Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
48. Zohrtz
Samstag, 10. Dezember 1921.
Nr. 284.
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Kurland
* Ein
über die haben.
Die Verhandlungen über die Reparalionsfrage.
Die drohende Finanzkontrolle für Deutschland.
Das ReparwtionsprodlAn <n,g>mblicklich in ein Neues Stadium getreten. Die Reise des fron» Sötischen Wirteraufbairmmiifters Louchem nach Lon- don und der Aufschub der 2lbreise Rcckhenous von London deute daraufhin, daß in London die Der. Handlungen zwischen England und Frankreich über das ReMrationsprobtem bezw. die Frage des Moratoriums weiter geführt werden.
lieber die Absichten Englands und Frankreichs liefen Meldungen der englischen und ftanzösischen Presse vor, die sich zum Teil widersprechen und jedenfalls ein Kares BW der Lage nicht ergeben. Än der ftamösi. fchen Presie wird ein eingehender Plan einer Kontrolle der deutschen Finanzen entwickelt, die als Vorbedingung für die Gewährung eines Moratoriums be-eichmt wird. In wieweit hiir. ter diesen Forderungen der französischen Presse die französische Regierung steht, läßt sich nicht erlernten.
$ * Strafverfolgung des Abg. Eberlein. Ter Ge» schäfisordnunqsausschuß des Preußischen Landtages bat die Genehmigung zur Strafverfolgung und Der. Haftung des kommunistischen Landtagsabgeordneten Eberlein erteilt. Der Beschluß wurde mit zehn gegen neun Stimmen gefaßt.
* Die neuen Forderungen der Beamten. Wie die Blätter erfahren, wird der Neichsfinanzminlster Dr. Hermes heute mit den Parteiführern eine Besprechung über Beamtenfragen, insbesondere neuen Gehaltsforderungen der Beamten,
koblenüberschusies nicht rentabel- Der Fiskus mühte sich mit allen Kräften dahin betätigen, die Salroirt, ^Das"Haus nimmt schließlich die Abstimmung rum Haushalt der landwirtschaftlich en Verwaltung vor. Der Haushalt wird im we,ent. lichen tack) den Beschlüssen des Haushalteauofchusie, angenommen. Hinzugefugt werden 1 700 000 Mark für die Förderung der Landwirtschaft durch Me lorMlon^ Ferner soll versucht werden, über die Umlagemengen hinaus Brotgetreide und Kartoffelnsicher Zu stellen Zwecks' Verhütung von Massenabschlachtungen des Viehs infolge Futtermangels soll aus die schleunige EM, fuhr von Futtermitteln hingewirkt werden. Schlretz- lich soll das Koalitionsrecht der landwirtschaftl'.ch^i Arbeiter und Angestellten gegen jede De^rankung geschützt werden. Ferner em Antrag Limbertz (Soz), auf Grund dessen im Wege eines Reichsgesetzes sm eine gute B e s ch as s e n h ei t der Milch m iani, tärer Hinsicht gesorgt werden fotL
Das Haus setzt sodann die Beratung bej -be. g 61 Aba. Rtedel (Dem-): Angesichts des Rückganges be* deutschen Kohlenguantums durch den Verlust des Saar, aebiets und Oberschlesiens bedeutet die Steigerung der Produktion eine Lebensnotwcndigkeft- Verkehr. Sana« wirtschaft, Wärmewirtschaft und Kohlenwirtschaft muf- fen Hand in Hand arbeiten. Sodann geht Handels, Minister Sietina des näheren auf tne von den emz«. nsn Rednern vorgsbrachten Beschwerden ein »olangn er an seiner verantwortungsvollen Stelle stehe wurden Staatsbesitztümer u. Staatseigentum nicht aus der Hand ' gegeben werden. Dem Anträge auf baldige Vorlegung ' Ws Berggesetzes werde die Regierung Rechnung stagm. Die Steigerung der Kohlenförderung könne | nicht allein durch eine Schichtverlangerung erzielt werden. sondern vor allem durch technische Verbesserungen. Die Frage der Umstellung der, staatlichen JBetriebsuer. waltung werde eingehend geprüft. Abg. Herzog (3tr.) »rkLrt die Bergarbeiter hätten beim Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft ihre Pflicht und Schuwigkeü in vollem Umfange getan.
I FreKag: Weiterberatung, außerdem ShJtusriat.
öskerrelchischer Protest. Die österräichischs Negierimg protestierte wegen fortbauernber terrori« stischer Akte der Ungarn und der unga. rischen Behörden im Burgenlande bet der Generalmission und den Wiener Ententevertretun- gen. Da den OesterreichfttewDiichm Elementen die Möglichkeit einer freien Meinungsäußerung fehlt, wäre die Abstimmung wenige Tage nach dem EintrefsM der interalliierten Truppen eine Farce, die Oesterreichs Rücktritt von der Abstinnmmg zur Folge haben könnte.
* Die anlibolschewiskische Bewegung in der Ukraine. Der „Derlingske TLende" wird aus Helsingfors telegraphiert, daß die Mutigen Kämpfe in der Ukraine westlich des Difesters aitixtuxrn. Trotzki nehme wettere Truppenzusammenziehungen gegen die Ukraine vor und habe den Befehl erteilt den Aufruhr in der Uttmnr mit allen Müteia zu unterdrücken.
Man wird aber wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die französische R-igvenmg dreien Ber- öffeniiichungen nicht fernsteht
Sie besagen im wesentlichen, daß Re Poltttk Der Wiedergutmachung, der man im Augenblick zunerge, m einer Anleihepolitik besteht. Die Sicherheiten sollen gewährt werden durch einen Aufschub für Deutschland, durch eine Steuerreform und durcy eine Kontrolle auf Grund des DeuMand zu überlassen- den fremden Geldes für 3, 4 oder 5 Jahre. Die Zahlung durch Lieferungen werden inzwi- schen nicht eingestellt werden, sondern in der Dauer des Aufschubs noch erhöht. Deutschland müsse eine Anleihe m Mark aufnehmen, um die Lieferanten zu ent. schädigen, da sonst der Haushalt durch die Zahlungen von neuen', belastet werden tonnte. Diese Sätze scheinen dte Stellungnahme der französischen Regierung zu dem Reparationsproblem in großen Zügen wieder zugeben.
Diese Fordemng Frankreichs liefe auf emr vollst ä n d r g e Finanzkontrolle Deutschlands hinaus. /
Ein Meinungsaustausch zwischen Briand uod Lloyd George.
Amtlich wird mts London mitgeteilt: Sir Robert Horns und Minister Louchmr fetzten Lloyd George mm Inhalt ihrer BesprechrMgen über das Wiesbade- ner Tlbkomnren und allgemein über die Reparationen in Ware- in Kenntnis. Es wurde vereinbart, daß Briand noch vor Weihnachten zu einer Besprechung «mit Lloyd George nach London kommen soll.
Die Vashinglon-Uonferenz.
Die Dierländer-Lnleuke gesichert.
Der Sonderberichterstatter des »Daily Chrv>- nide" auf der Washingtoner Konferenz meldet, die Regelung des p a z i fist i f ch e n P r o b le ms er- scheine gesichert. Die Hauptaufgabe der Washingtoner Konferenz sei damit erreicht. Die Antwort Tokios sei eingetroffen. Endgültiges fei darüber nicht bekannt, doch sei anzunehmen, daß sie im großen und ganzen die Annahme des tun letzten Freitag entworfenen Planes bedeute.
Dem Berichterstatter des „Daily Chronicle ,zu- folge sind die Hauptpunkte des Uebereinfommens folgende: Flottenverhältnis von 5:5:3 für England, Amerika und Japan; Aufhebung des eng» lisch-japanischen Bündnisses; Ersetzung des englisch» japanischen Bündnisses durch die D i e r l a n d e r» Entente England, Amerika, Japan und Frankreich. - -! 1
Lloyd Georges Erfolg in Irland.
Ein großes Ereignis ist es freilich, daß Lloyd George mit den Sirmftmern zu einem Sthtonurren über die Zukmffl Irlands gelangt ist. und an den B» glückwünschungen nach beiden Seiten hin können wrr uns gern beteiligen. Doch darf man den Erfolg nicht übertreiben. Es kann etwas Gutes daraus wscden, aber es ist noch nicht da.
Von der Unterzeichnung eines mühsam abgefotzten Aktenstückes darf man nicht ohne weiteres Wrmder» dinge erwarten. Was biß bitteren Kampfe von Jahrhunderten ruiniert haben, das kann nicht durch • einen Zauberspruch, sondern nur durch andauernde Arbeit wieder hergestelli werden. Auf das Abkommen paßt wohl die Bezeichnung, dir seinerzeit Papst Leo XIII. auf die preußischen Novellen zu den Maigesetzen anwendete: Zugang zum Stieben. Es fragt sich, ob beide Teile, die Engländer und die Iren, den jetzt eröffneten Mag zur Versöhmmg treu und beharrlich beschreiten werden. ,
Irland soll Freistaat heißen und die gleiche Selbstregierung erhalten, wie die anderen „Dominions" des britischen Reiches. Es ist und bleibt ober ein großer Unterschied in der Stellung zur ZentratwÄt.
Kanada, Kaplcmd usw. liegen fernab; Irland da» gegen liegt unmittelbar vor der englisch-schottischen Intel. Der Verlust der andererr Dominions märe eine erträgliche Amputation; aber der Verlust ron Irland würde die britische Weltmacht ins Herz troffen., Srkmb ist ein unentbehrlicher Stützpunkt für diemilitäri- s ch e und die wirtschaftliche Kraftentfoitung, für die Kriegsflotte und für den Handel. Darum wird man MN London aus über Irland eine Dtei schärfere Kon. trolle ausüben, wie über die anderen Reichsglieder, und diese Derwicklrmg der Interessen kann leicht zu Reibungen und Konflikten führen, die den alten Kampf wieder <iuffeben lafferr.
Em zweiter Unterschied besteht darin, bah der neue Freistaat das ganze Gebiet, das ihm die Natur zuge- wieson hat, nicht umfassen kann. Ulster, der nördliche Teil von Irland, ist in seinem Glaubensbekenntnis, seiner politischen Stimmung und in seinen wirtschaft tüten ^Betrieben von Südirland so sehr verschieden, daß eine emlMiche Regierung für die ganze Insel nicht vorgesehen werden konnte und auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten fft. In zwei katholischen Gras» «haften, die noch zu Ulster gehören, gibt es schon eine irH<te Jrredenta. Das Nebeneinander von Belfast und Dublin mit ihren gesonderten Parlamenten und Ministerien wird baß) zum Gegeneinander führen, und wenn dann Altengland zugunsten des beliebteren Nor- dens sich emmifcht, so wird tm Süden wieder der Kriegsruf der Sinnfeiner erschallen. ___
Drittens kommt es wesentlich m Betracht, daß der Grund und Boden des neuen Freistaates zum größten Toll im Eigentum bet englisch» ßaitbforts sich befindet. Der totere Soeben und bte Wohlfahrt de« irischen Volkes verlangen gebieterisch eine durchgreifende Agrargesetzgebung, unb da fragt es sich, ob die en Ausbeutung gewohnten Engländer sich den „Eingriff in ihr Recht" gefallen laßen werden.
Kus der katholischen Welt.
• Die Beisetzung Bischof fiorums ist am Freitag in Trier unter gewaltiger Beteiligung der Diözesanen erfolgt. Um 9 Uhr begann h der St. Iohanniskirck)« die Einsegnung der Leiche. In Prozession wurde dann der Sarkophag zum Dom geleitet. Zahllos waren die mit Fahnen vertretenen Abordnungen ans Stadt uni) Land. Hinter dem Sarge schritten die Kardinale von Köln und München, die Bischöfe von Mainz, Fulda und Paderborn und der Abt von Mario Laach Wahrend des im Dom von Kardinal Schutte zelebrierten Requiems war die Leiche auf dem Katafalk ausgestellt. Der Bischof von Paderborn hielt die Trauer rede, die der Liebe und Verehrung Ausdruck gab, deren sich Bischof Komm im ganzen katholischen Deutschland erfreute. Rach dem Requiem wurde durch die Bischöfe an der Bahre die Absolution gehalten und dann der Sarg im nördlichen Seitenschiff neben den Grabstätten der letzten drei Bischöfe beigesetzt. ___________________
Das neue Ortsklassenverzeichnis.
Zwischen dem ReichskcnHler anb benJftH^rem der Reicystagsparteien fanden am Freitag Beiprechlmyen statt, bte Beamtenstagen, Donmegenb bet neuen örter fiaftereinteilimg, galten. ,
Die hn Reichs finanzministrr.t«» j». Pflogencn VerhaMungen mit bet DsasntachhaU 'W
MMrssz Urteil Hier ias Unterne&mtn.
Auch den Kaxp-Putsch rom Frühjahr 1920 hatte tfie Wett schon so ziemlich vergessen. Die Nachwirkungen dieses Handstreiches sind inzwischen überwunden worben. Jetzt kommt nun bas strafrechtliche Verfahren gegen die „Führer" nachgehinkt. Der Senf wirb auf getragen, nachdem der Braten län gst verdaut fft.
Hinter ber Verzögerung des Prozesses steckt kemer- lei A» .ftst ober Versäumnis. Die Justiz ist in ihrer reg 11. n bedächtigen Grenze geblieben, wie sie die tonftuiiüe io» bte üblichen Formalitäten Mrschrieben. Uber einen rechten Sinn und Zweck hat das Strafoer- fobren jetzt nicht mehr. Wenn die jetzt cor Gericht I stehenden Angeklagten für schuldig befunden werden, wird bte Strafe wohl ziemlich milde ausfallen, weil doch das ganze Abenteuer ziemlich glimpflich abgelaufen ist. Ueberdbes wird die Begnadigung ober gar die rolle Amnestie angeregt werden.
Die volle Aufklärung über den Ursprung und den Verlauf dieser „Gegenrevolution" hätte ja ein gewisses historisches oder auch erzieherisches Interesse, «ber rolles Ächt ist nicht zu erreichen. Denn einet« istits hat Herr Kapp, der Hauptheld des venm- »Mckten Staatsstreiches, sich feinen Richter» entzogen, und anberorfeits suchen die vorgeführten Angetlagten tn ihren Aussagen sich möglichst zu drücken. Sie Mlgen wenig Neigung für eine imposante Märtyrerrolle, sondern hallen es für vorteilhaft, sich als charmlose Mitläufer h i nzu fiel len, bte nichts weiter gewußt und gewollt haben, als eine „legale" Einwirkung auf die Zentralstelle zur Um» geftattung der Regierung und zur Herbeiführung von Neuwahlen. Wenn bie Herren morgens 6 Uhr an das Drandenburger Tor in Berlin bestellt werden, um sich Äcin Einmarsch der „herrlichen Brigade Ehrhardt anzu- fehen, so wollen sie auch angesichts dieser militärischen Ossensive nicht irre geworben sein in ihrer Treue gegenüber Verfassung und Gesetz. Sie verschanzen sich hinter Kapp, ber nach ihrer Ansicht die „Macht" hatte und dfo zur Ernennung der Minister usw. „berechtigt" war. Und die Schlußfolgerung lautet: Wir durften vom 13. März an unter Kapp ebenso gut amtieren, rote unsere Vorgänger am 9. November unter Ebert! Eine warnende, abschreckende Wirkung hat ja ber Kapp-Putsch gehabt. Nämlich infolge feines schnellen und gründlichen Zusammenbruchs. Die Hitzköpfe bei den Rechtsradikalen mußten mal ihr Um» purzglück verfuchen. Wenn Kapp nicht fo tollkühn oor- gegangen wäre, fo hätten wir wahrscheinlich noch einen Putsch erlebt, der besser vorbereitet und geschickter gejettet worden wäre. Nach dem Fiasko von Kapp sind uns nur noch leidenschaftliche Agitationen beschert worden und auch einige Attentate, aber fein neuer Aufruhr von rechts her. Herr v. Jagow, der stühere Polizeipräsident und jetzige Hauptangeklagte, hat früher das berühmte Wort geprägt: „Ich warne Neugierige". Sein Gönner Kapp hat bte Mahnung hinterlassen: Ich warne Umstürzler!
Mit btefer Wirkung des Zwischenfalles muffen wir uns begnügen. Im übrigen sollten sich alle Beteiligten bemühen, den verspäteten Prozeß möglichst schnell zum Abschluß zu bringen und bie ganzen Kappakten in die Rumpelkammer zu befördern. Wir haben jetzt d r i n g- lichere Sachen zu besorgen, als bie unfruchtbare Nb kochung dieser alten Knochen.
General Ludendorff als Zeuge.
Der Hauptzeuge der Freitag-Sitzung war Luben- d o r s f, auf den sich begreiflicherweise alles Interesse korymtriert.
Lubendorff greift in seiner Aussage etwas weiter aus. c. Jagow habe er früher nicht gekannt, Wangenheim und Schielen besuchten ihn im Felde wegen Ernährungsfragen. Kapp lernte er im Osten schätzen, Schnitzler lernte er als klugen, aber phantastischen Menschen kennen. Lultwitz stand nach Ludendorffs Aus- sage zunächst für hie Erhaltung der Verfassung eilt Hebet Lüttwitz offenen Konflikt mit der Regierung weiß Ludendorff nichts. Er hörte und sah ihn erst nach dem Putsch m der Reichskanzlei wieder, wohin er nur Mr Information gegangen war.
Mm 14. März wurde ich", sagt Ludendorff, „ron wieder hingerufen. Man spricht immer von KabinettssitzungHn. Ich muß sagen, etwas menschlich Kläglicheres als dieses allgemeine Durch» 6 ° n ’r ede habe ich nicht erlebt."
Ludendorff betont auch in dem nun folgenden Kreuz- bah er sich ernsthaft immer nur an Arbeiten jur Bekämpfung der bolschewistischen Gefahr betätigt nabe.
Freundschaft und Wohlstand, ein wirtlicher Frie» den erfordert noch eine große Portion von Klugheit, > Nachgiebigkeit und sogar DpferroiUigteü auf beiden Seiten. Wir wünschen ron ganzem Herzen, daß auf diese Weis« bie eingeteitete Versöhnung recht schnell und recht gründlich erreicht werden möge. Doch vor überfpanten Hoffnungen muß man sich hüten, sowohl in fremden, wie in eigenen Angelegenheiden.
Urtiere guten Wünsche entspringen übrigens nicht allem dem Mttgefühl mit dem armen irischen Volke, bas seit Jahrhunderten den Derzwetflungskampf um sein Dasein unter ben schwierigsten Verhältnissen fuhrt. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen hat Deutschland selbst ein bttneenbee Interesse baran, daß England in seiner Weltpolitik entlastet ryerde. Lloyd George ist nicht unser Wohltäter, nicht einmal unser 1 Freund; aber er ist nicht ber schlimmste von unseren Gegnern, und es kann uns nur rocht sein, wenn er Zeit I und Kraft findet, um den ftanzösischen GerualtpoMkern ein größeres Eegengcwicht zu bieten. Die vorläufige I Erledigung der brennenden irischen Frage gibt ihm I offenbar eine größere Bewegungsfreiheit auf dem Gebiet« der Außenpolittk. Wie weit das für Deutschland gut ist, muß sich freilich noch zeigen; doch keinesfalls I bedeutet es eine Verschlimmerung unserer Lage.
Ein Glückauf für Irland! Wird Dcutschland auch noch einmal wirtlicher Freistaat werden?
Hus dem besetzten Gebiet.
• Die srcmzSsische Propaganda im Saaraebiet. Der I soeben erscheinende Monatsbericht des Völkerbundes I veröffentlicht Angaben aus dem Bericht der Recherungs- I kommission des Saarlandes für die Monate Aupuft, I September und Oktober, der ein düsteres Bild der I durch den Marksturz tm Saarland« entstan» I denen Verhältnisse entwirft, um damit die Matz» I nahmen der Rheinlandkommisiion zu rechtfertigen, die I mit Hilfe von Krediten die Gehaltszahlung in Franken I an die Gemeindebeamten für das laufende Budgetjahr I ermöglichte. Der Bericht erwähnt, daß diese Neuerung I von mehr als der Hälfte der Gemeinden angenommen, I aber von Saarbrücken unter großer Agitation abgelehnt I wurde. Dazu ist zu bemerken: Der Bericht der Regie- I rungSkominission stellt die Tatsachen auf ben I Kopf. Wer wirtschaftlich nüchtern zu urteilen vermag, erkennt leicht, daß nicht der Marksturz die WirtschaftS« krise in Saarbrücken verursacht hat, sondern die von der Regierungskommiffion erzwungene Erweiterung des Frankenumlaufs, weil hierdurch das gesamte wirtschaftliche Leben des Saarlandes mit so hohen Kosten belastet wird, daß eS auf dem deutschen Markt Ion. lurrenzunfähig wird. Die Bezahlung der Gemeindebeamten in Franken wurde allerdings von etwa der Hälfte der Gemeinden angenommen, jedoch nur unter | schärfstem Protest und mit der Erklärung, datz man lediglich der Gewalt weiche.
• Kenfliftt eines Gerichts mit ber vefotzimgsdebSrde. DaS Kölner Wuchergericht hat folgenden Beschluß gefaßt: Nach dem Gericht gewordenen Mitteilungen hat die Besatzungsbehörde die Vollstreckung etnes durch eine Kölner Strafkammer erlassenen Strafbefehls ber. hindert. Dieses Vorgehen enthält nach bet Auffassung bes Gerichts einen unzulässigen Eingriff in bie Rechtsprechung, bet den geltenden Bestimmungen nicht entspricht. Unter diesen Umständen ist für das erkennende Gericht nicht die Gewähr für eine unparteiische, unbeeinflußte und unabhängige, in voller Freiheit sich voll, ziehende Rechtspflege geboten, die für die Fassung seiner Entscheidung unbedingt erforderlich ist. Das Gericht lehnt deshalb ein Verhandel» aller an- stehenden Prozesse biS zur Aenderung dieses Zustandes ab und hebt hervor, daß es in gleicher Weise verfahren würde, wenn eine einheimische Behörde sich eines gleichen Eingriffs schuldig machen sollte. Der Beschluß wurde einstimmig von dem mit berufenen unb Laienrichtern besetzten Äuchergericht gefaßt unb ben anbeten Gerichten mitgeteilt. ES hanbclt sich babei um den Fall EmeetS (bergt. Letzte Nacht.)
• Jteue Waffenfunde. Der „Vorwärts" bringt eine Meldung aus Düsseldorf, wonach die dortige Besatzungsbehörde ein größeres Waffenlager aufgedeckt habe. Es sollen zwei schwere und sechs leichte Maschinengewehre, 147 Gewehre unb 30 000 Stück In- scmterieewehrmunition gefunben worden fein. Diese Meldun;c, trifft zu. Die Waffen wurden im einer Kas erne gefunden unb sinb, wie bie Untersuchung ergab, bort bei ben letzten Unruhen d o n ‘ber Roten Armee untetgebradjt worben. , i
preußischer Landtag.
wie sieht es mii ber kohlennol?
Im Sanbtag wurde am Freitag die zweite Beratung des Haushalts der Bergverwaltung fortgesetzt.
Abg. Hue (Soz.): Die Erhöhung des Kohlenpreises bis auf über 200 Mark wirb mit ber Mehrausgabe für Arbeitorlöhne begründet. Dabei beftägt die Mehr- ausgabe pro Tonne lediglich 60 Mark. E s ist falsch von einer allgemeinen Kohlennot zu sprech «ft. In der Braunkohleni». buftrte ist sogar eine erhebliche Ueberprobut- t!on zu verzeichnen. Wir verlangen, baß bie ein« Seinen Ausfuhrposten geprüft werben. Zur Sanierung führt bie Sozialisierung. (Lebh. Beif. bei ben Sozialb.)
Ab. Sieger (Ztr.): Don einem allgemeinen Rückgang der Stiftungen kann man wohl .nicht sprechen ' Notwendig ist endlich die Derbcsserung ber technischen Klagen auch in ben Staatsbetrieben. Den Bergar- !ern muß bic Landwirtschaft zu Hilfe kommen. Die
: off ein kosten im Ruhrgebiet bereits 140—150 Mark
. Zentner. Dort ist bie Gesamtleistung im Monat November 318 000 Tonnen gegenüber 299 000 Tonnen im Juli gewesen. Die Sicherheit ber Gruben muß er. hebtich geförbert werben. Abg. Dr. von Walbihausen (Dnatt.) gibt zu. baß feine Zunahme ber Kohlenför. berung im November ftatigefunben hat. Trotzdem (ei- l bne wir unter einem infolge bes auch tm lanbwirt- schaftkichen Betrieb sich fühlbar machenden Wagen- mangel hervorgerufenen scharfen Kohlonmangel. Es muß Sorge ber Eisenbahnverwaltnng sein, bafür su sorgen, daß eine Stockung bes Wagenumlaufs auf ber ganzen Linie in Zukunft ausgeschlossen bleibt. Abg Seibel (D. 23p.): Ueberoil in ber Welt t ist Kohlenüberfluß. nur bei uns nicht. Wir können ; bei der Kohlenswangswirtschaft nicht auf den Weltmarkt ksinaus. Die Weltmarktpreife werden herab, geben. Demgegenüber muß ein Ausgleich geschaffen werben. Für die Kohlen aus bem Spaa-Abkommen ' haben bie Franzosen gar keine Verwendung. Die kost- l fpielige Beteiligung des Fiskus an Braunkohlenberg- [-011 erscheint angesichts des zu erwartenden 3$rmm-
Deutsches Reich.
♦ Berlin, 10. Dez. Schon vor einiger Zett »er- lautete, daß auf dem französischen Botschafterposten in Berlin ein Wechsel em- treten werte. Neuerdings spricht man wieder davon und über Genf kommen Nachrichten, nach denen der Senator de Monsie als Nachfol' aer Laurents in Aussicht genommen fei. Den deutschen Regierungsstellen ist bisher »on emem geplanten Wechsel in der Berliner französischen Bot- chaft nichts bekannt geworden. — Das preujzifft>e ©iaatsmimfterium hat zur Wahrnehmung der preußischen Interessen bei der Erörterung der Frage Groß-Hamburg den früheren Ftnaftzmintster Dr Südekum zum Staatskommtssar bestellt.
* Erhöhung der Sohlcnskener. Der Reichswtrt- schaftsrat hat den Bericht des Reparationsaus- fchussrs betreffend bte Aenderung ber Kohlensbeuer, der eine Erhöhung der Steuer auf 40 Prozent vorfiehk,