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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 286.

Verantwortlich litt den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: A Parzeller-Fu-da. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^erniprecher Nr. S. Telegr.-Abreffe: Fuldaer Zeitung.

Dienstag, 13. Dezember 1921.

Bezugspreis: Ltonatlich 5.03 Mk. zugestellt frei ins Haus- - . Abgehoti in der GelchSftssttlle 4,60 Mk.

Anzeigen: Kleinzeile nach Coionelmaß 1 Mark: Reklamezeil e (leit breite) nach Colone maß 3 Mark.

48. Zahrg.

Kiles auf des Messers Schneide.

Lin englisches Kusbauprogramm?

Das Reparationsproblem und das Moratorium find durch die Verhandlungen, die in London geführt find und an denen auch der französische Wiederaufbau­mmister Loucheur teilgenommen hat, jetzt in das «entscheidende Stadium getreten. Nach über- «nstimmelÄren Meldungen der englischen und franzö- fischen Presse wird, wie wir schon meldeten, am 19. oder 20. Dezember eine Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Driand stattsinden, woran auch der freut- gösische Minister Loucheur wiederum teilnehmen wird, lieber das Programm dieser Zusammenkunft wird übereinstimmend aus englischer und französischer Quelle gemeldet, daß ein großer Plan zum Wieder­aufbau Europas und zur Fesrigrmg der Wäh- rungen besprochen werden soll. Es wird damit ge­rechnet, daß die Besprechungen zwischen Briand und Lloyd George mehrere Tage in Anspruch nehmen wer­den und die entscheidende Tagung des Ober­sten Rates wird für den Beginn des näch­sten Jahres in Aussicht gestellt.

Ein omerikanisch-es Blatt, dieChikago Tribüne" will in der Lage sein, die wichtigsten Punkte des eng- tischen Wiederaufbauprogramms bereits zu kennen. Da­nach sind die drei Hauptpunkte:

1. England schlägt vor, bas Finanzabkommen vom 13. August zu revidieren^ das Frankreich von der TeÄ- ncchme an der ersten bezahlten GoDmilliarbe ausschließt. Die Revision soll Frankreich einen bedeutenden Anteil an dieser Zahlung sichern. 2. England erklärt sich bereit, das französische Vorrecht auf Wiedergutmachung für die zerstörten Gebiete meijr als bisher anzuerkennen. 3. Eng­land will für den ganzen Betrag seiner Forderungen an Frankreich deutsche Bons nehmen, die Deutschland bereits auf Grund des Londoner Ultimatums ausgsgeben hat oder noch ausgeben wird.

Diese Mitteilungen d.'s amerikanischen Blattes scheinen, ganz davon abgesehen, ob sie zutreffend sind, zum mindesten nicht vollständig zu sein, sie enthalten keine Angaben darüber, wie nach dem angeblich engli­schen Programm die BÄedergutmachungsverpflichtungen Deutschlands geregelt werden sollen. Das aber wäre für uns zu wissen von ausschlaggebender Bedeutung. Solange man das nicht weiß, wird man auch nicht in der Lage sein, zu diesen Dingen endgültig Stellung zu nehmen, sondern wird sich ganz mit der Rolle eines aufmerksamen Beobachters begnügen muffen.

Von Interesse ist ferner die Mitteilung, daß Eng­land beabsichtige, mit Deutschland ebenfalls ein bem Wiesbadener ähnliches Abkommen zu treffen und es soll auch die Absicht haben, Belgien und Italien ein ähnliches Abkommen anzuraten. Belgien und Italien sollen angeblich dazu geneigt sein und der von England beabsichtigten Einladung zu einer besonderen Konserenz Folge leisten zu wollen.

lieber den Standpunkt Amerikas zu diesem Pünie verlautet, daß, wenn von den betroffenen Na­tionen selbst ein annehmbarer Plan zum Wiederaufbau Europas und der Stützung Deutschlands komme, dann würden die Bereinigten Staaten bereit sein, über eine geeignete Hilfeleistung zu verhandeln.

Rückkehr RathenaRs aus London.

Am Sonntag abend ist der frühere Mederaufbau- minister Dr. Walter Rathenau von seiner Reise nach Berlin zurückgekehrt. Eine Besprechung zwi­schen ihm und dem Reichskanzler hat bereits in den Vormittagsstunden des Montag in der Reichskanz­lei stattgefunLen; beim auch der Reichskanzler ist von Königswinter aus, wo er bekanntlich an einer Sitzung der rheinischen Zcutrumspartei beilmchm^ sofort nach der Reichshauptstadt zurückgekehrt.

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

48s -----------

13. Kapitel.

Sonnenstrahlen aus finst'rem Gewölk.

Wcrs. unser Fräulein Hedwig singt wieder ein» ma[?" sagte der riesige Altgeselle und ließ den schon zum Schlag auf das glühende Eisen hochgehobenen Hammer wieder sinken.Gott Lob und Dank da bat sie endlich das ewige Trübsalblasen dick! Dem Alten in seinem Leidmut kann's auch nichts schaden, er endlich wieder vergnügte Gesichter um sich sieht'

.. ^n^.,nD]1etlet hob er den sehnigen, an ein Bündel

n,.;qTaf,nenben Arm und ließ den Hammer dröhnend auf bas Eisen fallen daß eine funkelnde

J allen Seiten sprühte.

ci die gerade mit einer Platte

oott Kaffeegeschirr in die Stube trat, setzte fast erschro- cken ihre Last rascy auf den Eichentisch, in welchem ihr Slann finfter brütend saß und meinte zweifelnd: .Die Hedwlg singt wreder? 9a. mag ift benn mit dem TOäbel los. toebon geftern abend, als sie von dem Aus lug zuruckkam ist sie mst so sonderbar vorgekom­men! Um den Hals ist sie mir ^fallen, als märe sie aufeer sich nor tfreube und doch standen ihr die hellen Tranen in den Augen! Konrad gib Acht ob da nicht etwas mit dem jungen Firnhaber im Gange ist' Die Else hat neulich schon eine so sonderbare Bemer­kung fallen lassen, als interessiere sich it>r Bruder ernst- kich für unser Kind! Wär das ein Glück wär das e n Glück!" '

Der Meister hatte scheinbar teilnahmslos zugehört Erst bei dem letzten Ausrufe seiner Frau wandte er ihr das Gesicht zu und erwiderte mit einem fchwermü'iqen Lächeln:Glück, Mutter? An Glück glaub ich 'chcht Mehr das ist vorbei für alle Zeiten wenigstens für uns! Aber, hab ich Dich recht verstanden? Du bildest Dir ein, daß der Sohn des Millionärs an nn- fere Hedwig denkt? Setze Dir doch so kein verrücktes Seng m den Kopf!"

Er war bei Den letzten Worten aufgestanden und nachdem er einen vorwurfsvollen Blick auf seine

Die Besprechungen zwischen Dr. Wirch und Dr. Rathenau trugen selbstverständlich vertraulichen Charakter. Es dürfte darum müßig fein, sich, wie dies in einigen Blättern bereits geschieht die von ihren Gewohnheiten nach SenMonsmacherei nun einmal nicht lassen können, sich in Vermutungen zu ergehen. Dr. Rathenau ist femeryit als Privatperson nach Eng­land gereist, um in den schwebenden finanziellen Fra­gen Fühlung zu suchen und Ausschau zu haltest, wie weit auf englischer Seite die Neigung besteht zu helfen.

Es erscheint uns in dem Augenblick, wo alles auf des Messers Schneide steht, durchaus un­geeignet, irgendwelchen Versionen nachzugehen. Am Montag nachmittag hat eine Kabinettssitzung statt ge­funden, man wird nicht fehlgehen, wenn man cmninunt, daß auch m dieser von dem Bericht Rathenaus, den er dem Reichskanzler gegeben hat, die Rede gewesen ist.

vertrauliche Verhandlungen in Berlin.

Der Reparationsausschuß des Reichs­wirtschaftsrates tritt heute vormittag zu einer vertrau­lichen Sitzung zusammen. DerDmrthhen Allg. Ztg." zufolge wird der Reichskanzler dieser Sitzung beiwohnen. Es steht aber noch nicht fest, ob er in dieser Sitzung das Wort ergreifen wird. Eine Sitzung der vom Reichskanzler berufenen Krsdittommissivn ist bis­her noch nicht festgesetzt.

Wie dasBert. Tgbl." erfährh ist die Antwort der Bank von England auf die Anfrage der deutschen Regierung, ob die Bank gewillt fei, Deutsch­land einen Kredit einzuräumen, nunmehr eingetroffen. Heber die Art der Antwort verlautet nichts.

Sin weltpolitisches Ereignis.

Die Verständigung der Großmächte über den Stillen Ozean.

DieWashingtonerKonferenzhattn dem bereits gemeldeten Abschluß des Viermächteabkommens unzweifelhaft ein Ergebnis von weltpolitischer Bedeu­tung ersten Ranges gezeitigt.

Zwischen den Vereinigten Staaten und Japan waren eine Menge Konflikte angesammelt, die durch einen kleinen Funken zur Entladung gebracht werden konn­ten. Es hat nicht wenig politische Kreise gegeben, die allen Ernste» für eine nahe Zukunft mit einem japa­nisch-amerikanischen Konflikt gerechnet haben. Di>? Gefahr eines solchen Konflikts ist zweifellos durch die Washingtoner Konferenz wenigstens auf ab­sehbare Zeit behoben.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß durch die Abmachungen von Washington das englisch-japa­nische B ü n d n rs ei n En de gefunden ^-t. Man wird aber dieser letzteren Tatsache eine allzugroße Be- bedeutumy nicht beimeffen können. Denn das englische japanische Bündnis hatte als Grundlage die Abwehr aller etwaigen Expansionsbestrebungen des alten Ruß­lands im fernen Asien. Mit dem Sturz des alten za­ristischen Rußlands ist diese Gefahr lange Zeit hinaus weder für England noch für Japan nicht so stark ge­geben, wie es vor dem Weltkriege der Fall war. Außer­dem bietet das Stille Ozeanabkommen, wenn man es jo nennen darf, den Washingtoner vertragschließenden Parteien einen vollgültigen Ersatz.

Das Abkommen, das jetzt den Parlamenten der vertragschließenden Länder, Amerika, England, Japan und Frankreich zur Ratifizierung unterbreitet wird, läßt die bestehenden Rechte an dem Jnselbffitz im Stil­len Ozean unberührt. Für den Fall, daß eine Mei- nungsverschiedenhen nicht auf diplomatischem Wcg; beigelegt worden kann, mufj eine Konferenz der

Frau geworfen hatte, langsam an das nach dem Hofe zu gehende Fenster. Wenn Hedwig Hochfeld ihrem Bruder Karl geschrieben hatte, daß der Vater sich in letzter Zeit sehr zu seinem Nachteil verändert habe, dann hatte sie nicht zuviel gesagt. War auch seine Ge­stalt noch ebenso hoch aufgerichtet wie vor einem hal­ben Jahre, so sah man ihr doch das Gezwungene der Haltung an und gewahrte man die in Leid erstarrten, tiefgefurchten Eesichtszüge das an den Schläfen schloh­weiß gewordene Haar, rote seinen todestraurigen Blick, dann mußte man sich sagen, daß ein Sturmwind über ben starken Mann dahingegangen war, der ihn bis in das innerste Lebensmark erschüttert hatte. Da war nichts mehr von der biderben Kraft, dem gemächlichen, zur Heiterkeit neigenden offenen Wesen zu gewahren, vielmehr drückte sich in den schlaffen Bewegungen Konrad Hochfclds etwas wie greisenhafte innere- bigteit, wie seelische Erschöpfung aus, als halte er es nicht mehr der Mühe wert, sich aufzuraffen.

Frau Hochfeld blickte zagend auf ihren Mann und sagte beschwichtigend-Aber Konrad es ist wirklich kein verrücktes Zeug! Die Else hat Andeutungen ge­macht, die gar nicht mißzuverstehen sind! Du weißt ja, wie die Mädchen für das Theater schwärmen da hat die Else bann im Scherz unsere Hedwig mit dem Gretchen" verglichen und hat gemeint, daß sich auch einFaust" für sie finden würde, wenn er auch nicht Heinrich, sondern Kurt heiße!"

So, hat sie das?" lachte der Meister hohnvoll auf. Hat sie auch dazu gesagt, daß der Kurt unser Kino schließlich sitzen läßt, gerade so, wie es der Faust mit dem armen Sing, dem Gretchen, gemacht hat, Schlag Dir doch die Gedanken aus dem Kopfe! Der benft an unsere Hedwig so wenig wie der Großmogul! Und wenn er's tat, meinst Du, ich hielt das für ein Glück? Wei! sie wie ein Vogel im Hanfsamen sitzen würde? Pah! Das Gold macht nicht glücklich darin halt' ich es mit meinen Vorfahren! Die Hedwig hat ihr Glück verscherzt ihr ganzes Lebensglück, bas sie an der i Seite eines braven, ehrenwerten Mannes gefunben j hätte. Der Wilhelm' hätte sie glücklich gemocht bar- . auf kannst Du Gift nehmen! Traurig genug, daß sie dem den Laufpaß gegeben hat und jetzt schon wieder i an einen anderen denkt." 4

unterzeichneten Mächte als Schlichtungsinstanz zusammerttreten. Auch falls eine außenstehende Macht die Rechte eines Beteiligten bedrohen sollte, trift eine Konferenz der Unierzeictmeten zusammen, um eine ge­meinsame Richtlinie festzulegen. Das Abkommen "ift zunächst auf zehn Lahre abgeschlossen. Nach Ablauf dieser Zett ist jdcr der Unterzeichner berechtigt, das Abkommen mit zwöffmonatiger Frist zu kündigen.

Die Vereinigten Staaten machen ihre Unterschrift von dem Abschluß der Konvention mit Japan über die Verhältnisse auf der JnsÄ Arp und den Mandats- rnseln nördlich ikj Aequators abhängig. Die Verhand­lungen darüber stehen bereits vor dem Abschluß. Eben­so ist eine Einigung über die Mandoismseln südlich des Aequators zu entarten.

Lodge, der Vertreter Amerikas in der Verhand­lung. fügte hinzu, für den Fall, daß ein: militärische Aktion notwendig werden sollte, seien keine Verein­barungen getroffen worden. Man wolle versuchen, den Frieden im fernen Osten zu sichern, indem man sich auf Treu und Glauben und die ehrliche Gesinnung der vertragschließenden Parteien verlasse. Er sei über­zeugt, daß dieses Vertrauen berechtigt sei.

Hu$ dem besetzten Gebiet.

* Erregung in der saarländischen Vergarbeikerschafi. 3m ganzen Saargebiet haben äußerst stark besuchte Bergarbeiterversammlungen ftattgefunben, in denen die Erregung über ben Lohnabbau in einer Zelt ungeheurer Preissteigerung zum Llusbruck kam. Alle Teilnehmer waren unterschiedslos darüber einig, daß man geschloffen zusammenstehen müsse zur Besei- tigung der herrschenden mißlichen Derhältniffe.

ttapp-putsch-prozetz.

Der 5. Berhandlungstag brachte weitere Zeu­genvernehmungen, die keine Ueberraschungen brach­ten. Der interessanteste Zeuge war der frühere Reichsjustizminister Schiffer, der in Berlin als Ver­treter der Regierung zurückblieb. Morgens ging ich, so erzählte Schiffer, in die Reichskanzlei zu Kapp, bei dem sich von Jagow, Falkenhausen und andere befanden. Kapp fragte mich, ob ich die Konsequenzen aus den Ereignissen ziehen wolle. Ich erklärte, er habe kein Recht zu seinem Vorgehen; aber mir stünden Machtmittel zum Widerstand nicht zur Verfügung. Don Jagow mischte sich ein und sagte mit einer nichtachtenden Handbewegung: Wie kann man nach den Novembertagen in diesem Hause noch von Recht sprechen? Ich traf in meinem Ministerium zwei Offiziere, die mich verhaften wollten. Ich wurde veranlaßt, das Haus nicht zu verlassen. Mein Ehrenwort zu geben, lehnte ich ab.

Die Schule -er Sozialdemokraten.

Die Vereinheitlichung der Schule oder die Einheits­schule, welche die SoziaDomvkratie dem dmischen Volke bringen will, erstrebt als Hauptziel die Weltlichkeit des gesamten Unterrichts, und Erziehungswaftns.Der geistige und sittliche Befreiungskampf des Volkes und der Menschheit" ist ja txei ihr immer der letzte Zweck des wirtschaftlichen und polüsschen Kampfes gewesen (Hohmami. Das Schulprogramm der Sozialdemokratie, 1921, S. 7). Darum ist es nicht zu verwundern, wenn die Beseitigung der konfessioitellen Schule und die Aufhebung des Religions­unterrichts auch in den simultanen Anstalten von vornherein eine vordringliche Forderung des sozialisti­schen Schulprogramms war und einen Gegenstand Höch, ster Sorge im politischen Kampfe darstellte. Die Ver­fassung des neuen Deutschen Reiches war gerade auf bem, Gebiete der Schule auf ein Kompromiß an­gewiesen, und der Reichsschulgefttzentwurf tonnte

3n Erregung schritt Konrad Hochfelb in her Stube auf unb ab. Äks er jetzt die verschüchterten Blicke fei. ner Frau auf sich gerichtet sah, ging es rote ein Zug von Mitleib über fein vergrämtes Gesicht unb stehen bleibend fuhr er gemäßigter fort:Der Verkehr in dem vornehmen Hause paßt nicht für die Hedwig, Mutter, besonders jetzt, wo der junge Herr wieder zu Hause ist. Sorge Du dafür, daß er möglichst eingeschränkt wird und nach unb nach ganz unterbleibt. Ich will nicht, baß unser Kinb, bas einzige, das wir noch haben, viel, leicht eine Herzensrounbe bavonträgt! Besser bewahrt wie beklagt!"

Aber Konrad wenn es aber doch wahr wäre. Denke Dir doch eine solche Partie! Könnten wir es bann verantworten, ihrem Glück im Weg gestanden zu haben?"

Dem großen Glück des Reichtums, Mutter? Bist Du auch von ber allaemeinen Sucht nach dem Golde angesteckt? Auf ber Jagd nach dem Glücke hat schon mancher ben Hals gebrochen! Doch warum sollen wir Worte über etwas verlieren, von bem wir nichts Be­stimmtes wissen? Verhält es sich so, wie Du vermutest und wie es scheint auch wünscht, bann bin ich der letzte, ber ihrem Glücke, wie Du sagst, im Wege steht. Aber meine verdammte Pflicht und Schulbigkeit ist es, ihr zu sagen, was ich denke!"

Der Eintritt ber Tochter unterbrach das Gespräch. Der Hedwig noch vor wenigen Tagen gesehen hatte, wie sie still und in sich gekehrt ihre häuslichen Oblie- genbeiten verrichtete, auf die an sie gerichteten Fragen wohl sanft mit leiser Stimme Antwort gab, aber habet eine Miene zur Schau trug, als wäre ihr alles, was um sie herging, gleichgültig, der mußte allerdings über die seltsame Veränderung erstaunen die sich heute in ihrem ganzen Wesen offenbarte. Wie ein Schimmer von namenloser Glückseligkeit lag es über ber liebli­chen, hellgeklcibeten Gestalt, strahlte es aus ben seelen. vollen, tiefblauen Augen; als wäre ein blütenbuftenber Sote des Frühlings eingetreten, fo strömte von bem schönen Mädchen mit bem lächelnden Kindergesich.'chen ein Obern aus, der unwillkürlich herzerguickend unb forgenzerstreuend wirkte, sodaß selbst die finstere Miene Konrad Hochfeldz sich um eine Schattierung aufhellte.

gleichfalls diese Bahn nicht verlassen. So besteht sirr die Konfessionsschule unter gewissen Bedingungen noch die Möglichkeit des Daseins, wenn auch nur als Aus- mchmeschuie. Daher der heftige Kampf, der von solchen Sozialisten geführt wird, die weniger Politiker und Taktiker sind und die geschichtliche Entwicklung nicht be­achten. Hierin finden sie aber liebevollste und einfluß­reichste Unterstützung der demokratischen Partei und des großen deutschen Lehrervereins.

Artikel 135 der Verfassung des Deutschen Reiches sagt:Alle Bewohner des Reiches genießen voll, Glaubens- und Eewissenfrriheit."Der Wille der Er- ziehungsberechtigten ist möglichst zu berücksichtigen." Nirgends aber zeigt es sich mehr als ine hier, mit gleichgültig den Sozialdemokraten und chren Gesin­nungsgenossen die Verfassung, ist, wenn sie die Gewiss fcnsfteiheit anderer berücksichtigt. Es ist u izweifelhast eine Frage, die tief in das Gewissen der Eltern ent« greift, m welcher Weltanschauung ihre Kinder erzogen werdcn. Die weltliche Schule legt sich doch überhaupt für keine Weltanschauung fest, so sagt man .vielfach. Indes gestehen selbst manche ihrer Anhänger yt, daß diese Annahme nicht zutrifft. Der gegenwärtige Reichs- justizminister erklärte aus dem Dresdener Ku ltur tag» in seinem ReferatWeltliche Schule und Weltanschru- ungsschule":Auch die weltliche Schule vertritt e-t.-e bestimmte Weltanschauungsrichtung, eine gewisse geistigr Entstellung, aber ohne sie in ein Bekenntnis dogmatisch zu binden, ohne sie der Aufsicht einer weltanschaulicher Organisation bindend zu unterstellen." (Die weltlich» Gemeinschaftsschule; Verhandlungen des Dresdener Kulturtages, Berlin 1921, S. 10). Bezeichnender Weist nennt der Entwurf des Reichsschulgesetzes die weit- liche Schule auch Weltanschauungsschule.

Nun ist es eine unbestrittene Tatsache, daß di« Mehrzahl der deutschen Bevölkerung von der weit- kichen Schule nichts wissen will. Von dm Kaiho- liken braucht es gar nicht erörtert zu werden. Der Frankfurter Katholikentag hat es erneut be­kundet, bei den Protestantch hat ber zweite deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart vom 13.15. September dieses Jahres ein machtvolles Zeugnis für die Bekenntnisschule abgelegt:Um dieses Erzichungs- zietes willen treten wir für evangelische Kinder nach­drücklich für Schuten ihres Bekenntnisses ein, in denen bas ganze Schulleben von einem einheitlichen Geiste, durchdrungen ist und in denen so der Charakterbildung am besten gedient wird." Auf diesem Boden steht auch! der überwiegende Teil der Ellern unserer Schulkinder/ Dieses bekunden sie durch ihre Entscheidung bei der! Einschreibung in die Konfessionsschuten, durch das Fest-j hallen am konfessionellen Religionsunterricht, durch Len Zusammenschluß in katholische und protestantische! Elternoereinigungen. Sogar die Wahl zu dm Eltern^ Vereinigungen, die vor wenigen Tagen in dem doch Ziemlich sozialistischen Thüringen stattsand, brachte fast überall den Sieg der christlichen unpolitischen Liste, die für die Erhaltung der Religion in der Schule ein« tritt, trotz der starben sozialistischen Agitation.

Ebensowenig wie aus den Elternwillm fönneu sich die Rufer im Streite um die weltliche Schule auf feie Pädagogik stützen. Sie Pädagogik verurteilt viel­mehr diese Schulart und fordert die Pflege der Religion, und zwar iim Anschlüsse an die Hebung im Ellernhause, also die konfessionelle. Die Religionspsychologie be­kundet, daß die religiöse Anlage des Menschen die ele­mentarste und allgemeinste ist, daß der Ausspruch Der- iultlans am Anfang des 3. christlichen Jahrhunderts richtig ist, der die Sele von Natur aus christlich nennt. Darum kann nur die Religion der einheitliche Geist fein, der alle einzelnen Unterrichtsfächer verbindet und jedes ihrer Moment? für die Erziehung und Charakter­bildung ftusttbar gestaltet. Der Religionsunterricht bittet die wirksamsten Motive für ein geordnetes, sozia­les und sittliches Leben. Die Unfruchtbarkeit der reli­gionslosen Schule aber bekunden alle Länder, in denen

Väterchen, Du hast doch am Ende nicht gezankt, daß ich gestern so spät nach Hause gekommen bin?" begann Hedwig lächelnd, indem sie zu dem Vater trat und ihm liebkosend leicht über die Wange strich.Ich sage Dir es war einfach großartig! Der Aufstteg bei bem herrlichen Wetter, bie Aussicht, rote ich sie noch nie fo klar auf bem Herzogstein angetroffen habe, dazu bie luftige Gesellschaft Herr unb Frau Firnhaber waren roieber bie Siebensroürbigfeit selbst unb bann erst bie Heimfahrt bei Mondschein herrlich! Ich mußte immer an bie Schefselschen Verse betten:

Lind, buftig hält bie Maiennacht Noch Berg unb Tal umfangen Nun siehst Du!" unterbrach sie die Mutter,ich hab's ja gewußt, baß Du Dich amüsierst! Und gestern warft Du kaum zum Mitgehen zu bewegen! Sei doch lustig unb genieße Dein bißchen Jugend! Habet Dir bie Herren wohl recht ben Hof gemacht? Elsens Bruder soll ein Hauptschwerenöter fein!"

Elsens Bruder ein Hauptschwerenöter?" fragte bas junge Mäbchen entgegen, indem es leicht errötete.Daß ich nicht wüßte. Ein recht liebenswürdiger junger Mann, genau wie Elfe ohne Gelbstolz unb" babei ein urgemütliches Haus, wie fein Freund Franz Marten behauptet. Heimlich habe ich mich über feine lächer­liche Ähnlichkeit mit feiner Frau Mutter amüsiert."

Das kam zuletzt fo gleichmütig heraus, daß Meister Hochfelb, ber bem Gespräch zwischen Mutter und Toch­ter aufmerksam zugehört hatte, wie innerlich befreit auf­atmete. Die Gefahr, baß Hebroig wegen biefesurge. mütlichen Hauses" ernsllich am Herzen erkranke, er­schien wohl ausgeschlossen, aber welchem Umstande ver­dankte fein Kind bie überaus heitere Laune, wie man sie feit einem halben Jahre nicht an ihm beobachtet hatte?

Indessen war Hedwig ber Mutter beim Anrichten des Kaffeegeschirrs behilflich gewesen unb nahm ben Eltern gegenüber an bem Tische Platz. In ungezwun­gener Weise plauberte sie weiter, schilderte bie Schön, heilen ber gestern durchwanderten Wald- und Berg­partien unb sprach babei mit einer Hast und einem Eifer, als wolle sie jeher Frage übre ihr verändertes Benehmen vorbeugen.

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