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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 290.

VeraMworUich für Deu «Oauionellen Teil: Dr. I. Kramer- ;: für bk Anzeigen: I. i< a m 111 e i • gutOa. -

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer adienüruderei in Fulda- Xemipiedier Nr. M. leteyr.-A drehe: Fuldaer Zeitung

Samstag, 17* Dezember 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.0J Mt. zugestellt frei ins Haus- 2 Abaehoti in der Ge'.chäftsst.lle 4,60 Alk. > Anzeigen: Kleinzeiie nachEoioneimaßl Mark, Neklamezeii» (Tenbieiiei nach Colone maß 3 Aar'.

48. Zahrg.

war

Deutscher Reichstag.

Eine merkwürdige Mehrheit.

Das Ereignis im Reichstage am Freitag

Mffiilfe »er MWm LlUlMilMM.

Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft, der in Berlin zu einer Ta­gung zusammengetreten ist, faßte in der Dollver­sammlung zur Frage der Teilnahme der Landwirtschaft an der Kreditaktion einen Beschluß, in dem es u. a. heißt:

„Friedensvertrag und Londoner Ultimatum legen dem deutschen Volke Unmögliches auf. Hier hat die geschlossene und gemeinsame Tätigkeit der deutschen Landwirtschaft einzufetzen, um Rettung zu bringen. Dieses Hilfswerk aus sich selbst heraus aufzubauen und hierfür große Mittel aufzubringen ist die deutsche Landwirtschaft bereit! Sie wird Einrichtungen tref­fen. die dem Einzelnen Last und Risiko tragbar machen helfen. Die Ausführung hat die Landwirtschaft durch ihre berufenen Organe — die Landwirtschaftskamme en — zu übernehmen, denen die hierzu notwendigen Be­fugnisse zu übertragen sind. 3 *b e r staatliche Zwang muß ausgeschlossen bleiben. Dem schon in Nutzung befindlichen Boden muß abge* runoen werden was irgend möglich ist.

Dir Durchsübruna ist nur möglich wenn die Regie­rung d>e grundlegenden Voraussetzungen hierfür schafft: Tatsächliche Sicherung von Person und Eigen tu m, wirksamer Schutz des landwirtschaftli­chen Betriebes gegen störende Eingriffe, ausreichende und rechtzeitige Versorgung der Landwirtschaft mit künstlich'm Dünger und anderen Produktionsmitteln. Maßnahmen zur Deckung des londwirEchnftlichen Ar- beiterbebarfs. Ein geeigneter Weg ist die st e u e r- liche Berücksichtigung von Eigonkapi- t a l. das der Landwirt zur dauernden und nachhasti­gen Steigerung des Ertrages in der eigenen Wirtschaft aufwendet."

M Me Wil MM.

Auf die deutsche Note, die nach Paris an den Vorsitzenden der Reparationskommission gegangen war, ist nach den Meldungen der Pariser Blätter bereits die Antwort von der Neparationskom- mission abgefaßt und nach Berlin geschickt worden. Rach diesen Meldungen wird durch die Repara­tionskommission das deutsche Gesuch um einen Zahlungsaufschub einstimmig abgelehnt.

Folgende Meldungen siegen uns vor:

wtb p a r 1 s, 16. Dez. (Tel.) Wie der „2!tafin" tniffeiH, hat die Reparakionskommifsion die deutsche Roke beraten und ihre Aniwort nach Berlin über­mittelt. Der Inhalt wird geheim gehalten und erst heute mittag veröffentlicht. Die Reparalionskom- mifsion könne nicht anders als den Inhalt der deut­schen Role als eine freiwillige Verfehlung festzu­stellen, jedoch werde sie den Verfallstag abwarten, um den Verzug zu konstatieren. Für den Augen­blick könne sie nichts anderes tun, als die von der deutschen Regierung vorgebrachten Grunde zu wi­derlegen. Die Reparationskommisfiou nehme das deutsche Anerbieten nicht an.

wtb Paris, 17. Dez. (Tel) Wie das „Journal" mitteilt, Hai die Repavationskommiffion einstimmig ihre Ant­wort gefaßt. Das eGrücht, der englischeDelegierte habe sein« ursprüngliche Haltung geänbert und trete für eine Berücksichtigung dor deutschen Vorschläge ein, fei nicht wahr. Hinsichtlich der Zahlungen am 1. Januar und 1. Februar erkläre sie, Deutschland könne und müsse zahlen. Was die späteren Zahlungen anbe» trifst, so weigere sich die Kommission, di« Ange'egmheit zu prüfen, solange Deutschland nicht sage, welches die Modalitäten seien, die für das Moratorium gelten sollen und welche effektiven Garantien Deutschland geben wolle.

keparationsyrodlem

und UoaUtionserWetterung.

Zusammenhang mit den schwebenden Fra­gen des Reparationsproblems sind in den letzten -tagen sowohl in kwr-amentarischon Kreisen wie auch in der Presse Gerüchte aufgetaucht und Ge­danken zum Ausdruck gebracht, bie darauf ab,tie- len, daß jetzt die Gelegenheit gekommen sei, die Frage der Koalitionserweiterung erneut anzu- jchneiden und zum Abschlüsse zu bringen.

Diesen Gerüchten gegenüber stellen wir .zunächst die Tatsache fest, daß irgendwelche Verhand­lungen wegen einer Erweiterung der Koalition im Augenblick weder geführt noch beabsichtigt sind: unbeschadet natürlich des Gedankens der großen Koalition überhaupt. Dieser besteht mit den glei­chen wichtigen Gründen fort wie bisher. Nach un­serer Auffassung würde übrigens auch der gegen­wärtige Augenblick so ungeeignet als möglich fein, die Frage der Koalitionserweiterung gerade feu; öur Entscheidung zu bringen. Die Erfahrungen der letzten Zeit haben gezeigt, daß es durchaus nicht so leicht ist, die nun einmal vorhandenen

nicht die Vollsitzung des Houses, sondern die Sitzung des Haushaltsausschusses, in der der Reichkanzler die an anderer Stelle unseres Blattes wie- dergcgebenen tätigeren Ausführungen über die Repa- retionsfroaen machte. Zur gleichen Zeit wie de- Haus- baltsaulchutz. tagte auch der Answärt'ge Ausschuß des Reichstages. Auch hier hat der Reichskanzler Dr. Wirth Ausführungen gemacht, über die aber bei dem ver­traulichen Charakter bvs Auswärtigen Ausschusses näheres nicht bekannt geworden ist.

Die Sitzung des Reichstages selbst beginnt erst um 3 Uhr nachmittags. Einige Anfragen bilden den Beainn der Sitzung di- auch sonst noch eine Reihe von kleine­ren Geletzentwürfen auf der Tagesordnung sieht. Gro. ßes Interesse an den Verhandlungen scheint nicht vor­handen zu fein. Lebendig wird es erst, -als man mit dem Antrag der Abgg. Bartz-Hannover (Korn ), Hergt (dschnat.) und Frau Agnes (U Soz i auf Außer­kraftsetzung der vom Reichspräsidenten am 2 8. September erlassenen Verord­nung über den Ausnahmezustand für das ganze Reich beginnt. Auch die Dolkspartei schließt sich dieser Forderung in einem gleich'n. geson. betten Antrag an. Für den Ausschuß berichtet der Äbg. Marx vom Zentrum: aus versassungsrechtlichm und tatsächlich rechtlichen Gründen möge man die An- träge ablehnen.

Für die Mehrheitssozialiften erklärt Dr. ©rabnaurt, daß feine Freunde sich entschlossen haben den eingx- brachten Anträgen zuzustirnmen. Der Standpunkt der Meh-heffslozialdemokirotie geht dahin, dasi nunmehr der Zeitpunkt gekommen fei. an dem die Aushebung der Verordnung vonstolten geben kann. In die Debatte greift auch der bayerische Gesandte von Vreg^r ein. Er gibt im Namen der bayerischen Regierung die Erklä­rung ab. e, würde das Vertrauensverhältnis zw lchsn der bayerischen und der Reichsregierung erbeblich lei. den wenn man bie neue Verordnung des Reichspräsi­denten ohne vorheriges Einvernehmen mH der banerU schen Regierung außer Kraft setzte. Die äußerste Linke begleitet biri<? Erklärung des bonerisch-n Gelangten mit Gelächter. In langer von höusigen Zwischenrufen un. terbrochenen Red- begründet der beutfrf)nationaf« G öf- Thürin-en den Standvunkt seiner Freunde. Don her Dolksvartcj sucht der Abg. fiahl die durch das sofortige Verlanaen auf Aufhebung her Verordnung des Reichs­präsidenten herbeigeführte Schärfe der in den Anträgen enthaltenen Forderung dadurch zu mildern, daß er v-rmittelnb vnrichlägt, die Aufhebung der Derorbn-ng erst am 31. Januar 1922 ei-treten zu lassen. Man m"ß sagen daß sich hier wahrhafte eine eigen, tümliche Gesellschaft von Partcien zu- fawmengrfunden hat um die Verordnung des Rrichs- vräsidenten nkberr rennen. Die Rechte un h bie Linke Deut'ch"asionale und Dolksvartei — Mehr, beitslozialdemokrati» und U. S. P. D. haben sich im Ansturm gegen hie R-ichspräfidentenocrordnung erbau- sich zu'ammengefunben!

Während der Abstimmung über den Ausschußan. trag, der den Anträgen ans Aufhebung der Verordnung die verfassungsmäßige Zusi nim mg des Reichstages versagen will, wird ei- Hammelsprung notwendig. bei

Gegensätze zwischen den einzelnen Parteien zu überbrücken. Die Aufrollung der Frage der breiten Koalition würde unbedingt zu gewissen innerpoli­tischen Schwierigkeiten führen, die wir heute am wenigsten brauchen können.

Etwas ganz anderes ist es natürlich, ob nicht das gegenwärtige Reichskabinett durch die eine oder andere Persönlichkeit in nächster Zeit zu ergänzen ist. Es ist ja bekannt, daß zurzeit je zwei Ministerien zusammen verwaltet werden, die Reichskanzlei und das Auswärtige Amt durch den Reichskanzler Dr. Wirth, das Reichsfinanz- und Er­nährungsministerium durch Dr. Hermes, während das Wiederaufbauministerium noch unbesetzt ist. Ein solcher Zustand ist natürlich auf die Dauer nicht erträglich, um so weniger als gerade jetzt die Reichsregierung vor gewaltige Auf­gaben gestellt fein wird. Es wird also, wie gesagt, wohl mit der Möglichkeit zu rechnen fein, daß in nächster Zeit die eine oder andere Persön­lichkeit in die Regierung eintritt bezw. wieder ein­tritt.

Dr. Wirth über bie Lage.

2m Hau-ptausschuß des Reichstages hielt Reichs­kanzler Dr. Wirth gestern als der obige Beschluß der Reparation-Kommission noch nicht bekannt war, eine längere Rede, in der er die, deutsche Note eingehend begründete. Seine Ausführungen deckten sich inhaltlich mit den bereits bekannt gewor- bcTf.-.i Mitteilungen. Er führte bann weiter aus, daß wir der wachsenden wirtschaftlichen Erkenntnis auf Gntentefeite — noch sei der Moment zum Aufatmen nicht gekommen, jeder falsche Optimismus wäre gerade j’gt völlig verkehrt — durch einschneidende innerpolitische Maßnahm en, durch Beweise, daß wic an unserem Teil alles tun werden, entgegen» kommen müßten. Wir müßten

1. unsere Etats möglichst rasch verabschieden,

2. dafür sorgen, daß Po st- und Eisenbahn­etat balanzicren.

Sn einem solchen Augenblick müsse das Parlament, ganz ohne Rücksicht darauf, ob es sich dadurch populär macht oder nicht, Len Nachdruck darauf legen, der West zu 5'igen, ’ daß wir entschlossen sind, unsere eigenen inneren Verhältnisse auf solide finanzielle und wirt­schaftliche Grundlagen zu stellen.

Mit große- Spannung — so fuhr der Kanzler fort ;— sehen wir den Besprechungen der alliierten Staats­männer entgegen. Nicht nur wir in Deutschland ha­ben vielfach eine Scheinwirischaft, bie unter dem Sturz der Daiuta künstüch aufgebläht ist. Diese Schein­blüte. die uns von der Gegenseite vielfach als Borwurf vorgehalten wirb, zeigt sich in England und Amerika in der großen Arbeitslosigkeit. Diese Fra- gen sind "t, England und Amerika nicht lösbar, wenn man nur von dem Friedensvertrage in Versailles und dessen Diktaten, insbesondere dem nachfolgenden Diktat in London ausgeht. Diese Fragen sind nur lösbar und werben eine Lösung nur finden, wenn nicht nur di« engiifdje Finanz- und Handllswelt, sondern auch We englische Politik selbst ihre Blicke wieder dem euro­päischen Kontinent zuwendck.

Die Wege werden wir nur ebnen können, wenn wir hier jm Metrischen Reichstage entschlossene Parteien finden, die hinter bie Regierung treten und die «m»-rpou!ischen Notwendigkeiten der außenpolitischen Lage unterordnen. Deshalb bitte ich Sie um Ihre unter st utzung und, wenn nötig, in den kommen- den - agen um die unbedingt notwendige p o l 111 Ich k E n t i d) e i b u n g im Deutschen Reichs- tage für bie Führung der Gesamtpolitik des Deutschen

bem bet Antrag b e s Ausschusses mit 160 ge­gen 142 Stimmen der Demokraten, des Zmtrums, der Deutschen Vollspartei und der Bayerischen Dolkspartei abg lehnt wird. Die Anträge der Deutsch, nationalen, der U n a bhängigen und Kommunisten werden mit der gleichen Mehrheit angenommen; sie lauten auf die sofortige Aufhebung der Verordnung des Reichs- prä fidenten.

Nach einer längeren Debatte zur Geschäftsordnung über die Tagesordnung der nächsten Sitzung vertagt sich das Haus auf Samstag: Wochenhilfe, Unfallren- ten, kleine Vorlagen. Einkommensteuer. Nachtragshaus­halt, Flaggenfrage.

Preußischer Landtag.

Weihnachtsserien.

Präsident S f I n e r t, dessen Platz aus Anlaß s-inez 48jährigen Gcburtatages mit Blumen geschmückt ist. eröffnet die letzte Sitzung, in der einige kleine Vorla­gen und Anträge annenommen werden. Nachdem die Beratungen wenige M nuten unterbrachen waren, geht es an die letzte Lesung des Etats. Ohne De. batte wird der Haushalt angenommen und schon ent­läßt das Geburi«tagskind die Mitglieder des Hauses mit den besten Wünschen in die Weihnachtsferien und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Jahr für unfer schwergeprüftes Volk ein besseres werden möge.

Die nächste Sitzung ist auf den 19. Januar ange­setzt. _________________________________________________________

Sieben und sechs Zähre Münz gegen die Uappisten beantragt.

Nachdem die so umfangreiche Beweisauf­nahme im Leipziger Hockwerratsprozeß beendet ist, begannen am Freitag die Plädoyers. Oberreichsan­walt Ebermayer führ.e zunächst auS, daß den Ange­klagten Straftaten nach § 81,2 zur Last gelegt weiden und prüft die Frage, ob der § 81,2 nach der Revo­lution überhaupt noch in Geltung sei, was in früheren Hochverratsprozessen mehrfach angezweifelt worben sei. Er kommt zu dem Schluß, daß dieser Paragraph noch in Geltung sei, da er einfach die Veifassang des Deutschen Reiches schützt. Die Straf» raten fallen der Reichsgerichtsrechtsiprecbung nach unter den § 81, da Versuch und Vollendung bot» liegen. Tas Kapp-Umernebmen sollte anstelle der bestehenden Verfassung gewaltsam eine andere setzen.

Di« Verhandlungen Hütten ergeben, daß die hrei Angeklagten Führer des Kapp-Puisches int Sinne des Gesetzes gerne en sind und daß daher die Amnestie für sie nicht in Frage käme. Am Schluß feiner über zweistündigen Rede beantragte der Oberreichs» anwalt gegen v. Iagow eine Festungsstrafe von sieben Jahren, gegen v. Wangenheim und Schiele eine solche von je fechs Jahren unter Zubilligung mildernder Umstände.

Anschließend an die Ausführungen des Rrichsan- walteS begannen bie Verteidiger mit ihren Reden, die auch am Samstag noch weitergehen toei den.

Nachspiel des Kappisten-Prozesfes im Reichstage.

Auch der Reichstag wird an den Vorgängen und Aussagen, die in dem Prozeß gegen die Kappiffen vor dem Reichsgericht eine bemerkenswerte Rolle ipieltcn, nicht achtlos vorübergehen können; dafür haben die Unabhängigen gesorgt. Sie haben näm­lich im Reichsterz unter Führung der Adgg. Criipien, Sebebour und Ro'enfeld f ’Iop”>e Anfraa» ernaehracht: „In dem Prozeß gegen Iagow und Genossen ist festgestellt worden, daß General Ludendorff einer der Leiter des Kapputfches mar und für den im März 1920 begangenen Hochverrat verantwort'ich ist. Ist gegen General Ludendorff wegen Hochverrats An- klage erhoben und Haftbefehl erlassen worden? Was gedenkt die Reichsregierung zu tun. um ßubentorff zur Verantwortung zu ziehen?"

Hns -em besetzten Gebiet.

♦ KraitzSstscher Eingriff in dir deutsche Schn Verwal­tung Der ttubet in Offenbach uni) in Bieber al» Lehrer täti.i gewesene Rektor Dr. Jäger zu Mainz wurde vor etwa einem haluen Iahte auf dem DiSzipIinarwege von der hessischen Schulbehörde unter Belassung seiner bisherigen Bezü ic al3 Lehrer nach Gießen vscsetzt. Die französische Bcsatzun isbehöcde erblickte in dieser Ver­setzung einen seindseliaen Akt unb hob die Ver- fetzunq trotz energischen Einspruch der deutschen Verwal. tuni bei der interalliierten Kommission auf. Nunmehr ist Dr. Jäger wieder in sein Mainzer Amt als Rektor emgego cn, ohne daß die oberste hessische Schulbehörde die Versetzun i zurück >enommeu hätte.

• Lrdranku igen in fron.öjische i Kaferren. In den letzten Wochen wurden in einigen Mainzer Kasernen unter den Ti uppen mit chartern Fieber auftretende Kopf, und Wirbelsäulenerkran'un.ien festgenellt. Die Erkrankungen sollen recht ansteckend sein. In einer Kaserne find bisher 15 Fälle festgestellt worden. Die Kranken wurden ifolictt, Oie Kasernen desinfiziert.

Von -?r Abrüstungskonferenz

in Washington wird nunmehr bekannt gegeben, daß die drei Großflottenmächte in der Flotten- frage zu einer Einigung gelangt sind.

Die Einzelheiten w r>:n folgendermaßen angegeben: Großbritannien stellt vier Großkampschisse der King George-Klasse außer Dienst, diese Verringerung fall als gleichwertig der Außerdienststellung von zwei Schifß?n d:s modernsten Typs angesehen werben. Ab­sehen von dieser Aenderung bleibt der Hughes sch« Plan udrr den Flottenbaufeiertag in Kraft. Auch Japan niirert die vorg:schlagen-c Abrüstung in d>:r Kriegsmarine vor, behält aber das moderne Schiff „Wutfu". Für die Befestigungen im Stillen Ozean bleibt der gegenmärige Zustand bestehen. 3n diese Abmachung ist jedoch die Insel H a w e i nicht ein­begriffen.

Sagten soll die chinesischeFrage bisher eine Lösung nicht gefunden haben. Es wird vielmehr be­richtet, daß der Ausschuß der Abrüstungskonferenz für

den fernen Osten sich auf unbestimmte Zeil vertagt hat. Dir P.rtagung ist durch die japanisch-chinesssch.N Meinungsv-rschiedenhenen verursacht. China hatte bie Aufhebung auch jener Verträge verlangt, die nach dem japanischen Vorschlag erhalten bleiben sollten. 'Die! Japaner wollten nicht einmal eine Erörterung darüber zulassen und hoben die Verhandlungen einfach abge­brochen.

Emen besonderen Streitpunkt bildet die S ch a n •! t u n g-B ahn. Japan will aus alle Fälle sich eine, Finanzkontrolle über die Bahn sichern und lehnt daher! das chinesisch« Angebot, die Bahn durch ein Konsortium chinesischer Banken zurückzukousen, ab. Weitere Schwie­rigkeiten mcuht die Forderung Chinas, daß die Mächte ausdrücklich und ohne Borbehalt die Abschaffung aller Interesfens phären aus sprechen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 17. Dez. Die seinerzeit angekündigte Versetzung des Gesandten v. Rosenberg von Wien nach Kopenhagen wird nunmehr amtlich mitgeteilt.— Die Taqesze tung .Der Deutsches die im Frühjahr d. I. von Siegerwalv gegründet worden ist, soll nach Blättermeldungen vom 1. Januar ab unmittelbar an die Verwaltung des deutschen Gewerkschastsbunbes übergehen.

* Der Abzug vom Einkommen. Der Ausschuß deS Allgemeinen deut chen GewerkschastsbundeS for­dert in einer Entschließung zur Steuerfrage di« Heraufsetzung der Grenze für den zehn- prozentigen Lohnabzug auf60600Mark und sofortig« Aenderung des Einkommensteuergeies. Ferner wird die entsprechende Ei Höhung der Löhnej und Gehaltsbeträge gefordert, die der Steuerfreiheit unterliegen. — Der Steuerausschuß des Reichstags hat dis neue Fassung des Einkom­mensteuergesetzes angenommen, in der folgende Staffelung vorgesehen ist: Für die ersten 50 000 M 10 Prozent, für die weiteren 10 000 <M. 15 Prozent, die weiteren 20 000 20 Prozent, die

weiteren 20 000 M 25 Prozent, die weiteren 100 000 M 30 Prozent, die weiteren 100 000 M 35 Prozent, die weiteren 200 000 M 40 Prozent, die weiteren 500 000 «M. 45 Prozent, die weiteren 500 000 «Al 50 Prozent, die weiteren 500 000 J( 55 Prozent und die weiteren 500 000 Jt 60 Prozent. Das neue Gesetz soll am 1. Januar 1922 in Kraft treten.

* Einen ehrenvollen Nachruf wismei dle,Deuische Postzeilung^ dem kürzlich verstorbenen früheren Zentrumsabgeordneten Dr. König, der in Beruf Ministerialdireklor und Leiter der Pertanal- abteilnng im Neichspoilmmisterium war. Das Organ des Verbandes deulscher Post» und Telegraphenbe- amter schreibt:

Was den Verstorbenen cniszeichnete mar eine außer ordcnllichr Herzensgüte. Es war allgemein bekannt daß ihm nichts schwerer wurde, als eine Bitte abidjlager, ober einen ablehnenden Bcscheid unterschreiben 11 müf fen. Immer wieder suchte er nach Möglichkeiten^ ai ihn herantretende Wünsche der Beamten zu erfüneit, und wo dies schlechterdings nicht möglich war. da suchte er auf irgendeine andere Weise einen Ausgleich herbei. zuführen. Den Bestrebungen unseres Verbandes stand er mit vollem Verständnis und mit einem warmen Herzen gegenüber und wenn die mittlere Postbeamten- fchaft über Nichterfüllung ihrer berechtigten Forderun- gen zu Nagen hat. so hat das wahrlich nicht an feiner Person nnd an seinem Willen gelegen, sondern an Hem­mungen. die er oon sich aus nicht zu beseitigen ver­mochte. ' „Nur der Zufammcnschluß aller kann das all­gemeine Beste fördern." Was ihn bei seinem Tun bewegte, kleidete er in einer Rede auf dem Verbands- tag 1919 in die Worte: „Was Sie freut, macht mich froh, was Sie kränkt, tut mir weh. Das ist das Emp­finden. bei dem ich mich bei meinem ganzen Tun und Denken leiten lasse, danach bemeffen Sie bitte meine Taten, meine Worte, danach bemessen Sie bitte olles, was. wenn ich fo sagen darf, meine Unterschrift trägt." Wer demVerstorbenen nähergestanden hat. der weiß, daß dieser Leitsatz feinem tiefsten Empfinden entsprach, daß er ihn stets befolgt hat. Wir werden dem ausgezeich­neten, von wahrer Herzensgute beseelten Mann« ein dankbares Gedenken bewahren.

* Zur Vorgeschichte oes Krieges. Der Reichs- tagSausfchuß für Erforschung der Vorgeschickite deS Weltkrieges, dessen Vorsitz der bisherige ReichS- miniftet des Innern, Dr. Gradnauer, wieder über­nommen hat, nahm in zwei Sitzungen ein umfassen­des Referat des Sachverständigen, Prof. Manin Spahn (Köln), über die deutsch-fr anzösische Politik der letzten Jahrzehnte entgegen. Weitere Refeiaie über die emopäijche.Politik der VorkriegS- zeii sind für die nächsten Monate in Aussicht ge­nommen.

* Krach in der kommunistischen Zentrale. Wie die .Freiheit mitteilt, wurde tn der Sitzung her Zentrale der kommuni'tiichen Partei, cie am Mitt­woch stalisand, das Mitglied bet Zentrale, Friedes- land, der in einem Artikel in der Zeltichriit ,Die Internaitanate' Oie kommunistische Parteitaktik einet scharfen Kritik unterzogen hatte, feines Postens alS General efretrir der Partei enthoben.

* Der Werf der cbgriieferfen deutschen Schiffe. Die Rrparationskommlssion hat den Wert bet Schiffe berechnet, dir nach dem 1. M a i 1921 von Deutsch- land abgeücsert worden sind. Es handelt sich um fol- genbe Kategorien: Passagierschifste (1894 Tonmn), Frachffchiffe (110146 To.), Segelschiffe (25153 To.) mÄ> Barken (66 To ), zusammen 197 259 Tonnen. Di« Kommission hat beschlossen, dm Wert dieser Schiff« mit 10 214 468 Eoldmark asvufeijert und diesen 93'trag abzüglich der Kosten für Lieferung, Reparaturen uiw. D utschland auf Reparaftonskonto gutzufchreiben. Die Kommission wird einige Herren nach Berlin entsen­den, welche die Maßnahmen prüfen sotten, di« zu einer Der-insachlmg und Abkürzung der deutschen Natural» licferungen führen könnten.

Kuskand.

* Frankreich und der valikan. 5m französischen Parlament war die R-nerung von den LinkspcuLieu