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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Julda.

48. Zahrg

Dienstag, 6. Dezember 1921

Nr. 280

Bezugspreis: Monatlich 5.03 Ult. zugesteltt tret ins Haus- - Abgeholt in der Geschästsst. lle 4,60 Vit. > Anzeigen: Kleinzeile nachToioneimaß 1 Mark, Stf lamtpile (Itjct breite) nach Colone maß 3 Mar .

Verantwortlich für den reoauionellen Teii: Dr. I. Kramer, -n für die Anzeigen: L Parzeteer-Fulda. = Notationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernlprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fulda er Zeitung.

IlMwiffes öWil ier KrMmtzMmz.

Eine grobe Aste und eine ernste Rede.

DerWiederhcrstellungsausschuh hat unserer Regie- <ung Ixlmmt(id) einen Riahn- und Drohbrief übersandt, der in dem üblichen Stil der Vormundschaft abgesaßt ist. Er ist jetzt in B e r l i n eingelrvfsen. Er sagt uns nichts Neues; denn wir wußten schon vorher, daß dieser Ausschuß aus eigenem Antriebe uns keinen Zahlungs­aufschub bewilligen werde. Aber der Brief kränkt uns Lurch einen Vorwurj, und den können wir leider nicht mit voller Entjchüdenheit zurückweisen. Ec ist nämad) sehr unhöflich in der Form, aber sachlich nicht ganz uit- berechtigt.

Die Note sagt, die deutsche Regierung habe es verab- füunrl, beizeiten die erforderlichen Mittel zu ergreifen, um das Budget derart ins Gleichgewicht zu bringen, daß die öffentlichen Ausgaben nicht in einem mner größer werdenden Maße durch die Borfchüffs der Reichs­bank und die Vermehrung b:s Papiergeldes gedeckt wer­den. Kurz ausgedrückt: die Verzögerung der Steuerreform wird getadelt. Daraufhin HAI sich der Aueschuß für berechtigt, die deutsche Regierung »dringend" aufzufordern,unverzüglich alle erforder­lichen Maßnahmen zur Gesundung der Finanzlage zu ergreifen."

Wir wissen ja alle, welche Umstände und welche Zwischenfälle den Fortgang der Steuerreform ver­langsamt haben. Wir wollten die Sache recht gründ­lich machen und stellten deshalb die ganze Finanz- geseggebung aus neue Füße. Das Reich nahm sowohl die Gesetzgebung über die Steuern As auch die Veran­lagung und Erhebung in seine Hand. Die Zentralisa­tion war gut gedacht, aber sie führte in der Praxis zu vielen Reibungen und Hemmungm. Der neue Apparat mußte sich erst umständlich eimirbeiten. Die Gesetz­gebung wurde ausgehalten einerseits durch parieipoliti* sche Bedrängnisse (Ultimatum, Teilung von Oberschte- sie» usw.), so daß die Beratung der Steuergesetze im­mer rore&ei sich verschob.

Jetzt freilich ist der Reichstag bereits energisch in die fchwicrige Arbeit eingetreten, sa daß die Mahnung der Entente etwas zu spät kommt. Doch kann man sie beim besten Willen nicht einfach für gegenstandslos erklären, da immer noch die Gefahr besteht, daß der Reichstag vor lauter Gründlichkeit und Vorsicht bet den zahllosen Einzelheiten der nieten Steuerg. fetze sich zu lange aufhält. In der Rot und Zwangslage, in der Deutschland sich befindet, muß kräftig und kühn zuge- griffen werden, sonst wird das Bessere der Feind des Guten, mrd wir bringen die Reform erst fertig, wenn die ganze Wirtschaft zusammengebrochen und nichts mehr zu retten ist.

Von diesem Gesichtspunkt aus HA auch der Reichs­kanzler die Sache aufgefaßt, als er am Sonntag das Presiestst benutzte, um ein wahres Wort der Sam m- lu nfl und A Neuerung ergehen zu lassen.

Die größte politische Tatkraft", so führte er aus, muß jetzt an die baldigste Verabschiedung der Steuer­gesetze gesetzt werden." Er forderte nicht bloß TAkraft, sondern mich O p f e r w i l l i g k e i t. Er sei sich klar, daß ohne deutlich sichtbare Opfer des Be- sitzes eine iimerpolitische Klärung und die Verabschie­dung dieser Gesetze ein Ding der Unmöglichkeit sein würde, das werde eine harte Arbeit sein gerade in den nächsten Tagen.

Mit düsve Mahnung macht der Reichskanzler eine kleine Ausnahme von der Taktik des abwartenden Schweigens, die während dieser kritischen Zeit von der Regierung eingehalten wird. Er sagte, es wäre reizvoll, gerade in dichte Stunde von den großen Prob­lemen zu sprechen, die in England und Amerika erörtert würden; aber die Regierung habe mit Absicht eine von weiten Kreise verlangte Polemik zurückgestellt. Wir

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Nachdenklich stützte Friedwald den Kopf mit der ^ond, nachdem er zu Ende gekommen war und suchte in dem Gewirr der auf ihn einstürmenden Gedanken einen leitenden Faden zu finden. Vor allen Dingen wollte er, nachdem er sich die Beweise von der Schuld des verstorbenen Max Hohenfels verschafft hatte, dem imt* t>aD0n Mitteilung machen und diesem' bann (elbft überlassen was weiter in der Sache unternom­men werden sollte. Ueberaus peinlich war ihm der Auf- nag, Karls Vater darüber aufzuklären, wie es sich mit bem Scheck des Barons Greiffenstein verhielt, denn wie leicht konnte es der Zufall wollen daß er dabei mit ncbroig zusammentraf mit Hedwig bej deren Ange­denken es ihm wie ein schmerzender Stich durch das Innerste ging Hedwig und immer wieder Hedwig Wie unwillig erhob sich ber Sinnende und ging unruhig im 3,mmer hm und her. Er hatte gewähnt, diesen Traum endgültig begraben zu haben, war stolz darauf gerne- fen, tafi es -hm gelungen war, feinen Schmerz über die Trennung von dem lieben Mädchen h rastloser Ar- beit zu betäuben und seine innere Ruhe wieder zu ge- wmnen Da mußte es der Zufall fügen daß er Gele­genheit hatte sie, die ihn verschmäht, 'fast täglich zu sehen wenn sie zu ihrer Freundin Else Firnhaber zu Besuche kam. Und me er sich auch wehrte und sich selbst schall mit fieberhafter Sehnsucht wartete er auf ihr Kommen um nur mit einem Blick di- (cfjlanfe Gestalt zu umfassen, wie sie anmutig nach der Tür des Wohnhauses schritt. Als er vorgestern zufällig jn bem Korridor des Wohnhauses mit ihr Zusamm-ngrtroffen war und mit kühlem Gruß an ihr vorüberfchritt war es ihm da nicht gewesen, als ob ein unendlich wehmüti­ger, tränenfeuchter Blick aus ihren blauen Augen iljn getroffen hätte, ein Blick, in welchem etwas wie eine Bitte um Verzeihung lag?

Einen Augenblick blieb Friedwald stehen und starrte BOr sich hin bann murmelte er:Einbildung weg

vcrfbchm Lio Haltung der Negierung gewiß richtig, wenn wir als ihren Grundgedanken annehmen: Mit den schönsten Worten ist gegenwärtig nichts auszu­richten; er wirken nur die Tatsachen und ihre Logik; daher mutz Deutschland forlfahren in der Er­füllung nach besten Kräften, solange es überhaupt nötig ist, und das weitem von der wachsenden Einsüht auf der Gegenseite abwarten.

Deingemäß sagt auch der Reichskanzler zur Kre- bitfrage:Wir wollen uns aufrichtig und ehrlich den Gedanken der Bereitwilligkeit, auch in Deutschland Substanz zur Verfügung zu stellen, soweit ein Kredit auf dieser Grundlage möglich und seine Abdeckung über- haup! ökonomisch durchführbar ist, in den nächsten Tagen verfolgim. Ob die Entscheidung darüber, ob es Geld- geber auf der Welt gibt, liegt nicht bet der deutschen Rtgiertmg, auch nicht allein bei der deutschen Industrie» und Bankwelt, sondern bet den Geldgebern, die nicht in Deutschland ihren Wohnsitz haben, und deshalb mäs­ten roh mit Geduld der Entwicklung der kommenden Woche enigegenfchen."

Zu der EeduLd, die vom Auslände auf die Probe gestellt wir-, muß sich im Jnlande die Tatkraft ge­sellen. Die grobe Rote des Wiederherstellungsaus­schusses untersteicht kräftig die Mahnung des Reichs­kanzlers, daß wir im Jnlande uns als fleißig und opfer- wiKig bewähren müffim, sowohl in den SteMrfragen, wie in der Kreditsrage, wenn wir auf Hilfe vom Aus­lande rechnen. So lange wir nicht offensichtlich das äußerste leisten, was uns überhaupt möglich ist, finden wird draußen keine Schonung und keine Unterstützung. Wenn die Note diese Erkenntnis fördert, ist sie als bittere, aber heilsame Medizin zu betrachten.

Vie Reparationsfrage.

Der PariserÄntransigeant" bestätigt die Nachricht, daß dcr fr a nz ö s i s che B o t s cha f ter in B er l in, Laurent, in Par is erwartet wird. Die Reise ginge indessen auf ein persönliches Ersuchen Laurents zurück, zur Regelung privater Angelegenheiten aus einige Tage Berlin zu verlassen. Man wtrde jedoch seine AnMienhctt in Paris benutzen, um sich mit ihm über bie schwebenden Reparationsfragen zu besprechen.

Aus Lotchon wird gemeWet, daß Dr. R a t h e n a u vorläufig London nochnichtverläßt, und feine Verhandlungen fortsetzt.

Nach derFranks. Zig." hat sich die deutsche Re- ffierung auch selbst aneinleitendesirnglischcs Geldinstitut mit der Anfrage gewandt, ob Deutsch­land ein Kredit von 25 Millionen Pfund Sterling ge­währt werden könne. Man verhehlt sich in Berlin nicht, daß die Aussichim auf dos Gelingen dieses Versuches klein sind, aber andererseits fei hier den englischen Finanzkreiselr, die sich so ernsthaft für die Gestrnüung Zentraleuropas zu interessieren scheinen, Gelegenheit ge­boten, sich maßgeblich zu äußern.

Gderschlefien,

Wie aus Beut den gemeldet wird, wurden die Besitzungen des Grafen Donnersmarck an ein eng­lisches Konsortium rrt dem Sitz in London verkauft. Die Eintragung in das Handelsregister in London soll bereits am 1. Dezember erfolgt fein.

Der polnische Machthunger

ist offenbar trotz der für Polen günstigen Entschei­dung über Oberschlesien immer noch nicht befriedigt. Nachdem Polen dank der Mithilfe der Entente die Erfüllung feiner Wünsche in Oberschlesien gefunden

......... >gaggwimra«»aaftwaKe^

damit! Hinaus in dl« schöne freie Natur, daß mir die Berglust den Wust aus bem Kopse bläst!

Unb eine halbe ©tunbe später verließ er im Loden- anzug mit einem dicken Knotenstock in der Rechten bas Haus unb schritt ben im Glanze ber Maicnfsnne pran- genben Bergen zu.

12. Kapitel

Gern geb ich Glanz unb Reichtum hin Für Dich unb Deine. Liebe!

Das helle Maiengrün bes ben unteren Teil bes Her­zogssteins umfäumenben Buchenwalds Hob sich anmutig von ben blauschwarzen Tannenbestänben ab, bie in ern­ster Erhabenheit über bem roogenben Blättergewirr auf ber Höhe thronten, gleichsam als empfänden sie nicht bie von dem wiedsreinziehenden Lenz gespendeten Wonnen. Und während das Wehen des Ostwindes in ben Buchenkronen mit ihren erst zur Hälfte entwickelten zarten Blättchen wie heller Jubel klang, wie frohes Jauchzen über bie Wieberkehr bes Alice nerjüngenben, rauchte es in den Tannen in feierlichen Akkorden wie Orgelbrausen, wie eine Mahnung an die Vergänglichkeit ber rings sich entfaltenden Pracht, wie ein an bie Sterblichen gerichteter Zuruf, ihre Seelen in dem Herr- lichen Tempel der Natur zu dem Allerfchaffer zu er- heben. 2n ben Laubwalbungen vereinten Finken, Mei­sen unb Drosseln ihre Stemmen zu einem fröhlichen Lenzkonzert in welches unzählige Mole ber Ruf bes Kuckucks aus ber Ferne klang, dagegen ertönte im Tann nur hin unb rvieber der gellende Schrei bes Hähers, bas scharfeKwi" bes in ben Lüften kreisen, ben Habichts ober das heisere Krächzen einer Nebel­krähe.

D-e kleme Gesellschaft aus Herren und Damen be- stehend, welch: den steilen, mit bemoosten Felsstücken übersäeten Pfad nach dem Gipfel verfolgten, schien nur bie Sprache des Buchenwaldes zu verstehen, denn saft wie Widerklang des jubelnden Tirilierens der Wald» fänger, schallten fortwährend frohes Gelächter und jauchzende Zurufe aus ihrer Mitte. Es waren fast durchweg jugendliche Gestatten, die ihrer Kleidung nach und der ganzen Art sich 8U geben, den besseren Skan­

dal, setzt jetzt eine neue Propaganda Polens in Ostpreußen ein.

Der Leiter dieser Propaganda ist wiederum Korfanty. Was mit dieser neuen polnischen Propaganda bezweckt ist, beweist unzweifelhaft eine Landkarte, die in Frankreich hergestellt und von Polen verbreitet wird. Auf dieser Landkarte wer­den Danzig, Ostpreußen, Memel und Litauen als künftig zu Polen gehörig bezeichnet.

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Zum Todr der Vischsss Horum.

Reiche Präsident Ebert hat an den Generalvikar in Trier folgendes Telegramm gerichtet: Dem ho­hen Domkapitel spreche ich meine herzliche Teilnahme zu i bem schweren Verluste aus, den die Diözese Trier und < die katholische Kirche in Deutschland durch den Verlust des weit Über die Grenzen des Bistums Trier hinaus verehrten Bischofs Kerum erlitten HA.

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Am Vorabend feines Todes hörte, wie das Bureau Wolff möldtt, Bifchof Dr. Serum noch im Dorn bis gegen Abend die Beichte und cm Sonntag las er noch die hl. Messe unb hielt am Vormittag Empfang ab.

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Die Presse aller Richtungen widmet dem Heimge­gangenen Worte ehrenvoller Atterbmnung. Namcntlich wird sein mannhaftes Eintreten für das Deutsch­tum im besetzten Gebiet rühmmd erwähnt. Der svzial- deinokr.V o l k s st i m m e" in Frankfurt bleibt es Vor­behalten, in der gemeinsten Weife dnn Verstorbenen zu schmähen. Dieses Blatt, für das doch eigentlichReli­gion Privatfache" fein sollte, bixrtfert auch bei dieser Gelegenheit das, was dem Katholiken heilig ist, in einer empörenden Weise. Wenn man dich.' niedrigen Redens­arten derVolksstimme" liest, die an die übelsten Leistungen gewisser Frcidenkertraktätchen erinnern, dann kann man nicht begreifen, daß Reichspräsident Ebert, dessen Beileidstelegramm wir oben verzeichnen, und die FrankfurterVolksstimme" auf bem gleichen Boden der soziAistischeir Weltanschauung stehen.

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DerBerliner Lokalanzeiger" nennt Bischof Korurn einen kerndeutschen Mann. DieVossische Zeittmg" sagt, daß er dem Vaterland treue Dienste geleistet habe. DasBerliner Tageblatt" weist nach anerkennenden Worten vornehmlich auf die Schwierigkeit der Neubesetzung des Bischofs st uhles hin. Es schreibt:Es ist da­mit zu rechnen, daß FrLnck reich noch heute ver­suchen wird, einen ihm genehmen Mann nach Trier zu bringen. Im deutschen Lvteresse ist es nur zu hoffen, daß dis Wahl des Trierer Kapitels auf einen ebenso deutsch gesinnten Mann wie den jetzigen Kölner Erzbischof Dr. Schulte fallt."

Der Hohlenmangel.

In der am 29. November stattgehabten Sitzung des Robeisenaussckmffes des Eisenwirtschaftsbundes wurde von den Vertretern der Verbrauchern eine Erklärung abgegeben, in der es beißt, daß in der Eisenindustrie 15 bis 20 kal!stehende Hochöfen nicht in Betrieb genommen werden könnten, da nach Angaben maßgebender Stellen bei der augenblick­lichen Lage der Kohlenproduktion eine Mehrzustellung an Koks an die Hochofenindustrie ganz ausge­schlossen sei.

ES ist somit die Tatsache zu verzeichnen, daß ca. 2000 als Roheisenverbraucher in Betracht kommende deuische Eisengießereien, Maschinenfabr'ken u. Stahl­werke bie Hereinnahme von Aufträgen und besonders der äußerst lohnenden Auslandsaufträge abzulehnen gezwungen sind, weil ihnen das zur Ausführung der Aufträge dringend benötigre Roheisen nicht zugeführt werden kann. Der Ausschuß richtet deshalb an alle Stellen, Venen an einer Besserung der Wirtschafts-

ben angehörten; nur ein älterer Herr befanb sich dar­unter, gegen welchen alle anderen eine gewiße Ehrer­bietung zur Schau trugen, die von ihm mit freunbti- chern Wohlwollen erwidert wurde. Das war Herr Se- bafftan Firnhaber, ber Inhaber der Firma Firnhaber u. Co., einer der reichsten Leute der Stadt. Man sah es dem mit einem einfachen Lodenanzug und mit der­bem Knotenstock versehenen Mann nicht an, daß er -über Millionen gebot, noch viel weniger vermutete man, daß man eine kaufmännische Große vor sich habe, weit eher erinnerte Herr Firnhaber mit seiner, wenig über die Mittelgroße ragenden Gestalt, dem von einem grau­melierten Vollbarte umrahmten gutmütigen Gesicht, aus welchem ein paar Helle, einen scharfen Geist ver­ratende Augen blickten, an einen Förster ober einen Gutsbesitzer, wie auch in seinen Bewegungen sich keine Spur von ber Hast eines Zahlenmenschen, sonbern weit eher eine gewisse sich gehen lasienbe Gemütlichkeit aus­drückte Sein Lachen, mit welchem er zuweilen ein, an eine der jungen Damen gerichtetes Scherzwort be­gleitete, klang so ungezwungen und herzerfrischend, daß man sich unwillkürlich zu bem Manne hing-zogen fühlte, umso mehr, als man an seinem ruhigen, zufrie­denen Lächeln zu erkennen glaubte, baß er der ihn um- gebenben Jugend von Herzen ihren Frohsinn gönnte unb sich an demselben ergötzte. Ja, Herr Firnhaber war, wie bie jungen Damen einstimmig behaupteten, ein reizender Mann, der keine Gelegenheit oorübergehen ließ, dem jungen Volke eine Freude zu machen. So hatte er auch heute, bei dem herrlichen Wetter, wieder ben Ausflug auf ben Herzogstein arrangiert, zu wel­chem von seinen beiden Kindern Kurt unb Else bereu ganze Freundschaft eingeladen worben war. Bis zu dem Fuße des Berges hatte man bie beiden Gespanne des Hauses, den Break mit den Füchsen und den Land­auer mit ben Rappen benutzt, in welch letzterem sich Mama Firnhaber unb ihre Gesellschafterin befanben. Dann waren die Wagen bie um ben Berg laufenbe Chaussee gefahren, während bie jungen Leute mit Herrn Firnhabcr die direkt nach bem Gipfel sührenben Walb.

j Pfade unb Schneisen einschlugen.

(Fortsetzung folgt.)

laae liegen muß, die dringende Aufforderung, Mittel und Wege zu finden, die die Erhöhung der Kohlenförderung gewährleisten.

Ein seltenes Zeugnis für Stmnes!

Bei Gelegenheit der zweiten Beratung des Etats de§ Inneren im preußischen Landtage erscholl auch unter anderen von der äußersten Linken der Ruf Stinnes". Diesen Ruf nahm der sozialdemo­kratische Minister des Innern Severing auf, um der Linken gewissermaßen eine Aufklärung über die Persönlichkeit Sünnes zu geben. Minister Severing hielt der ob dieser Worte gewiß nicht wenig erstaunten Linken, wie auch^manchem seiner Anhänger vor. daß man auch als Sozia list einen großen Teil des Wirtschaftsprogramms von Huao StinneS unterschreiben könne, daß man aber vor allem seiner Person höchste Anerkennung zollen müsse, nicht nur als Wirtschafts- kenner, der auch bei Krassin und den anderen russi­schen Kommunisten Achtung genießt, sondern auch wegen seiner persönlichen Eigenschaften, da Herr Stinnes sehr b e d u r f n i s l o s sei und seine Gewinne dazu verwende, um Kohlenfelver zu erschließen und Volkswirt chafttiche Werte zu schaffen, statt sie wie andere in Weinstuben^u verschlemmen und zu der» b raffen.

Wer allerdings mit der Peri'on Stinnes naher m Berührung kommt, wird diesen Worten durchaus Beifall zollen müssen. Wenn man ihn fieQt, so glaubt men sich einem einfachen Bürger gegenüber, aber nicht dem Repräsentanten ungezählter Hundert- Millionen. Das Bild von Hugo Stinnes, da- zur­zeit im politischen Kampfe herumgezer.t und sicher» lieh auch viel mißbrauch: wird, wird vielleicht >n der Geschichte eine weit bessere Würdiumg erfahren. .Gew ß, es ist unter Umsländeu bedenklich, daß oviel Kapitalmacht uno damit auch potitifche Macht denn leiser hängt und drängt die Well zum Gold in einer Hand ruht. Aber so lange diese Hand nutzbringende Werte für die Allgemeinheit schafft und ihren Einfluß im Interesse ber.AUgememhett auSubt und oas glauben wir Herrn Stinnes nicht abfprechen zu dürsen hat doch wieder eine solche Macht ihr Gutes. Hoffentlich nimmt sich die sozial­demokratische Presse wenigstens obige beifällige Worts ihres Ministers Severing insofern zur Kenmnis, daß sie nicht immer, wie das bisher ber Fall war, so bald der Name Slinnes auftaucht, gereizt ist wie ein Stier, beut man ein rotes Tuch hinhält. Man darf ruhig annehm-n, daß Minister Severing, der politisch tote taktisch ein sehr f itter wie kluger Kopf ist, diese Gelegenheit zu einer Nech:fertigung Stinnes nicht ungern ergriffen hat, zumal er tiefer in bie politischen und wirtschaftlichen Ereignisse, d-e sich hinter den Kuliffen abipielett unb die vielleicht nut ber letzten Londoner Steife Slinnes eng zusammen, hängen dürfen, blicken kann, wie jeder Außenstehende,

Htts dem besetzten Gebiet.

* Gefängnis für Denunzianten Zwei Dentisten in Köln hatten ihre Gegner oer der englischen Behörde gemeinschaftlich wegen unerlaubten Waffenbesitzes an- gezeigt. Die von der britischen Polizei vorgeuommene Haussuchung stellte die Anzeige als unrichtig bar. eo hatten sich bie beiden Dentisten wegen Verleumdung zu verantworten. Das Gericht nahm an, daß sie wider besseres Wißen die Anzeige erstattet haben unb verur­teilte sie zu je brer Monaten Gefängnis. Der Antrag beö Verteidigers auf bedingte Begnadigung wurde abgelehnt.

* Deutsches kslenbecverbo! in Elsaß-Lolhritvgen. Durch ein« Verfügung des GenerMommisfars sind neuerdings zwölf deutsche Kalender m Eliatz-Lothringen verboten wor­den. Unter diesen befinden sich mich mehrere von katho­lischer Seile hsvcmsgegebene Kalender, deren Verbot damit begrünte wird, daß ihr InhaltBedrohungen gegee Frankreich" enthalten.

Soziales.

* Der Leipziger PelrlebsrSfekongretz. Gestern begann im Leipziger Doikshaus der erste ReichsbetmebsrMekon- greß für die M-tailinduftvie. Außer den Regierungsbe­hörden waren der JnternAionAe Metallanbeitenbunb, die Mctallori>eitervsrbände Norwegens, Oesterreichs und der Tschecho-Slowakei sowie di« großindustriellen Unterneh­merverbände, u. a. die A. F. G., der Siemenskonzern und bie Dm-tschm Werke, vertreten. Zum Vorsitzenden wurde der Wbg. D 1 ß m a n n aus Stuttgart gewählt. Als elfter Referent sprach Prof. Lederer- Heidelberg über das ThemaWeltwirtschaft".

Di« Gleichstellung der verschiedenen Gruppen höherer veainten bei der fBefolbunpSregeluna läßt noch viel zu wünschen übrig. Oas zei-t folgende Zusammen» stellnng, die der preußische Pbilologenoerband in einer Eingabe an den Landtag veröffentlicht. Danach sind in die Gehaltsgruppen 12 bis 25 etngestuft von den An- gehörigen der UnterrtchtSverwaltung 5,6 Prozent, der Bauverwaltuna 11 Proz, der Justiz 18,2 Pro-., deS Bergfaches 18,7 Proz., ber Verwaltung oeS Inneren 27,4 Prozent und der Finanzverwaltung 39,4 Prozent

Deutscher Reich.

* Berlin» 6. Dez. Der Reich-Präsident ridjtei«. an den scheidenden Botschafter Beerender g-G o ß l er ein Dankschreiben für bie dem Baterlanbe geleisteten Dienste. Laut .Deutscher Allgemeiner Zeitung' bechä fügte sich das Reichskabinett gestern mit aufenden Angelegenheiten. Die Reparations- .trag' war nte' t Oteaenftanb der Beratungen.

' f. Sozialdemokratie und Steuer fragen. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfrak­tion ist, wie derBorwärts" mitteilt, für Mitt­woch zu einer Sitzung nach Berlin einberufen worden. Zweck diefer Stiftung ist, eine Aussprache über die politische Lage und die zukünftige Hal­tung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion be- »üalich der Steuerfraaen