Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.
48. Zahrg
Samstag, 3. Dezember 1921
Nr. 278
diesem
Tone weiterreden.
der vor das
Im Staßfurter Hochverratsprozeß, gegen 35 Kommunisten seit dem 17. November dem Reichsgericht geführt wurde, erging jetzt Urteil. 16 Angeklagte wurden freigesprochen.
von -er Abrüstungskonferenz
liegen neue Meldungen nicht vor. Nachdem man in den öffentlichen Verhandlungen in den schwebenden 3 Fragen bisher zu keiner Einigung har gelangen können, scheint man jetzt toie.'et seine Zuflucht zu geheimen Verhandlungen genommen zu baden. So haben solche zwischen Japan und China über Schaniung stattgeiunden und es beißt, daß die Aussichten sür eine Bei ständigung über Chiua sich bedeutend gebessert hätte'
Bezugspreis: Monatlich 5.03 Mt. zugestelli frei ms Haus- z AbqehoU in der Gejchästsst, lle 4,60 2ÜL > Anzeigen: Kleinzeile nachLo » one lmaß 1 ZKart; Retiamezeiie (lepbreiie> nach Colone maß 3 -tilor..
Brian- heimgekehrt.
Briand ist von seiner Amerika-Reise nach Frankreich zurückgekehrt und in Le Havre gelandet. Kaum hatte er wieder französischen Boden unter den Füßen, so hielt er eine Rede, in jener Tonart, die allmählich allen normalen Menschen bis am Halse stehen muß.
„Briand pries die moralische Kraft Frankreichs . . . Frankreich (einschließlich der Senegalneger?) habe die furchtbare Ehre, der Soldat der Zivilisation und Freiheit zu sein." • Nächsten Dienstag wird Briand in Paris in der französischen Kammer in diesem
hochverratsverfahren gegen kommunistische Mhrer.
Beim Reichsgericht ist gegen die kommunistischen Führer Bowitzky und Lemcke ein Strafoer- frchren wegen Hochverrats anhängig gemacht worden. Bowitzky intb Lemcke sind diejenigen kommunistischen Rät^jsführer, diedurchdieEnthüllungender bei Frau Zetkin beschlagnahmten Papa piere aufs schwerste belasst sind.
Außerdem ist beim preußischen Landtag vom Reichsgericht die Genehmigung zur Strafverfolgung des kommunistischen Landtagsabg. Hugo E b e r l e i n wegen Hochverrats nachgesucht worden. Die „33. Z. am Mittag" will wissen, daß die beiden Führer des mitteweutschen Kommunistenaufstande- Lemcke und Po- witzky vor ihrer Verhaftung nach Rußland entflohen sind.
Richard Loose, der von zwei Berliner Polizeibeamten angeschossen wurde, als er nach seiner Ver- Haftung zu fliehen versuchte, ist kurz nach seiner Einlieferung in die Gefangenenabteiluna der CharrtS gestorben. Die Untersuchung des Falles durch das Berliner Polizeipräsidium ergab, daß die Be- amten vollkommen nach ihren Vorschriften gehandelt haben. Laut ,B. Z. am Mittag' stellte der Ponzer- Präsident gegen die Redaktion der ,Rolen Fahne Strafantrag, weil sie behauptet, daß Loose vov den Beamten ermordet worden sei.
Die erfolgreiche Mitte in Hessen.
Die Wahlen in Hessen zeigen in ihrem Ergebnis ein ganz ähnliches Bild wie die badischen. Es ist üblich geworden, bei allen Wahlen einfach von vornherein einen „Ruck nach rechts" zu behaupten. Was in Berlin bei den Gemeindewahlen zu verzeichnen war. ist allerdings ein Ruck nach rechts. Das kommt zweifellos von den Erfahrungen, die man dort mit dem Berliner Radikalismus gemacht hat. Dagegen zeigen die Wahlen sowohl in Baden als in Hessen eine Konzentration nachderMitte, einen Ruck also von rechts nach links und von links nach rechts. Hier konnte der Radikalismus von vornherein nicht feine Rolle spielen, die er anderorts, im Süden z. B. in München, und fast im ganzen Norden gespielt hat. Man kann diese Konzentration nach der Mitte zu in Hessen wie in Baden zahlenmäßig nachweifen. Dock- wollen wir dies hier nicht tun und bloß die allgemeine Tatsack-e festnageln, daß bei den beiden genannten Wahlen ebenso die äußerste kdeutschuatio- nale) Rechte wie die äußerste (unabhängige und kommunistische) Linke unverhältnismäßig st a r ke Verluste erlitten hat. Das ist bezeichnend. Weiter ist bemerkenswert, daß die Mehrheitssozialdemokratie gegenüber 1920 in beiden süddeutschen Staaten prozentual besser abschneidet und das Z e nt r u m, die eigentliche Partei der Mitte, die größte Beständigkeit zeigt. Don dem hessischen Zentrum schreibt z. D. die deutschliberale „Köln.
T-cH'ÄMch ist bte Position «es Zentrums jetzt so, daß es, nachdem es m der KoaSion mit 12 Summen gegen die atff 5 gesunkenen Demokraten als st ü r k st e bürgerliche Partei die Vorhand hat, glatt die alte Koalition sprangen kann. 2m alten Landtag hätte dem Zentrum ein solcher Densuch nie gelingen können, do die Sozioi-demokrvten (31) urÄ Demokraten (13) Rammen mt 44 Stimmen auch ohne dos Zentrum eine Mehrheit bAdeten. Das ist heute nicht mehr dar Fall. Sozial, demolraetn und Demokraten veMcten zusammen nur noch über 30 Stimmen, also eine glatte M'mdecheit. .Die Machtposition des Zentrums ist also außerordentlich gestärkt wotden und sie wird sich, wenn die alte Koalition wieder zustande kommt, irgendwie schon gellend machen, da das, frühe« Gegengewicht. eine starke sozialdemokratische Frat-> ticm in DerbnÄmng mit einer dem Zentrum gleichmäßigen bcaiokrMchsn Fraktion, stark geschwächt worden ist . . .
„Gemessen an dem prozentualen Anteil der einzelnen ^arteten an den gesamten Stimmen der Reichstags mahl 1920 kann die Sozialdemokrat« sogar noch eine kleine prozentuale Steigerung buchen. Zwoe hot sie ebenfalls ihren Anteil an dem allgemsmen Strmmemuckganp und infolgedessen «ine tatsächliche StimmeneÄchuße, doch ist diese weit geringer, als der allgemeine Stmunenrückgong ousmacht. Nach dem Zentrum hot die Sozialdemokratische Partei den geringsten prozentualen Stimmenausfall." w
Dieses Ergebnis stellt, fo schreibt ganz richtig der „Bad. Beob. , einen gewiflen Typus dar. Gerade so ist es typisch, daß dieDeutschnationalen ihre Wähler hauptsächlich an wirtschaftliche Sondergruppen abgeben, denen das eigene Interesse die Hauptsache ist. Wer sich erinnert, daß Adam Röder immer behauptet hat, die Deutschnationalen bekämen Zulauf aus Kreisen, denen ihr ei genes Interesse am höchsten st e h e, der kann das leicht verstehen. Die rein negative Politik der Deutschnationalen kann natürlich niemand auf die Dauer befriedigen, so wenig wie die der Linksradikalen. Daher der Ruck nach der Mitte zu, trotz der Bemühungen des Herrn Martin Spahn gegen eine Politik der Mitte.
Die treuen ZenlrumswMer im Vogelsberg.
Bei den hessischen Landtagswahlen sind im Kreise Lauterbach 642 Zentrums st immeu abgegeben worden, von denen der weitaus größte Teil auf Herbstein entfällt. Auf die dcutschnmioimle Liste entfielen in dem kqchol. Herbstein ganze 4 Stimmen, obwohl Genua! v. Gallwitz, der Vorsitzende des Katholikenausschusies der Demschnationalen selbst in ein-r Wahlversammlung als Redner angekündigt war. In den 4 kcuholffchen' Dörfern des fogn. Katzen- grunbes (Kr. Alsfeld) werden über 700 Zentrums- {t immer >md nur 12 andere gezählt.
Die Annahmen -er Reichseisenbahn.
Wie amtlich mitgeteilt wirb, betrugen die Einnah- men der Reichs-isenbahn im Oktober im Pylonen, und Gepäckverkehr 596 Millionen Mark gegen 390 im Oktober des Vorjahres, im Güterverkchr 2096 Mül. gegen 958 im Oktober 1920.
Nimmt matt die Zuschüsse aus den sonstigen Quellen noch hinzu, so ergibt sich für den Oktober 1921 eine GesamieimdLhme von 2825 Millionen gegen 1400 Mill, im Vergleichsmonat 1920. Don April bis Oktober wurden im P'rioneir- und Gepäckverbehr 3883 Millionen gegen 2718 Millionen im gleichen Zeitraum de, Vorjahres aufgebracht, ini Güterverkehr 11850 Mill gegen 6232 Millionen 1920.
Dies ergibt unter Hinzurechnung der sonstigen Eil» nahmen eine GesaMeinnahme von 16 299 Millionen von April bis Oktober 1921 gegen 9255 Millionen 1920. Gegenüber dem Voranschlag sind von April bis Oktober im Personenverkehr 507 Millionen mehr, iw Güierverkehr 793 Millionen weniger ausgekommen.
tonnt 6m MW M $nt SesmW!
Von Professor Grebe M. d. L.
r Dos deutsche Volk hat durch Krieg, Niedsrlage tmb Umsturz fein seelisches Gleichgewicht verloren und vermag den Boden der Wirklichkest noch immer nicht widerzugewinnen.
Wie ost ist nicht schon betont worden, daß eine innen» Erneuerung des ganzen Volkes Vorbedingung für die Gesundung Mtsercr Verhältnisse ist, daß nur die Abkehr von Materialismus und Eigennutz und die Hinkehr zum Geiste wahrer Volksgemeinschaft den Boden sür die Wiederherstel- ümg bereiten kann! Das deutsche Volk ist eine Rot- MMteinfchaft, als Ganzes einem grausamen Gläubiger verpflichtet und rvchrlos preisgegeben. Der Einzelne vermag sich nicht aus dem Schiffbruch zu retten; nur wenn es gelingt, das ganze Schiff zwischen den Klippen hindurch zu steuern, hat auch ixr Einzelne Aussicht auf Rettung: Zusammenfasien aller Kräfte, äußere Anstrengung für das Gemeinwohl erforiert darum nicht bloß die Pflicht gegen die Gemeinschaft, sondern die einfache Pflicht der Selbsterhaltung.
5n Wirklichkeit sehen wir fast überall das Gegenteil von dem, was mchrre Lage erfordert. Trotz der wachsenden Verelendung des Volksganzen glaubt der Einzelne seine Person gegen die Folgen schützen zu können; ja Tausende und Abertausende ziehen für sich aus der wachsenden Verarmung ihres Vollvs vorübergehend persönlichen Gewinn und schwelgen tatsächlich von unserem Elend. So sichen wir vor der merkwürdigen Erscheinung, daß eine Besserung unserer Finanzen die Börsemvelt nachdenklich und besorgt stimmt, das sprunghafte Hinabgleiten in den Bankerott die Geschäfte bel'M. Wilde Spekulation und Wucher saugen das letzte Mark aus dem Wittschaftskörper. Stärkste Steigerung der Gütererzeugung ist das dr ingen dste Gc b ot de r Stund.e Trotz alle- Dem werden irre wirtschaftlichen Kämpfe mit den alten Mtteln ausgetraxen. Unterbrechungeri der Arbeit sind häufiger denn j-, ein Streik l ö st den andern a b. Die Rücksicht auf die Gemeinschaft ist so geschwächt, daß man ohne Bedenken in einer Millionenstadt den Berk'chr lahmlegt, ja ihr sogar Licht und Wasser entzieht, um die Ansprüche einer kleinen Gruppe durchzudrücken, von Gemeinschaftsgeist ist da nichts zu spüren.
Politisch stchen wir e i n f a m da in der Welt, alle äußeren Machtmittel sind uns genommen. Eine einheitliche Dolk-stimmung wäre das einzige, was wir auch beute noch in die Wogschale werfen könnten. Leider ist sie nicht vorhanden. Rechts redet man im Stil der alten Zeit und hofft auf Rettung durch einen militärischen Diktator. Links glaubt man, der Umsturz des Allen sei noch nicht gründlich genug und sicht das Heil in einer Diktatur der Straße nach russischem Muster. Wenn nun wenigstens alles geschähe, um die (Sittern? rechts und links möglichst zu isolieren und einzuschränkchi, dagegen den Kern des deutschen Voltes zu zäher Arbeit zusammenzufassen! Slber die einen schielen ängstlich nach rechts, ob nicht die bedenkenlose Agilatioil der großen Worte ihnen bei den Wählern Abbruch hm könnte, dte andern sürchten rrach links Anhänger zu verlieren, wenn sie nicht auf die dort herrschenden Gedankengänge Rücksicht nehmen. Die Zahl derjenigen, die unbekümmert um rechts und links den Weg der Pflicht gehen und sich dem Unheil entgegenstemmen ist zu gering, um schnell sichtbare Erfolge erzielen, um vor allem im Lande Zuversicht, nach außen Vertrauen gewinnen zu können. In einer Zeit, wo es wirklich, wie Stegerwald sich einmal aus» drückte, einzig um die Frage geht, wie dem deutschen Volke das nackte Leben gerettet werden kann, vergeuden mir unsere Kräfte mit fruchtlosen Vorwürfen und Parteigezänk. Die Konferenz in Washington zeigt uns nur zu deutlich, daß wir nur noch ein Gegenstand der großen Polittk sind, aber nicht inchr aktiv Mitwirken dürfen. Die Reparationskommission prüft unsere Lage und droht mit neuem Zwang, wenn wir unfern Verpflichtungen nicht nach kommen. Unser Geld wird immer wertloser. Bald stehen wir vor der Un- möglichkett, die fehlenden Rohstoffe und Nahrungsmittel im Auslands zu kaufen. Wir aber km, als ob wir allein in der Well da wären, streiten uns um das beste Regierungs- und Wirtschafts- s d st e m, kommen aber nicht zu ernster, ruhiger Arbeit chff dem Boden der Wirklichkest. Der Zellpunkt rückt in nrmet drohendere Nähe, an dem wir uns der En- tente gegenüber für zahlungsunfähig erklären müssen.
Statt gemeinsam den Beweis zu erbringen, daß wir imfere Volkswirtschaft bis zur Grenz: der Leisttmgs- tahlgkeit ausgeschtzpst haben, halten wir fest an zwei- felyasten Theorien und glauben im Kampf der Jn- teressenten eine Aufgabe lösen zu können, die nur durch chruches Zusammenarbeiten bewältigt werden kann. Eine große Partei spiest wiederum mit dem Gedan- ken, durch eine Reichstagsauflösung Ent- j - k.K Steuervorlagen in ihrem Sinne
hrrbeisuhren zu können. Neuwahlen mögen wohl der einen oder andern Partei den Gewinn von ein paar Mandaten eiribringen ;bre parlamentarische Gesamtlag? wtrb burd) |ie n 1$ t wesentlich geändert werden. Nur die allcnmeine Verwirrung wird stei- gern. Drbnung m unsere Finalen wird sicher nicht dadurch gebracht werden daß eine Richtung ihre Theorie anderen aufzuzwmaen sucht, sondern nur dmch Verständigung Liefert man mcht den rachsüchtigen Franzosen durch Entfesselung innerer Kämpfe den willkommenen Vorwand, ihren Verbündeten zu beweisen daß es dem deutsches Volke an gutem Willen fehlt' femm Verpflichtungen nachzukommen? 1 '
Die Rot muß das deuiche Volk zur Besimnmg bringen; denn nur durch einmütige Anspannung unserer Leistungsfähigkeit in der gleichen Richmng ist lostrophe zu vermeiden.
Drei Jahre hat Deut chland bereits verbraucht, Am dem nackzutraue, n, was zunächst unwtedcrbiing^ lich verloren ist» oder sich schönen Träumen hinzu, aeben. wie berrlick der neue Stöenlitnnt mtSoebmtt
werden soll. Es ist höchste Zeit, endlich unserm «-,aat und Volk wieder eine feste Grundlage zu neben Die parlamentarische RegierunoSform ist gewiß noch recht verbesserungsfähig. Allgemeiner Tadel ist leicht, nutzt aber mchts. Zm Preußischen «anbtaa haben die Kdmmnnisten unwürdige Szenen aufaefübrt. Willkommener Anlaß sür die Gegner des Parlamentarismus zu beißendem Spott. So schreibt der Tag:
Da» was sich da im Hause an der Prinz Albrech.- Straße abspielt, das ist Preutzen. Ein aus totnefen bei Dresden zugereister Ex-Malergeselle fuhrt den Vor- sib und die Katz und Heitmann, deren Urahnen an ccn Wassern Babels sahen (wo sie auch hätten ruhig ichen bleiben können) raufen sich und spielen das preutzische- Votk. Kaschemmenlust — Rinnsteingeschosfe! - .Gc- «matsche! Schurkenbandel @cbamlo]tflfett! «chamloser Bube!" Fortgerissene Vorsitzkttnieln — fliegende Wafferaläser! Wann werden die Wurfge,chosse an die Reihe kommen, von denen Heinrich Heine sang und (aate- . . icdes Wort ist ein Rachttopz und kem leerer."' Das ist das rote Preutzen, da« man sreUrch auch „Traum" nennen kann. Das ist das Preutzen, vtt«- den 'Ruf .Los — von Preutzen! LoS — von Serin, bei allen ehrlichen Deutschen in Mode gebracht hat; am meisten bei demjenigen ehrlichen Preutzen, die sich noch auf die Preutzen besinnen können, das nicht nach stusel und Goffe stank und daS nicht tot, sondern schwarz-weiß war." «Tag" Nr. 541 vom 23. 11. 21.)
Wozu führen solche Verallgemeinerungen? Dem alten Preußen gewinnt man doch keine Verehrer, sondern steigert nur die allgemeine Un$uittebenbeit und Hoffnungslosigkeit. Der Parlamentarismus bleibt, mag man auch noch soviel von dem T,es- stand, dem Bankrott des parlamentarischen Systems, der Götterdämmerung des Parlamentarismus usw. reden. Er muß lebensfähig gemacht werden, sonst- tragt daS Vaterland den Schaden. Deshalb kommt es darauf an, gemeinsam die Auswüchse zu be* lampten und zu zeigen, Wer die Schuld an solch> unerquicklichen Boroangen hat. Im Landtage ist die Ovstruktlon der Kommunisten, die von den Unabhängigen verschämt unterstützt wurde, gemeinsam niedergerungen. Die Radauszenen belasten nicht den ParlamentäriSwue, sondern die Parteien, die sre aufführten. Gegen sie mutz sich der Unwille des Bolkes richten; denn eS ist klar, daß unsere Parlamente Iah ui gelegt werde», wenn ein größerer Teil der Abgeordneten nicht mehr die Geschäfte fordert, sondern alles tut, um die Mehrheit an der Arbeit zu hindern. Auch die Opposition hat ble Pflicht, nut ihrer Kritik aufbauend zu wirken. Das darf nicht vergeffen werben.
Unser Parleiwefen vermag sich nur schwer der neuen Lage einzufügen. Mir Recht rief 'Steg er- Wald in seiner Zeitung.Der Deutsche' (v. 6. 11. 21) dem deutschen Volke zu: „Wache auf «uZ deinem politischen Schlafe. Das gegenwärtige deuffche Par- re:elend bringt dich, wenn es andauert, rettungslos in den Abgrund". So berechtigt diese Mahnung ist, io mutz man sich doch hüten, die Parteien in Bausch und Bogen zu verurteilen. Ohne Parteien ist tem Parlamentarismus denkbar. Arbeiten und an der Partei ist darum Pflicht des Staatsbürgers. Mau muß auch mit den besteyenden Parieien rechnen. Zeder Versuch einer Umgestaltung wird nur die Parteizersplitterung verschärren und das Parlament schließlich ganz arbeitsunfähig machen. Wci'.erer Parteizersplitterung muß mit allen Kräften begegnet werden.
Zwei Forderungen aber müssen unbedingt erfüllt werden, wenn das Parteieiend besßrr werden soll. Die Patteien müssen unter allen Umständen eine ttagsähige, breite Grundlage für eine starke, arbeitswillige Regierung schaffen. _Sie dürfen die Verantwortung nicht scheuen. Die Wühler aber müssen Verständnis zeigen für unsere Lage. Keine Regierung cizrmag dte allen Zustände roteöer herzustellen. Unser Elend ist eine Folge unserer Niederlage und unserer Ohnmacht. Kririk ist darum leicht, aber auch unfruchtbar. Die Wähler dürfen sich nicht länger von agitatorischen Phrasen btotben lassen, sondern müssen dte Parteien in erster Linie danach beurteilen, ob sie fähig und willens sind zu positiver Arbeit, zur Sammlung aller aufbauenden Kräfte.
In Preußen ist die große Koalition der Mitte endlich zustande gekommen. Damit ist die Möglichkeit zu ruhiger Arbeit gegeben, wenn das Beispiel auch im Reiche Nachahmung finM. Darf man hoffen, daß das deutsche Volk jetzt zur Besinnung kommt und allein die Stvatsiwtwerchigkeit gelten läßt? Wenn mrs dem Volke heraus die Forderung laut erhoben wird, daß mm endlich Schluß gemacht werten muß mit der un- fruchtbaren Agitation und Stiit?, daß man ruhige Arbeit, Ordnung und Schaffen sehen will, dann werden auch die widerstrebenden Parteien sich fügen. Den Gang durch die Wüste kamt unserem Volke niemand ersparen. Wir habm nur die Wahl, ob wir alles zerschlagen, die letzte Voikskraft vergeuden und hoffnungslos ins Elend wandem wollen, ober ob wir unverzagt bte dunkelsdm Stunden unftrer Geschichte betmtzen, um hurch innere Erneuerung und Läuterung den Grund zu einer besseren Zukunft zu legen.
Die Lebenskraft des deuffchen Volkes ist groß genug, um auch dieses Schicksal zu meistern, dann aber muß es sich auf breiter Grundlage eine starke Regierung schaffen, die dem Auslände gegenüber bte Volksstimmun g verkörpert und tm> Innern eine Politik auf lange Sicht treiben kann.
England u. der Zahlungsaufschub.
Die Aenderung der deutschen Reparationsverpflichtungen und die Gewährung eines Moratoriums, wie es bekanntlich die englische Regierung der Mparations- kommission oorzuschlagen beabsichtigen soll, hat nach einer vorliegenden Reutermeldung das englische Ministerium beschäftigt.
Es wird darüber mitgeteilt, daß die englische Regierung der Auffassung fei, daß «ine neue Prüfung der Londoner Abmachungen noimendig geworden sei, da die Ausdehnung des Wiesbadener Abkommens zwischen Frankreich und Deutschland auf die anderen Staaten diese Wirkung aus geübt habe. Unter diesen Umständen sei dte englische Regierung ganz allgemein der Ansicht, daß das ganze Reparationsproblem mit allen fernen Aussichten einer Revision unterzogen werden müffe.
Di« französische Presse beschästtgt sich mit dieser Angelegenheit begreiflicherweise fchr eingehend. Die anfänglich,: Aufregung ha.» einer ruhigeren Uebertegung Platz gemacht, und es kommt in den Berichten der Pariser Blätter zum Ausdruck, daß, da man in England von der Nottoenjdigkcft ein- schneidender Maßnahmen überzeugt sei, es für Frankreich nötig fei, die Gründe für diese englische Auffassung einer leidenschaftslosen Prüfung zu unterziehen.
Zur Beruhigung der französifchm Bevölkerung wird dann hinzugefügt, daß Sngtanb auch der schwierigen Finanzlage Frankreichs Rechnung tragen werde und Sicherungen gegenüber Deutschland getroffen werden würben. Mit dieser letzteren Auffassung dürfte die Parffm Presse Nicht Unrecht haben, denn auch englische Meldungen besagen, daß etwaige Reparalionsänderun- gen nur an gewisse Voraussetzungen geknüpft werden könnten.
Nach den oorllegenden englischen Meldungen nimmt man in den maßgebenden Kreisen Londons an, daß aus der augmbliMcheir Lage eine neue Reparationspolitik entstehen werde. Was endlich die Frage anlangt, ob di« Reparationszahlungen, die Deutschland im Januar leisten muß, durch diese englisch« Absicht berührt werden wird, so glauben wir gut unterrichtet zu sein, wenn wir feststellen, daß davon keine Rede sein kann. Soweit wir wissen, hat der Reparationsa-rsschuß bei feiner letzten Anwesenheit in Berlin keinen Zweifel darüber gelassen, daß Deutschland seinenDer- pflichtungen zum 15. Januar nachkommen muß. Wi« es heißt, wird jedoch für diese Zahlung England Vorschüsse leisten, sodaß Dcntsckfland dann in der Lage wäre, diesen seinen Verpflichtungen nachzukommen
Eine Mahnmlg an dte deutsche Regierung.
Die Reparationskommission hat eine Mitteilung an die deutsche Regierung gelangen lasten, worin an die schweren Folgen erinnert wird, falls Deutschland an den Fälligkeitstagen seine Zahlungen nicht sichergcftM haben würde. Wie die Berliner Blätter Höven hat sich der Staatssekretär im Reichs- ftnanzministevium, Fischer, der als Nachfolger des Staatssekretärs Bergmann zum Vorsitzenden der deutschen Krtegslaftenkornrnffslon ernannt worben ist, vor einigen Tagen nach Paris begeben Er verhandelt dort zurzell über di« Zahlung der am 15. Januar fälligen Reparationszahlung, insbesondere über ihre Sicherstellung.
Leramworrlich iüi den teoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für bte Anzeigen: I- Parzeller-Fulva. ~ Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Arttrndruckerri in Fulda. Uernlpiecher Nr. ti. Telegr..8lbreffe: gu l b a e rSeftnng.
Von den übrigen wurden 10 wegen Beihilfe zum Hochverrat verurteilt, darunter der Hauplrädels» führer, Otto B auersack aus Magdeburg, zu zwei Jahren Festungshaft und der schon zu 14 Jabren Suchihaus verurteilte Melker Franz Junge aus taßfuit zu 4 Jahren Festungshaft.
Ein Kommunist cu? der Flucht erschossen.
Der wegen seiner Beteiligung an Sprengstoff« nttematen teil dem ^rübiabr aeiuchte Kommunist