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Fuld aer Zeitun g

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

48. Zahrg

MMwoch. 7. Dezember 1921

Nr. 281

Sie KreditstW trägt zm EitWiW

Augenblick der Gefahr wird verfasiungStreue Männer finden. In der Abwehr der verräterischen Bestrebungen sind wir einig.

Der Mrer der radikal-separatistischen Gruppe im Rheinland- SmeetS ist in Köln verhaftet worden. Es stand eine Anklage gegen ihn wegen Beleidigung eines Polizeibeamten zur Verhandlung. Da Smeeis zu dem Termin nicht erschien, wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen und unverzüglich auSgesührt.

Lerantwottlich iür den ceüaulonrllen Teil: Dr. 3- Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. = Rorationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendnickerei In Fulda. Herniprecher Nr. 9. Teleqr.-Adreste: Fu ldaer Zeitung.

Betagsprei»; Monmüch 5.03 Bit zugestelU frei in- Haus- : Abgehoii in der Geschästsst. lle 4.60 2HL >

Anzeigen: Kleinzeile nach Lolonelmah 1 Mark; Reklamrzeli, (Tentneite) nach Tolane maß 3 Mark.

Die Finanzlage Preußens.

Im Hanptausschuß des Preußischen Landtages führte der Vertreter des Finanzministeriums bei der Beratung des EtatS der allgemeinen Finanzverwal- tung aus, daß die Einnahmen sich nach den Er­gebnissen um 1426,9 Millionen erhöben, daß aber immer noch ein Fehlbetrag von 933,1 Millionen verbleibt, der im toe'entlichen aus der geplanten Grundsteuer gedeckt werden soll.

Auch das neue Etatssahr 1922 werde wiederum mit einem erheblichen Fehlbetrag abschließen. In der weiteren Erörterung wurde auf die Schwierigkeit hingewiesen, die aus der lang­samen Steuerveranlagung der Finanzämter intsteht. Allgemein wurde betont, daß die Länder en zu große finanzielle Abhängigkeit vom Reiche ge­bracht worden seien. Der Haushalt wurde sodann angenommen, dazu ein Antrag, die Rückerstattung der von den Lohn- und Gehailsempfängern zuviel gezahlten direkten Steuern angesichts der fortschrei­tenden Notlage zu beschleuniaen. Ferner wurde der Antrag auf'-Beilegung einer Denkschrift angenommen, ans der der Verlust herdorgcht, den Preußen an Verwaltungsvermögen und an Finanzvermögen in den abgetretenen Gebieten erlitten bat mit einer Angabe über die Entschädigung der Verluste durch das Reich. __________

Zusammenbruch eines großen Bank­instituts.

Bei der Münchener Niederlassung der Pfälzi­schen Bank in Ludwigshafen haben sich durch unverantwortliche Manipulationen bei Münchener Devisenhändlers sehr bedeutende Verluste int Devisengeschäft ergeben. Die Enaagements sind jetzt eingedeckl, doch dürften, tote wir hören, sehr schtoe r- wLegende Maßregeln für das Institut notwendig werden, da das Aktienkapital und die Reserven verloren sind, sodaß das Fort­bestehen der Pfälzischen Bank als selbständiges Institut in Frage gestellt ist.

Durch die Mithilfe der Rheinischen Kreditbank und der Deutschen Bank soll dafür Sorge getra en werden, daß die Kunden bet Pfälzischen Bank be der Nenorbnung keinerlei Verluste erleiden. Es soll beabsichtigt fein; daß die Filialen bet Pfälzischen Bank in der Pfalz von der Rheinischen Kreditbank übernommen werden, während die Geschäfte in Frankfuit a. M. und im rechtsrheinischen Gebiet au die ^lialen der Deutschen Bank überaeber

Vriand erzielt ein Vertrauensvotum.

Nach seiner Rückkehr aus Amerika hat Driand im ftmrzösischen Senat die angekündigte Rede gehalten. Er betonte wieder die Notwendigkeit der Sicherung für Frankreich gegen die deutsche Gefahr. Wenn man bk augenblickliche Lage in Frankreich, das zum großen Teil verwüstet fei, gegenüber dem intakdm Deutschland betrachte, so ergebe sich der Standpunkt Frankreichs von selbst

Nach Schluß der Rede Briands nahm der Senat die von der Regverung genehmigte Vertrauen s- tagesordnung mit 249 gegen 12 Stim­men an.

So führt die jetzt verkündete englische Politik in einen sog. fehlerhaften Zirkel, aus dem es keinen anderen Ausweg gäbe, als den Bankerott Deutsch­lands. Den wollen aber die Engländer auch nicht, wie sie sagen. Also darf man vielleicht annehmen, daß in dieser Rede das letzte Wort noch nicht gesprochen worden ist.

Man sieht aber, welch eine Menge von schrote- ritten Dorfragen noch zu lösen sind, ehe Deutschland die Hilfe erlangt, die es zur weiteren Betätigung seines guten Willens braucht.

Unser Reichskanzler sprach in seiner letzten Rede von dem Topf, der keinen Boden habe. In der Tat muß für den deutschen Topf erst ein solider Boden neugeschaffen werden, ehe sich Geldgeber finden, die das ihrige hineinstecken möchten.

Wird die Topfreparatur gelingen? Wir wollen die Hoffnung noch nicht fahren taffen, aber inzwi­schen denjenigen unser Beileid zollen, die zu diesem verzweifelten Flickwerk berufen sind.

preußischer Landtag.

Landwirifchaflssragen and Abstimmungen.

Noch Erledigung einiger kleiner Vorlagen beginnt das -aus mit der zweiten Lesung des Landwirt- f ch a f t s e t a t s. Nach dcn Ausführungen des Be­richterstatters über die Ausschußverhandlungen nimmt der Landwirtschaftsminister Dr. Dendorfs das Wort. Er wendet sich gegen übermäßige Preisforderungen na. menttich bei den Kartoffeln. Die Landwirtschaft muffe sich der großen Verantwortung bewußt fein, die auf ihr laste. Wörtlich und unter Beifall betonte der Minister: .Durch Zusammenführung der Erzeuger und Scrbrau- cher unter Hinzuziehung des legitimen Handels wird es möglich fein, die Ernährung sicherzustellen und Preise festzusetzen die den Interessen beider Teile gerecht wer­den. Wir sind bereit, die Dermittlungsbesttebungm zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Sicherste!- lung der Ernährung zu fördern." Weiter legt der Mi­nister den größten Wert auf die Düngung. M t Hilfe der Düngung könne mun beträchtlich höhere Erträge aus dem Boden herausholen.

Der fozialdemokrarische Abgeordnete wütig tritt für unbedingte Steigerung der Produktion ein. Er wünscht, daß das Siedlungsgesetz auch den Industriearbeitern Land zur Verfügung stelle. Der Redner verlangt scharfes Vorgehen gegen denunverschämten Kartos- felwucher".

Vom Zentrum fordert der M>g. Grow eine stär­kere Förderung des Arbeiterwohnungsbaues auf dem Lande. Er betont, daß im großen ganzen sich das Um- lageverfahren ttatz mancher Härten und Fehler doch be­währt habe. Er fordert, daß Wucher und Verfchiebun- gen nach dem Auslande streng beftraft werden. Der großzügigen Siedlungsarbelt redet er das Wort. An diefer Stelle wird die Debatte über den Etat aus» gefetzt, weil das Haus darangeht, die Abstimmungen zum Haushalt des Innern vorzunehmen.

Don den Ausfchußanträgen wird gegen die Stim­men der Linken der Antrag abgelehnt, der die Kündi. gung der Verträge mit privaten Zeitungen verlangt, die diese zu alleinigen Publikatiansoraanen für Kreise und Regiierungsprovinzen machen. Ferner wird ein Zentrumsantrag abgelehnt, der strengere Strafbestim­mungen bei unzüchtigen Handlungen verlangt. Ein An­trag Gräf (Dnat. Dp.) auf soforttge Vorlage der Ad» Snderung der Städteordnung und Landge- mcinbeorbnungen und Ausschreibung van Reu- wählen wird angenommen. Ein deutschnatio- nafer Antrag auf Aufhebung der Ausnahmeverordnung des Reichspräsidenten wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen, Ko mm u n i ft en und Unabhängigen unter großer Heiterkeit abgelehnt. MeAbstimmung über den zweiten Teil des Antrages, der sich gegen das Verbot derTäglichen Rundschau" wendet ergibt Ablehnung des Antrgges mit 171 gegen 97 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen. Der ®e- setzentwurf. durch den das Landeskulturamt in Schles­wig-Holstein in Schleswig seinen Sitz erhält, wird an­genommen. Zum Haushalt des Wohlfahrtsministeriums werden die Ausfchußcmträge unter Ablehnung der wer­tergehenden kommunistischen und sozialdemokratischen Anträae anaenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch: Landwirtschastsetat.

Die christlichen Gewerkschaften zum Ureditprodlem.

Der Ausschuß des Gssirmtverbandes der Christ, sichen Gewerkschaften hielt in den wtzten Tagen in Essen eine Sitzung ab. 3n eüKt Entschließung be» eher Ausschuß di« Rückkehr des bisherigen fterpräsidenlen Stegerroalb in die aktive Lei­tung der christlich-nationalen Arbeiterbewegung. Er be- chloß, Stcgerwald als ersten Vorsitzenden des Gesamt- verbandes der Christlichen Gerverkschaslen völlig mst der Leitung der großen allgemeinen Ausgaben, die der De- rovWng aus dem Essener Programm erwachsen, zu be- tiaiKn. Um gleichzeitig für die Durchführung der or- ganisatorischen Ausgaben der Bewegung Gewähr zu bieten, wurde der bisherige Vorsitzende des Genrral- verbandes Christlicher Textilarbeiter, Otto, mst allen ersordrrlichcn Vollmachten zum Generalsekretär des Verbandes bestellt. Zur Frage der Kreditaktion und der daran von der Industrie geknüpften Bedingun­gen wurde folgende Entschließung gefaßt:

Der Ausschuß deS (LefamtvervanoeS der Christ, lichen Gewerkschaften erachtet es zur Wiederanbadnung der Ordnung in den innerstaatlichen Finanzen und zur Uebeitoinbung außerpolitifcher Schwierigkeiten für un- erläßlich, daß daS deutscheEisenbahnwesen aus dem heutigen Zustand der BetriebSfehlbe. träge tatsächlich^ nicht bloß rechnungsmäßig, befreit wird. Der Weg zu diesem Ziel fuhrt über die Ent, dürokratrfierung der Verwaltung und über die Verselb- ständigung deS Eisenbahnwesens im Sinne einer Heraushebung aus dem allgemeinen ReichShauShaltS- plan und einer möglichst weitgehenden Befreiung von poiitifchen Einflüssen. Die Frage, ob der Artikel 92 der RerchSverfassung für eine solche Autonomie weit genug ist, ist zu prüfen. Die Betriebsverwaltung er» fordert anstatt des bürokratischen Systems kauf, männischen Geist und kaufmännische Ein. riditungen, wie sie in Privatwirtschaft!. BetriebSformen zu Hause sind. Die Allgemeininteressen, die sich aus der politischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung der Eisenbahnen ergeben, sowie die kohlerwo: denen Rechte deS Personals "fmb unter allen Umständen dadei zu wahren." ___

6ine Kundgebung »es amerikanischen Präsidenten.

Für dieHerstellung einer normalen Lage".

In einer neuen Botschaft an den Kongreß sagt Harding, er beabsichtige nicht, ein Programm für die Wiederherstellung der Welt darzulegen. Das fei die Angelegenheit der am meisten interessierten Nationen, die mit frischem Mut an die Wiederher- stellung gehen müßten. Aber die Bereinigten Staa­ten könnten daran mithelfen. Sie hatten auch die Absicht, das zu tun in dem Bewußtsein völliger Ueberzeugtheit, $ anbei uni) intern atlo na- ler Austausch seien n u r m o g 11 ch, wenn Die Nationen aller Erdteile wieder in eine nor­male Lage kämen.

Lloyd George gehl nicht «ach Washington.

Lloyd Georg« ist wegen der vorzeitigen Einberufung les englischen Parlaments infolge der irischen Ange- ieaenheit gezwungen, feine Absicht, der Washingto­ner Konferenz bsizuwohneir, auszugeben.

Die Parteiführer beim Reichskanzler.

Ein« Besprechung beim Reichskanzler Dr. Wirch über schwebende politische Fragen hat am Dienstag vormittag mit den Führern der Regierungsparteien stattgefunden. Dom Zentrum nahmen an der Bespre­chung teii die Abgg. Spahn und Becker. Arnsberg, von den Demokraten die Abgg. Erkelenz,Koch und Petersen, von den Sozialdemokratmt die Abgg- Müller und Wels. Die Besprechung, di« sich um dir Reparationszcchdmgm unb die damit im Zusam­menhang stehenden Fragen drehte, war lediglich in­formatorischer Art.

Das Reparationsproblem.

Lokalanzeiger" undB. T." brrichten ergänzend zu ver gestrigen Meldung, die Reichsregierung habe sich an ein führendes englisches Bankunternehmen mit der Frage gewandt, ob es dem Deutschen Reiche einen Kre- dit von 25 Millionen Pfund Sterling bewilligen wolle, daß es sich bei dieser Anfrage umeinSchrei» ben der Reichsregierung an den Präsi- dentenderBankvonEngland handele. Das Schreiben fei am Freitag der arrgangenm Woche abge- fartot worden. Die Antwort darauf fei nicht vor Ende diefer oder Anfang nächster Woche in Berlin zu er­warten.

Die gestern von einer Korrespondenz verbreitete Meldung, daß dieKreditaktionderIndustrie als gescheitert anzusehen fei, wird von den Blät­tern als v o l l k o m m e n f a l s ch bezeichnet. Die Tat­sache, daß die Verhandlungen Ralhenaus in London weitergetzen, wird von den Zeitungen als ein günstiges Zeichen angesehen.

Ein Dementi.

Die oen einem Berliner Blatt verbreitete Meldung, daß während der gestrigen interfraktionellen Bespre- chemg beim Reichskanzler auch über eine Ver­breiterung der gegenwärtigen Koali. tionsbasts der Reichsregierung verhandelt worden fei, ist unzutreffend.

Eine Rede des engl. Schatzkanzlers.

Die ungeheuren Schwierigkeiten, die der Lösung des Kreditproblems entgegenstehen, werden recht grell beleuchtet durch die neueste Rede des englischen Schatzkanzlers Hörne. Darnach möchte man zu der Ansicht kommen, daß die französische Begehr­lichkeit sich noch eher überwinden ließe, als die eng» lifche Scheu vor dem deutschen Wettbewerb in In­dustrie und Handel.

Für den Londoner Schatzkanzler und vermutlich für die ganze englische Regierung ist der Ausgangs­punkt ihrer Taktik die Ansicht, daß gerade die Dinge, die Deutschland liefern könne, in England selbst hergestellt werden. Wenn nun Deutschland, um zahlen zu können, stark exportieren muß, so macht es den Engländern einen störenden Wett­bewerb, und deshalb will England vor allem Dar­auf sehen, daß die Warenerzeugung in Deutschland ni d) t z u billig vor sich gehe.

Nun behauptet der englische Schatzkanzler, die deutsche Regierung leiste aus der Reichskasse sehr große Zuschüsie, um die Fabrikation billig zu ge­stalten. In dieser Hinsicht führt er an:

1. Die Beihilfe für den Brotpreis erfolge auf Kosten der Steuerzahler und ermögllche den Industriellen, ihre Arbeiter mit niedrigen Löhnen abzufinden.

2. Die Eisenbahnen würden vorn Reiche mit Derlust betrieben, also würden die Waren der In­dustriellen billiger befördert, wie es eigentlich sein müßte.

3. Die Kohlen würden in Deutschland zur Hälfte des Preises verkauft, der überall sonst in der Welt bezahlt würde, und das sei auch eine Form der staatlichen Beihilfe.

Wenn die Engländer, ehe sie uns zu Hilfe kom­men, erst alle dieseBeihilfen" beseitigen wollen, fo wäre die nächste Folge eine gewaltige Steigerung u Querung. Der Brotpreis kommt uns schon eW sehr drückend vor für die breite Masse der Be­völkerung-, eine weitere Erhöhung des Brotprcises wurde natürlich neue Lohnkämpfe entfesseln. Wenn zu Den höheren Arbeitslöhnen noch erhebliche Mehrausgaben für Fracht und Kopien kommen, so «ird es überhaupt fraglich, ob die deutschen Waren noch verkäuflich bleiben auf dem Weltmarkt.

. ~?3 nur dann der Fall sein, wenn die deutsche Valuta weiter sinken würde. Das soll aber gerade verhütet werden. Denn die Entwertttng unseres Geldes fordert freilich unseren Export für den Augenblick, aber sie macht es uns unmög­lich, die nötigen Rohstoffe und Lebensmittel wieder a n z u f ch a f f e n.

Auf die Dauer kann Deutschland nur lebens- und letstungs;ahig bleiben, wenn Ausfuhr und Einfuhr sich m einem erträglichen Gleichgewicht befinden. Hockten die Engländer an den erwähnten schutzzollnen schon Bedingungen fest, so ist die beut- mh 3hnt>UfXriC+Sr0bh'putsche Handel gelähmt SrDet' 5 bef anb beut{d>en Wirtschaft ge-

Nun sagt ber englische Schatzminister, Deutsch- lanb könne auch burch bte Steuereinfünffe feine Ausgaben decken und muffe innerhalb eines bestimmten Zeitraums auf die Ausgabe von P a - pierg elb verzichten. Das wird in der Tat von uns engeftrebt. Aber was würden uns die stramm­sten Steuergefetze helfen, wenn die Industrie zusammenbrechen sollte? Dann ist die Hauptquells ber Steuern abgeschnitten, und die Reichskasse bleibt leer, denn wo nichts ist, da hat auch der re« oublikanische Exekutor lern Recht verloren

Der irische Zreiftaat.

Die Bedingungen des in der irischen Frage er­zielten Uebereinkommens werden dem Parla­ment empfohlen werden. Die Hauptbedingung der Regelung sind folgende: Mit einem einzigen Vor­behalt wird Irland in dieselbe Sage versetzt wie Kanada, Australien, Neuseeland und Süd­afrika. Es wird den NamenIrischer Frei­staat" führen. Südirland ist darin im eigenen Hause. Die Treue de» irischen Freistaats zur britischen Reichsgemeinschaft und zum König Georg wird in klarer unzweideutiger Wetse in feinet Ver­fassung erklärt. Irland übernimmt einen ange­messenen Teil der nationalen Schulden und Kriegs­ausgaben. Wenn Ulster inne,halb eines Monats nach der Annahme deS Gesetzes entschlossen ist, die bisherigen Vollmachten betzubehalten, kann sie sie beibehalten. Wenn Ulster nicht bereit ist, Ver­treter in das alliriiche Parlament zu entenben, wird es berechtigt sein, diese Haltung toeitereinzunehmen.

Diese Bedingungen werden beiden Häusern des britischen Parlaments im neuen Jahre unterbreitet werden. Wenn diese nicht zustimmen, wird das eng­lische Volk baldige Gelegenheit zur Entscheidung er­halten. __________________ _ ________________

Die Dezembertagung des Reichstags wirb nur kurz fein. Man rechnet damit, daß nach 4 oder 5 Sitzungen die Wihnachts pause eintreten wird. Bor Weihnachten sollen nurnochdiedringend- st en Vorlagen erledigt werden.

Don den Sleuervorlagen soll vor allem bas neue Umsotzstruirrgesetz, das am 1. Sarruar in Straft tritt, zur Verabschiedung gelangen. Außerdem hat die Regierung den Wunsch, daß das neue Ortsklassen» Verzeichnis noch vor Weihnachten erledigt wirs. Es hat rückwirkende Kraft vom 1. April 1920.

Sonst wird der Reichstag mir noch kleine Vorlagen und einig: Anträge zu traten haben. Die Einfüh - rung eines Gedenktages für die Opfer des Weltkrieges für den 1. Januar-Sonntag ist sicher. D.r Deutschnationalen wollen die Verordnung über die Presjevurbote vor Weihnachten aufgehoben wissen.

Hus -em besetzten Gebiet.

Da$ fibeinland gegen die Verräter. In den Aachener Blättern ticröff entließen alle Parteien außer den Kommu. nisten einen Aufruf, der sich mit folgenden Worten gegen eine geplante Aktion der Landesverräter wendet: Rhein­länder! Deutsche Männer, deuti'che Frauen! Dunkel» männer sind an der Arbeit; au8 nackten Gelvsockinteressen planen Verräter die Loslösung von Deutichlaud. Der

Deutsches «eich.

* Berlin 7. Dez. Die im § 12, Absatz 1 deS VerdrängungSjchädengesetzes, § 12, Abs. 1 des KolonialschädengesetzeS und § 12, Abs. 1 des Aus» landsschädengesetzes bezeichneten Anmeldefristen sind bis zum 30. Juni 1922 verlängert worden. Laut der ,Vofs. Ztg/ ist Der auswärtige Aus­schuß des Reichstages für den 14. Dezember einberufen. Das SBlett hält es für möglich, daß der Reichskanzler W dahin in der Lage sein werde, sich über die schwebenden politischen Fragen in bestimmterer Form zu äußern. Anläßlich der Erschießung des Kommunisten Lohse wurde in verschiedenen Blättern die Aufhebung des Heineschen Schießerlassei gefordert. Wie vom preußischen Ministerium des Innern miigeteilt wird, wurde auf Veranlassung des Ministers Severing in die Prüfung des Erlasses zwecks seiner Abänderung eingetreten. Zwischen dem Direktor des internationalen Arbeitsamtes in Genf Albert Thomas und den deutschen Vertretern für die oberschlesischen Verhandlungen Minister a.D. Schiffer und Staatssekretär ßetoalb fanden in Berlin Besprechungen über die Schaffung einer Vorinstanz zur sogenannten gemischten Kommission statt, die die Arbettsstreitigkeiien im_Zusammenhang mit der Abtretung eines Teiles Oberschlesiens an Polen schlickten soll.

(0 Die Wählbarkeit der Frauen. Zu Mitgliedern von Gewerbe« unö Kwusmannsrenchien regelt ein Gesetzent­wurf, welchen der RLchsarbeitsminister Dr. B r a u n s dem Reichstag hat zugehen lasten. In dieser Dorla« wirb eine Forderung erfüllt, die seit der Neuordnung der Drage m Deutschland oon verschiedenen Parteien immer wieder schoben worden ist. In der Begründung des Entwurfs wird gesagt, daß die derzeitige gesehlch« Regelung des Gewerbe« und Kaufmannsgerichtswesens mit den Bedürf nisten und Wünschen der beteiligten Kreise nicht mehr in> Einklang stehen. Es wird darin weiter gesagt, daß di« ßöfung der allgemeinen und grundsätzlichen Fragen das in Sorbereitang befindliche Arbeitsgerichtsgesetz fein sollte, welches anstelle ber Gesetze bett, das Gewerbe» unb Kauf­mannsgericht treten soll. Da aber bis zum Inkrafttreten dieses Arbeiisgerlchtsgesetzes noch längere Zeit vergehen dürste, hat die Reichsregierung als notwendig anerkannt, wenigstens die dringendsten Aufgaben der Gesetzgebung auf diesem Gebiete schon setzt zu erledigen. Außer der Wählbarkeit der Frauen zu dem Kaufmanns, und Gewerbe- geeichten enthält bie Vortage auch eine Erhöhung der Gebührensätze des Gewerbegerichts« gesetzes. Eine angemessen« Erhöhung war mit Rück- sicht auf bie finanzielle Lage ber öffentlichen Körperschaften, bte nach dem Gesetz die Kosten der Gewerbe« und Kauf­mannsgerichte tragen müstem, erforderlich.

* titn vayrpchcr Protest. Wie bie Blätter aus München melden, hat der bayrische Ministerrat be­schlossen, den bayerischen Gesandten in Berlin zu beauftragen, dem ReichSjustrzminister Dr. Radbruch auf feine Mitteilungen über daS SnafgesängniS Niederschönenfeld zu anitoorten, daß man in dem Vorgehen des Reichsjustizministeriums einen Versuch sieht, die Reichsaufsicht auszuüben, was rechtlich nicht haltbar ist.

ürmand.

* Ter Schweizer BundeSrat hat da? Gesuch der Exkaiserin Zita um Bewilligung der Einreise in die Schwei; unter der Bedingung gestattet, daß so­fort nach erfolgter Operation ihres Kindes und nach Beseitigung der Gefahr Die W iederauSreise aus der Schweiz angetrelen werden müsse.

* Die deutschen Viehlieserungeu an Frankreich. Noch Mitteilungen des französischen Wiederaufbau­ministeriums hat Deutschland in Erfüllung Der Be- Dingungen deS Friedens Vertrages bis zum 1. November an Frankreich folgend« Viehlieferungen getätigt: Rinder 71545, Pferde 53829, Schafe und Ziegen 145713.

* Poincare für das Frauenstimmrecht. Pomcace hielt im Pariser Trocadero einen Br-rtrao für Da*