Einzelbild herunterladen
 

Ml-aer Leitung

0*^ ®r»d der Fnldaer Actteudrnckerei i* Fald«.

M 275.

Mittwoch, 30t November 1021.

vier Jahre Sowjetwirtf^aft, öas Ende einer ILufion.

Die mannigfachen Nachrichten, die bisher über das Schalten und SSt der SowMejMMgA 'hre Bemühungen, eine klumnumstifche Wrrtschafts- und Gesellschaftsordnung zu schäften, ZU uns gedrungen such, tieften keinen Zweifel darüber, daß diese Bemühungen mit?im-m völligen Mißerfolg geendet hadm. Sowjet- »Maud hat, um nicht ganz zu verelenden, sich gezioun-

«sehen, zu den Methoden kapitalistischer Erzeu- 2lust«schwirtfchaft zurückzukehren.

*@roif (ermaßen den Schlußpunkt Himer eine vter- ffihr c bolschewistische Entwicklung, die für alle Be- jelligren mit einer grausamen Enttäuschung endete, setzt Mn Lenin selbst, der Bannerträger des Bolschewis­mus, ix einem Artikel, den er zu dem „oterten Jahres­tag der Oktoberrevolution" in der „Roten Fahne" (1921, 498) veröffentlicht, und in welchem er Bttrach- mngen über die hinter uns liegenden vier Jahr e Sowjet wirtschaft anstellt sowie Richtlinien auf­zuzeigen sucht, die die Wirtschaftspolitik der Sowjet­regierung demnächst zu befolgen gedenkt.

Für uns, die wir in einem gewissen Teil der deut- fchen Presse auch heute noch immer die Mahnung ver­nehmen, dem Beispiel Rußlands zu folgen, ist das EingestänLms ümins besonders bemerkenswert, daß die bisherige Wirtschaftspolitik der Sowjetregterung eine Ke-tte «m Fehlern, Irrtümern und Mißgriffen gewesen ist. „Unsere letzte und wich­tigste, schwerste, am meisten zurückgebliebene Aufgabe ist der wirtschaftliche Aufbau, das ökonomische Funda­ment für das neue sozialistische Gebäude an Stelle des zerstörten feudalen und halbzerstörten kapitalistischen. Bei dieser wichtigsten und stiersten Arbeit haben wir am meisten Mißerfolge gehabt, am meisten Fehler gemacht."

Wie aber die gemachten Fehler wieder gutma­chen? Und da weiß Lenin keinen anderen Weg, als bei den Meistern des Kapita lismus wieder in die Lehre zu gehen. „Nicht unmittelbar durch die Begeisterung, sondern mit Hilfe des p e r s ö n l i chen Jntere sses, der persönlichen Interesstertheit, mit Hilfe der wirtschaftlichen Berechnung baut zuerst eine feste Brücke, die im Lande der Kleinbauern Wer den Staatskapitalismus zum Sozialismus führt; anders kömtt ihr nicht Millionen und aber Millionen Men- lchen zum Kommunismus führen. So sprach zu uns das Leben. Dies sagte uns der objektive Entrmckltmgs- prozeß der Revolution^" so unterweist heute Lenin seine Anhänger. Der proletarische Staat müsse ytm „Groß­händler", zum „Besitzer" werden; dieser „ökonomische Typus" fei zwar vom Kommunismus ebensoweit ent­fernt, wie der Himmel von der Erde. Aber das sei mm einmal einer jener Widersprüche, die im Leben von dem Wirtschaftsbetrieb der Kleinbauern über den Staatskapitalismus zum Sozialismus führten, und durch die die Bolschewisten in ihrem Lehrkursus hin­durchmüßten, wenn dieser sich auch schwerer und hitterer Mtalte, als wünschenswert fei.

Also: Die vier Jahre Sowjetwirtfchaft waren ein grandioses Fiasko. Auch heute noch regiert das p e r- sönliche Interesse die Wirtschaft. Und die Sowjetregierung, die dieses glaubte ausschalten und, bald durch Begeisterung, bald durch brutalen Zwang, ersetzen zu können, sieht sich zu dem Eingeständnis ge­zwungen, daß die Praxis des Lebens sie gelehrt habe, daß der kommurristische Jdealstaa t noch in weiter Seme fei. ,

Die russischen Arbeiter bezahlten aber die Z e ch e bei den Experimenten der Sowjetgewaltigen.

Im Namen des Proletariats wird, so schildert im Anschluß an den Artikel Lenius in der .Roten Fahne" das Organ der Unabhängigen, die .Freiheit" (1921, 511), di« heutige Lage der russischen Arbeiter- klasse, zwar die .Diktatur" ausgeübt, aber, abgesehen von einer kleinen Schicht, die in die Reihen der Sowjet, bureaukratie emporgerückt ist, ist das Proletariat nur das Objekt dieser angeblich proletarischen Diktatur. .Rechte" hat es nur, soweit es sich den Gewalthabern willenlos fügt; sonst wird jede Kritik und ;ede Auf­lehnung mit den schärfsten Strafen gesühnt. Keine Presse, kein Versammlungsrecht, keine selbstänoigen Organisationen, keine Kontrolle über die Tätigkeit der Sowjetgewaltigen, hunderte alter erprobter Kämpfer in den Gefängnissen — das ist das Bild der proletarischen Freiheit im kommunistischen Sowjetparadies. Wahrlich die schlimmste« Gegner des Sozialismus hätten keine schlimmere Karikatur auf den sozialistischen Staat schaffen können, wie sie von den Kommunisten im heiligen Rußland geschaffen worden ift!

Ein gleiches Los würde wahrscheinlich die deutschen Arbeiter getroffen haben, wenn in den Anfangsstadien der deutschen Revolution es den Kommunisten und slmstigen Radikalen gelungen wäre, die deutsche Wirt- fchaft unber chre Diktatur zu bringen und uns mit einem

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

37] ----------

®ang im Banne dieser Empfindlmgen ergriff er lieber die Hände der vor ihm Stehenden und zog die schlanke Gestalt zärtlich an sich. Sie wehrte ihm nicht und duldete mit lieblichem Erröten, daß er einen Kuß »hre Stirne drückte.

®utbe plötzlich die nach den Wohnräumen füh- "ufgerissen und Herr Albrecht Hohenfels stand auf der Schwelle.

Der Anblick, welcher sich ihm bot, mußte ihn wohl d^Worte f ehrten^"' b°6 if’m im ersten Augenblick 20"• P’t einem erschreckten Ausdruck auf etmmatlntl x ^"en Gesicht betrachtete er die lieb- fid>e Gruppe, bann aber blitzte es zornig in seinen Augen auf und man sah ihm an, welche Gewalt er sich antun mußte, um einigermaßen ruhig zu erscheinen.

„Das ist ioinderTat eine seltsame Ueberraschungl" fcgaan er endl'ch nahertretend, mit bedeckter Stimme, btdem er m sichtl'cher Entrüstung die Blicke abwechselnd Wer da- lange Paar und über Wilhelm Friedwald glerten ließ, der seinen Pult verlassen hatte und in Ne Kitte des Saumes trat - sLm d7ß ich «ich fragen muß, ob ich wache ober träume!’

^atert" suchte Emilie ihn in bittendem Tone zu kkmerbrechen, doch Herr Hohenfels schnitt ihr das Wort vlit einer Schweigen gebietenden Gebärde ab.

»Eher hätte ich des Himmels Einsturz erwartet als »aß meine Tochter sich in solch unerhörter Weise korn- promsttiert. Doch davon später!" Und zu dem bleich dastehenden Karl Hochfeld gewendet, fuhr er fort:

„Auf diese Weise also beantworten Sie meinen Appell an Ihr Ehrgefühl? Bei Nacht und Nebel schle,. chen Sie in mein Haus, wissentlich gegen meinen Bit, fen und suchen das zu erzwingen, was ich Ihnen ver­weigerte und für alle Zeiten verweigern muß? Herr ** Misten Sie, wie man ein solches Gebaren bezeichnet?"

Die schwere Beleidigung, die Herr Hohenfels wohl »uszusprechen beabsichtigte/siel nicht, denn Wilhelm

wirtschaftlichen und politischen Rätesystem nach russi­schem Must r zu beglücken. Der Wieder au, b au Deutschlands kann nur tm Rahmen der rjculigen Wirftchaftsreftrin — selbstverstäMich unter verant­wortlicher Heranziehung aller Detettigten, msoeson- berr auch der Arbeiter — geschehen. An dieser a,a.- sache kann alles Wüten des Kommunismus gegen die angebliche heutige Klasftnwirtschaft und das Ll-baugeln mit dem russischen Wisptelnichts andern. Marxftftch qedackst ist höchstens sozialfsrerurrgsrers eme WmsHaft ber B'üte und prallende Fülle. Wie will man aber /ne Wirtschaft sozialisieren, in der der Doll«, statt einstens 420 bis 425 Pfg., hmte das Siebenzrgfache kostet die in ihrem Ertrag den breiten Schichten des Volkes nur ein schmales Eristtnzminrmum gewährt und dazu noch den kapitalistischen Demokratien des Westens durch über ihre Leistungsfähigkeit hiNWtsgchmde Re­parationen verpflichtet ist?!

Eine Ueberantwortung unserer lebensschwmym Wirlschast an die Leute der „Roten Fahne" würde die deutsche Arbeiterschaft bald in eine Loge, bringen, die vom Wend des russischen Proletariats nicht weit ent­fernt wäre. Daß diese Erkenntnis allmählich auch in den Kreisen der Unabhängigen Platz greift, die sich bisher lvenigstens theoretisch Gedankengängen der Bolschewisten nicht unzugänglich zeigten, erscheint be­sonders beachtenswert. Was der „Freiheit" heute als Illusion vorkommt, war vor dem bolschewistischen Fiasko vielleicht ihr geheimer Herzenswunsch.

Die Michseisenbahmn.

Ein geschichtlicher Rückblick.

Die Diskussion über die Entstaatlichung der Reichs- eissnblchnen gibt Gelegenheit, einmal die Geschichte und staatsrechtliche Lage der Eisenbahn zu schildern.

Die Eisenbahnen sind ein Kind der aufkommenden kapitalistischen Wirtschaft im 19. IahrhMdert. Die ersten Versuche, mit Dampflokomotiven zu fahren, wur­den in CnÄand gemacht. 1835 ftihr in Deutschland die erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. In den vierziger imb fünfziger Jahren entwickelt sich dann rasch das deutsche Eisenbahnnetz. Und zwar waren die meisten Bahnen, die damals gebaut wurden, Privat­bahnen. Erst nach Gründung des Damschen Reiches begann eine planmäßige Politik der einzelnen Länder, die Eisenbahnen zu verstaatlichen, lieber 56 000 Klm. Schienenstrang liefen 1905 durch Deutschland, auf je 10 000 Einwohner kamen 10 Klm.

In der deutschen Einheitsbewegung _ haben die Eisenbahnen eine bedeutsame Rolle gespielt. Schon Goethe hat 1828 gesagt: „Mir ist nicht bange, daß Deutschland nichts eins werde; unsere guten Chausseen und die künftigen Eisenbahnen werden schon das ihrige tim." Der Mann, der um die Entwicklmrg der ersten deutschen Eisenbahnen sich ein ganz besonderes Verdienst erworben hat, Friedrich L i st, hat diese Bedeutung der Eisenbahnen für die Einheitsbewegung Deutschlands klar vorausgeschen. Er sah in den Eisenbahnen ein großes Nationalunternchmen und hat schon 1833 fast alle die Bahnlinien vorausgesehen, die heute zu den wichtigsten Verkehrswegen geworden sind.

Es ist charakteristisch, daß die neue Reichsoer­fassung, die uns ja eigentlich erst den deutschen Ein­heitsstaat gebracht hat, auch die Derreichlichung der Eisenbahnen bestimmt. Die Art. 89 bis 96 der Ver- faffung handeln von den Eisenbahnen. „Aufgabe des Reiches ift es. die dem allgemeinen Verkehr dienenden Eisenbahnen in sein Eigentum zu übernehmen und als einheitliche Berkehrsanstatt zu verwalten." Und in den Uebergangsbeftiwnnmgen heißt es, daß die Staats- effenbahnm der einzelnen Länder bis spätestens am 1. April 1921 auf das Reich übergehen. Durch Staats­verträge zwischen dem Reich und den Ländern Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen und Oldenburg sind dann auch die Eisenbahnen der einzel­nen Länder auf das Reich über gegangen. Das Reich zahlte eine Abfindung an die Länder von über 40 Milliarden Mark. Diese Abfindungssumme deckt nicht nur die gesamten Staatsschulden drr Eifenbahnländer, sondern gibt ihnen überdies ein hohes Forderungsrecht gegen das Reich.

Das Abkommen ist vom Standpunkt der Länder, da der statistische Wert des Anlagekapitals der deutschen Eisenbahnen sich auf nur rund 20 Milliarden Mark be­läuft, sehr günstig zu bezeichnen. Das Reich vergünstigt den Ländern eben nicht nur den Buchwert, sondern in den meisten Fällen den Ertragswert, überdies die in den Kriegs fahren entstandenen Fehlbeträge. Die Be­zahlung der Abfindungssumme erfolgte in der Weise, daß das Reich mit Wirkung vom 1. April 1920 die schwebenden Schulden der Eisenbahnländer übernahm. Der Rest der Summe wurde zumeist in Schuldscheinen vom Reich gezahlt. Die Drwaltung der so übernom-

Friedwalb war rasch vor seinen empörten Chef getreten und sagte mit fester Stimme:

»Halten Sie ein, Herr Hohenfels — Sie verkennen die Sachlage! Die unlauteren Beweggründe, die Sie meinem Freunde unterstellen, existieren nicht! Mir per­sönlich hat Herr Hochfeld einen Privatbesuch abgestattet! ®fntl ich dabei auf seinen dringenden Wunsch hin ermöglichte, daß er ein Wort des Abschiedes an Ihr Fräulein Tochter richtete, so habe ich allerdings nicht in Ihrem Sinne gehandelt, bin aber bereit, alle die hieraus entstehende» Konsequenzen zu tragen!"

"2hre Offenheit läßt nichts zu wünschen übrig Herr Friedwald. So sehr ich Sie als geschäftlichen Miiar. beiter schätze, muß ich gestehen, daß ich Ihre Einmischung in Verhältnisse, über die mir allein ein Urteil zusteht, unerhört finde. Sie öffne» Ihrem famosen Freunde einen Schleichweg in mein Haus — Sie erniedrigen sich dazu, bewußt gegen meine privaten Interessen zu han. del». Das hätte ich nie und nimmer von dem Manne erwartet dem ich immer nur Wohlwollen erwiesen habe."

Empört schritt Herr Hohenfels einige Male im Zim- : mer auf und ab, und wollte sich eben wieder an seine Tochter wenden, als Friedwald, der bei den Worten seines Chefs bleich geworden war, sich in plötzlich ge­faßtem Enffchluffe hoch aufrichtete und sagte:

„Wenn Sie die Sache von diesem Gesichtspunkte aus betrachten, Herr Hohenfels, dann bin ich schuldig und betrachte mich deshalb aus Ihr. » Diensten enllaffen. Ihrer Auffassung nach habe ich eine Untreue gegen Sie begangen, und da ich nicht annehmen kann, daß Sie diesen Standpunkt aufgeben, kann ich schon ehrenhalber nicht länger in meiner Stellung verbleiben."

„Und ist meine Auffassung etwa nicht die richtige, Herr?" Herrn Hohenfels Stimme klang etwas gemäßig­ter. „Ober können Sie irgend etwas anführen, was etwa als Entschuldigung dienen konnte?"

„Allerdings Fan» ich das, wenn Sie mir gestatten, i Verhältnisse zu berühren, die, wie Sie vorhin bemerk­ten, nur Ihrem eigenen Urteil unterstehen!"

„Und das wäre? Spreche» Sie ganz offen!

„Meine Entschuldigung liegt darin, daß ich ganz auf der Seite meines Freundes stehe und es oo» Ihnen,

nmnen Eisenbahnen ist durch die Berwaltungsordnung vom 26. April 1920 geregelt.

Das feit 1919 bestehende Reichsverkehrs- Ministerium, das in die Eisenbahnabteilung, die Abteilung für Wasserstraßen und die Abteilung für Luft- und Kraflsahrwesen zerfällt, hat die Aufticht und oberste Leitung über die Eisenbahnen, die Etatsfest­setzung, die allgenvnne Derkehrspolitik und die Fest­setzung der Wenst- und Perfonalvorschristen. Reben dem Reichsverkchrsministerium als Zentralbehörde sind 7 Zweigstellen in den vorher die Eisenbahnen be- sttzmdm Ländern eingerichtet. Die Verordnungen, die den Bau, den Betrieb und den Verkehr der Eisen- bahnen regeln, werden von der Reichsregierung mit Zu- stimmung des Reichsrates erlassen; damit ift ein Gegen­gewicht gecien ein allzuaroßss Bestreben nach Zentrali­sierung gegeben, bas den Wünschen der Länder Rech­nung "tragen kann.

Für die Verkehrs- und Tarifpolitik ist eine Änteres- sengemeinschaft vorgesehen. Diese Eiftnbahnräte wer­den zum Teil von den Regierungen der beteiligten deutschen Länder ernannt, zum anderen von den Han­dels- Handwerks- und Landwirtschaftskammern usw. gewählt. Für die Finanzpolitik der Eisenbahnen ist die Reichsverfassung bestimmend, die fordert, daß die Eisenbahnen, ungeachtet ihrer Eingliederung in den allgemeinen Etat des Reiches, als ein selbständiges wirtschaftliches Unternehmen zu verwalten find und daß feine Ausgaben aus den Einnahmen selbstzubestreiten sind.

katholische Jugend.

Die diesjährigen Tagungen der katholischen Äugend- on bände sind vorbei, sie haben frisch und lebendig das Eistarken der katholischen Jugendarbeit gezeigt, sodaß auch die Oefsentlichkeit mit tieferem öiüeresse das Wachsen und Werden der Jugend verfolgt.

Nicht als ob die ganze katholisch: Jugendarbeit in eine Richtung und in gleichen Schritt und Tritt ge- bracht wäre, es offenbaren sich auch in ihr die Kräfte, die scheinbar mit zum Wesen des deutschen Volkes gehören: ein Neb'nnmanderher, ein Sichnichtfindenkönnen und dann doch wieder die tiefe Sehnsucht zur Einheit mid Geschlossenheit. Auf der Tagung der Gesellen in Köln kam dieser Gedanke der Zusammengehörigkeit ebnnrntar zum Ausdruck, ebenso auf der P f i n g st - tagungder katholischen Jugend- und Iungmännervereine in Düsseldorf; die Neu- deutschen sprachen in Freiburg sehr ernst und reif von der Zusammenarbeit mit drr übrigen Jugend, und ein besonders beachtenswerter Schrttt zur überbündi- gen Jugendgerneinschaft wurde getan in der Gründung und schnellen Ausbreitung der „Deutschen Ju­gend-Kraft", b:s Rcichsverbandes für Leibes­übungen in katholischen Vereinen; auch verdienen einen Hinweis die Großdeutschen, die in allen Jugendverbän­den ihre frische Sprache führen; die Unitarier auf den Hochschulen, die in religiöftr Selbsterneuerung zur Ein­heit (imitas) mit Volk und Äugend kommen wollen; die Groß-Quickborner, die in ihren Gemeinschaft^ SilÄrenten mrd werftäfige Jugend zu treuer Arbeit zu vereinen suchen.

Der Frankfurter Katholikentag brachte in einer eig­nen Ausschußsitzung, zu der Vertreter aller katholischen Jugendorganisationen geladen waren, diese Frage zur Sprache, nachdem auf d:m Aerbandstage der kathol. Jugend- und Iungmännervereine in Düsseldorf bereits erfolgreiche Vorbesprechungen stattgeftrnden hatten. Freilich konnte bislang meist nur der gute Wille zum Sichfindm ftstgestellt werden, aber es scheint doch, daß auch hier der einmal ins Rollen gekommene Stein nicht so leicht aufgehallen wird.

Die weibliche Äugend steht vor ähnlichen Prob- teman, wenn diese auch nicht in gleicher Weise in die Augen fallen. Auch ba giti es, mit Vorurteilen aufzu- räumen und zu einer Rrucinstellung zu kommen. Es ist ein Zusammenschluß der Schülerinnen höherer Lrhr- anftalten im Werden (Parallelerscheinung zum Reu- demschlandverband der Jungen); verständnisvoll soll er sich von vornherein eingliedern in die übrige weibliche Äugend, wie auch die Jugendzeitschrift des katholischen Frauenbundes „Äugendziele" in vorbildlicher Weise am Sichverstehen und Einandernäherkommen arbeiten.

Apostolatsgedanken brechen sich Bahn in der Jugend, gemeinsame Not und gemeinsame Aufgabe sichren die begeisterungsftohe Äugend zueinander, auch über die Grenzen des engeren Vaterlandes hinaus. Es laufen oielß starke Fäden nach Oe st erreich und S ü d - tirol, nach Deutsch-Böhmen und Danzig, nach Holland, Luxemburg und der Schweiz, die ja durch die Gesellen und die Studenten schon lange bestanden. Der Wille der Äugend $ur kathol. Lebens- und Wellgestaltung brachte es sogar fertig,

Herr Hohenfels — verzeihen Sie den Ausdruck, unbarm­herzig finde, der ehrlichen Neigung zweier Herzen aber auch gar keine Hoffnung lassen. So gewaltig ist der Standesuntcrschied nicht, daß ein so energisches Ver. wahren Ihrerseits berechtigt wäre, weit eher wäre eine wohlwollende Erwägung angezeigt. Alle Ehre Ihren väterlichen Rechten, aber —"

„Das sind Dinge —* unterbrach Herr Hohenfels mit einer abweisenden Gebärde — „auf deren nähere Er­örterung ich mich nicht einlassen kann! Wenn ich es auch erklärlich finde, daß Sie aus freundschaftlichen Ge­fühlen sich zum Fürsprecher dieses Herrn aufspielen, so kann ich es doch nur als eine starke Zumutung be. zeichnen, dessen Persönlichkeit, so wie Sie es denken, überhaupt nur in Frage zu ziehen. Oder wissen Sie nicht, was sich die Spatzen auf den Dächern über Ihren gepriesenen Freund zupfeisen?"

Karl Hochfeld hatte während dieser, in rascher Folge hin und her gewechselten Reden wie in atemloser Span­nung gestanden und schien mehrmals gewillt, den Spre­chenden in das Wort zu fallen. Bei den letzten Worten des Herrn Hohenfels trat er einige Schritte auf diesen zu und stieß heftig hervor:

„Ich kann nicht von Ihnen verlangen, daß Sie an. bers wie die Welt urteilen, Herr Hohenfels, aber war­nen mochte ich Sie. ebenfalls einen Stein auf mich $u werfen! Vielleicht würden gerade Sie es einst be­reuen, einem unschuldig Verdächtigten Unrecht getan zu haben!"

Löh erbleichend sah Herr Hohenfels den Sprecher an, dann flog es wie ein Zug von Sarkasmus über sein schönes Gesicht, und in kalt gemessenem Tone er. widerte er:

„llm Rätsel zu lösen, fühle ich mich durchaus nicht aufgelegt, und überaus gleichgültig ist es mir, wie die Welt über Sie und über die berührte Affäre urteilt. Es kann also auch keine Rede davon sein, daß ich „einen Stein auf Sie werfe"! Beendigen wir, bitte, bas Gespräch. Ich denke, auch Ihnen muß es peinlich sein, in einem Hause zu verweilen, wo man Ihre Gegen- wart nicht wü sicht!"

Das war wieder der ganze Herr Albrecht Hohen­fels in feiner eisigen Unnahbarkeit, feinem gegen alle

daß aus allem Ländern der Erde sich im Ättti die «tu- deuten (Freiburg i. d. Schweiz) und im September (Rom) die gesamten katholischen Jugendorganisationen der Welt zusammenfanden zur Aussprache wer die Ziele mrd gegerrfe üige Hilfe der heutigen Lugend.

Der katholische, d. i. allumfassende, wirklichketts- wahre Gedanke ist auf dem Marsche in imserer Jugend. Helfe jeder mtt, wo er kann, denn gerade bei ihrem großen Wollen entbehren die Jungen ost der zielsichere» Führung. Schwierigkeiten gibts noch übergenug, aber in ihrer Ueberwindung liegt der Aufbau!

(Lite zeitgemäße Erinnerung.

Die französifche Rheinlandbefetzung und die deutsche Okkupationsarmee 1870—1873.

Prof. Dr. Rühlmann-Berlin veröffentlicht im „Bad. Beob." einen Aufsatz, in dem er folgendes aus. führt:

Im neutralen wie auch im ehemals feindlichen Aus­lände mehren sich in den Letzten Monaten auffallend zne Stimmen der Einsichtigen, die in der sinsizehnjcchngAr militärischen Zwangsverwalttmg der Rhernlande die eigentliche Quelle der ständig sich vergrößernden «rro- päifchen Völkerentfremdung sehen. Ein ganzer ^Kom­plex von Fragen verknüpft sich in dem GegenftaE: die verschiedenen Auswüchse des französischen Mrlitans- mus, die sog. Schwarze Schmach mit all ihren sexuellen und^fyischen Ekeln, die entsetzlichen Wohnungsnot, die Teuerungshöhe, der wirftchafttiche Ausverkauf, der seelische und moralische Druck durch Zensur und Terror usw. Die Lasten der Rheinländer sind, ohne Uebrrtreibung sei es gesagt, unsagbar. Wenn nun Deutsche oder Ausländer hn internationalen! Kreise auf diese Nöte Hinweisen, so kommt fast reget- mäßig von französischer Seite neben dem üblichen De­menti die Bchauptung: Deutschland verdient es nicht besser, beim die Franzosen wenden nur dieselben Me­thoden an, die Drutschland 1914—1918 in Frankreich beliebte. Dieser Einwand versehll nie seine Wirkung bei den durch die Kriegspropaganda mißtrauisch ge- wördenen neutralen und ehemals feindlichen Auslän­dem. Abgesehen davon, daß dieser Vergleich in de» meisten Fällen propagandistisch ist, entbehrt er voll­kommen der inneren Berechtigung: Deutschland befand sich Frankreich gegenüber im Kriegszustände, hn Zu­stande der Notwehr allergrößten Stiles gegenüber einer Welt von Feinden. Der Mein völkerrechtlich zu- lässige Vergleich mit der französischen Rheinland­besetzung ist dm deuftche Okkupation 1870—73. Deutsche Truppen blieben bekanntlich noch dem Frankfurter Fri«- densschluß in Frankreich, um die Zahlung der Kriegs­schulden sicherzustellen. Ueberraschend schnell tilgte Frankreich seine Kriegsschulden, und bereits 1873 int September wurden deshalb die deuftchen Truppen aus Nordfrankreich zurückgezogen. Charakteristisch für da» Verhalten der deuftchen Truppen ist ein Brief­wechsel, der zwischen dem damaligen Präsidenten; der französischen Republik, Mac Mcchon, und dem Oberbefthlshaber der deuftchen Okkupationsarmee, Ge­neral v. Manteufftt, geführt worden ist, und in dem die deutsche Besatzung von dem höchsten Vertreter der französischen Republik ein unemgcschränktes Lob er­hält. Die beiden charakteristischen Briefe lauten in der Ueberfttzung folgendermaßen:

Der Präsident der fvanziffischen RepukM, Mar Mohan, schreibt aus Versailles unter dem 4. Sept. 1873 an den DberfommanMarenban der deutschen Okkupationsarmee General v. Manteuffel in Derdmi: In dem Augenblick, wo die deutschem Truppen den ftonizöstschen Boden ver» lassen wollen, möchte ich nicht veftehlen, ihrem Dberfom» rmmblsrenben die Gefühle auajutbrüden, di« ich empfinde für die Gerechtigkeit mrd Unparteilichkeit, die er in der schwierigen ihm mrvertrauten Wutfgabe bewiesen hat. Ich bitte ihn, die Versicherung meiner höchsten Bewunderung MtgegeiMchmen zu wollen.

General v. Manteuffel schreibt dorons an Mac Mcchon unter dem 12. Sept. 1873: Ich danke dem Herrn Präsl- denten ganz ergebenft für das Schreiben vom 4. d. M., bas ich zu empfangen die Ehre hatte. Daß der Präftdent der sranzöstschen Republik mir gegenüber die Gerechtigkeit und Unparteilichkeit anerkennt, mit welcher ich mein Kom­mando während der Okkupationszeit geführt, ist mir ein wertvoller Beweis, daß ich den Intentionen meines Msr- gnMgstm Kaisers und Königs entsprochen habe. Aber ich hätte mich auch verpflichtet, dem Herrn Präsidenten der französischen Republik ausznsprechen, daß die Ausführung meiner schwierigen Ausgabe wesentlich durch das Verholte« des außerorbentlUchen Kommissars des französischen Go«» »ememan-ts Herrn Gras von St. Ballier erleichtert worben ist. Ich bitte dem Herrn Präsidenten, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung zu genehmigen.

Ob wohl nach 15 Äcchren ein gleicher Brief­wechsel zwischen der deutschen Regierung und dem französischen Oberbefehlshaber staüfinden wird und kann?

gesellschaftlich niedriger Stehenden hervorgekehrten Hoch, mut. Wenn er aber glaubte, auf diese Art feinem Geg­ner zu imponieren, so irrte er sich.

Mit einer ruhigen Bewegung ergriff Karl Hochfeld feinen auf dem Pult liegenden Hut, und sich zum Fort, gehen wendend, erwiderte er bedeutungsvoll: „Ihr Hinweis ist deutlich genug! Befürchten Sie nicht, daß ich Ihnen durch längeres Derweilen lästig falle. Tauscht mich nicht alles, so bleibt die Stunde nicht aus, in wel­cher Ihr stolzes Selbstbewußtsein doch etwas ins Wan. ken gerät — die Stunde, in welcher ich Ihr abweise«, des Benehmen mit Zinsen heimzahlen könnte!" Und sich zeremoniell verneigend, entfernte er sich durch die nach der Wohnung Wilhelm Friedwalds führende Tür, gefolgt von dem Buchhalter.

Betroffen schaute ihnen —Karl Hochfeld und feinem Freunde — der Hausherr mit einem finsteren Blicke nach und wandte sich, nachdem die Schritte der beiden verhallt waren, an feine Tochter, die bleichen Ange, sichts, in entschlossener Haltung in der Mitte des Rau. mes stand, offenbar bereit, dem jetzt über sie herein, brechenden Sturm mit aller Energie zu begegnen.

„Was soll bas heißen?" entfuhr es Herrn Hohenfels. Der Mensch versteigt sich zu versteckten Drohungen —"

„Das soll heißen," unterbrach ihn bie junge Dame fest, „baß der Mensch — sie betonte bas „Mensch" vor. wurfsvoll — gerade wie ich davon überzeugt ist, daß nicht er, sondern ein anderer als Dieb des auf der Industtiebank entwendeten Geldes in Frage kommt, und zwar eh anderer, der uns beiden, Papa, sehr, sehr nahe steht! Nur die Beweise fehlen Herrn Hochfeld —» verschafft er sich dieselben, dann —'

Wie von einem Schlage getroffen, fuhr Herr Hohen, fels zurück. „Du willst behaupten, daß Max---?*

schrie er förmlich heraus.

„Ich behaupte nur das, was ich mit diesen, meinen eigenen Augen gesehen lsabel Und ich habe gesehen, daß Max im Besitz von erheblichen Geldmitteln ist, seitdem er sich an der Kaffe der Bank befindet. Don Dir hat er das Geld nicht erhalten und daß er gegen zweitausend Mark im Spiele gewonnen hat, das hatte ich für höchst zweifelhaft!"

(Fortsetzung folgt)