Fuldaer Zeitung
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aber, wir einst von dm Juden der Erlöser, so jetzt von den Menschen die Erlösergnade verworfen, wird er in fein Eigentum, die Menschenssele nicht ausgenommen, dann wird furchtbar ein dritter Advent (Ankunft) sein, wenn er mit großer Macht und Herrlichkeit kommm wird, alle Menschen zu richten. So ergibt sich aus den Gebräuchen, Gebeten utti) Lesungen der Kirche der Gedanke der dreifachen Ankunst Christi, den St. Bernhard in einer Adventsprcdigt schon behandelt: im Fleisch und in der Schwäche bei der Menschwerdung, vorherverkündet und sehnsüchtig erwartet im Alten Testament; im Geist und in der Kraft bei der geheimnisvollen Gnadenoereinigung mit der Menschmseele, besonders bei der hl. Kommunion; in Herrlichkeit und Majestät beim Weltgericht, zum Tröste derjenigen, die ihn aufnahmen, die aus Gott geboren^ seine Kinder geworden, zmn Schrecken der Finsternis, die sein strahlendes Licht nicht begreifen wollte.
1. Die deutsche ReichsreWerung wolle in offenem Be. kemitnis der Leistungsfähigkeit des Reiches den alliierten und assoziierten Regierungen die Erklärung abgeben, daß die Reparvtionsvorpflichtungen einer sofortigen Skalierung bedürfen, die der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit entspricht. Es wird der Regierung anheimgestelltz diese Er- fiänntg zu einem 8jr geeignet erscheinenden Zeitpunkt abzugeben, der es ermöglicht, die Frage währchid der Abrüstungskonferenz zu Washington, jedenfalls ober vor Fälligkeit der Ianuorrate ' aufzurollen.
2. Die zu fordernde Abänderung der Reparationsver- pflichtungen darf nicht ausschließlich in einem zu gewährenden Moratorium bestehen. Die Repara- tions'asten müssen vielmchr der veränderten Leistrmgs- «higkeit angepaht werden, weil nur hierdurch eine Stabt- lrsierung der Mark möglich erscheint. Diese aber Ist die einzige Grundlage, auf der Maßnahmen zur Besriedigimg der inneren und äußeren Bedürfnisse des Reiches end- gültig getroffen werden können.
3. Die deutsche^ Landwirtschaft oerfarigt, daß die Zerrt- fchen Wirtschaftsstände, nachdem sie in zwölfter Stunde zur Rettung ans dem wirtschsftlichrn Zusammenbruch durch Hergabe ihrer letzten Aktiven aufaevufen worden sind, selbst rn entscheidender Weise an der Gestaltung aller Maßnahmen (Kreditgabe mrd Steuern) beteiligt werden, die eine Hergabe der Substanz deutschen Dolksvermögens bedeuten.
Erft die Einschaltung der Wirtschostsstände als mit errtscheldender Faktoren gibt die Gewähr, daß diese Maß. nahmen .losgelöst von allen parteidoktrinärrn Ausfassungen nach dem einzigen Gesichtspunkt: Echaltung des deutschen Voiksvermögens und Steigevung feiner Produktionsfähio. feit getroffen werden.
Sie potili^ Parteien, welche dieser vok'swirtschast. lrchen Forderung nicht Geltung verschaffen wollen, würden
272.
Samstag, 26. November 1921.
Dr. Bahr’s
Xahnpn!ver99^o. 336<
.vom Zahnarzt verordnet, daher
„das rechte ZahnptlegemitteVt
. Droqerle G. K. Steyer.
zwecksetzendes . Sie erstrebt nicht allein Advenlsstim- mung, sondern auch Adoentsgesinnung n. -betätig u n g. Das zeigt uns die Geschichte der Advents, feier. Die erste Erwähnung einer Dorbereitungsfeier auf das hl. A-eihnachtsfeft finden wir in den Schriften des Bischofs Gregors von Tours, der erzählt, einer seiner Vorgänger, der Bischof Perpetuus, habe um das Jahr 480 angeordnet, die Gläubigen sollten vom Feste des hl. Martinus (11. Nov.) bis Weih- nachten jede Woche dreimal fasten; die Tage legte 100 3ahre später die Synode von Macon auf den Montag, Mittwoch und Freitag fest und bestimmte ferner, daß bas hl. Opfer nach Art der Fastenzeit, also in dunklen (schwarzen oder violetten) Gewändern gefeiert werde. Der längeren Dauer entsprechend finden sich nicht bloß vier, sondern fünf bis sechs Adventssonntage, mit charakteristischen Lesungen. Diese beziehen sich durch, wog seit dm ältesten Zeiten nicht bloß auf die bevorstehende Gedächtnisfeier der Geburt Jesu, seiner An- kunft im Fleische, sondern auch auf seine einstige An- kunft zum Gerichte.
Indem uns die Kirch: zurückversetzt in die lange Vorbereitungszert des alten Testamentes, uns das Elend und die Sündennvt, aber auch die immer wachsende liebevolle Sehnsucht der heiligen Israeliten vor Augen fuhrt und hören läßt (Rorate coeli desuber et nubes pluant justum, Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab; o komm, o komm, Emmanuel!) zeigt sie uns die seelische Bedeutung der Einführung und regt uns zur Milempfindung, zmn Mitverlangen nach dem Erlöser an. Die Geburt des Welterlösers im N-siche wird unnütz sein, so ist der Gedanke und Io- hannesruf der Kirche, das alttestmnentliche Sünden- eleick» lm sozialen Leben wir im Einzelmekkschndasein wird snh wtederholen, wenn Christus nicht wieder- gebomn wird cm einzelnen Menschenherzen. Wie modern ist doch dieser Jahrhunderte alle Adoentsruf ® Wie energisch deshalb der Bußruf beim
Kaprtel der Vesper am Vorabend des Advents: „Brü-
Zeit ist's nun, vom Schlag aufzustehn; denn näher rst nun unser Heil, als damals, wo wir zmn Gauben kamen." „Lastet uns läutern unsere Seele" so predigte im 5. Jahrhundert bereits Marinins von Tun«, „und nein und ohne Makel des Makellosen Ankunft (— Geburt) erwarten, damit sein Geburtstag der durch die makellose Jungstau ermöglich wurde' durch ferne reinen Diener gefeiert werden kann." Wird
Märkte.
A Marbura. Am Donnerstag wurde hier der letzte diesjährige Schweinemarkt abgehalten. Bei einer Zufuhr von rund 280 Stück und reger Nachfrage gingen dre Preise sehr in die Höhe. So kosteten 6—8 Wochen alte Ferkel 140—200 Mark, größere 300—400 Mark, 3 Monate alte Läufer 600—800 Mk. und Einlegsauep 900—1500 Mark da? Stück.
— Fnmkfurk a. 21t, 25. Roo. Auf dem heutigen ® e- müsemarkt war das Angebot recht gut; vom Großhandel wurde ziemlich viel Weißkraut, von den Erzeuger« Spinat reichlich zum Verkauf gestellt. Bei dem Großhandel wurden Kartoffeln bei schwacher Zufuhr mit 120—125 M der Zentner bezahlt. Wechkraut 120 <*., Wirsing 110—120 M, Spinat 180—220 M, gelbe Rübe^ 85—90 M, Weißkraut 120-125 <M, Zwiebeln 120—125' Mark, itafien. Kastanien (Maronen) 600 M. Bei den E r» zeugern kosteten: Spinat 220—240 M, Wirsing 120 bis 125 M, Weißkraut 120—125 <A, gelbe Rüben 150 M, Rosenkohl 4.50—5,— das Pfund, Schwarzwurzeln 3,— bis 3,50 M, Blumenkohl 5—9 <*.. das Stuck Eskarol 1,10 bis 1,35 <M. die Staude, Kohlmben 30—50 j. Flußfische reichlich in guter Lluolität kosteten 4—11 «M, lebende Hühner 35-—40 Al, geschlachtete Gänse 11—16 M das Pfuich, Feldhasen 12—19 M das Pfund, Lamdbutter 41—42 M, Tafelbutter 44—45 M, Eier 3,80—4,— das Stück, Aepfel mindere Dualität 120—140 AU mittlere 230—240 «K, beste 320—330 M der Zentner.
Höoentsftimnmng.
Strömt sie uns nicht schon durch die äußere Statur in die Seele? Das Sormenlicht verbirgt sich mehr von Tag zu Tag. Nacht scheint zu lasten auf der Erde und deren Bewohnern; in frostiger Erstarrung liegt sie begraben unter der weitspannenden Schneedecke, voll hoffenden Wartens auf das belebende Licht des Frühlings. Ein BUd der Morschheit vor Christus: Nacht und Sünde allüberall, wo Menschen sind; auch die gesteigerte Kultur der Griechen und Römer täuscht über die unter dieser gleisenden Decke liegende sittliche Erstarrung, ja Fäulnis nicht hinweg. Drnh nicht alles Licht, nickst alles Leben ist erloschen. Hinter der Wolke des Heiligtums in Jerusalem stt die lichtvolle Der- heißung verborgen: In einem deiner Nachkommen sollen gesegnet sein alle Völker der Erde. Eine herrliche Anpassung der kirchlichen Feier an die Stimmung der äufytcn Natur! Allerdings nur passend auf unserer nördlichen Halbkugel. Aber auf dieser ist ja auch zuerst das „Licht der Erleuchlung der Heiden" erschienen, auf dieser hat die Kirche mehr als ein Jahrtausend lang ihre Kinder jtalenkundig alle Umstände nutzend in das Verständnis und die bereitwillige Aufnahme der christlichen Lehren eingefichtt und darin stets fördernd weitergebildet.
Das „Kirchenjahr", ne offiziell von der Kirche dn- gesetzt, ergab sich gewissermaßen von selbst aus der Reihenfolge ihrer Feste. Die Erscheinung des Erlösers unter dem sündigen Menschengeschlechte, anfangs und heute noch in der griechischen Kirche in der Hauptferer am Epiphanienseste begangen, später besonders in der Kirche des Abendlandes am Weihnachtsfest anschaulich dargestellt, stimmungsvoll eingelettet durch eine Bor- bcreitungszeit, bildet den Anfang des Kirchenjahres, in dessen Verlauf die Heilstatsachen in lebendigen Bildern uns vorgeführt werden. Jedoch nicht um Schaulust und Sinneskitzel zu beftiedigen, läßt die Kirche uns diese Bilder sehen, ihr Wirken ist ein zictstrebendes, ein
Bewußtsein dieses Glückes kommen laffenl Und bann, fieber Freund — haben Sie auch wohl erwogen, ob Ne selbst in dem neuen Berufe glücklich fein werden? ®irb es Ihnen in Ihrer Eigenart, die ich genau, rote mein eignes Selbst kenne, auf die Dauer genügen' daß Ihnen im günstigen Falle nur eine zufällige Naturgabe die Höhen des Lebens erfchlleßt, nicht aber eine eigne, emporstrebende. Geisteskraft, der energische Wille? Werden Sie es in Ihrem Stolze ertragen, daß Sie viel- leicht nicht das Höchste erreichen Und sich nicht über die Mittelmäßigkeit hinausschwtngen können?"
„Sie zweifeln an meiner Fähigkeit," unterbrach Karl die Sprechende gekränkt.
„Gewiß nicht, Karli Ich persönlich bin von dem klangvollen Wohllaut Ihrer Stimme entzückt __ aber
mirb biefes Urteil auch von der Welt geteilt werden?' Dem Herzen, da, liebt, erscheint alles an dem Gegenstand feiner Neigung vollkommen —, die kritisierende ffielt prüft alles kalt und wagt, bar alles Wohlwollens, die Fähigkeiten des Künstlers genau ab! Gewiß war ich es nicht allein, die Ihren gesanglichen Leistungen Beifall zollte — alle, die Ihnen zuhörten,, legten eine förmliche Begeisterung an den Tag — aber bedenken Sie, daß dieses Lob dem Angehörigen der Gesellschaft galt! Treten Sie hinaus in die Oeffentlichkeit, ergrei. fen Sie die Kunst als besoldeten Beruf, bann müssen Sie sich bie schonungsloseste Kritik gefallen taffen und kommt dann noch der Neid und die Intrique hinzu, dann werden Sie vielleicht zur Ueberzeugung kommen daß die geträumte Höhe für Sie unerreichbar ist!" '
Die Worte des geliebten Mädchens lösten in dem Hingen Manne einen Sturm der widerstreitendsten Em- pfinbitngen aus. Die Versicherungen der Liebe aus bem reizenden Munde erfüllten ihn mit Wonne, die Warnungen vor der Ungewißheit feiner Zukunft dämpf- ten die zuversichtlichen Hoffnungen wie ein .alter Haucy. ®enau sprach sie, wie fein kühl erwägender Fröund Friedwald. Eine solche Nüchternheit des Denkens, ■
ein so berechnendes Analysieren feiner fünf tgen Le ;
bensverhältnisse hätte er dieser junonischen Gestalt nie ■ unb nimmer jugetraut Verlor die von ihm Angebetete , durch die Offenbarung einer so kühl abroägenben
Dr. Nieder spricht Sonntag abend '1=8 Uhr Im Gesellenhaus
---------- Alle Katholiken sind willkommen! — Eintritt frei! — —
Lassen wirs bei der Adoentssjimmung nicht bewenden! Ringen wir uns durch zur Adoentsgesinnung : und Advents betätigung. Die Kirche ist and) hier uns Wegweiser!» in der Epistel vom 1. Adventssonntag: „Laßt uns oblegen die Werke der Finsternis und anziehen die Waffen des Lichtes. Wie am Tage laßt uns ehrbar wandeln, nicht in Schmausewien und Trunkenheit, nicht in Schlafgemächern und Unzucht, nicht in Streit und Eifersucht, sondern lasset uns Ziehen den Herrn Jesum Christum!"
Schahs, ■»wie alle anderen Lederwaren färbt man wie neu mit Brauns****» Wilbra Wilh. Brauns, G. m.b H., Quedlinburg. Verlangen Sie Gratiabroechüre Nr. Z.
> ht der Zukunft auf eine Unterstützung der deutschen Witt- schostsstände kaum zu rechnen haben.
Unser Riff ergcht an alle deutschen Wirtschastsstände, der äußersten Not des - Va terÜmdes in wahrem Opfergeist zu wehren, zugleich aber mit Entschlossenheit den einzigen Weg zu gehen, der Deutschland vor dem völligen Ruin zu retten vermag.
Die in dm großen GmoerkschaftsverbmÄien organisierte deutsche Arbeiterschaft, das Unternehmertum, der Handwerker und der Dauer müssen sich öder alle parteipolsti- schen Schranken die Hande reichen, um durch gemeinsames Handeln der deutschen Wirtschaftsstände ein seine Verpflich. ttrngen loyal erfüllendes lebensfähiges Deutschland zu erhalten. ______________________________
Mis dem Nachbargebiet.
(fpd) Gießen, 25. Nov. Der Oberlehrer am hiesigen Gymnasium Prof. Dr. Plank, wurde von zwei badischen Kriminalbeamten in Haft genommen und nach Karlsruhe verbracht. Er wird der Geheim- bündelei beschuldigt und soll der Führer der Organisation sein» die sich über ganz Süddeutschland oer- breilet.
(fpd) Frankfurt a. M. Der Arbeiter Joseph Johann Frank aus Neuenhain fiel in den Heddernheimrr Kupferwerken ineinen Kessel mit siedendem Aluminium und verbrarmte buchstäblich.
mc Frankfurt a. Bl. Der hiesige Magistrat hatte von dem freien Deutschen Hochstist als Vermal türm des Goethehauses für bie ein gegangenen Bcfuchs- eintrittsgelder trotz der Not dieser Gesellschaft aus fiskalische Gründen Lustbarkeitssteuer erho- den, was hier Aergernis, auswärts aber Spott und Heiterkeit erregte. Natürlich wurde gegen die Erhebung Einspruch einyereicht, der demnächst girr Entscheidung kommen soll. Inzwischen aber hat die liberal« Stadtverordnetenfraktion eine dringliche Anfrage eingereicht, in welcher bei dem Magistrat angefragt wird, ob er bereit sei, im Interesse des Ansehens der Stadt diese Frage (losgelöst von fiskalischen Gründen) nochmals zu erörtern und die Möglichkeit zu prüfen, zwischen dem Freien Deutschen Hochstist als Eigentümer des Goethehauses tmb der Stadt ein« Verständigung zu suchen, die das schwebende Derwaltungsstreitverfahren unnötig machen würde.
fpd. Oberursel. Die Rolandwerke, Leonhardt u. Ko., Maschinen, und Werkzeugfabrik, wurden am Donnerstag abend durch ein Grotzfeuer völlig zerstört. Eine Rettung der umfangreichen Fabrikgebäude war wegen des empfindlichen Wasser- mangels nicht möglich.
Aus Geisa und Umgebung.
— vom kuirheifischen Bauernverein geht uns folgender Hinweis zu: Unsere Mitglieder lm Amt Geisa machen wir darauf aufmerksam, daß am 3., 4. und 5. Dezember Vorträge uns Sprechstunden im Geisaer Amt stattfinden von Seiten des turhessischen Bauernvereins Fulda. Samstag, den 3. Dezember findet ein Vortrag rn GeiSmar; Sonntag, den 4. Dezember in Geisa rm Stern; Montag, den 5. Dezember in Bremen je nachmittags 3 Uhr statt über künstliche Düngung. An. schließend an die Vorträge werden Steuererklärungen, insbesondere über die thüringische Grundsteuer unentgelllich erteilt. Dienstag, den 6. Dezember finden besondere Sprechstunden statt ,n Buttlar, die den ganzen Tag dauern. Unentgeltliche Auskunft erhalten nur Mttglleder gegen Borzeigen der Mitgliedskarten.
»Ich gehe zur Bühne!" unterbrach sie Karl. „Hof. kapellmeister Wiedhold, der sich, wie Sie ja wissen so anerkennend über meine Stimmittel ausgesprochen hat veranlaßte auf mein Ersuchen hm seinen Kollegen, den Kapellmeffter Norden am Sadtthcater in Reichenstabt mich für die kommende Saison zu engagieren. Schon morgen reife ich ab."
2)ie Mitteilung Übte entschieden eine deprimier ende ffitrfung auf die junge Dame aus; ein fast ängstlicher Ausdruck legte sich ß6er ihre Züge und langsam mit dem Kopfe mckend erwiderte sie leffe:
„Ich ahnte es! Und haben Sie auch wohl bedacht Karl, daß dieser neugewählte Beruf ein neues Hinder.' nis auf dem Wege ist, der Sie zu mir führen soll? A-m Mitglied der Buhne, und wenn es auch die höchste Staffel der Kunst erklimmt, wird die Tochter aus dem Een Kaufmannshause für alle Zeiten unerbittlich ver- sagt bleiben!"
„So reden Sie, Emilie, die doch über derartige veraltete Anschauungen erhaben fein sollte?" fragte Karl betroffen.
„Unö bie auch über diese veralteten Anschauungen erhaben ist! Aber soll ich bie Wahrheit verschweigen" Soll ich verhehlen, baß bie Meinigen mit diesen ver- arteten Anschauungen verwachsen sind, und daß sie, be. sonders mein guter Baier, sich nie und nimmer dazu verstehen würden, einen Bühnenkünstler als Sohn zu begrüßen? Wenden "At nicht ein, daß das Weib Baker und Mutter verlassen soll, um dem Manne zu folgen — göttlichen Ursprungs kann solches Gebot nicht fein denn wie viel heilige Bande zwischen Eltern unb Kindern sind schon unter Berufung auf dieses Wort zerrissen worden — wer also handelt, der begeht den chnödesten Undank gegen feine Erzeuger! Was ich Ihnen an jen-m Iuniabend gesagt habe, Karl" — die Sprecherin dämpfte ihre Stimme zum Flüstern —, „ich wie. d-rhole es Ihnen heute mit freiem Mute: Ich siebe Sie, siebe Sie mit der ganzen Kraft meines Herzens, ober stellen Sie mich nicht vor die grausame Wahl Zwischen Ihnen und meinen Eltern! Ein unheilbarer Zwist mit den Meinigen würde, wie ich mich kenne, einen dunklen Schatten auf mein Glück an Ihrer Seite ®erfe". er würde mich vielleicht gar nicht zum vollen
kungsart in feinen Augen nicht an ihrem idealen Wert? Wie zweifelnd richtete er den Blick empor — da be- (jegnete ihm aus den Augen feines schönen Gegenübers ein so warmer Sttahl, ein so innig besorgtes Mit. empfinden, daß es wie Schuppen von feinen geistigen Augen fiel. Dieses herrliche Mädchen war nicht bie hoheitsvolle Göttin, wie sie ht feinen Träumen lebte, fonbern ein echtes Weib, das ihn liebte unb mit allen SSerftanbesfräften für biefe Liebe kämpfte. Dieser klare Gefft ließ sich nicht burch bas, was bas Herz wünschte, verwirren — mit ruhigen, liebevollen Worten warnte Emilie Hohenfels ihn, ben Beliebten, vor Illusionen, damit ihm vielleicht schmerzliche Enttäuschungen erfpari blieben.
Emilie betrachtete einige Augenblicke ben sinnend Dastehenden, bann fuhr sie, bie Hanb auf feinen Arm legenb, flüfternb fort:
„3d) will Ihnen gewiß bas Herz nicht schwer ma- chen, lieber Freund, aber das, was ich denke, habe ich Ihnen sagen müssen! Heißere Wünsche, wie die mei- nen, daß Ihre kühnsten Erwartungen sich erfüllen, können Sie nicht begleiten - in bangeren Sorgen schlägt kein Herz für Sie! Und wenn auch das Glück von dem wir träumten, verloren scheint — ich ver.' zweifle nicht! Ich hoffe und harre auf Dich Du Ein. ziger!"
-tta war es wieder, das seltsame Gefühl, bas ben jungen Mann jedesmal beschlich, wenn er der Geliebten gegenuberftanb — bas Gefühl, als gehörten sie schon langst zusammen. So etwas Trautes, fein ganzes We- fen ,doH Befriedigendes, wehte ihm von ihrer ganzen Per,önlich?eit ans entgegen unb befreite ihn mit dem Empfinden, als stände er unter eines gütigen Engels sorgender Hut. Nicht stürmisch unb heiß begehrend zog es ihn zu dem schönen Weibe — als etwas ganz Selbst, verständliches bettachtete er bie innigste Zugehörigkeit 3u demselben — ein unwiderstehliches Muß zog ihn 3U~ der Reinen hin, unb mit überwältigender Macht drängte sich ihm die Erkennmis auf, daß eine Aufgabe jeber Hoffnung auf den Besitz der Geliebten gleichbe- deutend mit dem Auslöschen seines Daseins gewesen
D!e deutschen Bauernvereine zur Reparalionssrage.
Die Vorstände und Vertreter sämtlicher deutschen Bauernvereine (Vereinigung der deutschen Bauernvereine) haben in ihrer am 22. November m Berlin stattgefundenen Sitzung folgende Entschließung gefaßt:
Die Bereinitamig der deutschen Bauernvereine ist einmütig der Auffassung, daß die Erfüllung der durch die Unterzeichnung des Ultimatums übernommenen Der- pflichwng unmöglich ist, um so mehr als jetzt die ®runfctagen der Provuktionsfshigkeit des deutschen Reiches durch die Entscheidung über Ob erschlaffen und die als denen Folge eingetretene Slartentaeriung wesentlich eingeengt worden sind.
Nach wie vor ist döe Landwirtschaft bereit, mit allen Kräften an der Herstellung des Meichgewichts im eigenen Staatshaushalt wie an der Erfüllung von Friedensbcdrngungen mrtzuwirken, die der Leistungsfähig, feit Deutschlands entsprechen.
. Ata Vorbedingung jeder Beschlußfasfimg Ober eme Kredithilfe der deut schon Landwirtschaft wie über Steu-roarfagm, die durch Erfassung des Grundbesitzes die Produktionsgrundlagen werter schmälern, fordern mir daher:
Vermischtes.
* wahrsagen ist Betrug. Das Wahrsagen hat das Reichsgericht für Betrug erklärt in einer Entscheidung, die jetzt dm Polizeibehörden mttgeteilt wird. In dem Falle hatten die Kunden des Wahrsagers selbst erklärt, daß sie sich nur einen Scherz machen wollten und dafür das Geld gegeben Härten. Sie hätten garnicht an die Fähigkeit des Angeklagten geglaubt. Das Lcmdgericht hat trotzdem versuchten Betrug angenommen. Auch das Reichsgericht erklärte den Tatbestand des versuchte» Betrugs für einwandfrei festgestellt.
* Eine Gnmmisabrik eingeäschert. Nach Mel- düngen aus Wiener Neustadt ist in der Gummi- sabrik in Wimpassing bei Neukirchen infolge e.ner Kesselexplosion ein Brand ausgebt ochen, der einen Materialschaden von überlvOMillionen Kronen verursacht hat. Sämtliche Arbeiter konnten sich retten.
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Gottesdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 2Z. November. (1. Advents-Sonntag., Dom. Vi6, 6, */i7 u. 7 M., um 6 Generalkom. b. christl. Müttervereins, 8 Pfarramt u. Pr., */»10 Kathedralamt u. Pr. 11 Chr. f. b. Jünal., Vil2 M. u. Pr., >/,2 fakrament. A., 2 Chr. f. d. Jungst., »/«3Verf. d. christl. Müttervereins, 4 Pr. u. A., 7 A. i. b. Marienk. — Stadtpfarrkirche. */<6u. */«7M., 8ersterSchustotiesdienstm.Pr.,ft, 10Hoch, amt m. Pr.,11 zweiter Schulgottesdienst m Pr. Von ft,6ab wird alle halbe Stunde die hl. Kommunion auSgeteilt ft« 10 Chr. f. d. Jün st., ft.L CHr. f. d. Jungst., ft^ Bruderschaft v. hl. Erzengel Michael. Beichtgelegenheit ist Samstag von 3—7 il ft,8—ft,9, Sonntag früh von ft,6 an; außerdem Mittwoch, Freitag u. «amStag stüh b. 6—9. .— Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Frühm., 8Pr. u. Amt m. Kom., ftr5 Ehr., 5 A. — Severikirche. Sonntags und werktags ft,7M.— MichaelSkirche. Nachm. 2 (Bruderschaft v. d. 7 Schmerzen) Pr. u. A. — Herz.Jesu»Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 21.) — Frauenberg. 5, 6,6 V» u. 7 M., 8 Rofenkranzm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 feiert. Vesper mit fakrament. Segen,
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 27. November. Fulda. Vormitt. 9ft, Sup. Ruhl (hl. Abendmahl), nachm. 2 Pfarrer Weber. — Großenlüder. Vorm. 9ft, Pfarrer Weber. — Siebst» stein. Vorm. 9 Pfarrer Reich.
Mittwoch 30. November. Fulda. Abends 8 Mbel- stunüe (Gemeindehaus).
Lvangtl. landerltirchl. Hemeinkchaft §ulda, vuttlarstr. 11
Sonntag, 27. November. Abends 8 Evangelisatiov Sßrebiger Roth-Hersfeld). — Dienstag abends 8 Bibel, unde (Pfarrer Weber). — Mittwoch abends 8 Gesang» stunde. — Donnerstag abends 8 Jungfraueu-B.-St. — Freitag abends 8 Bibel- und Gebetstunde.
Die Jagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
35] __________
Endlich brach Karl Hochfekd bas Schweigen unb flufterte bem geliebten Mädchen mit bebender Stimme Ri Sie machen mich zum Glücklichsten der
n! ®erein‘9t »erde ich in ben Augen aller Derjenigen dastehen, die heute Steine auf mich werfen ■A e 5?ra0e bcr Z-it P cs! Schon heute könnte hnrff mSl9 9eben- der den auf mir lastenden Der- mnw abschwächen würde — aber ein Ehren-
S ~ 52“ miU id> das schlimmste erdulden.
3brer Achtung müßte ich sinken, wenn Sie beilia fei! ‘ Wen' mir e'm gegebenes Wort nicht W Je,y. J®cn" der von mir erwählte neue Beruf mich melle,cht auch auf einen dornenvollen Weg führt, nnt frohem Mute ergreif ich i!)n _ toei6 irf) b%' tonftines Scbifa/'fador O" mich glauben und um mein ÄÄ S «. LL-b«--», er aber glaubte, daß diese Art fe™ ®enn
hmreißen würde, so irrte er darin offe^h ^^nnder ruhten die Blicke der jungen Dame mit ein»m'in vertrauenden Ausdruck auf ihm, doch fPrarfl ,,, selben auch etwas wie Sorge, etwas X bÄ‘" aus, die Schwierigkeiten, welche die Sutunft^bmAte nicht zu unterschätzen unb als jetzt Karl Hochfeld in h°m selben Tone fortfuhr: „In meinem neuerwählte» rufe werbe ich die höchste Staffel erklimmender Gebanke an Sie, Emilie, wirb mir bie Kraft unb bie Fähigkeit bazu verleihen" — ba schüttelte das toönc Mädchen leise den Kopf unb sagte mit M4m>:d)tigenber Gebärde:
«Dor überschwänglichen Hoffnungen warne ich Sie lieber Freund! Schon manchem ist bie Jagd nach dem Glücke verhängnisvoll g?worden, weil er sich bie Zukunft in zu rosigen Farben ausrialte! Bon einem Veuerwählten Berufe fpre** Sie- Darf ich raffen —" *