Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfabt Fulda.
Nr. 273.
Verantwortlich für Ben reöaftioitellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: 3. Parzeller-Fuioa. " Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in ^ulda. Fernsprecher Nr. S. Telegn-Adreste: Fuldaer Zeitung.
Montag, 2s. November 1921.
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48. Zahrg.
England gegen Frankreich.
ttur keine übertriebenen Hoffnungen!
In den weltpolitischen Der Handlungen hat sich ein auffälliger Rückschlag eingestellt. Ms Frankreich gar zu laut seinen vermeintlichen Triumph feierte, meldete sich England als gewichtiger Gegner. Während Briand nach einem selbstgefälligen Abschied die Heimreise von Washington mtiritt, rüstet sich Lloyd George zur Rotze »rach Washington und läßt inzwischen durch feinen Kollegen Curzon der Welt verkünden, daß die Engländer auch noch etwas zu sagen hoben, und zwar etwas anderes, wie die Franzosen wünschen.
Der e r st e Akt des Ränkespiels von Washington ist zu Ende. Der zwei te Akt scheint noch spannender zu werden. Wer über die weiteren Akte prophezeien will, ist verwegen. Wenn auch die Warnungs- und Drohrede des Lord Curzon an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, so muß man doch nach den bisherigen Erfahrungen jagen: Englische Worte sind noch keine Taten.
Allesschondagewesen! Die Lage ist zurzeit unfähr ebenso, wie damals Lloyd George seine berühmte Rede über das fair play, das ehrliche Spiel in Oberschlesien hielt. Wie kraftvoll sprach er, und wie schwächlich handelte er! Als Frankreich sich nicht bange machen ließ, fiel der Machthaber des britischen Welt- reidies um. Das Recht in Oberschlesien, die Wohlfahrt Deutschlands und gewichtige Interessen seines eigenen Lölkes gab er preis, um nur ja den Bruch mit Frank- rvich zu vermeiden.
Jetzt fordert der englische Außenminister Curzon im Namen von Lloyd George und dem grämten Kabinett wiederum ein „fair play" von Frankreich, ein ehrnches Spiel irr der Ententepolink überhaupt und in der Abrüstungsfrage im besonderen. Kein Wunder, wenn Briand und seine Genosien die Warnung zum anderen Ohr hinausyehen lassen in der Meinung, England wird es schließlich doch nicht auf einen Bruch mit Frankreich ankommen lassen, also bleiben wir wieder einmal hartnäckig!
Allerdings kann man sagen, daß diesmal die Gegensätze doch viel weiter und tiefer gchen, als bei der letzten Konferenz der Entente in Europa. England hat nicht das erreicht, was es durch seine Nachgiebigkeit auf Unkosten Deutschlands von Frankreich zu erlangen hoffte. 3m Gegenteil: die Franzosen sind noch be^hrlicher mrd rücksWsloser geworden. Der alte Zwist wegen der Orientpolitik und des Abkommens von Angora ist keinesrvegs beigelegt oder auch^nur gemildert worden. In der AbrMungs- frage hat Frankreich sich durchaus nicht um die Wünsche oder Interessen des „Verbündeten" gekümmert, sondern hat sich demonstrattv als die führende Macht in Washington aufgespielt, um einseitig fröre eigenen militärischen und machtpolitischen Gelüste durchzusetzen. England wünschte aus guten Gründen eine Verständigung in der Rüstrmgsfrage, um von Lasten und Gefahren befreit zu werden, die ihm das alte Verhältnis zu Japan und den übrigen Gegensätze zu dem mächtigen Nordamerika bereiten. Die Franzosen aber vereiteln nicht bloß die Abrüstung zu Lande, was für England vielleicht erträglich wäre, sondern sie sabotieren auch von vornherein die Flottenabrüstuny, indem sie dieselbe Zahl von Karnpfschiffen fordern wie Japan, und auch noch eine starke Flotte von Unterseebooten hoben wollem Das kann keinen anderen Sinn unb Zweck haben, als die Beherrschung des Mttelrneeres und |einer wichtigen Umgebung durch die Franzosen, sodaß die englische „Herrin des Meeres" in d'e'em hochwichtigen Teil der Welt entoeter zurückgedrängt würde oder sich durch kostspielige Neubauten von Hochseeschiffen und Tauchbooten sichern müßte.
So spitzt sich der Riesenkamps um die Vorherrschaft in Europa mrd Vvlderasien zu einem entsche.- benben Gange zwischen England und Frankreich zu. Wird nun Lloyd George noch nachholen können, was er versäumt hat? Wich er jetzt fest bleiben, nachdem et io oft vergebens es mit der Nachgiebigkeit vei- >uchr hat?
Wer darauf eine bestimmt Antwort geben wollte, vorher wissen, was die Vereinigten 5" ° „ dn M tun gedenken. England wird vermutlich Bruch mit Frankreich erst netteren, wenn 'st', daß es mit Nordamerika ent Ab- tatm' das den bisherigen Wettbewerb eitK freundschaftliche Tei- ermöglicht. England muß den bieten, als Frankreich ihnen geben $ €5 mi‘ der französischen Herrlichkeit Nationen behaupten Äderen Falle, wenn Nordamerika sich Mr Kraftprobe stellt, abdcmkcn ober einen Ver- zweiflungskampf wagen.
Der Reden sind genug genx^y.
„Vereinigte Staaten von Europa".
r3«npQft" veröffentlichen Unterredungen mit dem englischen U n te r b a u s mit, «lieb Kennworthy, der gegenwärtig jn Ster'in weilt. Kennworthy erklärte, der einzig mögliche A u s weg aus dem wirtschaftlichen Chaos in Europa bestehe in der S cha ffu n g de r Ve? ein i o ten Staaten von Europa. 1 n 1 s"
Dieser Gedanke stoße freilich bei den Stegirrumtn und bei den breiten Massen der Völker noch immer aus ' den heftigsten Widerstand. Was aber wohl heute [Aon erreichbar fein müsse, das wäre der intertratio- nale Zusammenschluß von Geschäfts- i und Finanzleut en zu einer gemeinsamen plan- > mäßigen Sanierungsaktion. Für besonders dringlich hält Kennworthy ein gemeinsames Vorgehen in R u ß- l a«d. um die reichen Bodenschätze dieses Landes, ins- i
besondere auch Sibiriens, zu heben. Rußland fei ohne Zweifel auch ein Markt von unbegrenzter Auftcahme- Lhigkeit, namentlich für Produkte der Maschinenindu- tne, Lokomotiv- und anderes Transportmaterial sowte ür landwirtschaftliche Geräte.
lieber die wirtschaftliche Lage Deutschlands äußerte sich Kennworthy sehr zurückhaltend. Er glaubt nicht, daß Deutschland über die Januar- und Febr.- R a t e hinaus Reparationszahlungen werde leisten können. Auch im eigenen Interesse der Gläubiger müsse man daher Deutschland eine angemessene Stundung bewilligen.
von der MrWllKgskonsereKZ.
Nach vorliegenden Meldungen über die Konferenz in Washington scheint die Frage der Landabrüst u n g in ein neues Stadium getreten zu sein. Der Eindruck, den die Rede Briands zunächst hervorgcrufen hat, hat sich stark verwischt und die Stimmung der Konferenz ist wieder umgeschlagen.
Die Wendung der Dinge tzt auf das Vorgehen des italienischen Vertreters Schanzer zmüüzuführen, der m dem Ausschuß der ^Konferenz die Aufstellung eines allgemeinen Abrüstungsplanes vorfchlug, der in erster Linie auf die Balkanstaaten gemünzt war. Die Franzosen vermuteten aber hinter diesem Antrag weitergehsnde Pläne und das veranlaßte Briand, den italienischen Vertreter so scharf anzugreifen, daß sogar einige Pariser Blätter seine Rede als brutal bezeichnet haben und sich die gemeldeten Protestaktionen in Italien daran knüpften, lieber den sachlichen Inhalt dieser Auseinandersetzung gehen die Darstellungen auseinarcher. Gewißheit ist darüber nicht zu erlangen, rrril dir Ausschußsitzungen geheim sind. Nach norltegenben Zeitungsmeldungen hat Briand erneut die Frage cmfgerollt, ob dis Konferenztellnehmer mit Frankreich einen ©araräie» vertmg eingehen wollen. Da er aber von keiner Seite Zustimmung für seine Fordernis sand, erklärte er, daß Frankreich baren selbst für seine Verteidigung sorge, und daß es sich darum Beschlüssen widcrs^en werde, die feine militüriscl^ Hondfungsfreiheft irgendwie einschränken könnte.
Ob dieser Zwischenfall weiters Folgerungen haben wird, das läßt sich nicht beurteilen. Wir sind nach wie vor der Ansicht, daß die Frage der Landabrüstung ürdrm Ausschuß wenigstens vorderHandbegra- ben sein wird.
Nach Privatmelixtnsen steht auf der Woshingioreer Konferenz eine weitere Ueberraschung bevor, und zwar wird behauptet, die Amerikaner wollten beantragen, daß die Krieg sschuld der Alliier- tenaufdie Hälfte herabgesetzt werde, wenn jV dem amerikanischen Abrüsiungsplan zustimmten. Die Frage der Kriegsschulden sollen nach dem Plane der Amerikaner auf einer zweiten Konferenz behandelt werden, zugleich soll auch em Valuta» Problem Europas in Angriff genommen werden. Zu dieser zweiten Konferenz, die ebenfalls in Washington tagen soll, soll angeblich auch Deutschland eingelaäcn werden.
Eine brüte Uieberraschung ist endlich die Drohung der Chinesen, die besagt, daß ste sich von der Konferenz zurückztehen werden, roenn die Forderung Chinas nach uneingeschränkter Autonomie nicht in vollem Umfange erfüllt werde.
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Die Wahrheit Aber den MärzauManö.
Die die Kommunisten deutsche Arbeiter irrefShcle».
Schon im Landtags ist bei der Besprechung der linLsradikaleu Anträge über d i e H u n tz e r st r e i k e reden in Lichtendurg das Wort gefallen, es sei der Gedanke reich* von der Hand zu weifen, daß dieser Streik mm außen her in die Gefangenen herein- geragen worden sei, um diesen Anlaß zum Ausgangs- pmckt einer politischere Aktion zu machen. Denn die radikalen Linksparteien reagierten so schnell und prompt auf die Ercigmfse in den Gefängnissen von Lichien- burg, daß auch der Late hätte merken müssen, töte es sich bei dem Vorgehen der Unabhängigen mrd Kom- «Misten um eine abgrsprochme Sache handelt.
Die Parole von der Befreiung der politischen Gefangenen ließ die weiteren Absichten klar erkennen. Und roenn man jetzt aus den aufsehenerregenden Enthüllungen des „Vorwärts" einen genauen Ernsiick darin srhält, wie von feiten der Kommunisten Aktionen interniert und provoziert werden, bann kann man auch leicht der Meimmg fein, daß in gleicher Weise der HunMrstreik von Lich- tenbmg nicht so sehr teilten Ursprung im Zuchthaus selber fand, sored.rir daß hier andere Kräfte ihre Hand im Spiele hoben, um einen Vorwand für ihre Plätte zu suchen.
Die Dokumente über die Märzaktion, die der „Vorwärts" im geeigneten Augenblick zur Veröffentlichung brachte und die in ihrer politischen Bedeutung von nicht zu unterschätzendem Werte sind, beweisen zweierlei: einmal daß der Aufstand in Mittel- deuischlcmd seinen eigentlichen Ursprung in Moskau hat, denn von dort ist die Parole ausgegeben wachen, und zum andern, daß man auf feiten der kommunistischen Führer sich ein raffiniertes System von Provokationen ausgefonnen hatte, um dadurch die Arbeiter vor den Wagen der kommunistischen Umtriebe zu spannen und ste so zum Opfer kommunistischer Machtwillkür zu machen.
Heute besteht kein Zweissl, daß die an dem Aufstand beteiligten Arbeiter zu einem nicht unbeträchtlichen Teile die von ihren eigenen Führern Genasführ- ien und Betrogenen gewesen sind. Es war voraus- 'usehen, daß man im kommunistischen Lager irit Eifer darauf ausgehen werde, die Enthüllungen des „Vorwärts" als unwahr von sich abrjfsbütteln. Ab-r nmn
erinnert sich, daß schon Paul Levy in seiner Schrift: „Urrfer Weg wider den Putschismus" Andeutungen gemacht hat, die in die Richtung der vom „Vorwärts" jetzt veröffentlichten Dokumente weisen und die zeigen, daß auch Paul Levy von diesen Vorgängen Kenntnis gehabt hat. Auch dasjenige, rvas der Kommunist Eberlei n, der durch die Berichte am meisten korn- prhnitiiert ist, im preußischen Landtage aus Anlaß der Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern an Ableugmmgs- oder Rechtfertigungsversuchen vorbrachte, ist mehr ein.* Bestattgung der Wahrheit, als ein Beweis für die Umvahrheit der in dem Bericht aufgeführten Tatsachen. Und auch die „Rote Fahne" sielst sich gezwungen, zuzugeben, daß es sich um Dokumente handelt, die man der kommunisti- s chen Ab g. Klara Zetkin auf ihrer Reise mich Rußland zum Kongreß der Internationale beim lieber» schreiten der deutschen Grenze abgenommen hat.
Man wird also unbedingt daran fefthaüen müssen, daß diese Berichte Äs solche von Augenzeugen und m leitender Stellung am Ausstand Beteiligten der Wahrhaft entsprechen. Und es ist sicherlich kein ZufÄl, daß der „Vorwärts" gerade jetzt mit diesen Enthüllungen ans Tageslicht tritt. Denn auch jetzt wieder suchen die Kommunisten durch Treibereien mannigfacher Art und durch Provokationen Aktionen heraufzubeschwören, die chnen zur Erreich-nig ihrer Ziele dienen sollen. Das Schlagwort vvm Rätegedcmken wirbrelt wieder einmal durch die Luft. Und die in der Sitzung der ^Berliner Betriebsräte und der Delegationen aus dem Reiche in Berlin gefaßte Besckstuß zur Einberufungeines Betriebsräte Eongrcffes von ganz Deutsch- lan in einem Zeitraum von 14 Tagen nach der Rrichs- hcmptstadt ist zweifellos :mr dcr Versuch, um für politische Forderungen eine geeignete Basis und einen geeigneten Resonanzboden zu finden, W gleicher Zeit aber mit dem Ged anten einer Arbeiterkonsti- tuante zu spielen.
Nachdem mm aber der „Vorwärts" durch die Enthüllung der Ursachen zum Märzaufstand der gesamten Arbefterschaft gezeigt hat, wie die Rädelsführer der Kommunisten mit Hinterlist und Hinterhältigkeit die Arbeiter in den Kampf hetzen, so hoffen wir, daß auch bei denen eine heilsame Ernüchterung der Ursachen zum Märzaufstand der gekannten Arbeiterschaft gegeigt hat, wie die Räl^lsfühver der Komrerunisten mit Hinterlist und Hinter hält igkeft die Arbeiter in den Kampf hetzen, wird, so hoffen wir, auch bei denen eine heilsame Ernüchterung Platz greifen, die bisher sich durch die Tret- bereien der radikalen Elemente herauslocken ließen.
Don selten des Staates und der Regierung, das ist ost genug betont worden, wird die gegenwärtige Lage voll gewürdigt. Der Reichsjustizminister Radbruch hat die feste Zusicherung gemacht, daß erneut in eine Ueberprüftm g der Sonder- gerichksurteil,» eingetreten werden soll, um auf dem Wege des Gnadenerlasses soweit Gnade ergehen zu lassen, als dies möglich ist. Auch von mrferet Seite wird man diesen Maßnahmen durchaus sympathisch gogenüberstrhen.
Aber auch auf dem Gebiete der wirtschaft lichen Not setzt der Stasi seine Kraft zur Ueberwindung der Verhältnisse ein. Die Erlasse des preußischen Innenministers geaen den Wucher und die Preistreiberei geben dafür den Beweis. Es wird vor allem nötig sein, daß die ausübenden Organe numnehr da energisch eingreifen, wo dies erforderlich ist, um den Anordnungen auch nachhaltige Wirkung zu verleihen.
Ans -em besetzten Gebiet.
* Zette Sarektiom-Tmkiikmen Die .Franks. Ztg/ meldet: Im Zusammenhang mit Den Zuständen in Bad EmS brachten wir vor kurzem die SÄitteilung, datz diejenigen alliierten Personen, die an dec Durchführung der wirtschaftlichen Sanktionen mitge- arbcitet haben, auS den Ueberschüssen des Ein- und "üuSfuhramteS EmS Tantiemen bis zu 10000 Mk. erhalten hätten. Demgegenüber wird uns von gutunter» richteter Seite mitgeieilt, daß Tantiemen bis zu 10000 Franken an diese Personen zur Verteilung kamen, was zum damaligen Kurse also etwa 120000 — 150000 Mark entspricht.
* Sie Mckerßattmis der rrheinzSSe. Die Reichs- regierurtß bereite:, wie verlautet, einen Erlaß von Richtlinien über die Rückerstattung der Rheinzölle vor. Aller Voraussicht nach wird die Rückerstattung abhängig gemacht werden von amtlichen Belegen, Zollquittungen, Frachtbriefen u. s. w.
Die Wahl im Freistaat Hessen.
Auch der hessisch« Zeulrumsturm ist unerschiittert.
Am geftrigen Sonntag bat im Freistaat Hesien, dem ehemaligen Groß Herzogtum, die Landtagswahl stattgefundere, Die Beteiligung war verhältnismäßig gering, obwohl seit den Revolutwrestagcn im Frühjahr 1919 noch nicht wieder zu dem heffifchen Landes- Parlament gewählt worden war.
lieber den Ausgang der Wahl berichtet folgendes Telegramm:
wib. Darmstadt, 28. Roo. <Tcl.) Nach dem vorläufigen Gesamtresultat der Hessischen Landtagswahlen wurden insgesamt abgegeben 452 981 Stimmen. Davon enthielten: Die Sozialdemokraten 148579 (1919: 273 468*, die deutschnaiionale VolkSpartei (Hessische Bolkrpariei) 24006 (45 785). die Deutsche Volkspartei 68908 (62 072), der Hessische Bauernbund 64301 (0), die Demokratische Partei 33660 (116252), daSZcntrum 78914 (108539', die 11. S. P. 15 797 (9077', die Kom» munislen 18764 (0). Die übrigen Stimmen sind zersplittert.
Die Mandate verteilen sich wie folgt: Soz. 23 Sitze (31), Deutschnat. D.-P. 4 Sitze (5), Deusche V.-P. 11 Titze C7), Hessischer Bauernbund 10 (0), Demokraten 5 (13), (Zentrum 12 (13), II. S. P, 2 (1), Komm. 3 (0).
Demnach verfügen die 3 Koalitionsparteien Zentrum, M. 6. B, Demokr) über eine Mehrheit non 10 Stimmen, sie baben 40 Mnnvgt? gegenüber
30 der anderen Parteien erhalten. Ueberraschend 5" das Resultat insofern, als der Bauernbund, der bisher nicht vertreten war, 10 Mandate erhalten hat.
Angesichts des allgemeinen Stimmenrückgangs hat die"Zenkrumspartei also ihre Position gut behauptet. Die Deulschn at ionalen haben auf fcem Lande ihre Stimmen an den Bauern« bund verloren, der jetzt zeigen muß, was er kann. Bisher hat er nur nötig gehabt, den Landwirt en recht viel zu versprechen. Es ist ein mehr als gewagtes Experiment, lediglich aus beruflichen Gesichtspunkten heraus politische Fragen zur Entscheidung zu bringen, was leicht in den allgemeinen materialistischen Sumpf hineinfnhrt, auF dem es keine Rettung gibt.
Deutsches Reich.
* Berlin, 28. November. Der Ministerialdirektor im ReichSfinanzministerium Dr. Fischer ist zum Porsitzenden der deutschen Kriegslastenkommiflion mit dem Amtssitz in Paris ernannt worden. An der Spitze der Kriegslastenkommisiion batte bis zum 1. Oktober Staatssekretär Bergmann gestanden. — Der Reichsrat wird in seine Geschäftsordnung voraussichtlich schon in der nächsten Zeit einen Paragraphen aufnehmen, der dem Paragraphen 59 der neuen preußischen Geschäftsordnung ereispricht,, in welchem bekanntlich der Präsident ermächtigt wird, einen Abgeordneten wegen renitenten Verhaltens eventuell unter Zuhilfenahme der Polizei von der Sitzung auszuschlicßen. — Der zuständige Reichs- ratsauSschuß hat, wie voraukzusehrn 'war, das über die.Tägliche Rundschau^verhängte Erscheinungsverbot von drei Tagen aufgehoben. — Zwischen der deutschen und österreichischen Regierung ist ein Uebereinkommen zustande gekommen, wonaw die Reifezeugnisse der österreichischen Mittelschulen und der deutschen höheren Lehranstalten gegenseitig anerkannt werden. — Der Zentrumsad- geordnete Dr. Maximilian Pfeiffer soll, einer Korrespondenz zufolge, zum Botschafter in Rom in Aussicht genommen sein.
f. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages wird, wie schon mitgeteilt, heute, Montag, zu einer Sitzung zusammentreten. Es ist anzunehmen, daß der Reichskanzler Dr. Wirth die Gelegenheit wal-rnehmen wird, um gegen die Anschuldi- gungenBriands auf der Washingtoner Konferenz gegen Deutschland Stellung zn nehmen.
* Die Aufbesserung der Bezüge der katholischen Pfarrer. Dem preußischen Staatsrate ist eine Novelle zum Gesetz über die Bereitstellung von :vlittelu zur Ausbesserung beS Diensteinkommens der katholischen Pfarrer zugegangen. Die Novelle besagt: Hinter Artikel 1 des Gesetzes über die Bereitstellung von Mitteln zur Aufbesierung des Diensteinkommrns der katholischen Pfarrer vom 18. Dezember 1920 wird iolgender Artikel la eingeschaltet: „Artikel la. Die Pfarrgemeinden sind verpflichtet, die Bezüge ihrer Pfarrer nach Maßgabe der staatlich kirchlichen Besoldungsordnung aufzubessern." Hinter Artikel 4 des genanntere Gesetze? wird folgender Artikel 4a eingeschaltet: „Artikel 4 a. Die Pfarrgemeinden sind verpflichtet, die von der bischöflichen Behörde mit staatlicher Genehnngung gemäß Artikel 2 erhaltenen Vorschüsse auf Erfordern zurück^uzahlen."
A Giesd-rls gegen eine Entstaatlichung der Verkehrsbetriebe. Auf der außerordentlichen Tagung bei Reichsgewerkschaft der P o st- und Telegraphen beamt en, aus der 235000 Mitglieder vertreten waren, sprach sich Reichspostminister Gi e s- berts ervergifth gegen eine Entstaatlichung der Betriebe aus. Die Auslieferung der Verkehrsbetriebe an die PrivÄWirffchast fei für Öen demokratischen Staat ausgeschlossen. Sei den Klagen über die Defizitwirt» schcht und das mangelhafte Funktionieren der Derkehrs- bröiebe dürfe nicht außer Acht gelassen tcerben, daß der lange Krieg diu Betriebe hermttergewirtschastct hab?
Kmlcmö.
* Die englisch-französischen Gegensätze in Sleinosien. Wie dir Haoos-Agsntur mitteilt, soll der britische Botschafter schon am Freitag abend den Quai d'Orfey (französisches auswärtige Amt in Paris) von der Absicht seiner Regierung in Kenntnis gesetzt haben, zur eoenH. Verteidigung derenglischen Interessen ein Kriegsschiff nach Mersina zu entsend«^
ÄUS öer katholischen Welt.
— Sie .frnsbnreet Belh$$tihmt* kann in diesen Tagen auf ein S0jätzri,eS Bestehen zurückschauen. Gegründet 1871, zur Zeit des Beginns des äußeren AufstieaS Dcutfchlandr und der inneren Wirren eines unglüdtfeltgen Kulturkampfes, sah sie ihre Hauptaufgabe irr der Abwehr der kulturpolirischen Angriffe auf di« katholische Kirche und in der Verteidigung der katholischen Glaubenslehre. Diesem Programm ist sie treu geblieben über die Zeit deS Kulturkampfes hinaus bis in unsere Tage hinein. DieJnteressenderKatholike» des Niederrheins zu vertreten, für den Zentrums, gedanken zu werben, ist nach tote vor wesentlichste Aufgabe der ,DuiSburger Volkszeitung", eine Aufgabe, die Verlag und Redaktion prinzipientreu gemeinsam durchzuführen redlich bestrebt sind. AuS Anlatz dieses 50jährigen Jubiläums läßt die „D. SB." in diesen Tagen eine besondere 40feittae Jubiläum», aus gäbe erscheinen, die in erster Linie da» Werden und die Entwicklung der Zeitung, sowie die Geschichte des katholischen ElaubenLlcbenS am Niederrhein und der Stadt Duisburg selbst innerhalb der letzten 50 Jahre in einer Reihe von Artikeln behandelt. Die sehr sorgfältig und nut viel Fleiß zusammengeftellte Festnummer wird jedem Leier etwas Interessantes zu sagen wissen. Die Jubiläumsausgabe ist zum Preise von 1 Mark zu beziehen vom Berlage der „Duisburger DolkSzeitung-, Duisburg.