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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

48. Zahrg.-

Zreitag, 2. Dezember 1921

Nr. 277

Die neue Reichsgliederung.

Im Art. 18 der neuen ReichSverfasinng wird bekanntlich von der Gliederung des Reiches ge­sprochen, von der Aenderung des Gebieter von Län­dern und der Neubildung von Ländern innerhalb des Reichs.

Seinerzeit war vom Rcichsminister des Innern, Dr. Gradnauer, die Erklärung abgegeben worden, daß unmittelbar nach dem Schiedsspruch der Entente­mächte über Oberschlesien die Ausführungsbe­stimmungen zum Art. 18 der Reichsverfassung dem Reichstag unterbreitet werden sollten. Nunmehr hat der deutsch-hannoversche Reichstagsabg. ColShorn in einem Schreiben den Reichsminister Dr. Köster an das Versprechen seines Vorgängers erinnert. Er hat dabei hinzugefügt, daß diesem Versprechen seiner­zeit alle an der Besprechung beteiligten Parteiführer zugestimmt hätten. Die Entscheidung über Ober- schtesien sei am 20. Oktober getroffen worden; Herr LalShoun bittet daher um Mitteilung, warum die Zusage noch nicht eingelöst sei und wann dies ge­schehe» werde.

zÄ der deutschen Reichseinheit. Er. Stnesemcmn, . habe zu viel Ehrfurcht vor den deutschen Fürsten, ine Heerführer gewesen seien, a!s daß er glauben könne, daß I sie sich zum Werkzeug einer solchen Politik machen ließen. Schließlich setzi« ©trefemann seine Stellung zur pro- ßen Koalition ausÄnaNder. Der Sozialismus I ssi in einer inneren Umbildung begriffen. _ Dieser Prozeß I fei lveit vorgeschritten gewesen, als der unglückselige K a p p- I Putsch gekommen sei und die Entwicklung 3trm_ Zuicmr- menarbeiten zwischen SozÄrDemokratie tto£) Bürgertum I zurückgoworfen habe. Görlitz fei eine Etappe zu einer I neuen Verständigung gewesen. Bedingungen einer großen KoÄttion seien: Keine sozialistische Führung, da das Bür- I gsrtum wesentlich stöber sei, sodann: keine Opferung von Grundsätzen nammckich aus nationalem Gebiet. Seen I diese Bedingung en erfüllt, dann dürfe der Gedanke der großen KoMtivn nicht an Personen- und Ressontsiragen I scheitern. Eine RechtspolÄik habe keine Aussicht. Wolle man aber eine Politik, Wie über die Koalitionspolitik hin­aus zur nationalen Einheitsfront führe, so bünflen die Dautschnationalen nicht eine Politik treiben, di« es uremöcB'ch mache, eine solche Einheitsfront herzu- | stellen. Die Deutsche Volkspartei werbe sich cm der Re- i gierung beteiligen, wenn diese DeteiKgung vereinbar foi mit der nationalen Auffassung und der kaufmännischen Solidarität. Wenn die Partei auf diesem Boden dem Daterla-nd dienen könne, dcmn wäre es mwerandwörtlich, sich dem DatsrSard nicht zur DeNfügung zu stellen. Der Redner schloß mit dem Bekenntnis zu einer kraftvollen weltpolitischen Betätigung des deutschen Volkes.

Nach dem Referat des Abg. Dr. Stresemorm sprach Ge» hemwat Dr. Kahl über Reform der Rechtspflege.

Die DiskrWon brachte theoretische Konstruktionen über die außenpolitische Entwilklung. Rechtsanwalt Kaiser (Dresden) griff unter lebhaftem Wdorspmch und Schluß­rufen die Haltung der Reichstagsfraktion an, die elner einheitlichen großen Linie errtbehre. Sie habe vor allem das Kabinett Fchrenbach stürzen helfen, ohne I etwas zu errerchcn. Abg. General Schoch und ein men* jener Münchener Redner erklärten für die bayerische Partei, Voß der größte Teil des bayerischen Volkes nicht an di« Loslösung Bayerns vom Reiche dächte. Abg. Dr. S t r e s e. mann begründete gegen di« Angriffe des Rechtscmwalts Kalser die Notwendigkeit des Sturzes des Kabinetts Feh- renbach aus nationalen Gründen. Die Erfolge der Deut­schen Volkspantei lägen darin, daß ist Deutsche Demo­kratische Partei einen Weg gegangen sei, der ihr kaum eine Hoffnung lasse, und baß bürgerliche Dervtchtsein ge-

I ftärft worden sei.

Sodann wurden mehrere Resolutionen <mge- I nommon: Die eine bMgt die Ausführungen der Herren I Dr. Slrefemvnn und Dr. Kahl und spricht den Fraktionen I der Deutschen Volkspartei im Reichstag und im Preutzi- I scheu Landtag das volle Vertrauen aus. Eine zweite for- I dert, daß die Roichstagsfvakt'on jedem Versuch, an der Un» I obhängigkeit, Unabsetzbarkeit und Mchmäßigen Ausbll- I düng dsr Richter zu rütteln, entschieden Widerstand leiste. I Eine dchtte ErWärtung ersucht den Reichstag, sich mit Ener- j gie für die schnellste Veröffentlichung der „Gegenliste'' ein« I zchetzen, und eine vierte wünscht schließlich die Gründung | eines überparteilichen Ausschusses, der sich di« Errichtung I eines Denkmals für Oberfchtesien und die übrigen ent« I risimen Gebiete znr Aufgabe machen soll.

I Am Abend sprach Abg. v. Rarborff in einer öffent- I lichen Versammlung über die politische Loge.

Bezugspreis: Monatlich 5.03 Mk. zugeftelli tret ins Haus- » Abqehoit in der Geschästsshlle 4,60 2BL j* Anzeigen: Kteinzeile nachEo:one«maß 1 Mark'. Rektamezeiie (lerthrrite) nach Ealone maß 3 Aior

Parteitag der Deutschen volkspartei.

Programmrede Stresemaans.

Unter dem Vorsitz des Abg. Prof. Kahl nfimmt der Stuttgarter Parteitag der Deutschen Volkspartei seinen Fortgang.

Eine stürmische Begrüßung wurde dem Mnnlml

Soziales.

* Vie Enoerdrloseniürsorie. Die Zahl der unten stützten Erwerbslosen tit im Monat Oktober 1921 werter von 186000 auf 152 000 gefallen. Auch während der ersten Nooemberwoche hat die Erwerbslosigkeit noch eine mäßige Abnahme erfahren, doch scheint der tiefste Stand nunmehr erreicht zu sein. Den unver­meidlichen Rückschlägen wird nach Möglichkeit borge» beugt werden muffen, insbesondere durch die bessere sozialpolitische Auswertung der öffentlichen Auftrage und Arbeiten. Das Zustandekomuren des Gesetzes übet eine vorläufige Arbeitslos enversrcherung vor Eintritt allzu schwieriger Verhältniffe auf dem beitSaiarkt wäre dringend erwünscht.

Ausland.

» Ein belgischer Protest gegen LaS Wiesbadener Abkommen. Nach dem .Homme Libre" hat die belgische Regierung mit einer offiziellen Note gegen das Wiesbadener Abkommen protestiert.. Man wird kaum in der Annahme fehlgehen, schreibt dazu bte! Franks. Ztg., daß es Belgien habet wohl in erster. Linie darum zu tun ist, auf Deutschland einen Druck zum Abschluß ähnlicher Abmachungen auszuüben. _

* ungarische Agitation im Oedenburger Ab­stimmungsgebiet. Wie mitgeteilt wird, nimmt di« Agitation im Oedenburger Abstimmungsgebiet seitens Ungarn immer schärfere Formen an. Der Obes»1 stuhlrichier von Oedenburg forderte die Bürger-' meister der einzelnen Gemeinden auf, von HauS zu Haus zu gehen und für Ungarn zu agitieren.

Das Programm des preußischen Landwirtlchaftsministers.

Der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Wen­de r s f erklärte einem Mitarbeiter des „Deri. Taget»!." über fdn Programm, daß eines seiner Hauptziele dir Hebung der landwirtschaftlichen Pro­duktion sei.

Eine Vermehrung der Anbaufläche mch die Kults- Dierung von Oedland werde zu Erreichung dieses Zie­les diorwn. Der Minister werde im Landtag einen Ge« setzenkwurf einbringen, in dom ein 100 MiUionen- Krsdit dafür gefordert werde. Weiter will der Mnister die landwirtschaftliche Siedrlung dadurch unterstützen, daß ein Teil der Pachtsumme von dm Pächtern durch Sachleistungen in Form von Naturcüim ausgebracht werden solle.

Zur Frage vor ©dreüxcbikfvnmg er Körte der Minister, daß für die Erfaffung und Verteilung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse das Reichsemährungs- minksterium und auf preußischem Gebiet der preußische Stamskommissar für Bolkksernchrung zuständig sei. Es sei jedoch beabsichtigt, den Staatskommissar dem Lcmd- wirtschaftsministerium zu unterstellen, sodaß 6ie Zu« stänkdigkeit in dieser Hinsicht für Preuhrn dann auf den Lar^d-wirischastsMinister übergehen werde.

Hinsichtlich der Frage der Zwangswirt, schäft führte der Minister aus, er glaube nicht, daß heute mit einer (Erneuerung der Zwangswirtschaft etwas zu erreichen sei. Er gfctute vielmehr, daß auf dem Wege von Verhandlnngenzwischen Landwirt, schäft und Verbraucher durch Lieserungsoer- träge die Versorgung und Ernährung gebessert werden könne.

Das Moratorium. i

Wer in ZahlungsschwierigkeitM ist, pslegt ein Mora- forium, eine Stundung, einen Aufschub mit Freude zu begrüßen. Ob ihm der Zeitgewinn zur Rettung dienen wird, ist freilich noch nicht ausgemacht. Das hängt ab von der Dauer der Stundung, von den Beugungen, die ihm der Wohltäter stellt, und von der Leistungs­fähigkeit, biß er bei Ablauf des Moratoriums besitzen wird. I

Was dem schwerbedrückten Deutschland jetzt in Aus­ficht gestellt wird, ist nicht eine Verminderung seiner ge­samten Last, sondern nur eine Verschiebung der nächsten I Zahlungstermin« auf ein oder zwei Sagte. Nach Ab- I lauf dieser Stundung würde also die Belastung nicht geringer sein, sondern noch größer, als gegenwärtig.

Die bloße Verschiebung der einen oder ernteten Nate kann aus sehr einfache Weise erreicht werden. Ohne Konferenz, durch einen Mehrheitsbeschluß der Repa- rattonskommijsion, wie das sogar in dem sonst so rück­sichtslosen Vertrag von Versailles vorgesehen ist. Bei der Verschiebung kommt das dicke Ende hinten nach. Ge- hol sm wird dem bedrängten Schuldner nur, wenn eine I Regelung stattfindet, die ihn aus die 2 a u e r zahlungs­fähig macht. Im vorliegenden gälte muhte uns also I ein langfriftigcr Kredit eröffnet werden, der uns auch über die künftigen Zahlungstermine himveg- heifen kann. Ein Kredit ohne Wucherzinsen oder son­stige lähmende Schikanen.

Das ist der erste Haken.

Als zweiten Haken müssen wir die angekündigte Kontrolle der deutschen Finanzen ins Auge fassen. Der Geldgeber tritt freilich Äs Wohltäter auf, aber er ist doch ein Geschäftsmann. Er will seine Sicherheit haben und seine Vorteile. Die Engländer laffen uns auch gar nicht im Zweifel, daß sie es mit der Kontrolle recht ernst meinen. Deutschland soll die Noten- presse, dm bisherigen Nothelfer, in Stillstand fetzen; Deutschland soll sein Budget ins Gleichgewicht bringen, also die Steuern und Gebühren so erhöhen, daß der ganze Bedarf für Reich und Länder gedeckt wird, und zwar soll die Steuerbelastung wenigstens fo hoch getrieben werden, daß sie dem „Vorbild" der Sie- gerstaaten gleichkommt: dazu soll dann noch der Zwang zur Verkürzung der Ausgaben kommen, und diefts auf- gezwungene Sparen kann zu weitgehenden sozialen und parteipolitischen Nachwirkungen führen.

Nun hoben die englischen Industriellen in ihr angebliches Hilfsprogramm sogar die Klausel ausge­nommen, daß die Industrie und der Handel Deutschlands unter einer.Kontrolle gestellt werden müß- ten, die den lästigen Wettbewerb auf dem Wettmartt ausschläsie. Danach soll Deutschland fortan nur das fabrizieren und ausfichrcn, was den Engländern nicht in die Quere kommt. Wenn eine solche Zwangsjacke für unseren Gewerbefleiß gewebt wird, so ist es tat­sächlich mit unserer Selbstherrlichkeit vorbei.

Dann würden wir nicht bloß in der Steuerpolitik mrd in der Finanzverwaltung, sondern in unserer gan­zen Volkswirtschaft bevormundet und nach ftemden Dik­taten regiert. Aus dsm Moratorium würde ein Kuratel, eine wahre Entmündigung.

Der dritte Haken an der Sache ist der Zweifel, ob überhaupt England mit feinen Anregungen ernst machen werde, oder die Vorschläge nur ds diplomati­sche Hilfsmittel einschiebe, um Frankreich für weltpoliti­sche Zugeständnisse geneigt zu machen. Darüber ist schon das notwendige gesagt worden.

Es liegt also noch kein Anlaß zur Hoffnungsselig, kett vor, sondern Abwarten bleibt die nicht mehr unge­wöhnliche Parole.

Eine auffallende Wirkung der englilschen Anregun­gen rft schon heute zu verzeichnen, nämlich eine Art von Börsenkrach. Der Dollar, der vor drei Wo­chen auf 300 Mark hinaufgetrieben war, ist am Don­nerstag bis auf 185 Mark gesunken, und die übrigen Devisen und Effekten haben dm Sturz von der schwin- deihafttn Höhe mittnachen müssen. Das tut manchen großen und kleinen Spekulanten schr weh, bedmtet aber für die Allgemeinheit eine heilsame Klärung. Dte Seifenblase mußte mal platzen; je eher, desto besser. Wenn die Haussespekulanten dmrch die Aussicht auf ein Moratorium in Angst gejagt sind, so beweist das noch keineswegs, daß wir wirklich auf eine nützliche Stundung rechnen dürfen.

_ Wer klug ist, bewahrt sich ruhiges Blut unb ein nüchternes Urteil. Vielleicht wird es besser werdm; es ch wenigstens nicht schlimmer geworden.

Die UreditMion.

Der Verhandlungsausschutz der Industrie.

Verhandlungen mit ausländischen Fi- iwnzmstltiAi, über die Frage der Ausländsanleihe ,st ein Ausschuß gebildet worden, für die der Reichs- verband der deutschen Industrie als feine Ver­treter Geheimrat Bücher, Direktor Krämer und Husen berg bem Reichskanzler präsentiert Hat. lieber die drei Vertreter der Reichsregierung ,st bisher nur bekannt, daß Reichsbankpräsident H a- vensteln der Kommission angehören wird.

Vie Landwirtschaft bei Ausbringung der Reparalions- kiltungen.

Die Abteilung für Produktion und tkberganosroirt« schüft des Reichsausschusses der deutschen Landwirt- schäft hat unter Beteiligung hervorragender Sachver­ständiger in zweitägigen Besprechungen Beschlüsse vor- bereitet, die eine Grundlage für weitere Verhandlungen mit der Reichsregierung über die Mitwirkung ter Land- wirtschaft bei Aufbringung der Reparationsleistungen bilden sollen. Die endgültige Beschlußfassung wird voraussichtlich in der nächsten Vollversammlung des Reichsousschusies der deutschen Landwirtschaft erfolgen.

Das England zugestehk.

Verantwortlich iüt öen ceOauionelien Leb: Dr. I. Kramer, - für dte Anzeigen: I. a r x e 11 e t - Fulda. = Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei M Fulda. Wermut edier Nr. te Teleqr.-Aöresse: Fuldaer Rettung.

denen Umfange nicht mehr erforderlich ist. finanziellen Znlereffe deS Reiches wurde eS liefen,, wenn nunmehr die Zurückziehung oder wenigstens Einschränkung weiterer Uevcrwachung-kouimls'ionen er­folgen würde. ...

Deutscher Reich.

* Berlin, 2. Dez. Wie die „K. D." Mitteilen kann, kommt der Abg. Dr .Maximilian Pfeiff« r als romr- scher Botschafter des D-mschen Reiches Nicht mehr, in Frage. — Der „Deutschen Allg. Ztg." zufolge haben die deutschen Bevollmächtigten für bie. deutsch-polnischen Wirtschaft-verhand- langen über Lberschlcsien in einer Reichskadi- n e t t s s i tz u n g, zu der auch dte preußischen Minister zugezogen waren, Bericht über dte Besprechungen m Gmf rrstaltet. Der Bericht fand die allgemeine Zu»- stimmung der Teilnehmer der Kabinettsschung. —• Auf die Beschlüsse der Versammlung der Betnebsob-' leute Berlins, die am 23. November von der Se«; triebsräteko in Mission aus dem Mtchr ein« berufen wurde, antwortet jetzt der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Afa-Bund, daß sie es ab», lehnen müßten, eine Verantwortung für Aktionen yt tragen, die von irgendwelchen fliegenden Kommissionen I eingeleitet werden. Die Forderung nach Einberufung' eines Reichsbetriebsrälekongreffes wurde von den Der- bänden geprüft Man kam zu dem Ergebnis, daß sich die Aktivität der organisierten Arbeiter und Angestell­ten, wie sie jetzt durch die wirtschaftliche Lage bedingt ist, sich keineswegs in der Veranstaltung von Betriebs- rätefongrefien auswirkien müßte.

♦ Der Rsichsrctt nahm einen Gesetzentwurf über den Ersatz der durch den Krieg verursachten Per«! sonenschäden an. Grundsätzlich sollen danachi I alle Reichsangehörigen, die durch den Krieg inner» | halb und außerhalb des Reiches Schädigungen an I Leib und Leben erlitten haben und nicht unter das I Reichsversorgungsgesetz vom 12. Mai 1920 fallen, entschädigt werden. Der Reichsrat genehmigte fer- I ner einen Gesetzentwurf über die Pfändbar- I feit von Gehaltsansprüchen. Danach I sind Pensionsansprüche von Beamten, Offizieren I und Angehörigen der Wehrmacht bis zum Betrage von 8000 M (bisher 2000 M) unpfändbar. Gänz­lich unpfändbar sind Teuerungszulagen und Kin­derbeihilfen. Ä _ ... ,

I * Um die DermSqenssteuer. Der SteuerauSschuß beS Reichstages hat die erste Lesung der Vermögens« I steuer beendet. Die Vorschläge der llnteiausfchüffe, bie bezwecken, ben Tarif der Vermögenssteuer bes » jeweiligen Geldwertveränberung, der Kauf- I traft deS Geldes automatisch anzupasien, ftnb_tm j wesentlichen angenommen. §21, der die Tarifsatz« I enthält, wurde jedoch abgelehnt. Der Dorsitzenb« I stell!« dabei fest, baß die verschiedenen Grunde bet Abstimmung klar gestellt seien und al'"o auch Em-

I mütigieit darüber bestehe, daß die jetzt im Gesetz­entwurf klaffende Lücke über die Art und Höhe der

I Tarifierung in der zweiten Lesung ausgefüllt werben müsse. Auf Vorschlag der verfchiedenen Mitglieder.

I des Ausschusses wurde schließlich der Ausweg in Aussicht genommen, bie zweite Lesung der Tanfbe-

I stimmungen nach Vorlage eines neuen Tarifes vor- I wegzunehmen. Die Bestimmungen über Veranlagung I und Erhebung wurden im wesentlichen in bet I Fassung bet Regierungsvorlage angenommen, des- . gleichen die Straf-, UebergangS- und Schlußbe-

I stimmungen.

I (f) Eine neue Tageszeitung. Der frühere Her­ausgeber der „Tägl. Rundschau" Heinrich R i p p - (er, der aus der „Tägl. Rundschau" ausgeschie- den ist, nachdem dieses Blatt in andere Hande ge« | gangen und in völlig rechtsradikales Fahrwasser geraten ist, hat mit dem 1. Dezember eine neue Ta­geszeitung, „DieZeit" herausgegeben. Die neue Zeitung steht auf dem Boden der Deut­schen Volkspartei, ohne ein parteiamtliches

| Organ sein zu wollen.

zrankreich und -reReparationrsragen.

Präsident Millerand hatte mtt dem französischen Vertreter im Reparationsausschuß Dubois eine Unter­redung über die Frage des deutschen Moratoriums.

Das „Jomncck d-s Debats" schreibt über diese Frage, der Moratoriumsvorschiag für drei Jahre fii unier gewissen Bedingungen zulässig. Aber diese Dedingmrgen existierten augenblicklich mcht. D« Reparattonskommission würde ein Verbrechen begehen, wenn sie Dcutfchlcmd ermächtige, seine Zahlungen in bem Augenblick einzustellen, in dem Frankreich einen Teil an den ersten Milliarden erhalten könne. Frank­reich müsse dieses Manöver oeretteln.

Wte das Reuter-Büro in London erfährt, ist man im Schatzamt« noch immer mit der Frage der Repara- tionszahlungenDeutfchlands beschäftigt. Sobald der jetzt der Erwägung unterliegende Plan, der ein Moratorium ober einen dem Termeutenschen Schema ähnlichen Vor­schlag einschließt, in endgültiger Fassung aufgesetzt und für die Berabmg fertig ist, wird das Kabinett zu­sammentreten, um die Vorschläge eingehend zu erörtern. Lloyd George nimmt regen Anteil an den Bemühungen zur Lösung der Schwierigketten. Es erscheint auch nicht zweifelhaft, daß Lloyd George mit Rachenau zufammentteffen wird.

englischen Industrie auf Grund ihrer hypothekari­schen Beteiligung an der deutschen Industrie zur Verfügung gestellt werden.

Die Besoldung der Hilssgeistlicherr.

Er wirb uns geschrieben: Schon oft ist auch an die­ser Stelle über die geradezu himmelschreienden finan- zielten Verhältnisse der kath. Hilfsgeistlichen hingewie- fen worden Die Bemühungen, staatliche Beihilfen zur Gehaltrausbefferung der Hilfsgeisttichen zu erlangen, sind wie immer leider erfolglos geblieben. Die von dec Bischötl. BebSrüe eine Zelllang gezahlten Unterstützun-

Cenerungskrawalle in Wien.

In Wien kam es am Donnerstag zu großen Arbeiterkundgebungen gegen die herrschende Teue­rung. Schon in den ersten Nachmittagsstunden fanden sich namentlich aus dem Arbeiterbezirk Flo­ridsdorf Tausende von Arbeitern im Innern der Stadt ein und zogen in Massen vor das Par­lament, wo eine Abordnung dem Bundeskanzler eine Reihe Forderungen überreichte. Zuzug von allen Seiten verstärkte den Zug zu Zehntausenden.

Auf dem Wege über den Ring richtete sich die Erregung der Menge gegen die Kaffeehäu­ser u n d G e s ch äs t s l o k a l e, von denen die Le­bensmittelgeschäfte fast vollständig ausge­plündert wurden. Erft gegen Abend gelang es der Polizei, einigermaßen Ruhe zu schaffen, doch sind weitere Ausschreitungen nicht ausgeschlossen.

Hus dem besetzten Gebiet.

• Keine Kartoffelverfchfebnng ins Kurland. In der

letzten Zeit wurden in einem Teil der rheinischen Pro. vinzpresse Vorwürfe wegen angeblicher Verschleuderung von Kartoffeln erhoben, die al5 ReparationS« Lieferungen für Frankreich und Belgien bestimmt waren. Bei dem Verkauf handelte eS sich um Saatkartoffeln, deren Lieferung auf Grund des Friedensvertrages zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete dem Deutschen Reich auferlegt wurde und die sich auf dem Transport nach dem Uebergabebahnhof Herbesthal befanden. Eine Veräußerung war erforder. Ilch, nachdem die Abnahmekommission der Gegenseite die Kartoffeln zurückgewiesen hatte. Etwa 17 500 Zentner, die auf dem Transport durch Frost gelitten hatten und deren Rückführung auf Schwierigkeiten ge­stoßen wäre und zum vollständigen Verderb der Ware skführt hätte, wurden in dem an Belgien abgetretenen Gebiet an ehemals deutsche Gemeinden, Eisenbahn» und Zollbeamte zu angemessenen Preisen abgegeben. Eine weitere Menge frostbeschädigter 51artoffeln, etwa 15000 Zentner, wurde in Deutschland selbst verwertet. Von den von der Reparationskommrssion angeforderten etwa 100000 Zentnern, gelangten 25 000 Zentner zur Ablie erung. Die Lieferung weiterer Mengen wurde eingestellt. .. , ...

• 3«m Lohnabbau im Saarbergbau Wie mitietetlt wird, sind die Vertreter der Bergarbeiterorgainsatwnen nach Paris abgereift, um mit dem VerwaltungSrat der Saargruten za verhandeln ES nehmen an diesen Ver» handlun en teil vom Gewerkverein christlicher Berg, arbeitet Bczirksleiter F. Kuhnen und Gewerkschafts, sekretär Karins, vom deutschen Bergarbeitervcrband Bezirksleiiet Hetterich und ein weiterer Delegierter.

• Uebrrflüsstie Kommiflbnet. Die im unbesetzten Gebiet uns auf dem linken Rheinufer auSzufuhrenöen EntsestigungSarbeiten sind, wie vom Reichs, schatzministerium mitgeteilt wird, nahezu vollendet. Die englische UeberwachungSkommissionfürHel» golond wurde deshaw bereits am 30 September und die für Kiel am 10 November 1921 aufgelöst. Die später noch auSruführenden Entsestigun Ssorderungen an den Brückenlöpjen Kiel, Main,, Kobienx, Köln und Mesel hat 5tt Interalliierte Militärkontrollkommiision festaestellt und bekanntgegeven, so daß auch hierfür die Beibehaltung der für die Schleifung der Festungen im besetzten Gebiet eingesetzten interalliierten Ueberwach» un^skommrssionen nicht oder doch in dem jetzt vorhan»

Scheer zuteil, der der Deutschen Dolkspartoi beigetreten ist. Er erklärte, der Ruff nach dem „starken Mann' be­deute nichts anderes als den Gedanken, einen Teil des Dolles mit dom änderest m^doryuschkagen. Nötig fiten viele starke Männer und Frauen, stark im Glauben an die 3'jturft und im Willen zur Einigkeit.

Darm sprach Dr. Stresemann über die politische Lage. Es beginne dte Erkenntnis zu dämmern, daß der Vertrag von Derfinlles zu einem Fläch aller Völker werbe, wenn er nicht revidiert wende. Es fii mSglich, daß eine engl. Initiative zur Abänderung der Kriegs- enkffchäAsgungskumme bestehe. Gebe es demgegenüber ein deutsches Programm? Notwendig sei eittmol die Her- abscßrmg der K,r.ogsents<HSdigungssmnme: abzulehnen fii dte "Unterschrist eines Wechsels, den man nicht ein- lösen könne. Eine bloß« S t u n d u n g der Kriegsenl- schäd'gung ohne Herabsetzung bomge die Weck mcht aus bom jetzigen Zustand heraus. Was Deu^chland rn lechem habe, muffe m Sach lefftungen gcschrhen. «odarm muffe der deutsche Etat in Ordnung gebracht werden, ehe die deutsche Notenpneffe aushören könne. Las hänge ab mich von der GestÄtung der D e r k e h r r a n st al te n Der

Mitteilungen der ftanzösischen Presse ist zu ent- I ^i a^7d s^^'

daß England auf der Leistung der „hortet sÄ gegel die französischen Besch.Äigungen und deutschen Ianuarzahlungen vor Gewah- b3nn qcgen die monarchistische Agitation, rung bes Moratoriums besteht. Die Mittel für Wer für eine aktuelle Lösung der monarchstischen jyrage die Zahlugnen sollen aber durch eine Anleihe , der 1 « Süddeutichtend eirsnete, bet lege die Ärt an die War-