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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 289.

Verantwortlich tür den reüauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda. tterMprecker Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fu ldaer Zeitung.

Freitag, lb. Dezember 1921»

Bezugspreis: Monatlich 5.00 2RL zugestellt frei ins Haus- n Abgeholl in der Geschäftsstelle 4,60 2RL > Anzeigen: Kleinzeile nach E o lone lmaß 1 Mark; Reklamezeile (Texlbreite) nach Colonel maß 3 Mark.

48. Zahrg.

DeutschesErfuchenumZahlungsaufschub

Antrag

Stresemann-Hergt über die deutsche Seeftagge.

er»

gez. D r. Wirth.

Genehmigen Sie irsw.

ledigt worden sind, wird die Beratung des Finan?etats (Zentralgenossenschaftskasse,Seehandlung,StaatSschulden- verwaltung, Finanzministerium und allgemeine Finanz- Verwaltungs fortgesetzt, die nach unwesentlicher Aussprache genehmigt werden.

Eine längere Debatte, entfpinnt sich bei der zweiten Lesung des Haushaltes des Ministeriums deS Innern, Kapitel Schutzpolizei, sowie des Staatsministeriums, der Oberrechnungskammer, des Landtag? und des Etats­gesetzes für 1921. Der Kommunist Meyer-Ostpreußen nennt die jetzige Regierung eineKappistenregierung", der Unabhängige Leid fordert die Abschaffung deS StaatSratZ und befehdet heftig diegroße Koalition", während seinem Genossen Uadald besonders die Schutz­polizei am Herzen, vielmehr im Magen liegt. Der deutschnattonale Meyer-Magdeburg beschwert sich über Mißgriffe bei der Besetzung von Beamtenstellen. Minister­präsident BteWtt verteidigt die Koalitionspolitik. Minister deS Innern Seoering legt unter Heiterkeit des Sauses dar, daß das, wasMeyer links- undMeyer rechts- an Ueberzeugungen vorgebracht haben, der Prüfung nicht stand hält. ES folgt die Abstimmung über den Haushalt deS Ministeriums des Innern, Titel Schutzpolizei, der unverändert genehmigt wird unter Annahme eines Antrages Rh i e l (Ztr.), wonach Ein­nahmen nnd Ausgaben für die Schutzpolizei' nur vor­läufige sind und der Berichtigung unterstehen.

Unverändert angenommen wird ferner der Haus- halt des Staatsministeriums, der Oberrechnungskammer und des Landtags.

Es folgt die Besprechung der großen Anfrage Frau Lehmann (Dnt. Vp.),Ott (Dem.l und B raun (Soz.) über die Vorgänge an der Fürstin Bismarck­schule in Charlottenburg. Die Angelegenheit scheint uns in das Gebiet des höheren Klatsches zu gehören. ES handelt sich um politische Reibereien zwischen den Lehrkräften der betreffenden Anstalt.

Nächste Sitzung Freitag: Kleine Anfragen, dritte Lesung deS Etats.

Der Reichstag und die Steuern.

Mit den Steuervorlagen scheint es in den Aus­schußberatungen des Reichstages nicht anders zu gehen wie mit den Erörtexungen im Reichsrat. Immer wieder hieß es damals, der Reichsrat habe die um­fassende Materie noch nicht bewältigen können. Mit Verzögerung sind deshalb die 12 Steuergesetze an den Reichstag gekommen.

Nunmehr wird man sich auch der Hoffnung zu entschlagen haben, daß es gelingen konnte, die Steuervorlagen noch vor Weihnachten zu verabschieden. Soweit die Dinge zu über sehen sind, sind die Ausschüsse zum größten Teil noch mitten in der Arbeit. Es läßt sich nicht verheimlichen, daß neben den technischen Schwierigkeiten doch auch die Ueberwindung der vielen oppositionellen Strömungen so schwierig ist, daß die Arbeiten nur langsam vor­wärts schreiten. Man wird weiterhin bedenken müffen, daß selbst bei einer Fertigstellung der Vor­lagen die Spezialberatung im Plenum eine größere Zeit in Anspruch nehmen müßle. Wir stehen aber dicht vor dem Weihnachtsfest.

Daher wird man damit rechnen müssen, daß die großen und weitergehenden Steuergesetzentwürfe erst nach den Weihnachtsferien zur Erledigung gelangen werden.

Im übrigen geht das Bestreben des Reichstages dahin, das noch vorhandene Restmaterial aufzu- arbeilen.

Die Aenderung des Einkommcnsteuertarifs.

Im Reichstagsausschuß für Steuerfragen zog der Abg. Emminger (Bayer. Vp.) seinen Antrag zu­gunsten einer neuen Tarifstaffelung zu­rück, die von Abg. Keil (Soz.) vorgeschlagen wurde und die die Belastung in den unteren und mittleren Stufen weiter ermäßigt, dafür in den hohen steigen. Nach diesem Antrag »keil soll die Einkommensteuer betragen: für die erfti -n 50000 Mark 10 v. H., für weitere 75000 Mk. 15 d. H., für weitere 100000 Mk. 20 v. H., für weitere 150000 Mk. 25 v. H., für weitere 200 000 Mk. 30 v. H., für weitere 300000 Mark 35 v. H., für n,eitere 400000 Mk. 40 v. H., ür weitere 600000 Mk. 45 v. H., für weitere 800000 Mk. 50 v. £>, für weitere I Million Mark 55 v. H., für weitere Beträge 60 v. H.

Daneben lag ein weiterer Tarifantrag Hühner i ßentt.) und Hartwig (Sn.) vor, der in den Stufen bis zu 100 000 Mark mit dem erwährtt-cn Anträge Marx-Emmingen ühereirrftimmt, dann aber die Staffeln weniger ausrimmderMst, so daß sich bei den hohen Einkommen eine stärkere Belastung ergibt.

Die neuen Veamtenfor-erungeir.

Auf die am 3. Dezember eingereichten neuen Gehalts- und Lohnforderungen der Spitzenorgani­sationen der Beamten und der öffentlichen Ange­stellten und Arbeiter hat nach ausführlicher Kabi­nettsberatung der Reichsfinanzfinanzminister S) er« mes mit einem Schreiben geantwortet, das die Aufnahme von Verhandlungen über die erwähnten Forderungen a b l e h n t.

Es heißt darin u. a.:

Weder die Ergebnisse der Teuerungs­statistik noch die Vergleichung mit den Be­zügen der Angehörigen freier Berufe, wenn man einige wenige besonder« Fälle außer Betracht läßt, rechtfertigen die neuen Forderungen. Die Nachprüfung und Berechnungen der jüngsten Zeit haben vielmehr ergeben, daß di« Arbeiterlöhne des Reiches im allgemeinen, selbst in größeren Städten, von Konsunktur- inbustrien abgesehen, die Lohnsätze der in Prrvatdienst stehenden Arbester noch durchaus halten und in den mitt­leren und Heineren Städten sogar nicht unerheblich überschreiten. Trotzdem worden für die große Mehr­zahl der Beamten Erhöhungen von mehr äs 50 vom Hundert ,in manchen Fällen sogar 70 vom Hundert der vor wenigen Tagen neu festgesetzten Gesamtbezüge und für die Arbeit ein Lohnzuschlag von 4,30 M für die Stunde, das ist ebenfalls eine Erhöhung von 4 bis 73 vom Hunden der neuen Gesamtbezüge, gefordert. Bei Bewilligung dieser Forderung winde snh der Gefamtmehrauf- wand des Reiches, der Länder und der Kom­munen auf 5 0 bis 60 Milliarden Mark be­rechnen. Die Forderungen lassen di« gebotene Rück­sicht n a h m e aus die allgemeine Volkswirtschaft, auf ari­dere Kreise der Bevölkerung, auf die Finanzlage des Rei­ches undk untere auswärtige Laae vermissen.

nommen wurde. Dieser zum Beschluß erhobene Gesetzes- ontrog sicht vor, daß die mit der Verteilung des Getreides berouftregte Stelle einen Aufsichtsrat erhält, der aus einem Direktor und 37 Mitgliedern besteht; von letzteren entfallen 7 auf das Reich und die Länder, je 7 auf die Lwndwirffchast und die Städte bezw. Landkreise, 6 auf die Arbeitnehmer und je 3 auf die großgewerblichen Un­ternehmen und di« orMnisierten Verbraucher.

Sodann wandte sich die Beratung des Hauses dem Gesetzentwurf bett. Wochenhilfe und Wochenfür- sorge zu. Dieser Entwurf wurde mit einem Antrag der Abg. Fmu Teusch (Z.) angenommen, der anstatt einer jeweiligen Anpassung cm die Milchpreise ein festes Stillgeld verlangt. Sodann gelangten noch eine Reihe weitere kleinerer Vorlagen zur Erledigung, so u. a. der Bericht des VolkswtttschastKchen Ausschußes bstr. dia stärkere Erfassung der Valutagewinne, fer­ner einen Entwurf bett, die Pfändbarkeit von Gehalts- ansprüchen und die Abänderung der Verordnung über Lohnbsschlagnahme und Lohnpfändung.

Angenommen wurde der Antrag, das Gesetz gegen die Kapitalflucht bis zum 31. Märg 1922 zu verlängern. Die Anträge zur Ausnahimeverordmmg des Reichspräsidenten werden von der Tagesordnung abgefetzt. Sie sollen erst in der nächsten Sitzung zur Besprechung kommen. Ein einstweAiger Antrag Sttefemann (D. Vp.) und Hergt (Dnat. Vp.) fordert die Verlängerung der Frist für die einstweilige Führung der bisherigen deut­schen Seeflagge bis auf weiteres. Bei der Abfttrn-

vas Dunkel zerreißt.

Eine Hofe an die Reparationskommission.

Nachdem bisher alle Schritte in der Sache des Morawriums geheim gehalten wurden, hat jetzt die deutsche Regierung mitgeteilt, daß am 14. Dez. von ihr folgende Note an den Präsidenten der Re­parationskommission in Paris, Herrn Dubois, ge­richtet worden ist:

Herr Präsident! Wie ich der Reparationskommission bei ihrer letzten Anwesenheit in Berlin erklärt habe, ist die deutsche Regierung auf das ernstlichste bemüht gewesen, die beiden nach dem Zahlungsplan vom 5. Mai 1921 ' bevorstehenden Zahlungen zu sichern. Da dies nur mit Hilf« einer im Auslande aufzulegenüen A n - leihe gelingen konnte und hierbei eine wesentliche Mit­wirkung der englischen Finanzwelt unerläßlich war, hat die deutsche Regierung in England wegen einer sol­chen Anleche verhandelt. Von maßgebender Sette ist chr jedoch erwidert worden, daß unter der Herrschaft der Bedingungen, welche zur Zeit für die Zahlungsver­pflichtungen der deutschen Regierung gegenüber der Re­parationskommission während der nächsten Jahre maß­gebend seien, eine solche Anleihe in England nicht zu erlangen fei und zwar weder als langfristige Anleche noch als kurzfristiger Bankkneedtt.

Unter diesen Umständen kann die deutsche Regierung nicht mehr damit rechnen, daß es ihr ge­lingen wird, diejenigen Beträge in voller Höhe zu beschaffen, die nötig wären, um di« am 15. Januar und 15. Februar 1922 fälligen Raten zu bezahlen. Selbst bei aller Anstrengung und unter Nichtachtung ihrer bttdgetären Soge wird die deutsche Regierung für diesen Termin außer dem Werk der Sachleistungen und der Gutschrift aus dem Reeovery Act nicht mehr als ungefäähr 150 bis 200 Millionen Gold mark austwingen können.

Die deutsche Regierung sicht sich daher genötigt, bei der Reparationskommission für den nicht erfüllbaren Rest­betrag der Raten vom 15. Januar und 15. Februar

Zahlungsaufschub zu beantragen.

Sie beschränkt sich zunächst aus diesen Antrag, obwohl sie sich bewußt ist, daß sie bei den nächstfolgenden Raten gleichfalls mit Schwierigkeiten zu rechnen haben wttd.

mutig ergibt sich, daß das Haus nicht beschlußfähig ist.

Nächste Sitzung Freitaig: Anfragen, fieine Vorlagen, Anträge zur Verordnung des Reichspräsidenten,

Deutsch« Reichstag.

ParlamenÄrische Kleinarbeit.

Der Reichstag hat auch am Donnerstag eine umfang­reiche gesetzgeberische Arbeit geleistet. Ohne Aussprache wurden endgültig angenommen die Ergänzungen zum B e- soldungsgesetz und zmn OrtsklassenVer­zeichnis. Bezüglich ü'tzterer ist zu bemerken, daß bis zmn 31. März des nächsten Jahres eine Nachprüfung stattfinden soll (neigt. Notiz unter Heimat). Ferner wur­den angenommen das deutsch-dänische Abkommen betr. die Ueberleitung der Rechtspflege im nordschleswigsck^n Abtrettmgsgebiet, ferner die Vorlage bett, die Ermäßi­gung des Tabakzolles.

Einen größeren Rau.» in den Verhandlungen nahm der Ausschußbcricht über die Anträge betr. den Ver­kehr mit Kartoffeln und Getreide, die Er- Höhung der Mehlration und der Betreibe Umlage ein. Der Ausschuß hat die vorliegenden Anträge zu einem Gesetz- enn- <»emuliert, der mach längerer Aussprache ange-

Von unterrichteter weite erfahren wir hierzu, daß die deusche Regierung mit Wissen und Willen der Rep arationskommifsion um einen Kredit in England nachsuchte. Die englische Hochfinanz habe jedoch erklärt, daß sie einen Kredit nicht geben könne, solange Deutschland mit dem Reparationsplan beschwert sei, wie er sich aus dem Londoner Ultimatum ergebe. Bon au­toritativer gegnerischer Seite sei da­mit zum erstenmale zugegeben worden, daß das Problem der Reparationsleistungen einer Aenderung bedürfe. Die Regierung ziehe daraus die nötige Folgerung, indem sie um Stun­dung eines Teiles der Zahlungen ersuche. Die Re­gierung erwarte jetzt von der Einsicht der Gegner, daß sie jetzt das ihrige dazu beitragen, um die Re­parationsfrage nicht in einem Konflikt enden zu lassen, sondern sie im Sinne einer gemeinsamen Verständigung aller Beteiligten zu lösen.

9er Schritt der Regierung

und die deutsche Geffentlichkeit,

Nach der langen Spannung, mit der Mitteilungen >er Regierung über den Stand der Reparattonsver- oanMungen schon feit Wochen erwartet wurden, findet Sie Note, die jetzt bekannt geworden ist, natürlich in der Mischen Oeffenilichkeit eine große Beachtung, was sich den Aeußerungen der Presse widerspiegelt.

Während die deutschnationale Presse ihr Urteil über die deutsche Note an die Reparationskom- rrssion dah'n zusammenfaßt, daß sie den Zusam- menbruchderErfüllungspolitikdesKa- binetts Wirth bedeute, und daß die Kata­strophe da fei, erklären die übrigen Blätter, daß durch ^..Urteil der englischen Hochfinanz über die Kredst- ^"Wügtett Deutschlands unter den Bedingungen des londoner Zahlungsplanes eine für Deutschland SunftigeWirkungin der Reparationsfrage ein- Setreten fei. Die . Deutsche Allg. Ztg." schreibt, die Er­klärung der englischen Hochfinanz sei gleichbedeutend nnt emec B ankerotterklärung der bishe»

$ e P ar atj o nsp o l iti k der Entente, VLser Poirttk, die wirtschaftliche Erwägungen und Mög- nchkeiten vollständig ausgeschaltet hat. Die englische Hochfmanz >ntt p'tzt offizfell als Träger der Erkenntnis mr die Welt, daß das Reparationsproblem ein Wirt- schostsproblem geworden ch, das nicht allem Deutsch- kmiö, sondern vor allen Dchgen Europa und die ganze Welt ongeht.

DieGermania" betont, daß Deutschland bisher sein Versprechen, das Möglichste zur Erfüllung bes- Londoner Ultimatums zu tun, gewissenhaft und mit allen seinen Kräften gehalten hat. Die deutsckie Be­reitwilligkeit zur Erfüllung war aufrichtig Nie­mand in der Welt hat heute Anlaß, nach die er Richtung hin die deutsche Politik irgendwie anzu- ' zweifeln. Aber das Urteil der englischen F-nani sagt das Blatt, daß Deutschland in den Auq->n der maßgebenden Finanzwelt Englands und damit auch der übrigen in Betracht zu ziehenden Welt nicht schlechthin kreditunfähig genannt wird, daß aber das unter den Beding ungen des Lon­doner Ultimatums ftd*r> Deutschland »einen Kredit erhalte, hinttr diesen Worten oer englischen Hochfinanz steht die Auffassung der ganzen Welt. Durch das Kred:ti>erlangen Deutsch- j mnds ist das Reparativ nsproble Ni als i chi eltpr o b l e m aufgerollt worden. Sou'st ist eine völlig neue Lage in der Politik der Wzlt ge- i

Preußischer Landtag.

Beendigung der zweiten Lesung des Etats.

Nachdem eine Anzahl unbedeutender Vorlagen

Kur dem besetzten Gebiet.

* Schärfere Paßkontrolle für Ausländer im besetztrn Gebiet. Die Regierung hat die Paßkontrolle der west­lichen Grenze des besetzten Gebietes stark verschärft, da die Zahl der Ausländer, die sich ohne behördlichen Aus­weis und entgegen den Bestimmungen in das besetzte Gebiet begibt, ständig zurnmmt. Die ohne ordnungs­mäßigen Paß betroffenen Ausländer müssen daS Vier­fache deS für das Visum im Herkunftslande zu zahlen­den Betrages entrichten und' können obendrein noch bestraft oder ausgewiesen werden.

* vir Teuerung im Saargebiet. Ab 18. Dezember kostet in Saarbrücken ein Vierpfundbrot 12 Mark und ein Pfund Brotmehl 3,80 Mark.

schaffen. Mit ihr rechnet das Kabinett Wirth, und gerade dessen leitender Geist, der Reichskanzler selbst, war es, der sie von Anbeginn klar voraus­gesagt hat, als er dieErfüllung" übernahm. An jenem denkwürdigen 13. Mai hat er es in feiner ersten Kanzlerrede unumwunden ausgesprochen: Die Verantwortung für die weltwirtschaftlichen Folgen des Ultimatums liegt bei der Gegenseite."

DieVoss. Ztg." schreibt: Die deutschen Kredit­versuche in England sind nicht etwa durch man­gelnde Vorkehrungen Deutschlands zuschanden ge­worden, die nötigen Bürgschaften für eine solche Anleihe zu schaffen. Es ist das unbestreitbare Verdienst der Kroditorganifation der deutschen Ge­werbe, daß weithin sichtbar vor aller Welt die An­strengungen erwiesen sind, die die deutsche Volks­gemeinschaft zur Unterstützung des Anleihebegeh­rens der Regierung gemacht hat.

DerVorwärts" erörtert die Frage der von den Alliierten etwa anzuwendenden Zwangs- maßnahmen zur Eintreibung der deutschen Zahlungen und sagt, Zwangs­maßnahmen sind erst möglich, wenn die Repara­tionskommission gutachtlich erklärt hat, daß auf Seiten Deutschlands eine absichtliche Nichterfüllung vorliege. Nach den Erlebnissen der letzten sieben Monate, nach den Zeugnissen, die von hervorragen­den Staatsmännern der Welt für den guten Willen der deutschen Regierung abgegeben worden sind und schließlich nach der gutachtlichen Erklärung der englischen Bankwelt über die Ursachen der deut­schen Kreditunfähigkeit dürfte es doch sehr schwer fein, zu dem Urteil zu gelangen, daß Deutschland böswillig mit feinen Zahlungen im Rückstände bleibt.

Auch dieFreiheit" bezeichnet es als einen Er­folg der auswärtigen Politik Deutschlands, daß die Reparattonssrage jetzt aufgerollt und künftig von anderen Gesichtspunkten als bisher behandelt wird. Das Blatt nennt es aber jxtzt Pflicht der deutschen Regier«-, ixe Teußerfte»ikr Wiederherstellung des Gleichgewichts in den deutschen Staatsfinanzen zu tun.

Das Schreiben teilt mit, der Minister werde von sich aus rechtzeitig die als möglich und an­gemessen erscheinenden Vorschläge machen und hier­über mit den Spitzenverbänden in Verbindung tre­ten.

Der Deutsche Beamtenbund und die Spitzen- organifationen der Gewerkschaften haben auf diesen Bescheid hin noch einmal beschlossen, die Regierung umdieAufnahmevonDerhandlungen zu ersuchen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 16. Dez. Der Präsident der Kom­mission zur Festsetzung der deutsch-pol­nischen Grenze, General Dupont, ist zurückge­treten. An seine Stelle tritt der französische Oberst Gardan. Der preußische Staatsrat hat einen Ge­setzentwurf betreffend die Aufbesserung der Diensteinkommen der katholischen Pfar­rer beschlosien.

* 3m preußischen Staatsrat erklärte Ministerpräfi' dem Braun, indem er auf eine Kompttenzstreitigfeil zwischen Staatsrat und Regierung zu sprechen kam, daß die Regierung alles tun werde, um ein gutes Ver­hältnis mit dem Staatsrat aufrecht zu erhalten. Der Ernst der Zeit lasse es nicht zu, daß wir Zeit und Kraft in erheblichem Umfange auf Formalien verwenden. Wtt müssen vielmehr alle Kraft einfetzen zmn Wohle des Landes und des unter schwerer Bedrängnis leben- dm Volkes. Der Minister bat, den vorliegenden Etat für 1922 mit tunlichster Beschleunigung zu erledigen, damit wir endlich wieder in eine geordnete Etatswirfchaft kommen. Aus dem Etat gehe hervor, rote ernst die Zeiten feien. Preußens Finanzen feien mit denen des Reiches auf das engste verbunden, nachdem es fast feine ganze Finanzhoheit verloren». Aeußerfte Sparfamkeit fei nötig. Der Staatsrat nahm dann in einer kurzen Sitzung fast debattelos eine Anzahl kleinerer Vorlagen an.

* Der hessische Landtag wurde am Donnerstag durch den Alterspräsidenten Abg. Ullrich eröffnet. Durch Abstimmung wurde zmn ersten Präsidenten Abg. Adelung mit 59 Stimmen wiedergewählt, der den" Vorsitz annimmt. Nach seinen Begrüßungsworten wurden als zweiter und dritter Präsident die Abgg. Soherr (Senft.) und Dr. Müller (Bauernbund) gewählt. Staatspräsident Ullrich verliest hierauf ein Schreiben, wonach bie Mitglieder des Gcsamtmimste- riimns ihre Mandate dem Landtag $u Verfügung stel­len. Dann vertagt sich das Haus auf Frestag.

Anstalt».

* Die Danziger Währungsfrage. 3m Senat erklärte der Finanzfenator, daß es für Danzig nur eine Währung geben könne, nämlich die deutsche Reichsmark. Die Uebernahme der polnischen Währung komme für Danzig nicht in Frage. (Ebenfo könne von einer eigenen Danziger Währung keine Rede sein, da Danzig viel zu Kein sei.

* Opposition Ulsters gegen bas irische Abkommen. Der Premierminister von Ulster erklärt in einem Schreiben an Lloyd George, es fei für Ulster (das evang. Irland) unmöglich, jemals dem irischen Freistaat bei­zutreten. Die Abstimmung über das Uebevsm- kommen mit England im Sinnfeinerparlament in Dublin (kath. Irland) soll am Freitag oder Samstag erfolgen

* (Ein neues Derk des Engländers Keynes.. Der durch feine Veröffentlichungen über den Versailler Frie- bensDertrag und die Reparationsfragen bekannte eng« fische Historiker Keynes wird bereits im Januar ein neues Werk erscheinen lassen, das sich mit der Re­vision des Versailler Vertrages beschäs- tigen soll. In demselben wird Keynes für eine völlige Aufhebung der deutschen Kriegsschulden nicht sowohl an Frankreich als auch an England eintreten. Auf diese Weise hofft Keynes, dia Forderungen Frankreichs beizulegen und Frankreich zu einer gemäßigten Politik gegenüber Deutschland zu veranlassen.

va§ Testament des Bischofs Horum.

Das Testament des Bischofs Korum von Trier ist ein leuchtendes Zeugnis für die apostolische Be­scheidenheit des verstorbenen Kirchenfürsten. Lasten wir das Testament felbst sprechen:

Meine arme Seele empfehle ich der Barmherzig­keit Gottes, der Fürbitte der allerfefigftcn Jungfrau Maria, meiner heiligen Patrone und der Schutzpatron« der Trierer Dwzese, sowie dem Gebete meiner lieben Diözesanen.

Meine Bibliothek vermache ick dem Priesterieminar von Trier. Alle Ornamente, Meßgewänder. Kirchen, wasche, welche zu meinem Eigentum gehören' vermache ich noch kanonischer Vorschrift dem bischöflichen Stuhl von Trier.

Aus dem Sterbequartal sollen die Kosten meiner Begräbnisses bestritten werden. Ich wünsche, daß das. selbe nach den Vorschriften der Kirche gehalten werde einfach und ohne irgend welchen Prunk. Statt Blu­menspenden erbitte ich für meine arme Seele das Al« mosen des Gebetes. Meine Leiche soll in meiner Ka­thedrale hinter dem Grabmal. meines hochseligen Vor­gängers begraben werden. Auf einer einfachen Platte soll nur mein Name mit den nötigen Daten geschrieben werden.

Ich hätte gerne armen Kirchen und frommen Ver­einen etwas geschenkt. Allein ich besitze kein Vermö­gen. Den Armen und für fromme Zwecke habe ich während meines Lebens nach Kräften gegeben.

Meine Geschwister werden wenig erhalten. Ich durfte die Einkünfte meines heiligen Amtes nur zum Besten der Kirche verwenden. Wenn meine Familie dem Glauben mid der Kirche treu bleibt, so ist sie reich genug.

Die Gläubigen meiner Diözese bitte ich innig um ihre Fürbitte. Das Bischofsamt ist verantwortungsvoll. Gott wolle meiner armen Seele gnädig fein."

Angesichts dieses Dokuments christlicher Demut, Bescheidenheit und Mildtätigkeit drängt sich unS die Lraae auf. w» fjuü> die Kirchens eirrdtz- wo *«t.