J3 211.
Freitag, 2. Dezember 192L
* Fuldaer Leitung
Drvck der vnldaer •7fcfte«»tntferei in Fuld-
beläuft sich der Betrag?^ fragte Fried-
i annähernd fünftausend Mark — darauf einmal abschläglich einen Scheck von drei-
„Wie hoch wald obenhin.
„Es waren hat mir Mar i
Nachbörsliche Erholung des Dollars.
Der Dollar hat sich gestern nachbörslich wieder auf 218 .M. erholt. Wenngleich immer noch eine erhebliche Senkung gegen den Borkurs vorhanden ist, schließt man hieraus in Börsenkreisen, daß die Baisse vorerst noch keine feste Tendenz angenommen hat. Interessant ist auch das Fallen des S i l b e r k u r s e s. Während am Dienstag für ein Kg. noch 4400 M gezahlt wurden, stand das Kg. am Mittwoch auf 4000, am Donnerstag auf 3500 <M.. Der Goldpreis fiel von 190 000 J*. für das Kg. am Dienstag auf 140 000 M am Donnerstag.
fuhr er oftmals erschreckt zusammen und eilte h einem Tempo, das ganz gegen seine sonstige Gelassenheit abstach, zu dem nach dem Garten des Hauses gehenden offenen Fenster, um dasselbe zu schließen. Er konnte die weiche Mädchenstimme, die von da draußen herein- klang, nicht hören, ohne daß ein schmerzliches Zucken durch sein Inneres ging und doch blieb er oft wie gebannt am Fenster stehen und sah den beiden schlanken i Gestalten nach, die in dem parkartigen Garten lustwandelten. Arme Hedwig! Ihr Traum, das Glück in den Armen desjenigen zu finden, der jetzt zur ewigen Ruhe bestattet wurde, war ein Traum geblieben, — wäre es auch geblieben, wenn der unerbittliche Tod nicht dazwischen getreten wäre! Die Befürchtung, die Wilhelm Friedwald gehegt hatte, daß der leichtfertige Max Hohenfels es nicht ehrlich mit der schönen Tochter des Nachbarhauses meine, hatte sich schon kurze Zeit nach dem er — Friedwald — seine Verlobung mit Hedwig gelöst hatte, bewahrheitet. Mit schmerzlicher Empörung hatte er wahrnehmen müssen, daß Max dem schönen Freifräulein Corona von Olsen seine Huldigungen darbrachte und in der ganzen Stadt schon als deren zukünftiger Gatte galt; wie mochte Hedwig die aus der Untreue des Geliebten resultierenden Scelenkämpfe überstanden haben? Von tiefem Seelenschmerz war ihr eigentlich wenig anznmerken! Wilhelm Friedwald hatte fast täglich Gelegenheit sie zu sehen, wenn Hedwig ihre Freundin Else Firnhaber zu besuchen kam — nur wie unverkennbare Schwermut lag es über ihrem reizenden Kindergesichtchen, wie sinnender Ernst, als hätte die traurige Herzenserfahrung ihr ganzes' Wesen gereift.
In diesen Gedanken versunken, schritt ik)ilhelm Friedwald langsam mit dem Leichen'gefolge dahin und I achtete kaum auf das lebhafte Geplauder des neben ihm gehenden elegant geneideten Herrn, der es sich angelegen sein ließ, ganz entgegen dem Gebot, daß man von dem Toten nichts übles reden soll, an dem Charakter b-s Dahinqesch edenen ein- ziemlich schonungslose Kritik zu üben. Aus Höfl'chkei! hörte F i.d- wald seinem Begleiter mit halbem Ohre zu — war es doch der Sohn seines Chefs, Herr Kurt Fimhaber der sich zu ihm gesellt hatte. Der junge Herr war vor I etwa vierzehn Tagen von einer längeren Reise zurück- I gekehrt, die er damals nach seiner verungwckteu Wer- *
Kus dem Nachbaraebret.
---- Aus dem Freigericht. Am Sonntag den 27. November feierte dsr Horbacher Spar- und Dar- lehnskassenverein sein 25jähriges Bestehen. Nach eintet Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Herrn Joh. Adam Zwerge! ort die zahlreich erschienenen Mitglieder und Ehrengäste entwickelte Herr Bürg-evmeister Z w e r. fiel ein interessantes Dikd der Schicksale des Vereins wäh- rerd der 25 Jahre seines Bestehens. Im Auftrage des hessischen Verbandes länÄlichsr Genossenschaften überrechte Herr Pfarrer Pfeife r-Großauhsim dorn Verein ein Bild Raiffeisens und behandelte m seiner sehr praktischen Festrede die erziehlichen Einflüsse der Rarisfeisenoerei« unter besonderer Betonung der Notwendigkeit rechten Sparst nnos. Herr Rovierförster Hecker gab den Anwesenden zweckdienliche Winke bedresss stärkerer Ausnutzung des Abhanges des Wingertber-ges, die sehr beifällig aufgenom
Vermischtes.
^Brandstiftung and vierfacher Mord. Auf einem Gehöft irr der Nahe vom Paulshasen bei Libau wurde ein schauerlicher Mord verübt. Die Mörder erstachen die aus virr Personen bestehende Besitzerfamilie Kcch- pcnsek mit Bajonetten und steckten beim Verlassen des, Gehöfts das Wohngebäude und die Ställe in Brand. Hierbei ist auch zahlreiches Bich umgekommen.
* Ro, prost Mahlzeit! Unter dieser Spitzmarke lesen wir im „Deutschen": Ln diesen Tagen der enormen Preis- fteiflenung muß es wie Balsam und Beruhigung auf uns wirken, wenn wir die Preis« vernehmen, die gegenwärtig i n M o s k a u in einem pulen Restaurant bezahlt roerben müssen. Nach der VerösseEchung eines Sowjetblattes weist die Speisekarte eines bekannten Restaurants fol- gende Posten aus: ein gebratenes Huhn 450 000 Rubel, ein Schweinskote,leit 120 000 Rubel, ein Viertel Ente 200 000 Rubel, eine Schale schwarzem Kaffee 20000 Rubel. eine Flasche Sekt 1 000 000 Rubel. Nach dieser Kostprobe kann man sich berechnen, daß man sich schm für zwei Millionen ein ganz anständiges Mit- tageff en zusammenstellen tonn. Die ungeheure Teuerung wird aber erst dann klar, wenn man den ungefähren Kurs des Sowjelnubels mnrechnet und 1000 Rubel gleich einer Mark anmmmit. Da sind denn doch 120 M für ein Schweinskotelett ein erschreckender Preis. Aber rott; möchten lieber nichts verschreien! Man kann nie wissen, wie weit es noch bei uns zu Lande kommt.
* Wieder eine Brandkatastrophe im Kino. In Newhaven (Amerika) hat sich eine fürchterliche Brandkatastrophe in einem Lichtspieltheater ereignet. Der Ausbruch des Feuers rief unter den Zuschauern eine unbeschreibliche Panik hervor, bei der zahlreiche Personen totaetreten oder erstickt wurden. Nach dem Polizeibericht haben zwanzig Personen den Tod gefunden. Eine große Anzahl der Besucher waren Studenten der Dile-Universilät.
* Verheerende Flut auf den Philippinen. Eine Springflut verursachte beträchtlichen Schaden in der Provinz Capez auf den Anapy-Jnseln. Es wurden etwa hundert Tote festgestellt.
Auch Wilhelm Friedwald befand sich unter dem Trauergefolge. Zwar stand er seit fast einem halben Jahre nicht mehr in Diensten der Firma Albrecht Hohenfels, doch war sein Verhältnis zu dem Inhaber derselben durchaus kein gespanntes, wenn auch sein Austritt aus dem Geschäft auf der an jenem Oktober, abend zutage getretenen Meinungsverschiedenheit beruhte. Herr Hohenfels hatte sogar, nachdem seine erste Erregung verflogen war und ruhigerer Erwägung Platz gemacht hafte, am Tage darauf Worte an seinen Buch- ! Halter gerichtet, die sich fast wie Enschuldigung seiner am Abend vorher gemachten Vorwürfe anhörten, um seinen bewährten Mitarbeiter zur Zurücknahme seiner Kündigung zu veranlasien, doch Friedwald hatte in seinem verletzten Ehrgefühl und wohl auch in dem Be- wußtsein, daß ihm in der Tat eine gewisse Schuld an der Sache beigemessen werden konnte, sich nicht dazu verstehen können, im Hause zu bleiben. Vielleicht hätte er sich doch umstimmen lasten, wenn nicht einige Stunden vorher die Gcmah'in seines Chefs, welcher der Dor. fall ja nicht verheimlicht werden war, in einem wie zufälligen, gewiß aber absichtlich von ihr herbeigeführten Zusammentreffen mit trm ihr mißliebigen Buchhalter. diesem gründlich ihre Meinung gesagt und dabej Redewendungen gebraucht hätte, di« es dem jungen Mann allerdings verwehrten, seinen e-nmal gefaßten Entschluß zu ändern. So war er nach Ablauf der Kündigungsfrist gegangen, auf das wohlwollendste von seinem Chef verabschiedet und hatte bei seinem reichen kaufmännischen Misten und seiner bekannten kaufmän- Nischen Tüchtgkeit mit Leichtigkeit eben ande-en ihm zusagenden Posten gefunden — die Firma Firnhaber u. Co. hatte ihn als Bürochef en-zag ert. Sfts solcher bewährte er sich so vortrcffl'ch, daß brr Inhaber des Bankhauses sich zu seiner Akquisition Glück wünsch'« I und weder bei der Bewilligung eines ans-hnstche-- Gehaltes noch an Wohlwollen gegen den jungen Mann kara'e fn M'ldrlm sim'edwald, Zukimst auf '-a» | vorbei host sb gesichert erschien und er in feiner Sill lung von viel-'n 'beneidet ourbe. Und dennoch b-achte ibm diese Stellung etwas, woran er bei deren SLitritt ” s)t im entferntesten gedach' hatte: se-fffche Unruhe. Wenn er in dem Kontor den Pflichten seines, alle Geisteskräfte in Anspruch nehmenden Berufe, oblag, dann
Neue Vücher.
SenflF-Seotgi. Das lustige Dortraasbuch. 1.—10. Tausend. Max Hesses Verlag in Berlin.
Wenn ein Mann von Geschmack und von feinem Gefühl für das, was sich schickt, aus diesem Buche eine Auswahl trifft, dann kann er einige Beiträge finden, bie auch in Streifen Anklang finden werden, in denen man sich Kitsch und Geschmackiosigkeit berbittet. Der Sammlung als ganzen dürfte diese Ehre wohl nicht,u teil werden.
Mnderzulagen und Mimentaiions- verpflichtungerr.
Die unter dieser Spitzmarke veröffentlichte Zuschrift trifft mit ihren Angaben, wie uns mitgeteilt wird, nicht für die Lohnempfänger der Reichseisenbahn zu. Nach den für die Arbeiter der Eisenbahn geltenden Bestimmungen wird für uneheliche Kinder nicht der volle Kinder- zuschlag bezahlt, sondern nur der tatsächliche Unterhaltsbetrag und dieser auch nur dann, wenn die Unterhaltspflicht durch behördliche Bescheinigungen glaubwürdig nachgewiesen wird. Nicht einmal für Pflegekinder wird der volle Zuschlag gezahlt, sondern nur 20 Pf. pro Arbeitsstunde.
Wie uns der Verfasser der ersten Notiz dazu mitteilt, beziehen sich seine Angaben nicht auf die Eisenbahn, sondern auf einen andern Reichsbetrieb, in dem die befriedigende Regelung, wie sie bei den Eisenbahnern getroffen ist, zurzeit noch nicht besteht.
Evangelische Nneraennung öer Schulpolitik des Zentrums. In einem in Stuttgart gehaltenen Vortrag führte der evangelische Prälat Dr. Schöll u. a. aus:
„Für die künftige Gestaltung unfeves Schulwesens sind grundlegende Art. 142 bis 150, besonders Art. 146 der Verfassung, e'n Kompromiß, der zwei Widersprüche neben- einander stellt: die E-smemfchaftsschiute als Regel, daneben die Errichtung von Bekenntnis- urib Westanfchauungs- schufon aus Antrag der ErZichungsbonechiigien, di« Forderung geordnsten Schulbeiriebs und daneben möglichste Rücksichlnahnte aus den Willen der Erziehungsberechtigten. Indessen «st damit den iotsächlichen Verhältnissen unseres konfessionell und rocldun>schMr?ngsmäßig gespaltenen Volkes Rechnung getragen und te Anerkennung des Elternrechtes gegenüber dem bisherigen staatlichen SchiÄmonopol rft ein entschiedener Fortschritt im Sinn guter Demokratie. Aehnlich ist der Entwurf zum Rochsschulgcsetz zu beurteilen. Die Kritik ist auch hier leichter, als das Destenmachen.^
Diese Stellungnahme des evangelischen Prälaten zeugt von Verständnis für die politische Lage, unter der die Schulparagraphen im Jahre 1919 geschaffen werden mußten, bedeutet zugleich aber auch eine schwere Kritik an der Deutschnationalen Volkspartei und den Demokraten, von denen die erstere im schweren Kampfe um die Erhaltung der christlichen Schule Gewehr bei Fuß stand, während die anderen die Demokraten, das für die christliche Schule günstigere erste Schulkompromiß zu Fall brachten.
Nur das Zentrum hat den Elternwillen in den schulpolitischen Versassungsartikeln zur Geltung gebracht. Das sollte auch ein Fingerzeig für unsere ewangelischen Mitbürger fein, wo die christlichen Grundsätze am besten gewahrt sind.
bung um Emilie Hohenfels — wahrscheinlich wegen dieser Werbung — angetreten hatte und schien die Ge- legenheit gesucht zu haben, mit Wilhelm Friedwald heute zu sprechen. Bald wurde es diesem auch klar, aus welchem Grunde. Max Hohenfels hatte in feinen beständigen Geldverlegenheiten vor Monaten, noch bevor Kurt Fimhaber um die Hand der schönen Emilie geworben, den reichen Bankiersohn mehrmals um bare Darlehen gebeten, die ihm Kurt, um sich den zukünstt. gen Schwager geneigt zu machen, auch gern gewährte. Die Rückzahlung dieser Darlehen stand noch aus und wollte sich daher Kurt Fimhaber bei Wilhelm Friedwald erkundigen, welchen Weg er wohl einzuschlagen habe, um bett alten Herrn Hohenfels zur Zahlung $tt veranlassen.
men wurden. Einige gemeinsam gesungene Dolksvereins- lieber gaben der Feier ein familiäres Gepräge.
(fpi>) Frankfurt a. M. Ganz ungewöhnlich reiche Beute konnten in der verflossenen Nacht die Frankfurter Einbrecher aus den verschiedensten Stabt« feiten einheimen. Es wird darüber lakonisch berichtet: Einbrecher stahlen in der vergangenen Nacht in der GoLhestraße für mehr als 100 000 Mark Pelzwaren, m der Bürgerstraße für 120 000 Mark Silbergeräte, in . der Eschenheimerlandstraße für 30 000 Mark Wäsch: und Kleidungsstücke, in der Fcldbergsttaße Schmuck- sachcn, in der Obermainanlage für etwa 30 000 Mark Schmucksachen uiti> einen FilMapparat. Außerdem lag bei der Pol-ftm eine Fülle von Anzeigen über begangene Diebstähle vor, bei denen der Wert der gestohlenen Sachm sich unter 20 000 Mark bewegt.
mc Frankfurt a. ZIL Im Polizeipräsidium fand eine Sitzung zur Besprechung der Maßnahmen für die Bekämpfung des Wuchers statt. Außer den zuständigen Dehördenstellen nahmen Ver- treter der Handelskamaer, des Groß- und Kleinhandels, der Verbraucher, des Gewerkschaftskartells, der Hand- wnckskammer, der Landwirtschaft usw. toll. Die Polizei beabsichtigt umfastende Dorkehrungsn zu treffen und ist dabei, leitende Grundsätze cmszuarbeiten.
mc Aschaffenburg. Zwischsi Aschaffenburg und der Station Großostheim wurden im Laufe der letzten Zeit mehrfach mit Personenzügen lausonde Güterwagen beraubt. Bei einer kürzlich vorgenommlnen Revision wurden 23 Expreßgutstücke im Werte von über einigen hunderttausend Mark vermißt. In der Hauptsache enthielten die Gepäckstücke Ulster und Herrenkteider. Nachdem kürzlich 2 junge Leute in Aschaffenburg, die gestohlene Ulster verkauft hatten, zu 8 und 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden waren, gelang es jetzt, 6 Mann der Diebesbande festzunehmen, wägend 4 weitere noch gesucht werden. Es sind arbeitslose junge Burschen aus Kleinostheim. Einer derselben hatte die gestohlenen Waren im Keller unter Dickwurz oergraben, wo sie bei der Haussuchung gefuichen wurden.
Zur Kartoffelfrage.
Die Zentrums - Parlaments - Korrespondenz schreibt uns: , m
Die Versorgung der verbrauchenden Bevölkerung mit Kartoffeln ist für die Allgemeinheit von so außerordentlich wichttger Bedeutung, daß mit vollem Recht alle in Betracht kommenden Kreise, die Behörden sowohl wie die Berbände und Dr« ganisationen von Erzeugern und Verbrauchern dieser Frage ihre größte Aufmerksamkeit zuwenden. Die Ueberzeugung, daß nur mit polizeilichen Maßnahmen und Gesetzesvorschriften dem bestehenden liebel, das sich in den hohen Preisen ausdrückt, nicht beizukommen ist, sondern daß wirtschaftliche Maßnahmen in der Hauptsache dem liebel begegnen müssen, wird immer allgemeiner. Höchstpreise und Zwangswirtschaft kennen wir nicht nur aus der Theorie, sondern auch aus der Praxis und wissen, daß sie dazu führen, die Ware vom Markte zu treiben, den Schleichhandel an die Stelle des reellen Warenhandels zu stellen und die Produktion zu vermindern. Aber wir wissen auch, daß der kürzeste Weg zwischen Kon- sumenten und Verbrauchern der billigste ist und hier ist das Mittel gegeben, den Mißständen, die sich herausgebildet haben, entgegenzuwirken.
Es ist nicht möglich, den einzelnen Berbraucher, die einzelne Familie mit dem Produzenten, also dem Landwirt, in Berbindung zu bringen. Das mag in kleineren Städten und in einzelnen Fällen wohl angehen, aber bei den Großstädten und bei den großen industriellen Gebieten kommt das nicht in Frage. Zudem würde auch diese Einzelverbindung nicht zum Ziele führen können, weil dann ein lieberbieten der einzelnen Bestände einträte, die Verhältnisse also, die heute bestehen, mir noch verschlechtern würden. Aber es gibt schon Vorbilder dafür, daß sich die Interessenten zu einem gemeinsamen Einkauf zusammenschließen, Vorbilder in der Landwirtschaft, wo die landwirtschaftliche Bezugsoereinigungen bestehen, in der Verbraucherschaft, bei der die Konsumvereine diese Rolle übernehmen, ja auch beim Handel, wo gemeinsame Einkaufszentralen sich in vielen Zweigen gebildet haben. Dieses System weiter auszubauen, namentlich für die wichtigsten Nahrungsmittel, die von der heimischen Landwirtschaft erzeugt werden, ist eine außerordentlich bedeutsame Aufgabe, die auch seitens des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gerade in den letzten Monaten immer ganz besonders in den Vordergrund geschoben ist.
Es ist nun sehr beachtlich, daß in landwirtschaftlichen Kreisen dieser Gedanke aufgegriffen und bereits in Einzelheiten befürwortet wird. So finden wir in einem ganz rechtsstehenden Blatte, der „Pornmerschen Tagespost", eine Darlegung des Herrn von Oppenfeld-Reinfeld, welche die bedauerliche Entwicklung der Kartoffelverforgung namentlich unter Berücksichtigung der Pommerschen Verhältnisse barlegt und darauf verweist, daß diese Verhältnisse die Landwirtschaft in starkem Umfange veranlaßt hat, Kartoffeln zu verbilligten Preisen abzugeben. Er verkennt aber nicht, daß auf diese Weise für die Allgemeinheit Erleichterungen nicht geschaffen werden.
2>ieienigen, die mm öte Hände nicht in den Schoß fegen wollen, suchten nach neuen Wegen tmfb vertrauten auf die Kraft der genossenschasILchen Organisationen. Es ist kurzsichtig, zu glauben, daß bie genossenschaftliche Macht auf bie PreisgeftMumg tarfratertichwftlicher Erzm'Misse mir nach der einen Richtung der Preisstützung und der Preissteigerung hm wirksam angespannt werden könne. Soviel ist allerdings richtig, daß sie nach dieser Richtung hin zum Nutzen der deutschen Landwirtschaft und Volkswirtschaft ihre Probe immer wieder bestanden hat. Verlangt es aber heute das Gemeinwohl — und das ist erwiesenermaßen der Fall — so müssen die gleichen genos- s«nschaft,Ichen Machtmittel ebenso wirlsrtzn anwendbar fein, um auch einmal umgekehrt die Preisbildung ent- schlossen unter Druck zu nehmen.
Welcher Weg soll nun zu diesem Ziele gewiesen und anompfohlen werden? Es wind sich dabei nicht im geringsten um irgend etwas Neues handrtn, wenigstens ncht für diejenigen, die schon einigermaßen gelernt haben, genossenschaftlich zu denken und zu arbeiten. Ebenso, wie wir uns beim Einkauf unserer großen landwirtschaft- sichen Bedarfsartikel der Form des Einzeleinkaufs seit langem genossenschaftlich entsch'agen haben, damit unsere große genossenschaftliche Drgtnffation mit der Macht des gesammelten Bedarfs ihre Mbnahmebedingimgen vor- schreiben, die Preiisbivung unter ihren Einfluß nehmen I konnte, um erst dann noch getätigtem Einkauf an jeden I einzelnen ihre Abrechnung zu präsemieren, mtt der er I anstandslos zufrieden zu sein pflegt — ebenso wird es I für den einzelnen Landwirt nur erforderlich fein, in die I
tausend Mark gegeben, der auf unser Haus ausgestellt war."
Friedwald wurde aufmerksam. „Einen Scheck von 3000 Mk.?" fragte er begierig. „Auf Firnhaber u. Co. ausgestellt — sagten Sie nicht so? Und erinnern Sie sich des Ausstellers?"'
„Gewiß — Baron Greiffenstein! Wie Max mir damals sagte, hat der alte Baron den Scheck der Firma Albrecht Hohenfels für empfangene Weine tu Zahlung gegeben."
Wilhelm Friedwald stieß unwillkürlich einen Ausruf der Ueberraschung aus, sodaß sich die vor ihm Gehenden neugierig nach ihm umwendeten. Da lag es ja Har am Tage, Max Hohenfels hatte den Scheck an der Koste der Jndustriebank entwendet imb Karl Hochfeld war unschuldig! Niemals hatte Baron Greiffen. stein von der Firma Albrecht Hohenfels Weine bezo. gen — das wußte er der frühere Buchhalter, am besten.
„So wurde der Scheck gar nicht an ber Kaste der Firma präsentiert?" fragte er seinen Begleiter mit verhaltenem Atem.
'Fortsetzung folgt.)
Die Jagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
39] __________
3a, es war schnell gekommen, das unheimliche Leiben, welches seiner Erkrankung vor einem halben Jahre gefolgt war, vermochte die Kunst der Aerzte nicht zu vekompfen; auch der angeratene Aufenthalt des Kran- ken in einem Höhenluftkurort konnte den Fortschrttten oer unbarmherzigen Krankheit keinen Einhalt mehr Un . vierzehn Tagen war Max zurückgekommen °°kranker, den, wie die Leute sagten, die Set. k>eoorst-z^ Heilanstalt in Davos kurz vor seinem sicher Es war ®nbe' r°N nach Hause geschickt hatte.
die höchste Zeit gewesen, denn wenige h 9 m J. ‘'"p 2tokimft im Daterhause hauchte er in Der$n,eifC(ten butter den letzten
Durch bie im Dorraum versammelten Leidtragenden S™9. und ehrfurchtsvoll machten sie Platz,
h! ^dorknaben erschienenen Pri-ster imrchzu. asten, der gemessen nach dem Nebenzimmer £ Duikder Leiche vorzunehmen.
^'chrauchs, der gleich darauf die Luft durchschwebte, die feierlich ernste Sbmme d-s glückliche Mutter aus ihrer Starrheit und riefen die Erkenntnis in ihr wach, daß alle, entsetzttch- Wttklich leit sei, daß ein unerbittliches Schicksal den der tar Abgott war, hinweggerafft hatte: _ mi( Einem wehen Stöhnen wankte sie nach dem Sarge und sank vor dem. selben auf die Kniee, in ein erschütterndes Wimmern ausbrechend, so daß es rhrer herbeigeetiton Tochter und den Wienerinnen des Hauses nur mit Mühe gelang, si empo-rzurichten und durch die teilnahmsvoll blickende Trauergesellschaft nach einem Nebengemach -u führen.
Die Einsegnung war vorüber; unter ftüft-rnben Weisungen schlossen die Leichenträger den San. §oben denselben empor und schweigend folgten die Leidtrag-n- den auf die Straße, wo sich gleich darauf der Leich n- zug gefolgt von einer langen Reihe von Equipagen, i in Bewegung setzte.
I Hand der pommerschen landwirtslk^ftlichen Hauptxenosten- I schäft durch Vermittlung ihrer Emzeloereme die freie Der- fügen:g über einen genügend großen Posten bestimmt I lieferbarer Speifekavtoffrtn auf längere Zeit zu fegen und I vorweg als e6n ferner Verantwortung vor der Allgemein- I heil beroefjt gewordener Kartoffelbauer m be Hand des I Einzetoereins etwa folgendes zu erklären: Ich verpflichte 1 mich hiermit, alle Speisekartofseln, welche ich bis zur | nächsten Ernte aus meuter Wirtschaft noch verkaufen I wende, lediglich durch den Ein- und Dertoufsverein I zu......verwerten zu lasten, mirrdsstens werde ich
I einen Posten von.......Ztr. auf Abruf zur Ab liefe-
I nmg bringen. Der Derem muß meine Kartoffeln an die I pommersche lmrdrofttsHaftssche Hauptge no st enfchaft werter- I leiten. Ich will mit demjenigen Erlös dafür zufrieden I sein, welchm die Hauptgenossenfchafl taut öffentlich zu I gebender Abrechnung als Durchschnittspreis für den Zent- I ner ©peifetartoffrtn erstell Haden wird. Mene Liefe- rungsverpfkichLmg zu diesen Bedingungen soll erst dann in Kraft treten, wenn nachweisbar 1 Million ZenMer Speifetortoffeln der Hauptennostenschaft in gleicher Weise bindend an@efteöt roorSon sind."
Wir mühten uns dann weiter darüber klar werden, was mir von der Hauiptigenostenfchast, der wir unser Der- tarnen bartneien, im öffentlichen sowie in unferm eigenen Intereste zu verlangen haben werden. Die Antwort wird tauten: Eine zielbemrtzte, geschickte allmMche Beeinflussung des Preises, zunächst mnorhalb Pommern«, so- roeit tunlich auch über die Grenze der Provinz hinaus untersteht der BerücksichticrMg der Preisentwicklung aller landwirtschaftlichen Pfdairfs- teste Verkaufsartiksl. Und bei heutiger üfreifpararfier Preisf-age der Kartoffeln: bewußte Uinftellung nach der R'chrtmg hin, daß der Verkaufspreis an Sttbstverdnaucher eine allmähliche Ermäßigung erfährt, «nd forgfame Achtsamkeit darauf, daß von nun an alle zu einem ermäßigten Preise getätigten Ab- schiüsse bei den regelmäßigen 'Wochennotisnungen an der Produktenbörse weitxohenüe Beachtung finden.
Es ist dringend zu wünschen, daß diese Gedanken des Herrn von Oppenfeld-Reinfeld weiter verfolgt werden und in den Kreisen der landwirtschaftlichen Genossenschaften ebenso wie in denen der Konsumvereine nicht bloß Beachtung und Interesse sinden, sondern in die Tat umgesetzt werden. Ebenso ist nur zu wünschen, daß die Reichsregierung in diesem Sinne den Weg, den sie beschritten hat, mit Energie weiter verfolgt.
voSariturz nnd Börsenp^nik.
Mit einem Schlage ist die unvermeidliche Katastrophe an der Berliner Börse eingetreten. Schon vor einigen Tagen fing das Ausland an, unsere Valuta höher M werten, am Dienstag stieg aber mit einem Schlage die deutsche Mark um fast das doppelte. Die Berliner Börse am Mittwoch antwortete darauf mit einem bisher beispiellosen Sturz der fremden Devisen. Der Dollar, der vor 14 Tagen noch auf 300 stand, stürzte bis auf 190, die anderen fremden Devisen folgten in demselben Tempo.
So freudig und angenehm uns diese Nachricht klingt, die Bärsenspekulatton vernahm sie mit größtem Schrecken. Der große Börsenkrach war die unvermeidliche Folge des Dollarsturzes. Alles warf feine Papiere kopflos, wie man sie gekauft hatte, auf den Markt, jetzt aber fanden sie zu den ungesund hohen Preisen, zu denen eine sinnloswütige Spekulation sie hinaufgetrieben hatte, keine Abnehmer. Es setzten rapide Kursstürze ein, die bei den meisten Stücken Hunderte von Prozenten ausmachten. Einzelne Papiere, die ganz besonders hoch getrieben worden waren, wie z. B. Sarotti, verloren gar 1000 Prozent!
Jetzt ist der Krach da, und den Schaden hat wieder in erster Linie der kleine Spekulant. Dis eigentliche Börsenspekulation war daraus vorbereitet, aber all die kleinen Existenzen, die mit verdienen wollten, die ohne Sinn und Verstand Effekten kauften, „spekulierten^, sich durch keinerlei Warnungen von Sachkundigen zurückhalten ließen, sich auch durch das erste Menetekel, den Börsensturz vor ungefähr 14 Tagen, nicht warnen ließen, die erleiden jetzt Riesenschäden. Schäden, die sich noch dadurch immer vergrößern, daß unter diesen kleinen Käufern eine Panik ausgebrochen ist, die sie jetzt ebenso sinnlos verkaufen läßt, wie sie einst gekauft hatten.
Auf einem anderen Gebiet hat sich aber schon jetzt eine günstige Wirkung des Devisensturzes be- merkbar gemacht. Auf der Berliner Produktenbörse hatte er einen scharfen Preissturz zur Folge. Auch hier wollte man verkaufen, ehe es zu spät wurde, während sich die Käufer zurück- hielten. So verzeichneten alle Getreidearten scharfe Preisrückgänge. Unmittelbar durch den Dollarsturz wurde der Mais beeinflußt, der um 70—80 Mark billiger wurde.