Zweites Blatt.
Sowjet-Rutzlan- und Asien.
Verschiedentlich sind in dm letzten Monaten ver- einzette Nachrichten über die Außenpolitik Sowjet-Ruß. lcmüs in dir deutsche Oeffentlichkeit gedrungen, ober sie gaben doch fein zchammerchängendes Bild, wie die Außenpoliük Rußlands in Bezug auf Asim sich ent. roitfdt hat. Es liegt jetzt e i n B e r i ch t d e s B o l k s. kommijsars für auswärtige Angelegen- heilen, Tfchuicherin, vor, aus dem zu erkennen ist, wie zielbrwußt Sowjet-Rußland seine Äsimpolitik verfolgt und es verstanden hat, mit den asiatischen Staaten tetis Bündnisse, teils Verträge abMschließen die der Stellung Rußlands in Asien von großem Vorteil sein müssen.
Am 16. März wurden die Verhandlungen mit bet nationalistischen Regierung der Türkei zum Abschluß gebracht und der russisch-türkische Vertrag unters chriel»en, dem zu folg.' Votum bei Georgien bleibt, wähmrd Kars, Ardahan und Artwin der Türkei zugesprochen wurdcn. Auch das VerhäUnis zwischen den selbständigen Staatm des Kaukasus und der türkischen Shrgoraregterung wurde durch den Abschluß eines besonderen Vertrages geregelt.
Früher bereits als mit der Türkei wurde ein Vertrag mit Persien abgeschlossen. Am 26. Februar d. Js. veröffentlichte das damalige persische Kabinett eine Erklärung, die den bisherigen englifch- persischen Vertrag aufhob, und am gleichen Tage wurde in Moskau ein russisch-persischer Vertrag abgeschlossen, der die frühere zaristische Politik in Persien vollständig beseitigt. Im Verfolg dieses Vertrages wurden die englischen Finanzberater in Persim ihrer Stellungen enthoben und die englischm Offiziere aus persischen Diensten entlasim.
Noch früher tat Sowjet-Rußland mitAfghani- st an in ein vertragliches Verhältnis. Mit diesem Staate wurde bereits am 14. September 1920 ein Vertrag abgeschlossen. Wie in Persim so wurde auch in Afghanistan durch die Diplomatie Smvjet-Ruß- lands der englische Einfluß fast ganz ausgrschaltet. Eng- land sah sich genötigt, in einem Vertrag die völlige Unabhängigkeit Afghanistans anzuerkennm.
In allen drei genannten Staaten unterhält Sowjet- Rußland politische und wirtschaftliche Vertretungen.
Neu aus dem Bericht Tschatfcherin ist. daß Sowjet- Rußland auch mitChinazu einem Einverständnis gelangt ist. Rußland unterhält in China ebenfalls politische und wirtschaftliche Vertretungen. Mit der Mongolei, die sich bekanntlich von China getrennt und selbständig erklärt hat, ist Sowjet-Rußland ebenfalls in Verhandlungen eingetreterr.
Endlich ist Sowjet-Rußland indirekt auch zu Verhandlungen mit Japan gekommen. Die „Republik des fernen Ostens", ebenfalls eine Sowjet-Regierung, hat am 26. August d. I. in Seiten Verharch- lungsn mit Japan begonnen. Ende Oktober verließ ein Vertreter der Sowjet-Regierung Moskau, um in Seiten über die Fragen, die speziell Rußland inte- reffieren, zu verhandeln. Diese Nachrichten zeigen, daß Sowjet-Rußland eine außerordentlich folgerichtige und zrelbewrßte Politik in Asien treibt mit der uiroerterm* baren Spitze gegen England. Ueberalt, wo das Sowjet-Rußland in em vertragliches Verhältnis zu dm asiatischen Staaten getreten ist. mußte der Einfluß Englands zurückmnichen. Die politische Entfaltung Sowjet-Rußlands noch dem fernen Osten ist eine natürliche Folge der Abschnüruttg Rußlands von Mittei- und Westeuropa durch die Randstaatenpolrtif. Englands Politik war bisher immer darauf eingestellt, Rußlands Stoßkraft vom fernen Osten abzulmken und auf euw- päifche Ztele einzustellen. Dm Engländern ist es bis zum Ausbruch des Krieges immer noch gelungen, die „russische Gefahr" von Indien abzuwettdm, indem es entweder Rußland in Stiege verwickelte oder ober seine Begehrlich knii auf Konstantino-pe! lenkte und durch Drr- sprechungen hmzuhaltm wußte. Sowjet-Rußland scheint der europäischen Expansionspolitik den Rücken kehren und seine ganze Kraft nach Asien entwickeln zu wollen.
Man wird gespannt darauf sein dürfen, wer in dem Kampfe um Astm auf die Dauer die Oberhand bchalten wird, England oder Rußland. Das sind natürlich Fragen, die sich nicht von heute auf morgen entscheiden werden, sondern sich über eine lange Zeitspanne hin erstreck,m werden. England wird ganz sicher nicht un- tätig dem Vordringen Rußlands in Asien zusehen.
M 284.
10. Dezember 192L
(tt Ultfl *Ä"toa"-**•'
stand« einschließlich der Dienstboten ist odei
wer einen Hund für einen Dritten versiegt. HÄ ssthttta! eine Steuer von 15 cm die Kreiskoimmmalkasse M entrichten Für jeden zweiten Hund in einem wnreltande tg eine ©teuer von 50 M. für den dritten Hmta eine iokhe von 100 zu entrichten. Für jeden werteren öerbee
50 «M mehr erhoben. . .. ,_
Der zweite Schäferhund wird mit dem mÄmgsten »atze ^^Da^vcm der Gemeinde eine fyunbefteuer erhoben wird, kommt diese bei bet Berechnung bis zur Hälfte der im normen Absatz genannten Beträge m Abzug.
§ 2. Die Vergünstigung für die Züchter von Rasse- hundm kommt in FortßÄ. . . . -
§ 3. Dieser Nachtrag tritt am 1. Oktober d. 3. m Kraft Fulda, den 18. Juli 1921.
Der Kreistag des Kreises Fulda.
Der Vorsitzende: gez. Fchr. v. Gagen«.
Di« Mitglieder: gez. Dr. Antoni, gez. W. Frank
Deutsch« Lieferungen für die rufsische Landwirtschaft
Nach Moskauer Meldungen ist dort eine Abteilung der deutschen Handelsdelegation eingetroffen, die m i der Sowjet-Regierung über die Lieferung lanbwtrt- schaftlicher Maschinen, sowie über d«e Ver^rgung Rußlands mit hochwertigen deutschen Same reien verhandelt Sie erstrebt weiterhin Konzessionen, um in Rußland M u st e r w t r t s ch a f t e n zu, otgam- sieten, in denen deutsches Getreide und anderesamereten zur Verwendung kommen sollen. Weiter sollen aus diesen Musterwirtschaften bte neuen Methoden der Landbearbeltung vorgeführt werden.
Ein entsprechender Vertrag zwischen dem Volts- kommissariat soll sich der .Roten Fahne' zufolge m der Ausarbeitung befinden. Der f;uhrer dieser Delegation ist Dr. Herrmann.
* Ein Seeadler am Rhem. Auf einer Rhein- aut bei Ginsberg wurde ein Seeadler erlegt, der 2,40 Meter Flügelspannung hatte. DaS Tier soll dem Mainzer Raturhistorijchen Museum übergeben
* Ungewöhnlicher Selbstmord. In Merrheim machte ein dort stadtbekannter Sonderlmg auf eigentümliche Art und Weise seinem Dasem ein Ende. Er ging zur fest zugefrorenen Nahe, ichlug das Eis auf, entledigte sich seiner Kleider und sprang ins Wasser, das in der Nacht wieder über ihm zufror.
* Aus Seenot gerettet. Die Rettungsstation Juist-Ost der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger rettete am 9. 12. von dem auf Juist gestrandeten Dampfer „Lisbeth Bords" aus Rostock, mit Kohlen von England nach Dänemark bestimmt, sechs Leute durch das Rettungsboot „Magdeburg .
Gemeinfiim auf dem Lande.
Was ist Kultur? Man kann sagen: Es fft jette des Lebens, die aus dem Gefühl familienhafter Zu- sammengehörigkest heraus geworben unb gewesen ist.
3m Dorfe gehören die Menichen eigentlich zusammen, da kennen ste einander, haben Freundschaft oder Feindschaft mitemander: sie lind nicht in Willkür verbunden, sondern sozusagen von Natur. Im Dors gibt es eigentlich rrkmanben, der an einem Dorfkinde vorbeigeht ohne daß sich in ihm etwas regt von dem Gefühl, daß dieses Kind auch dazu gehört. Da ist niemand, der dieses Kind nicht schützen würde vor einem bissigen Hunde, vor einem boshaften Menschen oder vor anderer Gefahr. Wenn man im Dors einander die Teqeszeit nicht bittet, so bedeutet das nicht ehre Gleichgültigkeit. sondern eine Feindschaft.
Die große Dorfsamrlie hat ihr Gotteshaus — was bedeutet bas? Das ist das Familienhaus. Da- hin gehen sie des Sonntags, um sich der Gemeinschaft in Golt, im Höchsten und Heiligsten, bewußt und floh zu werden. Da fühlen sie sich miteinander in Gott verbunden, da feiern sie das Geheimnis der Gemeinschaft; da weiden sie angeredet als „geliebte Brüder und Schwestern in Christo Jesu". Da wird das Gewissen, d. h. das tiefe, erschütternde Gefühl, daß sie Mieder eines Leibes, daß sie für einander verantworüich sind, immer wieder in ihnen geweckt. Wer „etwas mehr" ist, der fft auch zu etwas mehr dem Ganzen gegenüber verpflichtet. Diese Verpflichtung kann er nicht ablehnen, ohne als em Fremdkörper empfunden zu werden, als ein Störenfrieb und pflichivergeffcner Mensch. Man stellt ihn fast auf eine Stufe mit einem Familienvater, der die Pflicht gegen Frau und Kinder nicht erfüllt
Dieses Gefühl, daß man wie eine Familie zusarn- meng:Höri, Hal wundersame Formen, Sistmt und Gebräuche werden lassen. Man braucht bloß an bte bäuerliche Nachbarschaft zu denken. Die großen Wendepunkte des Lebens: Geburt Kindlaufe, Hochzeit, Begräbnis ychen nicht bloß die eingdne Familie, sondern die ganze Nachbarschaft etwas an. Da verschwindet jeder sogenannte „fatale Unterschied", da handelt es sich um. Menschen. In der Nachbarschaft muß man einander helfen. Das fft Ächt Gebot der Klugheit, nichts Berechnetes, das ist einfach Gewissens- pflicht, das ist Christenpficht „Ich hab meine Christenpflicht erfüllt," darunter verstand man im Dorf ehedem ganz allgemein: „Ich war zur Stelle, als die Christenpflicht rief zum Milan fassen, zur Hilfe." Wer sie versäumt hatte, er konnte nicht ruhig sterben. In der Nachbarschaft traute man einander. Es war ein viel schlimmeres Vergehen, dem Nachbar etwas ent- wcndet zu haben, als einrm Frm-den.
Was für einen prächtigen Gemeinsinn fand und findet man vielleicht hier und da noch in einer solchen bäuerlichen Nachbarschaft! Da werden nicht niete Redensarten gemacht, da Hilst man, wo es not tut, und wenn jemand, dem man geholfen hat, sich be- danken will, so heißt es einfach: „Ist nichts zu hänfen". Wirklich nicht; das versteht sich so von selbst, wie daß Vater und Mutter ihren Kindern betten.
Wo ist dieser Geist der Nachbarschaft noch zu finden? Es ist eine Gewissensfrage an unter Bauerntum, imß man ihn nicht absterben läßt, daß man ihn aus der Quelle christlicher Lebensauffassung wieder lebendig macht, wo er abgestorben war.
vermischtes.
• Ein wertvoller Bibelfund. In der Gegend von Bernkastel fand ein Landwirt beim Aufräumen eines Speichers eine alte große Bibel in Ledereinband mit Verschluß aus dem Jahre 1572, enthaltend das Alte und das Neue Testament. Die reich illustrierte Bibel ist sehr gut erbalten.
Neue Bücher.
Jobatnta Archen, .vom Heiland und ftinettjrtun« den". Leuenden für die Jugend mit vielen Schatten- rissen von Josy Meidinger. Zwei Bände. Jeder ge- heftet 20 Mk., Pappdand 26 Mk., Leinenband 30 Mr. Verlag Joses Kösel & Friedrich Pustet, Kommandrtge- sellschaft. Verlagsabteilung Kempten. Legenden für die Jugend gibt es in der richtigen Mischung von erbaulicher Absicht und erzählender Kunst bisher nicht viele. Bei der Legende soll gewiß der Nachdruck auf dem religiösen Gehalt und seiner unmittelbaren Wir- kuna liegen. Aber die Form muß entschieden eine künstlerische sein, dem kindlichen Sinne angepatzt und trotzdem auf der Höhe der Erzählungskunst. Johanna Arntzen, von ihren.Märchen her bestbekannt, hat es vorzüglich verstanden, beides glücklich zu verbinden: den feinen Dnit der religiösen Weihe und die Kunst, die Jugend durch ihre Erzählung in Atem zu halten. Ihre Legenden ranken sich um die volkstümlichsten Heiligen- gestalten: St. Barbara, St. Nikolaus, St. Christophorus, Elisabeth von Thüringen und vor allem auch um die Gottesmutter und das Christkind. Die Stoffe find aus den alten mittelalterlichen Legendensammlungen geholt, die Form der Darbietung aber ist modern, stimmungsvoll, vor allem wunderbar dem kindlichen Ton ange» patzl. Was aber noch mehr dazu beiträgt, das Büchlein dieser Legenden in die Herzen von Groß und Klein hineinzuschmeicheln, das sind die entzückend zarten und innigen Schattenrisse von Josy Meidinger, die die einzelnen Legenden begleiten. Nicht blotz reinste Andacht, auch herzliche Freude und Humor spricht au8 diesen treuherzigen Bildern, die auch wegen ihrer technischen Vollendung auffallen müssen.
Joseph Eckerskorn. Der MSrchen-vrunnen. Neue Märchen für Kinder. Mit 12 Vierfarbendrucken nach Originalen von Karl Max Schultheiß. Gebunden 25 Mark. Verlag Joseph Kösel und Friedrich Pustet, Kommanditgesellschaft, DerlagsabteAung Kempten. Das werwollst« Weihnachtsgeschenk für unsere Kinder ist immer ein gutes Märchenbuch; denn besser als durch erziehliche Vorschriften und Ermahnungen wird die kindliche Seele durch die Beispiele zum Guten geleitet. die ihr in dem phantastischen und anschaulichen Gewände des Märchens entgegen treten. Eckerskorn, der selber Lehrer ist, weiß, was den Sinn der kleinen Schar entzückt und fessell. Bald unter Schalkhaftigkeit und Heller Lustigkeit, bald unter märchenhaftem Ernst und Dräuen versteckt er den tiefen, ethischen Sinn seiner Geschichten. Die kleinen Leser ober Hörer werden hellauf lachen, wenn das „Dreibein Trullalla" mit dem dicken Wirt feine Lustsprünge macht, ober wenn die Versammlung der Klößchen sich im — Drechpulver wälzt, um den betrügerischen Koch zu bestrafen, oder wenn der kleine Lehrbub mit der Knackwurst das Heer der Feinde in die Flucht schlägt. Sie werden jubeln, wenn Pit auf den Karfreitagsglocken nach Rom reitet, um das Tausendgüldenkraut für sein krankes Mütterlein zu holen oder wenn Kathrinchen mit ihren Stern- talern den gefangenen Königsohn loskauft, ober wenn das Goldkäferlein sich in den verschwundenen Prinzen verwandest. Und über dem Jubel und Lachen werden ihnen bte guten Menschen und die braven Kinder, von denen die Märchen erzählen, ans Herz wachsen als liebe Beispiele, denen sie gerne nacheifern, unb bte Bosen werden ihnen ein warnendes Beispiel fein — denn Märchen sind gerecht. — Noch eindrucksvoller werden sie durch die prächtigen Bilder, die ihnen beigegeben sind.________________________________________________________________
* Amtliche Anzeigen.
Nachtrag zur Ordnung betreffend die Erhebung einer Hundesteuer im kreise Fulda.
Auf Grund bes Beschlusses des Kreistages vom 18. Juli 1921 wird hierdurch gemäß §§ 6, 16 und 17 des Stets- und Promnziol-Mbgabengefetzes vom 23. April 1906 (®.- S. 6. 159) nachstehende Nachtrogsordmmg über die Er- Hebung einer Kreishundssteuer erlassen:
§ 1. Der § 1 M>s. 1 und 2 der Ordnung, betreffend die Erhebung einer Hundesteuer im Kreise Fulda vom 25. März 1914 erhält folgende Fassung:
Wer einen über drei Monate alten Hund hält, ohne Unterschied ob er selbst oder ein Angehöriger seines Haus-
(3621
Vacha, am 7. Dezember 1921. _
Vorstehender Nachtrag wird genehmigt.
Kassel, den 7. September 1921.
Der Bezirksausschuß zu Kassel, gez. Schneider.
Di« Zustimmung wird erteilt.
Kassel, den 19. September 1921.
Der ObcrpräfibenL 3. D.: gez. Dyes.
Wrd veröffentLcht.
Fulda, den 6. Dezember 1921.
Der Vorsitzende des kreismisfchusses. Eager«.
Bekanntmachung.
Den Eingesessenen des Kreises FrckA >EMch den Wagenführern, wird hiermit b:e größte Vorsicht dem, Mieren von Bahnübergängen und geaue Beachtung der Anschriften der Warnungstafeln zur Pflicht gemacht.
Bei geschlossener Schramke ober beim Ertönen oe» Läutwerks der Schranke ober des herannah enden Zuges dürfen Fuhrwerke ober Tiere mtr bis an ine Warnung? tatet, aber nicht näher an die Bahn vorrücken. _
Unachtsames Passieren der Eisenbahn kann eine Be- strwstmg auf ©rurtb des § 316 des Strafgesetzbuches zur Folge Haden.
Fulda, ben 5. Dezember 1921.
Der Canbrat 3. D.: Schuster.
Bekanntmachung.
Wr bas Kalenderjahr 1922 mA jedem Arbeitnehmer big zum 24. d. Ms. von bar Gemeindebehörde fernes Wohnsitzes em Steuerbuch ausgestellt. Entsprechend dm, Vordruck des Steuerbuches beträgt bte Iahresgesante
Arbeitnehmer ,bem dos Steuerbuch ausgestellt wird, 120 <M jährlich,
b) für den Arbeitnehmer, dem das Steuerbuch ausgestellt wird, 180 <M jährlich zur Abgeltung der nach § 13 des Reichsemkommenfteuergesetzes zulässigen Ab.zuge,
c) für bie zur Haushaltung zählende Eheirmi des Arbeitnehmers, dem bas Steuerbuch ausgestellt wud, gleichgültig ob sie eigenes Arbeitseinkommen bezech ober nicht, 120 M jährlich, ... .....
d) für die zur Haushaltung des Arbeitnehmers zahlend« minderjährigen Kinder, .
1. soweit sie kein eigenes Arbeitseinkommen beziehen, je 180 M jährlich, , . , .
2. soweit sie eigenes Arbeitseinkommen beziehen um tat Zeitraum her Perfonenftandsaufnahme_ mcht älter als 17 Jahre find, ebenfalls je 180 M jährlich.
Sicht bte Ehefrau des Arbeitnehmers, dem ein Steuerbuch ausgestellt worden ist, in einem Arbeitsverhältnis, so fft ihr ebenfalls ein Steuerbuch auszustellen-, m diesem Falle fft trotz der Berücksichtigung bei dem SteuerabMge des Ehemannes (Ziffer c) für sie in ihrem Steuerbuche bie Ermäßigung um die Beträge von 120 unb 180 M (Ziffer a und b) einzufetzen, nicht eher die Ermäßigung für bie Kinder (Ziffer d).
Sicht ein minderjähriges Kind, bas zur Haushaltung eines Arbeitnehmers zählt, sechst in einem Arbeitsoechält- nis, so fft ihm selbst ein Steuerbuch auszustellen und in ihm trotz der etwaigen Berücksichtigung gemäß Ziffer d bte Ermäßigung um bie Betrüge von 120 und 180 M (Ziffer a unb b) eingusetzen.
Volljährigen Kindern, bte zur Haushaltung eines Arbeitnehmers zählen unb in einem Arbestsvechältnis sichen, fft ebenfalls ein Steuerbuch auszustellen.
® Gegen rauhe aufgesprungene Haui^-
CREME MOUSON
. vollkommenstes Hautpflegemittel
Die Jagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel. 461 ----------
Auch ihm schien die unerwartete Begegnung überaus peinlich zu fein, denn mit einer verlegenen, fast linkische^ Gebärde erhob er sich, um den schmalen Pfad fteizugeben, und schickte sich mit. einem gemurmelten ®ru8e an, ohne Weg direkt durch das dichte Unterholz . fetten Hang hinabzusteigen, als ein Laut, der sich ran. ein ersticktes Schluchzen von ben Lippen des. Mäd- chens rang, ihn veranlaßte, sich umzuwenden. Da stand die rührend liebliche Gestatt, den tränenschimmernden, w,e um Verzeihung klebenden Blick auf ihn gerichtet, geraöc wie e,- ihn vor Tagen schon einmal gesehen zu habe,- glaubte habet so bleich und sichtlich zitternd, daß es ..,n drängte etn teilnehmendes Wort an sie zu rich. tcn.
, ,'®ie wohl. Fräulein Hedwig? Diel,
leicht von der Anstrengung des Bergsteigens? Dark ich Ihnen meine . oiAmapnfbct,. JUr Verfügung stellen?
en paar anrrerenbr Tropfen?"
Damit hatte » er- zierliche stui aus 3oppen, sezagen und ofmete bQs(e(be. 6od) fiebmi wehrte «ui einer stummen Gebärd«. „nö ( (e (ei(e. “
Mj bmrt? - ck besarl dessen nirhf Di.- Uebor- raM)unß. Sie vlotzbch nor_mir $11 haj mi(6 ncr, rnirrt und kchmerzüch berührt v mid) Sif mir <ni53umeiden iuck-en^
Befremdet hob Friednmld beB Rop; unb fot Sprechende an
-Ts berühr- Sie 'chmerzll» daß i(t 5bn^ QU9. zuweichen fudie-- — Nun io — ich verstehe' Bei un. ferer letzten Hnrerrebun# oerlpradi i* gbnen trot, allem was zwsscher. uns aekarnmesi ist ftet» ein wollender Freund zu bieiben — dornst stimm- mein scheues Sumtc eben allerdinge nichn Daß St- - , bie(, Freundschaft ober auf meine wohlwollende ',-tnuno gegen Sie überhaupt Wert legen ist jo recht ieiche,, haft für mtch — andererseits dürfte cs aber 3djei- nes wegen - Ihrem Interesse liegen, eir mmen. treffen mit -mir zu »ennerben Sie stehen, roi? ich Anfällig gesehen äabe. an nnern Wendepunkt Ihres Lebens, der — parbon —“ uruerbrach ei sich — xich ver
gaß Ihnen meinen Glückwunsch barzubringenl Seien Sie versichert daß derselbe auf bas herzlichste gemeint ist — daß sich meinen Wünschen für Ihr Glück fein bitteres Empfinden beimischt, wie man e, vielleicht bci mir voraussetzen könnte!"
Er hielt inne und sah besorgt auf das junge Mäd. chen, das mit einer abwehrenden Gebärde gegen ihn auf bte Felsbank gesunken war und da» Gesicht mit beiden Händen verhüllte. Die kühle Ruhe, mst welcher Wilhelm Friedwald gesprochen hatte, feine gleichgül- tigen. genau abgewogenen Worte berührten sie wie Eiseshauch; in dieses Manne, Brust war alles erftor- ben, was einst darin für sie gelebt — er hatte überwunden, recht schnell überwunden, rote sie sich mit schmerzlicher Bitterkeit sagen mußte, aber umso mehr drängte er sie, nicht verkannt zu werden.
Und sich gemaltfam zu Fassung zwingend, erhob sie sich und entgegnete bitter: „Ihren Glückwunsch mutz ich ablehnen, da derselbe auf falscher Voraussetzung Ihrerseits beruht — auf einer irrigen Auffassung der von Ihnen beobachteten Szene!"
„Auf einer irrigen Auffassung?"' wiederholte Friedwald und etwas wie ein ungläubiges Lächeln huschte über fein Gesicht. „Dann, verzeihen Sie, wenn ich die Situation verkannte und glauben Sie mir, daß nur der Zufall mich Ihren Weg kreuzen tiefe!'
Trotz des leisen Zweifels w-lcher Hedwig aus den Worten entgegenklang, meinte sie auch etwas wie ein befreiendes Aufatmen daraus zu hören und aufblickend gewahrte sie bie Augen des vor ihr Stehenden mit einen- leltjpm träumerischen Ausdruck auf sich gerichtet es mar nur ein Moment denn gleich darauf richtete Friedwald feine Altem rffarnkest auf ein zutraulich herbeige" attertee löffelte ■ bas neugierig von der Höhe tie», Felsens herab d>, ' eitlen Menschenkinder betrachtete» Dock' d.er Moment ge --gte. um in Hedw g bte Zuversicht nachzurulen dütz as äußere <8?!’^^ de. Man- ne» n-cht mit sein:^ mnerep Em-- • er- überein, stimm- und in rasch -ntichlussk ' Schritt vor-
trete-- sagte sie bit!
.Wilhelm sprech- offe.-t mit emanEcr: Meine Offenheit haben Sie :n stets an mir gerühmt. Ich kann es nülst ertragen, glauben zu müssen, daß Sie oteUeichr medriger von tni« denken, ou uy ts oerLtevet
Datz ich damals in der Abschiedsstunde Ihre liebenol. len Warnungen mißachtet habe, trotzdem eine Stimme in meinem Innern Ihnen recht gab, habe ich schwer gebüßt. Wie eine Umnachtung des Geistes war es über mich gekommen, die mir jedes selbständige Han. deln und Denken verwehrte, ein Wahnsinn hatte mich erfaßt, von welchem ich erst nach ben qualvollsten Seelenkämpfen roieber zur geistigen Klarheit genas! Irrtum, schwerer Irrfttm ist das heiße Empfinden ge. wesen, das mich zu jenem zog, dessen blendende Außen- feste meinen Sinn gefangen nahm! Jetzt, nachdem es wieder sicht in mir geworden ist, erkenne ich erst, wie schwer ich mich gegen Sie vergangen habe — Wllhelm, verzeihen Sie mhrt"
Wilhelm Friedwald war tief erblaßt unb erhob wie beschwörend bie Hand gegen die wieder in bemüttgen- ber Haltung vor ihm Stehende.
„Halten Sie ein, Hedwig — gönnen Sie mir die schwer erkömvfte innere Nutzes Ich habe Ihnen nichts, nichts zu verzeihens Einem unwiderstehlichen Drange folgten Sie, als Sie unsere Verlobung lösten — offen und ehrlich sind Sie vor mich bingetreten und haben Jtzr Wort zurückgefordert — durfte ich Ihnen dasselbe verweigern. Ihnen da. Recht des Herzen, verkümmern? Was es mich gekostet hat. meine Hoffnungen zu be. graben — darüber will ich schweigen. Es ist vorbei — ich habe überwundeni" Wie ein Hauch waren bie letz, ten Worte ben Lippen bes Manne, entflohen während er sich seitwärts wandte als wolle et den Anblick ber lieblichen Mädchen gestalt vermeiden.
„Ueberounben?* wiederholte Hedwig konlos. „Unb haben Sie mir voll unb ganz verziehen, nachbem ich Ihnen offen bie Seelenvorgänge geschildert habe un. ter weichen ich litt? Gedenken Sie meiner ohne alle Bitterkeit?"
„Ohnr Bitterkeit^" versicherte Friedwald mild „Jh- für äußer» Eindrück, empfängllcher Kinbergemül murbi trreaeieitet — rot: sollt» ich Ihnen bc grollen' Waich Ihnen schm- bemale tagte. Hedwig — ich wiederhole es Ihnen jetzt Mein bmtgftei Herzenswunsch ist es, Sie glücklich zu wissen und irre ich nicht, dann klopft das Glück wieder bei Ihnen an — ergreifen Sie bas.
„Wilhelm, Sie glauben mir nicht, daß Sie sich in einem Irrtum befinden — daß Sie das, was Sie ge. sehen haben, falsch beurteilen? Daß es nur ein Glück für mich auf ber Well geben kann — bas Glück wieder mit bem Mann voll und ganz versöhnt zu fein, bet» meine innigste Neigung gehört?"
Leise, mH zitternder Stimme hatte sie gesprochen und einen Schritt näher tretend ihre Hand auf den Arm Friedwalds gelegt. Wie ein elektrischer Schlag wirkte die leise Berührung auf den jungen Mann unb Hedwigs Rechte mit beiden Händen fassend, raunte V bebend:
J)ebrofg, was reden Sie? Versteh ich Sie recht, daß ber, welchen 6te verschmäht haben, noch in Ihrem Herzen lebt? Der kühl bentenbe reife Mann? Unb täuschen Sie sich nicht selbst? Ist es nicht bie Reue über oermeinllich begangenes Unrecht — bas Gefühl, mir eine Genugtuung schuldig zu sein, bas Sie zu mir, drängt?"
„Vergib mir, Wilhelm, vergib mir! Wenn noch ein Funken von Liebe für mich in Dir lebt, bann nimm mich wieder auf! Ich will ihn pflegen unb hüten, bis er wieder zur Stamme wird! Bei Dir nur. Du Bester aller Menschen sind« ich mein Glück!"
.Hedwig, bedenkst Du auch, was Du redest? Bedenkst Du, daß ich es nicht zum zweiten Male ertragen könnte, von Dtr verlassen zu werden? Kur, Firnhabor hat um Dich geworden — ein Mann, dessen Charakter Dir bte glücklichste Zukunft verbürgt bet Dst mit seinem Reich.> tum alles bietet was nur Dein Herz begehren kann —*
„Unb wenn er über alte Schätze ber Welt verfügte — eines kann er mh nichi geben, was ich nur bei Dir finden kann, Wilhelm — bas Glück des Herzens!'
Hold erglüht mit strahlenden Augen stand sie ihm gegenüber und duldete glückselig lächelnd bie stürmische Liebkosung, mit welcher Wilhelm Friedwald sie an sich riß Lange hielt er die Geliebte umschlungen und küßte ihr immer wieder Stirn und Mund — rät seliger Mann War ihm doch bie Gewißheit geworden daß ihr Herz ihm wieder voll unb ganz gehörte — um fei. nettoiflen verzichtete sie auf Glanz und Reichtum unb nahm mit bem bescheidenen Lose an seiner Seite vorlieb, nut weil sie ihn liebte.