichtet. Um diesen Betrag wird also die deutsche Reparationsschuld endgültig gekürzt. England soll den Garantieoertrag für Frankreich vöm Juni

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Denn es war wie eine seltsame Ahnung über sie gekommen, daß die merkwürdige Entdeckung, die Wil­helm Friedwald in dem alten Buche gemacht hatte, in irgend einer Beziehung zu dem von ihr gefundenen kleinen Bilde mit der schwebenden Frauengestalt stehen müße. Die aufregenden Begebenheiten des letzten halben Jahres hatten sie nicht dazu kommen lassen, der Sache weiter nochzusinnen, aber unauslöschlich hatte es sich 'drein Gedächtnisse eingeprägt, daß sich, wie Wilhelm Friedwald damals erwähnt hatte, drüben im Nachbarhaus ein Oelgxmölde befand, welches das von ihr entdeckte Bild ergänzte. Zum Frieden und zur Ein­tracht mahnte der alte Freiherr Albrecht von Hochfcls feine beiden Söhne Albrecht und Konrad in der von Herrn Friedwald entdeckten Niederschrift erst wenn beide Brüder in Liebe vereint seien dann würde ihnen der Schatz zuteil! Und jeder der beiden Söhne hatte ein Bild geerbt, dessen Vorwurf unverständlich war erst wenn die G.mälde zuiammengefügt wurden, dann ergab sich das vollendete Ganze:Die Jagd nach dem Glücke". Lag hier vielleicht die 8öfung des Geheim­nisses? Hätten die beiden Brüder nach dem Willen ihres Vaters in Eintracht zusmnmengelebt, dann wäre j zweifellos die Vereinigung beider Gemälde erfolgt und sie hätten vielleicht Aufschluß über den anqedeuteten Schatz erhalten. Und wenn auch diese Folgerung ge. wagt war einen Grund dafür mußte der alte Frei­herr doch gehabt haben, das Gemälde je zur Hälfte seinen Söhnen zu vererben. Handelte cs sich um e;nsn Schatz von materiellem oder idealem Wert?

Wenn auu'i Emilie Hohenfels sich oftmals selbst töricht schalt, sich in derartige Phantasien zu verlieren und mit dem ihr eigenen kühlen Denken das Unhaltbare ihrer Schlußfolgerungen ausus'nden suchte, so konnte sie Wer die Frage, warum der Freiherr das Gemälde je Sur Hälfte cit- seine Söhne vererbt hatte, nicht hinous- k-.Mi.nen. Wäre nur -ine Möglichkeit vorhanden gewesen, au feine Seiden cererbt hatte, nicht hinaurkom-

1919, der damals wegen der Ablehnung Amerikas nicht zustande tarn, jetzt doch unterschreiben, wor­auf dann Frankreich bereit wäre, eine Truppen­verminderung am Rhein zu erwägen. Dies würde deutsche Zahlungen für das reine Reparations­konto freimachen.

Hierzu meldet derTemps" weiter, daß Eng­land zu diesem Garantievertrag, der die Entente in eine Allianz verwandeln würde, bereit zu sein scheine, wenn Frankreich seine Flotte nach dem Washingtoner Programm abrüste. England würde dann auch Frankreichs Sicherheit zur See garan­tieren.

Endlich, sagt derTemps", werden in London die allgemeinen wirtschaftlichen Probleme Europas erörtert werden. England wird für Januar eine internationale Konferertz vorschlagen, auf der auch Deutschland und Rußland vertreten sein werden.

Die Tchuldsrage.

Die Presie veröffentlicht einen Briefwechsel vom Frühjahr 1921 zwischen dem frühereu Kaiser und Hindenburg über die Schuldfrage. Einleitend weist der Kaiser darauf hin, daß er nur auf Hindenburg und der übrigen berufenen Rat­geber dringende Vorstellung sich zu dem Entschlüsse durchgerungen habe, außer Landes zu gehen, in der Ueberzeugung, daß es nur auf diesem Wege möglich sei, dem deutschen Bolke günstigere Waffenstillstands- bedingungrn zu verschaffen und um ihm einen blutigen Bürgerkrieg zu ersparen.

Die die Erhaltung des Friedens erstrebende Rich­tung der deutschen äußeren Vorkriegspolitik muffe jedem erkennbar sein, der sich der Wahrheit nicht verschließe. Seine Gestellung vor einen feindlichen oder neutralen Gerichtshof, die ebenso wie das er­zwungene deutsche Bekenntnis nur zur Verdunkelung de8 Vorgehens der Entente halte dienen sollen, habe er aus Rechts- und nationalen Gründen ablehnen müssen. Das einzige Mittel zur wirklichen Auf­klärung sei, daß eine internationale unpar­teiische Instanz nicht einzelne Persönlichkeiten nbutteik, sondern alle Vorgänge und Völkerrechts- Verletzungen bei allen Kriegführenden feststelle, ein Verfahren, das von den Gegnern abgelehnt worden sei. Deutschlands gebieterische Pflicht sei, alles für die Schuldfrage in Betracht kommende Material zu sammeln und zu veröffentlichen, um die wirklichen Kriegsurheber zu entlarven.

Drei Gutachten über die Relchsbetriebe.

Die Sozialisierungskoinmission hat gutachtlich zu der Frage der Sozialisierung der Reichsbetriebe Stellung genommen. Ein ein­heitliches Gutach^n konnte nicht erstattet werden. Eines der Gutachten ist unterzeichnet von Brauns, Kohn, Hartmann, Hilferding, Osser und anderen. Es bekämpft die EnistlMtlichLlng der Eisenbahn und macht Vorschläge für die Rwrgonisation und namentlich für die Befrei­ung der Eisenbahnen aus dem eigentlichen Haushalte, die Einführung der kaiufmänmschen Buchführung und die Leitung durch em Direktorium.

Das zweite Gutachten, das namentlich die Unterschrift der christlichen Gewerkschaften trägt, lehnt die bisherige Form der Rsichsbetriebe ab, afe neue Form wird vorgeschlagen der gemischt-wirt­schaftliche Betrieb, und es wird bann die Um- Wandlung der Reichsbahnen in eine Aktiengesellschaft verlangt, an der das Reich, die Eisenbahnergewerk- men. Wäre nur eine Möglichkeit vorhanden gewesen, das im Nachbarhause befindliche Bild zu erlangen! Bei dem Gedanken schauerte das junge Mädchen unwillkür. sich zusammen. Sie mußte sich des ernsten Mannes erinnern, der am Tage nach der Beerdigung ihres Bru­ders, als sie die Einsamkeit des Gartens gesucht, drüben in bet erhöhten Laube des Nachbargartens gestanden und ihren Gruß mit einem so erstaunten, aber entschie­den wohlwollenden Gesichtsausdruck erwidert hatte. Wie hatte der Schmerz um den seines Glaubens nach miß. ratenen Sohn den Mann verändert, seitdem sie ihn zum letztenmale gesehen hatte. Welch erschütterndes Seelen­leid sprach aus den von schneeweiß gewordenem Haupt­haar umrahmten tiefgefurchten Zügen, die denjenigen des Geliebten so ähnlich waren! Sie hätte ihm zu­rufen mögen: Dein Karl ist unschuldig von uns, die sich vornehmer dünken als Du, die von jeher hoch­mütig auf Dich und dis Deinen herabgeblickt haben, ist das Unglück über Dich heraufbeschworen worden hier im vornehmen Nachbarhause wohnte der Dieb, den sie gestern hinausgetragen haben. Schweigen mußte sie, schweigen um des Toten willen, um des Vaters wil­len, der die auf feinen Namen fallende Schmach nicht überleben würde wie er es ihr zugeschworen hatte. Und diese Last sollte sie ein ganzes Geben lang tragen ein Leben lang mit dem peinigenden Bewußtsein morgens erwachen und abends zur Ruhe gehen, daß der Frie. den im Nachbarhause verbannt bleiben müffe. damit nur kein Flecken auf den Namen Hohenfels falle, damit das Andenken an den im Grabe ruhenden Bruder rein erhalten bliebe. Lag darin nicht ein grenzenloser Egoismus auf feiten der Ihrigen, eine Gewissenlosigkeit sonder Gleichen, für das, was der Tote verschuldet, an­dere leiden zu lasten? Gab es da keinen Weg der zu einer, beide Teile befriedigenden Lösung führte, auf dem ihr auch nur ein Schimmer von Hoffnung für das Glück ihres Lebens leuchtete?

Der milde Hauch des Abendwindes trug den bah > samischen Duft der draußen in voller Blüte stehenden Rosen durch das geöffnete Fenster in das Burgzimmer, in welchem sich mit diesen Gedanken peinigend Emilie Hohenfels auch heute abend wieder fak. Er trug auch

schäften und die Eisenbahninteressenten beteiligt sein sollen.

Ein drittes Gutachten, das namenüich die Unterschrift des Herrn von Siemens trägt, und das im wesentlichen auch von Herrn von Batocki befürwortet ist, hält es nicht für möglich, daß bei einer so beschleu­nigten Untersuchung man sich ein wahres Bild über das jetzige Defizit und über die Möglichkeit zu feiner Be­seitigung machen könne. Es schlägt daher eine Kom­mission von sechs Herren vor, von denen zwei Nicht mchr im Staatsdienste befindliche Eisenbahnsach­leut,- sein sollen, zwei aus der Privatwirtschaft und zwei aus der Beamten- und Arbeiterschaft genommen werden sollen. Diese Kommission soll sich einmal einige Monate lang mit der Materie beschäftigen und alle Vollmachten haben, um Auskünfte einzuhoüm und Per- sonal zu vernehmen ufw. Nach diesem Gutachten hätte nut eine auf diese Weste eingehend vorgmommene Un­tersuchung wirklichen Wert.

6»omorWge der MriMerMinig.

Im Reichstagsausschutz für die Beratung der Post, gebühren hat Staatssekretär Teucke Mitteilungen über geplante Reformen in der Postverwaltung gemacht, die Ersparniste ijn Betrieb ermöglichen sollen. Es handelt sich dabei zunächst um folgende Maßnahmen, die schon in Kraft getreten oder in Entwürfen fertig ausgearbeitet sind:

1. Erweiterung der Befugnisse der Oberpostdirektionen und der Verkehrsämter, Einschränkung der Berufungen gegen die Entscheidungen der zuständigen Stellen, für den Betriebsdienst bereits mit Wirkung vom 1. Februar 1922 verfügt;

2. Ersetzung von Menschenkraft durch Ma- schinenkrast in allen Verkehrszweigen;

Z. Vereinfachung und Vereinheitlichung der Betriebsformen (ausgedehnte Herstellung von Vor­drucken ufro);

4. Ersetzung höherbezahlter Kräfte durch Beamte mit einfacher Vorbildung und geringerer Be­zahlung;

5. Wiederholte P üfung des Beamtenbedarfs unter Erhöhung der Arbeitsleistung im Einzelnen (bet 48-stündiger Wochenleistung). 1921 sind über 10000 Hilfskräfte entlasten worden. Die im Gange befindlichen Mahnahmen werden zur Entlastung von wenigstens weiteren 10000 Hilfskräften führen.

Weiter beabsichtigt die Postverwaltung in kürzester Zeit folgende Maßnahmen durchzuführen:

1. Verringerung der Vertretungskosten in Krankheits- und Urtaubsfällen, Einschreilungen gegen unbegründete Krankmeldungen, möglichst weitgehende Uebertraaung von Dtenstgcschäften beurlaubter und er­krankter Beamten;

2. Aufhebung von Betriebseinrichtungen, für die kein dringendes Bedürfnis nachgewiesen werden kann;

3. Abgabe von Beamten an andere Verwal­tungen, insbesondere an die Finanzverwaltung.

Mit Hilfe dieser Maßnahmen, die ftch im Laufe des Rechnungsjahre 1922 auswirken werden, soll es möglich sein, im PosthauShalt für 1922 die Ausgaben um 400 bis 500 Millionen herabzusetzen.

Die Portoerhöhung ab 1. Januar.

Der Reichsrat stimmte dem Reichstagsbeschluß über das Gesetz betreffend die Aenderung der Post- und Telegraphengebühren und die Aenderung des Postscheckgesetzes zu. Für die Fern sprechgebühren, die im Verordnungswege mit Zustimmung des Reichrats und eines aus 21 Mitgliedern bestehenden Aus chnffes des Reichtages festgesetzt werden, ist eine Erhöhung um 80 Prozent vom 1 Ian. 1922 ab bestimmt worden. Der Reichsrat stimmte dieser Erhöhung zu. Eins weitere Verordnung über die Fernsprechgebühren, wobei es sich um eine Erhöhung der gesamten Nebengebühren zu den Fern- sprechgebühren um 80 Prozent handelt, fand Zustimmung. Die Fernlprechteilnehmer sind be­rechtigt, Einrichlungen, deren Gebühren durch diese Verordnung erhöht werden, bis zum 30. Dezember 1921 zu kündigen.

halbverwehte Laute von Menschenstimmen aus dem unmittelbar unterhalb der Umfassungsmauer gelegenen Nachbargarten herauf, unwillkürlich lauschte Emilie und etwas wie Hoffnung durchzuckte sie, als sie mehrmals die Stimme Wilhelm Friedwalds herauszuhören glaubte. Wie kam Wilhelm Friedwald in den ®arten des Nachbars? Emilie meinte doch gehört zu haben, daß er mit der reizenden Hedwig Hochfeld verlobt ge­wesen und daß die Verlobung gelöst worden war! Soll­ten die früheren Bande wieder angeknüpft worden fein? Dann wäre es ja vielleicht möglich, mit Hilfe Fried­walds das Geheimnis der beiden Gemälde zu er­gründen?

Ohne sich einer klaren Absicht bewußt zu sein, hatte Emilie dos Burgzimmer verlosten, war die steile Treppe in den unteren Garten hinabgestiegen und näherte sich jetzt der Stelle, von welcher aus sie vorhin die Stim­men vernommen hatte. Es war, wie sie richtig ver. mutet hatte, die unmittelbar an ben elterlichen Garten grenzende Laube, in welcher dem Anscheine nach eine ziemlich erregte Unterhaltung geführt wurde. Zwischen der tiefen Männerstimme, die wohl Karls Vater an­gehörte und die sich offenbar in grollenden, unwilligen Worten erging, klang Wilhelm Friedwaldz sonores Organ in einem Tonfalle, als wolle der Sprecher den anderen beschwichtigen. Was die beiden wohl verhan- beiten? Es widerstrebte der jungen Dame, die Lau­scherin zu spielen und geräuschlos wollte sie sich wieder entfernen da schlug plötzlich der Nome Hohenfels an ihr Ohr und die hohe, sich eben erhebende und ihr den Rücken zeigende Gestalt de? NachbarsHochfeld ward hinter dem Gitter sichtbar. Wenn dieser durch dos Ge­räusch ihrer Schritte veranlaßt, sich herumdrehte, mußte er sie sehen und. dachte dann vielleicht, daß sie absichtlich herbeigeschlichen sei, um bas Gespräch zu belauschen. Das durfte nicht sein sie wußte selbst nicht warum sie dem Vater Karl Hochfelds unter keinen Umständen in einem falschen Lichte erscheinen wollte. So blieb sie denn wie gebannt unter einem, ihre Gestalt noch : oben vollständig verdeckenden Jasminstrauche stehen I und wartete, bis der Nachbar sich wieder niederiassen I würde, «m «ibatia schleunigst b« Weite zu suche

Verhandlungen mit den Beamten,

.Die gestrigen Besprechungen zwischen der Reichs- regterung und den Spitzenorgantsationen der Beam­ten und öffentlichen Angeslellten und Arbeiter haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Regierung bereit ist, den Beamten der Ortsklaffen A und B noch vor Weihnachten einen Vorschuß auf den Januar- gehalt zu zahlen.

Von Regierungsseite wurde an die Spitzenorgani- sationen das Verlangen gestellt, ihre eingereichten neuen Gehaltsforderungen mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage zurückzuziehen. In einer anschließenden Beratung der Gewerkschaftsvertreter wurde die Ansicht vertreten, daß trotz der von der Regierung angeführten Gründe, an einer Erhöhung der Gehälter und Löhne festgehallen werden solle.

Eine gemeinsame Sitzung der Spitzenorgani­sationen soll heute abend endgültig Stellung zu der Gehaltsfrage nehmen. Der Beschluß soll am Mitt­woch dem Reichsfinanzministerium mitgeteilt werden

(Eine sozialistische Staatengemeinschaft?

Bekanntlich haben die Dreiländer Sachsen, Thüringen und Braunschweig eine aus der drei sozialistischen Parteien bestehende Parlamentsmehr­heit und eine rein sozialistische Regierung. Diese Tat­sache hat mit besonderer Phantasie begabten Leun bei der Unabhängigen Sozialdemokratie den Gedanken der Bildung einer sozialistischen Staatengemeinschaft eingegeben. Dieser Plan, dem, ganz abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken, cmch Bedenken sach- kicher Art entgegmstehen, läuft im besondere darauf hinaus, in den genannten drei Staaten die Rechts­pflege und die Kultur fragen einheitlich zu regeln.

In einer Zuschrift an dieFreiheit" wird dieser Gedanke wie folgt zum Ausdruck gebracht:Die Ent­wicklung einer sozialistischen Staatengemeinschaft aus der vorgenannten sozialistischen Arbeitsgemeinschast müßte eine Selbstverständlichkeit sein und wäre doch nur ein Gegeirfaklor gegen iüe doch auch ohne Parla- mentsbeschluß bestehende reaktionäre Staatengemein­schaft bayerischer Observanz, die nicht einmal an den Grenzen Deutschlands halt macht, deren Liebessehnen bis Ungarn reicht und von dort inbrünstig erwidnl wird. Diesem reaktionären Wall wäre mit der Zu- sammenfaffung aller sozialistischen ßaniresparlamen- tarier und Regierung ein proletarisch-sozialistischer Wall entgegengesetzt, deflen Wirkungen auch über die deutschen Grenzen hrnausgehen, im besonderen aber in Deutsch­land die proletarische Kampfposikionen ungeahnt stär­ken könnten."

Son, allen anderen Bedenken, die in großer Zahl einem solchen Plane entgrgenftehen mußten, möchten wir nur auf das eine Hinweisen, daß ein Staatengebilde doch nicht gut möglich ist auf der Grund- läge gewister Parteien, sondern daß Staaten und Län- der doch eine Volksgemeinschaft, nicht aber eme Partei- gcmemschast sind und fein können. Auch glauben mir reicht, daß solche Ideen dazu beitragen können, die so dringend notwendige Einheft des Reiches zu wahren. Wir können uns daher auch nicht denken, daß derartige Pläne in ernsthaften sozialdemokratischen Kreisen wirk­lich erwogen werden.

Ein Dementi.

Zu der Meldung der unabhängigenDresdener Dokksztg." über einen geplanten mitteldeutschen Staatenbund unter sozialistischer Füh- r u n g wird von Sellen der sächsischen Regierung er­klärt, daß die Beratungen der Minister in Leipzig vor allen Dingen einer Prüfung der Fragen gebient Haden, du zurzeit in allen Ländern mit sozialistischer Regie­rung schweben. Man will die Erfahrungen, die man in dm drei Ländern gemacht hat, sammeln und aus­tauschen, die Errichtung eines eigenen Staatenbundcs sei ,edoch nicht geplant.

Lang genug habe ich mich von Ihnen hinhalleri lasten, lieber Wilhelm," sagte eben Nachbar Hochfeld drüben, aber setzt ist meine Geduld am Rand. Meinen Sie, es wäre mir einerlei, wenn meinem Karl etwas Unrechtes nachgesagt wirb? etwas Unrechtes sag' ich!" Der Sprecher lachte bart auf,wenn alle Welt meinen Sohn für einen Schuft, einen Dieb hält? Lang genug hab' ich gewartet, weil Sie mir immer vorpre­digten, ich möchte wegen des Trauerfalles Rückficht auf die Leute da drüben nehmen meinen Sie vielleicht die würden Rücksicht auf mich nehmen, wenn sie *' meinen Schuhen ftänden? Jetzt bin ich das Hinaus, leiern satt bis zum Hals morgen gehe ich hinüber und spreche mit dem vornehmen Herrn Nachbar ein Wörtchen auf gut Deutsch!"

Aber lieber Papa," fiel hier Friedwalds Stimme ein.bedenken Sie doch, daß Karl selbst Sie dringend in seinem Briefe gebeten hat vorläufig in der Sache gar nichts zu tun; daß er mich beauftragt hat, Si unter allen Umständen von jedem Schritt gegen Herr' Hohenfels abzuhalten. Er hat feine Gründe"

Zum Kuckuck noch einmal welche Gründe denn?" unterbrach ihn der andere grollendWas kann ' denn für Gründe haben? Warum will tr die vornehm Sippschaft schonen, wo es sich um seine Ehre und um feinen guten Nomen handelt? Die danken es ihm nicht, darauf können Sie sich verlassen. Dos ist jedenfalls wieder fo eine überschwengliche Großmut von ihm, weil er vielleicht ein paar Mol mit den Hohenfels in der vornehmen Gesellschaft zusammengekommen ist und weil die vielleicht die Gnade hatten, von oben herab einige Worte an ihn zu richten! Da darf man denen um Himmelswillen nicht auf den Fuß treten na, ich danke! Morgen kommt die Geschichte zum Klap­pen!"

Jetzt hören Sie mich doch einmal ruhig an!" mahnte wieder Friedwolds Stimme.Wo nehme ich denn nur die Worte her, um Sie zu überzeugen, haß Sie noch warten mästen! Karl selbst ist doch derjenige, den die Sache hauptsächlich angeht, und wenn dock Sari*

(Fortsetzung folgt)