Fuldaer Heilung
4»^ Druck der Fuldaer Aetieudruckerei m Fulda
Drittes Blatt.
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Herr Rhir l-Langendorf gewählt. Einige andere Wahlen wurden nach den Vorschlägen erledigt. Bemerkt sei, daß beim Mieteiniguirgsamt die Herren Hahn und Löchel-Kirchham, Getzhäuser-Roßdorf und Wißbeckrr-Amöneburg gewählt wurden. Für die Un- terhchtung der Landwege wurden 400 000 <Al eingesetzt. Ferner beschloß man trotz ablehnenden Bescheids dis Errichtung eines Finanzamts in Kirchhain weiter zu verfolgen.
= Zritzlar. Aus Fritzlars vorchristlicher Vergangenheit hielt Herr Dechant Mfgr. Jestädt nn kach. Dolksverem am Sonntag abend einen stark besuchten Dortrag. Arif Grund loigner Forp, sching führte er die gespannt lauschenden Zuhörer cm der Hand reichen Materials in volkstümlicher Sprache an die drei heiligen Quellen am Südabhcmge der Domhöhe sowie cm die beiden uralten FluHübergänge ober» und unterhalb der setzigen Ederbrücke. Schließlich kam er auf die vier Römerfeldzüge ins Chattenland in dm Ichren 11 v. Ehr. und 15 und 16 n. Ehr. zu sprechen und hielt es unter näherer Begründung für wohrschrinlich, daß der Zug des Germanikus noch Mattium, dem heutigen Met^, i. I. 15 n. Ehr. über die Ederfurt an der Spicke bei Fritzlar gegangen sei. Zum Schluffe ermahnte er die Zuhörer, der alten Heimat, die eine so große Vergangenheit habe, tret zu l leiben.;• ...
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— Die älteste „Drucksache". Bei den Ausgrabungen des alten Phaistos auf der Insel Kreta, und zwar in den Ruinen des Palastes, fand man u. a. eine Tontafel, die spiralförmig mit altkre« tischer Bilderschrift bedeckt ist. Eine Entzifferung war bisher nicht möglich, anscheinend behandelt sie einen religiösen ^mnuS. Nun ist es aber bei genauer Untersuchung sehr aufgefallen, daß die einzelnen Bilderzeichen in ihrer Form und Größe so genau übereinstimmen, daß sie unbedingt mit Stempel» in den noch weichen Ton eingedrückt sein müssen. Man muß dazu über hundert verschieden« „Drucktypen^ gehabt Haden. Es wäre das als« das bisher älteste und einzige Monument einer „Druckschrift" aus vorgeschichtlicher Zett- moS
an das Französische aus dem Lehrplan der 7 Klasse des Lyzeums streichen werde. Für die höheren Knabenschulen ist keine derartige Aenderung angekündigt. Ist man in den letzten Jahren auch an ein unglaubliches Maß des Experimentierens aus dem Gebiet des Schul- wesens gewöhnt worden, so ist es doch etwas ganz Außergewöhnliches, daß ein Minister von sich aus einen Uebergcmgsversuch nicht an einzelnen Anstalten, sondern mit einer ganzen Schulgattuna und das ausschließ, lich mit den Mädchenschulen vornehmen will. Wird die angekündigte Aenderung durchgeführt, so ergwt sich als Folge, daß das Lyzeum z ur 6 k l assig e n An- stalt degradiert ist und dauernd hinter den höheren Knabenschulen, denen es sich m mühsamem Ringen ebenbürtig an die Seite gestellt hat, zurücksteht. Wenn aber ein solcher Abbau erfolgt ist, so wird man in absehbarer Zeit zu keinem Wiederaufbau kommen.
Die Frage ob das 7jährige Lyzeum weiter bestehen wird, geht durchaus nicht nur die Fachleute an. Diel, mehr als diese sind alle Väter und Mutter daran beteiligt, die Töchter haben. Wollen sie für ihre Töchter nicht schlechter sorgen als für ihre Söhne so ist e5 unbedingt erforder- lich. daß sie auch für diese die erhöhten Opfer bringen und daß sie Einspruch erheben gegen jeden Versuch, einseitig die Schulbildung der Mädchen zuruckzu- schrauben. Unsere heutige Schulverfassung sichert den Estern ein gewichtiges Wort durch die Elternver- sammlungen und Elternbeirate. Letzt »st s Zelt, daß sie sich klarmachen, was auf dem Spiele steht und daß sie ihrer Meinung Geltung verschaffen. Der Stlmme der Elternschaft müssen auch die maßgebenden Stellen Gehör geben.
gur Geisa und Umgebung.
— Geisa. Das Finanzamt in Vacha »et« öffentlicht in der heutigen Nummer eine Brkanntma- chung über die Ausstellung von Steuerbüchern an die Arbeitmhmer, auf die wir unsere Leser Hinweisen. ,
aus Gberhessen und dm hessischen Remtern.
a Kirchhain. Trotz der großen Kälte waren am 6. Dezember die Raiffeisenfreunde aus dem Kreise Kirchhain herbeigeellt zu ihrem dresiahrigen u nter v e r b a n d s t a g. Alle IS Vereine waren m der Versammlung im Hotel Mossbach vertreten. Als liebe Gäste konnte der Unterverbandsdirektor willkommen heißen: Landrat von Gilsa, Major Kissel, Lester des Kroiswohlfahrtsamtes. Landwirtschastsdirektor Dr. Steinhaufen der mit feiner Schule erschienen war sowie die Vertreter des Kreisbauernvereins, der Kornhausgenossenschaft und viele andere. Er berichtete über die allgemeine Lage im Verbände und in den Vereinen und ermahnte die Mitglieder zur treuen, ge- wisienhoften Erfüllung ihrer Pflichten als Raiffeisen, männer. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Raiffeisenvereine in dieser Zeit der allgemeinen Rot in vaterländischer und christlicher Arbeit der inneren Zer- risienheit und Uneinigkeit entgegenarbeiten und so Hel- fen daß unser Land in Wahrheit werde das hl Land der Treue die Heimat von Recht und Redstchkeit. Landrat v.' Gilsa Sanfte für die Begrüßung und warnt vor den Gedanken des Mammonismus, denen auch die Landwirtschaft ausgesetzt sei. Seiner Bitte, die Kriegsbeschädigten und Witwen mit Kartoffel zu versorgen von denen noch ein Teil nicht aufgebracht fei, kam die Versammlung sogleich nach. Die Fehlmenge wurde von den einzelnen Vereinen sofort gezeichnet. Dann ergriff der Prophet Raiffeisens in Hessen. Pfar- rcr Meyenschein das Wort zu feinem Vortrag: „Raiffeisen und die Lugend'. Er zeigte, wie die Jugend für Raiffeisen gewonnen werden kann. Raiffeisen ist vor allem ein lebendiger Mensch an besitzt Leben alle Lugend ihre Freude haben kann. „Raiffeisen, das Werk' ist geeignet, gute finge, starke Menschen voll Gemeinsinn zu schaffen. Raiffeisen und die Jugend ge- hören zusammen. Raiffeisen ist nicht alt, sondern heute noch jung wie vor 40 Jahren, als er unsere Vater aus den Klauen des Wuchers befreite. Raiffeisen ist nicht kalt sondern so feurig, wie damals, als er uns. dis wir jetzt' alt geworden sind begeisterte. Die Jugend muß an unserem Beissel als Raiffeisenmänner sehen, was Raiffeismgefft ist. daß sie Lust gewinnt an. dem Ratff. eisenverein und der Raiffeisensache Reicher Beifall lohnte den herrlichen Vortrag, der im Druck erscheint. Er verdient in weitesten Kreisen gelesen zu werden. Landrat von Gilsa sucht das Jnterefle für die Grün- düng einer Kreisversicherung zu wecken. Die sich anschließenden Turnübungen der Schüler und Man- nerriege fanden allseitiges Jnterefle Dem Tumver«n Kirchhain dafür besonderen Dank In der Aussprache wurde noch Auffchluß über verschiedene «fchaftstchen Fragen gegeben. Um IV* Uhr wurde der hochmter- eflante Unterverbandstag geschloffen
A Sirchhaln. Der Kreistag des Kreises Kirchhain HM eine Sitzung ab. Für das zurück- getretene Kreistagsmstglied Römer-Burgholz wurde
Unpolitische Zeitlaufe.
Von Fritz Rienkemper.
Berlin, 6. Dezember 1921.
Heule ist Nikolaustag. Darum bringe ich Spekulatius auf den Tisch- Allerhand Kleingebäck in verschiedenen Figuren.
*
Bor 70 Jahren brachte mir der Nrkolausabend »och *ef)t Aufregung wie der Weihnachtsabend. Ans dem einfachen Grunde, weil der Sünt Klaus leibhaftig in unserer Wohnstube sich einstellte, die Kinder verhörte und nach Bedarf vermahnte und beschenkte. Nikolaus konnte leichter auftreten, wie das Christkindchen. Ein Bettlaken, eine Bischofsmütze aus Papier und eine Art von Hirtenstab genügten schon, um aus einem Dnfel oder Nachbarn den heiligen Mann zu machen. Das Christkindchen hätte sich nur von einem Kinde bar- stellen lassen und das wäre leicht aus der Rolle gefallen. Ueberhaupt hatte man eine bewußte Scheu davor, das göttliche Kind in dm Bereich der theattalifchen Krittk zu ziehen. Auch der heiligste Bischof bleibt immer ein Mensch und muß sich allerhand Menschliches gefallen lasten.
Das persönliche Auftreten von St. Nikolaus machte immer einen gewaltigen Eindruck auf das kleine Volk. Die größeren Rangen, die sich schm für gewitzigt hinten, suchten zu erraten, wer denn eigentlich unter dem Bischofsmantel stecke. Es war em Triumph für den Darsteller, wenn er nicht erkannt worden war. Das Herzklopfen beim himmlischen Besuch verdarb uns durchaus nicht den Appetit auf die Aepfel, Rüste, Pfefferkuchen usw.
.. d??.,waren schöne Zeiten! Ich meine, man sollte
“te „ toIay5fc*er nicht einschlafen lassen. Es steckt da die Wurzel eines christlichen Schauspiels.
*
Näschereien, Leckereien, haßt der strenge Richter Aller „Unordnung . Er will nichts wissen von dem Spekulatius und seinem Zubehör, weil das nach Art und Maß über den normalen Nahrungsbedarf hinous- gehj. Schließlich sagt der Grimmbart, in dm gegenwärtigen schweren Zeilen wüste man den Nachwuchs van. tzW eiste" Höschen an die EntstuMtg üben.
JVs. 284*
Samstag, 10. Dezember 1921
Die Not der deutschen Presse.
Die deutsche Prefle wird plLMich vor die befürchtete, trit allen möglichen Mitteln bisher verhinderte Katastrophe jefteflt. Die deutschen Zeitungen Haden von den brs Wf das Hundertfimfzigsache gesteigerten Preisen der Ma- jeriaüen und der Herstellungskosten nur einen Tal auf Mer und Inserenten überwölzen können. Nun war der Bogen Druckpapier, der tut Frieden 2000 Mark kostete, Bretts Ende November wieder erheblich verteuert war- »en, sodaß der Preis für Dezember auf 37 000 Mark gestiegen war. Plötzlich wird hierauf ein weiterer sofortiger Auffchlog nochmals um mehr als das Doppelte des Friedenspreises verlangt, urtb hierzu kommen die allgemeinen sprunghaften Verteuerungen und die entsprechenden Erhöhungen der Löhne. So wachsen plötzüch die gesamten Produktionslasten in Riesensummen zusammen, zu denen auch eine Verdoppelung der bisherigen Bezugspreise in gor fernem Verhältnis stünde.
Ob und wie lange noch unter diesen Umständen überhaupt das Zeitungswesen aufrecht zu erhalten ist, darüber herrschens in den Kreisen der Sachverständigsten die schlimmsten Befürchtungen. Wir treiben aber offenbar in eine Krise hinein, in der die Aufrechterhaltung der Presse mehr als je auch die Aufrechterhaltung der Hoff- mmg, der Ordnung, des St trat sieben 5 bedeuten wird. Nur Kurzsichtigkeit und Unkenntnis kann das verkennen. Außerorüsntliche VerhAtnifle erfordern außerordentliche Mittel. Das muß verstanden und gewürdigt werden in dem Augenblick, wo es nun tatsächlich geht um Sein oder Nichtsein der deutsche« Presse!
Wir erwarten daher zuversichtlich, daß die unbedingt notwendigen außerordentlichen Erhöhungen der Bezugs- und Anzeigenpreise nicht zuletzt deshalb ertragen werden, weil nur so die wirtschaftliche Unabhängig- kett der deutschen Prefle und ihre Unabhängigkeit von auÄändischen Einflüssen zu erhalten stt. Mr wollen, solange es irgend möglich ist, die deutschen Zeitungen vor dem Erliegen schützen. Und wenn es leider bei der stürmischen Entwicklung zum Schlimmen nicht gelingen wird, manche alteingebürgerte und wertvolle Organe der öffentlichen Meinung vor dem Jusanunenbruch zu retten, so darf uns doch Pessimismus nicht dahin bringen, daß wir widerstandslos den Dingen ihren Lauf lasten. Die Prefle, die — jche Zeitung in ihrer Richtung — mehr als je kämpft für das Wohl der VolksgesamHett m diesen Zeiten, bedarf auch in erhöhtem Maße der Einsicht ihrer Leser.
Die Lage ist keiner früheren vergleichbar. Möge das /llenthakben erfonnt werden, solange es noch Zeit stt!
Der Dorsimid des Vereins Deuffcher Zettnngsverleger (Herausgeber der deustcheu Tages Zeitungen) E. V.
Dr. Bahr’s
Zahnpulver „No.
vom Zahnarzt verordnet, daher
„das rechte ZahnptlegemitteVi
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Er Hai ja sooo recht; aber er vergißt, daß es keine Regel ohne Ausnahme gibt. Ja, die jchwMN Zeiten zwingen uns alle zur Einschränkung, zur Entsagung, auch fchon die junge Nachkommenschaft. Um so starker ist der natürliche Drang, daß man mal bei einer festlichen Gelegenheit sich ausnahmsweise etwas,zugute tun möchte. Warum sollen die Kinder heute nicht einmal einen Leckerbissen genveßen, wenn sie die vorigen Wochen das alltägliche Brot genügsam gegessen haben und morgen wieder zu den mageren Töpfen zurückkehren muffen? Früher, als wir noch üppig leben konnten, war die Gefahr viel größer, daß die Kinder schlucker- hast und wählerisch im Esten wurden. Jetzt ist der Hunger der beste Koch und auch der stnrngste Koch, der seinen Willen schon gleich nach dem Feste wieder durch-
Im Punkte der Naschhaftigkeit mögen sich übrigens die Großen zuerst selbst an die fassen und die Erzieher sich selber erziehen. Trotz aller Teuerung schlek- fen und schlemmen zahllose Erwachsene in Zuckerzeug, Schokolade. Kuchen, Kaffee, Zigarren, Tabak, Alkohol usw., als ob die alte Zeit der Fettbebe noch wäre. Und gerade nach Süßigkeiten haben die Großen nicht so viel natürlichen Bedarf, wie die Kleinen mit ihren Heranwachsenden Körpern.
Den gelegentlichen Leckerbissen soll man den Kindern nicht versagen, ober ihn richtig verteilen. Die Kleinen rnüflen lernen, etwas für morgen und übermorgen auf- zuheben. *
Meine Schwester (sie ruht schon lange in Frieden) war fünf Lahre älter als ich und pflegte mich Hosenmatz zu bemuttern. „Fritzchen", sagte sie, „die Ge- schmke bringt nicht der heilige Nikolaus oder das Christ- fmixten; die besorgen uns die Mutter und der Vater. Sag mir nur, was int gern haben willst, dann bestelle ich es bei Mutter.'
So wurde ich schon frühzeitig „aufgeklärt'. Schade! Aber die kluge Schwester hatte mir doch die Wahrheit gesagt? Freilich, die Wchrhett gesagt und doch in Irrtum geführt. Zuerst glaubte ich, die Geschenke kämen unmittelbar vom Himmel her. Nachher dachte ich, sie hätten mit dem Himmel nichts zu schaffen. Das erste war ein halber Irrtum, das zweite ein ganzer Irrtum. Aus dem einen Erstem geriet ich in das andere. Freilich stammten di« Gejchenk» aus tzM eigenen Garten, aus
der Einschränkung der höherm Knabenschulen 1 Die Nachteile einer solchen lagen zu deutlich auf brr Hand, als daß man bei ruhigem Besinnen sich ihnen hatte verschießen können. ,
Den Mädchenschulen aber droht diese Gefahr heute in erhöhtem Maße An dm regzerenden und auch vielen anderen Stellen schemt eine starke Neiauna vorhanden zu sein, das m ^rei^en seit 1908 eingefütete 7jat>rtge Lyzeum in ein Sjähriaes umzuwandeln, um so die Erhöhung der Gesamtschulzeit für die Mädchen, die nicht die Universitätsreife erftreben, nicht von 10 Weni auf 11 Jahre erhöhen zu mustern Die Grunde für He Hen- beruna besteben meist in dem Hinweis darauf, daß and) di- Knaben-Realschulen nur 6 Klassen haben und dtefe Schüttest auch für die Mädchen ausreichen wüste. Aber diese Rechnung sieht an dem Wichtigsten, wag bei der Mädchm.Schulbild'ing mistprechen muß. gerade vorbei. Gewiß soll das Lyzeum den Mädchen eine Schulbll- düng geben die derjenigen der von der Untersekunda der Vollanstalten oder der oberften Klassen der Real- schulen (mit dem „Einjäbriaen") abaehenben Knaben gleichwertig ist; aber eben diese? Ziel kann bas Lyzeum in ber gleichen Anzahl von Schuljabren nicht errei- chm. Die Einrichtung bes heutigen 7ftiiftgen Lnzeums beruht auf triftigen inneren unb äußeren Gründen. Richt bloß die Mäbchenfckn'l-Fachleute. noch bester vielleicht willen Väter und Mütter, baß man ihre Tochter in den Jahren her körperlichen Entwicklung nicht mit derselben hohen Pflichtstunbenzohl belasten bars rott bte gleichaltrigen Knaben, wenn sie nicht Gefahr laufen sollen gesunbheitlichen Schaben zu erleiden, ber sich vielleicht nicht augenblicklich, um so sicherer aber später bemerkbar macht. Wer sich irgenbroie verantwortlich fühlt, wirb es ablehnm mästen. 13—löjährmen Mäbchen mehr zuzumuten, als bie? im heutigen Sn* zeum geschieht. Ein unabweisbares Bedürfnis aber besonders in der Zett wirtschaftlicher Nöte ist. daß, bte Mäbchen auch im Lvzeum bie Grundlagen ber weiblichen H an b- unb Nab olarbeiten sich aneignen; der Nabelarbettsunternckt im Lvzeum i'? heut» weder ein Luxus noch eine Spielerei (wie früher manchmal geklagt mürbe) bas beweist sehr deutlich bie zahlre-che Beteiligung ber Mäbchen am wahlfreien Nabelarbetts, unterricht in hen oberen Klotten, die fett einigen Jahren allenthalben eingesetzt hat. Wie sollen die Mädchen bei geringerer Stundenzahl aber mit einem Unterrichtsfach mehr als die Knaben in der gleichm Anzahl von Jakn ren Gleichwerttaes wie biefe leisten. Nimmt man noch hinzu, daß ein weit größerer Teil aller Mäbchen seine Schulbilbung im Lyzeum abschließt als Knaben sich mit hem „Einjährigen" begnüaen, so muß es ms durchaus berechtigt gelten, baß biese Mäbchen rn einigen Fachern z B. Deutsch unb Religion, wie es heute im Lyzeum geschieht, womöglich etwas weiter geführt werden als bie Knaben. Ein öjahriges Lyzeum mürbe entmeber ben Mäbchen Unmögliches zumuten ober ihnen weniger bieten als bie Realschulen ben Knaben.
Sn manchen preußischen Provinzen. Rheinlcmb unb Westfalen auch in anderen deutschen Ländern nt man schon lang- an eine lliährigc Gefamtfchulzeft für bie- ienigen Mäbchen gewöhnt, bte Nicht bie reife erstreben weil bie Lyzeen hort vielfach keine Un- terklallen (-Vorschule) haben, sondern erst nach 4jabrt. gern Besuch ber Volksschule ins Lvzeum eintreten. Was imter solchen Verhältnissen bie 4jährige Volksschule geleistet hot, das wirb künftig überall bte 4jährige Grundschule übernehmen. Daß biefe mehr leisten könnte baran wäre nur bann zu benten. wenn bie Klassenstärke auf bie Hälfte ber heutigen Schülerzahl herabgesetzt würbe __heute eine aussichtslose Sache Es ist allo bie Frage, ob ber int Westen seit Jahren bestehenbe Zustanb. baß bie Mädchen 4 Jahre Volksschule unb 7 Jahre Lyzeum, im Ganzen also 11 Schuljahre nötig haben, auf bte Dauer haftbar fein wird unb bas nicht bloß ba. roo er bisher schon war, sondern auch in ben übrigen Landes, teilen. Ist bie Antwort ein unbedingtes „Nein, so wirb man ihr aus wirtschaftlichen Gründen kaum rote» bersprecken können Man wirb ober bann etne zweite Frage stellen müssen: Wenn die wirttchaftltche Not wirklich bie Festhaltung bes bisherigen Schulbildungszieles unmöglich macht sollen es bann unsere Tochter in erster Linie unb allein fein, bie bies fühlen unb bar. unter leiben mässen? Die Zeit ist ja ftett^ch noch mcht allzufern, ba man für bie Zwecke ber Mabchenbilbung wenig ober nichts übrig hatte, weil man sie für einen entbehrlichen Luxus hielt. Jnzroifchm hat aber gerabe ber Mittelstand einsehen gelernt, daß seinen Tächtern eine ebenso gründliche Schulbildung nottut wie seinen Söhnen, wenn er sie dem Leben nicht hilflos überlassen und dadurch feine Gltempftidit in unverantwortlicher Weise vernachlässigen will. Und die gegenwärtige Entwicklung ber Dinge tnsbefonbere bie verfassungsmäßig festgelegte Gleichberechtigung von Mann unb Frau steht gerabwu in unversöhnlichem Gegensatz zu ter Farbe- rumg baß bie M S b ch en b i lb u n g verkümmert werben soll währenb bte ber Knaben un- geschmälert erhalten werben kann
Es hanbelt sich nicht nur um einen Streit ber Met- nungen, säubern, wie es scheint, stehen en t s ch e i- benbe Maßnahmen o or d-x Tür. Der Mmi- ster für Kunst. Wiflenschast unb Volksbildung hat feine Absicht dahin geäußert, baß er schon von Ostern 19-2
der eigenen Küche oder aus dm benachbarten Laden und waren von den Eltern aufmzbaut. Aber doch stammten sie vam Himmel her. Denn wer gab den Eltern bte Kraft, das Erforderliche für die Kinder zu «erwerben? Nur die Gnade und die Hckfe Gottes. Den übernatüvllchen Ursprung alles Guten vermochte ich als Kind noch nicht zu überschauen. Darum hätte man mich lieber bei dem schönen Glauben kaffen sollen, daß St. Nikolaus ober das ChrMmdckM vom Himmel kämen, um dm braven Kindern etwas Schönes zu überbringen. _
„Was ist Wahrheit?" fragte Pilatus, der Zweifler. Was verhältnismäßig als Wchrhett ausstcht, kann die Quelle von Irrtümern werden, und in der frommen Sage steckt ost mehr Wahrheit, wie in der toten Fm- Munro.
Ihr braucht eure jkinder nicht „aufzuKSren" — das besorgen schon ungebetene Kräfte außerhalb des Hauses und der Schule. Meistens noch zu früh und zu ^ftig. *
Aber wenn wir einfchen, daß affe guten Gaben mittelbar vom Himmel stammen, so erleichtert uns das unsere Selbstbescherung zu Weihnachten.
Heißt es nicht immer, wir sollen werden wie die KiMcinI Nun wohlan, dann wollen wir unseve großen Hände austrm, Um auch die festlichen Liebesgaben in Empfang zu nchmen. „Mir schenkt niemand was," sagt der Murrkopf. O doch: deine Gesundheit, deine Lebenskraft, dein Hab und Gut, deine Arbettsgebsgen- heit, — alles ist dir geschenkt vom Vater alles Guten. Sei dankbar und zufrieden, wie ein beschenktes Kind.
Nun ja, wir find ja auch nichts anderes rote Kinder, auch wenn wir schon fünf, sechs, siebenmal untere Iahresziffer mit einer Null geschrieben haben. Kinder, die was fernen urtb sich üben sollen in der Schule des Lebens. 3m Tote erst wird dos Abgangszeugnis ausgestellt
Wicmel Elend würde der Welt erspart, wenn die Erwachsenen noch etwas kindlich wären! Aber sie wol- fen klüger fein als der höchste Schulmeister, und werden habet schrecklich kindisch! *
Wir sagten vochin, ein gelegentlicher Leckerbissen fei für den jungen Körper recht zuttägüch. Es gibt auch 2etferh»tien Hw «Miüt, Spekulatius für die Seele.
In manchen Häufem wird die Zärtlichkeit alle Tage im Üebevmoß verzapft. Aber vdelfach kommt die Liebe gar nicht recht zum Ausdruck, obschon sie reichlich vorhanden fft. Dort hat man eine Scheu vor der Enthüllung der zärtlichen Gefühle. Die Eltern opfern sich auf in der Sorgfalt für ihre Kinder, ater nur in laten nicht m Worten. Die sorgsame Mutter und der rührige Vater sind stets bei der Hand in Mahnungen, Warnungen, Tadel und Strafen, um ihre Kinder zu belfern. Aber das Loben geht ihnen schwer ab; an das Aufmuntern der jungen Seele denken sie nicht.
Jede Einseitigkeit ist gefährlich. Das junge WefM brmüht nicht bloß den Regen guter Lehren, sondern auch den Sonnenstrahl der Liebe. Auch etwas Liebe in sinnfälliger, angenehmer Form. Wie erquickend wirkt em Lob aus dem Munde der gestrengen Eltern! Wie glücklich fichlt sich der Junge, wenn der sorfft so steife Vater chm ftrnrndlich über die Backen streicht oder die Mutter ihm einen herzlichen Kuß gibt!
Die Kost muß gmnischt sein; auch die Seelenkost. Nicht lauter Herbes und Saures, auch etwas Süß« dazwffchen.
Mancher, der durch Strenge nicht zu beugen ist, läßt sich durch ein freundlich« Wort oder eine zärtliche Geste gefchmeidig machen.
Die Liebe soll sich nicht entblößen, aber auch nicht vermummen.
Mt einem Topf Honig fängt man mehr Wiegen, als mit einem ganzen Faß Essig.
Gotterdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 11. Dezember. (3. Advents-Sonntag.) Dom. (Kollekte f. b. Bon ifatiusverein.) */»6, 6, l/i7 u. 7 M., um V«7 i. d. Marienkapelle M. u. Generalkom. d. Jungfr.-Sod. sowie d. christertlehrpfl. Jungfr. i. Dom, S Pfarramt u. Pr., VilO Kathedralamt u. Pr., 11 Chr, f. d. Jüngl., Vil2 M. u. Pr., *A2 sakrament. A., °/«3 Vers, d. Jungfr.-Sod., 4 Pr. u. A., 7 Serz-Mariä-Bruderschast m. Pr. u. Segen. Montag 5 Rosenkranz m. Segen. — Stadtpfarrkirche. ’/.6 M., 3/«7 M. u. Kom. d. Jung- frauen-Kongregation, 8 erster Sckulgotlesdienst m. Pr, V.10 Hochamt m. Pr., 11 zweiter Schulgottesdienst m. Pr., >A10 Ehr. f. d. Jänal., V«3 MichaelS-Bruderschaft, VA A f. d. Jungfrauen-Kongregation, V«5 A. f. d. Dienst. mädchen-Kongreggtion. Von V-8—V-0 wird jede halbe Stunde die hl. Kommunion ausgeteilt. — Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt m. Kom., Vi5 Ehr., SA.— Severikirche. Sonntags und werktags '/-7 M. — Herz-Jesu-Heim. 8 Hochamt nt. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5,6,6V1 u. 7M., 8 Bruderschaftsm. m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr., nachm. 2 Pr., A. u. Umg. f. d. Fünf-Wunden-Bruderschaft; Vi6 A. z. Ehren d. unbefl. Gottesmutter.
©ottesbienftorbnung für Katholische Taubstumme.
Sonntag, den 18. Dezember in Fulda lO IIhr hl. Mefle in ber Severikirche. Hierauf llnterweffung über „Advent". Ueber Mittags and acht wird Näheres am Morgen mitgeteilt. Fahrscheine zum Gottesdienst sind zu bestellen bei Taubstummenlehrer Müller tu Homberg, Bezirk Kassel.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 11. Dezember. Fulda. Vormitt. 9Vi Sup. Ruhl, 11 Kindergottesdienst, nachmitt. 2 Pfarrer Weber. — Großenlüder. Vorm. 9Vi Pfarrer Weber. — Birborsteia. Vorm. 9 Pfarrer Reich.
«vangel. lanberkirchl. Gemeinschaft, $ulba, vuttlarftr. XL
Sonntag, 11. Dezember. Abends 8 Evangelisation. — Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). — Mittwoch abends 8 Gefangstunbe. — Donnerstag abends 8 Jungfrauen-B.-St. — Frettag abends 8 Bibel» u. Gebetstunde.
Vas Lyzeum in Gefahr.
Der Pressedienst für bas höhere Mädchenschul- oefen schreibt:
Die nieberbrückenben wirffchaftlichen Folgen bes Friedens von Versailles haben wie für alle Sehens» gebiete auch für das deutsche höhere Schulwesen eine gefährliche Krise Heraufbeichworen. Allororts ertönt mit Recht der Ruf zum Sparen; nirgends wollen bie Mittel ausreichen, um bie bisherigen öffentlichen Einrichtungen zu erhalten, geschweige benn dazu, sie ■eiter auszubauen oder sie ben Forbemgen ber Zukunft anzupafsen. Erschwert wird bie Lage noch dadurch baß von ben zahlreichen Versuchen zur Neuge. ftaltung oft einer bem anbern widerspricht unb, wenn er auch selbst etwas Gutes bringen mag, bas Gute im anderen unmöglich macht. So gings mit ber 4jährigen Grundschule. So sehr sie weite Kreise zu befriedigen scheint, so stellte sie andererseits bas höhere Schulwesen in einem großen Teil Deutschlands vor die peinliche Wahl, entweder die Dauer der Gesarntschulzeit bis zur Univeisitätsreife von 12 Jahren auf 13 Jahre zu verlängern. — 4 Jahre Grundschule unb 9 Jahre höhere Schule — oder bie bisherige Gesarntschulzeit von 12 Jahren beizubehalten unb dadurch bie höhere Schule auf 8 Jahre zu beschränken. Die Einsicht, baß bie Höbe ber Bilbungsansprüche an bte künftigen Fächer nicht herabgesetzt werden dürfe, wenn bie Leistungen ber deutschen Volkes in Wissenschaft und Technik auf ihrer bisherigen Höhe erhalten werben sollen — eine ber allerwichtigsten Lebensfragen für uns! — hat dazu geführt, daß man seit einiger Zett kaum noch etwas von < -........." .....- •
Besser als bittere Mandeln u
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