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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 279.

Verantwortlich für deu ceüaüionellea Teil: Dr. I. Kramer, 2 für die Artigen: I. Parzelier-Fulda. - RorattonsLruck u. Verlag der Fuldaer Aciiendruckerei in Fulda, ^emlpredier Nr. ti. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.

48. Zahrg

Montag, 5. Dezember 1921

TMKV

Vezugspreis: ManaUich 5.03 Mk. zugestell! frei ins Haus- 2 Abgeholt in der Geichäjtssttlle 4,60 Alk.

Anzeigen: Kleinzeile nach L otoneimaß 1 Mark; Rekiamczeiie (lepbreite) nach Colone maß 3 Mark.

9er RkWiHler Oer die Lage.

Die Mfgabe -er Yreffe.

Der Verein Berliner Presse veranstaltete am gestri- Oen Sonntag im Reichstagsgebäude einen Frohen Em­pfang, cm dem außer dem Reichspräsidenten Ebert und dem Reichskaryler eine groß«: Zahl von Ministern 4ks Reichs und Preußens, von Parlamentariern und eroberen bekannten PerfönlichkeidM aus dem politischen, ^ünstterischen und literarischen Leben teilnahmen. Än Mohmen dieser Veranstaltung hielt der Reichskanzler im Plenarsaale eine Rede, in der er der Presse srerrndliche Worte widmete, die vor allem betonten, daß die Presse kein reiner Nachrichtenapparat jein könne, sondern daß bei ihr dir politischen Erwägun- iflen stets über das rein Materielle des Nachrichen- ikchalts hinausgrhen würden. Wenn im politischen Kampf Pfeile abgeschossen würden, so dürften sie aber 'nicht vergiftet fein. Besonders erkoninte er die Bemühungen der Presse an, durch einen erotägigen auswärtigen Nachrichtendienst dir Ab- Wießung Deutschlands von der Außenwelt abzmoeh- ren und er sagte die Unterstützung der Regierung bei Dieser Ausgabe in vollem Umfange zu. Weiterhin kenn­zeichnete er es als eine bedeutsame Aufgabe der deui- fchen Presse, eine Brücke zwischen dem politischen Deutschland einerseits und dem künstlerischen und geisti­gen Deutschlands andererseits zu schlagen. Man lause bei uns Gefahr, daß diese beiden Gruppen das gegen­seitige Verständnis verlieren und ihr gelte es vorzu­beugen, damit wir nicht in ein: ungeistige Politik und in einen unpolitischen Geist hineingeraten. Die Presse müsse gewissermaßen für die Oeffentlichkeij> den Staat interessant machen und müsse die Repu­blik mit dem staatlichm Denken der Deutschen zu versöh­nen suchen, eine Aufgabe, in der uns England und die romanischen Staaten weit voraus sind. Auch der enge 'Zusammenschluß der wirtschaftlichen Gruppen dürste 'nicht zu einer Isolierung führen und dürste nicht die Neberwucherung von rein wirtschaftlichen Interessen im Staat herbeiführcn, denn das Reich habe alle Kräfte zu feiner Rettung nötig.

Auf das Gebiet der Politik überaehmd, erklärte der Kanzler, daß die Hauptfrage, die sich die Regierung flefHIt habe, laute: Wie kommen wir über den Winter hinweg? Das Hinwegkommen über dm Wknter rote auch über die großen außenpolitischen Prob­leme erfordere die oerantwortungsbWmßte M i t a r b eit aller Schichten des Volkes. Und wenn der Tag da sei, da große Entscheidungen reifen, roenn man sich entschliefen müße, triefen oder jenen Weg zu gehen, fei es di« Aufgabe der deutschen Presie, allen politischen Faktoren trab insbesondere den politischen Parteien m unserem Daterlande beizubringen, daß es keine Politik bedeute, sichseitwärtsindieDüsche zu schlagen.

Wolle man Außenpolitik machen und msbe- ßondere das größte aller Probleme, das Reparations- Problem, löftn, so muffe man irr Deutschland einen poli­tischen Wirrwarr zur Unmöglichkeit machen. Das große Ziel der politischen Arbeit sei, das Letzte, was wir aus großer Vergangenheit gerettet haben, die Einheit des Vaterlandes und die Einheit seiner Wirt» fchastssührung, hinüberzuretten in eine Atmosphäre, wo nicht mehr der Gedanke reiner politischer Auswirkung d« Sieges, des Hasses und der Zerstörung maßgebend ist. sondern ,wo der politische Haß wie ein Nebel am Morgen zerstoben ist durch die ausgehende Sonne, wo die Menschen sich zur Beratung über die großen wirt- gastlichen Probleme und über die Kulturprobleme der West wieder an dem Konferenztisch ver- fam mein werden.

Habe jemand in -er Welt geglaubt, daß nun ein Sol? wie das deutsche mit seinen 60 Millionen Men» sch^u isoliert herausheben könne aus den vor dem

Die Jagd nach dem Glücke.

, Erzählung von Fritz Ritzel.

41] --

So nun weißt Du, auf welche Weise ich in den rntz des Schecks gekommen bin und warum ich über oesse» rechtlichen Erwerb schweigen mußte. Wenn ich «wer auch mit dem nämlichen Bekenntnis vor die 7,ZlkEichkeit getreten wäre meine Ehre wäre da- 2S.. md,tieber hergestellt das Entstehen des enztts m ber Kaste der Deutschen Industriebank wäre ^"ufgeklkart! Erst, wenn ich den wirklichen Schul- ,JL rt"., ^chen und seine Schuld nachweisen

.' mtin Name gereinigt wieder da. Wlhelm der sich im Laufe der Zeit "^dichtet hat aber ich muß den ln*Ue^ Wenn ich seine Schuld aufdecke, . , . ** .*$ ^>ill auch Dir, meinem liebsten

Freund, ferne wetteren Andeutungen machen, nur um EXT u* -ft 5Vs Dürochef der Firma Firn- , h 6" J - r."2 ~ Hand gegeben, festzustel- 2-tt zwei Schecks von |e 8000 »om ^«chen Datum ausgestellt von Baron Greiffen- ''m.kJ hÄi3« präsentiert worden sind

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men und bewahrheitet sich mein Serba ü

Du auch begreifen, warum ich- den Elenden lckonl und dann bitte ich Dich - rate mir !

Lächelnd mit einem Kopfnicken hielt Wilhelm -r-ieb roalb im Lesen inne und sann vor stch Km '

«°r Karl Hochfeld in einer verzweifelten Sage ® Ueberzeugung nach war Max Hohenfels der D-eb Konnte Karl dafür den Beweis erbringen, dann tnufcfe feder Verdacht gegen ihn selbst schwinden. Konnte er vber den Bruder derjenigen, die er mit der aa-jen Kraft seiner Seele liebte, der Schande überliefern^ Mußte dann nicht jede Hoffnung daß Emilie trotz alle, bem einst die Seinige würde, vollständig schwinden? Daß Max Hohenfels gestorben war. was Karl -em 2ln-

Weltkriege fo tief wirtschaftlich und finanziell verfloch­tenen Nationen, und daß man dieses isolierte Volk bann auspresten könne wie eine Zitrone aus Grund des Friiedemsvertrages? Man will auch aufrichtig und ehr- lich den Gedanken der Bereitwilligkeit, auch in Deutsch- land Substanz zur Verfügung zu stellen, soweit ein Kredit aus der Grundlage dieser Substanz möglich und feine Abdeckung ökonomisch überhaupt durchführbar ist, in bin nächsten Tagen verfolgen, lieber ben Samar und Februar himvsgzukamimen, fei aber noch nicht das einzige Entscheidende für uns, sondern, daß überall, wo man di: Wirtschaft zum Gegenstand des Nachdenkens macht, bas Ausscheiden Osteuropas mit feinen unzähligen Mmschenmaflen, das Niederbrechen des wirtschafilichen Lebens in den österreichisch-ungari­schen Nachfolgestaaten und insbesondere die wachsende ! Kaufmckrast ber 60 Millionen DeÄschsn a£s eine Welt- giftchr erkannt wird. Diese Erkenntnis und die Not­wendigkeit, daraus politische Folgerungen zu ziehen, (ei gerade jetzt auch gswachstn.

Der Reichskanzler schloß, nachdem er noch auf die Notwendigkeit hingewiesen hatte, daß die Besitzen­den deutlich sichtbare Opfer bringen mikhlvn, ohne die die Wrabschö-lNMg der neuen ©teuer. Gesetzentwürfe eine Unmö-alichkeii fein werde, mit einem Äpp-.ll an die Presse, den großen Problemen der Wirtschaft, die die Völkerverständigung zur VorEsttzung hat, die Spalten der ZeikmMn zu öffnen.

Die Rede wurde von der glänzenden Dersammchmg mst großem Beifall ausgenommen.

Die ,MrWung" zrankre'lchL.

Der französische Ministerpräsident hat in Washing­ton u. a. die Behauptung aufgestellt, daß Frankreich eine Verminderung seiner A'mee schon vorgenommen habe. Gegenüber diesen Behauptungen deS Herrn Briand wollen wir die Tatsachen sprechen lasten.

Rach eigenen französischen Angaben verfugte Frankreich über

1914 1921

Infanteriedivisionen 48 60

Bataillone 745 800

Batterien 858 1031

Geschütze nur in der Front 3432 4124

Geschütz» bei der Truppe 160 1250

Flugzeuge u. Reserve an Flugzg. 5000 Tanks 3000

Die deutsche Reichswehr besteht aus: 7 Infan­teriedivisionen, 63 Bataillonen, 72 Batterien mit 297 Geschützen.

So sieht also die von Herrn Briand behauptete französische Abrüstitng aus.

ZusüMmeniritt des Reichstages.

neue Vorlage«.

Di»; Erledigung der 6teueroor(agen in den Aus­schüssen schreitet nur langsam vorwärts: man wird darum kaum mit einem Zusammentritt des Reichs» tages vor dem 13. Dezember rechnen dürfen. Die TaMigsbaMr wird nur kurz fein, da Weihnachten vor der Tür steht.

Folgende Entwürfe roeröen dem Reichstag in Kürze zugchen: 1. ein Entwurf über die Erhöhtmg der Post» tarife, 2. das neue Kohtensteuergesetz, 3. die Schlich» tungsordmmg, 4. das Arbeitsnachweisgesetz, 5. ein ReichsardritLH'setz ,6. ein Eisenbahnfinonzaesed- 7. ein Entwurf zur Unterstützung der Unfall» und Kleinkapital» rentner, 8. ein Entwurf über die Errichtung eines Reichsverwaltungsgerichts, 9. ein Entwurf zum Schutze der Beamten und Einrichtungen der Republik, 10. No» Vellen zur Sozialversicherung, 11. Novellen juristischer Art (Eherrchie, Scheidungen usw,), 12. bas neue Be- amüenrecht, 13. ein neues Ortsklassenverzeich-

J i______IM mir«

schein nach noch nicht wußte, konnte daran nichts än. dern, denn häufte Karl gewissermaßen Schmach auf den Toten, dann türmten sich unüberwindliche Schranken zwischen ihm und der Geliebten.

Doch was schrieb der Freund weiter

»Und nun, lieber Wilhelm, komme ich zu edier zweiten Bitte. Meine Schwester, Hedwig mit der ich in lebhafter Korrespondnz stehe, schrieb mir zu wieder- hollen Malen, daß mein Vater seit jenem unheilvollen Tage Du weißt, welchen ich meine in einer Ge­mütsverfassung dahinlebe, die fast an Trübsinn grenze und die ernstesten Befürchtungen erwecke. Ich erstaunte nicht darüber! Daß der Sohn, der, wie Du weißt, sein Stolz gewesen, nach seiner Meinung ein Dieb ist, das hat den eisenfesten Mann bis in da, innerste Le­bensmark getroffen ich kann ihm nachfühlen, welche seelischen Schmerzen er leidet. Daß diese aber auch seine Gesundheit derart beeinflußt haben, daß der Mann nur noch ein Schatten seiner selbst ist, das erfüllt mich mit namenloser Deunuhigung und hat mich houvtsäch. lich veranlaßt. Dir so rasch wie möglich obige Mittei- langen zu machen, dieselben find, wenn sie zur Kennt- ins d-, Balers gelangen, gewiß geeignet, ihm eine bes­sere Meinung von feinem Sohne beizubringen. Du wirst fragen, warum ich mich meinem Bäte- nicht direkt offenbare Wilhelm, das widerstrebt mir! So lange ich nicht mit den klarsten Beweisen meiner Unschuld vor meinen Vater treten kann, so lange ich befürchten muß, daß der Schatten eines Zweifels in feiner Seele lebt so lange muß ich ihm fern bleiben, wie ich er bei meinem Fortgehen gelobt habe! Nach Genugtuung für die schwere Kränkung, die mir mein Vater zugefügr Hai, lechze ich nicht aber mein ganzes, ihm so ver. wandte? Wesen sträubt sich dagegen, wieder das in­nige Familienband zu knüpfen bevor die volle Wahr- heit an den Tag gekommen ist. Gott gebe, daß dies j bald geschieht! Dis dahin aber loll mein Vater wenig­sten? wissen, daß der Sohn acht ganz so verworfen ist. wie er glaubt, er fcü durch diese Erkenntnis netter Hoffnung und dem Zweifel an meiner Schuld Raum geben gewiß wird dies für fernen seelischen und körperlichen Zustand von wohltätigen Folge» begleitet

n i 3, 14. ein Entwurf zur Bestrafung des roirtschaft- lrchen Landesverrats (Handclsspionaae).

Noch zu erledigen sind: bas R e i ch s s chu l g r se tz, das Frmienschöffmgesetz, bas Reichsmietenge» setz, das Iugenbwohlfichrtsgesetz und kleine Novellen.

Dem Reichstag fft ein dritter Nachtrag zum Reichshaushaltsplan zugegangen. Dieser Nachtragshaushalt enthüll die vor kurzem weggenom- nretum Aufbesserungen der BsamtengehaAter und sucht um die Bewilligung der dazu erforderlichen Mittel nach. Der Nachtragselat schließt in Einnahmen und 2lusgaben mit einem Btrag von rund 27V* Milliarden ab. Der Rsichsfinanzmimsrer wird ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben nach Verkündung des Nachtrags:tccks dien Betrag von rund 98 Milliarden Mark im Wege der Anleihe flüssig zu machen.

MinistergelMer u. Mmsterpensisnen.

Von den Oppositionsparteien sowohl auf der Rechten wie auf der Linken ist wiederholt der Ver­such gemacht worden, die Festsetzung der heutigen Mimstergehälter und Ministerpensionen im poli­tischen Kampfe zu benutzen.

Die Oppositicmspnesfe ist nicht davor zurück­gescheut, in dieser Hinsicht trotz mehrfacher Richtig­stellung immer wieder aufs neue unwahre Behaup­tungen aufzustellen. Demgegenüber ist zunächst ein­mal festzuftellen, daß bei der Beurteilung der heu­tigen MinistergshAter bezm. der Pensionen d i e starke Geldentwertung in Betracht ge­zogen werden muß. Ferner ist festzustellen, daß kein einziger der bisherigen republikanischen Minister oder Reichskanzler mit Ausnahme des Reichskanz­lers Fehrenbach eine Pension bezieht. Bezüg­lich des Reichskanzlers Fehrenbach ist eine Aus­nahme gemacht worden, weil er nach feinem Aus­scheiden aus seinem Amte seine Anwaltspraris nicht wieder aufbauen konnte. Es ihm daher die Hälfte seiner Rechtsanwaltszeit als Deamtentätigkeit an­gerechnet worden. Daß hier ein Fall vorlag, wo Anstand und Gerechtigkeit eine Entschädigung gebo­ten, wird kein billig Denkender abstreiten wollen.

Was die Ministergehälter anlangt, so sind diese entsprechend der heutigen Geldentwertung weit ge­ringer als die der Minister vor der Revo­lution. Dazu kommt noch, daß die heutigen Mi­nistergehälter nicht steuerfrei sind. So muß z. B. der preußischen Ministerpräsident von feinem 220 000 M betragenden jährlichen Gehalt 95 000 M 'Steuern zahlen.

Sämtliche Minister der Reichsregienmg und der preußischen Regienmg einschließlich des Reichs­präsidenten beziehen zusammen ein Gehalt, welches sehr reichlich ein Drittel der Bezüge aus­macht, die früher der Kaiser für sich allein bezog, nämlich den Betrag von etwa 5 Millionen M, während die Zivilliste des Kaisers 14 Millionen Goldmark jährlich betrug.

Eine Revision -e§ Besoldungsgesetzes haben wir schon als bevorstehend angekündigt. Wir hatten mitgeteilt, daß Verhandlungen mit dm ge­werkschaftlichen Spitzenorganisationen stattgefunden haben. Diese Verhandlungen sind jetzt zum Ab­schluß gekommen, sodaß bereits in den nächsten Tagen mit der Reichsregierung die Verhandlungen über die Forderungen der Organisaüonen stattfinden können.

Die Gewerkschaften fordern nach einer Mitteilung desVorwärts" eine Erhöhung der Grund­gehälter, insbesondere der unteren Gruppen und die Beseitigung der jetzigen unsozialen gleich­mäßigen Teue.'ungszula^en.

DerVorwäriS" teilt auch mit, daß.der deutsche Gewerkschaftsbund sich an den Verhandlungen der Spitzenorganisationen nicht beteiligt habe, da seine WünschevondenenderandernOrganisationen abroichen.

sein. Und Dich, lieber Wilhelm, betraue ich damit, ihm diese Erkenntnis beizubringen ich mute Dir vielleicht mit Rücksicht auf die Vergangenheit eine peinliche Auf­gabe zu, aber ich weiß niemand, der fo wie Du mit Deinem klaren Denken, Deiner vertrauenerweckenden Ruhe und Deinem feinen Taktgefühl dieser Aufgabe gewachsen ist. Daß ich meine Schwester Hedwig nicht als Sermiftlerin anrufen kann, wirst Du begreifen, wenn ich Dir sage, daß nur die Erwähnung meines Namens vor den Ohren meines Vaters diesen in die heftigste Erregung versetzt und den in seinen gewiß selbstquälerischen Groll verbisienen Mann jedesmal veranlaßt, jedes weitere Wort über mich auf das stetigste zu verbieten.--

Ist es die frohe Empfindung darüber, daß ich heute endlich meine, mich innerlich drückende Last von der Seele schaffen darf, oder raunt mir eine innere Stimme zu, daß die Wolken, di» meinen Lebensweg beschatten, sich zu verteilen beginnen? ich befinde mich in einem Seelenzustande, in dem ich alles offenbaren möchte, was mir auf dem Herzen liegt und da ich niemals zu den Menschen gehäre, die sich sträuben, einen begangenen Fehler einzugestehen, aus Furcht dem Fluche de- Lä­cherlichkeit anheimzufollen, fo muß ich Dir, Wilhelm, noch ein Geständnis machen. Ich bin nicht glücklich in dem von mir erwählten Berufe derselbe entspricht weder meiner Eigenart, noch gibt er mir Gelegenhell das in mir nach Höherem pochende Streben zu betäti­gen. Ich muß mich immer an Deine Worte erinnern, die Du mir am Abend unseres letzten Zusammenseins warnend zuriefst: Gehe erst einmal in die Welt, fordere klingenden Lohn für Seine Kunst, dann wirst Du erfahren, wie trnbarmherzig die Sonde der Kritik an Deine Leistungen gelegt wird und roenn es Dir nicht gelingt, eine wirkliche Größe zu werden, dann wirst Du der unglücklichste Mensch aus Gottes Erdboden fein!* Und fast genau so wie Du Hai mein Idol gesprochen, bas edle Mädchen mit dem klaren, durch nichts zu ver- ' wirrenden Geist! Ich war damals durch (Eure Reden 1 etwas verschnupft, aber immer mehr sehe ich es ein, ! wie recht Ihr beiden hattet! Schon die Kritiken über ! meint gefänglichen Stiftungen am Beginn der Saison i

Bischof Kerum von Trier f.

wtb Trier, 4. Dezbr. Heute na mittag gegen 2 Uhr ist infolge einL Herzlähmung der Bischof Dr.Korum^ verschieden. Komm war der Senior^ der deutschen Bischöfe und stand int 81. Lebensjahre. Die Beisetzung erfolgt ,yceitag den 9. Dezember im Hohen Dom zu Trier.

Der greife Kirchen fürst, der rum nach einem gostgr- fegneten Wirklln im WeutberM des H'rrn zur ewigen Heimat eingegunge nist, war uns in Fulda allem wohlbekannt. Auf den alljährlichen Bischofskonferenze« stand der Senior der am Grabe des hl. Donifatius ver» jamtnelien Kirchenfürsdm immer im Mittelpunkte des Interesses. Q°Her bewunderte, wie die von (doüestiebe erfüllte die Seele des 80jähr. Greifes den gebrechlichen- Körper zwang, der Vifchofspflicht in jeder Beziehung gerecht zu werden. Nun ist er aus der Zeitlichkeit abge» rufen morden und ein an Erlebnis und Tat großes Metrschendasein hat seinen Abschluß gefunden.

Der Bischof war geboren zu Wickerschweier im Ober- elsaß am 2. November 1840. Seine Gymnasialstudien absolvierte er im College lidre zu Kalmar, seine theolo­gischen Studien mackste er in den Jahren 1861 bis 1865 an der von Jesuiten geleiteten Heoiogischen Fakultät zu Innsbruck. 1865 erwarb sich Korum an der Universi­tät Innsbmck den theologischen Doktorgrad. Im Straßburger Prüestersemmar bereitete er sich sodann im; Dezember 1865 auf die höheren Weihen vor und wurde am 23. Dezember 1865 zum Priester geweiht. Anfangs bekleidete er die Stelle eines Professors der Philosophie im kleinen Seminar, seit 1869 trug er Theologie im; großen Seminar vor; dann wurde er als französischer^ Prediger am Münster zu Straßburg angestellt und 1880 zum Dompfarrer ernannt. Seine persönliche Lie­benswürdigkeit, seine feinen einnehmenden Umgangs­formen, seine großen Geiftesgaben, fein echt Priester- liches Wicken, feine glänzende Beredtsamkeit konnten nicht unbemerkt bleiben. So wurde im Sommer 1881 der Straßburger Domherr Dr. Komm für tuen seit dem 30. Mai 1876 verwaisten Dischofsstuhl von Trier cor- geschlagen, am 12. August 1881 von Papst Leo XIII. zum Oberhirten der weitausgedehnten Trierer Diözese ernannt und am 14. August bereits zum Bischof ton- fekricrt. Am 22. September hielt der neue Bischof unter dem Jubel der Bevölkermig seinen Einzug in Oie Stadt Trier; am 25. September wurde er feierlich in der Domkirche inthromsirrt.

Dieser zunächst für die Diözese Trier bedeutsame Tag bedeutet zugleich einem wichtigen Abschnitt in der neuen Kirchengeschichte Deutsch, lands. Denn das Ende der fünfjährigen Sedisva- kanz war zugleich der sichbare Anfang des U»r.schM»g» in Preußen, der nad) langen Jahren eines für den, Staat ebensosehr als für die Kirche verderblichen Kam­pfes einenZugang zum Frieden" zwifchen beiden Gewalten herbeiführen sollte. Bischof Komm gab sich keiner Täuschung hin, als er den Stuhl des hl. Eucharius bestieg: 153 Pfarreien mit 139 024 Seeleü warm ganz, 80 Pfarreien mit 138 887 Deelen halb verwaist: der jung,? Klams der Diözese war in die Der- fchiedmsten Länder zerstreut, das Ifierer Seminar war aufgÄöst, die jungM Theologen, deren damals die große Diözese k<mm 30 zählte, mußten auswärtige An- stalten aufsuchen, das bischoffiche Konvikt war auf denk Aussterbeetat gesetzt, die männlichen Orden ausgewiesen, d»? übrigen in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Seit der Erhebung Kerums auf den Trierer Bischofsstuhl stand die Frage über die Bildung und Erziehung des Klerus im Vordergrund der kirchenpotifischon Verhandlungen, und am 20. September 1886 konnte der Bischof zu sei­ner großen Freude imKirchlichen Amtsanzeiper* der Diözese Trier melden, daß am 28. Oktober 1886 das Priesterseminar eröffnet werde, dadie Hindernisse, welche der Ausbilduny des Klerus in un­serem Seminar entgegenstanden, beseitigt sind". Wenn

brachten nicht das, roas ich dringend zu lesen wünschte!' Da wurde von recht annehmbaren Stimmitteln gespro­chen, von einem beachtenswerten Talent, das bei ge­hörigem Fleiß zu ganz respektable Erwartungen be­rechtigte. Eine Kritik, fo roohlnollend, wie sie sich ein Anfänger nicht besser wünschen konnte, aber die. ganz respektablen Erwartungen"' letzte man bei mir voraus, bei mir, der ich glaubte, tm ersten Sturmestauf den Olymp, den Gipfel der Kunst zu erklimmen! Und. wie wurde mein anfänglicher Emhusiasmus für die Kunst abgekühlt, als mir im Laufe de- Zeit nur kleinere und mittlere Rollen übertragen wurden, die mir fast' gar keine Gelegenheit boten, meine stimme zur Gel. tung zu bringen! Auf mein dringende, Ersuchen mich auch mit größeren Parti een, wie z. 8. stohmgrin, dem Faust ober dem Propheten zu betrauen, iahen mich so­wohl der Direktor wie der Kapellmeister mst einem, wie mir bäuchte, mitleidigen Lächeln an und ersterer bedeu­tete mir, daß er nicht die Absicht habe, de-arttge ge-' wagte Experimente mit einem Anfänger zu unterneh­men. Dennoch gelangte ich dazu, den Siegfried zu sin. gen, da der Vertreter der Rolle plötzfich erkrankte und Ersatz nicht zu beschaffen war und Wilhelm, ich muß einsehen daß der Kapellmeister im Rechte war. als er behauptete, daß meiner Stimme die nötige Ausdauer fehlte. Zog ich mich auch mit aller Anstrengung glimpf­lich aus der Sache heraus und war die Kritik über meine Leistung auch nicht ungünstig vor meinem eigenen Urteile war cs em entschiedener Mißerfolg ge. roefen, der mich umso schmerzlicher traf, als ich mein, Empörsteigen zur erträumten Größe als eine tote Ge­wißheit betachtet hatte. Kannst 5Pu Dir denken, wie mir zu Mute war und wie mir die Jagd nach dem Glücke auf diesem Wege verleidet ist7Mit der Zeit werden Sie stch zu einem recht brauchbaren Sänger entwickeln!" hatte der Kapellmeister nach Schluß der Oper zu mir gesagt das hieß mit anderen Worten:lieber die Mittelmäßigkeit kommst Du nicht hinaus!" Rate mir, Wilhelm, roas ich tun soll. 3n wenigen Tagen ist die Saison zu Ende dann bin ich frei und wieder Herr meiner Entschlüsse. 2n aller Treue Dein Karl Hoch- feite*-- - ^Fortsetzung folgt)