Amtlicher Anzeiger für den krers und die Stabt Fulda.
Hl 274.
Lerantwortlich für den reoaaionellen Teil: Dr. I- Kramer, n Mr die Anzeigen: I. ParzeUer-Fuida. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckere, in omoa. Remlpredter Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fu ldaer Zeitung.
Dienstag, 29. November 1921.
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48. Zahrg.
Können England und Nordamerika sich verständigen?
WeltpoMische Entscheidungsstunden.
Wenn Lloyd George wirklich noch die angekün-
Reise nach Washington antritt, so wird er vermutlich etwas mehr bezwecken, als die bloße Teilnahme an einer Schlußberatung über eine Resolution wegen der Schiffsbauten.
Die Reifs dieses vielbeschäftigten alten Staats- mannes würde wieder die Frage in den Vordergrund drängen, ob er nicht eine Radikalkur ^gegenüber der Friedlosigkeit der Welt in Gang Dringen könnte. Nämlich eine Verständigung zwischen den beiden großen rivalisierenden Weltmächten, zwischen England und den Vereinigten Staaten, woraus dann naturgemäß sich eine Bändigung der übrigen Ruhestörer ergeben würde.
Ist die Welt groß genug, um jedem dieser sog. Weltreiche ein ausreichendes Feld zur Geltendmachung seiner Reichtümer und seiner Machtmittel zu gewähren? Man sollte es denken. Denn Nordamerika will ja nach seiner bisherigen Kundgebung mir in der „neuen Welt"', d. h. in Amerika selbst sunö den anliegenden Teilen von Hinterasien, die Dormachtstellung haben, während es die Einmischung in die europäischen Verhältnisse bisher abgelehnt hat. Die englischen Interessen dagegen find angehäuft in der „alten Welt", in Europa ,und in Vorderasien bis Indien einschließlich. Eine erträgliche Grenzlinie für die weltpolitischen Herrschaftssphären ließe sich wohl finden. Sie müßte Freilich ergänzt werden durch handelspolitische Abmachungen für die offene Tür auf Gegenseitigkeit in den gesamten Bezirken, also auch für den Schutz der erworbenen Rechte Englands in China und für die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit im großen chinesischen Reiche.
Der fri^liche Ausgleich der beiden Weltmächte Müßte eine Voraussetzung haben, die auch Deutschland berührt. Denn sowohl England als Nordamerika müßten je einen Bundesgenossen preis* geben, und zwar England das bisher beschirmte -Japan und Nordamerika das bisher begünstigte Frankreich. Preisgeben nicht etwa in dem Sinne einer Beraubung oder Demütigung, sondern nur unter Beschränkung des dort bisher gepflegten Imperialismus. Japan kann in Ehren und auch in Wohlstand leben, wenn es auch verzichten muß auf weitere Eroberungen in China oder in den Ueüerbleibfeln von Rußland oder auf den Inseln des Stillen Ozeans. Und Frankreich kann blühen -Und gedeihen, auch wenn es die Drangsalierung Deutschlands und die militärische Vorherrschaft in Europa und Vorderasien nicht weiter fortfetzen kann.
Eine solche Teilung der Welt zwischen England und Amerika hätte für unseren Erdteil die Folge, daß mit einem Schlage für Europa London wieder die Hauptstadt wate, nachdem bisher Paris die Herrschaft an sich gerissen hatte. Lloyd George oder sein Nachfolger an der Spitze des britischen Weltreiches brauchte nicht mehr fortwährend „umzufallen" gegenüber dem letzten Wort der Franzosen. Bisher geschah es zu unserem schweren Schaden, weil England den Bruch mit Frankreich nicht riskieren mochte und Scheu vor dem rivali-. fierenden Nordamerika, das im kritischen Augenblick Frankreich gegen England ausspielen konnte. Wenn diese Befürchtung fortfällt, hat die englische Politik wieder freie Hand in Europa und Border- asien, vor allem auch in den deutschen Angelegenheiten. Gerade in letzteren gehen bekanntlich die Stimmungen und Wünsche der beiden Mächte weit auseinander.
Wenn England und Nordamerika sich schon vor einem halben Jahre verständigt hätten, so wäre die unvernünftige Teilung des oberschlesischen Jn- dustriebezirks gewiß nicht erfolgt. Und wenn sie sich jetzt noch verständigen sollten, so wäre davon zunächst ein heilsamer Einfluß auf die wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen Polen und Deutschland zu erwarten. Weiterhin eine Förderung der schwebenden Kreditaktion Deutschlands und ferner eine Anbahnung der Revision des Ultimatums unb des Friedensvertrages von Versailles. Denn in allen diesen Punkten ist Frankreich die Quelle "er Hmdernisse und der Drangsale, und jede Zu- rückdrangung der französischen Gewaltpolitik verbessert unsere Hoffnung auf Rettung.
.. So erklärt sich unser lebhafter Wunsch, daß die beiden Weltmächte sich verständigen möchten und dadurch England freie Hand bekäme für seine Politik, die zwar nicht deutschfreundlich, aber doch vernünftiger ist, als die französische. Der Wunsch darf jedoch nicht ohne weiteres zum Vater des Gedankens weichen. Was aus der Konferenz in Washington wird, kann noch kein irdischer Prophet sagen. Wir können uns nur an die Tatsache hal- ten, daß unsere Regierung nichts getan hat, was me Entwicklung zum Bessern verhindern könnte.
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9er MMrW WM Du MMW hat am Montag tn Berlin eine Sitzung abgehalten an der auch der Reichskanzler tsilmkhm. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf dm Wg. Stinnes der als Mitglied des Ausschusses ebenfalls cm ter Sitzung teilnahm.
ll. a. wurde über die Dalutasrage von Staatssekretär Sc^öder und dann über deii Stand der deutschen Kork und dir Mmelfroge Erklärungen gegeben, an die
sich eine eingehende Besprechung knüpfle, in der auch der Reichskanzler das Wort ergriff. Damit im Zusammenhang wurde auch die Anleihefrage erörtert und von mehren.'» Redner der Versuch gemocht, den Abg. Stinnes zu Mitteilungen über seine Londoner Reise und ihr Ergebnis zu veranlassen. Stinnes beschränkte sich aus die Erklärung, er sei lediglich in Privatangelegenheiten in London gewesen, und könne daher keine Mitteilungen machen. Heber die augenblicklich brennendste Frage, nämlich Washington, wurde nichts besprochen. Das Thema wurde in den Ausführungen einzelner Redner nur sacht berührt Später allerdings breitete sich die Aussprache immer mehr über alle großen Fragen der auswärtigen Politik aus. In deren Rahmen mirrte auch die Frage der Besetzung der Bot- schaftcrposten in Washington und Rom erörtert. Der Kanzler beantwortete eine Reihe von Fragen, darunter auch die wegen der beiden Botschafterposten, indem er sagte, es stehe noch nicht fest, wie sie besitzt würden. Die erwartete Rede des Kanzlers über Washington unterblieb.
Bergungen im Reichskabiw-ll.
Die Reichsregierung wird sich heute nachmittag in einer Knbinettssitzung nochmals mit den Maßnahmen gegendie Teuerung unddenWucher beschäftigen.
Besprechungen innerhalb des Reichsoerbandes der deutschen Industrie.
Wie der „Bert. Lokälwrzeiger" erfährt, tritt heute vormittag das PräsidiumdesReichsverban- des dcr tentischsn Industrie zusammen. Auch Hugo Stinnes wird an der Sitzung teilnehmen. Nachmittags wird eine Sitzung des Kreditausschusses des Reichsvcrbandes der deutschen Industrie stattfindm.
Rathenau in London.
Zu der Nachricht der Londoner „Mormngpost", wonach Dr. Rathenau nnd Dr. Simons in London eingetroffen (eien, erfährt die „Deutsche Allg. Ztg." von unterrichteter Sette, daß es sich hierbei nicht um den früheren Minister des Aeußern Dr. Simons, sondern um einen Mitarbeiter Rnthenaus, Oberleutnant a. D. Dr. Simon,' handele. Wie das Blatt weiter mitteilt, ist die Reife des srüheren Wiederaufbauministers nach London in privater Angelegenheit erfolgt.
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Hiobspost aus Gderfchlesien.
Einer Meldung der „Morning Post" aus Warschau zufolge, wird berichtet, daß die Bergwerke tu Königshütte in französische Hand und große Eisenwerke in Hohenlohehütte in englische Hand übergegangen seien. In Kattowitz hätten sich japanische Interessenten festgesetzt. Die Polen fördern solche Verkäufe, da die Aufrechterhaltung der Industrie für Polen lebenswichtig sei und da die Polen selbst nicht in der Lage feien, diese Aufgabe erfolgreich in Angriff zu nehmen.
Ztreikfiebsr.
In der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde ein DringlichkeitsanLrag ter Unabhängigen, der ein weiteres Entgegenkommen gegenüber ten Forderungen ter Angestellten der städtischen Werke bezweckt, abgelehnt. Die kaufmäni- schen A»gestellten der städtischen Werke haben darauf in einer Versammlung beschlossen, sofort in den Streik zu treten. Die technischen Angestellten dagegen kamen überein, sich zunächst an dem Streik der Kaufleute nicht zu beteiligen, es sollen vielmehr heute wettere Verhandlungen mit dem Riagistrat etn- gelerter teerten.
Die Portiere, Fahr stuhlfuhrer und Heizer in ten Berliner Geschäfts- und Industrie- Häusern sind wegen Lohnforderungen in den Streik getreten. Es besteht die Gefahr, daß der Streik auch auf die Portiere in den Wohnhäusern übergreift.
Wie der „Bert. Lokalangeiger aus Saarbrücken meldet, wurde im lothringischen Kohlengebiet fast überall der Streck verkündet. Die Bürgschaften sind in den meisten Gruben seit Donnerstag nicht mehr angrsichren, Militär ist nach dem Grubengebiet abgegangen.
Buchdruckerstreik in Italien.
Infolge eines Buchdruckerstreiks erscheinen in ganz Italien keine Zeitungen.
Ans dem besetzten Gebiet.
• Die Krefelder Verhaftungen. Die tn Krefeld ver- baftet-m ehemaligen Offiziere des Regiments 5 (Fal. kenstein), die bekanntlich vom belgischen Kriegsgericht zu empfindlichen Geld- unb Gefängnisstrafen verurteilt waren, sind mit Ausnahme von vier Her. r en sämtlich vorläufig in Freiheit gesetzt worden. Don den vier noch im Gefängnis zurückgehaltenen sollen zwei cm 8. Dezember entlassen werden rvgh. rend bw Heiden letzten Herren wegen Waffenbesitzes im Gefängnis zurückbehalten werden.
* Der deutsche Ausverkauf. Eine Belgierin, die bei einer Razzia auf dem Kölner Bahnhof fsstge. nommen worden war und in deren Koffer ein Mantel 6 Schals und etwa 30 Taschentücher deutschen Url sprungs gefunden wurden, erhielt drei Monate Gefängnis unb 60000 Mark Geldstrafe. Zwei Männer aus Charleroi, di« große Posten Hemden, Hofen und Hosenträger ausführen wollten, wurden zu je drei Monaten Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Andere festgenommsne Belgier wur. den zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Wochen und zu Geldstrafen bis 20000 Märk verurteilt.
* Die Lockungen des Franken. Ein großer Teil der Dienstboten der Pfalz verläßt die lwidwirtschaft-
lichen Betriebe unb wandert durch die Frankenlühne verlockt in das Saargebiet ab. Der Mangel an Dienstpersonal macht sich infolgedessen in steigendem Maße bemerkbar. ,
Was sich die rinksradikalen
gegen einen Bischof erlauben.
Schmähungen gegen den Bischof von Meißen.
Im sächsischen Landtag hat sich bei der Besprechung der Anfrage Heßlein wegen des Verbotes an den Bischof Dr. Schreiber bezüglich des Besuches der kath. Schulen der Abg. Menke von der Unabhängigen Sozialdemokratie in unglaublich rüpelhafter Weife ausgedrückt. Nach dem stenographischen Bericht sagte Menke u. a.:
„Von dem Geiste der Revolution ist hier nichts zu merken. Wir müsien uns hier über Dinge unterhalten, worüber sich sonst die Gescheitelten unb Geschorenen nicht ganz klar sind, und bei allen den verschiedenen Auffassungen, die hier zutage getreten find, scheint es mir, daß einer in dieser Stunde m diesem Hohen Hause fehlt, und das ist He i n r i ch Hei n e. Er würde sicher in dieser Stunde sagen: Wer von ihnen_ recht hat. weiß ich nicht, doch es will mich schier bedünken, daß der Rabbi, daß der Mönch, da sie alle beide stinken! (Zuruf rechts: Menke am meisten! — Heiterkeit.) Um was es sich hier handelt, hat der Herr Kol. lege Dr. Seyfert ganz richttg ausgeführt, es handelt sich einzig und allein um die Machtprobe. Wer ist nun aber derjenige, der Macht für sich in Anspruch nehmen will? Ein Bischof. Wer ist aber ein Bischof? Für die Herren von der katholischen Kirche oder von sonst irgendeiner anderen kirchlichen Richtung natürlich ein Mann, der den Stellvertreter Gottes auf Erden derstellt, aber für die breite Masse des Volkes in unserer heutigen Zeit weiter gar nichts als ein Mann, der sich mit einem ungeheuren Firlefanz als Kaspar vor der ganzen Welt zeigt. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Unabhängigen und bei den Kommunisten. — Lebhafter Widerspruch rechts. — Zurufe rechts: Unerhört! Un- Verschämtheit! Das ist Ihre Toleranz! Das ist keine Provokation? — Hammer des Präsidenten.)
Stellv. Präsident Dr. Wagner (unterbrechend): Herr Abgeordneter Menke, wenn der Bsichof au* nicht diesem Hause cmgehört, so ist er doch ein? Person, durch deren Herabsetzung die Gefühle von Mitgliedern dieses Hauses verletzt werden müssen. Ich bitte daher. solche Ausdrücke zu unterlassen. (Abg. Heßlein: Das werden wir uns merken!)
Abg. Menke (fortfahrend): Für uns ist der Bischof weiter gar nichts als das. was der Herr Kultusminister ousgeführt hat, eine Privatperson wie Schulze, Meier und Cohn ebenfalls. (Lachen rechts unb in der Mitte.)
Mit Recht bemerkt zu dieser Frechheit des „Genoffen" Menke die „Sächf. Volksztg.": Die Katholiken werden auf diesen pöbelhaften Angriff besonders dann zurückgreifen, wenn es, von gewisser Seite wieder heißen sollte, daß Religion Prill a t j a ch e sei.
Deutscher Reich.
* Berlin, 29. Nov. Der neuernamttc Gesandte der chinesischen Republik, Strntchou Wei, kam am Sonntag in Berlin ein, um die Geschäfte ter Gesandtschaft zu übernehmen. — Der Abg. Dr. Stresenk a n n ist an ter Grippe erkrankt, so daß feine Teilnahme am Stuttgarter Parteitag der Deutschen Vollspartei in Frage ^stellt ist.
f. Das Devijcngefetz, welches dorn Reichswirt- schastsministerium vor einiger Zeit angekündigt worden war, ist bisher noch nicht zur Verabschiedung gebracht. Das ist um so bedauerlicher, als seinerzeit die bloße Ankündigung dieser Vorlage den Erfolg hatte, daß im Handel mit Devisen eine starke Zurückhaltung zutage trat. Die ,Bossische Zeitung" fordert mit Recht, daß die zuständigen Regierungsinstanzen das Gesetz mit möglichster Beschleunigung zur Verabschiedung bringen möchten.
* Eine Ergänzung des Besoldungsgesetzes. Vom Reichsfinanzminister ist dem Reichstag der Entwurf einer 4. Ergänzung des Besoldungsgesetzes zugegangen, der bereits die Zustimmung des Reichsrates gefunden hat und der die Eingruppierung der Beamten des Reichs-WasserschutzeS, des Reichs Verwaltungsgerichts und der Versorgungskrankenhäuser in die einzelnen Besoldungsgruppen vorsieht.
* Die Geschützfunde von Heidenau. Wie die „Freiheit* meldet, wurden in den Rockstrohwerken in Heidenau, wo die Polizei kürzlich) auf Veran- lasiung der Interalliierten Kommission nachforschte und 150 Mantelrohre aus Ehromnickelstahl für leichte Feldhaubitzen fand, neuerdings 343 Haubitzev vom Kaliber 10,5 gesunden. Bereits ftcüher wurde gesagt, daß die Leute, die sich an der Verheimlichung dieser Waffenvorräte beteiligt haben, eine schwere Schuld auf sich geladen und den fremden Chauvinisten Waffer auf ihre Mühle geliefert haben. Die Erfahrung lehrt, daß alle solche Versuche nach kürzerer oder längerer Zeit mit der Entdeckung der verborgenen Waffen endigen. Ein jeder derartiger Fund bedeutet eine. Erschwerung der Be« wühungen, dem deutschen Volk wieder Bewegungs- freibeit und Vertrauen in der Welt zu erwecken.
* Das Ergebnis der hessischen Wahlen. Nach dem amtlichenWahlergebnis hatdasZentrum sich noch bester gehalten, als es aus der ersten Meldung hervorging. Es hat diesmal 92571 Stimmen aufgebracht, gegenüber 108 539 im Jahre 1919, als ganz allgemein die Wahlbeteiligung viel bester war als diesmal. Nach dem amtlichen Ergebnis wurden inägefamt (außer für das Zentrum) abgegeben 545871 Stimmen, davon für dir Sozialdemokraten 179686, Teutschvationale 28872, Hess. Volkspartei 78533, Bauernbund 85196, Demokraten 39663, Unabhängige 20288, Kommunisten 21005, Revisionspartei 57 Stimmen.
* Gegen den früheren braunschweigischen Ministerpräsidenten Oerter (U. S. P.) ist Strafanzeige bet der Staatsanwaltschaft eingegangen wegen Vergehens im Amte nach Paragraph 331 R.-Str^G.-B. (Annahme von Geschenken bei Amtshandlungen)
* Die internationalisierte Donau. Die Mitglieder der internationalen Donaukommifsion, in der alle Uferstaaten und auch andere Länder der Entente vertreten sind, versammelten sich zur Eröffnung der offiziellen Beratungen in München. NamenS der bayerischen Regierung begrüßte Ministerpräsident Graf Lerchenfeld die Anwesenden, worauf der Präsident der Kommission, der italienische Gesandte Rosetti, dankend antwortete. Darans wurde in die Beratungen eingetreten, die sich mit außerortent- lich umfangreichem Material, und insbesondere mit: Bayern berührenden Fragen der internatkonalisierteus Donau zu befaffen haben und voraussichtlich bifc Milte Dezember dauern werden.
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Surimi-.
* Die Notwendigkeit deutscher Arbeiter int, Wieteraufdaugebiet. Die Bewohner mehrerer zev-l störten Gemeinden am Chemin des DameS, haben in einer Versammlung eine Tagesordnung angenommen, in der auf den hilflosen Zustand ter Ortschaften hingewiesen,dieV erwendungdeutschyr Materialien und Arbeiter als unerläßlich bezeichnet und die Veranstaltung einer sofortigen Abstimmung verlangt wird.
* Revolution in Argentinien? Sn Buensös Aires sind politische Unruhen ausgebrochen. Dielte- deuten ästen Politiker und Journalisten wurden in Hast genommen. Kaoalleriepatrouillen durchziehen Straßen, um die Ordnung aufvechtzuerhalten. '
9er prerchksche Kichterverein zur Instizresorm.
Der pttutzlslhe Rlchtevverem Hai in seiner om 22. November 1921 zu Bettln im Ptenoisitzurvgsstrrtte des IReidje* verslchevungsmntes unter dem Vorsitz des LmHgevrckstspcö» . fttentcr. Dr. Neuenfttd-Berlin abgehaltenen Bertretersitzung noch einem eingehenden Referat des Kainmerger ichtsrecks Ernst Wolff-Berlin zur Neuregelung der Wahl der Schös- fen unb Geschworenen einstimmig auf Antrag Pier Referenten folgend sn Beschluß gefaßt: '•>
„Dem EnttvWrs eines preußischen Gesetzes bett. ftüe Einführung der Grundsätze der Verhältnis wohl für, die Wahl der Vertrauensmänner des Ausfchmds- f e s zur Auswahl ter Schöffen unb Geschworenen (arm zugesiimrnt werden, da er ein Mittel ist dafür, daß in bem Ausschuß die verschiedenem in den Wahtkörpern Derfcette» neu Richtungen zur Geltung kommen und die Schöffen unb Geschworenen aus allen Solist reifen entnommen werden. Die Wahl der Schössen und Geschworenen selbst durch den Ausschuß muß ater noch folgenden L e/bt. j ä (5 c n gehandhabt werden:
1. Die Frage ter Auswahl der Schössen und Geschooo- renen darf nicht als Frage der ParteipoliKk, sie muß ausschließlich als eine Frage der RechtspoMK behanitttt werden.
2. Dom entspricht es, daß die Schöffen unb Geschworenen aus allen Dolkskreisen entnommen werden.
3. Die Rechtspolitik erfordert aber auch, daß möglLchst Geeignete für das Amt eines Schöffen und Geschworenen! bcstllrmA werden."
Mit diesem einstimmig in seiner Tragweite sehr wichtigen Beschluß, llrsb-esontere mit seinen drei Leitsätzen, hott die Spetzenrnganisatton der preußischen Richter bewiesen, daß sie {semiflt ist, an einer zettgsnMen b emo trotte • scheu Weit erbtet bang der Organisation'ber Gerichte mÄzuatbeitcn. Der Deschiuß ist um so mehr zu begrüßen, well er geeignet ist, eine Reihe von Äor- itrteiten und Mißverständnissen, die nun einmal — ob berechtigt ober ^berechtigt, sei gang dahingestellt —, in weiten Kreisen des deutschen Volkes gegen dir Tüttzffeit ter Richter bestehen, zu mindern oder sogar zu bcseitvzm. Denn dadurch, daß künftig bei allen Schöffen- und Gesttzwo- venensitzungsn Angcchörige aller Volkstreise, mich der Aweiterschast cchue Rücksicht auf die PmtoizuyeWtty- kett mAwirken sollen, wird von selbst ein großer Leib des Mißtrauens aufgeräumt, der gegen die Rech.'sspreckMng vorhanden ist, da nunmehr insbesondere die Arteller selbst mit darüber wachen können, daß nur nach Recht wÄjGesch und nach Mügtett beurteilt werde. j .
Ms der katholischen wett.
• Katbittal o. Faulhaber in Köln. Der ErzbSschof, von München-Freising, Kardinal v. Faulhab ent, ist' zum Besuche des Herrn Kardinal und ErzbHchofS Dr. Schulte in Köln eingetroffen.
MelMWrs ms MWMMSS-MWHkWev. verbesternngsbedürfiige Zustände. ;;
Man schreibt uns von sehr geschätzter SeiL:
Bekanntlich erhalten alle gegen Lohn und Gcholt beschäftigten Personen in den Staatsbetrieben Kinderzulagsn. Es wird da kein Unterschied gemacht, ob es sich um e h e l i ch e oder u n e h« l i ch e Kinder handelt. Wie unsozial und widersinnig manchmal so wohlgementte Gesetze wirken können, mögen nachstchende Ausführungen zeigen.
Ein lediger Staatsarbeiter, Vater eines unehlichen, Kindes, erhält an Kinderzulage monatlich 164 Mk. und muß laut Urteil 30 Mark Unterhaltungskosten monatlich für das Kind zahlen. 134 Mark hat er also für wettere Privat Vergnügungen übrig. Ein lediger Btxmtier erhält 200 Mark Kmderzulage und bezahlt 60 Mark Unter» HÄtungskoftm für fein uneheliches Kind monaklich, er hat mithin 140 Mark für sich übrig.
Der Gefttzgrber hat gewiß nicht die Absicht gehabt, dem Vater eines unehelichen Kindes durch die Sinter- Zulage einen ExttagQvinn noch zuzuroenten. Der Betrag sollte restlos der Unterhaltung, des Kindes dienen. Hier erwächst dem Ober- oormundschasisgericht, den Vormündern, den Pfleger» und den W^irke-vorstehern ein dankbares Feld ihrer Be- tätigung.
Angebracht wäre es, wenn die Zahlstellen behörd- licherfeiis angewiesen würden, in solchen Fällen, die Kinderzulage« an den Vormund ufro. zu zahlen obw auf einer Sparkasse sicher zu stellen. Th'. K