Fuldaer Heilung
Druck der Fuldaer Aclienvruckerci in Fulda
Zweites Blatt.
Neue Bücher.
Mit
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Pfeifen befindet sich in Breslau.
MvS
dem so altertümlich malerischen Städtchen ch e i d i n g». selb bei Würzburq, und endlich der o!s feines Werk der Plastik hochstehende Hochaltar in der Kirchs zu D a r st a d t unweit Ochsenfurt und das hübsche in einem Park dortsslbst befindliche Schloß, einer der Stammsitze der freiherrlichen Familie von Zobel.
Der Gotteslohn. Priesterbetrachtungen im Anschluß an das Johannesevangelium. Don Karl Haggeney S. J. 1. und 2. Aufl. 4 Teile 12°. Freiburg. Herder. M t einer gewissen Sehnsucht nach der Fortsetzung der Priestorbetrachtungen über den Gottessohn hatte wohl ein jeder Leser die ersten beiden Bändchen aus der fianb gelegt. Daß der Derfasier aber einen eigenen Band der Abschiedsfeier im Abendmahlsiaale widmet, bedeutet eine freudige Ueberrasckung. Selten ist wohl dieser Teil des Johannesevanqeliums so reich für Priester ausaebeutet worden wie in den jetzt neu vorliegen, den 45 Betrachtungen. Das Bruder- und Freundesverhältnis Jesu zu seinen Jüngern leuchtet aus allen Ka. piteln des Buches. Da lernt der Priester und n'cht minder der Theologiestudsnt seinen Bruf und seine Stellung kennen im Sichte des Evangeliums, das uns der Lieblingsjünger anfgezeichnet hat. — Mögen bi« Betrachtungen auch für viele Dredigtcn Anlaß und Stoffquelle sein; denn sie enthalten. wahre Eeldkörne, aus dem Innenleben des göttlichen Meisters, das m.h) und mehr für das Predigtamt Bedeutung gewinnt.
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halbwüchsig in b:t Sele, wenn auch der Körper schon welk und runzelig geworden ist. Kinder in der großen Schule Gottes.. die hoffentlich auch mit Nachsicht be- Mochtet und gerichtet werden. Erst nach dem Tode werden wir vollmündig. Bis dahin ist es gut, wenn wir den kindlichen Sinn uns wahren uiti> ihn bei jeder Ge- legknheit auffrischen.
Wir sagen immer: „Pater unser." Danin müs- fm wir uns mich als Kinder fühlen und führen.
JE 290»
Samstag, 17. Dezember 1921.
Dr. Bahr’s
%abnpnlver99No.
vom Zahnarzt verordnet, daher
„das rechte ZahnpllegemitteFi
Drogerie G. K. Steyer.
Gotlesdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 18. Dezember. (4. Abvents-Sonntaa> Tom. V16, 6, */i7 u. 7 M„ 8 Pfarramt m. Uma., Pr. u. Segen, V.1O Kaihedraiamt u. Pr. 11 Chr. f. b. Jünal., */il2 M. u. Pr., *'r2 Quatember-A., 2 Chr. f. b. Iunafr., 4 Sakrameut?.Bruderschaft m. Pr. u. Seren, 7 A. i. b. Marienkapelle. — Stadtpsarrkirche. ”/<6 M., ’/<7 M. u. Kom. b. Füngl., 8 erster ©diuleotitSbienft m. Pr , '/,I0 Hochamt m. Pr., 11 zweiter Sdiulgoitesdienst m Pr., ’/.lO A. f. b. Jün ll., ’/,2 Chr. f. b. Jungfr., */ 3 Sakraments- Bruderschaft. Von */i6 - */s9 wird jede halbe Stunde die hl. Kommunion audaeteilt. Beichtaelegenheit ist von '/r8—'/,8; SamStaaS von 3—7 und ‘AS—V»9; außerdem jed. Mittwoch, Freitag u Samstag morgen- von */i7—9. — Pfarrkirch.- zum hl. Geist. 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt m. Kom., l/s5 Chr., 5 A. — Lokalität. */ilO. — Severikirchr. Sonntags u. werktags '/,7 M. — Nonnenkirche. Nachm. 2 Herz-Jesu-Brndeischaftsveriamml. — Herz-Jefu-Heim. 8 Hod;amt m. Pr., nachm. 2 N. (Mittwo.b abends 8 Äst — Frauenberg. 5, 6, GV» u. 7 M., 8 Brudeischaftsm. m.Pr., 9 Hochamt in. Pr., nachm. 2 Pr. u. A. f. b. Terziaren mit Einkleidung und Profetzabnahme.
MichoelSkirche. Während der AdvenIS-eit jeden Werktaa mit Ausnahme der MontagS um 7 Uhr morgen/ Rorateamt. Vorher Kommunion-Austeilung.
Lottttdftnstordnung für lrath»lische Taubstumme.
Sonntag, den 18 Dezember in Fulda 10Uhr hl. Messe in der Sevecikirche. Hierauf Unterweisung, über „Advent". Ueber M t ttagSan dacht wird Näheres am Llorgen mitgeteilt. Fahrscheine zum Gottesdienst sind zu bestellen bei Taubstummeniehrer Müller in Homberg, Bezirk Kassel.
Evangelischer GotleSdiens».
Sonntag, 18. Dezember. Fulda. Dormitt. 9Vt Pfarrer Weber, 11 KindergotteSdienst, nachm. 2 Lup. Ruhl.
Mittwoch. 21. Dezember. Fulda. Abends 8 Dibel- stunde (Gemeindehaus).
Loangel. landerltirchl. Gemeinschaft Zulda, yitttlsrflr. 17.
Sonntag, 18. Dezember. AbenkS 8 Evangeli- sation. — Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). — Mittwoch abends 8 Gesangstunde. — Donnerstag abends 8 Iungfrauen-B.-St. — Freitag abends 8 Bibel- n. Gebetstunde.
Altfränkische Silber 1922. (28. Jahrgang.) erläuterndem Text von Profesior Dr. Th. Henner, Würzburg. Verlag der Universitätsdruckerei 5) Stürtz 21. G. Würzburg. Preis 12 Mk. — Auch in diesem Jahre konnte es ungeachtet aller Schwierigkeiten und Hindernisse wieder ermöglickst werden, den von der Universitätsdruckerei H. Stürtz A. G. herausgegebenen Prachtkalender „Altfränkische Bilder" in regelmäßiger Weise als 28. Jahrgang dieses Unternehmens erschch neu zu lassen. Der dabei stets an erster Stelle ins Auge fallende Umfchwg hat auch diesmal wieder eine Bilderausstattung aufzuweisen, die sicher hinter keiner der früheren zurückzustehen braucht. Die Titelseite zeigt das Porträt des würzburgischen Feldobersten Baur von Eiseneck, ein prächtige» Kostümbild aus der Seit des dreißigjährigen Kriege» nach einem Kolafsalgemalde in den Sammlungen des Historischen Vereins in Würzburg, während die Rückseite ein künstlerisch ausgeführtes Grabdenkmal in bet Kirche zu Jrmelshaufen aus dem beginnenden 17. Jahrhundert aufzuwcifen hat. Den Inhalt eröffnet an elfter Stelle ein längerer Artikel über das neuesten» den mainfränkischeA Landen angegliederte Coburg, worin ausgeführt ist. wie e» sich dabei eigentlich nur um eine Zurückgewinnung altfränkischen Gebiete, handelt. Dar- auf folgt die erstmalige Abbildung von zwei alten, die Grenze zwisch-n den Terrritorien von Mainz und Würzburq bezeichnenden Säulen inmitten des Suiten« berger Waldes aus dem 16. Jahrhundert. Sodann einige Bilder aus der ehemaligen Abtei Bro nnbach an der Tauber, deren Kirche in diesem Jahre das siebenhundertjährige Gedächtnis ihrer Vollendung feiern kann. Weiterhin ein interessantes Porträt des aus Würzburg stammenden Dr. (Botifrrb Eisenmann. der in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine durch ihre tragischen Schicksale weithin bekannte politische Persönlichkeit war. Ferner meh. rere hübsche Ansichten nach ganz neuen Aufnahmen aus
Unpolitische Zeitkäufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 13. Dezember 1921.
Gestern war mein Geburtstag. Von 74 auf 75. Aha, denkst du vielleicht, der Onkel möchte noch nachträgliche Gratulationen herauslocken. Fehlgeschos- sen. Im G:genteil. ich sehe nicht recht ein, warum man so viel Aufhebens macht von dem Zeitpunkt, an $em man in dieser armseligen Welt erschienen ist. Als wir geboren wurden, da war das keineswegs ein Er- mgms von besonderer Herrlichkeit und Glückseligkeit, tnn Gemisch von Weh und Wonne. Die (Ettern waren 7°(I7^a.t i"r den „engen", aber was ihnen zunächst n SS. tomr"e' war die neue Last für das Würmchen.
-neugeborene selbst eröffnet mit weinerlichem
JCIne irdische Laufbahn, die überhaupt mit mehr Schmerzenxtränen begossen wird, wie mit Freu- S Sierefe? 03 Wlu>“ lassen oder nicht
Darum bin ich der Meinung, daß an dem Iahres- tage der Geburt roeb:r Schmeich.leien noch Eitelkeit ™ W f00?* *™ vielmehr ein ernster, kritischer Ruckblich^ aus cas abgehaspelte Stück des Lebens. Um diesen -iranf d->r Erinnerung etwas zu versüßen, kenn« ich Mw ein probwes Mittel. Ich springe nämlich gttrch so arl d.e tzchz-g b,s swbzig Jährchen zurück in — ? *2!6 ‘ 0 dres- seligen Kinderjcchre!
QlL^bt?^-HUnff^Ur,e" $^U0 °°r alt den späteren ^ltenscbschnttien, daß kein bitteres Schuldgefühl auf.
^Nücksprung in die Kindnlahre wird erleichtert, wenn der Geburtstag in die W'.chnachtszeit fällt D r ehrwürdige Nikolaus und das freiccberifL Christ- kindchen rütteln ja wie Voten aus der Vorzeit an das Äternde Herz und bringen die Gefühle wieder nach oben, die uns einst durchströmtrn, als wir noch sestnr die kleinen Hände aushielten und vergnügt alles nah- men, was uns gegeben wurde.
Ohne Schuldbewußtsein, das war und bleibt die hau pffache.
Nicht als ob wir in den jungen Jahren Engel ge- chefen roäirrr! O nein, ich schreibe für meinen Teil 'ch großes B vor den Engelstitel, und der liebe Leser “irb auch wohl nicht leugnen, daß er im Haus und in ®et Schule, auf der Straße und im Garten u[m. manche
—' Pflanzen, die fühlen und sehen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß auch bei Pflanzen Organe vorhanden sind, die als spezifische Sinnesorgane bezeichnet werden müssen und zur Aufnahme der mannigfaltiasten Reize bestimmr sind. Da gibt eS z. B. Fübltüpfel an den Ranken der Gurkengrwöchse, die der Pflanze anzeigen — sobald sie beim Empor- wachsen irgendwo anstoßen —, daß sich hier eine Widerlaae zum Hinaufranken bietet; der Reiz wird toeitergeleilet und die Pflenze antwortet mit der rankenden Bewegung. Auch Staubfäden weisen Füblzäpfen auf, und andere Pflanzenteile sind mit Fühlbaaren und -borsten auSgeftattet. Als Licht- sinnesoraane wird im allgemeinen die Blatthaut (Epidermis) anaeseheu, doch gibt e8 auch Pflanzen, die besonvere Linsenzelleu mit einem stark licht brechenden Inhalt besitzen. mos.
* Das älteste Herz. Ein Herz, das jetzt 3179 Jahre alt ist, hat man in einer piächtigeu dlau- emallierten Vase bei den Ausgrabungen in Theben gefunden. Es ist da- Herz des Königs Ramses II., bon den alten Griechen SesostriS genannt, der 1258 oor Chr. starb. Die Mumie des Königs wurde schon 1881 emdickr, sie befindet sich im Museum zu Kairo. Die Safe, und das Herz wanderten jedoch in daS Louvrr-Mu enm in Paris. Das Herz erwies sich bei genauer Untersuchung als äußerst harte horn- ariige Masse von eirunder Form und etwa 8 «m Länge und 4 cm Breite. Urner dem Mikroskop waren die sich kreuzenden Muskelfaserbündel des Herzflsisches noch deutlich erkennbar. Soda und duftende Harze vermochten trotz der Jahrtausende al|O nichls an dem anatomischen Gefüge zu ändern.
— Allerlei Weisheit. Nadelbäume tragen nur alle drei bis vier Jahre reichlich Samen. — Die nrößle deutsche Orgel mit 200 Stimmen und 15 133
um mal hellauf lachen zu können. All das Ringen und Streben in den Jahren her Müdigkeit war doch nur gelegentlich von einem halben Erfolge begleitet, und bet unparteiischer Abwägung gab es mehr Stoff zum Klagen und Weinen, als zum Jubeln und Lachen. Aber wenn ich das Ding am anderen Ende anzapfe und in die Kittdetjahre zurückkehre, dann erhellt sich das umflorte Auge, dann glätten sich die Falten im Gesicht und ein heiterer Himmel mit Sonnenschein und Vogelfang zieht über die oerschrumpfte Seele.
Damals und heute! Damals waren die Hönde selten sauber und an dem Anzug entdeckt!; bie Mutter immer neue Flecken Aber das Herz mar sauber, das Gewissen war rein, das Grmül war frei und leicht.
Wäre es doch immer so geblieben! Nein, es konnte nicht so bleiben, denn das Beben auf Erden ist keine ver- gnügliche Kinderstube, sondern ein« Werkstatt, die nach Schweiß riecht, und ein Kampfplatz, der Tränen und Blut verschluckt. Wir sind ernst geworden, wir sind verantwortlich geworden, mir sind schuldig geworben. Doch wem, wir guten Willens geblieben sind, so können wir x.itmeilig uns wieder zurückversetzen in bas glückselige Kindheitsnest, in die Jahre ohne Gram und Sorgen, als wir noch den Schutzengel leibhaftig an unserer Sette spürten und die Jakobsleiter noch neben unserem Bettchen stand.
Also wenn du einen erfrischenden Geburtstag be- gehen willst, so mach einen tüchtigen Sprung nach rückwärts bis in dem irdisches Paradies hinein. Denn deine Kindheit war ein Paradies im Vergleich mit den späteren Abschnitten des mühseligen und schwankenden Gebens. Und exnn du im Geschenkmonat die Nachgebarenen erfreust, so sichere dir selber den Lohn, indem du dich zurückversetz fft in bre Jahre des Nehmens und m dir selber nachfühlst, was den Nachwuchs beseelt.
Es kommt beim Schenken nicht bloß auf das W a s an, sondern noch mehr auf das W i e. Di« Stimmung ift biß Haupt'ochr, — die Stimmung auf beiden Seiden. Je besser der Geber sich in ferne Kindheit zurück- bentt, desto leichter trifft er das Richtig« in Wort und Tat, desto reiner ist das Echo, das er in den Herzen i)er Beschenkten weckt.
3nt übrigen ist ja die Sache ganz einfach und natürlich. Was sind wir denn allzumal während unsres Erdenwallens? Im Grunde doch nur Kinder, teils kleine, teils größere, etwas mehr ober etwas weniger zurechnungsfähig, aber immer noch unreif, unfertig.
Sie Frmjchn iw 3$l,einlotiö.
Nach dem Fall Dorten erleben wir einen Fall © m e e t s. Dir Machenschaften der Franzosen im putschen Rheinland treten wieder einmal in krasser Deuttichkeit vor aller Augen. Seit den Tagen von Verjmlles hat das „Lieveswerben" Frankreichs mit Anwendung aller möglichen Mittel um den V-sitz des Rheins nicht aufgehort. Die französische Presse hat dauernd rrt dieselbe Kerbe g< hauen: denn immer wieder taucht in den französischen Zeitungen der Lieb- tingsgeücmke aller chauvimjt.jchen Franzosen auf, miß vor 130 Jahren den Rhein als Grenze zu sehen.
Der Versailler Vertrag hat ihnen mi l i t S r i s ch den Eingang in die Mheinlanbe verschafft, wenn auch nur für 15 Jahre. Aber daß die imperiaiistischrn Sreije Frarctreichs nicht gesonnen sind, nach dieser Zeit das Rheinland zu cerlatteu, beweist ihr Sweben um) Trachten unter Ausnutzung ihver militärischen Atacht auch mi r t f d) a f 11 iü) und kulturell in jenen Gebieten Fuß zu fassen, um das Rheinland an sich zu fetten, und um dadurch endlich auch das, was der Versailler V-rtrag ihnen verweigerte, allmählich zu erreichen, nämlich Rheinland politisch Frankreich elnzugliedern.
Sonberbun&er erfreuen sich deshalb ihrer besonderen Gunst. Kein Härchen darf solchen Leuten gekrümmt werden; mit ihrem gmiftigen 33aiu.aftanbe suchen sie smanzieü große und kleine Industrie- und HauLeisunternehmungen des Rheinlands in die Hände zu bekommen. Blil allen möglichen Mitteln st.llen sie ihre Propaganda darauf ein, die französische Sprache in Umlauf zu fetzen. 3n allen diesen Tatsachen liegt zweif ltos eine große Gefahr für das Rheinland und das deutsche Reich verborgen, größer als man in vielen Streifen anzunehmen geneigt ist.
Da sind vorerst die Sonderbündler: Dorten und Smeets. Wie die Franzosen zu Sorten standen, be- weist ihr Emgreif.n, als sie bei Verhaftung und Ueber- sührung Sortens ins unbesetzt« Gebiet seinerzeit die Isosort-ige Freilassung und Zurücksenduing forderten und auch Lurchsetzteii. Rheinlands Treue hat aber bisher — und fo wirb es auch weiterhin fein — jeden Erjolg Sortens vereitelt. Ein anderer hat jetzt Sor- tens finkende Fahne in die Hand genommen: Sm e e t s. Französisches Geld gestattete es ihm, eine Tages- zottung herauszugeben: „Sie Rhetnijch« Republik". Sn allen möglichen Tonarten sucht er darin den Rheinländern Pveußen und Deutschmnd zu entfremben, und sie für Frankreich zu gewinnen. So suchk er das Gift seiner hochveriätmischen Pläne in die 5)erzen Rhein- lands einzuttäufein. Daß diesem Manne Immunität von seilen bet Franzosen zugebilligt wird, ist zu natürlich, mag dabei auch das heiligste Recht der deutschen Richler mit Füßen getreten werden. Ordnungsgemäß war Smeets wegen persönlicher Le- leidigung des Reichspräsidenten vor Gericht geladen, aber im Vertrauen auf die französische Hilfe nicht erschienen. Und als ihn bann der deutsche Richter mit Fug und Recht oerhaslen ließ, da ging durch den französischen Blätterwald ein Ruf ter Ent- rüstiing und dem deutschen Recht zum Hohn, das von Frankreich im Friedensvertrag und im Rheinland- abkommen ausdrücklich anerkannt war, mußte er auf Befehl des französischen Vorsitzenden der Rheinlandkommission, des Herrn Tirard, entlassen werden. Mit vollem Recht protestierten die Richter Rheinlands gegen diese VergewaltiMng; auch die Zentrums- fraktion des preußischen Landtages säumte nicht, durch eine Anfrage an die Regierung diesen Protest wirksam zu unterstützen.
Aber auch das Rheinland selbst hat nicht gefchwie- gen. I» einem stammenden Aufruf haben die politischen Parteien dos Rheinlands, an der Spitze das Zentrum, gegen den Hochverrat schärfste Borwah- rung eingelegt, um ihre ewig trsudeutsche Gesinnung an den Tag zu legen. „Wir hallen auf ewige Zeiten fest am beuifchen Reich und wollen von einer Los- rüßung rheinischer Gebiete nichts wissen. Sas ist die innerste Ueberzeugung und der entschlossene politisLe Wille der Rheiriländer."
Ebenso gefährlich, ja noch gefährlicher als die lln- ttrstützung der Sonderbündler ist Frankreich Bestre-
bessere«
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den, Rheinland wirsschaftlich an Frankreich zu knüpfen. Sie Aktien von Industrie- und Handelsunternehmungen, Hotels ujw. suchen die Franzosen offen und verdeckt mit ihnen vaiutaftarken Franks auMkaufen. Säs beste Mittel dazu dünkt ihnen die Gründung von Bankniederlasfungen in den größeren Städten Rheiniands. ^»ese suchen durch Anknüpfung von Geschästsverbindungen mit der deuischen Hanoelswelt allmählich Einfluß zu ge. Binnen. 3n manchen Fällen scheint ihnen dies be- rette gelungen zu fein. Und jetzt meldet di« „Bayerische Staa.szeilung", daß franzosijche Kreis,: sich auch für d i e Aktien der z u f a m m e n g e b r o ch e- nen Pfälzischen Tank „interessierten". Gelänge es den Franzosen, diesen Plan zu verwirklichen, taim wurden sie im Rheinland wieder um ein gut Stück vorwärts gekommen sein. Senn dann sind tau» ende deutscher G schäflsleuie auf Sein und Nichtsein mit einer französischen Bank verbunden. Ser französische Staat würde sichtlich einig« Millionen Franken ovsern, um durch Berlmtdeckung die Gläubiger der Bank vom französischen Kapital abhängig zu machen.
Diesen Vorgängen sollte man auf deutscher Seite die notwendige Beachtung schenken. Das Saarland ist am stärksten dem französischen Einfluß ausgesetzt. Die venragswidrig eins führte Frankenrvöhrung hat uns wirtschaftlich das Saarland bereits entfremdet, und die tteudeutsche Bevölkerung ist diesen Tatsachen gegenüber ohmnächtlg. Das Keine Saarvolk kämpft verzweifelt um sein Duischtum. Sas Zentrum macht sich zum Sprecher seiner Not. Sie Zentrmnsfraktion hat rm Reichstage eine 3nterp:llation an die Regierung gerichtet, in der sie auf die Französierungspolittk der ©aarrgierung, die ganz dem Berfailler Vertrag widerspricht, aufmerksam macht und die deulsch« Re- gierung ßri'ucht, mit allen Mitteln tohin zu wirken, daß die Saarbevölkerung en!spr«hend dem Vertrag« in Uebereinstimmung mit dem Volkswillen regiert wird.
Soch auch die französische Kultur sucht Frankreich dem Rheinland auftudrängen. Sas beste Mitt-l dazu dünkt ihm die Einführung der französischen Sprache. 3n den von den Franzosen besetzten Gebieten werden umsonst stanzö- sifche Lchrkurse eingerichtet. Sie Bevölkerung steht diesem Treiben feinbltd) gegenüber, aber die wirtschaftliche Notwendigkeit zwingt manchen, diesen Kursen, wenn auch mit Widerwillen, zu folgen. So find Geschäftsleute, Restaurateure, Veamle usw. gezwungen, sich französische Kenntnisse augueignen. Sas ist zwar an sich keine große Gefahr, aber in Verbindung mit anderen Mitteln ist es ein Glied in dem System Frankrcichs, sich das Rheinland zu assimilieren.
Aber was bei der Interpellation im Reichstage über die Vorgänge in der Pfalz der Zrntrumsabge- orbnete Hofmann-Ludwigshafen faßte, das hat er auch aus dem Herzen aller Nheinländer gesprochen: „Wir wollen von der Regierung keinen Schutz unseres Deutschiiuins, dafür sorgen wir selber, sondern mit wollen, daß die Reichsregiermtg durch Verhandlungen mit der Entente endlich Ordnung schasst in dem besetzten Gdiet."
Wir sind überzeugt, daß die Reichsregierung diesen wichtigen Appell nicht ungehört verhallen lassen wird. Sas Rheinland, der deutsche Vorposten des Westens, verdient nicht nur unser aller Derständuis für feine schwere Lage, sondern auch unsere wirksame praktische Hilfe.
stand der KuswanüerungsbeVegung.
Sie Auswanderung, die unmittelbar nach dem Kriege sich in Deutschland stark bemerkbar machte hat in der letzten Zeit nachgelassen. Saß die Cittwcrtung der deutschen Mark, dis praktische Durchführung b:r Ausrnanderungslust erheblich erschwert, bedarf keines befondleren Hinweises. In dm letzten Bio- nadm ist auch. wie das Reichswanderungsamt feststellt, ein Nachlassen der Auswanderungsneigung zu verzeichnen. Dies gilt insbesondere vom w:st!ichm Deulschlcmd, vom Rheinland nnd von Westfalen, wo die Besserung der Arbeitevcrhältnisse in erster Reihe zu diesem Ergebnis geführt hat. Allerdings hat sich in anderen Larrdestetlen die ÄULwanderungsbcmegung auf derselben Höhe wie bisher gehalten und sich teilweise noch gesteigert.
Als Beweggründe für die Auswarrbeumgsneigung tritt neben den früher erwähnten allgemeinen Ursachen in zunehmenden Maße dis Erleichterung der Einreise in die Bereinigten Staaten von Amerika in Er- Dummheiten oder sogar recht tolle Streiche, gemacht hat. Ader wie leicht wiegen all diese kindischen Torheitm im Vergleich mit den FelMritten, die wir später gemach! Haden, als wir in die fogenann'im Jahre der Vernunft gekommen waren und doch immer wieder uns-.r« künftig wurden. Sas eben ist der große Unterschied: das Kind ist noch nicht voll verantwortlich für sein krauses Tun und Lassen, doch der Erwachsene muß vor seinem Gewissen, lot Gott und seinen Mitmenschen Rechenschaft geben über alles das, was er ver- fehlt hat in seinem Leichtsinn und was er versäumt hat m feiner Trägheit.
Je älter bet Mensch wirb, desto stärker und spitzer werben bie Samen an seinem Lebensstrauch. Sie bum men Streiche in ben Kindesjahren sind wie weiche Dornenknospen, die noch nicht weh tun. Wir rechnen auf bie Nachsicht i>:r Estern und Lehrer sowie auf die Milde des himmlischen Vaters, bet gewiß auch sagi: Kinder sind Kinder, die noch nicht wissen, was sie tun! So bleibt das Bild der Erinnerung an bie Kinderzeit httl und klar Es sind keine schwarzen Flecken darin, sondern mirsoviÄe Striche, als zur Einrahmung der frohm Evügnisse sich gehören.
O du fröhliche, o du selige Kinderzeit, o ihr süßen Jahre der Unschuld und Zufriedenheit, der ungetrübten Hoffnung und des felsenfesten Glaubens an eine schöne Zukunft! Wer sich recht lebhaft tmeter Hirninversetzt in das einfache, urwüchsige Fühlen und Senken jener Zeit, der nimmt ein erfrischendes Bad für sein Gemüt.
„Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein . . .* Dm Jahvm nach können wir es nicht wieder werden, aber wohl den Gefühlen nach. „Lasset die Kindlein zu mir kommen", sagt das Christkindchen, „denn ihrer ist das Himmelreich." Diese Einladung ergeht nicht bloß an bie kleinen Kinder, sondern auch an die Großen, die noch kindlichen Sinn aufbieten können. Der Geist Ht es, der leb ndig macht und auch jug udfrisch macht. Wer klug ist, der freut sich mit den Kleinen, als ob er selbst noch eia beschenktes Kind wäre. Und auch, wenn er einsam sitzen muß auf seinem Stübchen, so träumt er sich zurück in jene schönm Ichre, crls es noch keine Gewissensbisse und feine Enttäuschung gab, sondern nut reines Behagen und hellgrüne Hoffnung.
Lachen ist gesund, d. h. wenn es eine ehrliche Heiterkeit aus H>'rz<nsgrund ist und nicht eins gewaltsame Zusammenziehung der Lachmuskeln. B:i' einem Rückblick auf mein Leben muß ich schon weit ausgtersen,
scheinunz. 3m ganzen Reiche ist die Wchrnchmung gemacht worden, daß eine Anzahl von Personen bura. Verwandte, die vielfach bie Ueberfahrt bezahlen oder gelexenttich die alte H.imat besuchen, zur Auswandc- rang nach den Bereinigten Staaten veranlaßt werden. Als Ursache der Abwanderung spielt ferner der Drang nach wirtschaftlichsr Selbständigkeit besonders in lanb- wirtschafllichen und Ard.sterkreisen eine Rolle sowie die Sorge' um die unsichere Zukunft Deutjchlands und die eigen« Dersorgung im An«. »
Unter den überseeischen Zielländern besteht außer ftrt die SeieLntaten Staa.en von Nordamerika nach wte vor für 23 r a f i l i e n. von dem zahlreiche Auswande- iirngsiDlUige Fr.ifcchrlangebote erwarten, , ferner jur Argentinien, Paraguay und Niederlandisch-^n- dien 3ntcrffse. Snfolge der Amteuerung der Ueb;t* ahriskosten werden in wachsendem Maße die euroxm- ch.n Staatm ins Auge gefaßt. Größte Nachfrage tcht nach Holland. Sieigendes Interesse zeigt W ür Rumänien, Spanien, Spitz^rgen und vie ostlliyen Randistaatm, insbesondere für Finnland und Litauen. Ste deutsch-russischen Wirrschaftsverhandlun^n und dre Errichiuna einer deutschen 23erlie.ung in Moskau ha- bm eine rege Srochsrage über Detüiigungsmöglichkei.en von 3na en teuren und Kaufleulen in Rußland zm: Folge « habt. Dis tatsächliche Auswanderung nach den östlichen Randstaaten beschranit sich auf euizelne Fälle, wahrend eine Auswanderung Deutscher nacy Polen und Rußiaru nicht sta.lsand. Zu bem^ten jinb ferner die Anfragen ehemaliger Kolonialdcutjchet über chr früheres Vetätigungsgebiet und biß poriugiesifchen Kolonien.
Sie Zahl der Leute, bie planlos in die Welt hinauswandern wollen, nimmt immer mehr ab. Sa» für steigt die Zahl dsrjenigm Rat fuchendm Personen, di« vor der Vereinbarung über eine feste Stellung ste- hen und vor dem enbgülligen Abschluß sich über die Verhältnisse genauer erkundigen wollen.
Wie bisher enlstammim die Auswandnnngswilligen allen Kreisen der Mvölkerung. Desonders starken An- teil haben 3ndustriearbeiter und Hand- werket sowie weibliche Hausangestellte. Für Spitzbergen und Rumänien komme» insbcsond:« Bergarbeiter und für letzteres noch Fackmrdeiter. Ma- jchiri.mfchlos'er, Monteure und üVerkmeister in Frage.
Angesichts des niedrigen Standes der Mark und des Unvcrmögens der meisten Auswanderungswittigen, die Kosten der Ueberfahrt und der sonstigen mit der Auswanderung verbundenen Ausgaben zu tragen, entspricht die tatsächliche Auswanderung nicht annährend der vothandmen Auswandemngsneigung.