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M 278.

Samstag, 3. Tr,cm6ct 1921.

Fuldaer Heilung

0»^ Druck -er Fuldaer Sletieudruck erei i« Ful-

teiinal Bertram jat $080111*01.

Anläßlich der kürzlichen TagungdesBun- 6 es Deutscher Bodenrefvr mer, zu dem Damaschke den Fürstbischof von Breslau, K a r d i- nal Bertram, eingeladen hatte, richtete dieser folgendes, im Novemberheft der Bodenreform (9tr. 22) zum Abdruck kommendes Schreiben an den Ein­ladenden:

Es kann nicht Aufgabe teefer wemgen Zeiten fern, t den «meinen volkswirtschaftlichen und gesetzgeberischen Maßnahmen Stellung zu nehmen, dir durch die von Ihnen vertretene Bodenreform erfordert werben. Das Mr und Wider eines solchen tvchsreifondsn Problems er- hMischt eine viel gründlichere Arbeit. Em« Stellungnahme zu den einzelnon Aufstellungen Ihrer Reformpläne war daher aitd) in Ihrem freundlichen Schreiben nicht verlangt.

Was aber das Siel betrifft, den FamRen em wohn­liches Heim zu beschaffen und dafür entsprechende erträg­liche Opfer zu verlangen, so verdient das die Unterstützung aller christlich gesinnten Kreise. In erster Linie vom Standpunkt der Volks­gesundheit, deren unerläßliche Bedingung an gesun­des Heim und der Verkehr mit der Natur ist. Darm aber auch vom Standpunkte der Sittlichkeit, der Bildung und Erziehung. Kirche und Schule verlangen als Grund­lage und als stärkste Hilfsmacht die Erziehung, die Artet des Elternhauses. Die wird fast unmöglich, wenn nicht als Stätte des häuslichen Kreises ein einigermaßen an­genehmes Heim da ist, mag es noch so deschsiden sein. In der Zeit, wo die Klage über den stttlichen Niedergang weiter Dolkskreise mit tiefem Weh btie Herzen aller Edlen durchzieht, wo zunchmende Vergnügungssucht, lüsterne Darbietungen und eine rücksichtslose sogenannte Aufklärung alle Schranken des Zartgefühls> heikger Schamhaftigkeit durchbrechen wollen, ist um so dringender das schirmende Gehege eines ausreichenden Hemrs, na- mentiidj mit getrennten Schlafgelegenheiten, zu verlangcn an Stelle eines Unterkunftsraums, wo alles und >edes Tun von groß und klein vor aller Augen in beim eiben Raum sich abspielt. Dann das beklagenswerte Schwinden jener Liede zur Häuslichkeit, die uns als Kinder bei aller Einfachheit des Elternhauses doch so glücklich mochte wer könnte diese Siebe zur Häuslichkeit, ter Volksseele widergeben, da. wo alle Voraussetzungen trau­licher Häuslichkeit fehlen?

Auch das Verlangen noch ebnem Garten oder Ackerstück Br Hauswirtschaft und für etwas Verkehr mit der freien Natur ist im Bedürfnis und natürlichen Sinn des Volkes begründet, nicht nur für leibliches Wohl, stmdärn ebenso für seelische Erholung und für Gesundheit des Gemütslebens. Gewiß las­sen sich nicht alle solche NodwsndigkÄen überall und rasch befriedigen. Doch wollen wir hoffen, daß eine umsichtige Gesetzgebung und kommunale Verwaltungen schritt­weise den rechten Mittelweg finden im Ausgleich zwischen solchen Forderungen einerseits und den notwen­digen Rücksichten auf das Privairecht anderseits unter Vermeidung bedenklicher Konsequenzen.

Es handelt sich um ein Ziel, das auch die Kirche in ihrer Liebe zum Volkswohl nur herzlich begrüßen tarn. In vorzüglicher Hochschätzrmg A. Kard. Sertram."

Zur Zrage der Beteiligung von Uulturkampsresten.

Von Prof. Dr. Hilling, Freiburg i. B.

Für die Eingehung der Ehe bestehen in Doutsch- kand gesetzliche Bestimmungen, die unter den Begriff der Zivilehe fallen. Es ist nicht nur die Zwangs­zivileheschließung vorgeschrieben, sondern auch bestimmt, daß diese ^gesehen von der Lebensgefahr eines der Brautleute, unbedingt der kirchlichen Trauung vor­auf g e h e n muß. Wenn ent Geistlicher diesen Vor­schriften zuwider die kirchliche Trauung vornimmt, wird er nach § 67 des Zivilstandsgesetzes vom 6. Fe­bruar 1875 (RGBl. S. 23 ff.) mit einer Geldstrafe vis zu 300 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Mo- Ptiten bestraft. Lange Zeit hindurch galt diese Straf* oktion auch für die Trauung auf dem Sterbebett, erst das Emführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch vom 18. August 1896, Art. 46, hat diesen Fall aus- genommen. Neuerdings haben die Pfarrer der Graf­schaft Mark in Westfalen in einer Eingabe die Zen- strumsfrccktion des Reichstages oufg-e fordert, dafür eiir- zutreten, daß das Verbot der kirchlichen Trauung vor der standesamtlichen aufgehoben und den Geistlichen die Vornahme der kirchlichen Eheschließung freigegeben werde.

Dieser Antrag ist vom religiösen und rechtlichen Standpunkte aus sehr zu begrüßen und wärmstens zu unterstützen. Als in den 90er Jahren des verflossenen Jahrhunderts in Italien dasselbe Gesetz eingeführt wer­den sollte, hat kein Geringerer als Leo X in. sich in einem Briefe cm die Bischöfe Venetiens vom 8. Fe- teuer 1893 Acta Sancta Seins 459 ff. aufs

Die Jagb nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Bewahre!" erwiderte dieser.Ich war damals, *ie schon öfters, vorübergehend mit der Führung der Kasse betraut, entnahm derselben die dreitausend Mark und verbuchte den Scheck! Soll ich wegen der restie- renden Summe direkt an Herrn Hohenfels schreiben, oder was raten Sie mir zu tun?"

Lasten Sie mich die Sache überlegen, Herr Firn­haber, in den nächsten Tagen sage ich Ihnen dann Bescheid"

Kurt Firnhaber wurde jetzt von einem seiner Freunde n. Anspruch genommen und Friedwald konnte unge­stört über das Gehörte nachdenken. Es verhielt sich alles zweifellos so, wie er vorausgesetzt hatte. Max Hohenfels hatte feine Stellung an der Kaste der Jndu- ftriebant benutzt, um sich heimlich Geld zu verschaffen, und seine, Fnedwalds Hand war es gewesen, den Freund von dem schmählichen Verdacht zu reinigen. In seiner Erregung cdjtete er nicht auf die Trauerzere­monien, welche in der Kapelle des Friedhofs, wo der Leichenzug mitllerweile ongelangt war, vorgenommen wurden: er sah nur den hohen Mann mit dem bleichen, vornehmen Gesicht, der dort in fester Haltung an der Bahre des dahingesch,ebenen Sohnes stand und schmerz­lich durchzuckte ihn der Gedanke, daß er dazu berufen sei, seinem :m Punkte der Ehre so außerordenllich fein­fühlenden Ehes einen Schlag ju versetzen der gewiß den innersten Lebensnerv traf. Konnte er' das? Ver­mochte er dem Manne, der ihn fast ein Jahrzehnt lang mit Wohlwollen überhäuft hatte, den Glauben an die makellose Ehre des dahinqeschicdenen Sohnes zu neh- men? Aber konnte er anderseits den Verdacht auf fei­nem Freunde Karl Hochfeld ruhen lasten und dann Karls Vater hatte die ganze unterfchlagene Summe von über 10 000 Mark derDeutschen Jndustri-bank" ersetzt und damit gewiß ein für seine Verhältnisse schweres Opfer gebracht muhte er, Wich lm Friedwald da nicht alles tun. damit dem braven Manne der zu'Un- recht erlittene Verlust wieder ersetzt wurde durch Herrn Albrecht Hohenfels?

Don Zweifeln darüber .gequält, was er tun oder talien sollte, begab sich Wilhelm Friedwald, nachdem dick

allerschärsstu gegen diesen Plan ausgesprochen.Sr usurpiert," so sagt ter Papst,die Rechte der Kirche, behindert und fesselt die kirchliche Tätigkeit zum größ­ten Schaden der Seelen, verletzt die gerechte Frerynt der Bürger und Katholiken, befördert und tefeftigt me unerlaubten Verbindungen, bereitet neuen Aergermsim und sittlichen Unordnungen einen wetten Weg urch macht den Zwiespalt zwischen der Kirche und der staat­lichen Regierung immer tiefer." Es wurde an dieser Stelle zu weit führen, auf jeden einzelnen Puntt ms Verdiktes Leo Xin., von dem auch das deutsche Ziml- standsgesetz vom 6. Februar 1875 betroffen wird, näher mnzugehen; ich muß mich vielmehr damit begnügen, nur die wichtigsten hervorzuheben.

Der Hl. Vater bezeichnet das Verbot der kirchlichen Trauung vor der standesamtlichen als einen Ein­griff in die Freiheit der Kirch: und der einzel­nen Katholiken. Dieses ist durchaus zutreffend. Denn die kirchliche Eheschließung ist eine religiös und für die Katholiken sogar eine sakramentale Handlung, deren Vornahme jedermann freicrstellt sein sollte, zumal die neue deutsche Reichsverfassung vom 11. August 1919, Art. 135 die ungestörte Roligionsübung gewährleistet und unter staatlichen Schutz stellt. Da nun das staat­lich: Verbot den Empfang des Ehesakarmentes wenig­stens zeitweise verbietet, d. i. bis zur Vollziehung der standesamtlichen Trauung, so bedeutet es einen Ein­griff in die freie Religionsübung der Katholiken, der von niemand in Abrede gestellt werden kann. Ebenso ist es gegen die Freiheit der Kirche gerichtet. Denn die Bestimmung darüber, wann und unter welchen Bedin­gungen eine kirchlich-religiöse Handlung vorgenommen ober eilt Sakrament gespendet werden darf, -st die ur­eigenste Angelegenheit der Kirche, in die der Staat prinzipiell nichts hineinzureden hat. Aus diesem Grunde verstößt das noch bestehende Verbot der kirch­lichen Eheschließung auch gegen den Grundsatz des Art. 137 der Reichsverfassung, wonach jede Religionsgesell­schaft ihre Angelegenheiten selbständig ordnet und ver­waltet.

Ferner charakterisiert das Oberhaupt der katholi­schen Kirche das Eheverbot als eine Gefahr für die christliche Zucht und Sittlichkeit. Dieser Vorwurf wird uns in feiner ganzen Schwere einleuchten, wenn wir bedenken, daß häufig junge Leute oder Ausländer in einem sündhaften Verhältnisse leben, das wegen der entgegenstehenden staatlichen Altcrsvorschriften oder mangels der erforderlichen Heiratspapiere nicht in eine legitime Ehe umgeroanbett werden kann. Trotz d:s guten Willens und trotz der hilfreichen Hand, die die Kirche ihnen emgegenstreckt, werden infolge des staatl. Verbots viele Personen veranlaßt, ihre unerlaubte Ver­bindung fortzusetzen und zum Aergerniste aller Guten Sünde auf Sünde zu häufen. Es ist daher nur zu sehr begreiflich, wenn sich der Pavst als der oberste Wächter des Sittengesiches für die Katholiken gezwimgen sah, gegen das staatliche Gesetz als einen Fallstrick der Sittlichkeit feierlich Verwahrung einzulegen.

Die Pfarrer der Mark befinden sich nach dem Gr- sagten mit der höchsten kirchlichen Autorität im Ein­klänge, wenn sie die Aufhebung des alten Restes der Kulturkampfgesetzgebung fordern. Das staatliche Ver­bot der kirchlichen Trauung muß auch deshalb verschwin­den, weil es ein gehässiges Ausnahmegesetz gegen d i e Pfarrer darstellt, die um der Pflege der Sittlichkeit willen gegen das staatliche Verbot eine kirchliche Trauung vornehmen. Endlich erscheint es auch ungereimt, wenn einerseits Art. 136 der Reichs- Verfassung den Behörden verbietet, sich, abgesehen von bestimmten Fällen, darüber zu erkundigen, ob und in welcher Kirche jemand getauft ist, andererseits aber § 67 des Zivilstandsgesetzes es den Staatsanwälten zur Pflicht macht, darüber nachzuforschen, ob jemand kirch­lich getraut ist oder nicht. Man lasse daher die staatliche und die kirchliche Eheschließung ihre eigenen, völlig selbständigen Wege gehen! Die staatliche Eheschließung wird bei diesem Verhalten um so weniger Nachteil erleiden, als die Nupturienten aufs höchste interessieren wird, um der Legitimität und des Erbrechts der Kin­der willen dcr kirchlichen Eheschließung di: bürgerliche sobald als möglich nachfolgen zu lassen. Außerdem wird kein katholischer Priester, der eine kirchlich: Trau­ung vor der standesamtlichen vornimmt, es uitterlassen, die Bautleute auf die Pflicht ter Ziviltrauung aufmerk­sam zu machen.

Hus der Zentrumspariei.

b. Zenlrmnsarbeii im Frei stank Danzig. Reiche Län- terstrecken sind durch bon VsrsaillÄr Vertrag vom deuk- schm Volkskörper losgeriffen worden. Mit tiefem Schmerz denkt der Deutsche an die von uns getrennten Drüber jen­seits der Grenz en. Mit aufrichtiger Freude aber dürfm

Beerdigung zu Ende war, auf den Heimweg. Ehe er überhaupt etwas in der Sache unternahm, mußte er vorerst am nächsten Tage aus Grund der noch vorhan­denen Kassenbelege feststellen, daß sich alles so ver» hielt, wie es von Kurt Firnhaber erzählt worden war: dis beiden Schecks von je dreitausend Mark, sowohl der, welchen Karl Hochfeld an der Kasse präsentiert hatte, wie derjenige, welcher dem Sohne der Firma ge­geben worden war, mußten sich ja in den abgelegten Papieren vorfinden; auch das Kassenbuch mußte die be­züglichen Eintragungen enthasten; was dann weiter zu tun war, darüber wollte Friedwald gründlich mit sich zu Rat gehen. Sein Taktgefühl verbot ihm, die Sache schon jetzt in Fluß zu bringen, nachdem der erste Schmerz um den verlorenen Sohn bei Herrn Albrecht Hohenfels noch nicht überwunden war; vorläufig wollte er schweigen und war es vielleicht am besten, bevor irgend etwas geschah, feinem Freunde Karl Hochfeld, dem Hauptinteressierten in der ganzen Angelegenhelr, von dem, was er erfahren, Mitteilung zu macken.

Unter diesen Erwägungen war Wilhelm Friedwald in feinem behaglichen, in der Nähe des Geschäftes ge­legenen Lunggesellenheim angekommen und beschloß, den schönen Nachmittag zu einem Ausflug in die rei- zende Umgebung zu benutzen. Bei seinem Eintreten reichte ihm seine alte Wirtin einen Brief, den ein Eil- bote vor einer Stunde gebracht habe und der, wie sich der Empfänger sofort Überzeugte, die Schriftzüge Karl Hochfelds trug. Neugierig, was der Freund ihm so eilig mitzuteilen habe, öffnete er das Schreiben und sah zu seiner Verwunderung, das dasselbe recht umfangreich war, wie er es seither garnicht an Freund Karl ge- wöh'it gewesen. Das mußte ja ganz etwas Besonderes fein!

Der Brief lautete:

Lieber Wilhelm! Du, meine Schwester Hedwig und Fräulein Emilie Hohenfels Ihr seid die Einzi­gen gewesen, welche mir in den schwersten Stunden meines Lebens nicht untreu geworden sind, die an mick glaubten, ttotzdem der Schein gegen mich war. Wie dankbar ich Dir die treue Gesinnung im Herzen trage, das sollst Du daraus ersehen, daß Du der Erste bist, gegen welchen ich mein damaliges, jedem rätselhaft er- scheinendes Schweigen breche. Mein Wort band mich, mein Ehrenwort das ich einem Manne gegeben hatte und das ich unter allen Umständen halten mußte Ich

mir vernehmen, daß sie alle m Treue ine deutsche Art bewahren wollen, tote auch wir ihnen ine Treue hauen werden. Uns Zentrumsanhänger interessiert es ganz besonders, ob die ehemaligen Parteifreunde auch, wem sie nicht mehr MM deutschen Staatenoerbande ge­hören, die Fahne des Zentrums hochhalten. Die Nummer 14 desZentrum" vom 1. Dezember 1921, Haw- monatsschrift für politische Bildung, herausgogeben vom Reichsoeneralsekretariat dar deutschen Zentrumsparksi, Ber- tin g, Französische Str. 62, bringt zwei vorzügliche Aussätze, die uns zeigen, daß auch im Freistaat Danzig eine kleine Schar von Zentrumsfreunden unter schwerigen VechAtrnfflen treu zur alten Zentrmnssahne steht. Psar- ver B Lemke schreibt im allgemeinen Tell über die Zcntrirmspartei in der freien State Dcmyig, während un besonderen Teil unter Rubrik: Wmdhofftbunddewegiung ein kürzerer Aussatz über die Zentrumsjugcndbewegung im Freistaat unterrichtet. Die Danziger Freunde haben am 4. Dezember d. I. ihren ersten Parteitag im neuen Staat e. Pfarrer Lemke schreibt dazu:Wie würden uns freuen, Gäste aus Deutschland bei uns zu toben" Nach Danzig zum Parteitag zu fahren, wird wohl den wenmste-n möglich säte. Aber unferer dortigen Parteifreunde zu gedenken unö den dortigen Bestrebungen Interesse zu schenken, werden tot nicht verabsäumen. Gleichzeitig möchten wir nicht ve.schlen, aus den weite­ren reichem Inhalt der Nr. 14 hinzmoo-sen. Sie bringt im allgemeinen Test noch folgende Artikel: Dr. Emil «m den Boern:Zum Aufbau der industriellen Unter- nebmunoen"; Pros. Dr. Lösitor:Wendepunkte der aus­wärtigen Politik seit 1890" (Fonsetzung); Dr. H. Zeck. Die freien Gewerkschaften"; Dr. H. Bockel:Die deut­schen Eisenbahnen"; (Benerat der Inf. a. D. Exzell. Le- ams:Die Wachingtoner Konfsrenz". Der besondere Test bietet neben der parlamentarischen Rundschau von Dr. Buhla, in dar die breite Koalition in Preußen be­handelt wird, gleichfalls roieto reichhaltiges Material aus der PartaiarbÄt.__________ _

Zum Kommunalöcrtretertag der Zentrumspartei veu-fchiands.

Unter dem Vorsitz von Verleger Lambert Lenfing- Dortmund traten am Montag die Teilnehmer der 5. Za« gimg der KommunÄpolitischen Bereinigung der Zeninwis- partct Deutsckstands in Dortmund zur 3. allgsme-nen Der- fammfarg zusammen. In Vertretung des Oberpräftdemen von Sßkftfa'en üb erbrachte Regierungsrat Dr. Hettlage Grüße und Dank des Oberpräsidenten.

Oberregierungsrat Dr. v. D u l tz i g vom Staatskom- mifflariat für die Verwaltungsreform referierte in längeren Ausführungen überDie Grundlagen der Kom­munal - Be rfa ffun g s r e fo rm". Vor ©intott in die eigentliche Materie betonte er, daß er sich nur darauf beschränken wolle, die Pläne des Staatskommissariats vor der Versammlung zu entwickeln. Er erörtert des näheren die Stellung des StaÄskommissars zu den Ministerien einerseits, zum Parlament andererseits. Das Staats- komMsfariat sei eine Körperschaft zur Vorbereitung der Dorwawu.ngsreform, denn letzten Endes bestimmen bie einzelnen Minister, was dem Parlament vorzulegen sei. Auf diese Weise sei es zu einem Gesetz über die Verwal- tungsresonm noch nicht gekommen, denn die Ministerien hätten dm Entwurf des Staatskommissiariais entgegen« genommen, aber ein Gesetz sei an dm Landtag noch nicht gebracht wordm. Es hätten auch in den Ministerien ver­schiedene Entwürfe existiert, diese seien aber immer wie­der zurückgezogen worden. Stogorwaid habe währmd seiner Amtszeit die Meinung vertreten, die Derwaltungs- reform müffle als dringendste Aufgabe der neuen Regie­rung betrachtet werben. Hebest den Weg aber, den die Reform zu gehen habe, scheint nun die neue Regierung artterer Ansicht geworden zu fein. Denn der Innen­minister Seoering habe einem Zeitmrasoertrcter gegen­über erklärt, er wolle die Entwürfe erst dann Bin» bringen, wenn sie in einem interparlamenta­rischen Ausschuß beraten worden feien. Hierin liegt nach ber Ansicht des Staatskommissariats sine lieber« treibung des Parlamentarismus. Denn nach diesen Er­fahrungen feil mit dauernden Neubearbeitungen zu rechnen und die Dvrwuttungsrefovm werde dadurch verlangsamt. Dis Zentrumspartei habe daher richtig gehandelt, als sie den Antrag stellte, diese Dinge aus der Zuständig­keit der wechselnden Ministerien hrauszunehmm, um sie einem eigenen Staatskommissar für die Derwattungsreform zu übertragen, der das Gesetz an den Landtag bringen soll. An der Haltung ter Sozialdemo­kratie sei dieser Plan gescheitert. Der Weg über die Ministerien scheint Nicht zu umgehen. Der Redner spricht weiter über tee Verbesserung der Selbstverwaltung, außerdem über Einizelsragen wie über die Art ter Em- gemäiubung und überhaupt über das Verhältnis der Staatsverwaltung zur Gemeindeverwal­tung. ,

UeÄsr oie Refiorm der Städteordnung spricht der ßaribtagsabg. Sprenge r-Gelsenkirchen. Er ist dar Meinung, die kommunalpolitische Bereinigung müsse tabeht, daß Regierungen und Parlamente die finanzielle BerkoppeMng zu spät erkannt und nicht verhütet hätten, daß man tiefe Eingriffe in die Steuerhoheitsrechte der ©mneinben mache und den ©emeinten Stuftragsaufgaben aufbüirte, die ihnen dsm Wesen nach als ©emeinteauf»

mu ß tc diesem Ma.nne beweisen, daß auch das von einem Manne meiner Lebensstellung gegebene Ehren­wort diesem unter allen Umständen und selbst dann heilig ist, wenn Gut und Blut, Namen und Ruf au) dem Spiele stehen. Heute bin ich meines Wortes em- bunden, das heißt nur gegen meine Angehörigen uns, auf mein ausdrückliches Verlangen hin, auch gegen Dich! Ich sehe Dein verständnisloses Kopflchütteln beim Lesen dieser Zeilen, lieber Wilhelm, und errate Deine Gedanken, die sich in der Frage konzentrieren: Ist denn der Kerl' vollständig übergeschnappt, daß er mir jetzt neue Rätsel zu lösen aufgibt? Nur Geduld! Einfach will ich Dir erzählen, was vorgegangen ist, damit Du im Stande bist, Ztr mit Deinem klaren Geist ein Ur­teil zu bilden und mir den Freundesrat au geben, dessen ich in meinem Dilemma dringend bedarf. Ich weih, Du triffft stets das richtige!

Also gestern abend fang ich den Max imFrei­schütz", eine Partie, die mir recht gut liegt. Der Beifall war denn auch ein befriedigender; nach jeder Szene wurde ich gerufen und der Direktor sowohl wie der Kapellmeister äußerten sich in den Zwischenpausen recht anerkennend über meine Leistung. Am Schlüsse der Oper ich stand noch im Kostüm in der Garderobe näherte sich mir der Theaterdiener und teilte mir mit, daß ein alter, vornehm aussehender Herr mich in dem neben dem Theater gelegenenCafe Bristol" erwarte. Und wer glaubst Du wer es war? Der alte Baron Greiffenstein, der, von seiner Auslandsreise zurückgekehrt, unsere Stadt passierte und zufällig das Theater besuchte, wo er mich gehört hatte. Wilhelm ich hätte dem alten Herrn um den Hals fallen kön­nen, als ich ihn sah; wie der Erlöser aus aller feefi. schon Pein kam er mir vor denn er ist ja derjenige jetzt darf ich es sagen, dem ich mein Wort gegeben hatte, unverbrüchlich über jenen unglückseligen Scheck zu schweigen! Und weißt Du, warum? Ganz einfach; "-Hf mir Baron Greiffenftein besagten Scheck für einen Dienst aufdrängte, den ich ihm erwiesen, für einen Dienst, der allerdings dem alten Herrn aus schweren Verlegenheiten half. Wieder ein Rätsel! wirst Du denken aber nur Geduld in logischer Reihenfolge soll sich alles vor Dir entwickeln.

Du erinnerst Dich doch, daß vor einem Jahr dem Baron Wertpapiere im Betrage von etwa 150 000 Mk. durch Einbruch entwendet wurden, die er in unbegreif»

gaben fremd seien, ohne dabei zu bmichlchsigen, ob tee Gemachte zur Tragung der Kosten insitante sei. Er zieyt das Reichseinkommensteuergesetz als Beüpiei an urw for­dert, daß die Finanzhilfe mit der Reform ter Statee- ortewg verkoppel: werde. __

Der Santeagsabg: Landrat Dr. L o e n a r tz-Bmmrg (Rh'd.) kritisiert die heillose Verworrenheit, ine mbezug auf die Venvattungsreform herrsche.

Die Nachmittagssitzung brachte die Diskusswn über tee am Vormittag behandelten Themata. Es wurde folgende

Entschließung

angenommen:1. Die Kcmmunalpolitische Vereinigung betrachtet eine starke Selbstverwaltung ter Stabt- unb Lanbgsmemten und Gemeindeverbände als Grunidlag: der Gesundung ter Länder und des Reches.

2 Sie verlangt, daß die Selbstoerwaltung nicht durch Eingriffe finanzieller Art unb durch Dermeh- Eg ter ronrmtmafen Aussichtsstew eingeschränkt unb haß' der Selbstverwaltung nicht neue Ausgaben übertragen werden, ohne zugleich die Mittel zu deren Durchführung zu überweisen. 3. Die Kommunipolitische Vereinigung verlangt, daß die Derwaltungsreform baldigst unb einheitlich von der zuständigen politisch verantwort­lichen Stelle zur Beratung gestellt wud. Die Vereinigung spricht hierbei tat dringenden Wunsch aus, von der' Zenti-umsfraittion des proußischen Landtages zur Vorberatung hsrangszogen und berücksichtigt zu weiten.

Nach einer lebhaften unb interessanten Erörterung der Sch ul frage ward dann ter frühere Vorstand »toter- gewählt, und durch fjerrn Leppelmann-Rohrup und Herrn Henrze-Ptotersheim ergänzt. Senator Dr. Meyenberg» Hilbecheim schloß dann die Tagung mit einigen Worten tes Dankes an de Redner und Teilnehmer.

Ous Oherheffen und den hessischenAemtern.

Marburg. Bei einer hier vorgenommen polt» zeilichen Nachsuchung in sämtlichen hiesism Ko- lonialwarengeschäfton wurden in verschiedenen Geschäf­ten größere M-:ngen Kaffee, Zucker, Hülsenfrüchte ufw. festgestellt. Eine Beschlagnahme konnte nicht startfinden, weil die Geschäflsbefitzer erklärten, daß sie diese Waren zu den alten Preisen ob gehen und nichts zurückgehalten würde. In d:n Ortschaften südlich unserer Stadt macht sich eine Bewegung gegen die von ter Marburger Stadtverordnetenversammlung beschlos­sene Lahn^regulierung innerhalb des Stadtge­biets seltend. Es wird befürchtet, daß dadurch die Hochrvassergefchr in den betreffenden Gemarkungen vermehrt wird. i

spd. Marburg. Nach dem Vorbild des Frank-'

furter Nageltchluckers hat ein hiesiger junger Mann? im Gefängnis zahlreiche Nägel und Nadeln! versckluckt. Ec mußte in ärzliche Behandlung ge­geben werden.

Vermischtes.

* Ein RiesenMfchäfl schloß ein Gsttinger Großhänd­ler mit holländischen Aufkäufern ab, in­dem cr ihnen einige Waggons Steingut und Porzellan, zum großen Teil sog. Ladenhüter, die im In­land schwer unterzubringen waren, für 250 000 Gulter vnkaufte. Das sind bei der jetzigen Valuta etwa 27 Millionen Mark. Trotzdem haben die Holländer noch ein guts Geschäft gemacht, und so ziehen alle Beteilig­ten Nutzen: Verkäufer, Käufer und das Finanz­amt, das den Löwenanteil an diesem Valutageschäft einziehen wird.

* Der Wiederaufbau der deutschen Schlfsahrk. Auf der Dulkanwerft lief jetzt das zweite für den Norddeutschen Lloyd in Bremen erbaute Schiff vmn Stapel. Es ist ein Schwesterschiff des zuletzt vom Stapel gelaufenen DampfersM i n d e n" und hat eine Tragfähigkeit von 6500 To. Es ist 100 Meter lang. Das Schiff hat den Namen Port a" erhalten und ist für Fracht- und Pas­sagierfahrten bestimmt. Der DampserMinden", deflen Ausbau jetzt fertiggestellt ist, hat mit Ver­tretern der Direktion des Norddeutschen Lloyds un­mittelbar nach dem Stapellauf derPorta" seins Probefahrt angetreten und wird nach einem guten Verlauf der Fahrt nach Bremen weitergehen, um an die Reederei abgeliefert zu werden.

* Die Mosel zugefroren. Die Mosel ist fett Don­nerstag von ter Mündung an bis weit in den Oberlauf hinvin vollkommen zugefroren, ein feil Menschmgedenken nicht dagewesenes Ereignis. Der Rhein war bis jetzt noch vollständig eisfrei und führte auch kein Treibeis zu Tal.

* Ein Riefenfchmuggel-Prozeß. Bor dem Ol­denburger Landgericht kam ein Schmuggelprozeß zur Verhandlung. Angeklagt waren zahlreiche Viehhändler, Kaufleute und Zollbeamte. Die Ur­teile gingen bis zu 5 Monaten Gefängnis und 420 000 Mark Geldstrafe.

sicher Sorglosigkeit in seinem Palais aufbewahrt hatte/ anstatt sie den Safes einer soliden Bank anzuvertrauen. Auf die (Ermittlung der Täter und die Wiederherbei- schafsung der gestohlenen Werte setzte Baron Greiffen- stein eine Belohnung von 5000 Mark aus. Ein Zufall sühne mich in meiner Eigenschaft als Kassierer der deutschen Industriebank auf die Spur des Diebes unb weißt Du, wer derselbe war? Niemand anders als der eigne Sohn des Barons! Was hat der alte Herr wegen diefes durch unb durch mißratenen Sprößlings schon ausgestandenl Ein öffentliches Geheimnis ist es, daß der junge Baron wegen einer sehr ehrenrührigen Angelegenheit als Offizier seinen Abschied nehmen mußte; mit Mühe unb Not im Staatsdienst unter­gebracht, hielt er es darin kaum ein halbes Jahr aus unb führte babei ein Leben, baß wegen gänzlicher Zer- rüttung feines Nervensystems feine Uebersührung in eine Nervenheilanstall erfolgen mußte. Aus dieser ent» wich er heimlich unb führte den bewußten Diebstah! bei seinem Vater mit einer Verschlagenheit aus, dast eine Entdeckung niemals erfolgt wäre, wenn mchi nich. wie schon bemerkt, der Zufall auf die Spur geleite, hätte. Wie dies geschah, tut nichts zur Sache genug ich war imstande, dem alten Baron sowohl Über den Täter, wie über den Verbleib der Papiere erschöpfende Auskunft geben zu können, so daß die letzteren mit Be­schlag belegt unb dem Eigentümer wieder zugestellt werden konnten. Die ausgesetzte Belohnung schlug ich aus, da es mein Ehrgefühl nicht litt, mich für einen Dienst, den jeder anständige Mensch dem Herrn ge­leistet haben würde, bezahlen zu lassen unb bat nur den alten Herrn, bei ber Vergebung der Arbeiten an seinem neuerbauten Schloß Greiffenstein meinen Vater zu be­rücksichtigen. Mit seiner gewohnten Liebenswürdigkeit sagte er mir dies zu und nahm mir nur mein Ehren­wort ab, von dm ganzen Handel gegen niemanden, wer es auch sei, ein Wort verlauten zu lassen, da es ihm allerdings höchst peinlich sein mußte, wenn die Tat feines Sohnes bekannt unb fein Name bamit an den Pranger gestellt worden wäre. Unb ich mochte mich wehren wie ich wollte der Baron drängte mir den unglückseligen Scheck von 3000 Mark auf; von ter An­nahme desselben machte er die Vergebung ter erwähn ten Arbeiten an meinen Vater abhängig

(Fortsetzung folgt.)