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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Donnerstag, S. Dezember $921

Nr. 282

Bezugspreis: Monatlich 5.0J 2KL zugestellt frei ins Haus- ~ Abgehoii in der Geschästsfblle 4,60 2RL :: Anzeigen: Sleinjeile nach E o'one 'maß 1 IHart; Rrktomezeite (Tutbreite) nach Colone maß 3 Mark.

Verantwortlich lüt den reüauionellen Teil: Dr. I. Kramer, z für die Anze,gen: I. Parze Iler-Fulda. - fftoitationsbruif u. ©erlag der Fuldaer Aciiendruckerei in Fulda. vVemipr erber Nr.' 0. Telegr.-Adreise: Fuldaer Zeitung.

48. Zahrge

lieber Die VerWSiiliiWN in Mon werden widersprechende Mitteilungen gemacht. Nach ter einen soll die ReichZregierung sich an ein führende Bankunternehmen mit der Frage gewendet haben, ob man bereit fei, dem dänischen Reich einen Kredit von 25 Millionen Pfund Sterling zu bewilligen. Nach einer anderen Meldung' soll die Kreditaktion der In­dustrie bereits gescheitert sein. Beide Nachrichten be- pihen ausschlii.'Kich auf Kombination.

Unser Berliner Vertreter ist in der Lage ausdrück­lich fcstzustellen, daß au keiner amtlichen Stelle irgeich- rveiche Mitteilungen, sei es nach der einen oder andersn Richtung hm, vorlieyen. Tatsache ist osilmehr ledig­lich, daß die Reichsregierung bereits vor längerer Zeit sich an die für di« Getwährung von Krediten zuständige Stelle in England gewandt hat. Mr betonen aus­drücklich, daß das bereits vor längerer Zeit, nicht erst in den letzten Tagen geschehen ist. Irgend ein Entscheid nach der einen oder anderen Richtung ist also noch keineswegs gefallen.

Auch in dm tnlsherigm Verhandlungen, die die Reichsregierung ausgenommen hat, ist von einer be­stimmten Summe niemals die Rede gewesen. Im Zu­sammenhang mit ddr Kradiffrage werden auch Mit- ßeilungen fiter die Dienstagbesprechung der Parteifüh­rer mit dem Reichskanzler gemacht, die dm Tatsachen nicht entsprechen. Bei dem von uns gekennzeichneten Stand der Singe ist/.es selbstverständlich, daß der Reichs- Sanzler dm Parteiführern abschließende 'Mitteilungen überhaupt garmcht' machen konnte.

Unzutreffend äst ferner auch die Behauptung einzel- mt Berliner Zeitungen, daß bei der Dimstagsbespre- chung beim Reichskanzler auch die Frage der Erweite­rung der Koalition berührt worden sei, und schließlich ufei nochmals daraus verwiesen, daß die Verhandlungen beim Reichskanzfer streng vertraulicher Na- Aur waren und somit alle Mitteilungen in der Presse auf Kombinationen beruhen.

Aus Paris wird gemeldet, daß der französische Aufbaumimsteo Loucheur nach London gereist ist, wo sich Dr. Rathenau immer noch befindet.

Der verkehr mit der Bank vsnEngland.

DieVerhaAdlungen zwischen dem Präsidenten der deutsch'en Reichsbank, Havenstein, und der Bank von England sind abgeschlossen worden. Sie haben Kl dem Ergebnis geführt, daß die vor dem Kriege zwischen den beiden großen Zentral­notenbanken bestehenden Beziehungen wieder hergestellch worden sind.

Wie die Aoss. Ztg/, mitteilt, hat die Reichsbank ein Konto bei der Bank von England eingerichtet und sich dort ein Guthaben geschaffen. Ter gesamte esfizielle Zcihlungsverkehr Teutschlands mit Eng- iland wird Lünstighin bei der Bank von England konzentriert sein. Diese Neuerung sei als eine Erleichterung des gesamten Zahlungsverkehrs mit England zu betrachten.

Der ,Deutschen Allgemeinen Zeitung^ zufolge hat man auch mit anderen Zentralnoten­banken Ne gelösten Beziehungen wieder aufge­nommen. 'Es steht zu hoffen, daß. auch hierüber bald ein Resultat gemeldet werden kann.

Eines Kundgebung der deutschen Landwirtschaft.

Wie Hie ,Tägl. Rundschau' von unterrichteter Seite höre, wird am 15. Dezember zu Berlin im großen Saale des Herrenhauses eine politische Kundgebung der gesamten deut scheu Land­wirtschaft ftatifinöen.

Die Jagd nach dem Glücke.

f Erzählung von Fritz Ritzel.

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Ein solches Geständnis hatte Hedwig nicht erwartet. Äe war allerdings des festen Glaubens gewesen, daß Kurt nach Art der jungen Lebemänner sich erdreiste, ihr mit Absichten zu nahen, die sie beleidigen muhten und nun offenbarte sich derselbe als ernstlicher Bewerber er, der h den vornehmsten Kreisen als die beste Partie «tadt galt! So ehrlich, so aus dem innersten Her- heraus klangen seine Worte, daß jeder Gedanke, bsichtige vielleicht ein - falsches Spiel, vollständig a.Mgeschwssen schien. Kurt Firnhaber liebte sie das {ab man seinen in Erregung zitternden bleichen Mie- nen, ten in bittendem Sehnen nach ihr emporgeschla­genen Blicken an! Keine Evastochter wird dem Mann, der >hr eine wahrhafte Neigung entgegenbringt, darob zürnen, wenn sie auch nicht seine Liebe erwidert f° wandelte sich auch der Unwillen, den Hedwig seither über die Galanterien des jungen Mannes empfand in ein Gefühl teilnehmenden Mitleids, als sie das Irrtüm- liche ihrer Dorausietzungen erkannte und verwirrt stand sie eSnige Augenblicke stumm, als zweifle sie recht ge- hört zu haben. Ward ihr hier nicht ein Glück geboten, um bas sie alle Welt beneiden würde? War Kurt Firn- Haber nicht allenthalben als ein junger Mann van ta­dellosestem Charakter bekannt, als guter Mensch, der seine Frau gewiß aus Händen tragen würde? Einen Augenblick war sie versucht, diesen Gedanken in ihrem Innern Raum zu geben, dach nur einen Augenblick dann quoll ein heißes Schmerzgefühl ln ihr empor abwehrend streckte sie die Rechte gegen ben ihr Näher­tretenden und flüsterte bebend:

«Lassen Sie mich um Himmels willen lassen Sie miete*

Kurt Firnhaber mußte sich ihr Gebaren wohl zu seinem Gunsten auslegen, denn ehrfurchtsvoll ergriff er ihre Hand, drückte einen Kuß daraus und rief stürmisch; »Rem, Hedwig ich laste Sie nicht! Was ich Ihnen eingestanden habe, ist die heiligste Wahrheit, Mit tau- fesij, Eiden wiederhole ich es Ihnen: es ist kein Glück

Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft hat, einer Anregung des Reichslandbundes und der Bereinigung der deutlchen Bauernvereine folgend, beschlossen, die deutsche Landwirtschaft zu dieser Kundgebung aufzurufen. Gegenstand der Tagung ist das Reparaltonsproblem und die damit zusammenhängenden Steuerfragen.

Ferner soll zur Frage der Lebensmtttel- Versorgung des deutschen Volkes Stellung genommen werden.

Jer WW w kein SeiWfit

o. Jagoro, v. Dangen heim und Schiele als

Angeklagte.

Bor dem Reichsgericht in Leipzig begann am Mittwoch der große ProM gegen dis Kapp-Putsch- Führer v. Iagow, v. Wangenheim und Schiele. Alle drei werden des vollendeten Hochver­rats beschuldigt. Regierungspräsident z. D. Traugott o. Iagow, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte Konrad Freiherr v. Wangenheim- Klein-Spiegel und Sanitätsrat Dr. Georg Wilhelm Schiele sind gegen Stellung von Sicherheiten aus der Untersuchungshaft entlassen worden und wer­den von insgesamt fünf Rechtsanwälten verteidigt. Die Anklage, die der Oberreichsanwalt Ebermayer vertritt, stützt sich auf die Paragraphen 81, 82 und 47 des Strafgesetzbuches. Der entscheidende Hauptparagraph lautet:

Wer es imtiemimntt, die Verfassung des Deutsche« Reiches oder eines Bundesstaates oder ine in demselben bestehende Thronfolge gewaltsam zu ändern . . ., wird mit lebenslänglicher Zuchthausstrafe oder lebenslänglicher Fe- ftungshast, bei mildernden Umständen mit Festung nicht unter fünf Jahren bestraft*

Zu dem Prozeß sind 83 Zeugen geladen. Dar­unter befinden sich die Generale Ludendorff, Seekt, Reinhardt, Admiral Trotha, die Minister a. D. Noske, Schiffer, Hirsch, Südekum, Domini- cus, Oeser, der Reichsbankpräsident Havenstein, die Politiker Hergt, Stresemann, Traub usw.

Der frühere Berliner Polizeipräsident v. Ja­go w wird als erster Angeklagter vernommen. Er bestreitet, sich des Hochverrats schuldig gemacht zu haben und teilt mit, daßerKappsUnterneh- m u n g e n damals für durchaus legitim gehal­ten habe. Im übrigen hätte er selbst nichts unter­nommen, sondern sei lediglich Ausführender der Aufträge gewesen, die ihm Kapp gegeben hat.

Auf Befragen des Präsidenten gibt Iagow zu, Vorbereitungen für einen Ersatz derBe- amtengetroffenzu haben. Jedoch nur unter der Voraussetzung, daß alles auf ordnungsmäßigem Wege vor sich gehe. Mit Kapp besprach er einzelne geplante Ernennungen. Daß Haftbefehle gegen Kapp und andere erlaffen waren, hörte er nicht. Er er­wartete eine legale Demonstration der Reichswehr und war zu dieser Erwartung durchaus berechtigt, v. Iagow verliest einen Zeitungsartikel vom 12. März, der für feine Auffassung sprechen soll. Was die Mitteilungen betreffe, die er anderen Personen gemacht habe, so habe er f i ch nur als den Boten Kapps betrachtet. Der Angeklagte schilderte den Einzug der Truppen in Berlin und betonte, daß Kapp ihm mitgeteilt habe, die Zivil- gcmalt sei auf ihn übergegangen, die Reichsregie- rung sei geflohen, die preußische Regierung fest­gesetzt und die Militärgewalt liege bei v. Lüttwitz. Kapp habe nicht die Diktatur ergriffen, um die Ver­fassung zu ändern, sondern gerade um sie hinsicht­lich der Neuwahlen im Reiche und in Preußen, der Wahl des Reichspräsidenten durch das Volk und der Bildung von Fachkabinetten im Reiche und in Preußen durchzufiihren. Bei der Besprechung, in der Reichspräsident Ebert von Kapp für a b g e s e tzt erklärt worden sei, fei er nicht zugegen gewesen.

für mich ohne Sie! Befürchten Sie nicht, daß von seifen meiner Eltern mir ein Hindernis in den Weg gelegt wird mein guter Vater und meine liebe Mut­ter schätzen und lieben Sie über alles und nehmen Sie mit Freuden als Tochter auf! Noch heute will ich mich der Mutter mwertrouen! Nichts stehl unserem Glücke im Wege nichts als Ihr Ja!*

Er war vor ihr auf das Knie gesunken und hielt immer noch ihre Rechte umfaßt, die sie ihm vergeblich zu entziehen suchte.

«Herr Fimhaber, lasten Sie mich!" stammelte Hed­wig bebend.Es kann nicht fein, es darf nicht fein! D hätten Sie doch niemals derartige Worte zu mir ge­sprochen durch sie ist mir ein weiterer, unbefangener Verkehr mit Ihnen und den Ihrigen unmöglich! Die Gefühle, die Sie mir entgegenbringen--

Sie verstummte plötzlich vor dem Geräusch der rasch näher kommenden Männerschritte, die auf einem den Pfad kreuzenden Seitenwege erklangen. Sich umwen­dend, richtete sie den Blick empor und wie ein heißer Schrecken zuckte es ihr durchs Herz, als sie in der oben auf ihren Weg getretenen Gestalt Wilhelm Fried- wald erkannte, der in sichtlicher Betroffenheit auf die Gruppe herabs'ah. Zweifellos haft« er den letzten Teil der sich zwilchen den beiden jungen Leuten abgefpiei. ten Szene mit angesehen, vielleicht sogar die laute Rede Kurt Firnhabers verstanden und zweifellos mußte er glauben, daß hier eine Verlobung geschlossen wurde. Don einem unendlichen Banger, ergriffen, bedeckte dos junge Mädchen unwillkürlich das Gesicht mit beiden Händen und quatnoQ drängte sich ihm der Gedanke auf: Was wird er denken? Wie tief muß er mich verachten, die feinem Dafürhalten nach schon wieder einem an- deren ihre Neigung schenkt! Nein er sollte nicht falsch über sie urteilen, sie stwßte ihm erklären, daß

J»ie Hände fallen lastend, hob sie den Kopf empor es war zu spät. Wilhelm Friedwald hotte, den Lodenhut lüftend, mi« kurzem Gruße fernen Weg fort, gesetzt und verschwor schon in dem dichten Niederholz, das seinen weiteren Weg einfaßte.

Einen Augenblick standen sich die beiden jungen fier verwirrt gegenüber, dann nahm Kurt Fimhaber

Verbindung mit dem sozialdemokratischen Antrag übet die Stillegung der Zeche Maximilian, eine Inter- pellation über denselben Gegenstand und eine Inter. peCation über die Stillegung der Zeche Bergmann bei Witten a. d. Ruhr. Außerdem liegen etwa 70 Anträge aller Parteien dem Haufe vor.

Handelsminister Stertng gibt einen Ueberblick über die Plane seines Ressorts. Hauptsache fei die große Aufgabe des Wiederaufbaus unseres Wirtschaftslebens^ Daran müßten aber alle Schichten ohne Rücksicht auf ihr politisches Bekenntnis Mitarbeiten. Der Wahnsinn des Friedensvertrages nehme uns unsere Kohlen und damit die Möglichkeit, unser Wirtschaftsleben rascher zu entwickeln. Nun komme noch die Losretßung Ober- fchlesiens hinzu. In Zukunft werden wtr au8 Oberschlesien eine Million Tonnen Steinkohlen weniger bekommen als bisher. Da die verlorenen Kohlen zu den hochwertigen Kohlen gehörten, mußten wir zu einem Ausblasen mancher Hochöfen und dadurch zu neuer Arbeitslosigkeit kommen. Ferner teilte die Res gierung mit, daß sie zunächst 300000 Mar! bereit» gestellt habe für die Opfer von Saarwellinget»

Hierauf vertagt sich das Haus auf Freitag.

Lohnbewegungen und StreU.

Neue Lohnforderungen der Bergleute.

Die Beroarbeiterverbände des Ruhrgebiets haben die ab 1. November gültige Lohnordnung zum 31. Dezember 1921 gekündigt.

Drohender Streik der Berliner Hochbahnangestelltet».

Tie Betriebsräte und Funktionäre der Angestell- , ten der Berliner Hochbahngefellfchaft haben beschlossen, am Freitag in den Streif zu treten, falls die Direktion der Gesellschaft es ablehnt, wet ere über einen vom Schlichtungsausf^ gefällten Schieds­spruch htnausgehende Zugeständniffe zu machen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 8 Dez. Dir p r e u ß i fche St aats- rat tritt am Dienstag den 13. Dezember wieder zu-

PreuUfcher Landtag.

Zwei Sitzungen: Landwirtschaft «nd Bergbau.

Bevor in die EtaiSdebatte ein getreten wird, nimmt das Haus debatielos die AusführungSbestimmungen zum neuen Beamtendien st einkommengesetz und zum neuen Volksschullehrerdiensteinkommen<iesetz nach den Ausschutzbejckllüffen unverändert an, ebenso die Novelle zum Beamtendienstetnkommenciesetz, sowie eine Reihe von Anträ en über Kinderbeihilfen, Notzu­schläge, Aufrückungsstellen und Teuerungszuschläge.

i- Dann seht man die zweite Beratung des Land. Wirtschaftsrats fort. Abi. Schlange lDntl.) ist mit der gestrigen Rede des Ministers im großen und gan­zen einverstanden. Als Houpinotwendiokeit stellt er hin, daß die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden muß. Abg. Schisian (D. Vp) begrüßt gleichfalls die Richtlinien des Ministers. Er fordert die Besei- tigung aller Reste der Zwangswirtschaft und schärfsten Kampf gegen den Wucherer und Schieber. Die land­wirtschaftlichen Organisationen würden jeden wuchern­den Landwirt der Strafgewalt übergeben. Er wendet sich gegen die hohen Fleischpreise, die tn keinem Ver­hältnis zu den Viehpreisen stehen. Nur, wenn über die Parteien h'Nweg alle VolkSgenosten sich die Hand reichen, die nicht im Chaos ihie schmutzigen Geschäfte machen wollen, nur bann werden wir zur Gesundung kommen. Nach Enteignungsanträgen der Kommunisten und Unabhängigen gegen Großgrundbesitzer, die u. a. von Abg. wetzttmann (Dem.) bekämpft werden, wird Schluß gemacht und später in einer Abendsitzung die Beratung fortgesetzt.

In dieser Sitzung gibt der Landwirtschafts­minister die Erklärung ab, daß die Regierung dem all­gemeinen Wunsch nach einer Arbeitsgemeinschaft aller Parteien zur Förderung der Landwirtzchaft sich an» schließe.

Die Abstimmungen werden auf Freitag vertagt. Es folgt die Beratung der Berg Verwaltung in

Der Zrlede mit Irland.

Die englische Preffe stimmt, wie dieFrkf. Ztg." meldet, begeisterte Töne an über den Abschluß des Friedens mit Irland. Man betrachtet die Ratifi­zierung des Vertrags in den Parlamenten als sicher und erwartet auch von Ulster keine Schwierigkeiten.

Allgemein betonen die Zeitungen die B e f e st i» gun g der englischen außenpolitischen Machtstellung, wenn jetzt die durch Irland verursachte Militärlast in Wegfall kommt und stellt die große Befriedigung besonders Ameri« k a s über die Lösung fest.

Die Börse reagierte auf das Ereignis durch Anziehen der Kurse insbesondere der Staatsoapiern

Äur dem besetzten Gebiet.

französische Kulturpropiganba im kdeln'and. Vo, einigen Tagen ist in Mainz das französische Zentral, Institut für germanische «Studien eröffne? worden. An der Feier ahmen teil: Der Rheinland, kommiffar Ttrard, Direktor der Universitär Straßburg General Degoulte und eine Reihe Professoren un/ Offiziere. ____________ _ __________

Der Kampf gegen die Kommun'Ke^

JmmunttälSkmfhebung.

Wie dieRote Fahne" mitteilt, hat der Ober- reichsanwalt beim preußischen Landtag. die Auf­hebung der Immunität und die Genehmigung zur sofortigen Inhaftnahme des kommunistischen Abge> ordneten Eber lein beantragt. Die Geschäfts, ordnungskommission des Landtags wird sich am Freitag mit dem Antrag beschäftigen.

Im Falle des kommunistischen Abgeordneten Ziegler, gegen den gleichfalls ein Antrag auf Aufhebung der Immunität vorliegt, hat der Ee- schäftsordnungsausschutz bereits empfohlen, der Strafverfolgung freien Lauf zu lassen, aber eine Verhaftung nicht zu genehmigen.

Verhaftung.

Der ehemalige Schriftsetzer und komm, n i sti s ch e Parteisekretär Alfred L e m ck, der weg^ Hochverrats von der Staatsanwaltschaft in Halle -- steckbrieflich gesucht wurde und auf desfen Ergrei­fung vom Regierungspräsidenten in Merseburg 5000 Belohnung ausgesetzt wurden, ist von Be­amten der Abteilung la des Polizeipräsidiums am Dienstag abend in Berlin fe st genommen wor­den. Lemck gehört zu den Führern des mit­teldeutschen Aufstandes im März.

Don der Auflösung der Nationalversammlung habe er nie etwas gehört.

Nunmehr erhält Freiherr v. Wangenheim zu der gegen ihn gerichteten Anklage das Wort. Er erklärt, daß er zu Beginn des Kapp-Putfches nicht in Berlin gewesen sei, sondern in Hannover von ihm gehört habe. Als er nach Berlin ge­kommen sei, habe er einen Zettel von Kapp auf seinem Tisch gefunden, daß er zu ihm kommen solle. Kapp habe ihm erklärt, daß v. Lüttwitz zum Reichs- kanzler und preußischen Ministerpräsidenten er­nannt worden sei. Er sei zum Landwirtschafts­minister ernannt. Das ganze Kappsche Unterneh­men habe sich für ihn als das Bestreben dargestellt, eine große Koalitionsregierung zu bil­den, in der er auch mit Sozialdemokraten gearbeitet hätte. Er hätte feine Aufgabe lediglich als wirt­schaftlich angesehen. , ,

Der dritte Angeklagte, Dr. Schiele, gibt fol­gende Erklärung ab:Ich fühle mich n i ch t f ch u l- big der Teilnahme an einem Hochverratsunter­nehmen, denn 1. war das Unternehmen auf Durch- führung der Verfassung gerichtet; 2. waren die da­maligen Zustände verfassungswidrig: . 3. war ich nicht Urheber des Umschwungs; 4. gehörte ich nicht zu den Führern." Der Marsch der Ehrhardttruppen nach Berlin war vielleicht ein Demonstrationszug. Die Verantwortung hat L fi t t w i tz allein gehabt; ich war jeglicher Verantwortung enthoben. Zur Durchführung der Verfassung sollte eine Landes- regierung eingesetzt werden, aber es bestand Einig­keit darüber, den Reichspräsidenten un- a n g e t a st e t zu lassen. Bei der Entwerfung und Verfassung von Erlassen und Aufrufen habe ich nicht mitgewirkt. Auch habe ich nicht aktiv an den Ver- Handlungen mit den Staatssekretären und General Maercker teilgenommen.

Damit war die Vernehmung der Angeklagten beendet und die Sitzung wird auf Donnerstag vertagt. General Ludendorff ist für Freitag lis Zeuge geladen. ____

Die Washingtoner Konferenz.

Als wahrscheinliches Ergebnis der Konferenz nennt der Sonderberichterstatter der Havasagentur an erster Stelle einen regelrechten Vertrag über die Flottenabrüstung zwischen den fünf Großmächten. Ein solcher Vertrag würde vom amerikanischen Senat angenommen werden, der immer für diese Sparfamkeitspolitik gewesen sei. Ferner glaubt der Korrespondent an die Mög­lichkeit eines Abkommens, in dem die Vereinigten Staaten, England und Frankreich die Fortsetzung ihrer gemeinsamen Politik und die Aufrechterhal, tung ihrer territorialen Stellung im Stillen Ozean festlegen würden.

Der Vertreter der NewyorkTimes in Was­hington hörte von der amerikanischen Delegation, daß mit der Ausarbeitung des Abkommens überdenfernenOsten schon gute Fortschritte erzielt worden seien. Es werde nicht offiziell mit­geteilt, aber man könne annehmen, daß die ameri- konische Delegation die Vereinigten Staaten nicht in eine Allianz hineinbringen wird, die das englisch- japanische Bündnis ersetzen soll.

seinen zur Erbe gefallenen Hut auf und meinte un- will g:Muß der langwellige Peter aber auch gerade in dem Moment wie aus einer Versenkung auftauchen, in welchem es klar zwischen uns werden soll! Un­gelegener hatte der aber auch nicht kommen können! Fräulein Hedwig, Sie äußerten Bedenken Sie haben Morte sollen laffen, die mich aus allen Himmeln stür- zen!Es kann nicht fein es darf nicht feint* Das ist doch um Himmelswillen nicht Ihr voller Ernst Ihr letztes Wort? Ich wäre der unglücklichste Mensch auf Gottes Erdboden, wenn ich denken müßte, daß mir keine, ober auch gar keine Hoffnung bliebe! Din ich Ihnen denn durchaus unsympathisch? Regt sich in Ihrem lieben Herzen nicht das geringste Gefühl für mich und wenn es nur Mitleid wäre Mitleid, aus welchem mit der Zeit eine innigere Neigung sprießen kann? Reißen Sie mich aus meinen Zweifeln, Fräulein Hed­wig ich bitte Sie inständigst ich beschwöre Sie!*

Wie ein ferner Wasserfall, fo rauschten die Worte unverstanden an dcs Mädchens Ohr vorüber. Mil Mütze ihre hervorquellenden Tränen unterdrückend, war sie eilig weiter aufwärts geschritten, um der ihr uner­träglich erscheinenden Pein des Alleinseins mit Kurt Firnhaber so rasch als möglich ein Ende zu machen. Sie konnte ihm das nicht sein, was er so heiß und flehend begehrte ihr ganzes Innere wehrte sich da­gegen und doch konnte sie es nicht über das Herz bringen, ihm mit kurz abweisenden Worten zu begeg­nen, als sie jetzt bei einer Wendung des Weges die tiefe Erregung in feinen Mienen gewahrte, die Angst und das stumme Flehen, das In ihnen lag.

Herr Fmhober," erwiderte sie stehen bleibend und sich gewaltsam zur Ruhe zwingend,halten Sie ein! Tausend andere würden mit Freuden Ihren ehren­vollen Antrag annehmen ich vermag es nicht! Der- gessen Sie mich und lassen Sie das, was Sie mir an- vertraut haben, ungcsprochen fein! Die Neigung, die Sie angeblich für m:dj hegen wird zu überwinden fein überall wartet ja das Glück auf Ihrem Wege, warum soll ich die einzige fein, ohne welche Sie nicht leben können?*

<Fortjetzung folgt)