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Donnerstag, 15. Drr. 1921

Bezugspreis: Monauich 5.0j IIZi. sugefieüt frei ins Haus- " Aboeholi in der Gejchästsst, lle 4 60 ZHt. > Anzeigen: Rieinseile nach !tt o > on e ima ß 1 matt; Siefiame seile (T eubiene» nach Colone mag 3hsa r;

lieraniwortlict) für den ceOauiuneUen leii: Dr. I. Karner. - für die ilnseigen: I. Vorze11ei - Fulda. ~ Rotationsdruck u. Perlag der guihaer Lriiendruckerei in Fulda, 'ernifierbet Ni. 9. Teleqr.-Zlöreiie: Fuldaer Zeüu ng.

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den kreis und die Sfabf Fulda.

Nr. 288

Die Abstimmung im Durgenland

Grün, das

um'cfjtiüen

mti-her eine Mir folls sich wieder

ge- des ihn sich

hinaus ins Freie nach bcm leuchtenden dort hinter dem Hofe erhob.

Hochaufgerichtet schritt er durch den

als würde plötzlich eine Binde von feinen Augen ncmmen, die ihm verwehrt hatte, das Weben Lenzes zu gewahren und unwillkürlich drängte es

nehmen Herrn der vorhin bei ihm gewesen, neue lohnende Arbeit übertragen worden? recht fein!" brummte der Riese und begab

anderes Gesicht ar nicht mehr io trübselig und ver­drossen wie die ganze $<t her! Hatte er am Ende in ber Lotterie gewonnen, oder war ihm von dem vor-

Hof nach dem Tür der Werk, nachguckte und sollte denn das

Äus dem besetzten Gebiet.

* Z'nmer robbet b'e farbigen Truppen! Die Be läftigung anständiger Damen durch Annehörine der farbigen Truppen nehmen in letzter Zett wieder in beängstigender Weise zu. To wurden an e nein einzigen Ta e allein in der hart be'euchteten Um e end deS Bahnhofes in M ai nz kurz nacheinander drei Damen von marokkanischen Soldaten angefallen.

Das Hin» in vier sie bet Srinjo'en. Slu^ A ichen wird berichtet, batz ein dortiges ßtüße» Lichtspielhaus

be« Lenzes ruhen. Da sprießte und keimte es allent­halben dem Lichte entgegen wie die noch von der Last des Zweifels begrabenen leisen Hoffnungen seiner Seele. Ein Schwarzköpfchen schmetterte von der näch­sten Ulme seinen Frühlingsgruß herab war es nicht, als rufe das Vöglein dem sinnenden Manne tröstende Worte und die Verheißung zu. daß es des Herzeleids und Sammers genug fei, daß der Hauch des Lenzes alles innere Qualen hinwegblase? Mechanisch richtete der Sinnende den Blick nach dem munteren Sänger, der eben behend in den Nachbargarten flatterte, um auch dort sein Lied von Lieb und Lust erklingen zu lassen.

Ein seltsamer Schreck durchzuckte Konrad Hochfeld, als er dort durch das erst von einigen Ranken durch- flochtene Gitter eine schlankgewachsene Frauengestalt in schwarzem Gewände gewahrte, die mit gsenkttm Haupte sich auf dem nach der Mauer führenden Wege nahte. War es nicht, als fei bie Urahne Ruperta Hoch, feld, deren Bild droben in der Staatsstube hing, aus ihrem Rahmen getreten und wandle wieder von Le- bcnsod-m beseelt, dort drüben? Genau das nämliche ovale Gesicht, das goldblonde Haargeringel, die schlanke Gestatt, genau die nämlichen tiefbraunen Augen, die sich mit einem Ausdruck von leichttm Erschrecken und banger Scheu auf ihn richteten. War das die Tochter aus dem Nachbarhause, das Kind des vornehmen Herrn Albrecht Hohenlels? Ein schönes Mädchen da« mußte ihr der Neid lasten! Merkwürdig, daß ihm die verblüffende Aehnllchkeit mit feiner Urahne früher noch nicht ausgefallen war! Allerdings hatte er die hoch- mutig» Gesellschaft im Nachharhau'e absichtlich niemals eines Blickes gewürdigt und das Fräuttin höchstens hier und da einmal auf der Straße ober im Wagen gesehen, meft-ns verschleiert bie junge Dame genauer zu be­trachten, hatte er ja auch gar ke'ne Veranlassung. Umso mehr fesselte ihn jetzt bie Aehnlich'eit mit dem allen Fomilienbilbe. Verkörperte sie doch das, was er feit früher Sugenb als den Inbegriff weiblicher Heldselig­keit betrachtet hatte; selbst die Augen der jungen Dame hotten den nämlichen fünften Ausdruck wie die der schönen Ruperta auf dem Di'de, in ihrmn tr«- roeb-r Stolz noch Hochmut, weit eher bescheidene Ehrfurcht Dor ihm, dem älteren Manne, zu lesen

<3on[c6unfl Mat.)

Abstimmungsergebnis nud Protest.

In dem erbitterten Kampf zwischen Oesterreich und Ungarn um den Oedenburger Bezirk ist gestern bereits eme Entscheidung gefallen. Wir erhalten folgende Meldungen:

wtb Dien, 14. Dez. (Tel.) DasNme Wiener Tage- blatt" meidsi: Nach einer Meldung aus Oebenburg haben dort 13 555 Wähler abgestimmt. Davon nxrreu für Ungarn 10 430, für Oesterreich etwa 3000. Das Derb lochen Debcaburgs bei Ungarn kann demnach als ge­sichert gelten.

wtb Wien, 15. Dez. (Tel.) Wie di« Blätter melden, wurde gestem abend am maßgebender Stelle erklärt, daß durch bie vertragswidrige Vornahme der Abstim­mung im Dodenburg das Venediger Protokoll nicht mehr als bestehend zu betrachten sei, daß Oesterreich vielmehr für das Oedenburger Gebiet nunmehr die Anwendung des Vortrags von St. Germain verlange.

Baron, schenken mir bie Hoffnung zu neuem Leben! Eine Bitte habe ich noch, Herr Baron: lassen Sie mich über ben Erfolg Ihrer Nachforschungen nicht lange im Zweifel, bamit ich aus ber entsetzlichen Ungewißheit herM'skomrne!"

Machen wir, machen wir!" tröstete ber onbere. Spreche in längstens einer Stunde wieder bei Ihnen vor! Kann mir denken, wie Ihnen zu Mute ist."

Damtt brückte er dem Hausherrn nochmals bie Hand und entfernte sich eilig. Gleich barauf hörte man seine braußen haltende (Equipage wegfahren.

Wie Erlösung war es über Konrad Hochfeld ge­kommen. Hatte ihm der Besucher. Baron von Greiffen­stein. auch nicht den klgren Beweis für die Unschuld seines Sohnes gebracht an feiner festen Ueberzeu- gung von besten Schuld war doch stark gerüttelt wor- den und ein Sttahl froher Hoffnung drang wieder in feine verdüsterte Seele. Wurde dies Hoffen nicht bestärkt durch den hellen Sonnenflimmer, der in brei­ter Flui durch bas geöffnete Fenster auf bie Dielen ber Stube siel, durch die lau wehende Frühlingsluft und den von ihr hereingetragenen Duft des in Blüten­pracht stehenden Gartens, durch ben heiteren Gesang ber Gesellen aus der Werkstätte? Es war dem Meister,

Deutscher Reichstag.

Kleine Vorlagen.

Der Reichstag hat am Mittwoch eine außer- oe deutlich fruchtbare oesetz.ieberische Arbeit pelciilet. (Eine ganze Reihe von Vorlagen wuide ohne erhebliche Aussprache entweder an die zuiiändigen Ausschüsse ver­wiesen oder aber gleich verabschiedet. Das Gesetz betr. die Abänderung der Kohienfleuer wurde dem Steuer- auSschutz überwiesen, ebenso die Vorlage betr. die He.absrtz.mg der Tabakzölle. Ferner wurde dem Aus- schuß überwiesen die Vorlage betr. die Verlängerung des Kapitalflucht-esetzes; die Vorlage betr. die Er­höhung der Postgebühren gelangte debattenlos an den Postgebührenausschutz. An den Steuerausschutz ging der Gesetzesantrag des Zentrums auf Aenüerunz der Einkommensteuer.

Andere Vorlagen fanden ihre sofortige Eriedlgung, darunter die betr. der BerlängerungSfrist des Server, sicherungsgesetzes.

Nach (Erledigung dieser Vorlagen fetzte daS Haus die am Dienstag in vorgerückter Abendstunde begonnene Besprechun,; der Interpellation über bie Vor- gütige in der Pfalz fort. Wie am Dienstag, an welchem Taue für die Regierung der Rcichsinnen- minister Köster und für das Zentrum der Adg. Hofmann- Ludwi shafen in überaus wtrlun Svoller Weise den schäristen Protest ge. en die Willkürherrschaft in ber Pfalz erhoben hatten, so gestattete sich auch Oie weitere Besprechung am Mittwoch zu einer einmütigen Protest­kundgebung der deutschen Volksvertretung gegen die willkürliche und herausfordernde Herrschaft der Fran­zosen in der Pfalz.

Garten, so daß ihm der eben unter bie ftätte getretene Altgeselle verwundert verständnislos ben Kopf schüttelte. Was bedeuten? Der Alte machte ja auf einmal ein ganz

zu feinem Amboß.

Konrad Hochfclb hatte bas Rasenronbel mtd ftafih jetzt in der erhöhten, von Geihblatt und wildem Wttn umwucherten Laube. Sinnend, mit einem unwillkürlich über ihn getmrmcn-n Behag-n ließ rr die sßlitfe auf der rings um ihn sich entfaltenden Pracht

Dor einer Umbildung der Regierung?

Wie derLokalanz." wissen will, sei eine der Voraussetzungen, die von englischer Seite für tr- gendwelche Abmachungen in finanzieller Hmsicht verlangt werden, die Festigung der deut­schen Regierung. Damit würde also die Frage der Regierungserweiterung wieder akut wer­den und in parlamentarischen Kreisen sei es, wie das Blatt weiter mitteilt, kein Geheimnis, daß Be- sprcchungcn mit der deutschen Volkspartei und den Demokraten wegen die Eintrittes in die Koalition unmittelbar bevorstehen.

Robert Cecil kommt nach Berlin.

In Berlin verlautet, daß Lord Robert Cecil in Kürze nach Berlin kommen werde, um sich über dieLageDeutschlandszuunterrichten.

bedingt notwendig sei, baß man weiterhin dafür sorgen müsse, wie auch bet Volkszchullehreischast die Bil- bungsxinrichtungen ber Hochschulen am besten unb wirlssmslen zugänglich gemacht werden können. Beim Minister fanden diese Wünsche größtmöglichstes Entgegenkommen.

Gleich an ben Anfang seiner Ausführungen setzte er den Gedanken, der siche rich von allen Seiten Billigung erfahren wird, daß die Frage ber Lehrerbil- bung bas A und O ber ganzen Voiksschul- reform sei und daß sich mit dem Geist ber Voiksschul- lehret auch bsr Geist der Schule Hobe oder senke. Darum will der Minister alles dazu tun, um, well ber Lehrer unter der Abseitsbttdung so sehr gelitten hat, diese Ab- fo'cksbiDrmg zu beseitigen. Auch die Not der Lehrerschaft findet einHchonde unö liebevolle Behandlung von allen Seiten. ,

Don sozialistischer Seite fordert man den A b - bau ber Mittelschulen, well man dor Meimmg ist. baß bie Volksschule die Höhe der Leistungen ber Mit- tcischule erreichen mäste. Don anderor«, so vor allein durch den Redner der Dolksvavte-s'er wirb biefer Forde- vung lodhaft widersprochen. Daß der Sprecher bor M.hr- h-itssvz'olisten ferne Ausführungen mit der grundsätzlichen Frage beginnt: wie der Minister zur DenveMchtmg der Schule stünde, nimmt nicht Wunder, wenn man weiß, daß diese Forderung bei jeder paffenden und unpaffenben Ge- legcnheit von der soMist schn Lehre-rschaft in bie De­batte geworfen wird. Der Minister weicht nicht aus. Er betont, daß eine weltliche Schule noch nicht bestehe: beim die rorhanbemm Sammelklasten sind wettliche Schulen nicht. Herr Bölitz will m diesem Punkt« über die Kim- zessionen feines Ämtsrorgüneers nicht h'.nausgehen und m't einer gewisten Wärme fügt er hinzu, daß er wohl öiffe, was' wir ber christlichen Schule zu ver­danken bätion. Herr Dösitz scheint absichilch in diesem Fall« sich des Ausdrucks konfessioneller Schule nicht bodient zu hoben: auch hier bringt bei ihm der bnndunU durch, den er schon immer als Abgeordneter vor treten hat, daß ihm bas christlich gleichzusetzen ist mit ber Simultan schule der alten Form, also bot kon- feffonett gemischten Schule mit christlich-nationaler Grund-

* Mr bSt-m Sy?rnn Dol'tz doch zu daß

wiDiednesalls ganz gut wissen, was bie konfession. Schulen m ihrem scgensreichm Wirken für bk innere Charatte-r- sormung zu bedeuten hoben.

Dom Zentrum spricht zu ber Materie bet Abg. ®oif- walb-Berlm. Auch er betont die Notwendigkeit der Volks- wirtschaftlichen Ausbildung des Lehrers und wünscht seine Teilnahme an ben Bildung seine ch u ng.en ber Hochschuen. Auch neuen Ge.dan.ken steht er nicht ab'chnenü gegenüber, sondern zeigt sich ihnen zugänglich, eine Sl enden,ma des R-'chsschulr^etzes im Sinne dsr sozialistischen Wünsche lehnt er eirischicben ab und erntet dafür den lauten Be.lall ferner Fremde. Die UmmanMung einer katholischen Leh- renstell« in eine ovangeKsche durch die Regierung in Wies- baden roitö von ihm gerügt. Ein Steaenmgsoertretet versprich! bie nochmalige Prüfung dieses Falles.

Die anveaende Ausfprochd hat die Fragen dos Lehrer- bWungswefrns zwotfesios gefärtert. Der Snitersetat wird nach den Ausschchn-nträgen armenom.mML Abgelehnt wird eine Reche unobhSmriqer Anträge, darunter auf Abbau ber MittÄschallen. D« ist die zweite Beratung des KulimshaushÄts erledigt.

Es folgt die Beratung bor mit der Besprechung ver­bundenen Haushalte bet Hont ralgeno ston fchaf!s kaffe, dar SachanLlunp. dsr Starttsfchr.Gdsnverwaltung, des Fi­nanzministeriums imb der aögemetnen Finanzvcr- roaTtimg.

FinamzmÄrisler Dr. v. Richter: Dsr Etat für 1922 ist dem Staatsrat schon jugerangsn, der ihn bis zum 17. Sa« swrr orled'nen dürfte. Dann wird der Etat 1922 dem LanLtag spätestens cm 20. Januar zugehen. (Boifallh Hinsichtlich dsr preußischen Finanzen warne ich vor Opti­mismus. 3m Reich sind bie Finanzen katastrophal, und von chnen hängen wir ob. Reinstelre Scheidung zwischen Reich. Ländern r«b Goms'rrderi ist erstes Erfordernis. Die Beamtenschaft muß aus allen Kreisen ber Bevölkerung genommen werden, ohne Engher- zsgkrit, weder politisch noch religiös.

Nach kurzer Debatte wird die Wotterbevatimg auf Donnerstag vertagt.

Ritter von der traurigen Gestalt.

Schiusi der Beweisaufnahme im Kapp Puifchprozetz.

Die Beweisaufnahme im Hochverrat-Pro­zeß gegen v. Laaow, Wangenheim und Schiele ist gestern beendet worden. Am Freitag beginnen die Waidoyirs.

Die Beweisaufnahme mit ihrem großen Zeugen­aufgebot hat auf den Märzputfch des Jahres 1920 uni damit auf die rechtsradikalen Streife, auf die Haupt- rufer der ehemaligenVaterlandspartei" nachrragrich noa) eigenartige Schlaglichter geworfen. Es find meist keine erfchütternden Talfachen, aber sie charackerifieren das Kapp.rttlieu jo unbarmherzig, daß man von Mit- leidsMgungen ergriffen fein konnte, wenn die Folgen des Kapp-Putfches nicht io traurige gewesen wären, Dse drei Kappminister auf der Anklagebank find nichts anderes chsstille Teilhaber" am Kapp-Unler- nehmsn gewest». Das brhaup.eii sie nicht nur selbst, forröem das wird auch von ten H isershechttn und von den Kappministern bezougt, die die Vsrtei'.e der Am­nestie gmeßei, dürfen und die als Entlaftungrzeugen für die Angeklagten aufzutreten versuchen. Wir er­leben indessen das merkwurdigi: Schauspiel, daß gerade die Entlastungszeugen meist immer zu Belastungszeu­gen werden. -J

Die in Leipzig vernommenen Kappminister hätten im Berein mit d:n drei Angeklagten ein herrliches Ka­binett abgegeben. Es darf nicht oergeffen werden, daß man ja eine Regierung der Tat bilden wollte. Es biieb aber nur beim Wort. Von den Worten wurde inliifstn so ausgiebig Gebrauch gemacht, daß einer, der Finanzminister von Kapps Gnaden werben wollte, der Zeuge Bank, von der Neichskanzlei als von einer Schwatzbude sprach, ein Wort, das deutschnalionalen Helden ähnlichen Schlages immer mir auf den Reichstag anzuwonden belieben. Und dann sehe man sich Gottfried Traub an, von dem durch Zeugenau-sasseit gerichtsnotorisch gesagt wird, d«ß er beim Kapp Putsch überhaupt nur eine komi« s ch e Figur gespielt hat. Traub ist ja eigentiich in die Lerschwörcrscl-ar nur dadurch hineingeraten, daß er einer Dame galant und höflich einen Koffer am 12. März in Kapps Wohnung hat tragen helfen. Das ihm übertragene Kul­tusministerium hat er in Wirklichkeit nie betreten, und die Press, vertteter, b.nerr er sich widmen sollte, haben ihn am 14. März ausMlacht, so daß man wohl oer- st.hen kann, wie froh Traub war, als er in einem Himerzimmer der Reichskanzlei Besucher abfertigen durste. Der ab, wüvdigWursehende, 62jä()rig: Herr Sönksen, wahrend der Kappzeit Neichspostminister, ist ebenfalls kein Mann, der eiirn Um sturz hätte machen können. Mit sanfter Stimme erzählt der alte Herr, daß er am 13. März zu Kapp gesagt habe:Ich kann Sie als Rcichskaiizler nicht anerkennen, denn Sie sind nicht rerfasfun^smiißig berufen." Später der Miniftei-posten doch gelockt, der Teufel des Ehrgeizes hat nach allen Anzeichen sich nicht verrechnet. Finanzrat Bank war schlmier. Neichspostminister wollte er gern werd n, aber es mußte eine sichere ©balle sein. Er begriff wenigstens, wohin der Hase lief, und er suchte noch mit heiler Haut aus ber brenzlichen Affäre hiuauszu- fommen. Wie dieseGroßen", so auch die Kleinen. Wie bin Minister, so die Helfershelfer. Alle diejenigen, die vorher so tapfer dieFutterkrippenwirtschaft" ge­schmäht hatten, waren jetzt dabei, als nach ihrer Mei­nung eine Umgruppierung eingetreten war.

Bon der merfmürbtgr-n Geistesverfassung brr Kapp- Helden, die sich einbildeten, das deutsche Volk auf die richtigen Wege zu bringen, zeugen noch folgend: Aussage des Zeugen Bredereck: Bredereck traf in der Kreuzung der Charlottenburg/r Straße mit der Siegesallee dir Spitze der dort weilenden Ehrhardttruppen. Er beob­achtete, daß Kapitän Ehrhardt eine Meldung bekam und danach an Kapp herantrat mit den Worten:Ber­lin ist von der Negierung rrrlaffen, übernehm n Sie die Regierung, Herr Geheimrat. Nun sangen Sie aber an, zu regieren!" Als man dann in die Reichskanzlei k «v, faßte sich Kapp an den Kopf und tief:Herrgott, wo ist denn Schnitzler? Ohne Schnitzler kann ich nicht regieren!"

BvTsereck erzählt weiter, er fei von rechtsstehenden Blättern, zu allererst von derKreuzzeitung", angerufen worden: ihr? Gebäude würden durch Sick^rheitspolizei besetzt und das Erscheinen der Zeitungen verhindert. Bredereck ging in die Reichekanzbei hinüber und traf dort Schiele, der ihn an dm Oberleutnant v. Kessel verwies. Schiele habe ihm nebenb i gesagt:Wer hat Sie denn beauftragt, mit der Presse zu sprechen? Halten Sie sich lieber zurück!" Oberleutnant v. Kesiill habe ihm dann erklärt, die Zeitungen bleiben auf einige Tage verboten, damit die Bevölkerung nicht beunruhigt werde. Als Bredereck ihm sagte, dies? Maßnahme würde im Gegenteil das Volk erst recht beunruhigen, behandelte ihn der Oberleutnant wie ein n Rckrueen und rief:Linksum kehrt! Sie Presse bleibt verboten!" Darauf zog sich Bredev:ck von der ewen Sache zurück.

Wenn der Kapp-Putsch damals nicht einen General­streik und blutige Kämpfe in ben Jndustriegcbii ten zur Folne gehabt hätte, könnte man das Ereignis mit seinen an Don Quichote denRitter von der traurigen Gestatt" gemahnenden Akteuren von der humoristischen Seite betrachten. So muß dtt: gerichtliche Aufrotsiittg der Vorgänge wenigstens die rechtsradikalen Gesimmngs- O'rrofferr Kapps durch den Fluch der Lächerlich­keit von jeder Alsickst einer Wiederholung dieser Staatsstreichgelüfte kurieren.

Der Zwang zur Diskretion

in der Reparalionsfrage.

Das Reparationsprodlem ist in einer langen Eitzuttgdes Reichskabinetts besprochen wor­den. Das Kabinett hat sich feit geraumer Zest znin ersten Ma! wieder bei dieser G legi nheit mit den großen außen- und innenpolitischen Fragen im Zusammenhang besaßt. Im Mittelpunkt der Kabinettsitzung stand ber Bericht Rathenaus über seine Verhanidlungen in London und läng: re politisch: Ausführungen des Reichskanzlers Dr. Wirth .

Die strenge Vertraulichkeit der Derhand- lungen wird weiter gewahrt, und es ist. wie wir wie­derholt betonsn, völlig niißig, sich irgendwelchm Kom­binattonen Über die Lage hinzugeben. Die streng ver­trauliche Behandlung der ganzen Angelegenheit liegt durchaus im Interesse der Sache, zumal nicht Dsulsch- land allein der Beteiligte ist, sondern in erster Linie England und Frankreich den Ausschlag geben. Die ganze 8ingelegimheit kann auch naturgemäß nicht früher ipruchreif sein, bevor sich die alliierten Mächte geeinigt haben. Dies farm aber nicht vor Ablauf dieser Woche geschehen, da die Zusammenkunft zwi- schen Lloyd George und Briand erst zu Dr- ginn der nächsten Woche stat.'sindrn wird und, wie es noch übereinstimmenden fraiizösischen und englischen Dlätterme'drm^yn heißt, mehrere Tage in Anspruch nehmen wird.

SobÄÄ es möglich fein wird, wird die Reichsregie- vimg zweifellos der dimtschen Oeffentlichkeit die nötigen Mitteilungen über den Stand der Dinge nicht vomnt- hatten. Bis dahin aber sollte man sich Zurückhaltung auferlegen und auch den bei solchen G legi^rcheiten immer auftmlchenden Mitteilungen keinen Glauben schenken.

Man wird sich vor allem auch darüber im klaren sein müsien ,daß Fragen von so außerordentlich wich­tiger ja für Deutschland entscheidender B deutuna nicht von heute auf morgen entschieden werden können. Solche schwerwiegende Fragen brauchen Zeit, und alles muß vermieden werden, was die im Gang befindlichen Verhandlungen stören könnte.

Tagung des Hauvkausfchufses der deutfchm Industrie.

Der Hauptaasschuß und der Vorstand des Reichs­verbandes der deutschen Industrie tagte am Mitt­woch in Berlin. Auf der Tagesordnung stand u. a. die Wahl des Präsidiums. Es wurde in fei­ner alten Zusammensetzung wiedergewählt.

Preußischer Landtag.

Lehrcrbildungswesen und Volksschulen.

Die foritefsnbe Dobatte ü&cr ben Hmwhait des Mi- ttoftmiums für WsiMschast, Kirnst und Bo'lsblKmne am Mittwoch sprach man über den »iertsn Abfchnttt mstÄtete sich zu rimer lebhaften Ausrinanderietzung ber Part ei en 3>er das LehrerbiL-ungswefen und die Dolks- schulm.

Wenn auch hier und da, wie bas sslbstoerständsich ist, die MelnrnMn der öinzÄnen Potteioert^reter azseinember» gingen, so ist dieses Gebiet doch derart, daß sich hier unter den emzebnon politische Dertretorn mehr Berüh- runTS- und $ er finiipf unps pimfte zeigm, als irgend anders­wo. So kam es, daß sich verschiedene Grundforde- rungen der von den PattÄen vorgefchickien Redner, die alle dem LohnorstAiÄe «mgchöinten, immer wieder­holten, weil die Irrte reffen gemciinsem waren.

Dor allem nnr.be der Gnmdsatz ausgestellt und Mch vom KMrWMMistor Dr. Bo Ätz nicht nur gewürdigt, son­dern gebilligt, daß die Durchdrlngunr, der Lchronschaft mit volkswirtschaftlichen Kenntnissen rm-

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Davon später! Ich werde jetzt selbst Recherchen anstellen und mich sofort zu Firnhaber u. Co. begeben. An dem betreffenden Tage habe ich zwei Schecks von je 3000 Mk. ausgeschrieben; den einen erhielt Ihr Sohn, den anderen einen Monat später Sie selbst ajg Ab­schlagszahlung. Die beiden Papiere müssen sich fin.

dann aber ist der Beweis geliefert, daß der Scheck, welchen ich an Sie gegeben habe, bei der Jn- dustriebank entwendet wurde und wer dies tat, der ist auch ganz gewiß der Dieb der anderen fehlenden Sum­men.

Die mächtig, Erregung, w die Worte des alten Herrn bei seinem Zuhörer hervorriefen, äußerten sich in einem befreienden Aufatmen. Wenn sich alles so herausstellte^ wie Baron Greiffenstein voraussetzte, dann war aller Wahrfcheinüch^it noch Karl an dem ihm zur Last gelegten Vergehen unschuldig und ein anderer kam nun als Tater in Frage Aber wer war d'eser an­dere? Konnte man jetzt nach einem halben Jahre noch desien Spur ausfindig machen? Und gelang di^s nicht, mußte dann nicht Karl nach tme vor verdäch ig sein? Deshalb mußte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt werden, um L^cht in die Angelegenhtit zu bringen. Mit Baren Greiflenftein cis Bundesgenossen, dem sich alle Worten ösf-eten. gelang c3 vielleicht dann aber ein wlldes Rachegesuh' stürmt? in ter Brust des erregten Mannes auf dann sollte^ der unbekannte Schurke das unsägliche Leid, das »r über den Sehn über ihn selbst und seine Familie gebracht, it,m entgelten Dor diesem Gefühl erstarb jeder andere Gedanke, bis auf den einen: wird fiarl zurückkrhren, wird er mir meine Härte, meine Verblendung jema's vergeben können?

Der grübelnde Mann gewahrte es Mcht, daß Baron Greiffenftein sich zum Fortgehen anschickte; "erst als die. fer sich erhob und fortfuhr:

Die Sache muß klar gestellt werden, lieber Meister, das betrachte ich als meine Pflicht und Schuldigkeit' weil ich das Mißverständnis zmi'chen kihnen und Ihrem Herrn Sohn verschuldet habe. Lasten Sie m'ch nur ma­chen!" Da ergr ff Konrad Hochfeld mit beiden H'indcn bie Rechte des Besuchers und stammelte bewegt:Herr